Produktionsnotizen zu Forrester - gefunden!

Die Idee zu Forrester - gefunden!, der Geschichte eines besonderen Mentors, der einem jungen Mann zur Seite steht, seiner Träume habhaft zu werden, beruht auf Beobachtungen und Erlebnissen des Drehbuchautors Mike Rich: "Ich führte einmal ein Interview mit einem Autor, der einige interessante Biographien der besten Schriftsteller Amerikas geschrieben hat, und in diesem Zusammenhang fiel mir auf, dass viele, beispielsweise J. D. Salinger und Thomas Pynchon, exzentrische, sehr zurückgezogen lebende Menschen waren."

"Ich dachte, eine Geschichte, in der gezeigt wird, wie ein berühmter Schriftsteller diese Barriere der Isolation durchbricht und sich noch einmal der Welt öffnet, könnte einen großartigen Film ergeben," so Rich, der früher Nachrichtenchef eines Radiosenders in Portland, Oregon war, weiter. "Ich fand außerdem, die Geschichte würde umso interessanter werden, wenn die Person, die den Schriftsteller aus der Reserve lockt, ein Jugendlicher aus einem gänzlich anderen Milieu wäre, dessen Talente nur darauf warteten, sich entfalten zu können."

Regisseur Gus Van Sant war ebenfalls gleich angetan von dieser Grundidee in Richs Drehbuch. Van Sant, der Forrester - gefunden als geradezu logische Fortführung seiner Karriere nach dem mehrfach Oscar-gekrönten Film Good Will Hunting (1998) betrachtet, erklärt die Dynamik der zentralen Beziehung zwischen Forrester und seinem Freund Jamal so: "Für den jungen Farbigen Jamal spielt Lesen eine große Rolle, und er kann auch schreiben, aber in seiner unmittelbaren Umgebung sind das keine 'anerkannten' Fähigkeiten. So behält er, um die Dinge für sich selbst nicht unnötig zu verkomplizieren, diese geheimen Interessen einfach für sich. Durch Zufall begegnet er aber Forrester, einem Mann, der in seinem Leben etwas erreicht hat, das Jamal selbst gerne schaffen würde. Forrester interessiert sich für den jungen Mann und seine Fähigkeiten und unterstützt ihn."

"Jamal findet in Forrester einen Lehrer, der ihn nicht nur für das Handwerk des Schreibens anleitet," fährt Van Sant fort, "sondern für das Handwerk des Lebens."

Autor Mike Rich glaubte fest an sein fertiggestelltes Drehbuch und die Qualität seiner Story, aber wie daraus ein Film werden sollte, wusste er nicht: "Ich war ein Anfänger, und wie sollte ich jemanden dazu bringen, mein Drehbuch überhaupt zu lesen? Ein Geschäftsfreund riet mir schließlich, dass ich es bei einem Wettbewerb einreichen sollte."

1998 schickte Rich sein Drehbuch zur alljährlich stattfindenden Don und Gee Nicholl Writing Competition. Die einzige Regel bei diesem renommierten und von der Academy for Motion Picture Arts and Sciences unterstützten Wettbewerb ist, dass der teilnehmende Autor zuvor noch nie ein Drehbuch verkauft haben darf. Forrester - gefunden! konnte sich gegen 4.500 Mitbewerber behaupten und landete als eins von fünf Scripts in der Endrunde. Dafür winkte bereits ein Preisgeld von 25.000 Dollar, viel entscheidender für Rich war aber der 'Nebeneffekt' dieser Entscheidung, dass nämlich plötzlich jeder dieses fantastische neue Drehbuch lesen wollte.

Jonathan King, der Verantwortliche für die Produktionen der Laurence Mark Productions, erhielt eines Freitagabends ein Exemplar von Richs Drehbuch. Die Beziehung zwischen den beiden Hauptcharakteren fesselte ihn so sehr, dass er das Buch im Anschluss gleich noch einmal las. Am frühen Samstagmorgen gab er sein Exemplar an Laurence Mark weiter, der ebenso schnell davon begeistert war.

Mark, der mit seiner Produktionsfirma bei Columbia Pictures ansässig ist, erwarb das Drehbuch, und das Studio war hoch erfreut über diesen Kauf - so sehr, dass Geschäftsführer John Calley einen Lunch mit Sean Connery nutzte, ihm das Projekt ans Herz zu legen.

"Das war sehr inspirierend," so Mark. " Sean Connery als William Forrester, das ist auf den ersten Blick vielleicht nicht sehr einleuchtend, doch wenn man genauer darüber nachdenkt, ist das eine sehr aufregende Wahl."

Für Connerys Produktionsgesellschaft Fountainbridge Films, die ebenfalls eng mit Columbia verbunden ist und sich stets auf der Suche nach anspruchsvollen Projekten befindet, war Forrester - gefunden! sogleich erste Wahl. Sean Connerys Partnerin Rhonda Tollefson, die zugleich die Präsidentin von Fountainbridge Films ist, befand, dass das ein Projekt sei, bei dem sich die Firma gemeinsam mit Laurence Mark auch auf Produzentenseite engagieren sollte: "In den acht Jahren, die ich mit Sean bereits zusammengearbeitet habe, habe ich erfahren, dass man nur selten eine Rolle für ihn entdecken kann, die nicht in irgend einer Form eine Wiederholung dessen ist, was er bereits gespielt hat," so Rhonda Tollefson.

" Forrester - gefunden! jedoch war von Anfang an etwas anderes. Sean liebt Literatur. Die Idee, einen Pulitzer-Preis-Gewinner zu spielen, war sehr attraktiv für ihn. dass der Schriftsteller eine Art Einsiedler und zugleich ein wenig Menschenhasser war, machte den Part nur noch interessanter."

Und Sean Connery fügt hinzu: "Das ist genau die Art von Film, die ich mag: ein zeitgenössisches Drama, in dem eine konstruktive Geschichte über Freundschaft erzählt wird. Das ist ein wichtiges Thema für mich, und doch ist der letzte meiner Filme, die sich explizit darum drehten "Der Mann, der König sein wollte" (1976), und das ist immerhin schon über 25 Jahre her. Ich finde außerdem den literarischen Background originell und unterhaltsam."

Nicht nur als Star vor der Kamera zu agieren, sondern sich auch als Produzent bei den Projekten zu engagieren, die ihm etwas bedeuten, ist für Sean Connery sehr reizvoll. Auf diese Weise hat er als Darsteller die Möglichkeit, sich nicht nur in ein 'Projekt von der Stange' einzufügen, sondern für ihn maßgeschneidertes Material zu entwickeln. Mit diesem Anliegen hatten Rhonda Tollefson und er Fountainbridge Films überhaupt gegründet, und für Connery war es tatsächlich auch eine aufregende Erfahrung, das Drehbuch gemeinsam mit Laurence Mark, Rhonda Tollefson und Mike Rich bis zum Shooting Script-Stadium zu bearbeiten.

"Ich dachte, der schwierigste Teil, nämlich das Drehbuch überhaupt zu verfassen, läge hinter mir", lacht Drehbuchautor Rich. "Ich wusste ja nicht, dass die wirkliche Arbeit für mich erst jetzt beginnen sollte! Ich hatte die Rolle nicht explizit für Sean Connery geschrieben. Jetzt mußste ich den Charakter weiter verfeinern. Meine erste Aufgabe war es, seinen schottischen Hintergrund einzuarbeiten, aber es gab auch andere Aspekte, die Sean einbrachte und die mir niemals in den Sinn gekommen wären. Wir gestalteten ihn als noch zurückgezogener, noch exzentrischer, noch leidenschaftlicher. Wir machten aus ihm einen Menschen, der einen dahin schmelzen und im nächsten Moment an die Decke gehen lässt."

Connery wollte, dass die Hintergründe und Geheimnisse seines Charakters, auch der Widerstreit, der in seiner Seele tobt, solange wie möglich im Unklaren bleibt. Gerade weil er abgestempelt ist, starke Hauptcharaktere zu spielen - zähe Helden, die sich gegen alle Widerstände durchsetzen - war es ihm hier wichtig, dass auch Forresters verwundbarere Seiten betont werden. Ja, Forrester ist ein rauher, launischer, brillanter, trinkfester Typ - aber auch er wird von Ängsten geplagt.

Es wurde viel Sorgfalt darauf verwendet, genau diese Ängste herauszuarbeiten und Forresters Innenleben so 'auszustatten', dass seine Vergangenheit und seine Gründe, sich von der Welt zurückzuziehen, vollkommen überzeugend wirken, dass man also die Authentizität spürt, auch wenn man über die Details noch lange nichts weiß.

"Sean ist virtuos, wenn es darum geht, Nuancen eines Charakters aufzuzeigen," erklärt Tollefson, und Mark fügt hinzu: "Seine 'Randbemerkungen' zum Charakter waren erstaunlich. Alles steckt im Detail. So war es auch Sean, der einbrachte, dass Forrester Vögel beobachten sollte. Damit hat man auch noch einen weiteren Grund eingeführt, dass er sich immer am Fenster zeigt und die Welt beäugt, sich zugleich aber hinter den Gardinen versteckt. dass er immer da ist und doch verborgen, das macht die Kids zum Beispiel so neugierig."

Connerys 'Randbemerkungen' waren Richs Leitfaden bei der Überarbeitung des Drehbuchs, und es dauerte nicht lange, bis er eine neue Fassung fertiggestellt hatte, mit der alle Beteiligten glücklich waren. Das Projekt war damit bereit für die nächste Produktionsstufe - die Suche nach dem geeigneten Regisseur.

Die Produzenten waren sich einig, dass Gus Van Sant die erste und einzige Wahl für dieses Projekt sei.

"Es stellte sich heraus, dass er sich auf einer Indienreise befand, und es dauerte eine ganze Weile bis wir ihn aufgespürt und erreicht haben," erzählt Rhonda Tollefson. "Unsere Erzählungen weckten sein Interesse, also faxten wir ihm das Drehbuch - das dauerte fünf Stunden! Am nächsten Tag rief uns Gus zurück und sagte, dass er den Film machen wollte."

Der Regisseur fühlte sich auf ganz unterschiedlichen Ebenen von dem Drehbuch angesprochen.

"Filme verdichten oder erweitern die Zeit beim Erzählen der Story. Mir gefiel, wie Mike mit dieser Dopplung in seinem Buch umgegangen ist," so Van Sant. "In einem sehr begrenzten Zeitabschnitt brachte er unglaublich viele Informationen unter. Dinge passieren, die das Publikum nicht unbedingt durchschaut, die aber die Story vorantreiben, und manchmal erschließt sich erst rückblickend der Sinn eines Details. Alle Charaktere waren toll ausgeführt. Sie machten wirklich den Eindruck, sie seien aus Fleisch und Blut. Man sah sie direkt vor sich."

Drei Tage nach seiner Entscheidung, den Film zu drehen, kehrte Van Sant in die Staaten zurück.

Connery flog nach Kalifornien, wo sich die beiden Männer mit Laurence Mark, Rhonda Tollefson und Verantwortlichen von Columbia trafen. Übereinstimmung war schnell hergestellt, und Van Sant erhielt den Zuschlag für die Regie. Der Produktionsbeginn wurde auf Anfang April 2000 festgesetzt, und Van Sant stellte mit den Produzenten sein kreatives Team zusammen. Dieses umfasste in erster Linie den Kameramann Harris Savides (u.a. Das Spiel), Production Designerin Jane Musky (u.a. Arizona Junior), die mit dem Oscar ausgezeichnete Kostümdesignerin Ann Roth (u.a. Der Englische Patient) und den Cutter Valdis Oskarsdottier (u.a. Mifune).

Damit waren viele Hindernisse bereits im Vorfeld aus dem Weg geschafft. Ungelöst dagegen war noch ein wesentliches - um nicht zu sagen monumentales - Problem: Die Besetzung der Rolle des Jamal. Irgendwo mußsten die Filmemacher einen 16-jährigen Schwarzen finden, der in der Lage sein sollte, sprühende Intelligenz auszustrahlen, hervorragend Basketball zu spielen und darüber hinaus noch neben einem Schauspieler vom Format und der Autorität Connerys zu bestehen. Jeder war sich des Ausmaßes dieser Herausforderung bewusst, denn es war klar, wie wichtig die Lösung dieses Problems für den gesamten Film war.

Überall in den Vereinigten Staaten wurden Castings veranstaltet: In New York, Los Angeles, Boston, Chicago und Philadelphia. Francine Maisler und Bernard Telsey, die für die Besetzung verantwortlich zeichneten, sahen sich gemeinsam mit den Produzenten und dem Regisseur über Wochen hinweg Hunderte potentieller Jamals an.

"Mir war kein einziger Schauspieler bekannt, der die Rolle spielen konnte," so Van Sant. "Ich wusste genau, wonach wir suchten - ich habe diese Art Jungs in der Bronx gesehen, als wir bei der Drehortsuche dort unterwegs waren. Manche habe ich sogar direkt angesprochen und zum Casting gebeten, aber so gut manch einer auch optisch gepasst hätte, so wenig war sein Spiel überzeugend. Leider scheiterten alle bei der Übersetzung des geschriebenen Worts in die Darstellung echten Lebens."

Als der Produktionsbeginn näher rückte und noch immer kein idealer Jamal gefunden war, bereiteten sich Produzenten sowie Regisseur schon darauf vor, eine möglichst tragfähige Kompromissentscheidung zu treffen. Da tauchte plötzlich aus dem Nichts ein junger Mann namens Rob Brown auf. Er war ohne irgendeine schauspielerische Ausbildung oder Erfahrung, doch seine bloße Gegenwart war genug, die Aufmerksamkeit der Besetzungsagenten zu erregen. Aufregung kam auf. Sobald Brown vorgelesen hatte, wussten Van Sant und die Produzenten, dass sie ihren Jamal gefunden hatten. "Es war eine urplötzliche Gewissheit," so Van Sant. "Wir spürten es alle gleichzeitig. Das hier war Jamal. Also baten wir Rob, am nächsten Tag wiederzukommen, um zusammen mit Sean eine Leseprobe zu absolvieren."

"Aufgrund von Seans Präsenz waren wir etwas bange," fährt der Regisseur fort. "Wir stellten aber erstaunt fest, dass Rob sich durchaus neben ihm behaupten konnte. Es war eine erstaunliche Performance. Wie er das durchgestanden hat ohne jegliche Schauspielerfahrung ist mir immer noch ein Rätsel."

"Robs Leseprobe machte uns alle sprachlos," so Mark, und Rhonda Tollefson lobt ebenso: "Er besitzt diese perfekte innere Ruhe, diese wunderbare Zentriertheit. Während er auf sein Vorsprechen wartete, war er nicht einmal nervös oder rutschte auf seinem Stuhl herum. Ich war bereits beeindruckt, bevor er auch nur ein Wort gesprochen hatte. Er wirkte wie ein Routinier, während er in Wirklichkeit noch nie an einem Vorsprechen teilgenommen hatte."

Van Sant nahm Browns außergewöhnliche Leseprobe mit Connery auf Video auf und schickte es an Columbia Pictures. Dem Päckchen fügte er einen knappen Brief hinzu, worin er erklärte, dass dies der junge Mann sei, den die Produzenten und er für die Rolle des Jamal haben wollten. Am nächsten Tag wurde Brown unter Vertrag genommen.

Wie der Jamal im Film wurde Rob Brown in New York City geboren, wo er auch aufwuchs. Er ist ein hervorragender Schüler und talentierter Basketballspieler. Obwohl er immer gerne ins Kino gegangen ist, hatte er nie daran gedacht, selbst einmal in einem Film mitzuwirken. "Eines Nachmittags drückte mir jemand in der Schule einen Zettel in die Hand, auf dem stand, dass Hollywood-Produzenten für einen neuen Film mit Sean Connery einen 16-jährigen Schwarzen suchten, der Basketball spielen konnte," so Rob. "Ich dachte, hey, das passt doch auf mich. Ich war in meinem zweiten Highschool-Jahr und war gerade 16 geworden. Ich brauchte ein bisschen Extrageld, um meine Handy-Rechnung zu bezahlen, also entschied ich mich, den Versuch zu wagen. Ich dachte, dass ich vielleicht gute Chancen hätte, als Statist engagiert zu werden."

Trotz seines ruhigen Äußeren und seines beherrschten Auftretens gibt Rob zu, dass ihn die Nervosität packte, als man ihn bat, als Teil des Castings eine Szene zusammen mit Sean Connery zu spielen.

"Ich hatte Angst, dass ich meinen Text vergessen würde, denn es war eine ziemlich lange Passage. Aber es lief toll. Ich habe alles im Kopf gehabt."

Nachdem Rob unter Vertrag genommen worden war, machte sich die Casting-Agentur an die Besetzung von Jamals Kumpeln. Die Wahl fiel auf Fly Williams III, Zane Copeland (ein junger Rap-Sänger, dessen Alben bei Atlanta unter dem Namen Little Zane erscheinen), Damany Mathis und Damien Omar Lee. Keiner dieser Jungs zwischen 16 und 19 hatte bisher vor der Kamera gestanden.

Zwei Oscar-Preisträger wurden für die Besetzung der weiteren Hauptrollen unter Vertrag genommen: F. Murray Abraham, der 1985 als bester Schauspieler für die Rolle des Salieri in Amadeus (Amadeus) ausgezeichnet worden war, spielt Professor Crawford, einen Englisch-Lehrer, der sich zu Jamals Kontrahenten entwickelt, als dieser von einer Ghetto-Schule der Bronx auf die exklusive Privatschule Mailor-Callow nach Manhattan wechselt. "Das Drehbuch war wunderbar," so Abraham. "Bereits die Lektüre war ein Vergnügen."

Anna Paquin, die ihren Oscar bereits im Alter von 11 Jahren für ihre Leistung in Das Piano (1993) erhielt, wurde für die Rolle der Claire besetzt, die Studentin aus gutem Hause, die sich mit dem brillanten Neuen an der Schule anfreundet. Der Theater- und Filmschauspieler Michael Nouri spielt die wichtige Rolle ihres Vaters, Dr. Spence, einem einflussreichen Mitglied des Schulrats von Mailor-Callow.

Busta Rhymes, einer der bekanntesten und angesehensten Rap-Künstler, fühlte sich geehrt, als Gus Van Sant ihm die Rolle von Jamals Bruder Terrell anbot. "Ich wollte meine Dankbarkeit durch gute Leistung beweisen und Gus zeigen, dass er mit mir die richtige Wahl getroffen hatte," erzählt Rhymes. "Ich konnte einen Teil von mir in dem Charakter des Terrell wiederfinden; ein hart arbeitender Mann, der vorankommen will. Das habe ich verstanden. Ich war auch glücklich über meine prominenten Mitspieler. Es ist sehr berührend, wenn man einen jungen Mann wie Rob sieht, der sich ohne jegliche Schauspielerfahrung als ein solcher Profi herausstellt. Und Sean Connery? Er ist eine Ikone, selbst in kleinen Szenen, strahlt er eine solche Energie aus, dass man nicht anders kann als von ihm beeindruckt zu sein."

Nachdem ihm die Hauptrolle im Film sicher war, absolvierte Rob gleich ein ganzes Bündel selbstauferlegter 'Hausaufgaben', um sich auf die Dreharbeiten vorzubereiten. Zunächst einmal unterzog er sich einem sechswöchigen Basketball-Crash-Training unter der Anleitung des 25jährigen Russell Smith, eines ehemaligen College-Basketball-Stars, der der Produktion als Berater in Basketball-Fragen zur Seite stand. Rob und Smith probten sowohl mit den Schauspielern, die Jamals Freunde in der Bronx spielen sollten, als auch den Jungs, die später zu seinen Teamkameraden bei Mailor-Callow werden.

"Wir probten zweimal wöchentlich jeweils sechs Stunden, und wir arbeiteten ständig mit vollem Einsatz. Rob passte sich schnell an," so Smith. "Bereits von der ersten Trainingseinheit an war er auf Kurs. Im weiteren Verlauf legten wir die Schwerpunkte aufs Mannschaftsspiel, damit es später bei den Dreharbeiten so aussieht, als seien die Jungs von der Mailor ein echtes Team. Und bei den Jungs aus der Bronx war es unabdingbar, zu vermitteln, dass sie tatsächlich bereits ihr ganzes Leben lang zusammen spielen."

"Rob wusste bereits vor dieser Rolle, wie man Basketball spielt. Er war gut in Form und besaß auch das nötige Grundwissen," fährt Smith fort. "Aber ich mußste ihm noch ein bisschen mehr Aggressivität im Spiel beibringen - den Straßen-Stil, wie zum Beispiel diese Geste, den Ball hinter dem Hals des Gegners zu halten oder sich zum Schuss 'hochzuschrauben'. Jamal fährt gegenüber seinen Teamkollegen von der Mailor mit diesem unverschämten Selbstvertrauen auf, weil er demonstrieren will, wer er ist und wo er herstammt. Es ist seine Art, Respekt einzufordern."

Die Proben für die gesamte Besetzung wurden im März 2000 in Kanada zwei Wochen vor Produktionsbeginn durchgeführt. Van Sant setzte fünf Tage für die Proben mit Connery und Rob an. In einem Studio in Toronto, in dem die Innenaufnahmen von Forresters Wohnung gedreht werden sollten, ging er mit beiden Schauspielern ihre sämtlichen Szenen durch. In der darauffolgenden Woche arbeitete Rob fünf Tage lang jeden Tag an seinen Szenen mit der übrigen Besetzung.

Sean Connery ist voll des Lobes über diese Probezeit. "Ich bin ein großer Befürworter dieses Vorgehens," sagt er. "Meiner Meinung nach gestalten sich die Dreharbeiten sehr viel leichter, wenn man vorher alle Stücke schon einmal gedanklich verbunden hat und Ungereimtheiten ausräumen konnte. Harte Arbeit und Vorbereitung zahlen sich wirklich aus."

Van Sant stimmt ihm zu: "Wir begannen mit der ersten Szene und gingen das gesamte Drehbuch, Seite für Seite, durch. Dieses Vorgehen half uns, das Material richtig zu erfassen und uns um Details zu kümmern, für die wir ansonsten erst wesentlich später im Produktionsablauf Zeit gefunden hätten."

Die Dreharbeiten begannen am 3. April 2000 in Toronto mit den ersten Szenen in Forresters Wohnung. Diese kritischen Begegnungen zwischen Forrester und Jamal stellen das Rückgrat der Geschichte dar, und sie bestimmen den gesamten Prozess der sich entfaltenden Beziehung des einsiedlerischen Schriftstellers zu dem Jungen, der als Teil einer Mutprobe in die Wohnung eingebrochen ist. Van Sant filmte die Szenen im Großen und Ganzen in chronologischer Reihenfolge, angefangen von der wütenden Konfrontation von Jamal und Forrester, bei der der Junge dem Schriftsteller zum ersten Mal begegnet.

Als nächstes drehte Van Sant die Szenen, in denen Forrester sich entschieden hat, den Jungen anzuleiten. Bilder, die davon erzählen, wie die beiden sich voreinander behaupten und in denen Forrester den Literatur-Novizen schließlich an die Schreibmaschine zwingt, um stundenlang zu tippen - eine Übung in Mechanik, aber auch eine Methode die Worte 'lockerer' zu machen, ihnen den Rhythmus abzulauschen, sie zum Fließen zu bringen. Im Anschluss daran widmete sich Van Sant jenen Episoden, in denen es um die wachsende Beziehung der beiden unterschiedlichen Charaktere geht - Szenen, in denen Jamal über sein Alltagsleben und seine Entscheidung, eine andere Schule zu besuchen, spricht. Im Laufe dieser Szenen öffnet sich auch Forrester gegenüber seinem Schüler.

"Rob war ein absoluter Profi," so Connery. "Abgesehen davon, dass er ein sehr intelligenter Junge ist, hat er auch einen phantastischen Instinkt. Er füllt die Rolle komplett aus. Die Ähnlichkeiten zwischen ihm und dem Charakter des Jamal sind augenfällig. Er ist ein Student mit einem Einser-Durchschnitt, der zudem auch noch auf dem Basketballcourt eine gute Figur macht. Ich finde ihn ganz erstaunlich."

Auch Van Sant weist auf die Parallelen zwischen Rob und Jamal hin: "In unserer Geschichte verlässt Jamal die Highschool in der Bronx, um sich an einer exklusiven Schule in Manhattan einzuschreiben. Rob selbst wurde ebenfalls Anfang der siebten Klasse aus der Schule in seiner Nachbarschaft herausgenommen, nachdem er bei einem Programm für talentierte Studenten ethnischer Minderheiten aufgefallen war. Sie gaben Rob ein Stipendium für eine Privatschule in Brooklyn, die er bis heute besucht."

Rob konnte seinen Notendurchschnitt sogar während der Dreharbeiten halten, obwohl der Unterricht zwischen den einzelnen Einstellungen stattfinden mußste und manchmal bis zu fünf Stunden täglich dauerte. Unbedingt willkommen war Rob die Schule während der Dreharbeiten natürlich nicht, zwar erledigte er seine schulischen Pflichten, doch ehrlich gesagt, empfand er sie als Ablenkung von seinen viel aufregenderen Pflichten vor der Kamera: "Es machte unglaublich Spaß. Ich hatte geglaubt, Sean sei ein Workaholic ohne Sinn für Humor. Ok, er ist ernsthaft, aber er ist auch sehr lustig," erzählt Rob: "Ich konnte mir nicht genau vorstellen, was eigentlich genau die Aufgabe eines Regisseurs ist. Ich dachte, er würde nur 'Action!' brüllen und Anweisungen geben. Aber Gus ist ganz anders. Er ist ein sehr ruhiger und umgänglicher Mensch."

Da der überwiegende Teil der Szenen mit Sean Connery in Forresters Wohnung spielt und sie auch das Herz des Films darstellen, genoss der Charakter dieses Schauplatzes bei allen, die mit der Produktion befasst waren, oberste Priorität. Kongenial zu allen anderen Elementen wurde das weitläufige Apartment von Jane Musky entworfen und ausgestattet. Eine Meisterleistung an Kreativität und doch strikt verankert in der Wirklichkeit: angelehnt an tatsächliche Wohnungen, so wie man sie in Häusern der Bronx finden kann, die vor dem zweiten Weltkrieg erbaut wurden.

"Es mußste ein Ort sein, der einen visuell niemals langweilen würde," so Laurence Mark. "Janes Set ist so weitläufig und abwechslungsreich und von einem solchen Realismus, dass man sich tagelang darin umsehen könnte, ohne dessen müde zu werden."

"Wir wollten, dass Jamal, der ja aus bescheidenen Verhältnissen stammt und eher Enge gewohnt ist, Forresters Wohnung wie eine Art Nimmerland erscheint. Weil so viele Szenen darin spielen sollten, entschieden wir uns, die Wohnung übergroß zu gestalten, beinahe palastartig, so dass die Kamera sich frei darin bewegen konnte," erläutert Jane Musky. "Außerdem ist Sean Connery sehr groß, daher mußste alles in der Wohnung dem angepasst werden."

Die komplizierteste Aufgabe für die Produktionsdesignerin bestand darin, das Publikum zu überzeugen, dass ein Mann tatsächlich 40 Jahre lang zwischen diesen Wänden gelebt und sie nur selten verlassen hat: "Wir mußsten die 40 Jahre irgendwie sichtbar machen, damit die Wohnung authentisch wirkte. Es sollte nicht gerade eine Feuerfalle werden, indem überall Papier und Zeugs herumlag. Auf der anderen Seite mußste es aber vollgestopft sein mit allem möglichen 'Kram', und das Problem bestand darin, es mit dem richtigen 'Kram' zu füllen. Wir stapelten u.a. vergilbte Ausgaben der New York Times, der New York Review of Books, verschiedener vierteljährlich erscheinender literarischer Publikationen und anderer kleiner Magazine in der gesamten Wohnung zu Türmen. Auch Forresters zahlreiche Bücher wurden handverlesen. Jedes Buch erzählt eine Geschichte. Forrester würde jedes einzelne Buch selbst gekauft und gelesen haben, unter Umständen viele Male."

"Dann gab es auch noch die unterschwelligen Dinge - Forresters schottischer Hintergrund, sein Interesse an Sport und für Vogelbeobachtung. Wir schrieben Dutzende von Notizbüchern mit Vogelbeobachtungen voll und verteilten sie überall. Wir trugen außerdem allen möglichen Schnickschnack, Erinnerungsstücke und Souvenirs zusammen - Dinge, die ein Mann wie Forrester im Laufe seines Lebens einmal gekauft haben könnte. Und von alldem einmal abgesehen benötigten wir auch noch Dinge, die von der Gegenwart erzählen. Forrester liest für sein Leben gern; und wenn er, selten genug, doch einmal seine Wohnung verlässt, dann nur, weil er neues Lesematerial benötigt. Gus und ich besprachen, was ihm der junge Verlagsassistent, der für seine Versorgung abgestellt ist, wohl bringen dürfte - welche Magazine, welche Zeitungen er heute kaufen würde. Immerhin liebt Forrester die Klatschpresse. Er sagt einmal zu Jamal: 'Die Times ist der Hauptgang, aber der National Enquirer ist das Dessert.'"

Über den aufregendsten Moment in dieser Arbeit berichtet Jane Musky: "Das war der Tag, als Sean Connery zum ersten Mal das Set betrat. Er lief herum, schaute in die Ecken, atmete tief durch und setzte sich. Dann sah er auf und lächelte. Er sagte, dass er sich sehr wohl fühlte, sehr zu Hause."

Nachdem die meisten der Szenen in Forresters Wohnung abgedreht waren, reiste die Produktion in die kleine Stadt Hamilton, Ontario, um im Copps Coliseum, einer Sportarena, die später im Film den Madison Square Garden darstellen sollte, die große Massenszene um den Besuch eines Basketball-Matches zu drehen. Als erstes stand die Szene auf dem Drehplan, in der Jamal, nachdem er Forrester mit Tickets für ein Basketballspiel aus der Wohnung 'gelockt' hat, während des Einlasses der Zuschauer von seinem Mentor getrennt wird. Im Laufe seiner panischen Suche nach Forrester findet Jamal diesen in einer dunklen Nische unter den Tribünen hockend, zu Tode erschrocken, zitternd und hyperventilierend. Diese sehr zärtliche Szene zwischen Jamal und Forrester war etwas völlig Neues in der Schauspielkarriere von Sean Connery.

"Wir alle wissen, dass Sean Forresters Stärke und sein Weltverständnis spielen kann, wir nehmen ihm ab, dass er diesem jungen Mann helfen kann, der in sein Leben eingedrungen ist. Das Publikum liebt ihn in diesen Rollen," so Rhonda Tollefson. "Als wir jedoch das Drehbuch entwickelten, entschieden wir uns dafür, auch eine Szene einzubauen, in der die Stärke des Charakters zusammenbricht. Ich erinnere mich lebhaft an eine Szene von "Am goldenen See" (1982), in der Henry Fonda Beeren pflücken geht und sich verirrt. Als er endlich heimfindet, schämt er sich, seiner Frau zu erzählen, wie sehr er sich dabei geängstigt hat. Mit der Szene im Madison Square Garden möchten wir ein ähnliches Gefühl vermitteln."

"Seans verwundbare Seite ist viel zu selten im Kino gezeigt worden," sagt Van Sant. "Obwohl er in unserem Film eine Autoritätsperson spielt, entwickelt sich die Dramatik im Rahmen einer gegenseitigen Abhängigkeit zwischen Forrester und Jamal. Sie brauchen einander. Sean hat so etwas sehr selten auf der Leinwand gespielt. Er offenbart hier eine Seite, die die Leute überraschen wird."

Nach dieser wichtigen Szene zwischen Forrester und Jamal, zogen die Filmemacher innerhalb des Copps Coliseums um. In einer der kleineren Hallen sollte das wichtige Basketball-Ausscheidungsspiel zwischen der Mannschaft von Mailor-Callow und der der Creston-Schule stattfinden - hier durften Rob und die anderen Jungs auch zeigen, wofür sie sechs Wochen lang trainiert haben. Schließlich verblieben für den Kanada-Teil der Dreharbeiten noch einige Studioszenen in Toronto: Einstellungen des Treppenhauses von Forresters Wohnung, sowie die, die im engen Apartment von Jamal und seiner Mutter spielen.

Nachdem die Filmcrew am 3. Mai nach New York City weitergezogen war, begannen dort die Dreharbeiten im frisch renovierten, ultramodernen Planetarium und dem gegenüberliegenden Central Park, wo Jamal und Claire (Anna Paquin) sich bei einem Klassenausflug erstmals näher kommen.

Weiterhin wurde an der Allgemeinen Theologischen Akademie gedreht, einem Gebäudekomplex aus rotem Backstein, der einen gesamten Block zwischen der 20. und 21. Straße auf Höhe der 9. und 10. Avenue einnimmt. Die zentrale Hoffman Hall, das ist der großzügig gebaute Esssaal der Akademie, wurde von Jane Musky und ihrem Team in die Aula der Mailor-Callow verwandelt. Sie stellt den 'Herrschaftsbereich' des verbitterten Professors Henry Crawford (F. Murray Abraham) dar. Hier spielen die Szenen, in denen die Gewinner des alljährlichen Nachwuchs-Autorenwettbewerbs geehrt werden, und wo es zu der finalen Auseinandersetzung zwischen Forrester und Crawford kommt.

"Meistens begnügen sich Filme damit, einen Schurken vorzuführen, den man aus Leibeskräften hassen kann. Der Weg von Forrester - gefunden! ist vielschichtiger," so F. Murray Abraham, der Crawford spielt. "Crawford ist nicht unbedingt ein Schurke. Er ist eher das Opfer seines eigenen Stolzes und seiner Verbohrtheit. Seine persönliche Tragödie ist es, dass er gegenüber dem einzigen brillanten Studenten, den er jemals unterrichtete, versagt hat und damit seine Chance vertut, jemandem zu wirklichem Ruhm zu verhelfen. Die Ironie dabei ist, dass der einzige Autor, den Crawford rückhaltlos bewundert, der Schriftsteller Forrester ist und dieser das Talent des Jungen erkannt hat und ihn anleitet.

Als Forrester in Crawfords Klassenraum auftaucht, glaubt der verblendete Lehrer zunächst, dass der berühmte Mann seinetwegen gekommen sei. Und insgeheim stellt er sich vor, dass Forrester vielleicht zu feierlichen Worten greifen und erklären würde 'Ich bin gekommen, weil Sie, Professor Crawford, eine so wunderbare Persönlichkeit und ein großartiger Lehrer sind.' Natürlich ist genau das Gegenteil der Fall, und der biestige Akademiker erhält, was ihm zusteht."

Jane Musky wünschte sich für Crawfords Hörsaal einen vornehmen Stil mit Paneelen in dunklen Holztönen, um die Unterschiede zwischen der Mailor-Callow und Jamals alter Schule in der Bronx aufzuzeigen: "Wir haben das ganze immer weiter gesponnen und schließlich sogar eine Wand mit Portraits eingeführt, eine Art Stammbaum, wie man ihn aus großen Instituten oder von alten Herrensitzen kennt. Tatsächlich handelt es sich dabei um eine Galerie von Portraits der berühmtesten Schriftsteller aller Zeiten, in der man von Edgar Allan Poe, Louisa May Alcott und Henry James über T.S. Eliot, James Fenimore Cooper, William Henry Thoreau, Herman Melville alle wiederfindet bis hin zu William Forrester."

"Diese Wand mit den Porträts verstärkt den Grundgedanken, dass Literatur etwas Heiliges sei, eine Idee, die Crawfords Studenten eingebläut wird, die für Jamal aber eine Offenbarung darstellt," fährt Musky fort. "Für ihn ist das etwas völlig Neues, ein Gedanke, auf den ihn seine alte Schule in der Bronx sicher nie gebracht hätte. Diese Wand trägt dazu bei, die Dramatik, als Forrester, dessen Portrait ja ebenfalls in der Ahnengalerie hängt, tatsächlich in Fleisch und Blut an diesem Ort auftaucht, noch zu verstärken. Jeder Schüler versteht die Bedeutung dieses Augenblicks."

Im Anschluss an den Hörsaal schlug die Filmcrew ihr Lager in der South Bronx auf, um dort einige Außenansichten von Forresters Haus zu drehen und den alternden Schriftsteller, wie er tagaus, tagein an einem seiner Fenster steht und mit dem Feldstecher auf das Basketballfeld hinunterschaut. Hier entstanden auch die Szenen, in denen Jamal und seine Freunde dem exzentrischen Alten, von dem sie nichts wissen und der sie immer nur stumm beobachtet, den Spitznamen 'Das Fenster' verpassen.

Ebenfalls in der Bronx drehte Van Sant jene Szenen, in denen Forrester und Jamal auf ihrem Heimweg vom Madison Square Garden an der Hochtrasse der U-Bahn aussteigen. Jamal überredet Forrester zu einem Umweg und führt ihn zum verlassenen Yankee Stadion, wo sein Bruder Terrell (gespielt vom berühmten Rapkünstler Busta Rhymes) als Parkwächter arbeitet. Nach allen Regeln der Kunst unkenntlich gemacht, eingehüllt in einem ockerfarbenen Dufflecoat, mit grauer Golfkappe auf dem Haupt und einer dunklen Sonnenbrille im Gesicht, vermochte Connery dieser einsam aufs Baseballfeld hinausschreitenden Gestalt von Forrester doch schlaglichtartig die Aura der Besonderheit einzugeben.

"Wir wollten einen speziellen Mantel für ihn. Zuerst versuchten wir es mit einer Art Regenhaut, die wir grellgelb anmalten," so Kostümbildnerin Ann Roth. "Aber das Ergebnis war nicht zufriedenstellend. Nach mehreren anderen Versuchen, die alle keine befriedigenden Resultate lieferten, gab ich die Idee auf und entwarf einen traditionellen Mantel mit Knebelknöpfen aus dreifach gekämmter Meltonwolle in einem satten orange-ockerfarbenen Ton. Meltonwolle ist ein wundervolles Material. Der Mantel wog letztendlich 39 Kilo. Ich schätze, Sean Connery ist einer der wenigen Menschen auf dieser Welt, die sich in so etwas wohlfühlen können."

Für Forresters Garderobe entwarf die Oscar-Gewinnerin Kleidung nach dem Vorbild von Schriftstellern der vierziger und fünfziger Jahre, wobei sie immer auch den Aspekt seiner bereits Jahrzehnte währenden Zurückgezogenheit bedenken mußste: "Er hatte sich damals vielleicht einen oder zwei gute Anzüge von Brooks Brothers gekauft, die er immer noch besitzt," führt Roth aus. "Im Prinzip zieht er einfach alles an, was sich in seinem Schrank befindet, da er ja die Wohnung nie verlässt. Wenn er alleine ist, trägt er einen alten Rollkragenpullover und eine Pyjamahose. Darin fühlt er sich am wohlsten. Nach einer Weile hat er sich so an Jamals Gegenwart gewöhnt, dass er seinen Schlafanzug selbst in dessen Gegenwart trägt, ohne weiter darüber nachzudenken.

Roths Entwürfe für diesen Film ziehen niemals die Aufmerksamkeit um ihrer selbst Willen auf sich, und ihr Ziel ist es immer wieder, die Kostüme lediglich als Verstärkung der Charaktere zu kreieren. Mit dieser Philosophie entwarf sie auch die Kleidung für Jamals Freunde: "Die Jungs in der Bronx haben ihren ganz eigenen Sinn für Mode. Sie sind Teenager, und sie kleiden sich angeberisch. Sie lieben weite Hosen, Basecaps, voluminöse Jacken und schlabbernde Shirts. Sie wollen damit eine Haltung zum Ausdruck bringen, ein Statement machen. Diese Kleidung ist eine Art Gefieder. Dazu tragen sie sehr viele Accessoires. Damon beispielsweise trägt eine Art Strumpfmütze, die man heutzutage bei vielen schwarzen und Latinojungs überall in New York sieht. Jamal liebt seinen peruanisch-tibetanischen Hut mit dem falschen Yakpelz abgöttisch. Er trägt ihn ständig - das heißt, bis er nach Mailor kommt."

"In Mailor-Callow ist Mode nur Nebensache. Die Uniform, die die Kids tragen, ist von der Schulverwaltung vorgeschrieben, um alle einander gleich zu machen, und so spielen die Studenten das, was sie tragen, herunter. Die Uniformen sind zerknittert und unordentlich. Damit protestieren sie gegen die Autorität. Jamal gewöhnt sich daran, ohne die Haltung jedoch komplett anzunehmen. Er kann seine Vergangenheit nicht völlig verleugnen."

Nächste Station der Dreharbeiten: Die Party im Penthouse von Dr. Spence, einem der einflussreichsten Förderer von Jamals neuer Schule. Sie wurde in Midtown Manhattan aufgenommen. Nach einem Basketballspiel mit der Mailor-Mannschaft schneit Jamal in diese piekfeine Gesellschaft und stellt zu seiner Überraschung fest, dass dieses Penthouse auch das Zuhause von Claire (Anna Paquin) ist, die ihn an seinem ersten Tag mit den teilweise kuriosen Regeln der Schule vertraut gemacht hat und die nun versucht, ihm seine Scheu vor der exklusiven Atmosphäre ihres Zuhauses zu nehmen.

"Jamal und Claire haben von dem Moment an, als sie sich zum ersten Mal sehen, eine Art Verbindung," erzählt Anna Paquin. "Er hat etwas, was ihr Vertrauen weckt, und sie weiß nicht warum, aber sie möchte ihm helfen. Claire ist eine starke Persönlichkeit, dem trage ich Rechnung. Was mich an ihrem Charakter außerdem gereizt hat, ist die Tatsache, dass ich bisher noch nie jemanden gespielt habe, der hier und jetzt lebt und etwas mit mir gemeinsam hat," fährt sie fort. "Claire ist jemand, mit dem ich befreundet sein könnte. Die Schule, auf die ich gehe, unterscheidet sich nicht sehr von Mailor-Callow. Es ist eine sehr akademische Schule, die einen aufs College vorbereitet, vielleicht ein bisschen weniger steif wie Mailor. In vielerlei Hinsicht aber sind die Ziele der Studenten ähnlich. Wir alle wollen uns behaupten und auf ein gutes College gehen."

Viele wichtige Szenen in Forrester - gefunden! spielen an der Mailor-Callow Schule. Die Schule steht für die radikale Veränderung in Jamals Leben und das Versprechen, das die Zukunft für ihn bereitzuhalten scheint. Alles in allem wurden vier verschiedene Drehorte benötigt, um die Mailor-Schule für den Film entstehen zu lassen - inklusive der Allgemeinen Theologischen Akademie.

Die Szenen in der Mailor-Cafeteria wurden in der New School Cafeteria in Greenwich Village an der 11. Straße gedreht, und die Szenen in der Sporthalle wurden auf dem Dach des Boy's Harbor aufgenommen, einem Gemeindezentrum an der Ecke von Fifth Avenue und 105. Straße. Die Szenen in den Korridoren und Klassenräumen wiederum drehte Van Sant an der Regis High School, einer angesehenen jesuitischen Akademie an der 85. Straße zwischen Madison und Park Avenue. Van Sant und Musky hatten die Regis ausgewählt, weil die Architektur des Gebäudes dem gewünschten Look eines klassischen, altehrwürdigen Instituts entsprach.

"Die Dimensionen dort sind ziemlich groß, fast schon gewaltig," erläutert Musky. "Jamal ist von den marmornen Gängen und dem strengen Charakter der Räume wie erschlagen.

Nach Beendigung dieser Sequenzen ging es für die Filmcrew nun darum, Jamals heimatliche Umgebung in der Bronx zu gestalten - insbesondere die Szenen in seiner alten Schule, der Calvin Coolidge High School. Die Szenen in der Cafeteria und den Korridoren der Coolidge-Schule wurden in der Seward Park High School an der Lower East Side Manhattans gedreht. Die Szenen vor dem Eingang der Coolidge High School sowie das Büro des Direktors wurden an der John F. Kennedy High School, die Klassenräume und Korridore an der DeWitt Clinton High School aufgenommen. Beide Schulen liegen ebenfalls in der Bronx.

Mit Abschluss des Drehs an den verschiedenen Schulen ging es für das Filmteam wieder zurück in die South Bronx - vor das Haus an der Ecke von Park Avenue und 158. Straße. In diesem fünfstöckigen Ziegelbau hat Forrester seine Wohnung. Und es war das einzige Objekt in der gesamten South Bronx, das allen Anforderungen der Filmemacher genügen konnte: Es sollte nach 1900 aber vor dem zweiten Weltkrieg erbaut sein. Es sollte große mit einem Sims abschließende Fenster zur Straße hinaus haben, es sollte sich durch 'Charakter' von den uniformen Gebäuden der Umgebung abheben, es sollte sich in einer ärmeren Wohngegend befinden, und es sollte sich ein Basketballplatz in der Nähe befinden.

Natürlich unterscheidet sich die Park Avenue in der Bronx auf Höhe der 158. Straße erheblich von dem luxuriösen Abschnitt in Manhattan unterhalb der 96. Straße, wo das Filmteam zuvor mehrere Szenen gedreht hatte. Kameramann Harris Savides legte keinen Wert darauf, die Unterschiede zwischen den beiden Stadtteilen gesondert hervorzuheben. Er wollte jeden der beiden für sich alleine sprechen lassen.

"Meine Arbeitsweise in der Bronx war die gleiche wie auch schon in Toronto und Manhattan. Die Geschichte ist realistisch. Gus wünschte sich einen natürlich aussehenden Film, der dem Drehbuch angemessen war, und das war unsere Herangehensweise. Nichts sollte überbetont werden, und wir hielten uns auch mit extravaganten Kamerabewegungen zurück. Wir wollten die verschiedenen Welten im Film darstellen wie sie waren."

Anhand eines Gebäudes an der Clay Avenue in der Bronx, das als Jamals Haus diente, lässt sich Savides' Äußerung gut verdeutlichen: "Wir mußsten eine Szene in der Eingangshalle drehen. Es handelte sich dabei um ein real bewohntes Gebäude. Gus und ich gingen hinein, um uns anzusehen, wie die Lobby tatsächlich aussah, wie sie beleuchtet war. Und so haben wir sie auch aufgenommen. Ich habe in der Eingangshalle das Licht so gesetzt, dass sie gerade so erscheint, wie sie immer aussieht - weder übersteigert dramatisch, noch romantisierend."

Am 9. und am 10. Juni gehen die Dreharbeiten zu Forrester - gefunden! mit zwei Nachtdrehs zu Ende. Am 9. Juni entsteht in der Bronx noch eine weitere Straßenszene, in der Jamal mit seinem Basketball in der Hand an brennenden Autowracks vorbei eine verwahrloste Straße hinunterschlendert, und am Abend darauf fällt schließlich die allerletzte Klappe in der Wissenschaftlichen Bibliothek an der Madison Avenue Ecke 34. Straße. Hier sucht Jamal nach William Forresters Roman "Avalon Landing" und findet heraus, dass sämtliche 24 Exemplare, die die Bibliothek besitzt, ausgeliehen sind.

Die letzten Momente dieser Dreharbeiten sind für viele Mitarbeiter eine Gelegenheit, sich noch einmal an jene Szene zu erinnern, die zwar bereits vor einigen Wochen gedreht wurde, die aber das große Finale des Films ergeben wird: Während seines unerwarteten Besuchs in Mailor-Callow, hält der legendäre Schriftsteller eine Rede, in der man in verdichteter Form viele Themen des gesamten Projekts ausmachen kann: "Der Verlust der Familie, er erlegt uns auf, unsere eigene Familie zu finden. Nicht unbedingt die Familie, die unser Blut ist, sondern die Familie, die unser Blut werden kann", erklärt Forrester vor den Studenten, Professoren und Jamal. "Und sollten wir die Weisheit besitzen, dieser neuen Familie unsere Türen zu öffnen, dann werden wir sämtliches Wünschen und Streben von einst ... nach dem Vater, der uns einst leitete, nach dem Bruder, der uns einst inspirierte wiederfinden.

© Fotos: Columbia Tristar © 1994 - 2010 Dirk Jasper