| ||
|
Was wäre, wenn wir sein könnten, wer oder was wir wollen? Was, wenn jeder unserer Wünsche in Erfüllung ginge? Diese Fragen gingen Regisseur Harold Ramis durch den Kopf, als er plante, ein Remake der Filmkomödie MEPHISTO '68 aus dem Jahre 1967 zu drehen. Ramis und sein Partner, Produzent Trevor Albert, waren beide Fans von MEPHISTO '68, einer Version der Faust-Mephisto-Geschichte mit Peter Cook und Dudley Moore in den Hauptrollen unter der Regie von Stanley Donen. Ramis und Albert waren sich jedoch einig, dass die Story einer Modernisierung bedurfte. "Uns gefiel, was Stanley, Peter und Dudley gemacht hatten," sagt Albert, "aber das war vor über 30 Jahren und seitdem hat sich unsere Kultur grundlegend geändert." Mit dem 1967er Film als Ausgangspunkt im Kopf, wollten Ramis und Albert eine schärfere und gewagtere Version schaffen, dabei aber die zeitlosen Themen der Ursprungsgeschichte bewahren. Die Menschen lassen sich seit ewigen Zeiten gerne in Versuchung führen, auch wenn die Versuchungen sich ändern ... Als Ramis mit Larry Gelbart und Peter Tolan das Drehbuch zu schreiben begann, versuchte er aufzulisten, was die Mehrzahl der Amerikaner sich seiner Meinung nach wünschen würden. Er kam zu dem Schluss, dass die meisten reich, mächtig, berühmt, intelligent oder sportlich sein wollen. Darüberhinaus wollte Ramis aber eine wichtigere Botschaft vermitteln. "Wir verbringen unser Leben damit, uns Dinge zu wünschen, von denen wir glauben, dass sie uns in den Augen anderer glücklich, erfolgreich oder attraktiv machen. Aber so funktioniert es nicht. Ich möchte deutlich machen, dass man das nicht durch Wunschdenken erreicht." Nehmen wir Elliot Richards, der sich verzweifelt wünscht, beliebt zu sein und die Frau seiner Träume für sich zu gewinnen. "Elliot ist eigentlich im Teenager-Alter steckengeblieben," erklärt Ramis. "Er ist wie ein grosses Hundebaby und glaubt, dass alle Frauen ihm zu Füssen lägen, wenn er reich und einflussreich, oder gross und sportlich oder superintelligent wäre. Aber er entdeckt, wie viele von uns, dass die Dinge, die wir uns wünschen, uns nicht unbedingt glücklich machen."
Während Elliots "alter-egos" alle haarsträubend sind, ist sein eigentlicher Charakter der Wirklichkeit entnommen, betont Brendan Fraser. "Wir alle kennen jemanden wie Elliot", behauptet Fraser. "Er ist ein Aussenseiter der Gesellschaft, der freundlich und gutmütig ist, aber keine Ahnung hat, wie man mit Leuten kommuniziert, ohne ihnen auf die Nerven zu gehen. Daher fällt es ihm schwer, der Teufelin zu widerstehen, als sie ihm anbietet, seine banale Existenz in ein Leben - oder mehrere Leben - voller Abenteuer, Intrigen und Verwegenheit zu verwandeln, eben alles, was er sich sehnlichst wünscht." Die Teufelin gibt ihm all das, aber gleichzeitig stellt sie sicher, dass in seinen neuen Leben alles hoffnungslos schief läuft. Während der Teufel in Mythen, Literatur, Filmen und im Theater meistens als Mann (oder zumindest mit männlichen Eigenschaften versehen) dargestellt wurde, hatte Harold Ramis eine andere Idee. Oder vielmehr seine Frau: "Eigentlich war sie es, die den Einfall hatte, eine Frau zum Teufel zu machen," erinnert er sich. "Eines Abends sprachen wir darüber, wer den Teufel spielen solle. Ich listete verschiedene Schauspieler auf und plötzlich fragte sie: "Warum kann der Teufel eigentlich keine Frau sein?" Schliesslich werden die meisten Männer von Frauen "heimgesucht". Und jetzt, da Frauen in unserer Gesellschaft zunehmend Machtpositionen einnehmen, dachte ich mir, warum nicht ein weiblicher Teufel?" Ramis wollte ausserdem die traditionellen Vorstellungen von Gut und Böse vermeiden - und die daraus häufig resultierenden Stereotypen. "Unser Teufel ist kein Bösewicht," beteuert er. "Sie ist eher ungezogen als böse. Ich wollte ausserdem, dass sie schön ist, wirklich intelligent und sehr viel weltgewandter als Elliot." Um eine Darstellerin für die Versucherin zu finden, hatte Ramis die beneidenswerte Aufgabe, eine Liste aller "umwerfenden" Frauen Hollywoods zu erstellen. "Elizabeth Hurley stand ganz oben auf dieser Liste," sagt Ramis. "Und als wir uns mit ihr trafen, brachte sie gleich den richtigen Humor mit. Elizabeth ist sehr kultiviert, stark, hat sexuelle Ausstrahlung und eine wundervolle Lebensfreude. Ich dachte von Anfang an, dass Elizabeth und Brendan zusammen grossartig sein würden, weil er auf eine gewisse Art unschuldig und rein ist und sie dagegen so weltgewandt." Trevor Albert fügt dem hinzu: "Elizabeth verfügt über eine Energie und ein gewisses Etwas." Hurley machte sich die schelmische Natur der Figur zu eigen. "Mir gefiel ihre spielerische Seite," gibt Hurley zu. "Obwohl sie mitunter versucht, Elliot Angst einzujagen, ist sie eher daran interessiert, ihn mit Charme und Verführungskunst dazu zu bringen, seine Freiheit aufzugeben. Die Teufelin hat Spass daran, Elliots Entscheidungen seine Wünsche betreffend zu beeinflussen, da sie ganz genau weiss, dass sie nicht in Erfüllung gehen. Sie lebt dafür, seine Wünsche zu ruinieren." Die Ankunft der Teufelin verdankt Elliot seiner geflüsterten Bitte "Lieber Gott, ich würde alles geben, um mit dieser Frau zusammen zu sein." Die australische Schauspielerin Frances O'Connor spielt das dritte Mitglied des TEUFLISCHen Trios. Bevor sie die Rolle in Teuflisch bekam, beeindruckte O'Connor Kritiker und Zuschauer gleichermassen in ihrer Rolle als willensstarke Frau des 19. Jahrhunderts in dem Film Mansfield Park. Ramis und Albert hatten den Film allerdings noch nicht gesehen - und ihnen war nicht klar, dass sie Australierin ist. "Frances war eine Riesenentdeckung für uns," berichtet Ramis. "Sie kam zum Vorsprechen für die Rolle und war wunderbar. Sie schaffte es sogar, uns glauben zu machen, sie sei Amerikanerin. Und als ich dann Mansfield Park sah, war ich total von ihr begeistert." Alison durchläuft genau wie Elliot mehrere Verwandlungen. Sie erscheint in jedem von Elliots Wünschen als idealisiertes Liebesobjekt, darunter als Latino-Giftnudel und Gattin eines Drogenbosses; als verträumter tätowierter Freigeist; als sexuell aggressive Sportreporterin und kultivierter Grace-Kelly-Typ. O'Connor hatte Spass an den verschiedenen Alisons. "Ich glaube, dass die Darstellung der Figuren, die am weitesten von meiner Persönlichkeit und meinem Aussehen entfernt sind, am meisten Spass macht," meint sie dazu. "Jede meiner Transformationen ist anders und ich schätzte sie auf verschiedene Weise." Alison ist nicht die einzige Person an Elliots Arbeitsplatz, die in seinen Wünschen vorkommt. Vier Kollegen - von Orlando Jones, Paul Adelstein, Miriam Shore und Toby Huss gespielt - die Elliot bei der Arbeit abwechselnd ignorieren oder aufziehen, erscheinen ebenfalls als andere Leute in jeder von Elliots unterschiedlichen Welten. Ein beliebter Kinoklassiker inspirierte zum Teil dieses Element von Teuflisch: "Ich dachte dabei an den ZAUBERER VON OZ," erklärt Ramis, "insofern als alle Leute, die Dorothy von der Farm her kennt, als Figuren in ihrer Oz-Phantasiewelt wieder auftauchen. Die Kollegen fügen dem Film ausserdem eine kleine theatralische Gedankenspielerei hinzu, eine Art Augenzwinkern zum Publikum. Harold Ramis und seine Mitautoren Peter Tolan und Larry Gelbart liessen ihrer Phantasie freien Lauf, als es darum ging, Elliots Wünsche und Phantasiewelten zu erschaffen. Ramis verliess sich auf ein talentiertes Künstlerteam, um diese Ideen zu filmischem Leben zu erwecken. Produktionsdesigner Rick Heinrichs (der den Oscar® für seine Arbeit an Sleepy Hollow während der Produktion von Teuflisch gewann) und Kameramann Bill Pope (Matrix) leisteten unschätzbare Beiträge zum visuellen Stil des Films. "Rick und Bill liessen sich erstaunliche Looks für jeden von Elliots Wünschen einfallen," sagt Ramis. "Ich finde Teuflisch den bestaussehenden Film, den ich je gedreht habe. Ich habe mich, was das Visuelle anging, total sicher gefühlt." Mit dem Teufel als zentraler Figur der Geschichte, erstaunt es nicht, dass eine von Heinrichs Aufgaben darin bestand, diverse Abwandlungen der Hölle zu erschaffen. Das Büro der Software-Firma, bei der Elliot arbeitet, ist an sich schon eine Art Vorhölle mit seinen niedrigen Decken und klaustrophobischen, wabenähnlichen Kabinen. Nicht minder das Dschungel-Anwesen des südamerikanischen Drogenbosses, das Heinrichs in einer Baumschule in Arcadia, Kalifornien aufbaute. Die Teufels-Disco DV8 ist Heinrichs kunstvollste Vision der Unterwelt. Er konstruierte das riesige, zweistöckige Set so, dass 400 Statisten darin Platz hatten. Ein weiteres Set, das Büro der Teufelin, baute Heinrichs drei Meter über dem Boden, um den Filmemachern die Möglichkeit zu geben, eine Orgel durch dessen Fussboden krachen zu lassen. Er schmückte das Teufelsbüro mit Gemälden von Hieronymus Bosch und Aktenschränken, die nach dem Muster von Behältnissen aus einem Leichenschauhaus gefertigt wurden. Kostümbildnerin Deena Appel, die zuvor die ausgeflippten Gewänder von Austin Powers und seiner erfolgreichen Fortsetzung entworfen hatte, spielte auch eine wichtige Rolle bei der Kreation des Looks von Teuflisch. Appel beeindruckte Ramis sofort mit ihrer Kreativität und ihrem Enthusiasmus. "Ich wusste, dass Deena über ungebändigten Einfallsreichtum verfügt, nachdem was ich in Austin Powers gesehen hatte, aber ihre Ideen für Teuflisch haben uns total umgehauen," sagt Ramis. "Schon zum ersten Meeting kam sie mit einem ausgefeilten Skizzenblock - Eindrücke, die sie zu dem Film gesammelt hatte. Ihre Ideen waren atemberaubend." Appel genoss die Herausforderung, die der Film an das Design stellte. "Es war, als ob wir sieben verschiedene Filme auf einmal machen," stellt sie fest. Appel sorgte sogar selbst für die Garderobe vieler Statisten in der DV8-Disco, die sie in eine Kombination von futuristischem, trendy und Retro-Stil einkleidete. Appel arbeitete eng mit Elizabeth Hurley zusammen am Design der einschüchternden und verführerischen Kleidung der Teufelin. "Ich wollte wie eine Mischung aus Cruella de Ville und einem Softcore-Porno-Star aussehen," sagt Hurley, die an der Auswahl jedes Kleidungsstücks ihrer Figur beteiligt war. Hurley und Appel entschieden sich für einen dekadenten Look, zu dem Pelz, Pailletten, Nieten und Schlangenleder gehörten. Jedes Kostüm passte wie eine zweite Haut und Hurley trug nie Absätze, die weniger als 12 Zentimeter hoch waren. Natürlich war die Farbe Rot ein unabdingbarer Bestandteil der teuflischen Garderobe. Hurleys Lieblingsdesigner lieferten wichtige scharlachgetönte Beiträge. "Versace schneiderte mir zwei rote Kleider, die unglaublich sexy waren und dazu traumhafte rote Schlangenlederstiefel," erzählt sie. "Fendi machte den abgedrehtesten roten Mantel, den man sich vorstellen kann und Sonia Rykiel kreierte eine wunderschöne rote Federjacke und ein paar Killersandaletten mit Nieten." Aber die Teufelin hat noch mehr zu bieten als nur Haute Couture. Bei ihren fortgesetzten Versuchen, Elliot zu verwirren, verkleidet sie sich als Krankenschwester, Polizistin, Knöllchenverteilerin und Lehrerin. "Eine der Stärken der Teufelin besteht darin, zu demonstrieren, dass sie stets alles unter Kontrolle hat," bemerkt Appel. "Und welche Frau würde nicht gern von einer Situation in die nächste flitzen und dabei immer genau richtig angezogen sein?" Während die Garderobe der Teufelin zu ihrer Charakterisierung beiträgt, hängen Elliots diverse Outfits mehr von den Verwandlungen ab, die er durchmacht. Maskenbilder Ben Nye, Jr., Haarstylist Robert Hallowell und der Prothesenexperte Matthew Mungle schufen in enger Zusammenarbeit mit Brendan Fraser die verschiedenen Looks der diversen Elliots. Der riesige Basketball spielende Elliot stellte dabei wahrscheinlich die grösste Herausforderung dar. Nye und Mungle bauten einen enormen Kopf, um den Massstab zu vergrössern. Dann schuf Hallowell zwei Riesen-Haarteile, von denen eins für die nicht-enden-wollenden, wasserfallartigen Schweissausbrüche der Figur benutzt wurde. Die drei Künstler veränderten die Form von Frasers Ohren und fügten eine Glatze und Stirn hinzu, die sich nahtlos an seine Hauttönung anpassten. "Der Basketball-Star war eine sehr schwierige Figur für uns," bemerkt Hallowell. "Das einzig echte an Brendan war wahrscheinlich seine Zunge." Für die Rolle als kolumbianischer Drogenboss veränderten Mungle, Nye und Hallowell Frasers Aussehen ebenfalls komplett, indem sie ihm eine grosse hakenförmige Nase, dunkles Haar, riesige Koteletten und einen Schnurrbart verpassten. Hallowell lieferte noch eine andere Version von Elliot - den hypersensiblen Mann - mit einem ungewöhnlichen Rotton im Haar, während Nye zur Verstärkung des Eindrucks Sommersprossen hinzufügte. Diese Arbeit - so eindrucksvoll sie auch war - diente nur als Hilfe für Fraser, um seine Figuren zu vervollständigen. "Brendans Darstellung der verschiedenen Elliots erwecken sie erst zum Leben," sagt Mungle, "denn er ist ein erstaunlicher Künstler und Schauspieler." Und Harold Ramis fügt hinzu: "Ich habe mich wirklich auf die Arbeit mit den verschiedenen Elliots gefreut. Brendan brachte sein Geschick und seine körperlichen Fähigkeiten bei jedem von ihnen ein, und es war meisterhaft."
Die Talente von Fraser, Hurley, O'Connor, Ramis und dem Rest des Teuflisch-Teams tragen dazu bei, uns daran zu erinnern, dass ein bisschen von Elliot - und dem Teufel - wahrscheinlich auch in jedem von uns steckt. "Dante sagte, dass Himmel und Hölle hier auf der Erde seien," bemerkt Ramis abschliessend, "und wir treffen die Wahl zwischen beiden mit der Art und Weise wie wir leben."
|