Ausführlicher Inhalt zu Liberty Heights

Das Schild am Eingang zum exklusiven Turkey-Hill-Schwimmclub ist eindeutig: "Kein Zutritt für Juden, Hunde oder Farbige". Ben Kurtzman (BEN FOSTER) und seine Freunde Sheldon (EVAN NEUMAN) und Murray (GERRY ROSENTHAL) sind Juden und müssen draußen bleiben. Sie rätseln darüber, ob die Reihenfolge auf dem Schild wohl etwas zu bedeuten hat: Lehnen die christlichen und weißen Schwimmer im Badesee Juden mehr ab als Hunde und Schwarze?

Im Baltimore des Jahres 1954 bleiben die Bevölkerungsschichten unter sich, Schwarze, Juden und christliche Weiße leben nebeneinander in getrennten Wohnvierteln. Und dennoch - die Dinge verändern sich ganz allmählich: In Bens Highschool werden die ersten schwarzen Schüler integriert. Das morgendliche Schulgebet besteht aus dem 23. Psalm, und plötzlich ist Ben sehr daran interessiert, was seine neue schwarze Mitschülerin Sylvia (REBEKAH JOHNSON) wohl denkt, wenn sie so inbrünstig betet. Eines Tages steigt Ben nach Schulschluss in ihren Bus und begleitet sie nach Hause. Sie wohnt allerdings nicht in den Slums der Innenstadt, sondern in einem vornehmen Wohnviertel - ihr Vater ist ein wohlhabender Arzt.

Die Frage nach Sylvias Andacht ist bald geklärt: Sie versteht den Psalm genauso wenig wie Ben - es ist halt das tägliche Ritual. Sylvia hat zwar die strikte Auflage, sich nicht mit Weißen abzugeben, aber sie leiht sich das Auto ihrer Mutter und fährt mit Ben in den Zoo. Sie hat im Autoradio einen Sender eingestellt, den der glühende Sinatra-Fan Ben noch nie zur Kenntnis genommen hat: Erstmals hört er schwarze Musik, und bald lernt er zu Hause bei Sylvia auch ihre Plattensammlung kennen - natürlich nur, wenn ihre Eltern nicht da sind.

Bens Vater Nate (JOE MANTEGNA) geht zwar wie jedes Jahr am jüdischen Neujahrsfest in die Synagoge, aber ebenso regelmäßig verlässt er er den Gottesdienst vor dem Ende und schaut beim Autohändler vorbei, wo das neue Cadillac-Modell eingetroffen ist. Nate stöhnt über die gestiegenen Preise, denn die Geschäfte gehen schlecht. Mit seinen Partnern Louie (CHARLEY SCALIES), Charlie (RICHARD KLINE) und Pete (VINCENT GUASTAFERRO) führt Nate ein Varieté-Theater, das jedoch nur noch wenige Besucher anzieht. Und die kommen nicht wegen der einfältigen Komiker, sondern wegen der Stripperinnen. Wie die gesetzlichen Auflagen nun mal sind, dürfen sich die Damen jedoch nie ganz ausziehen - viel Rendite werfen sie deshalb nicht ab. Aus diesem Grund betreiben Nate und seine Freunde in ihrem Viertel nebenbei eine illegale Lotterie, doch auch die bringt zu wenig Einnahmen. Sie verfallen daher auf die Idee, eine Zusatzzahl auszulosen, die die Gewinnchancen erhöht - und somit den Umsatz um stattliche neun Prozent steigert. Gleichzeitig schütteln die Partner sorgenvoll die Köpfe über Pläne der Regierung, die ins "freie Unternehmertum" eingreifen und eine staatliche Lotterie aufziehen will.

Am Halloween-Abend erscheinen Sheldon und Murray im Wikinger-Kostüm bei Kurtzmans, um Ben zur Party abzuholen. Der stiefelt in brauner Nazi-Uniform mit angemaltem Hitler-Bärtchen die Treppe herunter - seine Mutter Ada (BEBE NEUWIRTH) und seine Oma fallen fast in Ohnmacht. Ada will unter allen Umständen verhindern, dass Ben in diesem Aufzug das Haus verlässt, und holt sich telefonisch Hilfestellung bei Nate. Ben gibt nicht nach und mußs den Abend zu Hause verbringen.

Sein älterer Bruder Van (ADRIEN BRODY) geht bereits aufs College. Am selben Abend besucht er mit seinen Freunden Yussel (DAVID KRUMHOLTZ) und Alan (KEVIN SUSSMAN) eine Party im christlichen Viertel. Dort verliebt er sich unsterblich in die blendende Erscheinung der blonden Dubbie (CAROLYN MURPHY), die wie eine Märchenprinzessin verkleidet ist und einen Zauberstab schwingt. Aus einer Laune heraus erfüllt sie Van seinen unausgesprochenen Wunsch und küsst ihn.

Währenddessen hat sich Yussel mit dem aggressiven Ted (SHANE WEST) angelegt, der wissen will, ob er ein Jude ist. Draußen auf dem Rasen kommt es zu einer Prügelei, bei der Yussel sich ein blaues Auge einfängt. Aber er gibt nicht auf, und der Kampf wird erst unterbrochen, als Dubbies Freund Trey (JUSTIN CHAMBERS) mit seinem Sportwagen über den Rasen braust und das Garagentor demoliert. Der ganze Garten war voller Partygäste, die den Vorfall gesehen haben, aber merkwürdigerweise werden gerade auch die drei jüdischen Freunde als Zeugen zu dem gerichtlichen Nachspiel vorgeladen, denn Vans Freund Nick (TIMOTHY J. SCANLIN, JR.) hat der Polizei ihre Namen genannt, ohne sich etwas dabei zu denken.

Van, Yussel und Alan haben vor Gericht nichts zu verlieren und nehmen das Ganze auf die leichte Schulter. Van wird als Erster aufgerufen, und auf die Frage des Gerichtsdieners "Schwören Sie, die Wahrheit zu sagen, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit, so wahr Ihnen Gott helfe?" antwortet er einfach mit "Nein!", denn er stört sich an der Gottesformel. Diese Frechheit löst einen Tumult im Gerichtssaal aus, aufgebrachte Matronen auf dem Zuschauerrang beschimpfen ihn als "Kommunisten". Doch der Angeklagte Trey ist von Vans Zivilcourage schwer beeindruckt. Nach der Verhandlung verspricht er, Van bald einmal einzuladen. Denn Van schwärmt ihm von der engelsgleichen Dubbie vor, ohne zu ahnen, dass sie Treys Freundin ist.

Ben und Sylvia verbringen heimlich viel Zeit miteinander, aber sie wagen nicht, einander körperlich näher zu kommen, auch wenn sie immer deutlicher spüren, welch widersinnige soziale Barrieren zwischen ihnen aufgetürmt sind. Als Sylvia beim Plattenhören in ihrem Zimmer wie zufällig Bens Oberschenkel berührt, hat er eine spontane Ejakulation. Peinlich berührt, versucht er sein Gesicht zu wahren, indem er mit Sylvia über die Merkwürdigkeiten der männlichen Anatomie fachsimpelt.

Während er im Bad seine Hose trocknet, kommt Sylvias Vater (JAMES PICKENS, JR.) unerwartet früh nach Hause. Ben verschwindet zwar sofort im Wandschrank, vergisst aber seine Schuhe, und der Vater schöpft Verdacht. Wütend, aber gefasst und höflich holt er Ben aus dem Schrank und verbietet beiden jeden weiteren Kontakt.

Weil der Heimweg für Ben zu weit ist, mußs der Vater ihn auch noch zurückfahren. Als er vor dem Haus der Kurtzmans hält, singt Sinatra gerade im Autoradio "Young at Heart", und Ben weigert sich, den Wagen zu verlassen, bis der letzte Akkord des Songs verklungen ist. Sylvias Vater starrt ihn fassungslos an.

Nate und seine Freunde stecken in großen Schwierigkeiten: Der schwarze Drogenhändler Little Melvin (ORLANDO JONES) hat bei der Lotterie statt ein paar Pennys gleich 50 Dollar auf eine Zahl gesetzt und - gewonnen: 100.000 Dollar! Solche Gewinne sind nicht vorgesehen - Nate ist zahlungsunfähig. Seine Söhne haben Angst um ihn, doch Mutter Ada kann sie beruhigen. Sie erzählt, wie der junge Nate einst von christlichen Kinder vermöbelt worden ist - darauf trainierte er so lange Boxen, bis er es mit allen Gegnern aufnehmen konnte: An einem Nachmittag verprügelte er sieben Christenlümmel hintereinander. "Er kann auf sich aufpassen", sagt Ada.

Jetzt heißt es improvisieren: Als Little Melvin erscheint, um seinen Gewinn abzuholen, erklärt sich Nate zur Auszahlung bereit, bietet ihm aber eine noch lukrativere Partnerschaft im Lotteriegeschäft an: Melvin soll den Südosten der Stadt ganz für sich bekommen. Dabei erwähnt Nate nicht, dass er den Südosten gar nicht kontrolliert. Melvin nimmt das Angebot an. Doch natürlich funktioniert diese Taktik nicht lange, und Melvin fordert wieder sein Geld - diesmal ultimativ.

Nate schenkt ihm reinen Wein ein und leistet seinen Offenbarungseid. Natürlich besteht Melvin trotzdem auf Zahlung der Schulden. Während die Schulkinder in der Schule den atomaren Ernstfall üben, indem sie sich auf den Flur setzen und ein Schulbuch über den Kopf halten (!), lädt Sylvia Ben zum James-Brown-Rockkonzert ins (schwarzen) Royal Theater ein. Sie will allerdings zur Sicherheit nicht mit ihm zusammensitzen, sondern ihre Freundin Gail mitbringen. Ben borgt sich den Cadillac seines Vaters aus und fährt mit Sheldon ins Viertel der Schwarzen.

Am selben Abend holen Van und Yussel Trey bei sich zu Hause ab, denn Trey will sie zu einer Party mit vielen blonden Mädchen mitnehmen. Yussel, der sich jetzt lieber als "Yates" ausgibt, hat sich zur Tarnung die Haare blond gefärbt. Er mokiert sich über die gediegene Einrichtung in Treys Elternhaus: "Die haben wohl 1906 zum letzten Mal eingekauft!"

Natürlich hofft Van auf der Party Dubbie zu treffen. Das will Trey verhindern, ohne unhöflich zu wirken. Vielmehr möchte er Van mit einem der anderen Mädchen verkuppeln. Dubbie wird nicht auf der Party sein, weil sie mit ihrem Vater in Europa ist. Was er nicht weiß: Sie hat die Reise abgesagt. Plötzlich erscheint sie auf ihrem Reitpferd am Lagerfeuer, und Van wähnt sich wieder wie im Märchen. Aber Dubbie schenkt ihm reinen Wein ein: "Es war kein Zauberstab." Sie gesteht, dass sie mit Trey zusammen ist.

Während Ben, Sheldon, Sylvia und Gail einen entfesselten James Brown auf der Bühne erleben, erkennt Dealer Little Melvin auf der Straße Nates Cadillac wieder. Er wartet das Ende des Konzerts ab. Mit vorgehaltener Pistole entführt er kurzerhand die beiden weißen Jungs mit ihren schwarzen Freundinnen, um Nate gefügig zu machen. Little Melvin versucht herauszubekommen, wieso die vier befreundet sind: "Von Weißen wird man doch nur übers Ohr gehauen." Ben gibt ihm Nachhilfe in Geschichte: "Auch die Juden waren Sklaven, vor 3500 Jahren: Da haben sie in Ägypten die Pyramiden gebaut." Nate hat natürlich immer noch keine 100.000 Dollar. Um seinen Sohn auszulösen, überlässt er Melvin sein gesamtes Lotteriegeschäft.

Dubbie erscheint bei Van und berichtet, dass Trey bei einem Autounfall schwer verletzt worden ist - er liegt in einem Krankenhaus in Virginia. Van erklärt sich sofort bereit, sie dorthin zu begleiten. Auf der Fahrt gesteht Dubbie, dass ihre Beziehung zu Trey praktisch vorbei ist. Der schwer lädierte Trey bestätigt das, er macht den Weg frei für Van, allerdings mit der Warnung: "Sei vorsichtig, sie ist sehr zerbrechlich."

Auf der Rückfahrt schlägt Dubbie vor, die Nacht gemeinsam in einem Motel zu verbringen. Van glaubt sich am Ziel seiner Wünsche. Doch Dubbie ist nicht die strahlende Prinzessin seiner Träume: Sie betrinkt sich sinnlos, weil sie die kaputte Ehe ihrer Eltern nicht verwinden kann. Nate hat auf das richtige Pferd gesetzt: Wie er geahnt hat, kommt Melvin mit dem Lotteriegeschäft nicht zurecht. Sehr bald klopft er wieder bei Nate an, um eine Partnerschaft zu vereinbaren. Nate sitzt am längeren Hebel, er fordert und bekommt 80 Prozent der Einnahmen.

Sommer 1955: Sylvia und Ben bekommen ihr Highschool-Diplom. Sie werden sich nicht wieder sehen - Sylvia geht auf ein schwarzes College, Ben auf ein weißes. Er nimmt sich ein Herz und küsst sie vor den Augen der versammelten Elternschaft. Später reißt er das Verbotsschild vom Eingang des Schwimmclubs, und mit dem Wort "Jude" auf der Brust setzen sich die drei Freunde demonstrativ auf den Bootsanleger des Badesees.

Nate hat kein Glück mit seinen Geschäften. Die Lotterie floriert zwar, aber er wird vor den Kadi gezerrt, weil er mit dem Drogendealer Melvin gemeinsame Sache macht. Außerdem droht ihm eine Verurteilung wegen "verwerflicher Handlungen" auf seiner Varieté-Bühne, und sogar Mädchenhandel wird ihm vorgeworfen.

Van bittet Trey, über seinen bekannten Anwalt-Vater zu intervenieren, um die Verhaftung wenigstens bis nach dem jüdischen Neujahrsfest zu verschieben. Denn Nate will ein letztes Mal in die Synagoge gehen. Einen neuen Cadillac wird es dieses Jahr nicht geben.


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