Produktionsnotizen zu Die Legende von Bagger Vance

Die Spieler

Als Regisseur hat sich Robert Redford stets zu Geschichten hingezogen gefühlt, in deren Mittelpunkt Menschen stehen, die große Hindernisse in ihrem Leben überwinden müssen. Die Legende von Bagger Vance folgt dieser Tradition, bedient sich aber mythischer Elemente. "Als ich jung war, bedeutete mir Mythologie sehr viel - überlebensgroße Figuren, die sich in Situationen begeben, die größer sind als das Leben", erzählt Robert Redford. "Mythologie und Filme haben mich immer interessiert. Beide können ohne eine gute Story nicht existieren. Ich bin der absoluten Überzeugung, dass eine gute Geschichte zeitlos ist und der Zahn der Zeit nicht an ihr nagen kann."

Robert Redford wurde von dem Produzenten Jake Eberts auf Die Legende von Bagger Vance aufmerksam gemacht, der zufällig auf den gleichnamigen Roman von Steven Pressfield gestoßen war. Nachdem er mit Redford bereits als Ausführender Produzent bei Aus der Mitte entspringt ein Fluss (1992) gearbeitet hatte, wusste Ebert, dass Redford an dieser Geschichte Gefallen finden könnte. Obwohl er selbst begeistert war von Die Legende von Bagger Vance, fiel es Ebert schwer, den Inhalt in wenigen, griffigen Sätzen zusammen zu fassen. Dann hatte er die Idee und sagte: "Es geht um einen Mann, der seinen authentischen Schwung verloren hat."

"Ich hörte diesen Satz und war elektrisiert", erinnert sich Redford. "Diese Formulierung setzte sich bei mir fest: der authentische Schwung. Dann las ich das Buch und fand, dass es alle Voraussetzungen erfüllte, die eine gute Geschichte ausmachen. Es beschreibt die klassische Reise eines Helden, der von Dunkelheit umhüllt den Kontakt zu seiner Seele verloren hat und mit Hilfe eines spirituellen Führers den Weg zurück ins Licht findet. Und schließlich geht es um einen Wettbewerb, eine große Herausforderung. Im mythologischen Sinne arbeitet alles auf die "Das Töten des Drachen"-Szene hin - in diesem Fall ist es eine ganz besondere Golfpartie. Wenn man das alles unter einen Hut bekommt, dann hat man eine solide Grundlage, eine spannende, reizvolle Geschichte zu erzählen."

Der Held im Mittelpunkt besagter Geschichte ist eine Figur namens Rannulph Junuh, die von Matt Damon gespielt wird. "Ich war sehr angetan von der Idee, Matt Damon in der Rolle zu besetzen, da er aufgrund seines jungen Alters noch nicht so festgelegt ist."

"Das macht seinen Reiz aus", meint Redford. "Ich dachte, es wäre sehr spannend, ihm die Rolle dieses jungen, von Problemen geplagten Mannes zu übertragen und ihn dabei zu beobachten, wie er sich wieder nach oben kämpft. Sehr wichtig ist, dass Matt ein wirklich begabter Schauspieler und obendrein sehr intelligent und offen ist. Es war ein einziges Vergnügen, mit ihm zu arbeiten." Für Matt Damon war die Aussicht auf eine Zusammenarbeit mit Robert Redford der entscheidende Aspekt, sich näher mit dem Projekt zu befassen. Er nahm sich das Drehbuch vor: "Ich fand es sehr reizvoll, es hatte eine mystische Qualität. So etwas hatte ich vorher noch nie gemacht. Etwas Neues auszuprobieren - und das unter der Leitung eines großartigen Regisseurs - da kann man nicht Nein sagen."

Nach seiner Zusage verbrachte Damon viel Zeit mit Redford, um diesem Rannulph Junuh auf den Grund zu gehen. "Es ist eine Geschichte über Erlösung und Vergebung, also war es sehr wichtig, die Figur schon zu Beginn zu finden und dann ihre Entwicklung zu veranschaulichen", erklärt der Schauspieler. "Es war eine wirklich faszinierende Studie eines Typen, der oberflächlich betrachtet alles zu haben scheint. Tatsächlich aber unterminiert sein Erfolg die Verbindung, die er zu dem Spiel hat - und damit auch zu seinem Leben."

Damon führt aus: "Junuh war der Goldjunge von Savannah. Er gewann nicht nur Golfturniere. Alles, was er anpackte, gelang ihm mühelos. Er ist daran gewöhnt, dass ihm alles leicht fällt - bis er in den Krieg zieht. Als er bei diesem Ringen um Leben und Tod versagt, zerbricht seine Weltanschauung und er ist am Boden zerstört. Er gibt auf? bis sich ihm eine neue Chance bietet."

Diese Chance ist eine einmalige Golfpartie gegen die besten Golfer ihrer Zeit: Bobby Jones und Walter Hagen. Als Junuh sich schließlich auf das Spiel einlässt, mußs er feststellen, dass der Einsatz höher ist als zunächst gedacht. Damon erläutert: "Es gibt da Momente, an denen man Rannulphs Sehnsucht sieht, wieder der zu werden, der er einmal war. Aber es bereitet ihm zu viele Schmerzen, diesen Weg zu gehen. Als er es dennoch wagt, reagiert er wütend, dass er sich selbst in eine Position manövriert hat, in der er wieder abstürzen kann. Er glaubt, sein Einsatz wäre öffentliche Erniedrigung. Tatsächlich aber geht es um seine Seele."

Auch für Adele Invergordon ist der Einsatz hoch: Einst war sie die große Liebe Junuhs. Jetzt hat sie die Golfpartie organisiert und hofft, auf diese Weise die Vision ihres verstorbenen Vaters zu retten: das Krewe Island Gold Resort, das er baute, bevor die Große Depression seinen Traum zerstörte.

In der Rolle der Adele Invergordon ist Charlize Theron zu sehen, auf die Redford aufgrund einer Reihe bemerkenswerter Filmrollen in den letzten Jahren aufmerksam geworden war. "Mir gefällt an Charlize Theron, dass sich hinter ihrer augenfälligen Schönheit noch etwas anderes verbirgt: Sie ist talentiert - talentierter, als einige Leute glauben würden. In jeder Rolle, in der ich sie gesehen habe, war sie sehr gut. Sie erlaubt sich keine falschen Gesten. Das zeigt, dass sie über einen guten Instinkt und natürliches Einfühlungsvermögen verfügt. Hier bot sich jetzt die Gelegenheit für sie, in einer Rolle zu glänzen, die vielfältiger ist und mehr Tiefgang hat als das, was ich bisher von ihr gesehen hatte. Adele ist ein Typ, der dich einfach überrollt. Für sie braucht man eine Schauspielerin, die viele unterschiedliche Emotionen rüberbringen kann, oft in ein und dem selben Moment. Ich hatte es einfach im Gefühl, dass Charlize das drauf hat. Dann traf ich sie und war sofort noch überzeugter."

Charlize Theron fügt hinzu: "Wir unterhielten uns zwei Stunden lang. Dann gab es diesen Moment, den Knackpunkt in unserem Gespräch an dem Redford, an dem er, glaube ich, erkannte, dass ich die Figur verstanden hatte. Adele hat eigentlich alles, was das Leben lebenswert macht, doch dann wendet sich das Blatt. Aber sie nimmt den Kampf gegen alles auf, was sich ihr in den Weg stellt, vertraut auf sich selbst und kommt an ihr Ziel."

Theron verrät den Grund, warum sie sich ganz persönlich mit Adele identifizieren konnte: "Als ich in Südafrika aufwuchs, hatten meine Eltern eine sehr erfolgreiche Straßenbaufirma, und ich besaß alles, was man sich wünschen konnte. Aber als mein Vater starb, wurde meine Mutter in eine Position gedrängt, in der sie auf einmal darum kämpfen mußste, all das zu behalten, was sie sich erarbeitet hatte. Alle Banken der Stadt wollten ihr Geschäft versteigern, aber sie weigerte sich. Innerhalb von sechs Jahren baute sie die Firma wieder auf, bis sie eine der erfolgreichsten des ganzen Landes war. Also konnte ich in Adele durchaus etwas entdecken, das mir sehr vertraut war."

Mit diesem Bewusstsein im Hinterkopf bemerkt Theron: "Adeles größte Herausforderung ist etwas, an das sie anfangs nicht einmal denkt. Sie glaubt, für sie ginge es darum, Krewe Island zu retten. Tatsächlich ist die goße Herausforderung ihre Beziehung, ihr Umgang mit Junuh, den sie einst leidenschaftlich geliebt hat. Bis es allerdings zu dem Golfspiel kommt, glaubt sie, dass sie diese Gefühle hinter sich gebracht hat."

"Wenn Junuh der Goldjunge von Savannah war, dann war Adele ihm stets absolut ebenbürtig", erläutert Damon. "Sie waren die Stars von Savannah, ein perfektes Paar, füreinander bestimmt. Aber als Junuh im Krieg seine Seele verliert, wird sie unweigerlich ein Teil des Lebens, das er hinter sich lässt. Als die Liebe seines Lebens sich wieder bei ihm meldet, blockt er ab? bis der mysteriöse Caddy Bagger Vance auftaucht."

Die Einführung von Bagger Vance stellte Robert Redford vor einige Probleme. "Wenn man eine Figur in einem Film hat, die eine Art spiritueller Begleiter ist, stellt sich die Frage, wie man sie präsentiert", erklärt Redford. "Soll er auf einem Mondstrahl ins Bild geritten kommen, oder wie soll man das Problem lösen? Ich habe mich für einen anderen Ansatz entschieden, den ich sowohl visuell als auch vom Standpunkt des Geschichtenerzählens viel spannender fand. Mein Bagger Vance ist ein coyote trickster. Das bedeutet, dass man nie genau weiß, wer oder was diese Figur ist, was sie eigentlich will. Die Person, die dir die Geheimnisse des Lebens erklärt, ist selbst ein Geheimnis. Ich fand das aufregend. Für mich gibt es niemand anderen als Will Smith für diese Rolle."

Als Robert Redford Kontakt mit Will Smith aufnahm, reagierte der sofort: "Naja, wenn Robert Redford bei dir anruft, dann machst du einfach alles." Smith stellte allerdings schnell fest, dass der Part, den Redford für ihn ausgewählt hatte, ganz anders war als alles, was er bisher gemacht hatte. Die Rolle des Bagger Vance entpuppte sich für Smith als ungewöhnliche Herausforderung, wie er gerne zugibt: "Diese Figur war schwierig für mich, weil ich gegen meine natürlichen Instinkte ankämpfen mußste, mein Verständnis von Komödie außer Acht zu lassen hatte. Klar, es gibt einige komische Momente und Humor und Ironie, aber die Geschichte ist streng genommen nicht gerade klassisch komisch. Manchmal mußs man über die schmerzliche Wahrheit einzelner Augenblicke lachen. Also war das durchaus eine Herausforderung für mich.

Bagger ist ein Schutzengel. Er zeigt Junuh, dass die Kraft, das Glück, all die Dinge, die wir auf der Welt suchen, in Wahrheit in unserem Inneren steckt. Das ist nichts, wonach man anderen Orten suchen mußs. Im Film nennen wir das ,den authentischen Schwung'. Das klingt wie ein Golfbegriff, beschreibt aber auch den Teil in jedem von uns, der am echtesten ist. Das ist sehr subtil", meint Smith. "Subtilität ist ja bekanntlich nicht unbedingt eine meiner Stärken. Ich mag es, wenn die Dinge laut und klar sind. Gerade deshalb war es aber gut, endlich einmal eine Figur zu spielen, die nicht so groß und lustig ist, sondern auch mal leise Töne anschlägt. Für mich war es eine tolle Gelegenheit, neue Seiten an mir zu entdecken und auf eine Weise vor der Kamera zu agieren, wie ich es noch nie getan habe."

Redford merkt an: "Will ist ein talentierter Bursche, das mußs man nicht weiter betonen. Sein Talent ist offensichtlich. Mit diesem Wissen im Rücken war mir klar, dass er in dieser Rolle alles meistern können würde, was ich von ihm verlangte. Wenn jemand bereit ist, etwas Neues, Anderes auszuprobieren, und man glaubt aneinander, dann ist das die Basis für das nötige Vertrauen. Darauf lässt sich wunderbar aufbauen."

"Man mußs einfach den Schritt wagen", vermutet Smith. "Man mußs die Augen schließen und dem Regisseur vertrauen. Er ist die einzige Person, die das große Bild im Auge hat. Bob vermittelte unmissverständlich, was er wollte. Also fühlte ich mich bei jeder Szene sehr wohl. Ich wusste ja, was Bob erreichen wollte. Die Tatsache, dass er selbst ein sehr erfahrener Schauspieler ist, ließ mich noch entspannter sein: Er weiß, wie Schauspieler fühlen, und versteht genau, was durch ihre Köpfe geht."

Charlize Theron stimmt zu: "Wir fühlten uns alle durch ein ganz besonderes Vertrauen mit ihm verbunden, weil er selbst schon oft in unserer Haut steckte und deshalb weiß, wie die Darstellung einer Figur zustande kommt."

"Um die Leistung zu erhalten, die man sich als Regisseur vorstellt, mußs man den Rhythmus und die Eigenheiten der Schauspieler genau kennen. Vielleicht habe ich eine besondere Verbindung dazu, weil ich die ersten Jahre meiner Karriere ausschließlich Schauspieler war", meint Redford.

Die Legende von Bagger Vance stellt einen Schauspieler vor, dessen Karriere erst am Anfang steht: J. Michael Moncrief gibt als junger Hardy Greaves - der Junge, für den Rannulph Junuh immer ein Vorbild war und der der eigentliche Katalysator dafür ist, dass Junuh an dem Golfspiel teilnimmt - sein Filmdebüt. Moncrief wurde aus mehreren tausend Darstellern ausgewählt, die sich auf diverse Suchanzeigen im amerikanischen Süden gemeldet hatten.

"Wir haben die ganzen Südstaaten durchkämmt. Menschen aus dem Süden haben eine Art, die völlig einzigartig ist. Besonders bei Kids findet man dieses gewisse Etwas, weil sie so natürlich sind", sagt Robert Redford. "Ich suchte nach Jemandem, der wie ein normales Kind aussah und über keine übertriebene Ausbildung verfügte. Er sollte ein charakterstarkes Gesicht haben und sich nicht von einer großen Filmproduktion einschüchtern lassen. All das fanden wir in Michael. Er ist ein ungeschliffenes Juwel. Seine natürlichen Instinkte bereiteten mir große Freude. Es gibt nichts aufregenderes, als ein neues Gesicht zu entdecken. Ich gebe zu, das birgt auch gewisse Gefahren. Man geht das Risiko ein, dass er verkrampft, wenn die Kameras erstmals laufen. Dann kann man sich die Kugel geben. Aber bei Michael ist nichts dergleichen geschehen. Er war vor der Kamera genauso lebendig und real - und das haben wir ausgenutzt."

J. Michael Moncrief stammt aus einer kleinen Stadt in der Nähe von Savannah, Georgia. Er war zwölf Jahre alt, als er erfuhr, dass er die tragende Rolle des Hardy spielen würde. Er erinnert sich: "Wir hatten gerade Winn-Dixie hinter uns gelassen und bogen auf die Hauptstraße ein, als uns die Castingfrau Debra Zane auf dem Handy anrief und sagte, es sei Zeit zu feiern - ich hätte die Rolle sicher. Ich war aufgeregt und schockiert und mußste mich die ganze Zeit buchstäblich zwicken, um mich davon zu überzeugen, dass ich nicht träumte. Ich wollte immer schon Schauspieler werden." Die Familie feierte das Ereignis, indem man einen Ausflug zum örtlichen Dairy Queen machte, wo Moncrief sich einen Blizzard bestellte.

Man könnte sagen, dass Moncriefs eigenes Erlebnis dem von Hardy auf dem Golfplatz nicht unähnlich ist. Moncrief erlebte die Erfüllung seines Traumes, ein Schauspieler zu sein. Und Hardy hat die Gelegenheit, an der Seite seines großen Vorbilds beim größten Golfmatch der Zeit dabei zu sein. Entsprechend simpel war die Herangehensweise des jungen Talents: "Ich mußste einfach nur die Augen schließen, und schon fühlte ich, was Hardy fühlt. Ich wusste dann immer, was seine Perspektive war."

Es dauerte auch nicht lang, bis er jede Reserviertheit, die er angesichts seiner berühmten Mitstreiter gehabt haben könnte, restlos ablegte. Bester Beweis dafür ist ein Streich, den er Matt Damon spielte. "Während einer der Golfübungsstunden ersetzte ich Matts Golfball mit einem explosiven Ball. Als der in die Luft ging, sprang er erschrocken hoch. Und dann hat er mich gejagt", lacht Moncrief.

Den fiktiven Figuren in Die Legende von Bagger Vance werden zwei reale Gestalten aus der Welt des Golfs entgegen gestellt: Bobby Jones und Walter Hagen. Ersterer wird von Joel Gretsch dargestellt; Hagen von Bruce McGill. Redford berichtet, dass beide mit Begeisterung bei der Sache waren: "Die gingen so in ihren Rollen auf, dass ich richtig nervös wurde. Schließlich sagte ich zu Bruce, er solle sich etwas zurücknehmen und wieder zurück auf den Boden der Tatsachen kommen. Er meinte nur, dass er darüber nicht reden wolle. Es war natürlich super, dass sie so viel von sich selbst in die Rollen einbringen konnten. Beide sind begeisterte Golfer. Bruce ist ein Geldspieler: Ihm geht es ums Gewinnen. Stil ist ihm nicht so wichtig. Wie Hagen ist er ziemlich flamboyant, während Joel ein sehr eleganter, begabter Golfer mit einem wunderbaren Schwung ist - genau wie Jones in seiner Zeit. Sie haben einfach perfekt gepasst."

"Ich spiele Golf, seitdem ich vier Jahre alt bin. Für mich war es also ein großes Privileg, Bobby Jones spielen zu dürfen", sagt Gretsch. "Er ist vermutlich der beste Golfer, den die Welt jemals gesehen hat. Klar, man kann ihn nicht richtig mit Jack Nicklaus oder Tiger Woods vergleichen. Das war eine andere Zeit. Aber was Jones in so einer kurzen Zeitspanne erzielte, ist eine gewaltige Leistung - egal, welche Messlatte man anlegt. Seine Errungenschaften abseits des Golfplatzes waren nicht minder beeindruckend. Ich schwärme für ihn, also war es ziemlich wahnsinnig, in seine Schuhe zu schlüpfen."

McGill ist von der Figur, die er zu spielen hatte, nicht weniger beeindruckt: "Walter Hagen ist der Urvater des modernen Turnierspielers. Er erkannte sehr früh, dass es den Menschen um Unterhaltung geht. Also zog er los und machte auf sich aufmerksam, indem er all diese großen Turniere gewann. So konnte er es sich erlauben, bei Schauturnieren stattliche Antrittssummen zu verlangen. Hagen hat das Spiel geliebt. Er war immer bereit, von anderen herausgefordert zu werden. Er machte immer Witze, lachte, grinste, aber seine Konzentrationsfähigkeit war einzigartig. In den paar Sekunden, auf die es bei einem Golfschlag ankommt, war er immer voll da. Er konnte irrsinnig weit schlagen, auch wenn ihm nicht immer klar war, wohin der Ball gehen würde. Aber das machte er beim Putten wieder wett. Da reichte ihm keiner das Wasser. Es ist, wie im Film gesagt wird: Er hat vor langer Zeit gelernt, dass drei lausige Schläge und ein genialer Schlag in der Summe immer noch par bedeuten."

Schwung-Lehre

Par ist eine Sache. Aber so weit zu kommen, dass man par schafft, steht auf einem anderen Blatt: Im Mittelpunkt des Films steht das Golfspiel, in dem der einstige Amateurchampion Rannulph Junuh gegen zwei der größten Golfspieler aller Zeiten antreten mußs. Für die Beteiligten stand deshalb fest, dass Matt Damon Schwung mit der Weltelite mithalten können mußste. Das Problem war nur, dass Damon vor seiner Besetzung in der Hauptrolle von Die Legende von Bagger Vance noch niemals einen Golfschläger in der Hand gehalten hatte. Der PGA-Meistertrainer Tim Moss wurde als technischer Berater engagiert und mit der Aufgabe betraut, den Anfänger Damon in einem Crashkurs zu einem Golfspieler zu trimmen, dem man es abnehmen würde, dass er eine ernstzunehmende Herausforderung für Pros wie Jones und Hagen ist.

"Ich mußste bei Null anfangen", gesteht Damon. "Das erwies sich letztlich als besser, als wenn ich bereits eine gewisse Erfahrung gehabt hätte. Für Tim Moss war ich so etwas wie ein unbearbeitetes Stück Lehm, das er zu einem Golfer formen konnte, ohne dass er mir zuvor schlechte Angewohnheiten hätte abtrainieren müssen. Ich hatte keine schlechten Angewohnheiten, denn ich hatte keinerlei Angewohnheiten. Es hat also funktioniert."

Moss sagt dazu: "Ich hatte zwei Möglichkeiten, um Matt schnell zu einem vorzeigbaren Golfspieler zu machen. Ich konnte ihm stilistische Feinheiten beibringen - oder ihn lehren, wie man richtig Golf spielt. Da es im Film so viele Golfszenen gibt, hielt ich es fürs beste, ihn zu unterrichten, wie ich jeden anderen auch unterrichten würde, also: Ich entschied mich dafür, ihn zu einem grundsoliden Spieler zu machen. Ich war mir sicher: Wer die Grundlagen beherrscht, der wird sich alles andere auch aneignen können. Genauso kam es auch. Ich habe noch nie mit jemandem gearbeitet, der das Spiel so schnell begriffen hat. Matt ist ein guter Athlet. Seine Hand-Auge-Koordination ist hervorragend. Und er arbeitete sehr hart."

Vielleicht zu hart: Damon hatte Blasen an den Händen von den endlosen Stunden, die er auf der Driving Range verbrachte. Bei einer Übungsstunde während der Erntedankfest-Feiertage schwang er den Schläger gar so wuchtig, dass er sich die Rippen ausrenkte. Doch trotz der Blessuren lässt der Schauspieler wissen: "Ich bin völlig süchtig nach Golf."

Als Will Smith zum Team von Die Legende von Bagger Vance stieß, war er, nach eigenen Aussagen, bereits ein "Golf-Junkie". Obwohl er bei den Dreharbeiten eigentlich gar kein Golf zu spielen hatte, nutzte er die Gelegenheit, sich von Moss verbessern zu lassen. "Das Tolle an Golf ist, dass es einem normalen Menschen eine Ahnung davon gibt, wie sich Perfektion anfühlt", meint Smith. "Dieser eine Schlag, dieses eine Loch. In diesem einen Moment kann man der beste Spieler der Welt sein, und dann verbringt man den Rest seines Lebens damit, diesem einen Augenblick hinterher zu rennen. Golf ist so einfach und gleichzeitig so unglaublich schwierig - das schönste Oxymoron der Welt."

Tim Moss arbeitete natürlich auch mit Joel Gretsch und Bruce McGill, um den beiden erfahrenen Golfern die Stile von Bobby Jones und Walter Hagen beizubringen. "Mit Hilfe von Archivaufnahmen der beiden erarbeiteten wir Modellschwünge. Hagen war ein Chopper; er begann mit einem Slide und hörte mit einem Sway auf und sein Fuß bewegte sich nach außen. Er machte technisch viele Dinge, die man heute als falsch erachten würde. Jones dagegen war sehr elegant, sehr balanciert und gelassen. Er gab sich alle Mühe, immer wieder den exakt gleichen Schwung durchzuführen", erklärt Moss.

"Hagens Schwung war einzigartig", erklärt McGill. "Die ersten Tage, als ich versuchte, ihn nachzumachen, tat mir alles weh, weil er immer so breitbeinig dastand und dann mit voller Wucht auf den Ball hämmerte."

Gretsch fügt hinzu, dass das Nachahmen des Schwungs von Jones nur die halbe Miete war. Er mußste sich auch daran gewöhnen, einen Golfschläger aus Hickoryholz zu benutzen, wie sie 1931 zum Einsatz kamen. "Heutzutage sind die Schlägerschäfte aus Graphit und die Köpfe aus Stahl und Titan. Mit einem Hickory-Schläger mußs man viel langsamer schlagen. Wenn man so schwingen würde, wie man es heute macht, dann würde der Kopf etwa 30 Zentimeter nachschwingen, weil das Holz so elastisch ist."

McGill hatte weniger Probleme, sich an die alten Golfschläger zu gewöhnen. Er ist nicht nur ein begeisterter Golfspieler, sondern auch ein eifriger Sammler seltener Golfmemorabilien. Tatsächlich besitzt er ein eigenes Hickory-Schlägerset, mit dem er auch für den Film trainierte.

"In den 20er und 30er Jahren war Golf noch ein völlig anderes Spiel", bemerkt Robert Redford. "Man spielte in Knickerbockerhosen und Tweedkleidung und Krawatten und Unterhemden. Die Greens waren ungefähr so lang wie es die Fairways heute sind. Und die Fairways waren eine harte Angelegenheit. Man benutzte Schläger aus Holz, und die Golfbälle flogen nicht so schnell, weil sie aus anderem Material waren. Man mußste sich seine Erfolge damals viel härter erarbeiten."

Ein Augenblick Vor 70 Jahren

Natürlich hat sich nicht nur der Golfsport in den letzten sieben Jahrzehnten gründlich verändert. Robert Redford versammelte ein beeindruckendes kreatives Team, darunter viele Preisgewinner, um das Savannah der 30er Jahre überzeugend zu filmischem Leben zu erwecken. Unter anderem arbeiteten an Die Legende von Bagger Vance Kameramann Michael Ballhaus, Produktionsdesigner Stuart Craig, Kostümdesignerin Judianna Makovsky, Schnittmeister Hank Corwin, Komponistin Rachel Portman und Effektespezialist Richard Chuang. Die Geschichte erstreckt sich von 1916 bis 1931. Um der Zeitspanne gerecht zu werden, experimentierten Redford und Kameramann Michael Ballhaus mit unterschiedlichen Kameratechniken und Filmsorten. So setzten sie 8-, 16- und 35-Millimeter-Film ein, arbeiteten mit Zeitlupe und Jumpcuts. Außerdem erarbeiteten sie eine sich ändernde Farbpalette, um den Fluss der Zeit auch visuell zu verdeutlichen. Die frühen Szenen im Jahr 1916 sieht man in einem monochromen Ton, als würde man sie aus dem Dunst vergangener Erinnerungen erleben. Es folgt ein kurzer Einblick in die 20er Jahre mit ihren Art-Deco-Motiven, die dann den gedämpften, ausgewaschenen Farben der Großen Depression weichen. Eine Ausnahme bilden die Szenen auf dem Golfplatz, wo die vorherrschende Farbe - wie könnte es anders sein - Grün ist.

Das Farbschema wurde auch von Produktionsdesigner Stuart Craig und Kostümdesignerin Judianna Makovsky aufgegriffen. "Wir diskutierten ausführlich darüber, wie sich Farbe und Licht der Landschaften in den Farben und Silhouetten der Kostüme spiegeln sollten", sagt Makovsky. "In diesen Tagen bevorzugte man einfache, elegante Formen, egal welchen Status man hatte. Dem wollten wir Rechnung tragen."

Bei ihren Entwürfen mußste Makovsky besonders acht geben auf die enorme Bandbreite sozialer und wirtschaftlicher Voraussetzungen. Sie führt aus: "1931 hatten Menschen aus Adeles Klasse noch die teuren Kleider, die sie an Orten wie Paris gekauft hatten, bevor sie all ihr Geld verloren. Sie ist also nicht mittellos. Und weil sie die Party veranstaltet, ist es selbstverständlich, dass sie sich auch sehr elegant und schön präsentiert."

Der Status hat auch Einfluss auf die Garderobe des jungen Hardy Greaves. "Weil seine Familie kein Geld hat, sind seine Klamotten ziemlich alt und abgetragen", merkt Makovsky an. "Etwa die Hälfte seiner Garderobe stellten wir her, aber ebenso viele Modelle sind Originale der Zeit."

"Sie waren kratzig und unbequem und, vor allem, fürchterlich heiß", erinnert sich Moncrief. "Wir begannen den Dreh des Films im September, es war um die 30 Grad warm, und ich mußste Wollhosen, ein langärmeliges Hemd und einen Pullover darüber tragen. Das war schlimm."

Die Garderobe von Bobby Jones und Walter Hagen entwarf Makovsky mit Hilfe zahlreicher Fotos, die von den beiden Männern im Verlauf ihrer Karrieren gemacht worden waren. "Jones hatte einen sehr simplen, klassischen, amerikanischen Stil, während Hagen etwas extravaganter war", erklärt sie. "Wir versuchten, das bei der ersten Runde Golf zu etablieren, wenn Hagen in einem Anzug spielt, was er wirklich getan hat. Einmal soll er sogar einen Smoking getragen haben, nur um seinen Partner zu ärgern."

Für die Galerie am Rande des Golfplatzes stellten Makovsky und ihr Team Dutzende von zeitgenössischen Kostümen her, komplett mit Knickerbockern, Golfmützen, Pullovern und sogar Socken.

Beim Erstellen von Junuhs Garderobe durfte Makovsky seinen Seelenzustand nicht aus den Augen verlieren. "Wir entschieden uns dafür, dass all seine Kleidungsstücke alt sein sollten. Er durfte nichts Neues tragen. Es ist ihm völlig egal, wie er aussieht, also stammt fast seine komplette Garderobe aus den frühen 20er Jahren. Seine Golfkleidung stammt gar aus dem Jahr 1916, weil er seit dem Krieg nicht mehr gespielt hat. Für das Match fördert er seine 15 Jahre lang eingemotteten Klamotten und Schuhe zu Tage."

Stuart Craig sagt über seine Arbeit als Produktionsdesigner: "Junuhs Haus sollte unterstreichen, dass er eine verlorene Seele ist, vergessen und distanziert von der Gesellschaft. Wir gestalteten das Haus auf eine Weise, dass man immer noch nachvollziehen konnte, dass jemand darin lebt. Gleichzeitig sollte es heruntergekommen und sparsam eingerichtet sein. Absichtlich hängten wir keine Bilder an die Wände. Das erschien uns viel zu persönlich. Das hätte ihm einen Hintergrund gegeben, von dem er doch so verzweifelt versucht sich abzunabeln. Anstelle von Bildern wählten wir Spiegel, die ihn zwingen sollten, sich ständig selbst ins Gesicht zu sehen. Wir machten sein Zuhause so seelenlos, wie wir nur konnten."

Adeles Haus sollte einen deutlichen Kontrast bilden, wie Craig erläutert: "Adeles Anwesen ist die Art von Haus, wie es ihr Vater womöglich mit seinem neuverdienten Geld gebaut hätte. Die gewählte Location war perfekt für uns, ein 1926 errichtetes Gebäude, das auf den Punkt die Ära widerspiegelt. Wir wählten es auch aus, weil es so etwas wie ein quintessenzielles Savannah-Haus darstellt. Die Legende von Bagger Vance ist sehr bewusst in dieser bildschönen Südstaatenstadt angesiedelt. Mir war es wichtig, die zeitlose Essenz dieser Stadt mit ihren wunderbaren Eichen und dem spanischen Moos besonders zu betonen."

Der Dreh sollte im September 1999 beginnen. Der herannahende Hurricane Floyd zwang Darsteller und Crew jedoch, Savannah zu verlassen und in Atlanta und Macon, beide in Georgia, darauf zu warten, bis es wieder sicher war. Tage später wurde Entwarnung gegeben, und von Savannah aus machte sich die Produktion auf den Weg nach Jekyll Island, wo die erste Klappe fiel.

Das Jekyll Island Club Hotel liegt auf besagter einzigartiger Insel kurz vor Georgia und kam als das fiktive Krewe Island zum Einsatz. Ursprünglich 1888 als Jagdressort für die Elite Amerikas, u. a. J.P. Morgan, William Rockefeller, Joseph Pulitzer, die Vanderbilts, Goulds und Astors, errichtet, ist das Hotel ein National Historic Landmark.

Auf größere Schwierigkeiten als erwartet stieß die Produktion bei der Suche nach Golfplätzen, die mit der Architektur der damaligen Zeit in Einklang waren. "Es gibt Tausende von Golfplätzen", sagt Craig. "Aber nur wenige sind glaubwürdig als Golfplatz des Jahres 1931. Heute ist alles viel kontrollierter und schöner hergerichtet, als es noch in den 30er Jahren der Fall gewesen war."

Zum Glück stießen die Filmemacher auf die Golfplätze, die von Pete Dye entworfen wurden. Er hatte sich stets Mühe gegeben, die Plätze der einzigartigen Natur der jeweiligen Gegend anzupassen. Sie ähneln tatsächlich Golfplätzen, wie man sie vor 70 Jahren kannte.

Nach dem Ende des Drehs auf Jekyll Island zog man weiter zum Pete Dye Course auf der Colleton River Plantation in Bluffton, South Carolina, wo man sich einen Monat lang niederließ. Für die letzten Segmente der Produktion steuerte man Kiawah Island in South Carolina an. Der dort ebenfalls von Pete Dye entworfene und 1991 eröffnete Ocean Course diente als Schauplatz für das 18. Loch beim dramatischen Wettbewerb zwischen Junuh, Jones und Hagen.

Craig und sein Team legten ein völlig neues 18. Loch auf dem Grund des Ocean Course an und gestalteten es als ein Par-Fünf-Loch mit einem 200-Meter-Abschlag. Außerdem designten sie ein Fairway, das mehr an eine Schüssel als an eine Tischoberfläche erinnert, den Ball also sozusagen einsammelt und ins Spiel bringt. Das Ende des Greens ist wie eine Art Amphitheater, an dessen Rand die Zuschauer von oben Zeuge der dramatischen Entwicklung werden.

"Die Geschichte dieses Golfspiels ist eine Metapher", fasst Robert Redford zusammen. "Alle Golfer wissen, dass im Golfspiel alle Lehren des Lebens enthalten sind. Aber Die Legende von Bagger Vance ist mehr als eine Golfgeschichte. Es geht um einen Menschen, der seinen Schwung, seinen authentischen Schwung, verloren hat und wiederfinden mußs. In diesem Sinne ist das sehr universell, weil wir alle unseren authentischen Schwung irgendwann im Leben verlieren. Wir alle werden durch Not vor Prüfungen gestellt. Und ich vermute, wir alle wünschen uns, wir hätten einen Bagger Vance, der uns wieder aufbaut und aus der Talsohle führt.

Dirk Jasper FilmLexikon
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