Produktionsnotizen zu 102 Dalmatiner

Never change a winning team - diese Regel gilt auch für die mit Spannung erwartete Fortsetzung des Disney-Blockbusters 101 Dalmatiner. Ein Großteil der Beteiligten aus dem ersten Film wurde wieder engagiert. Neu hinzugekommen sind allerdings Regisseur Kevin Lima und zahlreiche neue Filmfiguren - menschliche Akteure ebenso wie vierbeinige Mitstreiter.

Neuzugänge vor der Kamera sind u.a. Ioan Gruffudd als Hundeheimleiter Kevin und Alice Evans, die in der Rolle der aufmerksamen Bewährungshelferin Chloe erstmals in einem amerikanischen Film mitwirkt.

Mit 102 Dalmatiner gibt Kevin Lima nach seinem weltweiten Kassenerfolg mit dem Zeichentrick-Abenteuer Tarzan nun auch sein Debüt als Regisseur eines abendfüllenden Spielfilms. Nicht nur er ist dabei wieder für Walt Disney Pictures tätig gewesen, gleiches gilt auch für Glenn Close, mit der Lima zum zweiten Mal zusammenarbeitete. Die Schauspielerin hatte bei Tarzan die Rolle der Gorilla-Dame Kala gesprochen. Edward S. Feldman, Ausführender Produzent bei 101 Dalmatiner, stieg für die Fortsetzung zum Produzenten auf.

Wieder mit an Bord ist der mit drei Oscars® ausgezeichnete Kostümdesigner Anthony Powell, der auch schon mit Glenn Close an der international gefeierten Bühnenproduktion von Andrew Lloyd Webbers Musical "Sunset Boulevard" mitgewirkt hatte. Ebenfalls wieder dabei sind Kameramann Adrian Biddle und Ausstatter Assheton Gorton sowie der hoch geschätzte Second Unit-Regisseur Micky Moore, dessen geduldige Arbeit mit Tieren schon im ersten Teil von unschätzbarem Wert gewesen war.

Es versteht sich von selbst, dass ein Film wie 102 Dalmatiner neben einer vorzüglichen Schauspielerriege auch mit einem gewaltigen Aufgebot an Hunden aufwartet. Zuständig für die Betreuung der vierbeinigen Stars waren auch diesmal Tiertrainer Gary Gero und sein Team, die ihre Schützlinge in monatelanger Arbeit auf den Punkt vorbereiteten und dabei Sorge trugen, dass sämtlichen Auflagen des Tierschutzes Rechnung getragen wurde. So mußste gewährleistet sein, dass keine Welpen extra zum Zwecke der Filmproduktion gezüchtet wurden. Alle Hunde, die im Film auftreten, stammen von anerkannten Züchtern, zu denen sie nach den Dreharbeiten auch wieder unversehrt zurückgebracht wurden.

Neben Pinsel (Sohn von Pongo und Perdy), Pünktchen, ihren Welpen Domino, Pinselino und Nullpunkt sowie unzähligen Dalmatiner-Statisten sind auch einige neue Hundecharaktere im Film zu sehen, darunter eine Englische Bulldogge, ein Border Terrier, ein Barsoi und sogar ein Chinesischer Nackthund. Eine ganz besonders liebenswerte Rolle ist dem Ara-Papagei Daedalus zugekommen - er glaubt ein Rottweiler zu sein! Die Dreharbeiten fanden in den Shepperton Studios und an Original-Schauplätzen in Großbritannien statt.<<P>

Eine Ehrgeizige Fortsetzung

101 Dalmatiner aus dem Jahr 1996 ist einer der populärsten Spielfilme von Walt Disney Pictures. Es war also keine Frage, dass Produzent Edward S. Feldman an die Fortsetzung einen gleichwertigen künstlerischen Anspruch als Messlatte anlegen würde. "Der neue Film sollte mit einer neuen Idee und einem großartigen Drehbuch aufwarten können", sagt Feldman. "Und da wir die volle Unterstützung des Studios hatten, sollte 102 Dalmatiner so gut wie das Original werden - wenn nicht noch besser."

Bereits vor zweieinhalb Jahren kursierten Ideen zu einer Fortsetzung, aber für Feldman stand fest, dass ein solches Projekt nur mit Glenn Close in der Rolle der Cruella de Vil auch wirklich Sinn machen würde. Ein erstes Gespräch in dieser Richtung führte sogleich zum Erfolg. Glenn Close war entzückt, Cruella noch einmal zu spielen: "Es ist natürlich äußerst reizvoll, eine so prägnante Rolle noch einmal übernehmen zu können - zumal ich wusste, dass ein gutes Skript zur Verfügung stand und viele Darsteller, die schon beim ersten Film mitgewirkt hatten, mit dabei sein würden."

Der Erste Spielfilm Für Kevin Lima

Im Frühjahr 1999 - Glenn Close hatte bereits fest zugesagt - begann die Suche nach einem geeigneten Regisseur. Kevin Lima hatte soeben die Arbeiten am Zeichentrickfilm Tarzan abgeschlossen und wandte sich mit dem Wunsch ans Studio, auch einmal einen Spielfilm zu inszenieren. Peter Schneider, zwischenzeitlich zum Vorsitzenden der Walt Disney Studios aufgestiegen, wusste um Limas Verdienste fürs Studio und sagte seine volle Unterstützung zu. Als die Besetzung der Regie für 102 Dalmatiner zur Disposition stand, nahm er mit Kevin Lima Kontakt auf. Edward Feldman traf sich darauf hin mit Lima und fand in ihm nach eigenen Worten "einen jungen Mann von beachtlichem Talent". Das Treffen stand auch deshalb unter einem guten Stern, weil Feldman von Tarzan ganz und gar begeistert war. Und so zögerte er keine Sekunde, um Kevin Lima mit der Regie für 102 Dalmatiner zu beauftragen.

Auch Glenn Close war begeistert von einer neuerlichen Zusammenarbeit mit Kevin Lima. Ihre Erfahrungen als Synchron-Sprecherin des Gorillas Kala für "Tarzan" waren geprägt von Sorgfalt und Einfühlungsvermögen, als sie mit Lima die Figur entwickelte. "Ich fühlte sofort, dass ich ihm vertrauen konnte, denn er konnte seine Vorstellungen ausgesprochen klar darlegen."

Die Arbeit an einem Zeichentrickfilm und einem Spielfilm unterscheidet sich nicht so sehr, betont Kevin Lima und erklärt das Grundprinzip: "In beiden Fällen geht es darum, den Figuren Leben einzuhauchen." In den Details dagegen können sich Welten auf tun. Lima: "Bei der Vorstellung, dass ich Regisseur von Glenn Close sein würde, wurde mir schon etwas mulmig. Klar, ich hatte schon mit großen Namen zu tun gehabt, aber da war es um Dialog-Regie gegangen. Jetzt aber sollte ich sechs Monate lang Glenn Close inszenieren, und zwar in der Rolle, die sie geprägt hatte und besser kannte, als irgendjemand sonst. Da können einem schon mal die Knie weich werden. Außerdem mußste ich mich mit der Tatsache anfreunden, dass beim Spielfilm alles auf einen speziellen Zeitpunkt hin ausgerichtet ist. Entscheidungen mal eben auf morgen vertagen, das ging nun nicht mehr."

Hexen Sind Böse ... Und Lustig

Während ihrer Arbeit am ersten Film hatte Glenn Close eine große Begeisterung für ihre Rolle der Cruella entwickelt und sah der neuerlichen Ausgestaltung voller Freude entgegen: "Bei 101 Dalmatiner war es so: Je bösartiger ich mich gab, desto lustiger war ich auch. Die Kinder fürchteten sich vor Cruella, aber konnten auch über sie lachen. Damit steht Cruella auf einer Stufe mit den Bösewichten der großen Märchenerzählungen - sie bringt Kindern die dunkle Seite im Leben näher. Es ist ja so, dass Kinder um diese Dunkelheit wissen und Angst davor haben. Aber sie wollen sich auch in diese Dunkelheit hinein wagen und gleichzeitig erfahren, dass sie daraus auch wieder gerettet werden. Damit sie aber verstehen können, was es mit dem Guten, Hellen auf sich hat, bedarf es eines bösen Gegenpols; in aller Regel wird dieser dann von einer weiblichen Figur verkörpert, einer Hexe oder einer bösen Stiefmutter. Ich denke, dass Cruella sich sehr gut in diese Tradition einpasst."

Kevin Lima stimmt den Überlegungen von Glenn Close zur Wirkung der Cruella de Vil zu, und ergänzt: "Um den Spaß der Geschichte zu erleben, mußs man auch ihre andere Seite erfahren, die Furcht. Die besten Disney-Filme haben das alle beherzigt. Ich weiß noch gut, wie sehr ich mich als Kind vor der bösen Königin in SCHNEEWITTCHEN UND DIE SIEBEN ZWERGE gefürchtet habe. Der Punkt ist, dass Kinder dadurch leichter verstehen lernen, dass sie damit Dinge meistern können, von denen sie glaubten, dass sie ihnen nicht gewachsen wären. Im Fall von 102 Dalmatiner bedeutet das: Wenn Welpen das Böse besiegen können, dann können Kinder das auch. Das ist eine sehr ermutigende Erfahrung."

Ein Komplize Aus Frankreich

Im Interesse dieser emotionalen Vorgabe haben Regisseur Lima und Produzent Feldman eine herrliche neue Figur ins Spiel gebracht: den französischen Modeschöpfer Jean Pierre LePelt. Er ist es, der dem Geschehen als Cruellas Komplize neue Impulse und eine ganz eigene Dynamik verleiht. Für Feldman kam da nur ein Schauspieler in Frage: "Ich wollte einen richtigen Franzosen, keinen Amerikaner oder Engländer, der mit Akzent gesprochen hätte. Naja, und wenn man an einen Franzosen denkt, dann kommt man an Gérard Depardieu einfach nicht vorbei.

Glückerlicherweise hatte ich schon bei zwei Filmen mit Gérard Depardieu zu tun gehabt, GREEN CARD und DADDY COOL, die wir für Touchstone Pictures realisiert hatten. Ich rief ihn also an und erzählte ihm von 102 Dalmatiner; und dass ich ihn mir gut für die Rolle des LePelt vorstellen könnte. Er sagte sofort zu, ohne überhaupt das Drehbuch gesehen zu haben. Für ihn stand fest: Ich will die Rolle spielen. Tja, und schon hatten wir unseren LePelt."

Für Glenn Close ist Gérard Depardieu ein herausragender Schauspieler, fast so etwas wie eine Naturgewalt. Die Chemie zwischen den beiden hat zweifellos gestimmt, was Dépardieu gern bestätigt. Er schätzt an der Arbeit mit Glenn Close, dass sie wie eine Sängerin denkt. Sie interpretiere eine Figur wie ein Musiker Noten interpretiere. Für Depardieu war die gemeinsame Arbeit deshalb wie Musik.

Kevin Lima erkannte das besondere Potenzial des LePelt darin, dass die Rolle es Gérard Depardieu erlaubte, ganz er selbst zu sein. "Ich wollte Gérard unter keinen Umständen in eine Schublade zwängen. Mir schwebte ein ausgelassener Bär vor, und genau so hat er die Rolle dann auch gespielt. Er brauchte einfach nur seine ganz natürliche Energie fließen zu lassen. Es sollte ja kein Grimassenspiel oder irgendeine hippe Performance werden. Einfach nur Depardieu, und das reichte schon. Wir hatten wirklich sehr viel Freude an der Rolle."

Kleider Machen Leute ... Und Mehr

Keine Frage, Cruella de Vil und Jean Pierre LePelt verdanken ein gut Teil ihrer Wirkung auch dem Talent des Kostüm-Designers Anthony Powell, der schon die Garderoben zum ersten Teil entworfen hatte. Für die Fortsetzung stand Powell vor einer besonderen Herausforderung: "Der ganze Witz der Figur Cruella de Vil liegt ja darin, dass sie verrückt nach Pelzen ist. Eine ganze Zeit lang mußs sie im Film jedoch ohne auskommen. Nun macht aber eine Cruella, die sich nicht ausleben kann, nicht all zu viel Spaß. Wir mußsten also versuchen, die politisch korrekte Cruella trotzdem amüsant und unterhaltsam erscheinen zu lassen, weil die Leidenschaft für Pelze eigentlich immer noch da ist."

Etwas leichter hatte Powell es mit den Kreationen für Jean Pierre LePelt. Wie Cruella ist auch LePelt geradezu besessen von Pelzen. Powell erkannte in LePelt einen Pfau, der nicht ganz von dieser Welt und unverschämt eitel ist. "Ich mußste an all die großen Modeschöpfer denken und habe von jedem ein wenig in LePelts Garderobe einfließen lassen. Seine Erscheinung ist gewissermaßen eine liebevolle Verbeugung vor Karl Lagerfeld, John Galliano und Jean-Paul Gaultier."

Einen Dritten Schurken Gibt Es Auch Noch

Das Zusammenspiel zwischen Glenn Close als Cruella and Gérard Depardieu als LePelt bekommt zusätzliche Würze durch die hinreißenden Eskapaden von Alonzo, der wie schon im ersten Teil von Tim McInnerny gespielt wird. Bei der Fortsetzung ist er nun noch ein wenig mehr ins Blickfeld gerückt worden. Für Glenn Close ist Alonzo "ein fabelhafter Komplize", der das Trio infernale komplettiert. Alonzo, der in Cruella verliebt ist, würde alles für sie tun, obwohl sie ihn ständig schlecht behandelt. Wenn dann LePelt dazukommt, entflammt Alonzo vor Eifersucht. Er beginnt um Cruellas Aufmerksamkeit zu kämpfen, und Tim spielt das ganz wunderbar. Auf diese Weise entspinnt sich ein herrlich bizarres Dreicksverhältnis."

Und Nun Kommen Die Guten ins Spiel

Jedes gute Märchen braucht ein Gleichgewicht zwischen Gut und Böse. In 102 Dalmatiner stehen für die gute Seite die Figuren Chloe (Cruellas Bewährungshelferin) und Kevin (der Leiter des Hundeheims) sowie ein ganzes Heer von Tierdarstellern.

Produzent Edward S. Feldman entdeckte den jungen britischen Schauspieler Ioan Gruffudd für die Rolle des Kevin Shepherd. "Ich sah Ioan Gruffudd im Fernsehen, wo er in der Serie ?Hornblower' mitwirkte, und er war so gut, dass ich mir sagte: Das ist der Erste, den ich unter Vertrag nehme, wenn ich mal wieder einen Film in England mache. Auch Kevin Lima war nach einem ersten Treffen mit Ioan schnell klar, dass dieser junge Schauspieler das Zeug hat, Englands nächster Weltstar zu werden."

Von seinen besonderen schauspielerischen Fähigkeiten konnten sich Feldman und Lima überzeugen, als Gruffudd vor die Aufgabe gestellt wurde, einen Hundeheim-Besitzer zu spielen, der sein Leben lang mit Hunden zu tun hatte. Tatsächlich war genau das Neuland für Gruffudd: "Ich komme aus der Großstadt und hatte nie viel Kontakt mit Hunden. Ich habe nie einen besessen, und es gab auch keine Nachbarn mit Hunden. Beim Leinwandtest sollte ich dann mit aber mit Hunden spielen. Aber eins steht fest: Kein Schauspieler hat jemals einen Regisseur derart überzeugt, dass er sein Lebtag mit Hunden herumgetollt ist. Ich gebe zu, dass mir die Bulldogge, die im Film als Schlabber zu sehen ist, etwas unheimlich war. Aber dann habe ich schnell gemerkt, was für ein sanftmütiger und gut dressierter Hund er doch war."

Natürlich machte Ioan Gruffudd nicht nur Bekanntschaft mit Hunden, sondern auch mit jener Partnerin, die Cruellas misstrauische Bewährungshelferin Chloe Simon spielt. Dafür war eine Persönlichkeit gefragt, die nicht nur dem Verhältnis zwischen Kevin und Chloe Würze verleiht, sondern auch das nötige Selbstbewusstsein vermittelt, um die Zuschauer davon zu überzeugen, dass diese Frau sich gegen Cruella behaupten kann. Regisseur Kevin Lima dazu: "Im Gegensatz zu Kevins Charakter wollte ich, dass Chloe niemandem vertraut. Sie hat die Augen nach allen Seiten offen. Chloe nimmt jede Herausforderung an, und deshalb war Alice Evans die perfekte Besetzung für die Rolle."

Ein Merkwürdiges Vorsprechen

Für Alice Evans wurde mit der Rolle der Chloe ein Traum wahr. Die Britin hat die letzten Jahre in Paris verbracht, wo ihre Schauspielkarriere sich rapide entwickelt hatte. Da sie Französisch und Italienisch fließend spricht, konnte sie sich mit TV-Rollen in Frankreich und Italien als Star etablieren. Doch erst 102 Dalmatiner wird sie einem weltweiten Publikum bekannt machen. Dazu Alice Evans: "Es gab sicherlich schon einige Rollen, die mir in England angeboten wurden. Aber ich habe stets darauf geachtet, keine falschen Entscheidungen zu treffen. Deshalb habe ich lieber gewartet, bis der richtige Film kam."

Der Vorsprechtermin in London lag beinah zeitgleich mit einem anderen für eine TV-Rolle. Evans: "Ich hatte nicht vermutet, dass man mich ernsthaft für die Rolle der Chloe in Erwägung zog. Deshalb bin ich einfach mal so hin gegangen. Ich dachte mir, mach das Beste aus der Rolle, hab Spaß dabei, und dann werden wir schon sehen. Fürs Vorsprechen bekam ich dann einen zusammengeknäuelten Pullover, der den Hund Nullpunkt darstellen sollte, und dann habe ich eben eine Stunde lang improvisiert. Ich habe der Rolle eine Menge Comedy beigemischt und es hat irre Spaß gemacht. Aber als ich ging, dachte ich nicht im Traum daran, dass ich die Rolle auch wirklich bekommen würde."

Sehr Gelehrige Vierbeiner Und Ein Ausserordentlicher Trainer

Wie der Titel nahe legt, benötigt ein Film wie 102 Dalmatiner auch eine Menge Vierbeiner in der Besetzung. Und es liegt ebenso nahe, dass ohne das Können von Tiertrainer Gary Gero und seinem Team ein solcher Film nie hätte gedreht werden können.

Wenn Gero tatsächlich der Meinung gewesen sein sollte, dass ihn nach 102 Dalmatiner nichts mehr überraschen könne, so lag er damit falsch. Das Drehbuch zur Fortsetzung stellte seine Fähigkeiten tatsächlich auf eine noch härtere Probe. "Der wesentliche Unterschied zum ersten Teil lag in den Anforderungen, die diesmal an die Welpen gestellt wurden. Diese sollten Dinge anstellen, die man normalerweise nur von einem ausgewachsenen Hund erwartet. Das gilt vor allem für Nullpunkt, der sich gegenüber Cruella als besonders wehrhaft erweist."

Auch Kevin Lima mußste schnell erkennen, wie viel mehr das Drehbuch den Tieren und Trainern abverlangen würde. "Mir war schon klar gewesen, dass mehr gefordert wurde als im ersten Teil. Immerhin sollten diesmal auch die Welpen einen eigenen Charakter haben. Aber was die Trainer dann erreicht haben, ist wirklich bemerkenswert. Oft dachte ich, jetzt hast Du etwas völlig Unmögliches verlangt. Aber dann kamen Gary und seine Trainer an den Set und ließen die Welpen Dinge machen, die noch viel besser waren als alles, was ich mir je hätte vorstellen können." Bei all den Anstrengungen betont Produzent Feldman energisch, dass die Auflagen des Tierschutzes zu keiner Zeit außer Acht gelassen wurden. Und wenngleich Gary Gero und sein Team neue Höhen der Tierdressur erklommen, so blieben Gesundheit und Sicherheit der Hunde stets oberstes Gebot.

Neue Hundestars

Pünktchen und Pinsel, die Eltern von Pinselino, Domino und Nullpunkt und das ganze Heer von jungen Dalmatinern erhalten Gesellschaft von verschiedenen neuen Tierhelden aus dem Hundeheim, u.a. die Bulldogge Schlabber, Schaufler, ein Barsoi, und der Border Terrier Mampf. Aber der schillerndste von allen ist und bleibt natürlich Daedalus, ein Ara-Papagei, der sich für einen Rottweiler hält. Und dann ist da noch Fluffilein zu nennen, der kleine Hund, den Cruella bei der Entlassung aus dem Gefängnis von Alonzo geschenkt bekommt. Vom Drehbuch her war für diese Szene ein haarloser Chihuahua vorgesehen. Eine solche Rasse ist allerdings niemals gezüchtet worden, weshalb man auf den Chinesischen Nackthund auswich.

Dazu Glenn Close: "Ich hatte schon von diesen Hunden gehört und hielt sie für bizarrsten Geschöpfe der Welt. Aber Harry, der unser Fluffilein spielt, ist in der Tat beeindruckend. Ich habe den kleinen Kerl wirklich lieb gewonnen. Er ist einer der unerwarteten Helden des Films und ein vorzüglicher Schauspieler, der seine Aufgaben stets bei der ersten Einstellung brillant löste."

Kleine Treppen Für Kleine Hunde

Perfektes Zusammenspiel mit den Tiertrainern - schon bei den Dreharbeiten zu 101 Dalmatiner war diese Vorgabe für Ausstatter Assheton Gorton ein unverzichtbarer Bestandteil der Arbeit gewesen. Es reicht nämlich nicht, schöne Bühnenbauten für Schauspieler zu entwerfen. Auch Hunde müssen sich auf dem Set problemlos bewegen können. Zwar war sich Gorton bewusst, dass im zweiten Teil eine noch komplexere Erzählung umzusetzen sein würde, aber das wesentliche Problem für seine Arbeit waren wieder einmal die Welpen. "Der Set mußs sicher für die Jungtiere sein. War es im ersten Teil das Landhaus, so ist diesmal die Bäckerei der zentrale Schauplatz für die Welpen. Sie mußs also nicht nur visuell den Tieren angepasst sein, sondern auch den Sicherheitsanforderungen entsprechen."

Kevin Limas abschließender Kommentar zu den Dreharbeiten: "Eine alte Regel lautet: Arbeite niemals mit Kindern und Tieren. Aber um ehrlich zu sein, ich werde beides wieder machen. Es hat seine ganz eigene Magie, wenn man sich eine Welt schafft, die es gar nicht gibt. Raus auf die Straße gehen und die Wirklichkeit abfilmen, ist eine Sache. Aber es hat wirklich etwas von Zauberei, wenn man sich eine Realität selbst erfindet, die so nur im Film existieren kann. Vielleicht liegt es ja daran, dass ich vom Zeichentrick komme, aber letztlich hoffen wir doch alle, dass es solche verborgenen Welten tatsächlich irgendwo gibt."

Die Tiere

Bereits im Jahre 1998 traten Walt Disney Pictures wegen einer möglichen Fortsetzung von 101 Dalmatiner an Gary Gero heran. Der angesehenste Tiertrainer Hollywoods erinnert sich: "Das Studio trat schon sehr früh an mich heran, da wir nach dem ersten Film um einige wertvolle Erfahrungen reicher waren. Nicht jede Hunderasse lässt sich auf gleiche Weise dressieren. Und es macht einen gewaltigen Unterschied, ob man es mit Welpen oder ausgewachsenen Hunden zu tun hat. Es war also gut, dass ich von Beginn an am Skript beteiligt war."

Im Mai 1999 schließlich kam Gero nach England und es wurde ernst. Zunächst galt es, die Hunde auszusuchen und zu trainieren, die für die Hauptrollen vorgesehen waren. Gero begann mit den Welpen. "Wir wussten, dass hier einiges mehr auf uns zu kam, als beim ersten Film. Es gab mehr Tierfiguren, und sie alle hatten ein deutlich größeres Pensum vor der Kamera zu bewältigen." Also begann die Suche nach zwei ausgewachsenen Dalmatinern, drei Welpen, zahlreichen anderen Hunden und einem Papagei.

Die Besetzung der großen Dalmatiner für die Rollen von Pünktchen und Pinsel erwies sich als leichte Übung. Alle Dalmatiner, die Pongo und Perdy im ersten Teil verkörpert hatten, waren nach Abschluss der Dreharbeiten zurück in die USA zu Gero und seinem Trainerstab gebracht worden. Gero suchte sich nun Freckles und Maisie für die Hauptrollen in der Fortsetzung aus und ließ sie nach England bringen. Als Ersatz für Maisie wurde die Hündin Kita ausgesucht. Nun galt es, die Kernbesetzung des Hundeheims - Mampf, Schlabber und Schaufler sowie Daedalus - zu besetzen.

Gary Gero kaufte für die Rollen des Border Terriers Mampf und der Bulldogge Schlabber bereits Hunde, bevor Kevin Lima als Regisseur des Projekts feststand. "Wir mußsten frühzeitig mit dem Training der Hunde beginnen, um die die gewünschten Resultate erzielen zu können. Natürlich war damit ein gewisses Risiko verbunden, aber zum Glück war Kevin mit der Auswahl der Hunde einverstanden. Lediglich für die Rolle des Schaufler hatte er einen anderen Vorschlag. Ich hatte einen kleinen Hund besorgt, er wollte einen großen, um das Spektrum zu erweitern. Also suchten wir nach einem Barsoi."

Alle Hunde, denen im Film eine wesentliche Rolle zukommt, hat Gero selbst ausgesucht und gekauft. "Es ist einfach nicht zumutbar, dass jemand seinen Hund für ein Jahr an ein Filmteam ausleiht. Also mußs man die Hunde selbst kaufen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Man kauft ein Haustier, das durch äußere Umstände, etwa eine Scheidung oder einen Wohnungswechsel, vom Halter nicht mehr versorgt werden kann. In einem konkreten Fall kauften wir einen Hund von einer älteren Dame, die nach dem Tod ihres Mannes nicht mehr mit dem Tier allein umgehen konnte. Die zweite Möglichkeit besteht darin, dass ein Züchter zur gegebenen Zeit ein Tier abgeben kann." Alle Hunde, die für die Produktion gekauft wurden, sind nach Ende der Dreharbeiten in die USA gebracht worden, wo sie von nun an mit Gary Gero und seinen Leuten gemeinsam leben werden.

Aras Sind Schlau Wie Hunde

Neben der Besetzung der Hunde wurde Gary Gero auch mit der Aufgabe betraut, einen Papageien für die Rolle des Daedalus ausfindig zu machen. Gero entschied sich auf Anhieb für einen grün geflügelten Ara. Er hatte mit diesen Tieren schon einmal gearbeitet, und da er selbst seit über 30 Jahren einen Aras besitzt, wusste er, dass diese Vögel das Hundeverhalten darstellen können, wie es im Drehbuch festgelegt worden war.

"Wir hatten Papageien aus den Vereinigten Staatenund aus England. Ich war etwas besorgt wegen der englischen Quarantäne-Bestimmungen und fürchtete, dass mir nicht genügend Zeit für die Vorbereitung mit den Tieren bleiben würde. Deshalb hatte ich zur Sicherheit auch Tiere aus England. Schließlich haben wir eine eigene Quarantäne-Station in den Shepperton Studios gebaut, die allen Einfuhrbestimmungen gerecht wurde. Auf diese Weise konnten wir die Hunde und Vögel aus den USA die ganze Zeit bei uns behalten."

Vögel sind keineswegs schwieriger zu dressieren als Hunde, vorausgesetzt man sucht sich die richtige Rasse aus. "Von allen Papageien sind Aras die klügsten. Sie sind schlau wie Hunde", sagt Gero. "Problematisch ist also bei den meisten Vögeln nicht ein Mangel an Intelligenz, sondern ihre Schreckhaftigkeit und Furcht. Vögel sind im Grunde Wildtiere und würden von Natur aus dem Trubel an einem Filmset äußerst misstrauisch begegnen. Aras jedoch sind anders. Sie können Individuen unterscheiden und wissen, ob sie es mit jemand Bekanntem oder einem Fremden zu tun haben. Man mußs sich also über längere Zeit mit ihnen beschäftigen und sie mit dem Schauspieler vertraut machen. Aber grundsätzlich kann man ihnen alles beibringen, wozu sie physisch in der Lage sind."

Cartoons Und Echte Hunde

Für Regisseur Kevin Lima waren seine Erfahrungen als Zeichner eine zweischneidige Angelegenheit für den Umgang mit echten Tieren. "Anfangs hatte ich gedacht, dass Tiere sich wie gezeichnete Figuren verhalten würden. Ich war davon ausgegangen, dass sie von Gefühlen durchdrungen sind, wie etwa ein gezeichneter Hund Emotionen in sich birgt. Mit dieser Vorstellung lag ich falsch, da bestimmte Dinge, die ich mir ausgedacht hatte, für Tiere einfach nicht realisierbar waren. Dennoch denke ich, dass ich den Tiertrainern Anstöße geben konnte, wie die Tiere vor der Kamera eine eigene Persönlichkeit entwickeln konnten. Indem ich die Tiere anders begriffen habe, als es die allermeisten andere Regisseure tun würden, habe ich vermutlich mehr aus ihnen herausgeholt - einfach weil ich von unrealistischen Voraussetzungen ausgegangen bin."

Mit ausgewachsenen Hunden zu arbeiten, war eine Sache - mit Welpen noch eine ganz andere. Lima: "Mir war schnell klar, dass Junghunde sich nur für eines interessierten: Fressen. Ziel war es also, den Eindruck zu erwecken, die Hunde würden schauspielern, obwohl sie doch eigentlich bloß gefüttert wurden. Schnell war den beteiligten Schauspielern klar, dass ich immer nur diejenige Einstellung nehmen würde, in der der Welpe den gewünschten Ausdruck vermittelt. Die Schauspieler mußsten also stets voll konzentriert bei der Sache sein - auch wenn es 25 Wiederholungen kostete."

Sicherheit Für Jedes Tier

Die Welpen zu trainieren war nicht die einzige Aufgabe, die von Gary Gero und seinen Mitarbeitern zu meistern war. Es mußste auch gewährleistet sein, dass den Tieren während des Drehs nichts zustoßen würde.

Wie schon bei 101 Dalmatiner schaltete Gero Anzeigen in der britischen Presse, in denen er private Züchter bat, ihre Dalmatiner-Welpen der Produktion zur Verfügung zu stellen. Jeder, der sich meldete, wurde daraufhin von Julie Tottman, der Chef-Trainerin der Welpen, dem Veterinär Peter Scott oder von Gary Gero persönlich aufgesucht. So konnte sichergestellt werden, dass man nicht an Geschäftemacher oder illegale Züchter geriet.

Sobald ein Wurf sechs Wochen alt war, wurde ein Trainer zugeteilt, der zwei Wochen lang mit den Tieren und ihren Haltern arbeitete. Danach wurden die Welpen in die Shepperton-Studios gebracht, wo komfortabel ausgestattete Wohnhütten bereitgestellt worden waren. Dabei wurde sorgsam darauf geachtet, dass die Welpen in dieser Zeit stets mit ihren Geschwistern zusammen blieben. Allen Haltern, die ein Auge auf ihre Tiere haben wollten, stellte Disney Unterkunft in einem nahe gelegenen Hotel zur Verfügung und gewährte jeder Zeit Zutritt zu den Gehegen und am Set. Nach 12, maximal 13 Wochen war die Schauspielkarriere der Welpen zu Ende und sie kehrten in ihr ursprüngliches Zuhause zurück. Gary Gero: "Uns war sehr daran gelegen, dass keine Welpen speziell für den Film gezüchtet wurden."

Welpen Vor Der Kamera

Es ist ohne Frage eine besondere Aufgabe, aus Welpen schauspielerische Leistungen herauszukitzeln. Dazu Gary Gero: "Die Junghunde sollten Verhaltensweisen von ausgewachsenen Tieren vor der Kamera zeigen. Dies klingt kompliziert, aber wie beim Menschen lernen die Kleinen auch hier schneller als die Erwachsenen. Es hat uns wirklich umgeworfen, wie lernfähig die Tiere dann tatsächlich waren; speziell im Fall von Nullpunkt. Die Welpen konnten sich auf Zeichen hinsetzen, auf eine Markierung zugehen, sich auf den Rücken rollen, rückwärts gehen, apportieren, Pfote geben, Dinge anstupsen oder gezielt um eine Person herum laufen. Man mußs allerdings aufpassen, dass einem nicht die Zeit davonläuft. Wenn die Tiere zu groß werden, mußs man mit einem neuen Wurf ganz von vorn beginnen."

Alles bei der Produktion drehte sich um die Welpen. Vertreter der American Humane Association waren ständig am Set um sicherzustellen, dass kein Tier während der Dreharbeiten zu Schaden kam. Der gesamte Drehplan war rund um die natürlichen Schlaf-, Fress- und Spielgewohnheiten der Welpen strukturiert. Die Dreharbeiten selbst fanden ausschließlich während der Spielphasen statt.

Auch Ausstatter Assheton Gorton hatte besondere Vorkehrungen für den Dreh mit Welpen zu treffen. Wie schon bei 101 Dalmatiner wurden in enger Absprache mit Gary Gero und seinem Team jegliche Gefahrenquellen geprüft, damit den Tieren beim Dreh nichts zustoßen würde. Für die Treppengänge etwa wurden feinmaschige Netze ausgelegt, damit kein Hund zwischen die Stufen geraten oder gar abstürzen konnte. Aus der früheren Zusammenarbeit mit Gero wusste Gorton, dass normale Treppenstufen für Welpen zu beschwerlich sind. Aus diesem Grunde wurden die Stufen in LePelts Bekleidungsgeschäft in einer Höhe von lediglich neun Zentimetern angelegt, damit sie von den Welpen entsprechend leicht erklommen werden konnten. Und selbstverständlich wurde jegliche Requisite vor dem Dreh sorgfältig desinfiziert, um Infektionen vorzubeugen. Doch diese Maßnahmen zahlten sich aus, denn alle Tiere kamen gesund und munter zurück nach Hause.

Der Look Von Cruella De Vil

Kostüm-Designer Anthony Powell hatte beim Entwurf der Garderoben für 102 Dalmatiner alle Hände voll zu tun. "Dieser Film war in der Tat eine Herausforderung, weil doppelt so viele Kostüme für Glenn Close zu entwerfen waren. Sie ist ja nicht nur Cruella, sondern auch das politisch korrekte Alter Ego Ella, das Abscheu vor Pelzen empfindet. Ich mußste mir also einiges einfallen lassen, denn jedes von Ellas Kostümen sollte einen gewissen Pfiff haben, vielleicht sogar eine eigene Geschichte erzählen." Regisseur Kevin Lima motivierte Powell nachhaltig zu einem völlig anders gearteten Look für Ella. Powell: "Kevin hat ein fabelhaftes Stilgespür, was vermutlich von seiner früheren Tätigkeit beim Zeichentrick herrührt. Denn da entwirft man ja alles; natürlich auch den Look einer Figur. Wir hatten uns also intensiv beraten, vor allem auch über die Frisuren. Cruellas Haar-Design ist wild, aber das passt natürlich nicht zur politisch korrekten Ella. Also entschieden wir uns für eine Frisur, wie man sie bei den Damen der gehobenen New Yorker Society noch finden kann. Jeder Zentimeter sollte mit Haarspray gefestigt sein. Kevin schwebte eine Art modellierter Motorradhelm vor, der Cruellas Kopf auf geradezu unerbittliche Weise umfassen sollte."

Wie nachhaltig diese Überlegungen sich im Film niedergeschlagen haben, zeigt sich schon bei Cruellas erstem Auftritt, als sie das Gefängnis verlässt. Obwohl sie nun ein neuer Mensch ist, hat sie doch ihren Stil beibehalten. Das Faible für Luxus ist immer noch in jeder Faser vorhanden. Powell: "Um diesen Eindruck noch zu verstärken, ließen wir die anderen Gefängnisinsassen so schäbig wie möglich aussehen. Dafür bediente ich mich der Entwürfe, die ich Jahre zuvor für PAPILLON mit Steve McQueen angefertigt hatte. Wir zogen den weiblichen Häftlingen also Männerstiefel und formlose Uniformen an, die fast wie Säcke an ihnen hingen. Cruella dagegen trägt maßgeschneiderte Haute Couture mit Schmuck im Stil des Hauses Chanel; sogar ihre Ketten und Handschellen sind vergoldet und mit Diamanten und Perlen besetzt. Und außerdem ist da noch diese Frisur ..."

Powell gibt zu, dass er bei dem Entwurf ein wenig Angst vor der eigenen Courage bekommen habe. "Ich dachte wirklich, jetzt hast du es etwas zu weit getrieben. Es sieht ja auch wirklich ausgeflippt aus, wenn Cruella wie eine Couture-Nonne auftrumpft. Um das noch zu verstärken, sieht das eigentliche Kleid wie die Robe eines französischen Pfarrers aus, nur eben in hellen Tönen. Der Rücken dagegen ist fast vollständig frei. Was auch ein versteckter Hinweis darauf ist, dass der alte Geist von Cruella nicht ganz verschwunden ist."

Auch Frisur Und Schminke Machen Leute

Eine Figur definiert sich nicht nur über Garderobe allein. Auch Frisur und Schminke machen Leute, vor allem solche wie Cruella de Vil. Dafür bediente sich die Produktion der Talente von Perückenmacher Martial Corneville und Make-up-Künstler Jean-Luc Russier, die gemeinsam auch schon Cruellas Look für 102 Dalmatiner kreiert hatten.

Wie Anthony Powell standen auch Corneville und Russier vor dem Problem, für die politisch korrekte Cruella einen sanfteren Look zu entwerfen. Corneville hatte mit der Motorradhelm-Frisur eine besonders knifflige Aufgabe zu bewältigen. Powell: "Ich wollte Martial nicht zu sehr festlegen. Ich wusste ja, dass er meine Entwürfe jedes Mal viel besser ausarbeitet, als ich mir das je hätte vorstellen können. Dazu kam dann noch Jean-Lucs fabelhaftes Make-up, das so präzise gefertigt ist wie ein Miniatur-Gemälde."

Nach ihrer Freilassung trägt Cruella in jeder Szene ein neues Kostüm, und jedes treibt ihre politische Korrektheit weiter auf die Spitze. Wenn Ella im Rampenlicht der Medien am Hundeheim Second Chance aus ihrem Wagen steigt, trägt sie die vielleicht politisch korrekteste Version eines Pelzmantels, gefertigt aus Schaumstoff, schwarz gestreiftem Mülltonnen-Plastik und recycelten Einkaufstüten des Hauses de Vil. Selbst als Pflegerin im Hundesalon kann sich Cruella nicht mit einem weißen Kittel begnügen. Die trägt ein hautenges Kleid, dessen Knöpfe aus Hundekuchen bestehen, die nach unten spitz zulaufen; dazu schwarze Handschuhe und eine goldene Brosche in Form zweier Hunde, die sich Küsschen geben.

Kurz darauf erklingen die Glocken von Big Ben und die Verwandlung zurück in die alte Cruella beginnt. Powell: "Ursprünglich sollten bei Cruellas Rückkehr nur vereinzelte, steil aufgestellte Haarsträhnen zu sehen sein. Aber dann dachte ich mir, es sei doch viel aufregender, wenn sich auch ihre Garderobe entsprechend verändert. Also fingen wir mit einer extrem übersteigerten Version eines Chanel-Kostüms mit passendem Schmuck an. Dann beginnt die Verwandlung, und als Erstes springen die Schulterpolster in die Höhe. Zuletzt ist das gesamte Kostüm von glitzernden Perlschnüren bedeckt. Für diese eine Szene haben wir drei komplette Kostüme angefertigt."

Aber nicht nur das Kostüm verändert sich, sondern auch alle anderen Accessoires. Das goldene Armband, besetzt mit fein gearbeiteten kleinen Hunden und Herzen, wird zu einem Arrangement schwarzer Folterinstrumente. Sogar die Schuhe glühen plötzlich, als ob sie vom Bösen besessen wären. Natürlich kann Cruella ihr wahres Ich nicht einfach der Welt entgegenschleudern, also mußs sie sich verstellen. Speziell in der Szene, in der Cruella den Heimleiter Kevin des Hundediebstahls bezichtigt, war einige Finesse von Anthony Powell gefordert. "Das Geheimnis ihrer schwarzweiß gepunkteten Garderobe ist, dass die Innenseite des Umhangs mit Zebrafell ausgekleidet ist. Nach außen sah es aus, als ob alles aus künstlichem Material gefertigt sei. Und dann war da diese wunderbare Perücke, die beinah wie eine Kopfbedeckung mit Mickmaus-Ohren aussah. Es scheint immer noch ein ganz normales extravagantes Outfit zu sein, aber man ahnt bereits, dass gewisse Dinge nicht mehr so sind, wie sein sollten."

Auch Die Anderen Wollen Passend Angezogen Sein

Anthony Powell entwarf auch die Kostüme für alle anderen Figuren im Film, darunter auch die des unverwüstlichen Jean-Pierre LePelt, dessen Garderobe Powell als eine Mischung aus Karl Lagerfeld, John Galliano und Jean-Paul Gaultier beschreibt. Wie Cruella ist auch LePelt unbeschreiblich eitel und erscheint ständig in Pelzgarderoben. Gleich sein erster Auftritt während einer Modenschau im Londoner Untergrund verdeutlicht dies nachhaltig. Auch die Models sind in Pelz gekleidet. Cruella de Vil genießt das Spektakel als Zuschauer, obwohl sie doch offiziell gar nicht anwesend sein dürfte. Dazu Powell: "Der Kniff dieses Kostüms ist es, dass Cruella ganz sie selbst sein kann, weil niemand sie in diesem Outfit erkennt. Also zog ich ihr ein fabelhaft geschneidertes Kleid an, auf dessen Rückenpartie sich ein Drache nach unten schlängelt. Alles ist besetzt mit Perlschnüren und Stickereien. Als Beigabe lieferte ich einen gewaltigen Muff in Form eines Drachens."

Die aufregendste Garderobe trägt Cruella jedoch am Abend des Dinner-Party, zu der auch Hunde geladen sind. Nicht von ungefähr schwärmt auch Glenn Close von jenem roten Kleid: "Das ist eines der großartigsten Kostüme, die ich je getragen habe." Anthony Powell war während einer früheren Zusammenkunft von Regisseur Kevin Lima angehalten worden, ein wirklich abgedrehtes Kostüm für diese Szene zu entwerfen. Powell erinnert sich noch gut an Limas Vorschlag: "Stell dir vor, der Teufel trifft auf die Folies Bergères." Und genau daran hat er sich dann auch mit dem größten Vergnügen gehalten. Powell: "Das ist ganz ohne Frage das glamouröseste Kleid, das ich je entworfen habe. Das Muster besteht ausschließlich aus Flammen, die mit Juwelen besetzt sind. Im Grunde handelt es sich um ein Futteralkleid mit einem gewaltigen Überrock, der seinerseits mit Juwelen und gefärbten Straußenfedern besetzt ist. Den Abschluss oben bildet eine Art elisabethanisches Schultertuch. Das ganze Kostüm tanzt und flackert, als ob es lebendig wäre."

Cruella de Vil ist also wieder sie selbst in allem dämonischen Glanz und Gloria. Dazu gehören selbstverständlich auch die gezackte Frisur, die dunklen Lippen, falsche Wimpern und natürlich Pelze. Folgerichtig wirft sie sich einen gewaltigen schwarzroten Pelzmantel über, wenn sie mit LePelt in den Zug nach Paris steigt. Ihr Hut schließlich ist mit den Borsten von Stachelschweinen besetzt, als deutlicher Hinweis, dass das leibhaftige Böse zurück gekehrt ist.

Die Bauten

Mit dem Ausstatter Assheton Gorton konnte eine weitere Kreativkraft des ersten Teils für die Fortsetzung gewonnen werden. Für die neue Aufgabe mußsten nicht nur Lebensräume geschaffen werden, die Cruella und den anderen Figuren angepasst sind. Sie sollten auch so gestaltet sein, dass Welpen gefahrlos darin herumlaufen können. Dazu Gorton: "Wenn man mit so kleinen Geschöpfen zu tun hat, mußs man sehr aufpassen, dass die Tiere sich nicht irgendwo verletzen können. Gleichzeitig mußs aber auch gewährleistet sein, dass die Bauten aus jeder Perspektive gut aussehen; vor allem aber aus der Perspektive von Welpen."

Zum Glück mußsten nicht alle Bauten diesen Anforderungen entsprechen. Eine dieser Ausnahmen war das Hundeheim Second Chance, das vor Ort in London aufgenommen wurde. Gorton: "Es liegt auf der Hand, dass der Set zuerst und vor allem nichts anderes darstellen sollte als eben ein Hundeheim. Aber statt der Reihen von Käfigen fand ich es interessanter, eine Art Hundedorf anzulegen, dessen Hütten aus Altmetall gefertigt waren. Im Drehbuch gab es keinen direkten Hinweis darauf. Aber so deuten wir an, dass der Heimleiter Kevin nicht nur ein Hundefreund ist, sondern auch ein gelernter Bildhauer. Wie das eben so ist in einer Fantasie-Welt." Ein anderes Spaß-Projekt für Gorton war ohne Zweifel LePelts Modenschau. Das Drehbuch hatte die Vorgabe geliefert, dass LePelt seine Veranstaltung auf Grund der öffentlichen Ablehnung der Pelzmode im Londoner Untergrund stattfinden lassen mußs. Gorton machte dafür ein altes Bahngelände in Bishopsgate in London ausfindig, schön dunkel und muffig - der perfekte Schauplatz für LePelts Modenschau.

Die eindrucksvollsten Kulissen, Cruellas Anwesen und das Pariser Backhaus, entstanden in den Shepperton Studios. Für die Innenausstattung des Anwesens wurden Erinnerungsstücke der Familie de Vil angefertigt, darunter auch zahlreiche Ahnenporträts in Öl. Gorton: "Diese Porträts waren bereits im Drehbuch erwähnt. Also machte ich mir einige Gedanken über Cruella. Ich fand es schon immer seltsam, dass sie ihre Karriere, ihr ganzes Leben der Kreation eines einzigen Pelzmantels zu opfern bereit ist. So kam ich zu dem Schluss, dass sie das letzte Glied einer langen Reihe merkwürdiger Obsessionen ist, und entwarf dieses Schattenreich aus Gewölben und Gallerien. Das Haus ist voller alter Steine, die mit echten Inschriften versehen waren." Unermüdlich arbeitete sich Gorton in das Geheimnis der Familie de Vil ein. Jeder Zweig von Cruellas Familie wurde mit je acht Porträts repräsentiert. Das älteste reicht zurück ins 15. Jahrhundert und bewacht die Tür zum geheimen Raum, in dem Alonzo die Pelze aufbewahrt. Alle Porträts zeigen Frauen, weil es eine sehr matriarchalische Familie ist, und immer ist deren Haar schwarz und weiß. Sogar die Höhlenmalereien im Innern des geheimen Raums tragen dem Rechnung.

Jedes Element in Cruellas Landhaus bezieht sich auf diese Obsession, u.a. ein dreiköpfiger Hund, der den Dinnertisch ziert. Gorton: "Wo immer es mir möglich war, gab ich Hinweise auf die Faszination der Familie de Vil für Tiere und ganz besonders Hunde. Nach meiner Vorstellung erhofft sich Cruella mit dem Dalmatiner-Mantel die Macht im Hundereich. Warum sonst sollte sie dafür so viele Risiken eingehen wollen?"

Weniger mystisch, aber mindestens ebenso effektvoll ist die Kulisse des Backhauses. Ursprünglich war im Drehbuch eine kleine Konditorei vorgesehen; ein einziger kleiner Raum, wo einige Maschinen aufgereiht stehen. Regisseur Kevin Lima wollte mehr: "Gemäß der Struktur des Films lag es auf der Hand, dass das Backhaus als Kulisse des Höhepunkts überwältigend sein müsste. Ein Monstrum, das Cruella genau so verschlingen würde, wie sie es auch verdient hat." Also machten sich gut 160 Handwerker an die Arbeit. Das Backhaus wuchs und reichte zuletzt über mehrere Stockwerke bis an die Decke der größten Halle in den Shepperton Studios. Dazu Gorton: "Das Backhaus wurde sehr komplex und ist nahezu ein Schlachtfeld für Cruella. Es handelt sich ja hier um ein Märchen mit intelligenten Hundebabies. Es hat also einen symbolischen Charakter, wenn Cruella durch die Eingeweide des Gebäudes immer tiefer hinab fährt und schließlich im Ofen landet, der auch das Tor zur Hölle sein könnte."

Die Visuellen Effekte

The Secret Lab (TSL), das Disney Studio für digitale Produktion, erhielt den Auftrag zur Gestaltung des schneeweißen Dalmatiner-Babys Nullpunkt. Ein Projekt, dessen Umsetzung 18 Monate in Anspruch nehmen sollte.

In den meisten der insgesamt 345 visuellen Effektaufnahmen im Film ist Nullpunkt entweder ein gänzlich Computer-generiertes Trickwesen oder ein echtes Tier, dessen Fleckung digital aus dem Fell entfernt wurde. Um einen weißen Dalmatiner zu kreieren, wurden vor der eigentlichen Produktion zunächst einmal diverse praktische Möglichkeiten ausgetestet. Welpen wurden eingepudert, sogar weiße Anzüge wurden ausprobiert. Man überlegte auch, es mit einem weißen Hund anderer Rasse zu versuchen, aber kein Ansatz führte zu befriedigenden Ergebnissen. Während die Trickspezialisten Jim Rygiel und Dan DeLeeuw in London mit Regisseur Kevin Lima mit den Dreharbeiten beschäftigt waren, entwickelte das Effekt-Team in Kalifornien einen digitalen Welpen. Arbeitsproben wurden täglich in London überprüft und anschließend verbessert. TSL's Computer-Hündchen kommt vor allem in der Szene im St. Pancras Bahnhof zum Einsatz, wenn Nullpunkt vom Papagei Daedalus aufgegriffen und im Post-Waggon des Orient Express abgesetzt wird.

Monster oder Saurier aus dem Computer erlauben allerlei künstlerische Freiheiten. Bei einem Hund allerdings würde schon der leiseste Anflug von Künstlichkeit vom Publikum bemerkt, und die Illusion wäre zerstört. The Secret Lab schuf einen absolut glaubwürdigen Welpen, der nicht nur als Double bei Nullpunkts haarsträubendsten Szenen einsprang, sondern zahlreiche mimische Ausdrücke in den Nahaufnahmen erlaubte.

Da Nullpunkt keinerlei Fleckung im Fell aufweist, wollte man ursprünglich die Punkte der echten Welpen übertünchen. Insgesamt kamen zehn Jung-Dalmatiner zum Einsatz, was im schnellen Wachstum der acht bis zehn Wochen alten Welpen begründet lag. Da aber kein Dalmatiner dem anderen wie ein Ei gleicht, wurden für die Welpen wie auch den digitalen Hund Markierungen festgelegt für Körperform, die schwarze Nase und die Pigmentierung um die Augen. Die Retusche der Fleckung erwies sich als ausgesprochen mühselig. Trotz fortgeschrittener Automatisierungsvorgänge mußsten die Digital-Künstler oftmals Bild für Bild von Hand bearbeiten. Einige Welpen waren so stark gefleckt, dass man sich schließlich entschied, sie komplett durch den digitalen Hund zu ersetzen. In anderen Szenen, vor allem im Backhaus, kamen gefleckte Digital-Hündchen zum Einsatz, um den Eindruck von 102 Dalmatinern im Bild zu erreichen. Weil dabei aber auch viele echte Hündchen im Bild waren, mußste Jim Rygiel für eine saubere Bildkomposition Elemente aus verschiedensten Einstellungen zusammenfügen.

Wenngleich der Sicherheit der Hunde höchste Priorität zukam, so war Rygiel doch darauf bedacht, dass die Spannung nicht zu kurz kommt. "Der Einsatz von Kabeln oder Netzen war ausgeschlossen. Also installierten wir etwa 18m große Rampen, die aus den Gängen herausragten, auf denen die Hunde entlang liefen. Die Rampen waren grün gestrichen, damit sie später leicht aus dem Bild retuschiert werden konnten. Unter jeder Rampe standen Tiertrainer, pro Hund einer. Für jede Szene mußsten diese Rampen neu justiert werden. Es war Knochenarbeit, aber das Resultat ist einfach umwerfend. Es sieht wirklich so aus, als ob die Welpen in schwindelnder Höhe auf dünnen Balken ein Ballett aufführen würden."

Neben den Arbeiten am digitalen Nullpunkt verlieh The Secret Lab dem Ara Daedalus seine hinreißende Sprachfertigkeit. Auf digitalem Wege wurde das Krächzen des Vogels durch ein künstliches Klangmuster ersetzt, mit dem es möglich war, die von Eric Idle gesprochenen Dialogsätze in der Stimme des Vogels zu artikulieren.

Dirk Jasper FilmLexikon
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