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Der Film handelt auch davon, sich von einer starken Gruppe zu emanzipieren. "Es ist sehr einfach, innerhalb einer Gruppe zu funktionieren oder im Job und dich dadurch zu definieren, was die Gruppe von dir erwartet," erklärt Berlanti. "Aber an welchem Punkt hebst du dich als Individuum von der Gruppe ab, um dich selbst und deine eigene Identität wieder zu finden?" Dennis, der Hauptdarsteller des Films, kämpft am meisten mit der Frage, wer er ist jenseits seiner Gruppe. "Er mußs heraus finden, wer er ist, bevor er einen anderen Menschen wirklich intim in sein Leben herein lassen kann. Denn er hat nichts anzubieten außer diese Gruppe von Freunden," sagt Berlanti. In einer irrsinnig komischen Szene enthüllen die Jungs die Dynamik ihrer Truppe, indem sie sich mit einem Stamm von somalischen Affen vergleichen, die Benji im Fernsehen gesehen hat. "Sie leben das ganze Jahr friedlich miteinander in festen sozialen Gruppen, bis die Paarungszeit kommt. Dann fallen sie übereinander her und greifen sich an!", erklärt Benji seiner Friseuse. "Wir sind wie diese Affen," folgert Dennis. "Und ich bin der mit dem Image-Problem", lamentiert Patrick. Eine andere Idee, die sich durch den Film zieht, ist das Konzept von Schönheit. Berlanti: "Was ist schön? Ist Schönheit das, was die Welt akzeptiert, oder das, was wir aus unserer eigenen Welt machen?" Seine von der Kritik gefeierte Weltpremiere erlebte Der Club der gebrochenen Herzen beim renommierten Sundance Film Festival. In der scharfsinnigen, lebensbejahenden Charakterstudie einer Gruppe von Freunden in Los Angeles spielen Timothy Olyphant, Dean Cain, John Mahoney, Mary McCormack und Nia Long. In einer Sprache zwischen Romantik und Komödie, die auf der ganzen Welt verstanden wird, fängt der Film die ganz persönlichen Daseinskämpfe einer Gruppe homosexueller Männer ein. Dabei zelebriert er die Höhen und Tiefen von Freundschaft und zeigt, wie solche Beziehungen oft über die Grenzen der traditionellen Familie hinaus funktionieren können. Meist vollzieht sich das Erwachsenwerden an verschiedenen Punkten im Leben. Wenn man auf die Dreißig zugeht, wächst das Gefühl der Dringlichkeit und die Suche nach Sinn. Da bleibt Freundschaft als wichtige Überlebenshilfe. Als Dennis und seine "Familie" zögernd beginnen, ihren eigenen Weg im Leben einzuschlagen, bringt er mit seinen innersten Gedanken treffsicher und ehrlich die Gefühle aller auf den Punkt: "Ich weiß nicht mehr, wann mir zum ersten Mal klar wurde, dass ich schwul bin. Aber ich erinnere mich genau an das erste Mal, als ich wusste, dass es ok ist. Das war, also ich diese Typen getroffen habe - meine Freunde." "Ich wollte einen Film über Schwule drehen, der mehr dem Bild entspricht, das ich von der Szene habe - sehr mainstream, normal eben," sagt Drehbuchautor und Regisseur Greg Berlanti. Berlanti sammelte vor seinem Regiedebüt Erfahrung als Co-Ausführender Produzent der erfolgreichen Fernsehserie Dawson's Creek und Autor der romantischen Komödie "Her Leading Man", die von Regisseur Kevin Williamson inszeniert wurde. "Ich wollte einen schwulen Film schreiben, der sich um Romantik dreht und nicht um Sex, etwas universelles, das jeder versteht. Als ich das Buch fertig hatte und in Umlauf brachte, saß ich in vielen Besprechungen mit Frauen und Männern, Heteros und Schwulen, und ich war schockiert, dass mich so viele fragten: ?Wo kann ich solche Freunde finden?' Ihnen gefiel die Art meiner Figuren, die so involviert sind in das Leben der anderen und die sich so sehr umeinander kümmern. "Dann," scherzt Berlanti, "hat man mir ein Skript für einen Fußballfilm angeboten - zum Umschreiben!" Nachdem sein Drehbuch die Runde gemacht hatte, wurde Mickey Liddell darauf aufmerksam - er produzierte unlängst die hippe Komödie "Go" über die haarsträubenden Missgeschicke einer Gruppe junger Leute in L.A.s rauer Untergrund-Szene, wo auch Der Club der gebrochenen Herzen spielt. Liddell produzierte auch den von der Kritik begeistert aufgenommenen Film Traveller mit Bill Paxton. "Ich produzierte zu der Zeit gerade einen anderen Film. Als ich das Skript las, wusste ich nach den ersten zehn Seiten, dass das mein nächstes Projekt werden würde. Greg hat eine sehr realistische Art zu schreiben - ich kenne Menschen, die genau so sind, wie er sie schildert," sagt Liddell. "Mir gefallen Drehbücher, die dich in eine Welt mitnehmen, die dir vertraut ist. Und wenn sie das nicht ist, möchtest du in sie eintauchen." Berlanti beschreibt sein erstes Treffen mit Liddell und ihre Unterhaltung, die zur Realisierung des Films führte: "Wir wurden einander vorgestellt und Mickey sagte: 'Dein Skript zählt zu meinen Lieblingsbüchern des letzten Jahres', und ich sagte: ?Gut, warum realisierst du es nicht?' Ungefähr eine Stunde später fragte mich Mickey, ob ich nicht Regie führen wollte, und ich lehnte ab," lacht Berlanti. "Ich hatte damals gerade viel am laufen und war ganz zufrieden mit meiner Arbeit als Autor, ich wollte mein Glück nicht überstrapazieren. Mickey antwortete: ?Ok, ich komme in drei Monaten wieder auf dich zu.'" Und so war es auch. Liddell traf Berlanti nach drei Monaten gemeinsam mit dem Produzenten Joseph Middleton. Liddell erklärt seine Liebe zu dem Projekt und seinen Wunsch nach Berlanti als Regisseur: "Von Anfang an fühlte sich das Projekt an wie eine Geschichte, die erzählt werden mußs - ich glaube, dass kein anderer sie so erzählen kann wie Greg. Es geht um seine Freunde, Menschen, die er kennt, und ihm war es so ungeheuer wichtig, diese Geschichte zu erzählen. Mit einem anderen Regisseur wäre etwas verloren gegangen in der Umsetzung." Der Club der gebrochenen Herzen, erzählt aus der Perspektive von Homosexuellen, handelt von universellen Themen wie Familie, Beziehungen, Liebe - und vor allem davon, dem Leben mit einer guten Portion Humor zu begegnen. "Wir versuchen, im Film eine Gruppe von Freunden zu zeigen, die gar nicht so anders ist als eine Gruppe von heterosexuellen Männern," sagt Berlanti. "Es gab noch nie einen Film über Schwule, der konventionell ist, ganz einfach nur einen Aspekt ihres Lebens zu einer bestimmten Zeit aufgreift." Berlanti zufolge ist das zentrale Thema des Films die Familie, nicht Freundschaft. "An welchem Punkt lässt du die Beschränkungen hinter dir, und werden die Freunde deine Familie, die du zugleich Schönheit ist jedenfalls kein Problem für den unwiderstehlichen, selbstfixierten Cole (Dean Cain). "Was mir an der Rolle so gefallen hat, ist, kein Gewissen zu haben. Ich meine, was für ein Luxus. Der Kerl benutzt einen Dialog aus einer Audition, um sich von einem Lover zu trennen." "Die Figuren lernen viel im Verlauf der Geschichte," führt Berlanti aus. "Ich denke, sie sind an einem Punkt in ihrem Leben angelangt, wo sie nicht nur sagen: hey, ich bin schwul und ich bin glücklich damit, sondern auch: ich will es gar nicht anders haben." In einer der intensivsten Szenen des Films erklärt der ältere Jack (John Mahoney) dem verunsicherten Patrick (Ben Weber): "Nicht jeder kann schön sein. Manche Menschen sind einfach schwul und gewöhnlich." Und er fährt fort: "Und wir sind die stärksten, glaube ich." Diese bisweilen reflexiven Töne verdecken nie die wichtigste Aussage des Films: "Lache über dein Leben," sagt der Autor und Regisseur. "Denn das Leben und Gott und das ganze Universum werden dich mit genügend Dingen ausrüsten, über die du unglücklich sein kannst. Du kannst wählen, ob du darüber lachst und dich mit Menschen umgibst, die dir dabei helfen, über dein Leben zu lachen." Lachen spielte auch am Set eine wichtige Rolle, zum Großteil ein Verdienst von Videokünstler Billy Porter, der Taylor spielt. Sony stattete ihn mit einer digitalen Handkamera aus, so dass er während der Drehpausen filmen konnte. Porter erfand ein Themenquiz, sein inzwischen berühmter "Schwulen-Eignungstest", dem er jeden am Set unterzog. "Wie heißt Madonnas erste Hit-Single?" fragte er Co-Star Dean Cain. Der Druck wuchs mit jeder folgenden Frage, bis Cain schließlich stolperte über die Frage "Keine Drahtkleiderbügel mehr' ist aus welchem Film?" Als Antwort war nur das Summen des Generators zu hören. Die Wahl der Schauspieler war eine Herausforderung, der sich Berlanti und Liddell mit Enthusiasmus stellten. Vor allem Berlanti suchte Darsteller mit ausgeprägter Theatererfahrung aus. "Wir hatten eine Woche Zeit zum Vorsprechen - und mußsten in dieser Zeit jahrelange Freundschaften zusammenstellen. Wir mußsten zwischen den Schauspielern eine Beziehung herstellen, die echt und authentisch wirken sollte. Ich suchte Menschen, die die Fähigkeit haben, diese Charaktere zu ihren eigenen zu machen und auf das einsteigen können, was andere ihnen anbieten. Einige Schauspieler brachte Mickey an Bord, um das ganze in Schwung zu bringen. Danach hat Joseph einen fantastischen Casting-Job gemacht", sagt Berlanti. Einer von ihnen war Timothy Olyphant, der Darsteller des Dennis. "Ich hatte erst einen Film mit dem Newcomer Tim Olyphant gemacht, als ich ihm das Skript gab. Er las es gleich und sagte: 'Ich will dabei sein, egal in welcher Rolle.' So hatten wir Tim gewonnen und starteten das Casting mit Joseph, und irgendwie fiel einfach jeder auf seinen Platz," erklärt Liddell. Olyphant beschreibt seine Reaktion auf die Lektüre des Skripts: "Ich fand es großartig. Ich traf dann Berlanti und habe gleich beschlossen, mitzumachen, noch bevor meine Agenten eingeweiht waren." Machte es ihn nervös, einen Schwulen zu spielen? "Ich gab das Buch meinen Agenten und sagte: 'Ich werde das spielen, schaut es euch mal an.' Es gab kein Zögern," sagt er. Dean Cain reagierte ähnlich. "Ich habe nicht überlegen müssen. Die Geschichte ist toll, und es ist gut geschrieben." Dann fügt der frühere Superman hinzu: "In einer Szene mußs ich einen anderen Mann küssen. Ich glaube, damit hatte meine Mutter ein Problem." Olyphant fährt fort: "Es geht um eine Gruppe von Freunden in ihren Mittzwanzigern, die die Verwandlung vom Twen zum Dreißigjährigen durchmachen, die Erwachsen werden. Die besondere Wendung ist, dass alles in der Schwulen-Szene spielt und es um den Druck, die Klischees und die Fallen geht, in die sie stolpern als Teil dieser Welt." Wird sich auch das Hetero-Publikum angesprochen fühlen? "Wenn sie offen sind für die Tatsachen, dass es um Menschen geht, die anders leben als sie selbst," antwortet Olyphant, "dann wird das ?normale' Publikum das kriegen, was es von jeder guten Geschichte im Kino mitnimmt. Es handelt sich um eine gut geschriebene romantische Komödie mit interessanten Charakteren, die eine Menge durchmachen. Der Stoff ist gleichzeitig komisch und traurig. Das schwule Publikum wird das verstehen, und die anderen, wenn sie menschlich sind, sollten das auch." Beim Besetzen der weiteren Rollen wurden Liddell und Berlanti von den Schauspielern unterstützt. "Es ist nie vorgekommen, dass einer von uns kämpfen mußste, um irgend jemanden durchzusetzen," erinnert sich Berlanti. Ein interessanter Aspekt war, hetero- und homosexuelle Schauspieler zu mischen. Ist jeder überzeugend? Olyphant antwortet: "Als wir heute alle zusammen auf dem Baseballplatz waren, haben sich die Heteros erst mal die Ausrüstung geschnappt, ganz scharf drauf, die Bälle und Schläger in die Finger zu kriegen und loszulegen." Er streckt sich nach einem imaginären Ball und schneidet eine Spieler-Grimasse. Und wie merken sie, dass sie schwul genug wirken? Ben Weber antwortet trocken: "Greg hatte einen Summer für uns." "Ja," stimmt Dean Cain zu, "manchmal haben wir überzogen." "Ich habe nur gesagt: dreht runter," lacht Berlanti. "Manchmal sagte er: 'das sieht aus wie ein Hetero aus dem East Village - kannst du das auf schwul?" fügt Braff hinzu. "Er sagte mir, wenn ich den Schwulen-Ton aufdrehen sollte. Manchmal mußst du einen auf Girlie machen, oder die Hände anders einsetzen. Greg ist ein großartiger Regisseur. Er gibt uns unseren Raum, aber er weiß auch genau, was er will," fügt Matt McGrath hinzu, der Darsteller des Howie. Mary McCormack, die Patricks lesbische Schwester Anne spielt, erklärt ihre Reaktion auf das Skript: "Mehr als um schwul oder nicht schwul geht es um Freundschaft. Zufällig sind sie halt schwul, und zufällig ist es meine Figur auch, aber das ist eigentlich egal. Es ist eine komische Geschichte über Freundschaft." Andrew Keegan spielt Kevin, den jungen Mann, der mit seinem neu entdeckten Schwulsein kämpft. Er erklärt: "Ich denke, der Schwulengemeinde wird es gefallen, dass es endlich einen qualitativ hochwertigen Schwulenfilm für das breite Publikum gibt. Und ich glaube, dass die Heteros, hoffentlich, besser das im Film gezeigte Lebensgefühl der Schwulen verstehen werden." Keegan fügt hinzu: "Es ist nicht die "Schwuler mit Aids stirbt"-Geschichte. Es gab bisher nicht viele Filme, die sich einfach nur um den Homo-Lifestyle drehen und zeigen, was da so passiert, statt all die Mythen zu kultivieren, die um das Thema kursieren. Es ist einfach authentisch. Und es ist komisch." "Keiner hat sich vor dem Thema gefürchtet oder bedauert, dass der Film in diesem Milieu angelegt ist - jeder hat einfach das gut geschriebene Drehbuch bewundert und die Verpflichtung gefühlt, es so gut wie möglich im Film umzusetzen," fügt McGrath hinzu. Zur Einstimmung ist das Team zusammen ausgegangen, oft ins Rage, eine Schwulenbar in West Hollywood. Der New Yorker McGrath erklärt: "Es ist ein riesiger, offener Raum mit massenhaft Männern. Männer überall, auf der Straße, dem Bürgersteig. Es gibt viel männliche Energie. Du kannst sagen, das ist überwältigend," lacht er. Auch wenn Berlanti eine Welt beschreibt, die ihm vertraut ist (die Schwulenszene von West Hollywood), so stellte der Charakter von Jack, der Vaterfigur der Jungs, beim Schreiben für ihn eine große Herausforderung dar. "Ich schreibe eigentlich nicht mit der Stimme von irgend jemandem im Hinterkopf," erklärt Berlanti. "Aber ich hatte Probleme mit einer älteren Figur, die mit allen befreundet ist und sich ihrer annimmt." Die Lösung? Die Stimme eines Schauspielers leihen, den er bewundert. So entschloss sich Berlanti, Jack die Stimme von John Mahoney zu geben. "Ich bewundere ihn als Schauspieler, er hat eine ungeheure Anziehungskraft, man mußs ihm einfach zuschauen." In Mahoney fand Berlanti die Art von Persönlichkeit, die der perfekte Patriarch der Familie von Freunden sein konnte. Eineinhalb Jahre später, als die Produzenten einen Jack suchten, schickten sie Mahoney das Skript. "Ich habe ihm in einem kurzen Brief dazu geschrieben, dass er der Schauspieler ist, für den ich die Rolle geschrieben habe. Er hat geantwortet und zugesagt." "Als ich mich zum ersten Mal mit John Mahoney zum Mittagessen traf, schaute er mich über den Tisch hinweg an und sagte: 'Hab keine Angst, mich zu führen.' Und wenn jemand wie Mahoney dir sein ok gibt, dann stürzt du dich einfach hinein." Mahoney über seinen Part: "Es ist ein Buddy Movie um eine Gruppe sehr, sehr guter Freunde. Ich spiele eine Art Vaterfigur für sie, einen älteren Schwulen, der alles schon hinter sich hat, was sie gerade durchmachen. Als Jack bin ich bereit, jeden Rat zu geben, Unterstützung und Tritte in den Arsch, um ihnen zu helfen." Mahoney fährt fort: "Jack zu spielen ist wirklich nicht anders als Marty Crane oder Frasier. Beide sind Vaterfiguren - im Grunde sehr normale Typen, die nichts mit Unsinn im Sinn haben, aber Humor besitzen und die in der Lage sind, zum Kern des Problems vorzudringen und anderen zu helfen." Das universelle Anliegen der
Der Club der gebrochenen Herzen-Themen
half den Schauspielern, egal ob homo- oder heterosexuell, ihre
Charaktere real und glaubwürdig werden zu lassen. Liddell
erklärt: "Greg schreibt so, wie es wirklich ist. Das Resultat
davon war, dass jeder Schauspieler bereit war, sich auszusetzen,
sich zu zeigen, egal, ob schwul oder hetero. Der Film ist wirlich
komisch. Alle Schauspieler haben ihren Sinn für Humor
bewiesen, sie haben's wirklich hingekriegt."
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