Hintergrund zu El Acordeón del Diablo

Die Musiker

Francisco ‚Pacho' Rada

Pacho Rada ist am 11. Mai 1907 in Las Mulas, am grossen Magdalena Fluss, geboren. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts befuhren die Schiffe aus Europa den Fluss, an dem Pachos Vater von deutschen Matrosen ein Akkordeon erstanden hatte und einer der ersten Akkordeonspieler in Kolumbien wurde. Auf einem Fest im Nachbarort schnappte sich der kleine Pacho unbemerkt das Akkordeon seines Vaters. Es gelang ihm in kurzer Zeit erkennbar die Melodie von "La Chencha", ein noch heute bekanntes Lied, zu spielen. Der Vater nahm ihn glücklich in den Arm und einige Tage später bekam er sein erstes Akkordeon geschenkt.

Pacho Rada wurde einer der ersten Troubadoure, die ohne Begleitung, nur mit Akkordeon und Stimme über das Land reisten, Nachrichten übermittelten und überall dort spielten, wo es etwas zu feiern gab. Hunderte von Liedern entstanden auf seinen Reisen, viele davon gelten heute als Klassiker. Er gilt als der Erfinder des "Son", einem der vier Vallenato Rhythmen. Als die Vallenato-Musik in den 70er Jahren durch den Marihuana Boom über die Provinz hinaus berühmt wurde und die Musiker damit reich werden konnten, war Pacho bereits zu alt. Mit 72 wurde er wieder obdachlos. Mit Hilfe seiner Kinder errichtete er am Stadtrand von Santa Marta ein einfaches Haus, in dem er heute noch lebt.

Pacho Rada hat 422 Enkel, Ur- und Ururenkel. Als junger Musiker wurde er von den Frauen geliebt, doch von deren Eltern verachtet.

Pacho: "Wer wollte damals schon einen Habenichts als Schwiegersohn, der ausserdem noch wie ein Vagabund umherzog und dessen Geschäft die Musik, der Rum und die Frauen waren? Aber es nützte nichts. Wer vermag eine Frau zurückzuhalten, die liebt?"

Alfredo Gutiérrez

Alfredo de Jesús Gutiérrez Vital wurde am 17. April 1944 in Paloquemao, Sucre, geboren. Dieser Songschreiber und Komponist hat durch seine Kunst den Status der Volksmusik in seinem Land aufgewertet. Er gilt als einer der grössten Musiker des Landes, er wurde dreimal zum Vallenato King gekürt - das heisst, er hat den Wettbewerb gewonnen und wurde zum besten Akkordeon-Spieler des alljährlich stattfindenden Vallenato-Festival in Valledupar gewählt. Alfredo Gutiérrez war es, der in den 80er Jahren die Musik seines Landes zum ersten Mal auch international bekannt machte. Gemeinsam mit Calixto Ochoa und Daniel Montes hatte er bereits in den 60er Jahren die legendäre Formation "Los Corraleros de Majagual" gegründet. Zusätzlich zu den traditionellen Instrumenten wurden hier mit E-Gitarre, Bass und Bläsern ein internationaler Big Band Sound kreiert. Alfredo Gutiérrez hat über die Jahrzehnte hinweg das Big Band Konzept perfektioniert und ist mit seiner gut eingespielten Band neben allen Lateinamerikanischen Staaten auch in den USA und Europa aufgetreten.

Manuel Rada Oviedo und Rafael Valencia

Manuel Rada ist der jüngste Sohn von Pacho Rada. Gemeinsam mit seinem Cousin Rafael Valencia zieht er wie damals sein Vater durch das Land, und lebt von dem, was er hier und da für sein Spielen erhält. Seine Musik gibt es nicht auf Platten, man sieht ihn nicht im Fernsehen, er spielt auf Festen und Feiern, oder spontan im Quartier, wenn ihm und den Leuten danach ist. Die Verkehrsmittel haben sich seit damals etwas geändert, aber musikalisch ist Manuel seinem Vater treu geblieben. Er spielt die traditionelle Vallenato-Musik, bei der das europäische Akkordeon nur von der indianischen Guacharaca (Reibe) und der afrikanischen Caja (Trommel) begleitet wird. Seine Kompositionen sind originelle Lieder, in denen er Geschichten aus seinem Leben erzählt.

Israel Romero und José ‚Morre' Romero

Israel Romero ist der Akkordeonist und Mitbegründer der erfolgreichsten kolumbianischen Vallenato-Popband, dem "BINOMINO DE ORO". 1976 mit dem Sänger Rafael Orozco gegründet, trat die Band bald mit zwei Akkordeons, Chor-Sängern, Synthesizern und E-Gitarren auf. Sie produzierten einen Platin-Hit nach dem anderen und traten mit ihrer perfekten Show in grossen Sport-Stadien auf. 1993 wurde der Sänger Rafael Orozco von der Drogenmafia erschossen, mit der er in illegale Geschäfte verwickelt war. Seither führt Israel die Band alleine weiter.

Die mit Arrangements und Effekten überladene Musik des Binomino de Oro lässt nur selten durchscheinen, dass hier zwei Meister-Akkordeonisten am Werke sind. Deswegen kommt es im Film zu einem Treffen zwischen Israel Romero und dessen Neffen "El Morre" Romero am Ort seiner musikalischen Wurzeln, in Villanueva (Guajira). Im Hause seiner Grosseltern, einer Familie von Akkordeonspielern, liefert sich Israel Romero mit seinem Neffen ein Akkordeon-Duell, welches die ganze Breite ihres Könnens offenbart.

Antonio Jaramillo, ‚Perro Negro'

Antonio Jamarillo lebt in Aracataca, dem Heimatort von Gabriel Garcia Márquez. Er ist der Zimmermann von Aracataca und gleichzeitig hat er den Ruf mit dem Teufel in Verbindung zu stehen, da sich ihm alle Frauen hingeben. Er spielt seine Musik nur zum Vergnügen und nie ohne eine Flasche Rum. Seine zweistimmige Gitarrenmusik hat ihre Wurzeln in Kuba. In den 30er Jahren kamen viele kubanische Fremdarbeiter nach Kolumbien und brachten den kubanischen Son in das Land. Daraus hat sich der kolumbianische Son entwickelt, dessen feinfühligster Vertreter El Perro Negro ist.

© Fotos: Ventura Film © 1994 - 2010 Dirk Jasper