Ausführlicher Inhalt zu Chocolat

Szenenfoto Frankreich 1959. An dem kleinen Städtchen Lansquenet-sous-Tannes scheint das moderne Leben vorbeizuziehen. Der Alltag hier ist geprägt von dem Besuch der Sonntagsmesse und der strikten Einhaltung der kirchlichen Feiertage. Zwar hat der junge Pfarrer Pére Henri (HUGH O'CONOR) eine heimliche Vorliebe für amerikanischen Rock'n Roll, doch unter den immer wachsamen Augen des Comte De Reynaud (ALFRED MOLINA), Bürgermeister und selbst ernannter oberster Sittenwächter des Ortes, sind auch Pére Henris Predigten fest verankert in den traditionellen Werten.

Das ändert sich, als der Nordwind in einer stürmischen Winternacht zwei geheimnisvolle Fremde in die Stadt weht: Vianne (JULIETTE BINOCHE) und ihre kleine Tochter Anouk (VICTOIRE THIVISOL). Die beiden mieten von Armande (Judi Dench), einer ebenso eigenwilligen wie scharfzüngigen Witwe, eine leerstehende Bäckerei gegenüber der Kirche. Ganz Lansquenet rätselt über die Pläne der Neuankömmlinge.

Szenenfoto Am Valentinstag steht dem verschlafenen Städtchen ein Schock bevor: Viannes Laden entpuppt sich als Chocolaterie, exotisch dekoriert und voll mit den verlockendsten Köstlichkeiten. Die prächtigen Schokoladen und feinen Pralinés sind himmlische Verführung und skandalöse Versuchung zugleich: Denn es ist Fastenzeit. Der strenggläubige Comte ist entsetzt.

Voller Argwohn, aber auch äußerst neugierig trauen sich die ersten Kunden in den farbenprächtigen Laden. Unter ihnen ist auch Armandes Tochter Caroline (CARRIE-ANNE MOSS) mit ihrem Sohn.

Luc (AURELIEN PARENT KOENIG) leidet sichtlich unter der strengen Fürsorge seiner überängstlichen Mutter. So manchen Nachmittag verbringt er am Fenster, wo er mit neidischen und sehnsuchtsvollen Blicken seinen Schulkameraden beim Fahrrad fahren zusieht. Solch gefährliche Freizeitabenteuer würde ihm seine Mutter, die ihn vor allem Unheil zu bewahren sucht, nie erlauben. Auch angesichts der süßen Versuchungen in Viannes Laden steht der frommen Caroline die Skepsis förmlich ins Gesicht geschrieben.

Szenenfoto Die nächste Kundin ist Josephine (LENA OLIN), eine schroffe und abweisende Außenseiterin. Verheiratet mit Serge (PETER STORMARE), dem brutalen Inhaber der Dorfkneipe, hat auch sie ihre kleine Fluchten: direkt unter Viannes Augen stiehlt sie eine Packung Pralinés. Vianne mit ihrem feinen Gespür für die Seelenqualen anderer tut so, als habe sie nichts bemerkt. Statt dessen will sie Josephine ein Geschenk machen - doch die flieht angesichts von soviel Freundlichkeit aus dem Laden.

Während die Bewohner ihre ersten Kontakte mit dem süßen Reiz des Neuen auskosten, sinnt der sittenstrenge Comte in seinem Studierzimmer darüber nach, wie er der verwerflichen Chocolaterie und seiner sündigen Besitzerin den Kampf ansagen kann. Selbst streng den Abstinenzregeln der Fastenzeit folgend, will er nicht mit ansehen, wie Lansquenet statt zu entsagen immer öfter der Versuchung nachgibt.

Szenenfoto Ganz anders Armande. Die Witwe sieht in Vianne eine Seelenfreundin, die endlich Abwechslung in das eintönige Dorfleben bringt. Täglich sitzt sie an Viannes Theke, um heiße Schokolade zu trinken und den neuesten Klatsch auszutauschen. Ihr erzählt sie auch von ihren Sorgen: Weil sie mit Tochter Caroline verkracht ist, darf sie ihren Enkel Luc nicht sehen.

Eines Abends geht Vianne in das Café de Republique, um der fassungslosen Josephine die Freundschaft anzubieten. Bei einem Gespräch im Hinterzimmer sieht Vianne das Offensichtliche: Josephine wird von ihrem Mann erniedrigt und verprügelt. Doch den Mut, ihn zu verlassen, hat sie nicht.

Am nächsten Tag startet der Comte seinen Feldzug gegen das süße Verderben und nimmt alle Bewohner in die Pflicht, allen voran Caroline, eine seiner glühendsten Verehrerinnen. Lansquenet soll wieder zu der rechtgläubigen Gemeinde werden, die es einmal war. Die erste Runde im Kampf zwischen Tradition und Fortschritt ist eröffnet.

Szenenfoto Vianne lässt sich nicht beeindrucken und so erliegen, während der Comte unbeirrbar seinen Kreuzzug gegen die Versuchung führt, immer mehr Menschen Viannes Charme. Mit ihrem magischen Gespür für die Hoffnungen und Träume Anderer findet sie für jeden das passende Praliné oder Konfekt. Vianne und ihre zauberhaften Süßigkeiten wecken die Lebensgeister: Alte Witwen entdecken die zarten Bande der Liebe neu, verkrachte Beziehungen sprühen neue Funken und aus alten Feinden werden neue Freunde. Für Armande hat Vianne eine ganz besondere Überraschung parat: Unter einem Vorwand bestellt sie Luc in die Chocolaterie, wo er auf seine völlig überrumpelte Großmutter trifft. Die beiden sind überglücklich über das unverhoffte Wiedersehen.

Und auch Josephine sucht Zuflucht bei Vianne - sie hat ihren Mann endlich verlassen. Serge, wütend und gedemütigt, wendet sich an den Comte um Hilfe. Doch als De Reynaud, im Bestreben die rechtmäßigen Verhältnisse wiederherzustellen, in der Chocolaterie erscheint, konfrontiert ihn Vianne mit Josephines blauen Flecken. Der entsetzte Comte nimmt Serge daraufhin in die Pflicht. Nach einer erzwungenen Beichte bei Pére Henri wird der Sünder in den Religionsunterricht geschickt. Völlig erniedrigt und kleinlaut sitzt er dort zwischen den Kindern des Dorfes.

Szenenfoto Das Leben in Lansquenet nimmt seinen neuen Gang. Sehr zum Missfallen des Comte entwickelt sich die Chocolaterie immer mehr zum Treffpunkt, an dem man nascht und ganz nebenbei neue Lebensfreude tankt.

Da wird die trügerische Ruhe vor dem Sturm eines Tages durch die Ankunft von Flußvagabunden jäh unterbrochen. Das ganze Städtchen ist in Aufruhr, einzig Vianne und Anouk wagen es, die Neuankömmlinge zu begrüßen. So lernen sie Roux (Johnny Depp), den Anführer der Fahrenden, kennen, von dessen geheimnisvollem Charme Vianne sichtlich eingenommen ist. Doch noch ist Roux abweisend - zu negativ sind seine Erfahrungen mit Dorfbewohnern.

Die Ankunft des fahrenden Volkes ruft eine Krisensitzung des Gemeinderats unter Vorsitz des Comtes auf den Plan. Da man keine rechtliche Handhabe gegen die Fremdlinge hat, sollen sie geschnitten und so zur Abfahrt bewegt werden. Die Bürger von Lansquenet rüsten sich zum 'Boykott der Unmoral'.

Szenenfoto Inzwischen hat Serge das Umerziehungsprogramm erfolgreich bestanden und will sich mit Josephine versöhnen. Als sie ihn abweist, bricht Serge voller Hass auf Vianne, die er als treibende Kraft hinter dem Freiheitsdrang seiner Gattin sieht, in die Chocolaterie ein und stürzt sich auf die Frauen. Nur der beherzte Einsatz von Josephine kann verhindern, dass Vianne zu Schaden kommt.

Um sich aufzumuntern und neue Kunden zu gewinnen, planen Vianne und Josephine zu Ostern ein 'Grand Festival Du Chocolat', ein Schokoladenfest mit Gauklern und Musikern und natürlich allen möglichen süßen Köstlichkeiten. Die Vorbereitungen sind im vollen Gange, da treffen Caroline und Armande zufällig aufeinander. Sofort kommt es zum Streit, Caroline wirft Vianne vor, ihre Mutter zu vergiften. Denn, was niemand wusste: Armande ist Diabetikerin.

Szenenfoto Währenddessen bittet Roux in Serges Kneipe um ein Glas Wasser und wird mit den Worten: "Tiere bediene ich nicht," aus dem Lokal gejagt. Der Boykott in Lansquenet funktioniert, jeder weist die Fremden ab. Einzig Vianne bleibt hilfsbereit. Als Dank bietet ihr Roux an, die bei Serges Einbruch zerstörte Ladentür zu reparieren. Nur zu gerne nimmt Vianne an, als sie allerdings Roux ein Konfekt schenkt und wie immer sicher ist, die richtige Wahl getroffen zu haben, wird sie enttäuscht - zum ersten Mal haben ihre magischen Fähigkeiten versagt.

Am nächsten Tag beginnt Roux mit seiner Arbeit. Vianne blüht durch Rouxs Anwesenheit sichtbar auf, die beiden verbindet Freiheitsliebe und Sinnlichkeit. Doch je näher sie sich kommen, desto mehr eskaliert auch der Kampf mit dem Comte. Diesem ist die Freundschaft zwischen den beiden Außenseiten ein Dorn im Auge, so dass es fast zwangsläufig zur offenen Kriegserklärung kommt.

Szenenfoto Abends verlangt die kleine Anouk nach ihrer liebsten Gute-Nacht-Geschichte, der romantischen Liebesgeschichte ihrer Großeltern. Viannes Vater, ein Apotheker, hat an einer Expedition nach Mittelamerika teilgenommen, um dort die heilenden und magischen Wirkungen der Kakaobohne zu erforschen. Dabei hat er eine geheimnisvolle Schönheit lieben gelernt und ist mit ihr nach Frankreich zurückgekehrt. Doch Chitza, eine Maya, hat es nicht lange geschafft sesshaft zu bleiben. Getrieben vom Nordwind, verließ sie ihren Mann und zog mit ihrer kleinen Tochter Vianne immer weiter von Ort zu Ort, so wie jetzt Vianne mit ihrer Tochter Anouk.

Am Palmsonntag verliest Pére Henri seine Predigt gegen Unmoral und Sünde, hinter jedem seiner strengen Worte ist die Feder des Comte zu spüren. Am Ende des Gottesdienstes steht fest, wer den Sieg errungen hat: Die Bürger von Lansquenet werden Viannes Chocolaterie fortan meiden.

Szenenfoto Einzig Armande hält ihr die Treue und bittet sie, ihr eine Geburtstagsparty auszurichten. Josephine und Vianne bereiten ein prächtiges Festessen zu: kulinarische Leckerbissen ohne Ende, allesamt verfeinert mit Schokolade. Armande ist sichtlich glücklich, ihre Gäste ausgelassen und fröhlich wie schon lange nicht mehr. Im Laufe des Abends knistert es auch zwischen Roux und Vianne immer stärker. Das Dessert wird auf seinem Hausboot eingenommen und bei Wein und Musik tanzen und feiern Armandes Gäste bis tief in die Nacht.

Alle anderen schlafen schon, da machen sich die beiden Frischverliebten zu einer romantischen Bootsfahrt auf. Doch während sie erste Zärtlichkeiten austauschen, bahnt sich eine Katastrophe an. Serge, der immer noch auf Rache sinnt, zündet eins von Rouxs Booten an - das auf dem Josephine und Anouk friedlich schlafen. Als Vianne das Unglück bemerkt, will sie voller Verzweiflung ihre Tochter aus dem Flammenmeer retten, doch Roux hält sie zurück - es scheint zu spät. Die völlig aufgelöste Vianne überschüttet Roux mit wüsten Beschimpfungen und weist ihn von sich - da kommt Anouk aus der Nacht gerannt - sie und Josephine haben sich in letzter Sekunde retten können.

Szenenfoto Am nächsten Morgen erfährt Lansquenet, dass Armande in der Nacht nach ihrer Feier friedlich gestorben ist. Ausgerechnet die Beerdigung der lebensfrohen Witwe nutzt der Pére zu einer weiteren flammenden Warnung vor Sünden und Ausschweifungen. Für Vianne scheint die Zeit in Lansquenet endgültig abgelaufen und auch Roux ist über Nacht verschwunden.

Als der aufkommende Nordwind stärker wird, macht sich Vianne daran ihre Koffer zu packen. Sehr zum Ärger von Anouk, die das Herumreisen satt und nur einen Wunsch hat: endlich ein Zuhause. Als Vianne ihre Tochter trotzdem gewaltsam zur Haustür zerrt, fällt ihr das Kostbarste, das sie besitzt, aus der Tasche und zerbricht auf den Stufen des Hauses: die Urne mit der Asche ihrer Mutter. Als gleich darauf der Nordwind den feinen Staub zum Fenster hinaus nach Lansquenet trägt, hören Vianne und Anouk aus der Küche Stimmen: Viele Bewohner des Ortes haben sich versammelt, um Vianne ihre Freundschaft zu beweisen. Vianne erfährt, dass auch ihr etwas gegeben wird, etwas mit dem sie nie gerechnet hätte, und zum ersten Mal spürt sie, dass sie an einem Ort wirklich angekommen ist.

Endlich mußs auch der Comte feststellen, dass es sinnlos ist, seine innersten Bedürfnisse für immer unterdrücken zu wollen. Er erlöst sich schließlich selbst - auf die denkbar süßeste Art.

In Lansquenet scheint nun der Weg in eine neue Zukunft geebnet zu sein. Und der Nordwind? Er bringt eines Tages Roux zurück zu Anouk und Vianne. Vielleicht für immer.

Dirk Jasper FilmLexikon
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