Der letzte Tag eines ungewöhnlichen Sommers. Bertholt Brecht ist dabei, sein Sommerhaus am See unter den hohen Birken in Brandenburg zu verlassen, um nach Berlin zu fahren und die kommende Theatersaison vorzubereiten.
Alle Frauen seines Lebens sind da: Ehefrau Helene Weigel und Tochter Barbara, die Assistentin Elisabeth Hauptmann, die alte Geliebte Ruth Berlau, die junge, nymphenhafte Schauspielerin Käthe Reichel und die feine Isot Kilian, deren Körper und Zuneigung Brecht mit ihrem Ehemann, dem kritischen Philosophen Wolfgang Harich teilt.
Sie schwimmen, schreiben, rauchen, sie essen Pilzgulasch mit Knödeln, reden, streiten und schweigen sich an. Ein Ort, ein Tag im Jahr 1956: der letzte Tag der Sommerferien, einer der letzten Tage im Leben Brechts.
Filmkritiken
Dirk Jasper FilmLexikon: Die sonnige Szenerie ist zauberhaft, die Handlung alles andere als das. "Abschied" erzählt von Himmel und Hölle menschlicher Beziehungen, von Liebe, Hass und Leidenschaft, Ehrgeiz, Eifersucht und Egomanie, von Hoffnung und Verrat: Brecht kämpft um eine Zukunft, die es nicht mehr geben wird.
Der Spiegel 2000-37: Bierbicher zuzuschauen in diesem elegischen grundierten Spiel ist eine bewegende Sache. Er ist ein Glücksfall für den Regisseur Jan Schütte und den Drehbuchautor Klaus Pohl, die sich in dieses wunderbar weltfremde Brecht-Filmprojekt vernarrt haben. Der andere Glücksfall sind die sechs Schauspielerinnen, durch die das Frauen-Sextett lebendig wird, das der grantige Pascha Brecht durchs Leben geschleppt hat. Tschechowscher Witz und Tschechowsche Melancholie, natürlich, stecken in diesem Endspiel in hellen Herbstfarben; es ist der rare Fall eines deutschen Films, der sich kleiner macht, als er ist. Alle Achtung!
Rhein-Zeitung 2000-09-16/17: Schüttes Film zeigt einen Brecht, der resigniert hat, nur noch mit seinem Nachruhm beschäftigt ist. Der massige Josef Bierbichler passt äußerlich kaum auf den real schmächtig gewesenen Brecht, hält aber gut die Balance zwischen machohafter Arroganz und Todesahnung. Monica Bleibtreu gibt glaubwürdig die Weigel, Margit Rogall erschütternd die abgelegte Geliebte, die vergeblich um Zuneigung bettelt. Überhaupt sind in diesem Film die schauspielerischen Leistungen das Glanzstück.
Rhein-Zeitung 2000-09-13: Ruhige, melancholische Bilder wollen die letzten Tage im Leben des Autors Bertolt Brecht filmisch umsetzen. (...) Josef Bierbichler gibt Brecht eine eher behäbige Aura. Jan Schütte bringt das Verhältnis zwischen Künstlern und politischer Macht ins Spiel, überlässt die Lösung dieser Frage dem Zuschauer.
film-dienst 2000-19: Eine von einem hervorragenden Hauptdarsteller getragene Zustandsbeschreibung mit theatralischen Dialogen, die weder als Dichterporträt noch als Studie über lebenslange Liebe überzeugen.
AZ München: Jan Schütte zeigt den Dichter und Dramatiker, kongenial gespielt vom Theater-Großkaliber Josef Bierbichler, als intellektuelle Sonne, um die die Frauen seines Lebens kreisen.
Cinema 2000-09: Regisseur Jan Schütte erzählt langatmig von den letzten zermürbenden Lebenstagen des eigenwilligen Dramatikers Bertolt Brecht.
Rolf von der Reith (TV Today) 2000-19: Ein stilles, meisterliches Psychodrama, auf seine Art spannender als jeder handelsübliche Thriller.