Scary Movie
Filmkritik von Tino Hahn
Szenenfoto Sacry Movie - die Nackte Kanone onaniert auf den toten körper von Wes Craven der regisseur Keenen Ivory Wayans und seine beiden brüder Shawn und Marlon gehören zu den dreistesten wendehälsen, die Hollywood zu bieten hat: waren ihre filme früher debile hiphop-komödien, die genau den zeitgeist des publikums trafen, so wird jetzt von ihnen das subgenre des schlitzerfilms durch den kakao bzw. das sperma gezogen. ok, ein film mit Steven Seagal gesellt sich auch noch zu Wayans' filmischen meisterwerken (Glimmer Man)...

die worte subtil, hintergründig oder political correctness kann man bei Scary Movie für die folgenden 95 minuten aus seinem gedächtnis streichen, denn ab sofort regieren körperflüssigkeiten, platte zoten bis zum rande der peinlichkeit und unzählige zitate aus den letzten 12 kinomonaten. allerdings ist der film eindeutig für den amerikanischen markt konzipiert worden, deshalb zieht die schlußsequenz nicht richtig: darin wird einer der am meisten unterschätzten filme des letzten jahrzehnts (Die Üblichen Verdächtigen) verwurstet, der beim deutschen publikum weitgehend unbeachtet blieb.

jedenfalls blieben bei meinem kinobesuch die lacher an den entscheidenden stellen aus, was ich auf die unkenntnis des publikums zurückführe. gott sei dank werden aber auch alle relevanten szenen aus Matrix und natürlich Scream und Ich weiss noch immer, was du letzten Sommer getan hast ausgiebig zitiert. wer die entsprechenden filme nicht gesehen hat, wird viele der gags zwar komisch finden, aber ihr ganzer witz eröffnet sich erst an, wenn man die originale kennt.

ganze handlungsstränge sind nahezu identisch und wurden bei Scary Movie lediglich mit einer vielzahl von pointen angereichert, von denen einige wirklich knallen, viele allerdings verpuffen wie ein mädchenfurz beim baden (nachdem ihr Scary Movie gesehen habt, wisst ihr, was ich meine ...)

offenbar vertraute die Wayans-clique nicht auf das potential einer weiteren parodie á la Nackte Kanone, sondern addierte noch eine kräftige portion fäkal-humor, der seit Verrückt nach Mary und American Pie anscheinend der letzte schrei zu sein scheint und der in Jim Carreys neuem film (Ich, Irene und sie beide) seinem momentanen höhepunkt entgegenblickt. aber furz- und pipi-witze finden immer ein dankbares publikum, wie der erfolg von machwerken wie Ballermann 6 und Voll normaaal eindrucksvoll zeigt.

die frage ist nur: wie schwierig sind solche witze zu realisieren? wie nötig sind solche witze? und welches kreative potential steckt in solchen witzen? ich glaube, diese drei fragen kann jeder für sich selbst beantworten! dazu kommt noch, dass filme wie Scream ursprünglich parodistisch gemeint waren und somit nicht noch mal parodiert werden müssen. somit ist Scary Movie noch flüssiger als durchfall, nämlich überflüssig.

selbstverständlich weist die deutsche kinoversion auch ein paar kleine schnitte auf, die einige der brutalen gags etwas entschärfen bzw. einen aufdruck ?ungeschnittene fassung - nie im kino!' auf der verleihkassette rechtfertigen sollen.

fazit: scary movie ist ein unterhaltsames, aber lieblos heruntergekurbeltes fließbandprodukt, dass seine anvisierte zielgruppe erreichen wird und eindrucksvoll beweist, dass ein tieferes verständnis der filmgeschichte nicht nötig ist, um sie zu parodieren.

Dirk Jasper FilmLexikon
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