| ||
|
Die Anfänge dieses Filmes liegen in Australien, wo Al Clark, der Produzent des Kultfilms Priscilla, Königin der Wüste, dem jungen Regisseur Stephan Elliott das Buch "The Eye of the Beholder" (Mortelle Randonnée) von Marc Behm schenkte. In Deutschland ist es unter dem Titel "Das Auge" erschienen. Stephan nahm die Herausforderung an, ein Drehbuch zu schreiben, das auf dieser mehr als ungewöhlichen Liebesgeschichte basieren und die Zuschauer fesseln sollte. Clark und Elliott stellten ihr Projekt Tony Smith und Hilary Shor von Hit & Run Productions vor. Smith und Shor erklärten sich damit einverstanden, den Film zu finanzieren, und wandten sich an Mark Damon von Behaviour Worldwide, der sich um den internationalen Verleih kümmern sollte. Damon stellte die vier dann dem erfahrenen kanadischen Produzenten Nicolas Clermont vor. Hilary Shor und Stephan Elliott machten sich schließlich an die Besetzung der Hauptrollen - und fanden nach langer Suche die Idealbesetzung schließlich in Ewan McGregor und Ashley Judd. "Das ist wahrscheinlich die ungewöhnlichste Art, mit der ich jemals an einen Film herangegangen bin," gibt Clermont offen zu. "Ich sehe Stephan als ,Autor' im wahrsten Sinne des Wortes, und sobald er dir einmal seine Vision verkauft hat, lässt du ihn einfach machen und hoffst auf das Beste. So etwas wollte ich bis dahin niemals tun. Aber die Tatsache, dass Stephan so ein talentierter Schreiber ist, hilft ungemein." Clermont meint, dieser Film ließe sich nicht ohne weiteres in eine Schublade einordnen. "Er ist anders, in fast jeder Hinsicht ... Es ist weder die typische Liebes-, noch die typische Detektivgeschichte, könnte es aber sein. Für mich ist es ein echter Film Noir, mit diesem typischen Stephan Elliott-Touch." Drehbuchautor und Regisseur Stephan Elliott fällt einem am Set sofort auf. Er ist voll bei der Sache, gleichzeitig aber ungemein gelassen. Immer holt er das Äußerste aus seinen Schauspielern und seiner Crew heraus. Es gibt wohl wenige echte Filmfans, die nicht Priscilla, Königin der Wüste gesehen haben, eine der schrägsten Touren, die man mitmachen kann, ohne sich selbst in ein Drag-Queen-Outfit zu werfen. Für Elliott waren es keine leichten Dreharbeiten. "Sehen Sie sich doch einmal Woop Woop an, der auf physische Weise ziemlich anstrengend ist. Das liegt an der Logistik der Komödie. Im Vergleich dazu ist DAS AUGE ein unglaublich ernster Film. Ich habe nicht gemerkt, wie anstrengend das für meine Psyche war. Es war wirklich harte Arbeit - auf eine unerwartete Art und Weise. Als ich damit fertig war, wollte ich wieder eine Komödie machen." Dennoch gibt er zu, dass Priscilla und Woop Woop ihn davon überzeugt haben, dass es an der Zeit war, etwas ernstes und knallhartes zu machen. "Ich habe eine sehr dunkle Seele, und das kann man in diesem Film auch sehen. Sie ist ziemlich dunkel ... Ich lache sehr gern und viel, aber ich habe gemerkt, dass das nicht alles ist. Irgendwann einmal mußs man auch etwas anderes ausprobieren." Elliott hat Das Auge vor mehr als vier Jahren geschrieben. "Es ist sehr persönlich. Ich habe es geschrieben, als der zweite Teil von Priscilla fertig war. Seitdem wollte ich es machen. Es war harte Arbeit, weil darin keine Drag Queens, keine Musikeinlagen und ganz bestimmt auch keine Witze vorkommen. Also gab es da immer dieses große Fragezeichen, ob ich das auch wirklich schaffen würde." Wie werden die Zuschauer Das Auge aufnehmen? "Also, surrealistische schwarze Komödien ... Das war es wohl, was ich bis jetzt gemacht habe. Aber dies ist eine surrealistische Liebesgeschichte. Wir brechen hier einfach mit den Regeln. Ich meine, du weißt, wie du eine Liebesszene drehen mußst - ich zumindest wusste das - und jetzt stell ich die ganze Sache auf den Kopf und springe noch ein bisschen darauf herum. Es vergeht nicht ein Tag, an dem ich nicht an die Dreharbeiten zurückdenke und dann die Crew sehe, wie sie mich alle anstarren. Sie denken ,Was zum Teufel macht er, und wie weit wird das Ganze noch gehen?' Meine Antwort lautet, dass es keine Grenzen gibt. Ich meine, das ist ein Film, also lasst uns mal was ganz anderes machen, was ganz Seltsames." Die Geschichte an sich ist ziemlich ungewöhnlich, eine krankhafte Liebesgeschichte über einen Mann, der mit zunehmendem Maße besessener ist von einer Mörderin und den Orten, zu denen er ihr folgt, quer durch Amerika. Elliotts Stil reflektiert dabei ziemlich genau den des Mannes hinter der Kamera. Immer wieder betont er dabei, dass er einer der unkonventionellsten im ganzen Filmgeschäft ist. "Lass es mich doch so ausdrücken: Das Ganze ist eine Liebesgeschichte, in der sich die Liebenden niemals treffen, beide aber genau wissen, dass der andere existiert. Er nämlich verfolgt sie, und sie nimmt an, dass er da ist, sieht ihn aber nie wirklich. In der letzten Hälfte des Filmes, als sie mordet und sich eine wirklich tolle Zeit macht, stellt sie Fallen und versucht herauszufinden, wer diese Person ist. Sie fühlt sich die ganze Zeit verfolgt, und genau in dem Moment, als die Polizei sie aufspürt, ist da plötzlich eine offene Tür mit ein paar Schlüsseln und ein Auto. Da ist ein Schutzengel in ihrem Kopf, also ist es eigentlich eine Geschichte über ihre Liebesbeziehung mit diesem Schutzengel. Werden sie sich jemals treffen? Ich weiß es nicht. Um das herauszufinden, müssen sie sich schon eine Eintrittskarte kaufen." Elliott ist ein Bad Boy der Leinwand - und er ist stolz darauf. "Ich habe das schon drei Milliarden mal gesagt, aber ich bin ein sehr umtriebiger Kerl. Für mich geht es beim Filme machen mehr darum, Unruhe zu stiften, als die Leute zu unterhalten. Das habe ich schon in der Schule so gemacht. Es macht wirklich Spaß, die Leute zu verwirren, und es gibt nichts besseres auf einem Set." "Wir haben ein paar wirklich verrückte Sachen in diesem Film gemacht. Und diesmal habe ich mich sogar selbst übertroffen. Ich liebe es, die schiere Aufregung in allen Gesichtern zu sehen. Zum Beispiel haben wir da diese Szene gedreht, wo ich Jason Priestley gesagt habe, er soll die bewusstlose Ashley Judd mit Drogen vollpumpen. Kurz bevor wir die Szene gedreht haben, habe ich ihm dann gesagt, er solle an der Spritze lecken, bevor er sie in ihren Arm steckt. Dann habe ich die Crew angeschaut, und alle 25 haben sich vor Horror geschüttelt. Es ist ein kurzer Moment, aber es ist gerade genug, um jeden zu elektrisieren", lacht der ewige Schelm. Einer der für Elliott fordernderen Aspekte des Films sind seine Schauspieler. "Mit echten Schauspielern (zum ersten Mal hatte er es mit so professionellen Akteuren wie Judd und McGregor zu tun) zu arbeiten, ist wirklich ein harter Job. Ich meine, sie werden ordentlich behandelt, sie haben verdammt große Wohnwagen ... Einer dieser Schauspieler kommt mit einer Entourage von 25 Leuten, und ich kann ihn dann nirgendwo mit hin nehmen, ohne mindestens 60 Leute mitzuschleppen. Ich meine, richtige Schauspieler proben selten selbst. Dafür haben sie ihre Doubles und all so was ... Ich mußste schon stundenlang mit diesen Doubles proben. Das war sehr frustrierend für mich, weil ich eigentlich gerne ganz nah dran bin an den Schauspielern, mit ihnen auf Händen und Füßen herum krieche, um mich so richtig mit ihnen einzuarbeiten. Da kann ich das dann nicht machen, und das ist ziemlich hart." Was halten seine Schauspieler von Elliotts Neigung, mit ihnen auf dem Boden herum zu kriechen? Beobachtet man sie, während sie ihre Szenen einstudieren, wird schnell ganz klar, dass sie alles für ihn tun würden. "Na ja, sie sind eigentlich ziemlich froh, weil nichts, was sie tun, ich nicht auch tun würde. Wir haben ein paar ziemlich schwierige Unterwasserszenen in dem Film, außerdem starke Schneestürme und seltsame Autounfälle. Am Ende des Films sollte Ashley in einen zugefrorenen See in Alaska einbrechen, und der See war echt und das Eis ist wirklich gebrochen. Ich bin zuerst auf das Autodach geklettert und bin darauf herum gesprungen, bevor ich Ashley in das Auto steigen ließ. Wir waren dann beide im Wasser, und es war verdammt kalt." Der erste seiner Schauspieler, den Elliott an Bord holen konnte, war Ewan McGregor. "Damit hatten wir verdammtes Glück," sagt der Regisseur. "Wir haben uns ein paar mal im Pub getroffen, haben uns so richtig betrunken, und irgendwann sagte er dann ,Ach, ich werde den Film machen,' und ganz plötzlich, innerhalb von vier Tagen, hat er dann für Star Wars unterschrieben. Einerseits war das gut, andererseits schlecht. Ich habe gesagt, o.k., das ist fantastisch, aber du mußst dir darüber im Klaren sein, was mit dir passieren wird. Du wirst drei dieser Filme machen und damit vielleicht der Mark Hamill der 90er werden." "Er sagte, er wird vielleicht der Harrison Ford der 90er. Das war eine noch bessere Antwort. Also ist es ein Glück, gleich nach Star Wars heraus zu kommen. Leute, die Ewan von Trainspotting und einigen seiner anderen Filme kennen, sehen das als großartige Arbeit an. Aber Star Wars wird ihn wirklich groß raus bringen, und sein Name wird ganz, ganz groß." "Ich schätze mich sehr glücklich, mit meinem Film als einer der ersten nach Star Wars raus zu kommen. Und mit ihm haben wir da wirklich einen ganz Großen. Er trinkt sehr gerne, albert gerne rum und nimmt nicht alles so ernst - das bedeutet, er spielt gerne. Da gibt es noch einen anderen Typ Schauspieler, der alles tut, damit die Szene gleich im Kasten ist, und der sicherstellen will, dass jeder die Bedeutung des Moments spürt. Manchmal liefern die auch wirklich eine brillante Leistung, aber man möchte ihnen einfach einen Eimer Wasser über den Kopf schütten. Ewan ist gar nicht so, und trotzdem schafft er es, eine hervorragende Leistung abzuliefern." Von Judd ist Elliott genau so begeistert. "Ashley hat das Drehbuch vor ein paar Jahren gelesen. Danach wollte sie die Rolle. Aber ich habe weiter nach einer passenden Besetzung gesucht. Aber sie ließ nicht locker. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der hinter einer Rolle so her war wie sie, koste es, was es wolle. Ihre Sturheit hat sich wirklich ausgezahlt. Man kann sagen, sie ist nicht weniger als perfekt. Die Rolle passt ihr wie ein Handschuh. Sie überrascht jeden. Denn eigentlich ist sie ja eine Massenmörderin, aber niemand kann anders, als sich in sie zu verlieben." "Du kannst nicht mehr an einem Zeitschriftenständer vorbeigehen, ohne sie auf 16 verschiedenen Titelblättern zu sehen. Ich meine, in den letzten Monaten ist sie ein wirkliches Phänomen geworden, und ich bin damit extrem glücklich. Ashley und Ewan sind ein interessantes Paar, weil sie ja kaum in irgend einer Szene zusammen zu sehen sind. Aber Ewan überwacht und verfolgt sie die ganze Zeit."
ÜBER DIE PRODUKTIONDie Produktion von Das Auge begann am 24. März 1998 in Montreal, Kanada. Mit über 75 Locations, an denen in neun Wochen gedreht wurde, gibt es keine Ecke von Montreal und Umgebung, an der die Filmcrew nicht war. Aber auch wenn die Locations außerordentlich beeindruckend sind, so ist die Geschichte des Kostümdesigns einer der wirklich außergewöhnlichen Aspekte der Produktion.
"DRESS FOR SUCCESS"Während Regisseur Elliott eine Schlüsselrolle im gesamten Entstehungsprozess des Films hat, war es die Aufgabe seiner langjährigen Kostümbildnerin, der Australierin Lizzie Gardiner, der Schauspielerin Judd den chamäleonartigen Look einer Serienkillerin auf der Flucht zu geben. Gardiner und Elliott sind schon fast ihr ganzes Leben lang miteinander befreundet, so ungefähr 25 Jahre, und Gardiner hat die Kostüme für alle Filme von Elliott entworfen. Sie gewann einen Oscar für Priscilla und trug bei der Verleihung das berühmt gewordene American-Express-Goldcard-Kleid, das sie selbst entworfen und später für eine nicht genannte Summe an American Express verkauft hatte. Gardiner genießt die Zusammenarbeit mit ihrem Freund. "Es ist wie immer eine sehr interessante Arbeit, denn er hat keine Angst, Grenzen auszuloten. Ich weiß genau, dass jeder Film visuell extrem interessant sein wird, auch wenn er nicht der "Knaller" wie Priscilla wird. Ich weiß auch, dass ich Sachen tun kann, die ich sonst nicht zu tun bekomme. Weil wir uns schon so lange kennen, brauchen wir nicht einmal miteinander zu reden ... er weiß, was ich denke, und umgekehrt. Wenn wir in die Preproduction gehen, wissen wir schon genau, wo wir hinwollen." Das Kostümdesign von Das Auge ist aus mehreren Gründen außergewöhnlich und einzigartig, erklärt Gardiner. "Der Film spielt grundsätzlich schon in der Gegenwart, aber wenn du ihn siehst, kannst du nicht erkennen, wann genau er spielt. Ich wollte nicht, dass man ihm die 1998er Produktion ansieht, das ist so langweilig. Stephan, der Produktionsdesigner und ich haben eng zusammengearbeitet, um dem Film einen Look zu geben, der sich aus verschiedenen Zeitabschnitten zusammensetzt. Wir sind von den 30er Jahren an aufwärts gegangen, haben aber jede Epoche so weit wie möglich an die Gegenwart angepasst, dadurch haben wir eine abgehobene Version dieser Zeitabschnitte geschaffen. Ich weiß, dass das irgendwie seltsam klingt, man mußs es gesehen haben ..." "In den entscheidenden Szenen ist der Film 40er, 70er, 90er ... und dann gibt es auch andere Sequenzen; die Szene im Zug ist pure 50er á la Hitchcock und wenn wir am Schluss in Alaska ankommen, ist das eine 1960er Version vom Ende der Welt. Es ist wirklich witzig." "Es gibt auch das Chicago der 30er und 40er Jahre, New York, reine 40er ..." Gardiner sagt, dass sie sehr froh war, dass es in Montreal einige hervorragende Lieferanten gab. "Ich hatte das Glück, erstaunliche Sachen hier vor Ort in einem Kostümladen zu finden, authentische Stücke aus den 30er und 40er Jahren, die normalerweise schwer aufzutreiben sind, und sie waren in wirklich gutem Zustand." Aber die wirklich aufregende Nachricht im Hinblick auf die Kostüme war die Beteiligung des fabelhaften Designers Valentino an der Produktion. "Ashley Judd wurde ausschließlich von Valentino ausgestattet ... für 46 Kostümwechsel," enthüllt Gardiner. "Vor allem war unser Glück, dass wir ihn so weit bringen konnten, uns Kleidungsstücke aus seiner Sammlung auszuleihen, die sich sonst in Tresorgewölben in Rom befinden. Das sind alles Museumsstücke, die höchstens mal bei einer Show in New York gezeigt werden ... es ist unglaublich. Manchmal sehe ich Ashley an und denke 'wow, sie sieht klasse aus', und dann denke ich 'das sollte sie auch, sie trägt hier gerade Sachen, die 100.000 $ wert sind!'", lacht sie. "Die Sachen sind wirklich einzigartig und wunderschön ... es ist Couture aus den 70er Jahren. Und sie jetzt zu verwenden, ist unter modischen Aspekten geradezu richtungsweisend, denn dieser Stil ist gerade sehr in", sagt die Kostümbildnerin, mit Clogs an den Füßen. In den Kostümen von McGregor sollte sich seine Besessenheit widerspiegeln. "Das Auge ist wirklich durchgeknallt und besessen, sehr un-James-Bond. Also trägt er diesen kirschroten Parka, den er hat, seitdem er 9 oder 10 Jahre alt war ... er ist quasi seine Schmusedecke, die er sein ganzes Leben lang hatte. Darunter trägt er ein einfaches weißes Hemd, das ebenfalls Teil seines Zwangscharakters ist. Er ist so völlig mit der Frau beschäftigt, dass ich nicht glaube, dass er sich um seine Kleidung kümmert. Warum also sollte er sich umziehen? Er trägt auch immer die gleichen Schuhe, braune Halbschuhe, die nach und nach auseinander fallen, so wie er zum Ende des Films auseinanderbricht." Ashley Judd hat bei dieser Produktion sehr hart gearbeitet, da sie sehr viele und sehr fordernde Szenen hatte ... ein Blick in die Psyche einer sehr komplexen Frauenfigur. Zu den vielen Kostümen kommt hinzu, dass sie ungefähr ein Dutzend verschiedener Perücken trägt, jede eine große Herausforderung für die Hairstylistin der Produktion. Judds Figur ist ein Aufbruch für die talentierte Schauspielerin, die in den vergangenen Jahren Charaktere in sehr ambitionierten Projekten verkörpert hat. Aber sie weigert sich, ihre Rolle genauer zu erklären. Sie zieht es vor, einfach Joanna zu spielen und zu sehen, was dabei heraus kommt. "Diese Figur hat etwas sehr Rätselhaftes, sogar für mich", gibt sie zu. "Du kriegst eine Menge verschiedene Ansichten über sie von verschiedenen Leuten. Stephan sagt das, und Ewan sagt etwas anderes. Ich werde gar nichts sagen und einfach nur versuchen, mein Bestes zu geben." "Ich denke, die Figur zeigt mir selbst, was ich tun mußs, wie eine Landkarte, auf der ich den Weg erkennen kann, je mehr ich in den Film eintauche. Ich habe so etwas vorher noch nie erlebt. Anstatt misstrauisch zu sein, was hier mit mir geschieht, oder mich unwohl zu fühlen, sage ich einfach: 'OK, es ist ein Roman, verschiedene Wege, um Dinge zu tun, die ich nicht fürchten sondern einfach nur erkennen mußs." Für Judd ist der Film auch eine Liebesgeschichte. "Sie hat einen Femme-fatale-Krimi-Background, und Stephan macht alle möglichen neuen visuellen Sachen, ob das nun eine Wand ist, die keine wirkliche Wand ist und durch die man hindurch filmen kann ... die Art, wie er ganz verschiedene Elemente optisch in einem einzigen Bild zusammenbringt, ist besonders beeindruckend und seine Aufmerksamkeit gegenüber Details ist der von Michael Mann ebenbürtig. Ich meine, es gibt da heute eine tote Maus in einer Mausefalle auf dem Set und wenn Jasons Figur meine Handtasche durchwühlt, sind da zwei Spinnen drin. Stephan ist so gründlich, sein Gehirn ist ständig in Bewegung." Judd bestätigt Elliotts Aussagen über seinen ungewöhnlichen Stil als Filmemacher, wie er es genießt, an Grenzen zu gehen." "Gestern hatte wir einen Dreh, bei dem ich einfach in einem Schaumbad abhängen mußste. Du glaubst gar nicht, wie kreativ er diese Sequenz gefilmt hat. Sie ist wirklich ausgefeilt und setzt mir einen Maßstab. Ich sage mir, ok, wenn er so hart arbeitet und so inspiriert ist, bin ich auch verpflichtet, mein Möglichstes zu tun, wenigstens mit meiner Figur." Sie bestätigt auch, dass sie diese Rolle unbedingt wollte. "Yeah, es war ein langes Casting für Stephan. Wir haben uns vor längerer Zeit getroffen und sind dann in Kontakt geblieben ..." Der kanadische Schauspieler Jason Priestley kommt vorbei und plaudert kurz mit Judd. Er spielt Gary, einen miesen Kerl, der mit Drogen handelt und mit Judd in einer der gewalttätigeren Szenen zusammentrifft. "Man hat viel Spaß mit ihm, obwohl ich die meiste Zeit unserer gemeinsamen Szenen bewusstlos bin, und wir hatten eine sehr gute Zeit am Set. Ich liebe es, wenn die beiden Jungs (McGregor und Priestley) zusammen am Set sind, an diesem Punkt wuchs die ganze Geschichte zusammen für mich." Für Judd hat der Film auch einen sehr surrealistischen Aspekt, der sich noch schwerer ausdrücken lässt. "Er ist schwer zu fassen, denn er existiert in deinem Kopf. Du mußst ihn in die dreidimensionale Welt bringen. Etwas, das in deinem Körper herumwirbelt, zu nehmen und auszudrücken, das ist die Hölle." Ein kleiner Gag hat sie etwas geschockt. "Das mit der Maus hat mich fertig gemacht. Ich dachte, sie wäre unecht, und habe sie mir in die Tasche gesteckt, um damit dieses Mädchen zu erschrecken ... Na ja, der Schuss ging nach hinten los, denn ich entdeckte, dass ihr kleines Rückgrat gebrochen war. Sie war echt und sie war tot, und ich war wirklich fertig." Ewan McGregor dagegen ist nicht so leicht zu erschüttern. Seine Frau und seine kleine Tochter sind zu Besuch und er hat sehr gute Laune. Er gibt zu, dass sein Treffen mit Stephan, bei dem sie über den Film sprechen wollten, etwas ungewöhnlich verlief. Denn die beiden haben sich in einem Londoner Pub mehr als ein bisschen betrunken. "Ja, das ist die Geschichte. Ich erinnere mich nicht mehr so an die Einzelheiten, aber so geht das eben." Die Arbeit mit Elliott ist ein Höhepunkt in der Karriere des jungen Schauspielers, der sich in Filmkreisen bereits einen festen Platz erobert hat. Er bestätigt, dass Elliott anders ist als alle Regisseure, mit denen er zuvor gearbeitet hat. "Wir mußsten im Stande sein, seine verrückten Ideen aufzugreifen", lacht er. "Und dann mußsten sie sofort umgesetzt werden, also es ist wirklich gut, mit ihm zu arbeiten. Es ist großartig, so gefordert zu sein, sonst kann es manchmal ganz schön öde werden." McGregor hatte die Filme von Elliott gesehen, seine ungewöhnliche Art war ihm also bereits vertraut. "Ich hatte eine Vorstellung davon, aber es ist interessant, wie unterschiedlich Regisseure sind, und oft sind sie ganz anders, wenn du am Set mit ihnen zu tun hast, als wenn du sie sonst irgendwo triffst. Wie auch immer, unsere Nächte in London haben mich gut vorbereitet." Der Schauspieler betont, dass ihn das Drehbuch davon überzeugt hat, dass dies eine Rolle war, die er nicht leicht nehmen durfte. "Es ist eine bizarre Geschichte, die nicht den normalen Regeln einer Handlung folgt. Ich fand das ziemlich aufregend, sehr neu, sehr außergewöhnlich, ein ziemlich abgefahrenes Ding." Er bekräftig ebenfalls, dass es eine Liebesgeschichte ist. "Ja, es geht um Liebe. Er verfolgt sie, ist besessen von ihr, und am Schluss ist er ihr verfallen. Ich finde nicht, dass das ein Thriller ist. Es ist ein ... Detektiv-Film, ganz anders, als die anderen Filme von Stephan. Er hat wirklich eine ganz eigene Identität." Was die Zusammenarbeit mit Ashley Judd angeht, so ist McGregor ebenso froh über die gute Beziehung zu seinem Co-Star, obwohl er ihre gemeinsame Arbeit etwas bizarr findet, da sie so gut wie nie miteinander vor der Kamera standen. Die meiste Zeit haben sie sich gegenseitig bei der Arbeit beobachtet ... genau so wie im Film. Ihm gefällt auch die Arbeit mit dem kanadischen Schauspieler Jason Priestley: "Er ist brillant, wir haben uns gut verstanden." Priestley ist nur für wenige Tage am Set. Er spielt einen Drogenkurier, der Judd missbraucht, bevor ihr Schutzengel McGregor ihr zu Hilfe kommt und ihn tötet. Es ist eine ziemlich verabscheuungswürdige Figur für den großzügigen, freundlichen Schauspieler, dessen Brandon Walsh in Beverly Hills 90210 immer lieb und nett ist. "Es ist eine sehr interessante Geschichte," sagt Priestley. "Es gibt eine Menge unerwarteter Wendungen, und die Geschichte wird von einer starken weiblichen Figur vorangetrieben. Das gibt es wirklich nicht oft im Kino, und es ist sehr interessant. Der Film hat auf verschiedenen Ebenen einiges zu sagen, und er untersucht vieles, das in unserer Gesellschaft passiert." Priestley hatte Priscilla gesehen - wie jeder - und hielt ihn für einen phantastischen Film, was ihn nur noch mehr anspornte, mit Elliott zu drehen. "Er ist ein außergewöhnlicher Regisseur, mit einem sehr facettenreichen Werk, wahrscheinlich weil er so ein gutes Auge für die Kameraführung hat. Da ich selbst auch Regie führe, weiß ich wirklich, wie gut Stephan ist." Für Priestley hatte die Mitwirkung in Das Auge etwas sehr Befreiendes, war sie eine unvergessliche Erfahrung. "Als Schauspieler liebst du es, ganz verschiedene Charaktere darzustellen, je außergewöhnlicher, desto besser. Ich fühle mich einfach frei, wenn ich interessante, verrrückte, befremdliche, wilde Figuren wie in diesem Film spielen kann. Darum bin ich Schauspieler geworden. Wenn du in Stephans Filmen mitspielst, kriegst du auf jeden Fall die unterschiedlichsten Dinge zu tun", lacht er.
Die Dreharbeiten von Das Auge wurden am 28. Mai 1998 in Montreal beendet.
|