Produktionsnotizen zu UNBREAKABLE - UNZERBRECHLICH

M. Night Shyamalan hatte den Schnitt von The Sixth Sense noch nicht beendet, als er bereits begann, Ideen für sein nächstes Projekt zu sammeln. Das Resultat war das Konzept von Unbreakable - Unzerbrechlich. "Tatsächlich hatte ich während der Postproduktion von The Sixth Sense ein paar Monate lang eigentlich an einer anderen Geschichte gefeilt und stand kurz davor, mit dem Schreiben des Drehbuchs zu beginnen", erinnert sich Shyamalan. "Dann kam ich auf diese Idee: Ein Mann ist der einzige Überlebende eines Zugunglücks und verlässt die Unfallstelle unbeschadet ohne einen einzigen Kratzer. Er beginnt zu hinterfragen, wer er ist und wo der Sinn seines Lebens liegt. Die Idee war so provokativ und beschäftigte mich so sehr, dass ich sofort mit der Ausarbeitung der Geschichte begann.

Nach ein paar Tagen war ich mit diesem Stoff weiter als mit dem anderen, an dem ich seit Monaten gearbeitet hatte. Also machte ich einfach weiter." Er fährt fort: "Was auch immer der Grund gewesen sein mag: Mit dem anderen Stoff kam ich einfach nicht voran. Ich wollte mich weiterentwickeln und etwas Komplexes schaffen, das ein großes Publikum beschäftigen sollte. Und die Idee zu Unbreakable - Unzerbrechlich drängt sich da geradezu auf. Es wird auf einer viel größeren Leinwand gemalt als dieser andere Stoff, den ich als zu nahe an The Sixth Sense empfand."

Als er mit dem Verfassen des Drehbuchs begann, wandte sich Shyamalan an die Produzenten von The Sixth Sense, Barry Mendel und Sam Mercer, und fragte sie, ob sie auch bei seinem nächsten Projekt wieder mit ihm arbeiten wollten. "Zu dritt sind wir als Produzenten ziemlich effektiv", meint Shyamalan. "Barry kümmert sich sehr intensiv um die kreativen Aspekte beim Herstellen eines Films. Sam ist sehr begabt, was die tatsächliche Umsetzung eines Projekts anbetrifft. Er findet immer unglaubliche Wege, wie er das Unmögliche möglich macht. Am wichtigsten ist allerdings, dass sie gute Männer sind und wir ein vergleichbares Temperament haben und eine gute Zeit miteinander verbringen. Kreativ und emotional ergänzen wir uns wunderbar."

"Sofort als wir The Sixth Sense fertig gestellt hatten, begann Night, wie verrückt all diese Bücher über Zugunglücke und die technischen Aspekte schrecklicher Unfälle zu lesen", blickt Barry Mendel zurück. "Aber er wollte nicht damit rausrücken, an was genau er da arbeitete. Er sagte nur, er hätte eine neue Idee. Er zog sich einfach zurück, verbrachte einige Zeit allein und kam wieder mit einem fertigen Drehbuch in der Hand. Man kann also sagen, dass Unbreakable - Unzerbrechlich komplett auf seinem Mist gewachsen ist." "Bevor ich mit dem Schreiben begann, hatte ich mir den ganzen Film im Kopf zurecht gelegt", erklärt Shyamalan. "Ich sagte, ich will den Film mit Touchstone Pictures machen. Ich will Bruce Willis und Samuel L. Jackson in den Hauptrollen. Und ich will, dass der Film in den USA an Thanksgiving 2000 in die Kinos kommt."

Mit seiner perfekt ausgearbeiteten Vision im Kopf begann Shyamalan, das Drehbuch spezifisch für Bruce Willis und Jackson zu schreiben. Er hatte natürlich keine Ahnung, ob die beiden Schauspieler mitmachen würden und ob es ihnen möglich wäre, genug Zeit in ihren dicht gefüllten Terminkalendern zu finden, damit Shyamalan seinen erhofften Starttermin einhalten konnte. In nur wenigen Wochen stellte er das Drehbuch fertig und beschloss, die beiden Schauspieler anzurufen, um zu sehen, ob er seine klar formulierte Vision realisieren können würde. "Ich erzählte ihnen, dass ich das Buch nur für sie geschrieben hätte, und gab ihnen eine Idee, wann ich mit dem Dreh beginnen wollte. Aber ich sagte ihnen nicht, worum es gehen sollte. Dennoch sagten beide auf der Stelle zu. Sollte es nicht immer so sein?", lacht Shyamalan. "Ganz ehrlich: Ich weiß gar nicht, warum sie zu diesem Zeitpunkt zusagten, ohne das Drehbuch gelesen zu haben. Aber genau um diese Art von Schicksal geht es auch in unserem Film. Ich verstand das als Zeichen, dass der Film gemacht werden wollte."

"Ich konnte es einfach nicht glauben, als Night anrief und sagte, er hätte bereits ein weiteres Drehbuch fertig, das er nur für mich geschrieben hätte", sagt Bruce Willis. "Wir hatten The Sixth Sense gerade erst abgedreht. Der Film war noch nicht einmal in den Kinos. Und er hatte bereits eine neue Idee und wollte mich als Hauptdarsteller. Sein Vertrauen in mich beeindruckte mich sehr. Weil ich gerade erst mit ihm gearbeitet hatte, wusste ich, wozu er fähig ist. Also vertraute ich ihm." Samuel L. Jackson folgte ebenfalls seinen Instinkten, als sich M. Night Shyamalan mit seinem Drehbuch bei ihm meldete: "Ich hatte The Sixth Sense vor ein paar Jahren gelesen und fand das Skript einfach fabelhaft. Ich vertraute aber nicht nur auf seine Fähigkeiten als Autor, sondern sprach auch mit Bruce Willis über dessen Erfahrungen mit Night. Seiner Meinung vertraute ich. Also sagte ich zu ihm: Sag' Bescheid, wenn du soweit bist, dann bin ich da."

Mit Bruce Willis und Jackson an Bord fiel es Shyamalan nicht schwer, das Drehbuch binnen weniger Monate Drehbereit zu machen. In dieser Zeit kam The Sixth Sense in die Kinos und feierte einen unvergleichlichen Erfolg: Weltweit spielte der Film letzten Endes mehr als 600 Millionen Dollar ein. Gleichzeitig wuchs die Begeisterung des Filmemachers für Unbreakable - Unzerbreclich. Schnell nahm er letzte Veränderungen an der sechsten Fassung vor und legte das Resultat vor.

"Meine spontane Reaktion war: Wow, er hat es wieder getan!", erzählt Produzent Sam Mercer. "Was mich am meisten beeindruckte, war das Maß an Details und Vielschichtigkeit, die The Sixth Sense in meiner Meinung bei weitem übertrafen. Die Geschichte ist clever, einfallsreich, reißt einen emotional mit und ist dank der stark gezeichneten Figuren noch packender. Für Night bedeutet Unbreakable - Unzerbrechlich zwei Riesenschritte nach vorn."

Dieser Film bedeutet einen gewaltigen Fortschritt für mich", stimmt Shyamalan zu. "Ich habe bei The Sixth Sense mit einer völlig anderen Theorie des Filmemachens begonnen, die aber erst am Anfang stand. Dies ist die Weiterentwicklung, die Evolution. The Sixth Sense ist der Studienabschluss, aber Unbreakable - Unzerbrechlich ist die Doktorarbeit. Hoffentlich wird man in der Lage sein, meine Handschrift zu erkennen, zu sehen, dass beide Filme die Arbeiten von ein und demselben Filmemacher sind. Der neue Film ist ebenfalls sehr spannend mit vielen Wendungen und voller Emotion. Aber die Story und der Ansatz sind völlig neu."

"Ich hielt das Drehbuch für ambitionierter als The Sixth Sense, weil Night da auf Geistergeschichten zurückgriff, die man sehr gut kennt. Jetzt ist die Idee absolut originell", meint Barry Mendel. "Es ist ein ambitionierteres Drehbuch, das ihn als gewachsenen, individuelleren Geschichtenerzähler zeigt. An den meisten Filmen lässt sich irgend etwas Gutes entdecken ... tolle Action, tolle Spannung, eine tolle Handlungswendung ... aber nur wenigen Drehbüchern gelingt es, all diese Aspekte unter einen Hut zu bekommen. Unbreakable - Unzerbrechlich ist eine tolle Geschichte eines tollen Drehbuchautoren, bei der einfach alles stimmt. Das gibt es nicht oft. Pro Jahr kann man diese Filme an einer Hand abzählen. Ich glaube, Unbreakable - Unzerbrechlich wird dazu gehören."

Auch als es darum ging, vom Studio grünes Licht für die Produktion zu bekommen, lief alles reibungslos. " Bruce Willis und Samuel L. Jackson Jackson erhielten das Drehbuch an einem Freitag, sie riefen mich am Samstag an, ich ging damit am Montag zu Disney und konnte ihnen versichern, dass beide Schauspieler zugesagt hätten und am angestrebten Drehtermin frei wären. Das Studio gab mir ohne Umschweife grünes Licht", erzählt Shyamalan.

Weil der Film im November 2000 in die Kinos kommen sollte, ging man sofort in die Vorproduktionsphase über, und Shyamalan begann, sein Team zu versammeln. Er fragte viele Beteiligte von The Sixth Sense, ob sie wieder mit ihm arbeiten wollten. Darunter waren die ausführenden Produzenten Gary Barber und Roger Birnbaum. "Gary und Roger waren so etwas wie die Paten von The Sixth Sense", kommentiert Shyamalan. "Ich wollte, dass sie bei diesem Film genau die gleiche Funktion übernehmen. Sie sollten einfach über uns wachen und da sein, für den Fall, dass irgendetwas passiert. Es war beruhigend zu wissen, dass sie da waren."

Auch Ausstatter Larry Fulton und Kostümdesignerin Joanna Johnston sowie viele andere Schlüsselmitglieder des Stabs von The Sixth Sense kehrten zurück, um wieder mit Shyamalan zu arbeiten. Neu dazu kamen Kameramann Eduardo Serra und Cutter Dylan Tichenor. Shyamalan war sich sicher, dass er die richtigen Leute gewählt hatte, um seine Vision verwirklichen zu können. "Es war eine sehr definitive Kombination von Talenten, die wir zusammenbrachten, um Unbreakable - Unzerbrechlich zu machen", sagt Shyamalan. "So viel lief richtig bei The Sixth Sense. Ich wusste einfach, dass ich meinem Stil des Filmemachens schon sehr nahe gekommen war. Das Team, das ich jetzt versammeln konnte, stellt auch eine deutliche Evolution dar, mit der ich meiner gegenwärtigen Art des Filmemachens noch näher gekommen bin. Mit dieser Gruppe von Leuten möchte ich auch künftig arbeiten."

"Night weiß, dass es nur von Vorteil ist, mit einem eingespielten Team zu arbeiten", weiß Mercer. "Die Familiarität trägt zur Entspanntheit und Atmosphäre am Set bei. Das ist klasse. Nicht nur, weil ein nettes Arbeitsumfeld entsteht, sondern weil man die Stärken und Schwächen aller Beteiligten kennt und all das abrufen kann, was man in der jeweiligen Situation braucht."

Das Wissen um die Stärken der anderen erwies sich für Shyamalan beim Dreh von Unbreakable - Unzerbrechlich tatsächlich als Vorteil: "Weil ich solch eine klare Vorstellung von dem Film hatte, konnte ich beim Schreiben in meinem Kopf buchstäblich sehen, wie sich die Geschichte auf der Leinwand entwickelt. Das wiederum half mir, die Figuren zu entwickeln, die ich genau auf die Stärken der Schauspieler, die ich mir vorstellte, abstimmte. Es ist unglaublich, das Privileg zu besitzen, so arbeiten zu können. Ich glaube, die Leistungen aller wurden auf eine Weise gesteigert, die selbst meine Vision und Erwartungen bei weitem übertraf."

Und er fügt hinzu: "Unter anderem war es mir wichtig, die Partnerschaft, die ich mit Bruce Willis bei The Sixth Sense begonnen habe, fortzuführen. Ich finde, wir hatten es gemeinsam bereits zu einer beachtlichen Entwicklung gebracht. Gleichzeitig merkte ich, dass er als Schauspieler noch mehr kann, dass da Schichten seines Könnens sind, die noch unberührt waren. Und das wollte ich diesmal aus ihm herauskitzeln. In The Sixth Sense könnte man ihn als Spiegel beschreiben, in den alle hineinblicken. Und er mußste darauf reagieren. In Unbreakable - Unzerbrechlich hatte er die Gelegenheit, ein größeres emotionales Spektrum abzudecken, weil seine Figur wesentlich vielschichtiger angelegt ist. Seine Arbeit ist einfach unglaublich: Er meistert die sehr delikaten Szenen, in denen es um die aus dem Gleichgewicht geratene Beziehung zu seiner Frau und seinem Sohn geht, ebenso meisterhaft wie die witzigen, warmherzigen Szenen und die Actionsequenzen. Man bekommt einen Eindruck davon, was Bruce Willis als Schauspieler alles drauf hat. Ich hatte die Figur des David Dunn skizziert, Bruce Willis malte sie aus, mit all ihren Farbschattierungen. Deshalb wollte ich ihn. Er fühlt sich bei körperlich betonten Heldenszenen ebenso wohl wie bei der Darstellung von Emotion, er hat Humor ebenso im Repertoire wie charakterliche Tiefe. Und dennoch bleibt er immer ein Typ, dem man gern zusieht, mit dem man sich sofort identifiziert. So sollte mein David Dunn auch sein."

" Bruce Willis kommt aus dem alten amerikanischen Osten und war ein ganz normaler Typ wie du und ich, bevor er seine diversen Durchbrüche schaffte und ein Schauspieler und später Star wurde. All dieser Background hilft ihm, diesen David Dunn in all seinen Facetten zu verstehen", meint Sam Mercer. "Er hat die Fähigkeit zu begreifen, wer diese Figur ist, er kann analysieren, was er sagen und tun würde und wie er in den einzelnen Situationen reagiert. Das ist Bruce Willis' Stärke. Das beherrscht er perfekt. Es geht nicht darum, wieviel er sagt ... es ist sein körperliches Auftreten und seine emotionale Bandbreite ... man mußs nur sein Gesicht sehen ... Bruce Willis Intuition ist schlicht und einfach perfekt."

"Bis jetzt denken die Leute bei der Frage nach dem typischen Bruce Willis-Film vermutlich immer noch an "Stirb langsam", 1988, weil er da alles ausspielt, was ihn zum Star macht: seinen Sinn für Humor, seinen Charme, seine Fähigkeit, ein Actionheld zu sein und gleichzeitig doch ein Jedermann zu bleiben", analysiert Barry Mendel. "Aber jetzt kommt Night und sein Unbreakable - Unzerbrechlich: Er nimmt Bruce Willis archetypische Filmfigur und verleiht ihr jene zusätzliche Tiefe und Einzigartigkeit, die seine Filme so auszeichnet. Ich glaube, durch diese Kombination ist ihm das perfekte Bruce Willis-Vehikel gelungen."

"Ich erklärte ihm, dass er bis an die Grenze gehen, dass er mir alles zeigen mußste - und er tat es", sagt Shyamalan. "Er gibt eine fabelhafte Jedermann-Darstellung. Er weinte, wenn David weinen würde. Er lachte, wenn David lachen würde. Und er war peinlich berührt und unsicher, wenn es David sein würde. In jedem Moment glaubt man ihm ganz nah zu sein, weil er so echt wirkt. Es gibt einen Moment im Film, an dem er jemandem die Fesseln lösen mußs. Bruce Willis Hände zitterten so sehr, dass er es einfach nicht schaffte. Das war großartig. Genau das sollte an dieser Stelle passieren. Das war kein Actionheld, der da vor der Kamera agierte. Das war jemand wie du und ich."

Bruce Willis' Fähigkeit, die Jedermann-Qualität der Privatperson Bruce Willis ohne Reibungsverluste auf die Leinwand zu übertragen, wirkte sich nicht nur auf die eigene Darstellung aus, sondern färbte in der täglichen Arbeit auch auf die Leistung der Ensemblemitglieder ab. " Bruce Willis ist der Typ, mit dem man sofort kann. Da gibt es keinen besseren", lobt Samuel L. Jackson. "Wenn er auftaucht, geht der Testosteron-Pegel im Raum sofort nach oben. Er mußs gar nicht mal hart spielen. Er ist einfach ein Typ und strahlt all die Dinge aus, die einen Typen ausmachen: Spaß, Heroismus, Männlichkeit. Er bringt all diese Charakterzüge in sein Schauspiel ein. Aber am wichtigsten ist sein gesunder Respekt vor der Kunst des Schauspiels und das Filmgeschäft im Allgemeinen. Viele Leute haben das heute nicht mehr. Ich habe die Zeit mit ihm vor und hinter der Kamera sehr genossen." "Ich war total beeindruckt davon, was für ein netter und normaler Kerl er ist", meint der zwölfjährige Spencer Treat Clark, der David Dunns Sohn Joseph spielt. "Ich kann mich an einen Tag am Set erinnern, als wir uns über ganz normale Sachen unterhielten, die wir gerne machen, z. B. Hockey spielen und Musik hören. Er war total unkompliziert. Das war super."

Im gleichen Maße, wie M. Night Shyamalan Bruce Willis' Rolle des David Dunn als ganz natürlichen Jedermann anlegte, erschuf er die Figur des Elijah Price als Typen, der eine geradezu elektrisierende Intensität und exzentrische Persönlichkeit ausstrahlt. "Man kann nicht zu einem Schauspieler gehen und ihn bitten, wie Samuel L. Jackson zu spielen", lacht Shyamalan. "Wenn man Samuel L. Jackson haben will, dann mußs man Samuel L. Jackson engagieren. Ich habe die Figur ganz genau auf seinen Sarkasmus, seinen stechenden Blick, der einen regelrecht durchbohrt, und das Stakkato, in dem er spricht, zugeschnitten. Ich habe mir genau vorgestellt, welche Worte gut klingen würden, wenn er sie spricht, und habe versucht, das eins zu eins ins Drehbuch zu übertragen."

Obwohl Shyamalan Jacksons Arbeit in vielen Filmen seiner Karriere sehr schätzte, war es ein Moment in einem der neueren Titel in der Filmographie des Schauspielers, der die Art von roher Emotion enthielt, die der Regisseur in seinem Film sehen wollte: "Es gibt da eine Szene in Die rote Violine, in der Sam eine Violinistin Geige spielen sieht. Wenn es ihm gefällt, wird er die Geige kaufen. Es gibt eine Großaufnahme von ihm, wo man ihn mit einer ganz besonderen traurigen Erwartung sieht. Es gibt nichts Besseres in diesem Film, einfach fantastisch. Ich dachte: Wow, er hat als Schauspieler noch Dinge zu bieten, die wir noch nicht von ihm kennen. Und ich wollte ihm in Unbreakable - Unzerbrechlich die Chance geben, diesen Weg noch weiter zu gehen."

"Bevor wir mit Samuel L. Jackson gearbeitet hatten, wussten wir bereits, dass er ein fabelhafter Schauspieler ist. Deshalb waren wir sehr gespannt auf die Arbeit mit ihm. Wir waren überrascht, wie sehr all unsere Erwartungen übertroffen wurden", sagt Barry Mendel. "Er ist einer der besten Schauspieler, die ich jemals gesehen habe. Er ist witzig, subtil, bedrohlich und intensiv. In Unbreakable - Unzerbrechlich bringt er all seine Flamboyanz und seinen Stil zum Einsatz, kombiniert das aber mit einer sehr pointierten und echten Performance. Das habe ich ihn noch nie zuvor so machen sehen."

"Er ist auf sehr ungewöhnliche Weise einzigartig und bringt in seine Rollen eine großartige Kombination aus Stil, Hipness und Intelligenz ein, nach der ich gesucht hatte", sagt Shyamalan. "Immer, wenn er auf der Leinwand auftaucht, kann man die Augen nicht mehr von ihm abwenden. Er ist überwältigend."

Die einzigartige Kombination der beiden sehr unterschiedlichen Typen und ihre Leinwandchemie, die Shyamalan aus den gemeinsamen Filmarbeiten der beiden kannte, spielte eine Hauptrolle für den Regisseur, Bruce Willis und Jackson erneut miteinander zu besetzen. "Als ich daran dachte, die beiden für meinen Film zu wählen, fielen mir die elektrisierenden Momente ein, die sie zusammen in Pulp Fiction und "Stirb langsam - Jetzt erst recht", 1995 hatten", überlegt Shyamalan. "Ihre gemeinsame Chemie ist überwältigend. Und in Unbreakable - Unzerbrechlich ist es noch besser! Sie legen sich voll rein. Man sieht förmlich die Funken sprühen, wenn sie zusammen in einer Szene sind."

"Da ist etwas Elektrisierendes an Samuel L. Jackson, das einem Extra-Energie verleiht, wenn man mit ihm spielt", sagt Bruce Willis. "Er lädt eine Szene richtig auf, so dass man förmlich zu Höchstleistungen angetrieben wird." Auch als es zur Besetzung der Rolle von Audrey Dunn, der Frau von David, kam, wusste M. Night Shyamalan ganz genau, wer dafür in Frage kam. "Robin Wright Penn war immer unsere erste Wahl", betont er. "Sie ist so elegant und attraktiv und verletzlich. Ich sah sie in Message in a Bottle, den sie mit ihrer Echtheit und Ehrlichkeit völlig an sich riss."

Genau diese Fähigkeit, Emotion und Verletzlichkeit so echt wie möglich darzustellen, ist für Shyamalan sehr wichtig, wenn er an die Besetzung der Schauspieler geht. "Wenn ich einen Schauspieler sehe, der echte Emotionen auf die Leinwand transportiert, bin ich hin und weg", erzählt er. "Ich glaube, dass überzeugende Verletzlichkeit eine der am schwersten zu findende Qualitäten bei Schauspielern ist. Aber genau danach suche ich. Man mußs ihm in die Augen sehen können und nicht einfach nur wissen, sondern sogar fühlen, was in ihm vorgeht. Wenn man Robin in die Augen blickt, stellt sich genau dieses Gefühl ein. Trotz ihrer Erfahrung hat sie diese ganz natürliche Verletzlichkeit nicht verloren, die ihre Darstellung so echt macht."

Shyamalans ungewöhnliches Casting war Robin Wright Penn bislang fremd. Keiner der Regisseure, mit denen sie bisher gearbeitet hatte, hatte sie jemals aus diesem Grund besetzt. "Es war eine große Freude, mit Night zu arbeiten", meint sie. "Er war der erste Filmemacher, der von mir verlangte, weniger zu machen, während die meisten immer darauf bedacht sind, mehr aus einem herauszuholen. Aber Night weiß ganz genau, wie die Figuren sein sollen, und kann sich ihnen deshalb mit einer wunderbaren Subtilität annähern. Das war sehr erfrischend." Die Filmemacher befürchteten, dass sich die Besetzung der Rolle des Joseph, des Sohnes von David und Audrey Dunn, schwierig gestalten könnte, speziell nach dem Erfolg, den sie mit einem jungen Darsteller bei The Sixth Sense verzeichnen konnten.

"Wenn man ein Kind finden will, das Emotion ganz echt und ungeschminkt transportieren soll, dann mußs es diese Emotionen auch ganz genau verstehen und nicht so tun, als könnte man dieses Gefühl reproduzieren, indem man beispielsweise an den Tod eines Haustiers denkt", erklärt Shyamalan. "Diese Art von Verständnis verlangt nach einem sehr intelligenten Kind - und die wachsen nicht auf Bäumen." ein Kind zu finden, das die benötigte Intelligenz besaß, veranstaltete Casting-Agent Doug Aibel eine landesweite Talentsuche, mit offenen Terminen in mehreren Städten und dem Studieren von hunderten von eingesandten Videobändern. Nach schier endloser Suche hatte man die Liste auf eine Handvoll junger Schauspieler reduziert, zu denen auch Spencer Treat Clark gehörte. Er hatte seine Filmkarriere erst im Jahr zuvor begonnen, konnte in dieser kurzen Zeit aber bereits Rollen in beachtlichen Filmen wie Arlington Road, Doppelmord und Gladiator landen.

Clark war das erste Kind, das beim Vorsprechtermin aufgerufen wurde. Beim zweiten Durchgang kam der entscheidende Moment, nach dem M. Night Shyamalan wusste, dass er seinen Joseph gefunden hatte. "Ich ließ Joseph bei seinem zweiten Vorsprechen eine unglaublich emotionale Szene spielen, und er machte seine Sache hervorragend", erinnert sich Shyamalan. "Was mich überzeugte, war ein kurzer Moment, nachdem die Szene vorüber war. Versehentlich lief die Kamera noch ein paar Sekunden weiter, und er saß da und man sah, dass er sich langsam von der Szene erholen mußste. Das Kid, das sich da erholte, war das Kid, das ich in meinem Film haben wollte. Da war etwas sehr Echtes und Unverstelltes in seinem Gesicht, und ich wusste: Wow, das ist der Junge!"

"Night hat ein unvergleichliches Talent, wenn es um das Besetzen von Kindern geht", meint Mendel. "Er findet immer genau den richtigen Darsteller für diese Rollen. Obwohl Spencer Treat Clarks Rolle viel kleiner ist als die von Haley Joel Osment in The Sixth Sense, mußs er doch eine breite emotionale Spanne abdecken - von sehr leicht bis sehr ernst. Spencer meisterte seine Aufgabe mühelos. Schon bei seinem Vorsprechtermin war er so gut, dass wir viel Vertrauen hatten, den Richtigen für den Part gefunden zu haben."

"Ich wusste nicht viel mehr über Night, als dass er The Sixth Sense gedreht hatte, also war ich anfangs etwas unsicher", gesteht Clark. "Aber als ich in den Raum kam, war Night einfach richtig nett. Er erzählte mir vom Drehbuch und von der Figur, die ich zu spielen hatte, aber wir unterhielten uns auch über ganz banale Dinge wie Sport und so. Das war klasse, weil diese Termine eigentlich immer so förmlich sind. Mit Night war es einfach nur ein lockeres Gespräch und nicht das übliche Frage-Antwort-Spiel." "Ich bin sicher, das war nicht sehr einfach für ihn, dieser gigantische Standard, dem er standhalten mußste", sagt Shyamalan. "Aber Spencers Darstellung ist in jeder Szene fabelhaft. Er ist ein sehr guter junger Schauspieler."

Clark sagt, er verdankt seine Leistung der präzisen und doch subtilen Inszenierung des Regisseurs. "Night weiß genau, was er will und wie sehr er seine Darsteller in jeder einzelnen Szene inszenieren mußs", weiß Clark. "Von Anfang an sagte er zu mir: Wenn es sich nicht echt anfühlt, dann mach es nicht. Wenn man selbst nicht glaubt, dass es sich echt anfühlt, dann würde er es später im Schneideraum ebenfalls nicht als echt empfinden. Das war super. Denn selbst wenn ich etwas gespielt hatte, das er gut fand, konnte ich ihm immer noch sagen, dass ich es besser hinkriegen könnte."

Über die Story

"Im gleichen Maße, wie The Sixth Sense nicht nur ein Horrorfilm war, ist Unbreakable - Unzerbrechlich nicht nur ein Thriller", beteuert Shyamalan. "Ja, der Film ist spannend, und er hat einige Science-Fiction-Momente, die ihn zu einem sehr düsteren, gruseligen Film machen. Aber ich erzähle eine Geschichte über sehr echte Menschen, die sehr echte Probleme und Emotionen haben, wie jeder von uns. Es geht darum, wie man mit seiner Frau kommuniziert und eine Beziehung am Leben erhält. Was macht einen guten Vater aus? Wie kann man den Erwartungen anderer Menschen gerecht werden? Hat man sein Potential ausgeschöpft? Hört man auf die innere Stimme, die einem sagt, was man mit seinem Leben anstellen soll? All diese Themen ergäben für sich schon ein ziemlich packendes Drama. Hier fügen sie sich zusammen zu einem sehr aufregenden Paket."

" Unbreakable - Unzerbrechlich ist die Geschichte von David Dunn, ein Mann, der sich in seinem Leben nicht wohl fühlt. Er hat seine Berufung im Leben noch nicht gefunden und taumelt daher durch seine Existenz", erzählt Barry Mendel. "Er wird das Gefühl nicht los, dass da etwas fehlt, dass etwas nicht ganz stimmt. Er fühlt sich unwohl als Ehemann und Vater und ist mit seinem Job als Ordner in einem Footballstadion nicht zufrieden. Er glaubt, er sei für größere Aufgaben bestimmt, aber fühlt sich nicht in der Lage, sie zu bewältigen. Und weil er nicht genau weiß, aus welchem Grund er auf der Erde ist, beginnt seine Welt um ihn herum zusammenzubrechen." "Wenn man David Dunn zum ersten Mal sieht, hat er sein Gleichgewicht vollkommen verloren", fügt Shyamalan hinzu. "Als er den Zug betritt, hat er keine Ahnung, wie es mit seinem Leben weitergehen soll. Er hat die Talsohle erreicht. Nach dem Crash hört er auf einmal wieder eine Stimme in sich, die er lange ignoriert hat. Diesmal rafft er sich auf herauszufinden, was die Stimme bedeutet."

"Als er Elijah trifft, ist er völlig offen und verunsichert, weil er keine Antworten darauf findet, warum er überlebt hat", fährt der Regisseur fort. "Elijah weist ihn in die richtige Richtung, indem er ihm Fragen über seine Vergangenheit stellt und analysiert, was er bisher aus seinem Leben gemacht hat. Schließlich reift in Elijah eine Theorie, und er sagt zu David, dass er zu wissen glaubt, welche Rolle er in den größeren Zusammenhängen spielt. Ich würde sagen, Elijah ist so etwas wie ein Prophet."

Das Konzept von Unbreakable - Unzerbrechlich basiert auf Fragen, die sich Shyamalan seit seinem 17. Lebensjahr über das eigene Schicksal stellt. Er wuchs in einer Familie mit zwölf Ärzten, darunter sein Vater und seine Mutter, auf, machte seinen Studienabschluss mit Auszeichnung und schien dafür bestimmt, ebenfalls eine medizinische Karriere einzuschlagen. Aber seine Leidenschaft fürs Filmemachen, die sich bei dem damals Zehnjährigen erstmals meldete und fortan immer weiter wuchs, überwog und ließ in ihm die Überzeugung reifen, er sollte es als Filmemacher versuchen. "Als ich keine Filme drehte, wachte ich am Morgen mit einem gewissen Maß an Traurigkeit auf. Das wollte ich nicht mein ganzes Leben über fühlen", sagt Shyamalan. "Also kam ich an einen Punkt, wo ich genau in mich hinein horchte, um herauszufinden, welchen Weg ich gehen sollte. Und obwohl sich diese Traurigkeit immer noch nicht völlig verflüchtigt hat, fühle ich einen inneren Frieden, weil ich das Gefühl habe, dass ich das mache, was ich machen soll. Und darum geht es in meinem Film: Man mußs sein Schicksal entdecken und sich die Frage stellen, was man im Leben erreichen will. Es geht darum, wie sich diese Teile zusammenfügen und Sinn ergeben, wenn man die Antwort schließlich findet."

"David Dunn habe ich ein bisschen nach meinen eigenen Erlebnissen gestaltet", gesteht Shyamalan. "Auch er hat diese Traurigkeit, die nicht aus seinem Leben weichen will, bis David erkennt, dass sie ein Indiz dafür ist, dass er mit seinem Leben nicht das anstellt, was er eigentlich machen sollte. Und dass alles mit einem Mal Sinn machen wird, wenn er die Antwort findet. Ich glaube, jeder von uns kennt dieses Gefühl und macht diese Phase wenigstens einmal im Leben durch. Ich glaube, dass es sehr leicht ist, sich mit David Dunn und seinen Erfahrungen zu identifizieren." "Die meisten Menschen erleben das Gleiche wie David Dunn in ihrem Leben", schlägt Barry Mendel vor. "Man kann immer gleich sagen, wenn jemand sein Lebensziel vor Augen hat und mit Nachdruck verfolgt. Diese Menschen befinden sich im Einklang damit, wer sie sind und wer sie sein sollen. Andere Menschen treiben nur durch ihr Leben - so ergeht es David Dunn."

"Ich glaube, dass sich das Publikum von Unbreakable - Unzerbrechlich genau so direkt angesprochen fühlen wird wie von The Sixth Sense, weil Nights Filme immer sehr echte, sehr persönliche emotionale Geschichten erzählen, in denen es um den Menschen und den menschlichen Willen geht, auch wenn die Geschichten eine leicht übernatürliche Qualität haben", sagt Sam Mercer. "Wir alle stellen uns Fragen über den Sinn unserer Existenz oder haben das Gefühl, dass wir noch nicht genau wissen, was unsere Bestimmung ist."

"Es ist komisch, weil etwas sehr Merkwürdiges geschieht, wenn man etwas macht, was man in seinem Leben machen soll", meint Shyamalan. "Auf einmal trifft man die richtigen Entscheidungen und alles geht wie von selbst seinen Weg."

Ironischerweise ist das ein Konzept, das nicht nur von David Dunn entdeckt wird. Rückblickend zieht es sich auch wie ein roter Faden durch die gesamte Entstehung des Films. "Eigenartig, wie geschmeidig und einfach sich die einzelnen Elemente von Unbreakabel - Unzerbrechlich zusammenfügten", philosophiert Shyamalan. "Ich liebe diese Vorbestimmung, die einem das Gefühl gibt, dass dieses Projekt gedreht werden mußste." Schon als er Ideen für Unbreakable - Unzerbrechlich sammelte, war Shyamalan erstaunt darüber, wie leicht sich die einzelnen Elemente zu einem stimmigen Konzept zusammenfügten. "Ich war beim Frühstück im Haus meines Onkels und arbeitete an Elijah. Ich fragte meinen Onkel, ob er sich an einen seltenen Zustand erinnern könne, der etwas mit brüchigen Knochen zu tun habe", erinnert sich Shyamalan. "Ohne zu zögern fiel ihm osteogensis imperfecta ein. Und nicht nur das. Er wusste auch alles darüber und hatte Berge von Studienmaterial und medizinischen Journalen über diesen Zustand. Mühelos fügte sich die Figur Elijahs in meinem Kopf zusammen. Noch bevor das Frühstück vorüber war, wusste ich genau, wie ich die Geschichte erzählen würde."

Shyamalan mußs lachen, wenn er sich an weitere Beispiele scheinbarer Zufälle erinnert, die ihm bei seinen Entscheidungen während des Entstehungsprozesses von Unbreakable - Unzerbrechlich halfen. Dazu gehört ein Telefonanruf von Bruce Willis mitten in der Nacht: "Ich überarbeitete gerade das Drehbuch, da rief Bruce Willis an. Damals hatte ich ihm nur ein klein wenig über die Figuren erzählt. Er wusste eigentlich noch nichts über die Geschichte oder wen ich in den anderen Rollen besetzen wollte." Bruce Willis erklärte ihm aufgeregt, dass er jemanden getroffen hatte, den er perfekt für die Rolle Elijahs fände. Er war schockiert, als Shyamalan mit einem einfachen "Ich weiß, wen du getroffen hast" reagierte. Shyamalan lächelt bei der Erinnerung an das Gespräch: "Er sagte: Was meinst du damit, du weißt ... Wie kannst du es wissen? Und ich sagte: Samuel L. Jackson Jackson, richtig? Stille am anderen Ende der Leitung. Und dann sagte er: Ja, er steht gerade neben mir. Wie konntest du das wissen?" An diesem Abend sprach Shyamalan zum ersten Mal mit Samuel L. Jackson und berichtete ihm, dass er die Rolle nur für ihn schreiben würde. Der Schauspieler sagte zu, ohne eine weitere Frage zu stellen.

Shyamalan fällt noch ein weiteres Ereignis ein, das ihn davon überzeugte, dass die Besetzung Jacksons in Unbreakable - Unzerbrechlich vorbestimmt sein mußste. Es geschah, als er den Schauspieler am Set von Shaft erstmals traf. "Ich wollte meinen Augen nicht trauen, als ich in seinen Trailer kam. Er ist ein Comic-Fanatiker und weiß alles, was man über Comics nur wissen kann. Ohne das über ihn zu wissen, hatte ich das Drehbuch fertig gestellt und seine Figur als Besitzer einer Galerie angelegt, der eine einzigartige Faszination für Comic-Kunst hegt", erläutert Shyamalan.

Nicht nur die Tatsache, dass überall Comics herumlagen, beeindruckte den Filmemacher: "Sams Wissen über Comics ist beeindruckend. Es gibt da eine Szene im Film, in der Elijah im Hintergrund steht und Samuel L. Jackson nur ein paar Sätze über verschiedene Comic-Zeichnungen improvisieren sollte. Das waren Zeilen, die man nicht einmal unbedingt verstehen sollte, aber mit jedem neuen Take brillierte Samuel L. Jackson mit neuen Geschichten und Anekdoten über die Geschichte der Comics, die allesamt wunderbar waren. Einer der Statisten der Szene kam danach zu mir und fragte mich, wie er all das wissen könne. Das war fast schon surreal." Auch zur Besetzung von Robin Wright Penn gibt es eine eigenwillige Anekdote. Obwohl sie die erste Wahl der Filmemacher war, mußste sie die Rolle aus terminlichen Gründen zunächst ablehnen. Also fand man eine andere Darstellerin für Audrey, die dann aber ein Angebot für eine Hauptrolle in einem anderen Film erhielt und wieder ausstieg. Da der Drehstart von Unbreakable - Unzerbrechlich immer näher rückte, mußsten die Filmemacher schnell eine Darstellerin für die Rolle finden und beschlossen, noch einmal bei Robin Wright Penn anzufragen. Tatsächlich hatte sich der Drehstart ihres anderen Projekts verschoben, so dass sie wieder frei war. So kam es, dass Shyamalan schließlich doch die Schauspielerin bekam, die er sich von Anfang an vorgestellt hatte.

Auch im Fall von Kameramann Eduardo Serra spielte das Schicksal eine Rolle, wie Shyamalan berichtet: "Eines Abends ging ich in eine Videothek. Ich hatte keine Ahnung, was ich mir anschauen sollte, also schlenderte ich durch die Gänge und entschied mich schließlich für Die Flügel einer Taube. Während der Vorproduktion bereitete mir der Look unseres Filmes noch einige Probleme. Plötzlich entdeckte ich genau die Art von Licht und Ausleuchtung, die mir schon immer gefallen hatte und die ich für die richtige hielt. Ich heuerte Eduardo sofort an - alles nur, weil ich mir ein Video ausgeliehen hatte. Er war fabelhaft. Ich hoffe, dass wir auch in der Zukunft noch viele Filme gemeinsam machen werden."

"Vielleicht sind es nur Zufälle, vielleicht aber auch ein Wink des Schicksals", gibt Shyamalan zu. "Egal, wie man es nennen mag: Diese Ansammlung von Ereignissen gab mir das bestimmte Gefühl, dass der Film gedreht werden mußste. Meine Klarheit und mein Selbstvertrauen beim Dreh rührten zum Großteil von diesem Glauben her."

Der Shyamalan-Stil

Genau diese Klarheit und dieses Selbstvertrauen findet man höchst selten bei einem Regisseur, der gerade einmal 30 Jahre alt ist. Mit jeder neuen Arbeit nähert sich Shyamalan der Definition eines Stils an, der unverkennbar sein eigener ist.

"Als Autor und Regisseur hat Night einen ganz eigenen Stil entwickelt, mit dem er seinen Filmen einen ganz besonderen Stempel aufdrückt", sagt Barry Mendel. "Seine Geschichten bewegen sich leicht außerhalb der rationalen Realität, sind immer charakterorientiert und befassen sich mit sehr tiefen, echten Emotionen, die auf sehr persönliche Weise zum Publikum sprechen."

"Nights Stil setzt sich aus einem starken Gespür für das Erzählen von Geschichten, starken Figuren und starken Darstellungen zusammen", fügt Sam Mercer hinzu. "Er ist nicht an dem gängigen Hochglanz-MTV-Stil mit zahllosen Schnitten interessiert, sondern an emotionalen Reaktionen, so dass man im Kino das Gefühl hat, als würde man im Fahrersitz sitzen und die Erfahrungen der Figuren auf der Leinwand teilen."

"Der Film mußs echt sein. Auch die übernatürlichen Elemente mußs man behandeln, als wären sie echt. Man mußs ihnen den gleichen Respekt entgegenbringen und die gleiche Bedeutung beimessen," sagt Shyamalan. "Künstlichkeit kann ich nicht ausstehen. Ich will Spielfilme drehen, die sich anfühlen wie Dokumentationen."

Um dieses Ziel zu erreichen, griff Shyamalan bei Unbreakable - Unzerbrechlich auf zwei Kniffe zurück, die nur selten angewendet werden: Er verfilmte das Drehbuch in chronologischer Reihenfolge, und er drehte nur die nötigsten Aufnahmen, so dass er im Schneideraum wenig Möglichkeiten zum Herumspielen hatte. "Das Filmen in chronologischer Reihenfolge kommt höchst selten zum Einsatz, weil die logistischen und finanziellen Herausforderungen meist zu groß sind. Selten lassen sich die Drehtermine und Terminpläne der Schauspieler so vereinbaren, dass man sich diesen Luxus leisten kann", erklärt Sam Mercer. "Aber Night war es in diesem Fall sehr wichtig, weil er wollte, dass die Schauspieler die gleiche emotionale Reise durchmachen wie die Figuren und ihre Gefühle in der richtigen Reihenfolge erleben. Vom logistischen Standpunkt stellte uns das vor einige Probleme, aber der Bonus war, dass die schauspielerischen Leistungen viel stärker sind als das, was man meistens zu sehen bekommt."

"Der Dreh in Chronologie war sehr hilfreich", stimmt Samuel L. Jackson zu. "An jedem Tag weiß man genau, was die eigene Figur in der vorangegangenen Szene erlebt hat - und was sie als nächstes erleben wird. Man kann sich immer genau vorbereiten, so dass sich die Figur im Verlauf des Drehs ganz natürlich entwickelt."

Seinen Drehstil bei Unbreakable - Unzerbrechlich beschreibt Shyamalan mit "hohes Risiko - große Befriedigung". Da Shyamalan seinen Film nahezu ohne Extraeinstellungen filmte, erhält das Publikum einen beinahe voyeuristischen Zugang zu dem Gezeigten. "Alle Szenen wurden in einer langen Einstellung gedreht und nicht aus vielen verschiedenen Blickwinkeln", erklärt Shyamalan. "Der Film wirkt dadurch mit seinen längeren Einstellungen und wenigeren Schnitten ein bisschen wie ein Theaterstück. So ist er noch realistischer, als wäre man gerade mit dabei und nicht im gemütlichen Kinosessel."

"Jeder einzelnen Einstellung messe ich große Bedeutung bei, wenn ich den Look eines Films entwerfe", sagt Shyamalan. "Das ist nicht immer einfach. Denn wenn eine Einstellung cool aussieht, heißt das ja noch nicht, dass sie eine Bedeutung hat. Wenn sie keine Bedeutung hat, werfe ich sie raus. Mein Storyboard-Künstler Brick Mason und ich machten daraus einen Running Gag. Denn immer, wenn wir von einer ,coolen' Einstellung sprachen, bedeutete das, dass wir sie nicht im Film behalten wollten." "Das ist sein fester Glaube, nicht selbstgefällig zu sein", meint Mercer. "Das Zugunglück ist ein gutes Beispiel. Es geht dabei um David Dunn und sein Erlebnis, was mit ihm geschieht, und nicht um eine dritte Figur, die diesen schrecklichen Unfall von außen betrachtet, wie man das bei Filmen wie "Auf der Flucht", 1993 erlebt. Weil es nichts zur Geschichte beiträgt, dreht Night die großen Actionsachen gar nicht erst. Er will, dass das Publikum echte Dinge erlebt. Deshalb gibt es weniger Kamera-Setups, und die Designs und Dekorationen sind sehr simpel. Man soll nur die Information erhalten, die für die Entwicklung und den Verlauf der Story wichtig ist."

"Ich bin sehr aufgeregt darüber, dass ich das Gefühl habe, als Regisseur gewachsen zu sein", sagt Shyamalan. "Ich habe einen großen Sprung gemacht von Wide Awake ("Wide Awake", 1997) zu The Sixth Sense. Der Sprung von The Sixth Sense zu Unbreakable - Unzerbrechlich ist genau so groß. So nah wie hier bin ich der Idee, wie ich Filme machen will, noch nie gekommen. Er hat Herz, Action, Humor und Spannung, die das Publikum staunen und es auf intelligente Weise Spaß haben lassen und zum Nachdenken bringen wird."

Er fährt fort: "Der Erfolg von The Sixth Sense bestand für mich persönlich weniger im Finanziellen, sondern darin, dass er Wirkung hatte. Die Menschen haben sich den Film immer wieder angesehen und haben lange darüber gesprochen. Man mußs nur den Titel aussprechen und sofort werden gewisse Gefühle wachgerufen - anders als bei den meisten Filmen, die nur während ihrer Laufdauer unterhalten."

"Was Night in seinen Filmen sehr gut macht, ist, dass er eine Botschaft unterbringt, gleichzeitig aber auch eine sehr aufregende und unterhaltsame Geschichte erzählt, die das Publikum von Anfang bis Ende fesselt", erläutert Mercer. " Unbreakable - Unzerbrechlich ist zunächst einmal ein spannender Ritt. Aber wenn man das Kino verlässt, wird man auch darüber nachdenken, was man im Leben erreichen will und was die Ziele und Bestimmung für jeden einzelnen sind. Die Aussage des Films ist, dass nichts unmöglich und jeder einzelne ein ganz besonderes Wesen ist."

Am Set

Der Dreh in seiner Heimatstadt Philadelphia gehört bei Shyamalan zu den festen Standards. So war niemand überrascht, als er auch Unbreakable - Unzerbrechlich wieder in dieser Stadt ansiedelte.

Die Kombination aus atemberaubender historischer Architektur der Stadt und ihren schönen Vorstädten lieferte der Produktion die perfekte Kulisse für die Dreharbeiten. "In The Sixth Sense haben wir die Stadt als das bekannte alte Philadelphia gefilmt. Ihr Alter und ihre historische Architektur vermittelten eine düstere und geheimnisvolle Atmosphäre", meint Produzent Sam Mercer. "In Unbreakable - Unzerbrechlich stellen wir die Unterschiede zwischen alter und neuer Architektur heraus, benutzen aber immer noch die dunklen Silhouetten, die sich überall in der Stadt finden lassen. Das war perfekt für den Zusammenprall realer und surrealer Welten, der uns vorschwebte."

Wieder schlug die Produktion ihre Zelte im Civic Center Building auf, in dem einige der historischen Flügel beim Bau der Innensets genutzt wurden. Der Großteil des Drehs fand an verschiedensten Locations in Philadelphia und seinen Suburbs statt. Dazu gehören das Franklin Field der University of Pennsylvania, der Fairmount Park im Westen der Stadt, die Philadelphia Naval Base, der Pretzel Park in Manayunk, die Immaculate Conception Church in Germantown und viele andere historische Gebäude im Zentrum der Stadt, wie das Bookbinder's Restaurant, das Packard Building und das Curtis Building.

Außerdem schöpften die Filmemacher aus dem Reservoir talentierter lokaler Darsteller. Man arbeitete eng mit der Mike Lemon Casting Agentur, um ansässige Schauspieler in Sprechrollen zu besetzen und einige tausend Statisten zu finden.

"Philadelphia ist solch eine ikonische amerikanische Stadt mit einer überwältigenden Geschichte und voller talentierter Menschen - sowohl vor als auch hinter der Kamera", sagt Shyamalan. "Ich würde sagen, in jeder denkbaren Geschichte könnte sie eine blendende Kulisse abgeben. Ich hoffe, ich habe nicht zum letzten Mal in Philadelphia gedreht."

Dirk Jasper FilmLexikon
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