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Kein Film ohne Regisseur und Autor, aber auch keiner ohne Produzenten. Im Falle von Ein todsicheres Geschäft fanden sie sich beim Filmfest Lünen, wo die Münchner Produzenten Jakob Claussen und Thomas Wöbke von M.X. Obergs erstem Langfilm "Unter der Milchstraße" auf Anhieb begeistert waren.
Der Regisseur und sein Co-Autor Tim Dabringhaus schrieben zu dieser Zeit - inspiriert durch den Bruder von Tim Dabringshaus, der als Bestatter in Lübeck arbeitet - bereits am Drehbuch zu Ein todsicheres Geschäft. Da die Autoren und Produzenten sich darüber einig waren, dass die Story noch einen besonderen Kick brauchte, wurde die Handlung nach England verlegt, um so den Leidensdruck auf den Helden zu erhöhen: kein Geld, keine Freunde, als Fremder in einem fremden Land. Hugos Traum vom eigenen Beerdigungsinstitut scheint in dieser Umgebung noch unmöglicher realisierbar zu sein. Also schickten die Produzenten Oberg und Dabringhaus auf Reisen, um einen geeigneten Schauplatz für ihre Geschichte zu finden.Als die beiden in dem walisischen Küstenort Aberystwyth fündig wurden, passten sie die letzte Drehbuchfassung der neuen Location an.
Das Drehen im Ausland stellte eine neue Herausforderung für die Produzenten dar. In englischer Sprache und in Großbritannien zu drehen, wenn auch im Low-Budget-Bereich, bedeutete erstmals eine Chance, sich auch auf dem Weltmarkt einen Namen zu machen. Allerdings war damit auch die mühselige Aufgabe verbunden, das Budget jenseits der gewohnten Finanzierungswege auftreiben zu müssen. Die Filmförderungen in Deutschland sind stets an einen vorgegebenen Regionaleffekt geknüpft, und diesen bei einem kompletten Auslandsdreh zu erreichen, ist recht kompliziert. So stammten circa 60 Prozent des Teams aus Deutschland. Auch für sie waren die Dreharbeiten in der fremden Umgebung und Sprache, die Konfrontation mit der ungewohnten Mentalität der Waliser, ein einmaliges Erlebnis.
"Auch wenn viele unserer vorherigen Kinoproduktionen auf internationalen Festivals gezeigt und ins Ausland verkauft wurden, existieren unsere und der deutsche Film im allgemeinen im Ausland nicht. Das hört eigentlich bei Fassbinder auf", mußste Claussen immer wieder feststellen. So war es oftmals hilfreich, auf die Oscar-Nominierung für Jenseits der Stille verweisen zu können, die dann wie ein Türöffner funktionierte. Besonders das Casting in London und die Kontaktaufnahmen zu den diversen Agenturen wurden dadurch sehr vereinfacht.Um sich und ihre Arbeit vorzustellen, organisierten Claussen und Wöbke dann eine Vorführung von Jenseits der Stille mit englischen Untertiteln in Aberystwyth, die begeistert aufgenommen wurde.
Da Aberystwyth eine Studentenstadt mit eigener kleiner Film- und Kunsthochschule ist, konnten vor Ort zahlreiche Studenten als Komparsen, Absperrer, Video-Operatoren oder Fahrer rekrutiert werden. Der Großteil der Schauspieler stammte aus London. Als lokale Berühmtheit entpuppte sich Sue Jones Davis, die die Kollegin der Krankenschwester Mary-Boo spielt. Seit sie 1975 in dem Monty-Python-Film "The Holy Grail" mitgewirkt hatte, kennt sie jeder in ihrer Heimatstadt Aberystwyth.
Der große Star des Films aber ist natürlich Ben Gazzara. Er war von Anfang an Obergs Wunschkandidat für die Rolle des Jim Lagota. Doch nachdem sich sein Agent lange Zeit nicht auf die Anfrage der Produzenten rührte, suchten sie bereits nach einem Ersatz und gingen gedanklich das ganze Repertoire amerikanischer Darsteller in dieser Altersklasse durch. Aus heiterem Himmel kam dann plötzlich ein Anruf von Gazzara: What´s up? Was los sei, wollte er wissen und wann die Dreharbeiten endlich beginnen würden. "Ich glaube, er hat die Dreharbeiten und vor allem die Zusammenarbeit mit Thomas Schmauser sehr genossen", so Claussen. "Da die Waliser ein sehr trinkfreudiges Volk sind, konnten sie ihm unendlich viele Ausdrücke für betrunken sein' beibringen. Am Ende der Dreharbeiten konnte er ungefähr 40 neue Ausdrücke wie hammered und trollied mit nach Hause nehmen."
Thomas Schmauser, der bereits in der Claussen+Wöbke-Produktion Nach fünf im Urwald mitgespielt hatte, stand ebenfalls früh als Idealbesetzung für Hugo fest. "Er ist vorher noch nie in England gewesen. Vielleicht rührt daher die natürliche Naivität, die er in die Rolle einfließen lässt. Durch seine Tätigkeit am Theater arbeitet Thomas zudem sehr diszipliniert, was für einen Dreh unter solch eigenen Bedingungen essentiell war. Außerdem brachte er genau das richtige Maß an großen Enthusiasmus und zudem den notwendigen deutschen Akzent mit", erklärt Claussen.
Die Dreharbeiten in Wales umfassten 40 Drehtage, wobei der Spätsommer mit seinen Wetterumbrüchen oft den Drehplan durcheinander wirbelte. Innerhalb von Minuten konnte sich ein sonniger Tag in einen wahren Sturm verwandeln, der meterhohe Wellen über das Pier peitschte. "Bei einem Spaziergang hätten wir fast unseren Oberbeleuchter verloren, der auf dem Kai plötzlich von einer riesigen Woge erfasst und beinahe ins Meer gespült worden wäre", erinnert sich der Produzent noch heute mit Schrecken. Da die Stadt nicht sehr groß ist, konnten die Motive jedoch sehr flexibel disponiert werden. "Eigentlich funktionierte der ganze Ort wie ein kleines Studio. Mit kurzer Vorwarnung konnten wir die Motive wechseln. Zudem hatten wir in der örtlichen Drillhall ein echtes Studio, in dem wir Hugos Institut gebaut hatten, das wir jederzeit als Cover-Set einsetzen konnten."
Die Fertigstellung
fand dann komplett in Deutschland statt, wobei der Filmmusik
besondere Aufmerksamkeit geschenkt wurde. In die walisische Provinz
und Aberystwyth wird nur sehr wenig Geld investiert. Daher scheint
die Zeit dort stehengeblieben zu sein. Der Ort erinnert an die 70er
und 80er Jahre. "Diese Zeitlosigkeit sollte sich auch in der Musik
widerspiegeln und ich finde, Niki Reiser hat einen wunderbaren
Soundtrack im britischen Retro-Stil geschaffen," so Claussen, "das
größte Lob und mein ganz persönlicher Dank aber
gebührt natürlich M.X. Oberg und Thomas Schmauser
für ihren Mut, sich auf dieses Abenteuer mit uns einzulassen
und in einer fremden Sprache zu inszenieren und zu
spielen."
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