|
|
Das atemberaubend schöne Schottland, Heimat unerschrockener Heroen, bildet den Schauplatz zu Der kleine Vampir: Dorthin zieht ein neunjähriger Junge aus Amerika mit seinen Eltern. Er freundet sich mit einem Clan gutmütiger Vampire an, die sich nichts sehnlicher wünschen, als wieder Menschen zu werden.
Der Film beruht auf Motiven aus Angela Sommer-Bodenburgs Romanen um den "Kleinen Vampir", die weltweit über zwölf Millionen mal verkauft wurden. 1995 erwarben Produzent Richard Claus und seine Partner, die Executive Producer Anthony Waller und Alexander Buchman sowie Co-Produzent Klaus Bauschulte die Rechte an den Büchern. "Ich habe mich lange um den Stoff bemüht", erinnert sich Claus. "Jeder Produzent sucht nach Material, das sich in anderen Medien bereits bewährt hat, und diese Bücher werden von Kindern und ihren Eltern nun schon seit 25 Jahren verschlungen. Als ich erfuhr, dass die Filmrechte zur Verfügung standen, habe ich sofort zugegriffen."
Die Ausarbeitung des Drehbuchs übernahmen Larry Wilson ("Addams Family", "Beetlejuice") und Karey Kirkpatrick (James und der Riesenpfirsich, Chicken Run - Hennen rennen). Die heldenhaften Vampire sorgen in dieser Geschichte für so originelle Situation und derart reichlich schwarzen Humor, dass die beiden erstklassigen und renommierten Autoren großes Interesse bekundeten.
Larry Wilson sorgte für die abgedrehte Respektlosigkeit, die auch seine bisherigen Filme auszeichnet. Karey Kirkpatrick ist Experte für Familienunterhaltung - er nahm sich der gefühlsbetonten Aspekte des Projekts an. Als Team verarbeiteten sie die Bücher zu einer temporeichen, höchst komischen und herzerwärmenden Story, die das Publikum in aller Welt anspricht - auch die Buchautorin Angela SommerBodenburg äußerte sich ganz begeistert über das Resultat. Ebenso wie ihre Leser wartet sie gespannt darauf, ihre liebevoll erdachten Figuren erstmals auf der großen Leinwand zu erleben.
Jonathan Lipnicki übernimmt die Hauptrolle des Tony - er hat sich bereits als Renee Zellwegers sechsjähriger Sohn Ray neben Tom Cruise in Cameron Crowes "Jerry Maguire" (Jerry Maguire) in die Herzen der Zuschauer gespielt. Als Produzent Claus den kleinen Jonathan engagieren konnte, der inzwischen auch noch den Sony-Megahit Stuart Little gedreht hatte, fanden sich die restlichen Teile des Puzzles wie von selbst.
"Wir wollten den Film-Tony so weit wie möglich aus seiner gewohnten Umwelt in San Diego entfernen - allerdings sollte es sich um ein englischsprachiges Land handeln", berichtet Claus. "Schottland mit seiner traumhaften Natur und den immergrünen Landschaften bot sich von selbst an. Nicht zu vergessen die Geschichte des Landes und seine geheimnisvollen Legenden - sie passen perfekt zu der Story um einen Vampir-Clan auf der Flucht."
Die Vorbereitungsphase begann im Frühjahr 1999. Die Filmemacher suchten in der weiteren Umgebung der historischen Stadt Edinburgh nach geeigneten Schauplätzen, während sich international renommierte Fachleute zu einem Stab außergewöhnlicher Talente zusammenfanden. Produktionsdesigner Joseph Nemec III kam aus Hollywood, wo er Blockbuster wie "Twister" und "Terminator 2 - Tag der Abrechnung" betreut hat.
Kostümbildner Jim Acheson wurde engagiert, um der Vampirfamilie einen unverwechselbaren Look zu verpassen. Acheson hat bereits drei Oscars? auf dem Kaminsims stehen, die er für "Der letzte Kaiser", "Gefährliche Liebschaften" und "Zeit der Sinnlichkeit" gewann. Cutter Peter R. Adam wurde für den internationalen Erfolg "Comedian Harmonists" mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet.
John Grower übernahm die Leitung der visuellen Effekte - er gehörte bereits zu dem Pionier-Team der "Tron"-Trickexperten und arbeitete auch an den "Star Trek"-Filmen, an "American Werewolf in Paris", "Spawn" und "Paulie - Ein Plappermaul geht seinen Weg". Ty Teiger und seine Requisiteure können Erfahrungen mit "Titanic" und "Star Wars Episode 1: Die dunkle Bedrohung" vorweisen.
Den Filmemachern war klar, dass solch ein Film vor allem von seinem Look, von seiner Ausstattung geprägt wird: Sie mußsten für die Vampire eine ganz neue Welt erschaffen. Ende Juni war alles für den Drehstart vorbereitet. Aufmerksam verfolgte man den Wetterbericht, und dann nahm der Film an den atemberaubenden Schauplätzen langsam Gestalt an: Gedreht wurde in den prächtigen Villen von Dalmeny und Dundas Castle sowie in dem historischen Dorf Culcross, das Edinburgh gegenüber an der Bucht Firth of Forth liegt. Im Großen und Ganzen wurde der üblicherweise regnerische schottische Sommer seinem schlechten Ruf glücklicherweise nicht gerecht, und so konnten die Außenaufnahmen fast exakt nach Drehplan durchgeführt werden. Die amerikanischen Schauspieler ließen sich von Schottland und den Schotten auf der Stelle verzaubern. Lipnicki gab sofort zu, dass "wir uns ihre Sprache ausgeliehen haben", während Tommy Hinkley es auf einen konkreten Nenner brachte: "Etwas kälter, etwas grüner. Und sie reden komisch." Vom Helikopter aus entstanden die Flugaufnahmen über den wunderschönen Küstenstrichen - sie liefern den Hintergrund für die Bluescreen-Aufnahmen der fliegenden Vampire, die später im Studio aufgenommen wurden. Außerdem rekrutierte man echte Kühe, die auf dem Erdboden brav ihre Rollen spielten, während sie sich später mit digitaler Hilfe von Digital Renaissance und den Santa Barbara Studios in die Lüfte erhoben.
Regisseur Uli Edel wusste schon nach der ersten Lektüre des Drehbuchs, dass er den Film unbedingt machen wollte - nicht zuletzt, weil er selbst zwei Jungen hat: "Eine tolle Geschichte für die ganze Familie, weil es ja um Familien geht. Angefangen mit Tod Browning und F. W. Murnau über den Hammer-Zyklus bis hin zu Coppola und ,Blade? (Blade) sind Vampire immer als fürchterliche Nachtmonster dargestellt worden. Einer der aufregendsten Aspekte an ,Der kleine Vampir? ist die Umkehr der traditionellen Helden- und Schurkenrollen. Wer also ist dieser kleine Vampir? Auf Rüdiger lastet ein Fluch ebenso wie auf seinen Eltern, seinem Bruder und seiner Schwester; seit Jahrhunderten streift die Familie ruhelos über die Erde - ständig auf der Suche nach einem Ausweg aus ihrer schrecklichen Situation."
Als Edel erfuhr, dass Jonathan die Hauptrolle übernahm, reagierte er noch begeisterter, und seine hohen Erwartungen wurde von dem jungen Star bei den Dreharbeiten mehr als erfüllt: "An Jonathan kann man verfolgen, wie der Film funktioniert. Wir erleben die ganze Geschichte aus seinem Blickwinkel. Wie Jonathan sich in seine Rolle einlebt, beweist wieder einmal, was für ein Naturtalent er ist. Die gesamte fruchtbare Arbeit mit Kindern ergibt sich aus ihrer Begeisterung für das Spielen. Diesen spielerischen Instinkt verlieren Erwachsene allzu oft." Jonathan Lipnicki feierte seinen neunten Geburtstag kurz nach Ende der Dreharbeiten - seine erste Actionrolle hatte er damit in der Tasche. Er nennt den "kleinen Vampir" eine "Action-Komödie, ein bisschen fröhlich, ein bisschen traurig und ein bisschen gruselig, in der ich viel rumlaufe und rumspringe und vor allem fliege."
Die Schlüsselbeziehung des Films ergibt sich, als der von Jonathan gespielte Tony, der sich in seiner feuchtkalten neuen Heimat Schottland einsam fühlt, einen jungen Vampir seines Alters trifft und sich mit ihm anfreundet. Tonys Albträume führen dazu, dass er von der Vampir idee ganz besessen ist. Eines Abends verkleidet er sich selbst als Blutsauger und wird dann fälschlicherweise als echter Vampir angesehen, denn plötzlich landet eine große und offensichtlich erschöpfte Fledermaus an seinem Fenster und verwandelt sich in einen Vampir namens Rüdiger (gespielt vom Newcomer Rollo Weeks). Der hält Tony für seinesgleichen und zeigt sich ihm deshalb in seiner Vampirgestalt. Rüdiger und seine Familie müssen nicht nur das Tageslicht meiden, sondern auch einen hartnäckigen Vampirjäger namens Geiermeier.
Verzweifelt versuchen die Vampire, in ihre menschliche Existenz zurück zukehren, vor allem, damit die Kinder endlich erwachsen werden können. Zu diesem Zweck benötigen sie einen Zauberstein, der seit 300 Jahren verschollen ist. Falls sie ihn rechtzeitig zum Erscheinen des Kometen Attamon finden, hoffen sie ihre Sterblichkeit wieder zu erlangen. Jonathan sieht Rüdigers Geschwister ganz gelassen: "Sein Bruder will mich beißen, seine Schwester ist in mich verknallt, ihr Haar und ihre Kleider sind seit dem 18. Jahrhundert völlig verdreckt."
Dean Cook spielt Rüdigers älteren Bruder Lumpi. Er bestätigt Jonathans Eindruck: "Ich ziehe menschliches Blut vor." Aber, fügt er hinzu: "im Grunde sind wir eine echt nette Familie." Natürlich sind Vampire grundsätzlich auf der Suche nach menschlichem Blut. Doch dieser Clan bildet eine Ausnahme; seine Mitglieder haben ihre Misere gründlich satt, sie wünschen sich, wieder soziale Kontakte mit normalen Menschen aufzubauen. Dabei argumentieren sie wie folgt: Weil Menschen offensichtlich nichts dagegen haben, Rindfleisch zu essen, werden sie auch die Verfolgung der Vampire einstellen, wenn die nur noch Rinderblut trinken. Was dadurch mit den Rinder passiert, steht auf einem ganz anderen Blatt. Jedenfalls sehen die Vampire nach Jahrhunderten auf der Flucht in ihrer Einsamkeit und Erschöpfung keinen anderen Ausweg als diesen Kompromiss in ihrer Ernährung. Um die prekäre Situation zu überstehen, sind sie auf die Hilfe der Kinder angewiesen.
Richard E. Grant übernimmt die Rolle des Vampirpatriarchen Ludwig, dessen Selbstsicherheit in den Jahrhunderten der erfolglosen Suche nach dem Amulett einen ernsthaften Knacks davongetragen hat. Alice Krige stellt die Mutter Hildegard dar, die mit Ludwig leidet und ihm die Treue hält. Dies und ihre gemeinsamen Kinder halten die Familie zusammen. Für beide Schauspieler war das kindgerechte Ambiente ausschlaggebend, als sie sich zur Mitwirkung an dem Film entschlossen. Grant sagt: "Meine Tochter ist zehn und schätzt die Bücher sehr." Und über die Zusammenarbeit mit Kinderdarstellern: "Sie haben eine natürliche Spontanität, von der wir nur hoffen können, dass wir sie manchmal erreichen."
Krige war vom Drehbuch umso mehr eingenommen, als sie es toll fand, dass die Kinder die Eltern retten". Sowohl im Kreis der Vampirfamilie vor der Kamera als auch im Ensemble der Schauspieler verband diese Darsteller etwas ganz Besonderes. Anna Popplewell spielt den jüngsten Vampir Anna, ihr hat, das Zusammenspiel des Teams bei den Dreharbeiten eindeutig den meisten Spaß gemacht. Allerdings schiebt sie sofort nach, dass sie auch ihre spitzen Eckzähne echt toll fand.
Jim Carter spielt den garstigen Vampirjäger Geiermeier. Dieser Beruf hat bei den Geiermeiers eine jahrhundertealte Familientradition. In einer der historischen Rückblenden, aus denen Tonys Träume bestehen, erleben wir gar Geiermeiers Ur-ur-ur-ur-ur-ur-ur-ur-ur-großvater, wie er mit sei-ner Spezialanfertigung eine Vampirjäger-Kutsche zum Duell mit Ludwig schaukelt, um den Vampiren das Ritual beim Erscheinen des Kometen zu versalzen. Auch der heutige Geiermeier verwendet ein seinen besonderen Ansprüchen entsprechend ausgerüstetes Spezialmobil, das mit allen möglichen Apparaturen jeder Eventualität bei der Vampirvertilgung Rechnung trägt: Per Radar kann er Fledermäuse orten, Knoblauch ist immer reichlich an Bord, und Holzpflöcke verschießt er per Luftdruck-Kanone - eine ständige Gefahr für den Vampir-Clan. Jim Carter stellte sich der Aufgabe mit Begeisterung: "Der Bösewicht ist immer die dankbarste Rolle." Dennoch erwies sich die Arbeit als sehr anstrengend, wie er bald bemerkte. Das von Jim Acheson angefertigte Lederkostüm war zwar traumhaft, aber auch extrem schwer, und außerdem "ist das echte Knochenarbeit. Einen ganzen Tag verbrachte ich bis zum Hals im Wasser. Denn Geiermeier landet meistens im Dreck."
Für die Studioaufnahmen in Deutschland baute Joseph Nemec III eine Reihe zauberhafter Sets. Die ursprünglichen Dracula-Filme hatten ihn "zu Tode erschreckt", und deswegen war er sehr erfreut, dass das Drehbuch zwar viele der bekannten Versatzstücke der Vampirkultur enthält, sie aber in sympathischem Licht zeigt: Die Bewertung der Rollen wird völlig auf den Kopf gestellt - Vampire als positive Helden, der Vampirjäger als Schurke. Gerade das reizte die vielen Fachleute an diesem Filmprojekt. Drei wesentliche Sets mußste Nemec völlig aus seiner Fantasie erschaffen: die Katakomben, in denen die Vampirfamilie haust, sind an vorhandenen Gebäuden orientiert, wobei die Ausstattung etliche verspielte und funktionale Aspekte enthält, die in diesem Kinderfilm für das spaßige Element sorgen. Das Friedhofsset und das Felsenkliff erwiesen sich als die umfassendsten und aufwendigsten Studiobauten - sicher ist Nemec darauf am meisten stolz.
Was allerdings den Unterhaltungfaktor angeht, barg Nemecs Entwurf zu Geiermeiers unnachahmlichem Vampirjäger-Mobil eindeutig das größte Spaßpotenzial: "Hightech kam für uns nicht infrage, vielmehr war Schrottplatz-Atmosphäre angesagt. Geiermeier ist eindeutig ein Tüftler, der sich seine Ausrüstung selbst zusammenbastelt." Als Unterbau verwendete Nemec einen aufgemöbelten Militärlastwagen der Roten Armee. Dann machten sich Ty Teiger und seine Requisiteure unter Nemecs Anleitung ans Werk und installierte eine Vampir-Abwehrwaffe nach der anderen. Der Truck brachte es selten auf mehr als 40 km/h, und meistens fuhr er überhaupt nicht, aber er war höchstwahrscheinlich das beliebteste Requisit der gesamten Dreharbeiten. Was die Trick-Anforderungen für "Der kleine Vampir" angeht, biss sich so mancher Computer-Guru die (Eck-)Zähne aus. Das geringste Problem waren noch die Verwandlungsszenen und die simulierten Luftreisen der schwerelos schwebenden Blutsauger.
Aber als es darum ging, sogar Kühe in Vampire zu verwandeln und zum Fliegen zu bringen, leckten die Software-Experten erst richtig Blut. John Grower, der die Herstellung der visuellen Effekte überwachte, formuliert es so: "Fliegende Vampir-Kühe hat es eindeutig noch nie gegeben." Zunächst machte Stunt-Coordinator Tom Delmar den hilfreichen Vorschlag, riesige Katapulte zu bauen und echte Kühe in die Luft zu schleudern. Aber das schien dann doch zu unberechenbar und nicht gerade tierfreundlich. Also wurden etliche Rinder mit all ihren beweglichen Extremitäten in den Computer gepfercht - was bei den Programmierern mehr als nur ein leichtes Zittern auslöste.
Die Computer-Künstler in den Santa Barbara Studios in California, die für Cometstone bereits an "An American Werewolf in Paris" (American Werewolf in Paris) mitgewirkt hatten, studierten jetzt die Bewegungsabläufe von Rindern und das Zusammenspiel der verschiedenen Muskelpartien, um auf diese Weise darzustellen, wie eine fliegende Kuh sich verhalten würde. In den frühen Tests waren herrliche Stop-and-go-Landungen auf einer nicht vorhandenen Landepiste zu sehen, aber auch eine haarsträubende Tiefflug-Attacke auf eine Wiese, bei der das aufgerissene Gras nur so spritzte, als die Rindviech-Sturzbomber hindurch pflügten. Weitere Entscheidungen höchst ungewöhnlicher Art standen an: Wie groß sollten die Fangzähne der Kühe sein? Wenn sie zu klein waren, fielen sie womöglich gar nicht auf. Aber zu große würden vielleicht eher Nilpferd-Hauern gleichen.
Nachdem die
Rinder-Recherche abgeschlossen war, wurden diese Vorarbeiten
komplett an Digital Renaissance in Oberhausen geschickt. Dort
machte sich ein Animatorenteam unter Leitung von Bernd Angerer ans
Werk - er selbst hatte früher für Digital Domain in
California gearbeitet. In Oberhausen entstanden die Flugbewegungen
der Kühe im konkreten Zusammenhang mit den
Hintergrundaufnahmen, die bereits als Film vorlagen. Die Aufgabe
des Angerer-Teams lässt sich mit einem Brückenbau
vergleichen: Die Anfangs- und Endposition ist bereits bekannt, und
die Animatoren verbanden diese Positionen nun mit Bewegungen, die
sich an den Vorgaben der Santa Barbara Studios orientierten. Was am
Ende, wenn irgend möglich, herauskommen sollte: Kühe, die
ganz normal durch die Luft segeln.
|
|
| © Fotos: Warner Home Video © 1994 - 2010 Dirk Jasper |
