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Filmkritik von Tino Hahn |
Liberty Heights ist eine geschichte über den alltäglichen rassismus in den USA der 50er jahre. dabei werden sowohl der weisse als auch der schwarze rassismus kompromisslos beleuchtet und seziert. die geschichte spielt zu der zeit, als die ersten schwarzen in die high-school integriert werden, die der jude ben kurtzman besucht. zum ersten mal erlebt er bewusst den alltäglichen rassismus, als er sich in eine seiner neuen, farbigen mitschülerinnen verliebt. seine neue liebe entstammt einer reichen familie, die jeden kontakt mit weißen rigoros ablehnt und auch bens familie ist entsetzt über seinen kontakt zu einer schwarzen. sein bruder Van erlebt ebenfalls die auswirkungen der intoleranz, als er sich in ein typisch blondes, christliches mädchen verliebt.
die rolle von Bens bruder Van wurde mit Adrien Brody besetzt, der bereits in Der schmale Grat brillierte. die weiteren rollen sind mit weitgehend unbekannten, aber exzellent agierenden schauspielern besetzt. Joe Montegna wird dem ein oder anderen von euch vielleicht aus der schwarzen gangstertragikomödie Jerry&Tom bekannt sein, die restlichen akteure hielten sich bisher mit kleinen rollen in bedeutungslosen b-movies über wasser. Barry Levinson behandelt seine figuren stets liebevoll und setzt sie höchstens liebevollem spott aus, eine gegenentwicklung zu der momentan vorherrschenden denunzierung aller minderheiten, die von filmen wie Road Trip propagiert wird.
sein erzählstil ist nüchtern, dokumentarisch, dabei aber zugleich unglaublich liebevoll und erinnert an filme wie Stand by me. durch seine distanzierte inszenierung wirken auch szenen wie die, in der Ben sich zu halloween als Hitler verkleidet, nicht befremdend, sondern zeigen nur ein kind, das sich der bedeutung seiner handlung nicht bewusst ist. bei Liberty Heights stehen immer die charaktere und ihre geschichte im vordergrund und werden nie von lauten effekten beiseite gedrängt oder gar erdrückt. das ergebnis ist ein ernster, aber auch humorvoller film über das amerika der 50er jahre mit seinem alltäglichen rassismus, der aus der sicht einer jüdischen familie erlebt und auch gelebt wird.
anstelle von plakativen, eindeutigen szenen, wird der rassismus durch subtile szenen verdeutlicht. dem zuschauer bleibt der film als eine hommage an die 50er jahre, aber auch als eindringliches plädoyer gegen rassismus und intoleranz im gedächtnis. allerdings ist mehr als fraglich, ob Liberty Heights der gleiche erfolg zuteil wird wie Gottes Werk und Teufels Beitrag, einem anderen gesellschaftskritischen meisterwerk der jüngsten kinogeschichte.
fast scheint es so, als ob hollywood ereignisse in der vergangenheit dazu benutzen mußs, um auf aktuelle entwicklungen aufmerksam zu machen. Und der grossteil des publikums kann keine kritik vertragen, es sei denn, es spielen bekannte und gutaussehende schauspieler mit ;)))
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| © Tino Hahn © 1994 - 2010 Dirk Jasper |