Produktionsnotizen zu Pokémon - Die Macht des Einzelnen

"Wie immer nimmt Ash seine Aufgabe sehr ernst - er glaubt fest daran, dass er seinem Schicksal folgen und die Legende der Shamouti-Insel vollenden mußs, auch wenn er sich am Anfang nicht so recht traut", erklärt Gail Tilden. In ihrer Funktion als Vice President der Abteilung Produkt-Akquisition und -Entwicklung bei Nintendo of America Inc. ist sie entscheidend am Durchbruch der Pokémon auf der Leinwand und auch jetzt bei der lang erwarteten Fortsetzung beteiligt. Außerdem kennt sie sich in der Sagenwelt der Pokémon bestens aus.

"Ash mußs einfach glauben, dass er das Zeug dazu hat, das Ruder herumzureißen, auch wenn er nur ein Mensch mit allen Fehlern und Schwächen ist", sagt Michael Haigney, Regisseur der englischsprachigen Filmfassung, der mit Norman J. Grossfeld auch das original-japanische Drehbuch zu Pokémon 2 - Die Macht des Einzelnen bearbeitete. "Ash verhält sich wie ein echter Junge: Er ärgert sich, ist enttäuscht, hat Angst wie jeder andere Junge oder auch Erwachsene. Doch egal wie - er lässt sich nicht von seinem Vorhaben abbringen."

Grossfeld, der die englischsprachige Fassung des Films auch produzierte, kann Haigney nur beipflichten: "Ich habe nicht den Eindruck, dass die Kinder Ash als Superhelden ansehen. Er ist viel eher ihr Stellvertreter in der Welt der Pokémon - erst dadurch bekommen die Storys ihre besondere Qualität: Er ist ein Kind wie sie, er tut Dinge, die sie tun möchten, er entscheidet wie sie. Ziel unseres Films ist es, den Kindern zu zeigen, was Ash dazulernt - ein Einzelner kann manchmal den Ausschlag geben. Unversehens gerät man in eine Situation, in der man Gutes tun und jemandem helfen kann, man mausert sich zum Helden, und sei es nur auf bescheidender Ebene. Das braucht gar keine große Sache zu sein, die Welt mußs nicht unbedingt davon erfahren. Aber man mußs wie Ash bereit sein, im entscheidenden Moment das Richtige zu tun. Darum geht es im Film. Ash entdeckt die ungeahnten Kräfte, die in ihm stecken."

Ashs treue menschliche Freunde und Pokémon-Gefährten spielen bei seinen Abenteuern immer eine wichtige Rolle und unterstützen seine Entwicklung zum Meistertrainer. "Seine Freunde machen ihm Mut", erklärt Grossfeld, "aus ihnen schöpft er seine Kraft, denn er spürt, dass sie an ihn glauben. Tatsächlich ist dies der Dreh- und Angelpunkt für Ash, denn anfangs wird er von Selbstzweifeln geplagt: Ob er seine Mission überhaupt durchführen kann? Alle seine Pokémon kommen ohne Aufforderung aus ihren Pokebällen hervor, um ihn zu unterstützen."

Der Pokémon-Sound

Getragen wird der Film von einem prächtigen Orchester-Soundtrack und Songs, die sich nahtlos in die Pokémon-Story einfügen. Donna Summer bringt die Botschaft der Geschichte mit einer von David Foster produzierten Ballade auf den Punkt - sie trägt passenderweise den Titel "The Power of One" und verwendet eine Melodie aus der Filmmusik, die erstmals als Flötenthema auftaucht, während die Legende erzählt wird. Später nimmt Lugias Stimme sie bei seinem Ruf auf.

Auf der Soundtrack-CD von Atlantic Records finden sich außerdem verschiedenste Musiker mit neuen Titeln - darunter The B-52s, die eine musikalische Version der Legende von der Shamouti-Insel beisteuern; die platinveredelte irische Band Westlife; Dream Street; die britische Teen-Girl-Band Devotion 2 Music; Chart-Spitzenreiter Plus ONE; die Latin-Pop-Interpretin Laura Pausini; die Radio-Disney-Stars Youngstown & Nobody's Angel mit einem gemeinsamen Auftritt; Kinderstar Denise Lara; der unvergleichliche Weird Al Yankovic; die neue Gruppe O'Town, die in der ABC-TV-Serie "Making the Band" zusammenfand, sowie die sensationelle 12-jährige Alysha. Sie wurde bei einem Gesangswettbewerb im Internet entdeckt, den die Musikbranchen-Schwergewichtler David Foster, Carole Bayer Sager und Kenny Babyface Edmonds ausgerichtet hatten. Sängerin Angela Via war bereits mit einem Track in Pokémon - Der Film vertreten. Sie steuert jetzt auch einen Titel zur Fortsetzung bei, den sie sowohl auf Englisch als auch auf Spanisch einspielte.

Von Japan in den Rest der Welt

Pokémon 2 - Die Macht des Einzelnen entstand in Japan teils mit traditionellen Zeichnungen in der Cel-Technik, teils im Computer. Diese Originalversion mußste für die internationalen Fassungen überarbeitet werden. Nintendo of America verwaltet alle Pokémon-Rechte außerhalb von Asien, und zur künstlerischen Bearbeitung des Films holte man die Firma 4Kids Entertainment an Bord.

Produzent Norman J. Grossfeld und Regisseur Michael Haigney hatten bereits beim ersten Pokémon - Kinohit zusammengearbeitet - auch diesmal erstellten sie die internationale Fassung. Diese geht über eine einfache Übersetzung des Japanischen weit hinaus. Gail Tilden stellt fest: "Gags, über die Japaner lachen, funktionieren nicht unbedingt auch in anderen Ländern. Eine Anspielung auf ein bekanntes Volksmärchen verstehen die japanischen Kinder - aber woanders ist es vielleicht völlig unbekannt. Wir mußsten also für diese Situationen passende Entsprechungen finden, die genauso witzig sind, dabei aber Analogien und Metaphern verwenden, die in unserem Kulturkreis verstanden werden. Dafür sorgen Michael und Norman."

"Wir haben das Tempo der Story angezogen", fügt Haigney hinzu, "und wir haben ein paar zusätzliche Sprüche eingefügt." Als besonders kompliziert erweisen sich Änderungen im Dialog, weil sie sich ja nahtlos in den Filmablauf des Originals einfügen müssen. "Die Lippenbewegungen sind von der japanischen Version vorgegeben", sagt Grossfeld. "Die behalten wir im Auge, wenn wir die Dialogsätze der Filmfiguren formulieren und sie auf die richtige Länge trimmen. Wir erleben das als faszinierendes Puzzle."

Die Besetzung der Sprechrollen empfanden Grossfeld und Haigney als ebenso schwieriges Problem. "Die Neufassung des Drehbuchs nimmt eine Menge Zeit in Anspruch", erinnert sich Grossfeld. "Wir hatten den Text also schon eine Million Mal auf Japanisch gehört. Da kann man sich für die Rolle kaum noch eine andere Stimme vorstellen." Im Normalfall suchten sie einen Sprecher, der dem Original möglichst genau entsprach. Es gab auch Fälle, in denen sich die Figur in der englischen Fassung um einige Nuancen veränderte - in diesem Fall wählten sie eine Stim me, die solchen subtilen Unterschieden Rechnung trug.

Das Pokémon-Phänomen

Die fantastische Welt der Pokémon wurde von Satoshi Tajiri erfunden - er ließ sich dabei von dem komplexen Zusammenleben der Insekten inspirieren, die er als Kind fing, sammelte und zeichnete. "Dabei kombinierte er seine Naturbegeisterung mit seinem Hang zu Videospielen", erklärt Gail Tilden. "Auf diese Weise entwickelte er das Umfeld und die Geschichte der Pokémon."

Pokémon - Der Film erwies sich in Japan als Mega-Hit - an der Kinokasse überholte er "Godzilla", auf den Jahrescharts platzierte er sich auf Nr. 4. Auch bei seinem amerikanischen Einstand brach der Film Rekorde - erstmals konnten die jungen Fans ihre Lieblinge auf der großen Leinwand erleben: Das weltweite Pokémon-Phänomen erlebte einen neuen Höhepunkt. In den USA spielte der Film innerhalb der ersten fünf Tage über 50 Mio. Dollar ein, er war damit der erfolgreichste Novemberstart überhaupt. Pokémon - Der Film stellte dem Publikum das geheimnisvolle Mew und sein mächtiges Gegenstück, den genetisch manipulierten Super-Klon Mewtu vor. Hinzu kamen die brandneuen Pokémon Donphan, Marill, Snubbull und Togepi.

In der übrigen Welt rief Pokémon - Der Film ähnlich gigantische Reaktionen hervor, in einem Land nach dem anderen stellte er Rekorde auf und brach sie sofort wieder: Sowohl in Europa als auch in Lateinamerika schaffte er es in die Gruppe der jeweils drei erfolgreichsten Filme. In Deutschland, Australien und Brasilien verzeichnete er den besten Start eines Zeichentrickfilms überhaupt. In Israel registrierte man den kassenträchtigsten Starttag aller Zeiten. In Frankreich und Finnland erreichte Pokémon - Der Film die Nr. 2 auf der Liste der erfolgreichsten Starttage.

Den Siegeszug der Pokémon-Geschichte markieren Game-Boy-Spiele mit dem rasantesten Umsatz und die Fernsehserie mit den höchsten Quoten, dazu Buchbestseller, CDs und Videos. Aber das Phänomen zieht bereits weitere Kreise. Etliche Artikel mit dem Markennamen Pokémon sind im Angebot: eine Spielzeugserie mit Spitzenverkaufszahlen und äußerst populäre Sammelkarten, die Kinder rund um die Welt begeistern. Die Faszination der Fans macht natürlich auch vor dem Internet nicht Halt - ständig werden neue offizielle oder inoffizielle Websites eröffnet. "Pokémon" gehört zu den am meisten gesuchten Begriffen im Internet.

Wie alles Begann

Die Geburtsstunde des Pokémon-Phänomens schlug 1996 in Japan, als Nintendo für die tragbare Videospielkonsole Game-Boy eine neue Software vorstellte, die wie eine Bombe einschlug. Entwickelt wurde sie von den jungen, bereits mehrfach preisgekrönten Game-Software-Designern Satoshi Tajiri und Tsunekazu Ishihara. Trotz der üblicherweise extrem starken Konkurrenz auf dem japanischen Game-Markt eroberte sich das neue Spiel sehr schnell den Spitzenplatz.

Das Rollenspiel Pokémon gibt den jungen Spielern ("Trainer" genannt) Gelegenheit, eine ständig steigende Anzahl von Spezies zu sammeln, weiterzuentwickeln, zu trainieren, Teams zusammenzustellen sowie mit anderen Trainern Pokémon-Wettbewerbe auszutragen und Pokémon auszutauschen.

Ziel des Trainers ist es, "größter Pokémon-Meister der Welt" zu werden. Die eigentlich einfache Aufgabe, im Spiel versteckte, wild lebende Pokémon zu finden, erweist sich in der Pokémon-Welt als äußerst kompliziert, denn jedes Wesen besitzt individuelle Talente und Kräfte. Es kommt also nicht nur auf die flinken Finger der Trainer an, sie müssen nicht nur Aufgaben lösen und beim Austragen der Kämpfe strategisch vorgehen, sondern sie müssen sich vor allem einen ständig wachsenden Katalog von Geheimnissen merken, mit welchen Strategien man andere Strategien austricksen kann. Die Trainer werden zudem immer wieder ermahnt, sich um ihre Pokémon zu kümmern, um sie erfolgreicher einsetzen zu können. Noch komplizierter wird das Ganze dadurch, dass Pokémon sich weiterentwickeln und neue Fertigkeiten entfalten können.

Das Spiel unterscheidet sich deutlich von anderen Spielen, weil es eine fantasievoll gestaltete, facettenreiche Welt mit ureigener Mythologie vorstellt, die alle Möglichkeiten der Technologie zur Jahrtausendwende einsetzt. Hinzu kommt, dass die Spieler mit den von ihnen gefangenen Pokémon zwar "Kämpfe" austragen, die besiegten Pokémon sind aber immer nur bewusstlos und werden niemals getötet.

Der Erfolg des Spiels übertraf alle Erwartungen, in seinem Kielwasser folgten alsbald Comic-Hefte und eine Palette verschiedener Spielzeuge, Sammelkarten und schließlich auch die Fernseh-Serie. Nintendo of America Inc. sicherte sich im Februar 1998 alle mit Pokémon verbundenen internationalen Rechte.

Sobald Nintendo of America die Fernseh-Serie in die USA importiert hatte, stellte 4Kids Entertainment (bei Nintendo of America exklusiv für TV-Serien, Video und Merchandising zuständig) eine englische Synchronfassung her. Die ersten Folgen liefen im September 1998. Innerhalb weniger Monate erklomm die Serie die Spitze der Quotencharts. Ganz bewusst brachte Nintendo wenige Wochen später auch das Pokémon-Videospiel auf den amerikanischen Markt. Weitere Produkte folgten: Sammelkarten, Comic-Hefte, Videos und CDs. Vom Nintendo-Game Boy-Spiel gingen in den USA mehr als 10 Mio. Exemplare über den Ladentisch, die Pokémon-Game-Software erreichte in den Charts Platz 1 und 2 und stellte alle anderen in den Schatten.

Pokémon entwickelte sich so zum größten Kinderspielzeug-Phänomen der 90er Jahre, es brandet mit der Gewalt einer Tsunami-Welle weiter an alle Küsten der Welt. Das amerikanische TV-Network Kids' WB! kaufte die Fernsehserie und zeigte die erste Folge am 13. Februar 1999. Während sie bis vor kurzem auch noch von kleineren Sendern gezeigt wurde, läuft sie mittlerweile nur noch auf Kids' WB!. Was die Quoten angeht, hält die Serie den 1. Platz in den Bereichen Kinder von 2-11 Jahre, von 6-11 Jahre, Jungen von 2-11 Jahre und Jungen von 6-11 Jahre.

Der Pokémon-Trend ist weltweit ungebrochen. Inzwischen wurden die TV-Serie, die Game-Boy-Spiele und die Kartenserie in über 15 Sprachen übersetzt und in über 30 Länder exportiert. Sie erweisen sich überall in der Welt als genauso beliebt wie in Asien und Amerika. Die australischen Kinder entdeckten die Pokémon-TV-Serie und das Nintendo-Game Boy-Spiel gleichzeitig mit den amerikanischen Kids und sorgten down under für einen entsprechend einhelligen Begeisterungssturm.

In den meisten spanischsprachigen Ländern startete die TV-Serie auf dem Sender Cartoon Network im April 1999. Auch in Brasilien läuft die Serie. In Europa sind die Game Boy-Spiele seit Oktober 1999 auf dem Markt, in den meisten Ländern läuft auch die Fernsehserie (in Deutschland auf RTL 2). Pokémon - Der Film startete im April 2000 in den europäischen Kinos und brach auch hier Kassenrekorde - in vielen Ländern platzierte er sich als die Nr. 1 der erfolgreichsten Zeichentrickfilme aller Zeiten.

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