|
|
"Hell ain't a bad place to be!" - AC/DC
Stell dir vor, dein Vater ist der Teufel und deine Mutter ein Engel - da hättest du auch einen an der Waffel!Andere Leute sagen auch "Fegefeuer" dazu, "Hades", "Schattenreich", "Ort der Verdammnis" oder "Kerker der ewigen Finsternis" - doch für Little Nicky, Adam Sandlers neuestes komödiantisches Alter ego, ist die Hölle einfach nur das elterliche Wohnzimmer. Allerdings ruht auf Nickys eingefallenen Schultern hier nicht nur die ganze Verantwortung für Satans unermessliches Reich, sondern er mußs mit der Hölle gleichzeitig auch die Welt retten - samt Fried Chicken, schüchternen Modestudentinnen und rückwärts abzuspielenden Chicago-Alben.
"Little Nicky hat irgendwie Angst vor dem Bösen", sagt Sandler über seine Figur. "Menschen zu quälen macht ihm nicht wirklich Vergnügen. Er überlässt solche Sachen lieber seinem Vater, da hat er seinen Frieden und kann die Musik in seinem Zimmer wieder aufdrehen." Regisseur Steven Brill fügt hinzu: "Nicky bleibt am liebsten in seinem Zimmer, weil er jedesmal, wenn er einen Fuß nach draußen setzt, von seinen Brüdern aufs Grausamste gequält wird." So erinnert sich Sandler, "dass Nicky vor ein paar tausend Jahren einmal von seinem Bruder Cassius eine Schaufel ins Gesicht gedonnert bekam, weil der das so ulkig fand. Seitdem konnte er nie wieder normal laufen oder sprechen."
Für Sandler war der Film die willkommene Gelegenheit, das kosmische Gleichgewicht zwischen Himmel und Hölle neu auszurichten und mit einem gewissen Extra zu versehen. Brill sah in der Hölle "im Grunde genommen das Konzept, dass die bösen Menschen dort eingekerkert sind und der Teufel als Chefwärter auftritt. Seine Aufgabe ist es, die Sünder zu bestrafen und die Balance zwischen Gut und Böse zu bewahren." Denn zwischen diesen beiden Polen bewegt sich das Leben der Menschen oben auf der Erde, und "ein Großteil des Spaßes in diesem Film", so Brill, "besteht darin, dass man Little Nicky zusieht, wie er beginnt, die Merkwürdigkeiten und Wunder des menschlichen Daseins zu erkunden."
Dämonologie 101: Eine teuflische Familie"Um den Himmel wirklich schätzen zu können, schadet es nicht, einmal für fünfzehn Minuten die Hölle erfahren zu haben." - Will Carleton
Von Anfang an war dieser Film für Regisseur Steven Brill "eine Wucht, weil du so viele Wahnsinnsfiguren im Drehbuch hast, die du mit den tollsten Schauspielern besetzen konntest." Einer der ersten, der zusagte, war Harvey Keitel - der niemand geringeren als Satan selbst spielen wollte. "Wenn man sich Harveys Karriere so anschaut," sagt Brill, "dann kriegt er nicht besonders viele Gelegenheiten, in einer Komödie mitzumachen, obwohl er das wirklich gerne tut. Er hat diesen unglaublichen Humor, den man nur so selten zu sehen bekommt. Wir hatten riesiges Glück, dass er mitspielte." Auch Sandler lobt seinen Filmpapa: Man sieht in ihm wirklich dieses Idealbild eines Familienvaters von Long Island, der, auch wenn er einem schwierigen Beruf nachgeht, doch immer zuerst an seine Familie denkt."
Als Little Nickys ältere, rauflustige Brüder wurden zwei Schauspieler engagiert, die sich voneinander unterscheiden wie Himmel und Hölle. Rhys Ifans, der mit seiner Darstellung des Zimmergenossen von Hugh Grant in Notting Hill das Kinopublikum weltweit vor Lachen zusammenbrechen ließ, spielt Adrian, den drahtigen, hinterhältigen Blonden. "Spike in Notting Hill war ja ein bisschen ein Softie," sagt Ifans. "Deshalb habe ich mich gefreut, diesmal jemanden zu spielen, der einen wirklich abgrundtief schlechten Charakter hat. Es ist so unglaublich erleichternd, das Böse aus sich herauszulassen. Mir hat besonders Adrians präziser Sinn für Bösartigkeiten gefallen. Er ist der selbstsüchtige, intelligente Bruder, für den Little Nicky nicht mal den Müll rausbringen durfte."
Auch die anderen Kollegen, mit denen ihn die Produktion zusammenbrachte, waren für Ifans ein Grund, sich auf den Part zu freuen. "Dies ist vermutlich der einzige Film der Welt, der mich, Tiny Lister und Adam Sandler als Brüder zusammenbringt," schmunzelt Ifans. "Das allein ist schon ein Riesenspaß. Und dann sind wir auch noch Teufel, in einer ganz alltäglichen Umgebung. Wir reden miteinander wie andere Brüder auch, nur dass uns eben Hörner aus der Stirn wachsen."
Ähnlich ging es Tiny Lister, dem die Idee, Cassius, den anderen Bruder von Adam Sandler, zu spielen, mächtig gefiel. Wie Adrian will auch Cassius die Familiengeschäfte übernehmen, und er ist mehr als gewillt, dafür seine Bösartigkeit unter Beweis zu stellen. "Cassius möchte unbedingt über die Hölle herrschen", sagt Lister über seine Figur. "Aber er will nicht abwarten, bis er an der Reihe ist." Letztlich gefiel Lister dann - trotz seiner Rolle - vor allem der Sieg des Guten über das Böse in dem Film: "Ich bin zwar der Bösewicht, aber mir gefällt sehr, dass das Herz des Films in Adams Little Nicky schlägt. Ihm geht es nur darum, ein bisschen Spaß zu haben und alles zu tun, damit die Welt ein wenig netter wird. Klar, er ist ein Teufel - aber er ist auch der Held." Steven Brill sagt über seinen Darsteller: "Tiny Lister hat ein phantastisches Timing für Gags und ist allem Neuen gegenüber aufgeschlossen. Er ist toll, weil er seine beeindruckende Physis für die Rolle nutzen, aber auch komplett dagegen anspielen kann. Letztlich reflektieren alle drei Brüder ihren Vater: Man sieht Harveys Kraft in Tiny, seine Verschlagenheit in Rhys und seine Liebenswürdigkeit und Albernheit in Adam."
"Die Hölle, das sind die anderen" - Jean-Paul SartreNur einer steht zwischen den Söhnen des Teufels und der Menschenwelt - und das ist unglücklicherweise der penible Torwächter, gespielt von "Saturday Night Live"-Veteran Kevin Nealon, der zuvor neben Adam Sandler bereits in "Happy Gilmore" zu sehen war. Sandler hatte Nealon von Anfang an für die Rolle im Sinn: "Man kann sich vorstellen, wie peinlich und erniedrigend das für mich war," scherzt Nealon. "Aber, na gut, da hat er in mir eben die ganze Zeit den Torwächter der Hölle gesehen." Nealon beschreibt seine Figur als "eine Art Türsteher für einen irre angesagten Club, nur dass die Leute eher widerstrebend hineingehen und niemals wieder hinaus."
Im Film wird der Torwächter von Satan mit einem Fluch belegt, weil er seine rebellischen Söhne entkommen lässt - was zur Folge hat, dass er statt einem Hut nur noch einen BH tragen kann. "Auch das war eine höchst interessante Erfahrung," sagt Nealon. "Denn natürlich hatte mir vorher niemand gesagt, dass ich die meiste Zeit mit Brüsten auf dem Kopf herumlaufen mußs."
In der weiblichen Hauptrolle von Little Nicky ist Patricia Arquette als unhippe Modestudentin Valerie zu sehen, eine unkonventionelle New Yorkerin, die dem Satansbraten Nicky das eine oder andere über die Feuer der Liebe beibringt. "Patricia ist eine wunderbare Teamworkerin," sagt Brill. "Sie ist witzig, sie sieht toll aus, und vor allem verwandelt sie jedes Filmset in den schönsten Ort der Erde." Arquette selbst war schon beim Lesen des Drehbuchs begeistert von ihrer Rolle. "Valerie ist sehr selbständig, sie ist eine wundervolle, optimistische und aufgeschlossene Person, die ihren ganz eigenen, sagen wir mal: ?kreativen' Stil besitzt," sagt sie. "Ich fand den Humor der Geschichte hinreißend, und die Mischung aus Komödie und Fantasy schien mir ein Riesenspaß zu werden." Die Zusammenarbeit mit Sandler gab ihr zudem die Gelegenheit, ihren halbwüchsigen Sohn zu beeindrucken: "Ich habe zu Hause enorm Punkte gesammelt, weil ich mit Adam diesen Film gedreht habe," lacht Arquette.
"Die Hölle, das sind wir selbst" - Thomas Stearns EliotDer Rest der Besetzung setzt sich zusammen aus einer einzigartigen Mischung von Comedy-Helden, Rock-Legenden und bekannten Gesichtern der Popkultur. Peter Dante und Jonathan Loughran, zwei alte Sandler-Spezln, tauchen wieder auf als Little Nickys Headbanger-Groupies, die ihre Death-Metal-Phantasien endlich wahr geworden sehen und ihrem neuen "Meister" durch Manhattan folgen, in der Hoffnung, dass er so richtig das Böse herauslässt. Daneben sind Henry Winkler, Quentin Tarantino, Dana Carvey, Jon Lovitz, Michael McKean, Reese Witherspoon und Sandlers Comedy-Vorfahr Rodney Dangerfield in Gastauftritten zu sehen.
Für Sandler wurde mit der Zusammenarbeit mit Dangerfield, der den mürrischen Opa Luzifer spielt, ein Traum wahr. "Er ist der, von dem zu sprechen ich während meiner Kindheit nicht müde wurde!" schwärmt Sander. "Ich hab alle seine Gags und seine Platten auswendig gelernt und absolut alles angeschaut, wo er aufgetreten ist."
In der Rolle des Chefdämons Jimmy ist Blake Clark zu sehen, der mit Sandler bereits in Waterboy gespielt hatte. "Mir gefiel das Projekt, weil es einerseits eine böse Komödie und eine wilde Fantasy-Geschichte ist, aber andererseits eben auch ein großes Herz hat," sagt Clark. "Ich glaube, Adam wird in seinen Filmen immer mehr zu einem Jederman, einem grundanständigen, liebenswürdigen Typen, der in komische Situationen gerät. Er ist ein Underdog, ein wundervoller und enorm großzügiger Mensch. Selbst hier ist er der Sohn des Teufels - und er will trotzdem immer nur das Richtige tun."
Clark vergleicht seinen eigenen Part mit der Rolle von Robert Duvall in THE GODFATHER: "Er kommt gleich nach dem Teufel, auch wenn er nicht mit ihm verwandt ist. Er ist treu und loyal und fest in die Familie eingebunden. Und als der Teufel beginnt, sich aufzulösen, bin ich derjenige, der erkennt, dass das Universum zerbrechen wird, wenn das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse gestört wird." Weniger spaßig an der Figur des Chefdämons allerdings war für Clark die tägliche, zweieinhalbstündige Prozedur des Make-up-Auftragens, bei der ihm eine Kopfmaske und Hörner aufgeklebt und schneeweiße Kontaktlinsen eingesetzt wurden. "Ich war gern mit den anderen Schauspielern zusammen," erinnert sich Clark. "Aber ich konnte es nie erwarten, aus diesem Gummiding rauszukommen, um mich erstmal gründlich am Kopf zu kratzen."
Ein anderer Darsteller, der sich gern und viel kratzte, war die sprechende Bulldogge Mr. Beefy, dessen Lippenbewegungen von den Effekte-Spezialisten bei Rhythm & Hues, die schon an BABE: PIG IN THE CITY arbeiteten, digital synchronisiert wurden. Im Gegensatz zu seinen zweibeinigen Kollegen allerdings brauchte Mr. Beefy einen Trainer: Steve Berens. Der hatte zuvor bereits solche Berühmtheiten wie Milo, Jim Carreys Hund in THE MASK, dressiert und arbeitete bei Little Nicky mit drei verschiedenen Bulldoggen, um die Mimik zu bekommen, die Mr. Beefy in eine Reihe mit den anderen Starkomikern des Films stellen: "Ich hatte den Eindruck, als habe es den Hunden eine Menge Freude gemacht, mit Adam Sandler zu arbeiten," sagt Berens. "Mir schien, die hatten genauso viel Spaß wie er."
Schöner wohnen: das höllische Design von Little Nicky"Wenn man sich die Bilder so anschaut, sieht die Hölle weitaus interessanter aus als dieser andere Ort." - Altes japanisches Sprichwort
Die Welt, die für Little Nicky geschaffen wurde, erstreckt sich wie eine Art infernalische Tour durch die Hallen des Himmels und der Hölle - von New York gar nicht zu sprechen -, und bietet einen ganz neuen, überraschenden und höchst amüsanten Look dieser über- und unterirdischen Plätze. "Wir wollten eine visuelle Verrücktheit, die Little Nickys merkwürdigem Charakter entsprechen," erklärt Steven Brill. "Dafür haben wir praktisch alle bekannten Techniken genutzt, von Masken und künstlichen Aufbauten über Matte-Paintings zu computergenerierten Höllenlandschaften. Wir haben dabei stets nur das Beste vom Besten verwendet."
Gemeinsam mit dem Produktionsdesigner Perry Blake, der bei fast allen Adam-Sandler-Filmen mitgearbeitet hatte, begann Brill mit den ersten Entwürfen für die Ausstattung. Beide waren sich einig, dass sie einen unheimlichen, realistischen Look wollten, der in scharfem Kontrast zu Little Nicky stehen sollte. " Adam Sandler mitten in einer grimmigen Höllenvision - das macht die Sache nur noch komischer," sagt Blake. Und Brill ergänzt: "Wir wollten die Hölle dunkel und surreal, nicht so einen rotlackierten Faschings-Teufelchen-Look. Dafür haben wir uns erstmal angesehen, wie die großen Künstler der Welt die Hölle dargestellt haben, mit all ihren verschiedenen Ebenen und Kammern."
Dabei ließen sich Blake und Brill vor allem von den eindringlichen Visionen des Renaissance-Malers Hieronymus Bosch oder von Dantes "Inferno" inspirieren. "Ich bin in etliche Buchläden gegangen und habe gefragt, ?Wo habt Ihr Eure Teufels-Abteilung?'," erinnert sich Blake. "Dabei habe ich mir viele scheele Blicke eingefangen, und ich habe noch mehr seltsame Bücher gesehen. Schließlich habe ich dann einen Eindruck darüber bekommen, wie viele verschiedene Interpretationen der Hölle es in den verschiedenen Kulturen gab. Wir sind dennoch vor allem bei den westlichen Vorstellungen geblieben, weil unser Publikum damit am vertrautesten ist. Für mich war das ganze eine unglaubliche Erfahrung. Ich meine, wie viele Leute bekommen schon die Gelegenheit, ihre ganz persönliche Version der Hölle entstehen zu lassen?"
Im Film verwandelte Blake seine Hölle schließlich in einen ziemlich schwarzhumorigen Ort voller menschlicher Spickerscheiben, geiler Amseln und Mobiliar, das aus verlorenen Seelen gezimmert wurde. "Mir lag daran, dem Zuschauer das Gefühl zu vermitteln, dass er hier in eine wirklich fremdartige Atmosphäre versetzt wurde, in eine völlig verrückte Welt, mitten in Satans Palast," sagt der Produktionsdesigner.
Was den Himmel angeht - da ließen sich Brill und Blake sogar noch abgefahrenere Dinge einfallen. "Der Himmel ist schon in so vielen Filmen mit haufenweise weißen Wölkchen und weißen Zimmern dargestellt worden," erklärt Brill. "Davon wollte ich mich radikal entfernen, und so kam ich auf die Idee, dass der Himmel aussehen könnte wie das Innere eines Geburtstagskuchens. Ich dachte, jeder Tag im Himmel ist wie dein Geburtstag, nur dass du eben nicht älter wirst. Also haben wir jede Menge Pastelltöne verwendet und Formen und Oberflächen wie aus Zuckerguss. Es war ein Riesenspaß, da einmal etwas völlig Neues auszuprobieren."
Turnschuhe für den Pferdefuss: Was der moderne Teufel heute trägt"I'm a sharp dressed devil/ Gonna make the angels fall" - Luther T-Bone ("Sharp Dressed Devil")
Wie zum Teufel entwirft man eine Kollektion für Satan und seine Familie? Vor dieser Herausforderung stand Kostümdesignerin Ellen Lutter, und sie beantwortete diese Frage, indem sie versuchte, alles zu vergessen, was sie je gesehen hatte, und alle Klischees zu vermeiden. Sie betrachtete den Hades-Clan wie eine typische Familie aus der Unterwelt und bemühte sich, bei ihren höllischen oder himmlischen Entwürfen stets das Ungewöhnliche herauszuarbeiten. "Was mir an diesem Film so gefällt, ist, dass es eben nicht nur eine Komödie, sondern auch eine Fantasy-Story ist," sagt Lutter. "Das bedeutet, dass wir unsere eigene, einzigartige Welt mit ihrem eigenen Look entwerfen konnten. Das mag riskant sein, aber es ist vor allem der Traum jedes Designers."
Lutter begann zunächst mit der Garderobe von Little Nicky. Sie wusste, was immer sie ihm anziehen würde, an Sandler würde es komisch aussehen. So trägt Little Nicky in der Hölle eine lange schwarze Robe, die bedeckt ist mit Heavy-Metal-Stickern, dazu ausgebeulte Satin-Hosen und Sneakers aus geschliffenem Leder, deren Spitzen in Hörnern enden. "Es ist ein Outfit, nicht untypisch dafür, was Teenager heute gerne anziehen," erklärt Lutter.
Für seinen Ausflug auf die Erde steckte Lutter Sandler in Klamotten, die "der Inbegriff des Uncoolen" sind. Denn während Satan im Film meistens scharfe schwarze oder rote Sachen trägt, ist Little Nicky eher der Trottel des Hades. "Er schaut im Grunde immer aus wie ein bedepperter Junge," erklärt Lutter. "Und natürlich ist ihm, nachdem er direkt aus der Hölle kommt, die ganze Zeit furchtbar kalt. Deshalb trägt er vor allem Skikleidung und solche Daunenmäntel, wie man sie bei Woolworth kriegt. Das alles in fröhlichen, aufdringlichen Farben, um seinen Charakter zu betonen und seinen Kontrast zum sonstigen Stil der Hölle."
Für Harvey Keitel verwarf Lutter die bekannten bedrohlichen Portraits mit Heugabel und ähnlichem und kleidete ihn statt dessen, als wäre er "ein netter Familienvater, der zufällig eben die Geschäfte der Hölle leitet. Wir wollten, dass er eher liebenswert als furchterregend aussieht, deshalb haben wir ihm einen etwas romantischeren Look verpasst. Er trägt immer schlichtes Schwarz." Für Little Nickys Brüder hingegen konzentrierte sich Lutter darauf, deren Gegensätze herauszuarbeiten: "Cassius zeigt gerne seine mächtigen Muskeln und seinen riesigen Körper und trägt klobige Stiefel und Macho-Klamotten, während Adrian sich eleganter und schicker kleidet," sagt sie.
Bei dem Erdenmädchen Valerie zielte Lutter wiederum besonders darauf ab, dass sie zu Little Nickys eigenwilligem Geschmack passte. "Die beiden sollten wie ein Paar aussehen, was bedeutete, dass sie unglaublich unhip gekleidet sein mußste," sagt Lutter. "Ihre Klamotten sind ihrem Charakter entsprechend: eigenwillig, liebenswert und komisch, einschließlich dieser riesigen rosaroten Brille, wie manche Großmütter sie tragen. Das funktioniert hier vor allem, weil Patricia Arquette ihre Sache so lässig durchzieht. Sie hat keine Hemmungen, sie kommt aufs Set, um zu spielen. Es ist einfach wundervoll, sie anzuziehen."
Der Herr übers Lidschattenreich: das Make-up"In your red lips/ Blaze the fires of hell/ Gonna burn me to ashes/ That's what I can tell " - Shaky Robinson ("Angeline")
Eine der größten Herausforderungen des Films, die Masken, fiel dem Makeup-Spezialisten Howard Berger. Er verbrachte jeden Tag Stunden damit, im Fegefeuer verbrannte Seelen zu schminken, Latexmasken mit Hörnern aufzukleben, Statisten in krallenbewährte Ganzkörperkostüme zu stecken und dem Torwächter ein paar Titten aus dem Kopf wachsen zu lassen. "Ich glaube," sagt er, "ich habe bei dieser Produktion mehr Menschen geschminkt als in allen meinen bisherigen Filmen zusammen."
Besonders stolz ist Berger auf seine Arbeit an Harvey Keitel, dessen gutgeschnittenes, maskulines Gesicht er in ein gleichzeitig animalisches und väterliches Antlitz verwandelte. "Harvey zu schminken war wirklich schwierig," erinnert er sich, "weil seine Verwandlung sehrt subtil sein sollte. Sein Make-up bestand dennoch komplett aus Gelatine: Er hatte unter anderem ein künstliches Kinn, künstliche Wangen, sowie eine künstliche Nasenspitze, Hörner, Ohren und Fingernägel." Später, wenn der Teufel sich aufzulösen beginnt - was hauptsächlich mit Hilfe digitaler Spezialeffekte erledigt wurde -, baute Berger noch ein riesiges Model von Keitels Lippen.
Eine einzigartige Aufgabe bestand für den Maskenkünstler auch in den beiden zusätzlichen Körperteilen des bleichgesichtigen Torwächters: "Wir wollten, dass sich die großen Brüste auf seinem Kopf wie echte Brüste bewegten," erläutert Berger. "Also haben wir mit wassergefüllten Beuteln gearbeitet, was ziemlich schwer war. Ich meine, sowas macht man ja nicht jeden Tag, oder?"
Fegefeuer, Flugaktionen und Höllenfahrten: Die Spezialeffekte"Pleased to meet you/ Hope you guess my name/ But what's puzzling you/ Is the nature of my game" - Mick Jagger, Keith Richards ("Sympathy for the Devil")
Seine volle komödiantische Wirkung entfaltet Little Nicky nicht nur durch seine abgefahrenen Designs, sondern auch durch seine zahllosen Tricks, Effekte und Verwandlungen, die von John Sullivan bearbeitet wurden, dem Visual Effects Supervisor der Produktion. Sullivan benutzte stets die allerneueste Computertechnologie, um lodernde Infernos, flatternde Fledermäuse, in Flaschen tauchende Dämonen und jene höllische Feuerwand entstehen zu lassen, durch die Adam Sandler immer wieder zurück in den Hades purzelt, während er allmählich lernt, dass man in der Menschenwelt vermeiden sollte, mit fahrenden U-Bahnzügen oder Bussen in Berührung zu kommen. Sullivan fiel auch die ungewöhnliche Aufgabe zu, Adam Sandler den Hals umzudrehen - und zwar in einem exakten 360°-Spin.
"Wir hatten über 300 Einstellungen mit Spezialeffekten, was es in einer Komödie zuvor noch nicht gegeben hat," sagt Sullivan. "Aber natürlich haben wir es hier auch mit keiner typischen Komödie zu tun." Und nachdem er wusste, dass das Endresultat vor allem komisch sein mußste, waren seiner kreativen Freiheit keinerlei Grenzen mehr gesetzt. "Wir sind auf dem Gebiet der Spezialeffekte eigentlich keine solche Leichtfertigkeit gewohnt," sagt Sullivan. "Doch hier konnten wir einfach nur unseren Spaß haben. Statt Szenen wie die, in der Little Nicky vom Bus überfahren wird, besonders explizit zu machen, haben wir uns auf die größeren, detaillierteren Effekte konzentriert, um noch mehr Humor hineinzubringen."
So mußste Sullivan auch den schrittweisen Zerfall Satans darstellen, bis zu dem Stadium, wo vom Herrscher der Hölle nicht mehr als ein paar stinksauere Lippen übrig ist. "Von Anfang an haben wir uns gefragt, wie wir das mit den Lippen wohl hinkriegen würden," erzählt er. "Schließlich haben wir es so gemacht, dass wir Harvey Keitel auf Video aufgenommen haben und die Bänder dann als Blaupausen für die Computer-Animationen nahmen. Dadurch konnten wir, wenn nur noch sein Mund auf dem Boden liegt und spricht, seine Lippenbewegungen etwas übertreiben und die Sache so noch komischer machen."
Dennoch sind nicht alle Effekte in Little Nicky High-Tech - manche sind absichtlich einfach gehalten, um den Tonfall der Fantasy-Komödie zu treffen. So griffen die Filmemacher auf die überalterte Technik der Animatronik, also mechanisch bewegter Puppenteile, zurück, um eine der bizarrsten Gestalten des Films zu erschaffen: das affenähnliche Monster, das die Finger nicht mehr vom üppig ausgestatteten Kopf des Torwächters lassen kann. "Wir wollten, dass dieses Monster altmodisch ist und nicht computeranimiert, so ähnlich wie Chewbacca in STAR WARS," erklärt Steve Brill. "Es ist nicht schwer, mit High-Tech-Effekten rumzuspinnen, aber manchmal ist ein Typ im Ganzkörperanzug viel witziger."
Schließlich gehörten zu den übrigen Spezialeffekten noch der gute alte Trick mit den unsichtbaren Drahtseilen, an denen Adam Sandler hängt, wenn er fünfzehn Meter hoch schwebt, als ihn die "Magen-Schmetterlinge" befallen.
Promis im Fegefeuer oder: Wer ist sonst noch zur Hölle gefahren?"Die Grube ist bereit. Das Feuer ist geschürt. Der Ofen ist jetzt heiß." - Jonathan Edwards
Adam Sandler komödiantischer Abstieg in die Unterwelt ist nur die letzte einer langen Reihe von Höllenfahrten der Menschheitsgeschichte. Eine der ersten fiktiven Figuren, die es ins Schattenreich verschlägt, ist Odysseus in Homers Odyssee, der den "Wohnsitz der entschlafenen Geister" aufsucht, besser bekannt als "Hades". Homer schreibt von einem unheimlichen, gruseligen und geheimen Ort, der beherrscht wird von einem König und Totengott.
Später mußs auch Muskelmann Herkules im Zuge seiner zwölf Aufgaben in die Hölle hinab, um dem drachenschwänzigen Höllenhund und Torwächter Zerberus seine drei Köpfe abzuschlagen.
Die Verbreitung des Christentums brachte dann neue Visionen der Hölle, darunter das berühmte Flammenmeer, in dem die Sünder auf ewig verbrennen. Im 12. Jahrhundert beschrieb der italienische Dichter Dante Alighieri die Hölle als Schreckenskammer mit verschiedenen Ebenen und einem Eingang, über dem die berühmten Worte stehen: "Ihr, die Ihr hier eintretet, lasset alle Hoffnung fahren!" In John Miltons Paradise Lost wurden die Leser schließlich noch intimer mit Satan vertraut gemacht, der menschliche Schwächen wie Begehren, Ehrgeiz, Stolz und Versuchung beherrscht.
Im 20. Jahrhundert wurde die Hölle mehr und mehr zu einem Teil der Popkultur, besonders auf dem Gebiet der Rockmusik. Rock'n'Roller bekundeten ihre "Sympathy for the Devil", bekannten sich zur Freundschaft mit ihm und bereisten seinen "Highway to Hell". Auch im Kino hatten Satan und seine gefallenen Engel ihre Auftritte, für die sie sich gelegentlich die Körper von Leuten wie Brad Pitt, Matt Damon, Robert De Niro, Al Pacino oder zuletzt Elizabeth Hurley borgten.
Der größte
Einfluss, den eine Höllendarstellung auf Little Nicky gehabt hat, kommt jedoch vermutlich
aus dem 15. Jahrhundert und den atemberaubenden Gemälden von
Hyronmus Bosch, der die Hölle als eine mit bizarren Gestalten
bevölkerte Unterwelt darstellte, wo die verdammten Seelen
schreckliche Qualen erleiden müssen. Aus dieser Welt kommt
Little Nicky - denn wo sonst wäre Adam Sandlers
großherziges komödiantisches Talent mehr von Nöten
als hier?
|
|
| © Fotos: Kinowelt © 1994 - 2010 Dirk Jasper |
