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Anmerkungen von Iciar Bollain
Der Filmtitel kam vor dem DrehbuchIch hatte schon den Titel des Filmes im Kopf bevor wir überhaupt das Drehbuch begonnen hatten. Irgend jemand ließ diesen Satz bei einem Gespräch fallen und ich dachte, das könnte ein guter Titel für einen Film sein. Er wirkt poetisch und vielversprechend. Blumen sind auch eine gute Metapher für Menschen im allgemeinen, nicht ausschließlich Frauen, sondern auch ältere Menschen, Kinder, Männer, einfach jeden. Als ich anfing, über das Drehbuch nachzudenken, fiel mir der Titel wieder ein, und er schien wie gemacht für meinen Film.
Verschiedene Dialoge für verschiedene CharaktereDie Dialoge der beiden karibischen Frauen sind mit besonderer Sorgfalt erarbeitet worden. Gina Gallardo, die Texte über dominikanische Immigranten in Madrid veröffentlicht hat und in einer Vereinigung dominikanischer Frauen aktiv ist, hat mit mir die Dialoge überarbeitet und den Slang und die besonderen grammatischen Konstruktionen ihres Landes eingewoben. Dieselben Schritte habe ich mit einer anderen Frau gemacht, als ich in Kuba reiste, um über Miladys Hintergrund und ihre Sprechweise zu recherchieren. Die anderen Dialoge kamen aus Gesprächen, die mein Ko-Autor Julio Llamazares und ich mit den Bewohnern der kastilischen Dörfer führten, die wir während der Arbeit am Drehbuch aufsuchten. Aber auch die Schauspieler selber trugen während der Proben und der Dreharbeiten einiges bei.
Die kastilische LandschaftDie Locations waren sehr wichtig. Ein Großteil dessen, was den Paaren, insbesondere den Frauen passiert, hat mit den Anpassungsschwierigkeiten zu tun. Wir dachten immer, dass die Landschaft eher rauh sein sollte, nicht glatt, sondern schroff. Der Film wird der Landschaft, in der er gedreht wurde, eigentlich nicht gerecht. Cantalojas, das kleine Dorf, in dem wir drehten, ist in Wirklichkeit viel schöner und ganz anders als im Film gezeigt wird. Doch das, was wir im Film erzählen, kommt nahe an die Realität heran. In Guadalajara, ebenso wie in Segovia, Soria, Teruel und vielen anderen Orten Spaniens, altert die Bevölkerung, und die Anzahl der Junggesellen ist schockierend hoch. Als wir durch diese Orte reisten, entdeckten wir eine Welt voller Einsamkeit. Beinahe noch zehrender als die Einsamkeit ist insbesondere für Männer das starke Bedürfnis, ihr Haus, das Land und die Arbeit mit jemandem zu teilen, so dass alles eine Bedeutung und eine Zukunft für sie gewinnt. Wenn man das alles nicht teilt, wenn es niemanden gibt, mit dem man es auch genießen kann, wofür ist es dann gut? Welchen Sinn hat es dann? Für die Immigrantenfrauen sind, so glaube ich, die ökonomischen Bedürfnisse noch schlimmer als die Einsamkeit. Das sind auch die Gründe, die sie letztlich veranlassen zu heiraten, ohne ihren Ehemann wirklich zu kennen und ohne viel Aussicht, ihre Verwandten häufig zu treffen. Wir haben viele dieser Fälle gesehen. Was die Teilhabe der Dorfbewohner angeht, in denen wir gedreht haben, so war das nicht nur eine außergewöhnliche Erfahrung, es war vor allen Dingen total lebendig. Das gesamte Dorf war "das Set" und die Leute trugen oft mit Dialogen und Handlungen zum Film bei. Insbesondere das Engagement der Menschen von Cantalojas verdient, erwähnt zu werden: ihre Begeisterung in der Zusammenarbeit und ihre Geduld während dieser beiden Monate, als wir alles im Dorf auf den Kopf stellten. Und ihr Vertrauen: niemand von ihnen fragte nach dem Skript des Filmes oder las es tatsächlich.
Besonderheiten von Filmaufnahmen auf dem LandDie Wahrheit ist, dass ich gar nichts Nachteiliges über Dreharbeiten in einem Dorf sagen kann. Im Gegenteil. Da es "dörfliche" Dreharbeiten waren, konnten wir, wenn wir z.B. ein Tischtuch für eine Szene oder vorbeilaufenden Kühe oder rauchende Schornsteine brauchten, einen der Nachbarn fragen, und sie taten ihr Bestes, um unsere Wünsche zu erfüllen. Als wir in der Dorfkirche drehen wollten, und sowohl der örtliche Priester als auch der Bischof die Erlaubnis verweigerten, gab es beinahe einen Aufstand unter den Dorfbewohnern, und - "Lang lebe die Revolution!" -das gesamte Dorf unterstützte uns. Es gibt Tausende von Geschichten über die Dreharbeiten und die Dorfbewohner von Cantalojas. Ich kann nur sagen, wie dankbar ich für ihre Mithilfe und Kooperation bin. Was die Wetterbedingungen angeht, so hatten wir einige Probleme. Insbesondere wenn es darum ging, visuell das zu erreichen, was im Drehbuch stand. Da die Ereignisse laut Drehbuch über ein Jahr verteilt statt finden sollen, war es wichtig, dass an der Landschaft die Jahreszeiten ablesbar waren. Deshalb entschieden wir uns für September und Oktober als Drehtermin, da wir hofften, dadurch das Ende des Sommers zu erleben und den Herbst sowie Anfang Winter. Mit Hilfe von einigen Drehs, die wir im Januar machten, Aufnahmen des schneebedeckten Dorfes bei -16°C und einigen anderen Aufnahmen mit künstlichem Schnee, glaube ich, dass wir es ganz gut hinbekommen haben, die verschiedenen Jahreszeiten zu zeigen.
Zwischen Missrauen und RassismusIch denke, dass Rassismus im Drehbuch impliziert ist, nicht offensichtlich, aber in dem Mißtrauen dem gegenüber, was von außen kommt, dem Fremden gegenüber, dem anderen. Niemand würde von Marirrosi behaupten, dass sie aus Bilbao käme, um Alfonsos Geld zu nehmen, jedoch wird genau das Patricia und Milady, die aus der Karibik kommen, vorgeworfen. Auch zeigt sich im Verhalten von Damians Mutter ihre anfängliche Ablehnung und Zurückweisung gegenüber Patricia, ihren Kindern und ihrer Freundin. Es ist die Ablehnung einer anderen Kultur, all dessen, was anders ist, ganz sicher aber der Hautfarbe. Es gab noch andere Szenen im Film: eine Lebensmittelhändlerin, die sich darüber aufregte, dass Patricia mit ihren dunklen Händen das Obst anfasste, eine andere Szene, in der Janay ihre Mutter, die auf sie im Schulhof wartete, fragte, warum sie so oft von so vielen angestarrt wird. Diese Szenen entfernten wir von der Endfassung, dem Endschnitt, da der Film sonst zu lang geworden wäre. Ich denke nichtsdestoweniger, dass Misstrauen und Vorurteile, die im Film auftauchen, andere Formen von Rassismus sind.
Ein Schnitt, der auf ein reifes und intelligentes Publikum angewiesen istDie Tatsache, dass es drei Paare gibt, veranlaßte uns, die Reihenfolge der Szenen wieder und wieder in Frage zu stellen. An der Struktur des Drehbuchs haben wir viel gearbeitet, um die einzelnen Geschichten getrennt voneinander voranzubringen, ohne jedoch die anderen Paare aus den Augen zu verlieren. Der erste Schnitt des Films war sehr lang und deshalb passierte es uns genau wie bei Hola, ¿estás sola? (1995), dass der Cutter Angel Hernández und ich die Struktur der Geschichte überarbeiteten, um sie insgesamt zu verkürzen. Das Bild enthält stets mehr Informationen als das geschriebene Wort des Drehbuchs, also entschieden wir uns, einige Szenen zu schneiden. Das fiel uns ziemlich schwer, insbesondere da sie sehr gut waren und das einzige Problem darin bestand, dass es für sie keinen Platz gab!
Die narrative Natur der SchwenksDie Landschaftsaufnahmen sind wie die Interpunktion einer Erzählung. Sie geben uns wiederholt den Eindruck verstreichender Zeit, sie erinnern uns daran, wo wir uns befinden und an die Umgebung, in der wir uns bewegen. Die Landschaft und die Dörfer, die durch die Panoramaaufnahmen gezeigt werden, sind beinahe wie ein zusätzlicher Charakter in FLORES. Die Landschaft zeugt von der Entwicklung dreier Paare, und zur gleichen Zeit beeinflusst sie jede Beziehung: sie kommt zwischen Alfonso und Marirrosi, während die Landschaft für Milady nicht interessant ist, und es von Anfang an klar ist, dass sie nicht in das Dorf oder zu den Dorfbewohnern passt. Für mich stellt das Bild von Patricia in dieser Landschaft das Gegenteil zu Miladys Bild dar. Das gleiche gilt für Janay, wie sie mit Damian auf dem Traktor fährt, oder für die Kinder, als sie auf den neuen Bus warten. Es ist ihre Anwesenheit in der Landschaft, die uns hoffen läßt, dass die Dörfer eine lebendige Zukunft haben.
Eine Geschichte, die dort beginnt, wo andere endenWir dachten immer daran, den Film dann beginnen zu lassen, wenn die Singleparty aufhört, wenn die ausgelassene Stimmung und das Feiern am Ausklingen sind. Wir waren an dem interessiert, was die Presse nicht mehr berichtet: an dem, was diesen Paaren widerfährt, nachdem sie angefangen haben, miteinander zu leben, jeder zu den individuellen Bedingungen, die auf die Beziehung einwirken. Ich wollte die Probleme nicht außer Acht lassen, die daher rühren, dass wir in Spanien ungerechte Gesetze für Immigranten haben, die für unser Land billige Arbeitskräfte darstellen. Ich wollte vor allem nicht vergessen, dass die Paare im Film Männer und Frauen sind, die sich bemühen, ein gemeinsames Leben auf die Beine zu stellen. Auch wenn es offensichtlich ist, dass die Beziehung zwischen Damien und Patricia von ihren jeweiligen Bedürfnissen herrührt: er braucht Gesellschaft und sie braucht Sicherheit und eine Zukunft für sich und ihre Kinder, so wollte ich dennoch meinen Film nicht auf das Thema der Immigrationsproblematik reduziert haben. Was Damian so verletzt, ist, dass Patricia ihn angelogen hat und damit das Vertrauen, das er in sie von Beginn an hatte, enttäuscht hat. Carmelo ist auf seine Art ein liebender Mann, aber er versteht alles vollkommen falsch. Denn schließlich ist es offensichtlich, dass er und Milady sehr verschiedene Interessen haben. Er bietet ihr ein großes Haus, viel Platz, viele Satelliten-TV-Programme. Was sonst könnte sie sich wünschen? Es kommt ihm gar nicht in den Sinn, dass Milady gerade mal zwanzig ist, in Havanna, einer Weltstadt, lebt und dass das letzte, was sie sich wünscht ist, in einem Kaff wie Santa Eulalia eingesperrt zu sein. Carmelo ist sich seiner selbst so sicher, dass er gar nicht daran denkt, Milady könnte ihn aus ökonomischen Gründen ausgesucht haben. Oder gar, dass sie, hätte sie eine andere Möglichkeit gehabt, sich wahrscheinlich für eine andere Person und eine andere Art, von Kuba zu fliehen entschieden hätte. Marirrosi und Alfonso sind der Kontrapunkt zum "rassisch gemischten Paar". Augenscheinlich haben sie alles, um glücklich zu werden, aber sie wagen es nicht, sich zu verpflichten. Es stimmt, dass für Marirrosi der Gedanke, in einem Dorf zu leben, nicht einfach zu akzeptieren ist, aber letztendlich hat sie Angst, das Risiko einzugehen, weil sie befürchtet zu scheitern.
Die Frische unserer BesetzungDas Casting dauerte etwa vier Monate. Manuel Martín Cuenca und ich fingen mit den Paaren an, auf der Suche nach Schauspielern, die zu den Dorfbewohnern passen würden. Speziell für Patricias Besetzung haben wir uns mehr als 200 dominikanische Frauen angesehen. Frauen, die wie die aus dem Film nach Spanien kamen, um hier Arbeit zu finden. Lissete Mejía kam ursprünglich mit der nationalen Tanztruppe ihres Landes nach Spanien und lebt und arbeitet seitdem hier. Im Zuge unserer Suche nach Patricia haben wir dann die anderen dominikanischen Charaktere gefunden: Angela Herrera (die Tante) und die beiden Freundinnen Adalgisa Mercedes und Doris Cerdá. Für sie alle waren es ihre ersten Rollen in einem Spielfilm. Nach Miladys Charakter haben wir in Madrid und Havanna gesucht. Marilin Torres hat in Kuba Schauspiel studiert, wo wir sie auch entdeckten. Zwei Wochen vor Beginn der Dreharbeiten kam sie nach Cantalojas - es war ihre erste Reise außerhalb von Kuba. Für Damians Rolle wollten wir keinen bekannten Schauspieler, statt dessen suchten wir nach jemandem wie Luis Tosar, der sich unter die anderen Charaktere mischen würde und sich voll und ganz auf seine Rolle konzentrieren konnte. Luis kam zwei Wochen vorher, um Unterricht im Holzhacken und Traktorfahren zu nehmen. José Sancho war ein großartiger Schauspieler: fähig, einen so komplexen Charakter wie Carmelo zu spielen: ebenso imstande zu großer Gewalt wie auch dazu, einen verliebten Mann darzustellen: jemand, der trotz seiner Arroganz bemitleidenswert sein kann. Für die Rollen von Alfono und Marirrosi suchten wir wieder nach Leuten mit so großem Talent und Erfahrung wie Chete Lera und Elena Irureta. Da sie dem großen Publikum weniger bekannt sind, heben sich ihre Charaktere nicht stark von der Umgebung ab. Das gleiche gilt für Amaparo Valle, die ein großartiges Schauspiel als Damians Mutter hinlegt. Darüber hinaus entdeckten wir Ruben Ochandiano (Oscar, Carmelos Lehrling im Film), der ein tolles Schauspieldebüt ablieferte.
Die Verlobten, das Paar, das die Bar führt sowie einer der Dorfbewohner, der von German Montaner gespielt wurde, sind Bühnenschausteller, die sich freuten, im Film mitzuspielen, und die in Gruppenszenen mit den tatsächlichen Dorfbewohnern zusammen auftraten.
Diese wirklichen Dorfbewohner kamen bei den verschiedenen Auditions, die wir in Cantalojas und anderen Dörfern zwei Monate vorher abhielten, zusammen: sie alle waren vom Dorfschreier und seinem Horn zusammengerufen worden!
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