Paris 1794. Die Revolution hat ihre liberale Phase längst
hinter sich gelassen, und die Schreckensherrschaft der Jakobiner
fordert jeden Tag mehr Todesopfer, zunehmend auch unter Frankreichs
Adligen und Privilegierten. Auch Sade, vormals Marquis de Sade, der
Verfasser der skandalösen "Justine" und eifriger
Fürsprecher der neuen Republik, wird als deren Feind im
Pariser Gefängnis Saint-Lazare gefangen gehalten.
Sade ist 50 Jahre alt und hat bereits mehr als 25 Jahre seines Lebens hinter Gittern verbracht. Nicht nur wegen diverser Sittlichkeitsdelikte hat man ihn eingesperrt. Die Unverblümtheit, mit der er in seinen Werken das Laster, die Begierde und das Verbrechen feiert, provozieren bei seinen Zeitgenossen moralische Entrüstung, wenn nicht gar erbitterte Feindschaft. Das war zu Zeiten der Monarchie so, und auch die Revolution hat daran nichts geändert. Der Regierung unter Robespierre ist vor allem Sades radikaler Atheismus und Anarchie suspekt.
Emilie, eine Tochter aus bestem Hause, hätte unter normalen Umständen das Leben noch vor sich, doch auch für sie und ihre Eltern, Viscount und Madame de Lancris, ist der teuer erkaufte Aufenthalt im Sanatorium von Picpus aller Voraussicht nach nur eine Station, die den Weg auf die Guillotine hinauszögert. Eine Garantie für ihr Überleben gibt es auch hier nicht, denn auch von Picpus aus werden ehemals angesehene Mitglieder des alten französischen Adels zu ihrer Hinrichtung abtransportiert.
In ihrer Naivität und sexuellen Unerfahrenheit wäre Emilie ein ideales Opfer für Sade. Doch anstatt sich mit einer leichten Eroberung zufrieden zu geben, richtet Sade seinen Ehrgeiz darauf, der jungen Frau sein Denken und sein Wissen über die menschlichen Begierden zu vermitteln. Nachdem er ihr einen Text von sich zu lesen gegeben hat, in dem er sexuelle Ausschweifungen beschreibt, flieht Emilie zunächst schockiert vor ihm.
Emilie begreift, dass Sade
innerhalb der geschlossenen Gesellschaft von Picpus ihre einzige
Chance darstellt, vor ihrem Tod noch ein wenig mehr vom Leben zu
entdecken. Kühn entschlossen, ihre Angst zu besiegen und die
moralischen Verdikte ihrer Erziehung zu ignorieren, begibt sie sich
in die Obhut Sades ...
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Paris 1794. Die Revolution hat ihre liberale Phase längst
hinter sich gelassen, und die Schreckensherrschaft der Jakobiner
fordert jeden Tag mehr Todesopfer, zunehmend auch unter Frankreichs
Adligen und Privilegierten. Auch Sade, vormals Marquis de Sade, der
Verfasser der skandalösen "Justine" und eifriger
Fürsprecher der neuen Republik, wird als deren Feind im
Pariser Gefängnis Saint-Lazare gefangen gehalten.
Der Fürsprache seiner langjährigen Geliebten
Marie-Constance bei ihrem Geliebten Fournier, einem Jakobiner, hat
Sade es zu verdanken, dass er dennoch eine Art Sonderbehandlung
erfährt. Er wird nach Picpus verlegt, einem wunderschönen
ehemaligen Schloss, das als eine Art Luxusgefängnis der
höheren Kreise dient, und ihm nach seiner langen Kerkerhaft
wie der Eintritt ins Paradies erscheint. Hier trifft er auf Adlige
und wohlhabende Kaufleute, die ihren Kopf vor der Guillotine zu
retten versuchen, indem sie sich ihrer Reichtümer und ihrer
Titel entledigen - und auf die blutjunge schöne Emilie de
Lancris.
Sade, der nicht müde, aber ruhiger gewordene Libertin, wird
sofort aufmerksam auf das Mädchen. Sie beherrscht die
hochmütigen Blicke ihres Standes bereits perfekt, doch gelingt
es ihr nicht, dahinter ihre Befangenheit und ihre Neugier zu
verbergen. Und Sade entgeht auch nicht, dass der Ruf des
Verruchten, der ihm vorauseilt, für die junge Emilie weniger
abstoßend als faszinierend wirkt. Ihre Eltern haben ihr
selbstverständlich den Umgang mit Sade verboten, doch immer
häufiger setzt sie sich darüber hinweg und sucht seine
Gesellschaft.
Im
Garten der Anwesens werden Massengräber ausgehoben, in denen
Nacht für Nacht die neuen Opfer der jakobinischen
Schreckensherrschaft verscharrt werden. Auf solch grausame,
schonungslose Weise mit Bildern ihres eigenen drohenden Endes
konfroniert, verfallen die Bewohner von Picpus in Angststarre und
Resignation. Auch Sades Leben hängt an einem seidenen Faden,
da die Regierung seine Hinrichtung beschlossen hat und
Marie-Constance nichts mehr für ihn ausrichten kann. Ihr
Freund Fournier arrangiert, obwohl er sich vor Eifersucht auf Sade
verzehrt, ein letztes Treffen zwischen den beiden auf dem
Gelände des Sanatoriums. Marie-Constance bittet Sade zu
fliehen, doch er weigert sich davonzulaufen, da er weiß, dass
es keinen Ort gibt, an dem er Frieden findet, und außerdem
keine Angst vor dem Tod hat.