Produktionsnotizen zu Goya

Szenenfoto Francisco de Goya gilt als einer der größten Künstler aller Zeiten. Sein Einfluss ist bis heute in vielen Bereichen spürbar, ob in der Bildhauerei, im Film, im Theater oder der Musik. Während seines langen Lebens wurde er Zeuge des Niedergangs des spanischen Königreichs, von vier kontroversen Monarchien, der Besatzungsmacht unter Joseph Bonaparte und dem Unabhängigkeitskrieg zwischen Frankreich und Spanien, dessen düsteres und blutiges Erbe dank der intensiven und mitfühlenden Bildern des Malers aus Aragon noch heute Teil des kollektiven Gedächtnisses Spaniens ist.

Gealtert und im Exil in Bordeaux mit seiner Geliebten und einigen seiner Kinder, widmete er seine Zeit vor allem seinen Radierungen; sie belegen, wie sehr seine kreative Kraft und sein Genius auch im hohen Alter intakt waren. Gefeiert als Visionär und Vater der modernen Malerei, sieht sich Goya in Carlos Sauras Film mit einigen der Mythen konfrontiert, die ihn umgeben. So sagte man ihm nach, ein Schürzenjäger, fanatischer Stierkampfanhänger und Bonvivant zu sein, andere Experten betonen hingegen seine Leidenschaft zu lernen, seine rätselhafte Persönlichkeit sowie seine außergewöhnlichen technischen Fähigkeiten.

Szenenfoto Für GOYA versammelte Erfolgsregisseur Saura nicht nur einige der größten Schauspieltalente Spaniens, sondern auch eine hocheffiziente technische und künstlerische Crew um sich, die in der Lage war, die Herausforderung eines solch vielschichtigen und spektakulären Films zu meistern. Saura vertraute auf das Können einiger der renommiertesten Künstler der Filmbranche - Vittorio Storaro, Pierre-Louis Thèvenet, Pedro Moreno -, um seine ganz persönliche Vision von Goyas Leben und Werk auf die Leinwand zu bringen und ging dabei das Risiko eines sehr aufwendigen Drehs ein. Der Großteil des Films entstand in einem riesigen Set mit transparenten Abtrennungen. Doch eine detaillierte Planung und eine sehr aufwendige Pre-Production-Phase ermöglichten es, den Film in nur neun Wochen abzudrehen.

"90 Prozent des Films spielen im Studio, wo wir Straßen, Plätze und Alpträume nachgebaut hatten", erklärt Kameramann Vittorio Storaro. "Das mußsten wir so lösen, da sich der Großteil der Geschichte in Goyas Kopf abspielt. Dagegen gibt es andere Stellen, an denen ein Gespür für Realismus substantiell war - wenn er zum Beispiel von seiner Beziehung zur Herzogin von Alba spricht - da dies ein sehr komplexer Teil der Geschichte ist. Seine Kreativität, seine Fantasie, seine Gefühle und Emotionen - all das wird spürbar, wenn er von ihr spricht, und um das zu vermitteln, braucht es Glaubwürdigkeit und Intensität."

Carlos Saura ergänzt: "In inszenatorischer Hinsicht geht GOYA noch weiter als Tango. Raum und vor allem Licht, das den Raum gestaltet, sind essentiell. Das ganze Projekt fußt auf zwei Säulen: dem Spiel der Darsteller und der Lichtsetzung. Das Licht ist untrennbar mit unserem Konzept der Kulissen verbunden. Darum war Storaro so unersetzlich für den Film. Er ist ein Meister des Lichts, was er bei diesem sehr komplexen Film einmal mehr bewiesen hat."

"Wir waren uns der wertvollen Hilfe von (Szenenbildner) Thévenet sicher, der diese Periode in- und auswendig kennt", betont Storaro einen weiteren künstlerischen Aspekt. "Wir arbeiteten mit neuen Materialien, mit geprägtem Plastik, Projektionen, Oberflächen, auf denen Gemälde oder Fragmente von Bildern reproduziert wurden. Die ganze Szene war wie ein großer Spielplatz, bei dem alle Elemente mobil waren, so dass wir an jeder beliebigen Stelle ein Schlafzimmer, ein Zeichenatelier oder einen Flur aufbauen oder eine Zeichnung oder Radierung an die Wand werfen konnten ..."

Szenenfoto Einen weiteren optisch sehr spektakulären Moment - die szenische Nachstellung von Goyas Schrecken des Krieges - verdankt der Film der Mitwirkung der populären katalanischen Action-Theater-Truppe "La Fura dels Baus", die durch ihre aufwendigen poetischen Shows (zum Beispiel in der Eröffnungs- und Abschlusszeremonie der Olympischen Spiele 1992 in Barcelona) internationale Reputation erlangte.

Jürgen Müller von La Fura erklärt: "Wir haben eine Inszenierung von 17 Radierungen erarbeitet, die in einer einzigen Sequenz aufgenommen wurde, und dabei die Elemente der Gewalt eingearbeitet, die in Goyas Arbeiten so dominant ist."

Kostümdesigner Pedro Moreno erklärt, dass er zwei bis drei Monate lediglich für Recherche aufgewendet hat. "Danach entwickelten wir die Charaktere. Die Geschichte folgt einer Handlung, die jedoch nicht realistisch ist. Ich mag es nicht, an sogenannten realistischen Projekten zu arbeiten, da ich nicht glaube, dass die Erinnerung jemals die Wirklichkeit abbildet. Wir wollten den Geist Goyas nicht betrügen, aber wir wollten auch auf keinen Fall in Goya-Klischees verfallen. Schließlich handelt der Film von einem der turbulentesten Kapiteln der europäischen Geschichte."

Um die Bedeutung der emotionalen Wechselbäder zu unterstreichen, die Goya im Laufe seines Lebens durchlitt, arbeitete der Komponist Roque Baños - er schrieb die Soundtracks für zwei der größten spanischen Kassenerfolge, Torrente, el brazo tonto de la ley und Muertos de risa - in seinen Score sowohl populäre spanische Melodien (Seguidiyas und Jotas) als auch höfische Musik, die für den Königshof am 18. Jahrhundert in Auftrag gegeben wurde, ein. Außerdem erspürt man in seiner Musik Echos von Boccherini, Haydn, Beethoven wie auch von Komponisten der Romantik, etwa Chopin, Schubert und Brahms. Denn auch in der Musikgeschichte markiert diese Zeit eine außergewöhnliche Periode in Europa, und dies sollte ebenfalls, so Saura, in GOYA reflektiert werden.

Dirk Jasper FilmLexikon
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