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Vor sechs Jahren sprach Drehbuchautor Alain Godard Regisseur Jean-Jacques Annaud auf eine Episode an, die er in William Craigs Buch "Enemy at the Gates" gelesen hatte. Diese Episode handelt von dem legendären Duell zwischen einem jungen russischen Schäfer und einem deutschen Adligen während der Schlacht um Stalingrad.
Um die Hintergründe der Geschichte zu erforschen, reisten Annaud und Godard nach Stalingrad, dem heutigen Wolgograd, wo man ihnen Einblick in die Originalakten über Vassili Zaitsev, den jungen Russen, gewährte.
Es gibt verschiedene Versionen der Legende, die sich um Zaitsev rankt – seine Duelle mit dem deutschen Scharfschützen, der Figur des Major König, und seine Liebesaffäre mit einer Soldatin. In zahlreichen Artikeln und Rundfunksendungen wurde über den Zweikampf der beiden berichtet, doch alle Schilderungen weichen voneinander ab, und es ist beinahe unmöglich, zwischen Wahrheit und dichterischer Freiheit zu unterscheiden, zwischen Wirklichkeit und Mythos.
Selbst 60 Jahre nach der Schlacht von Stalingrad gilt Zaitsev immer noch als Nationalheld, dessen Geschick als Scharfschütze und Mut niemand in Frage stellen würde. Auf dem monumentalen Basrelief auf der Gedenkstätte in Wolgograd, die den Helden der Schlacht von Stalingrad gewidmet ist, ragt sein Abbild über das aller anderen hinaus. Sein Gewehr wird im Geschichtsmuseum der Stadt verwahrt, und seine Siegestrophäe – das Zielfernrohr seines deutschen Gegners – ist im Museum der Streitkräfte in Moskau ausgestellt.
Vassili, so Annaud, war der vollkommene Held. Man machte ihn zur Identifikationsfigur der sowjetischen Propagandakampagnen, und es hieß, er habe sich in eine Soldatin aus seiner Division verliebt. König, sein deutscher Gegenspieler, taucht ebenfalls häufig in der sowjetischen Propaganda auf, obwohl wir in Deutschland selbst nichts in Erfahrung bringen konnten.
Um die Schilderung des Duells dieser beiden Männer herum kreierten Annaud und Godard eine Geschichte über eine Handvoll Menschen, deren Lebensgeschichten sich für einen kurzen Augenblick verflechten.
Wir nahmen uns ein geschichtliches Ereignis und haben versucht nachzuempfinden, was in den Menschen vorging, die das am eigenen Leibe miterlebt haben, so Annaud. Einiges wissen wir über diese Menschen durch Archive und Nachrichtenmaterial; der Rest ist im wesentlichen Mutmaßung, aber gerade das macht die Faszination und Anziehungskraft dieser Geschichte aus.
Duell - Enemy At The Gates ist ein Film über Zweikampf und Dualität, über Kontraste und Extreme. Die tatsächlichen Geschehnisse stehen im Hintergrund, sie werden lediglich von der Propaganda aufgebauscht. Zwei Menschen verfolgen einander, inmitten Millionen Sterbender, doch diese beiden sind es, die im Mittelpunkt stehen. Der kleinste Teil ist nur ein winziges Stück der großen Leinwand, wird aber in der Folge zum zentralen Symbol des Ganzen.
Ich war fasziniert von der Idee, von der extremen Nahaufnahme zu der äußersten Totalen zu gehen, das Mikroskop gegen das Fernrohr auszutauschen, einen intimen Film zu drehen, der inmitten einer Schlacht von epischen Ausmaßen spielt, die Tugend der Geduld in Beziehung zu setzen zu extremer Dringlichkeit, wahrzunehmen, wie Wahnsinn zur Normalität wird und ganz alltägliche Gefühle außergewöhnliche Situationen bestimmen.
Eines der wichtigsten Elemente von Duell - Enemy At The Gates ist die Liebesgeschichte zwischen Vassili und der Soldatin Tania, gespielt von Rachel Weisz, und die Eifersucht die diese Beziehung in Danilov weckt. Die Figur baut auf der wirklichen Soldatin Tania auf, die in Stalingrad kämpfte und sich tatsächlich in Vassili verliebt hatte. Die Rolle verdeutlicht, was sowjetische Frauen im Krieg wirklich geleistet haben.
Die Flugabwehrkommandos in Stalingrad wurden von jungen weiblichen Freiwilligen übernommen, die ihre Waffen gegen die deutschen Bodentruppen richteten und dabei furchtbare Verluste erlitten. Eine komplette Kampfflieger-Staffel, die an der Front von Stalingrad eingesetzt war, bestand nur aus Frauen. Sie stellten auch die Mehrheit der Sanitäter, die zum einen gegen den Feind kämpften und andererseits immer wieder ihr Leben riskierten, um verwundete Soldaten in Sicherheit zu bringen. Tausende Frauen arbeiteten in Fabriken und stellten Waffen und andere Güter her, die für die Kriegsmaschinerie gebraucht wurden.
Für die Rolle des Vassili entschied sich Annaud für Jude Law, einen jungen Schauspieler, der bald darauf durch seine Oscar ® -Nominierung für Der talentierte Mr. Ripley bekannt wurde.
Ich habe eine frühe Fassung von Der talentierte Mr. Ripley gesehen, entsinnt sich Annaud, und ich fand, dass Jude eine ungeheure Anziehungskraft besitzt. Seine Augen spiegeln Intelligenz und Lebendigkeit wieder, und doch kann er unglaublich ruhig und in sich zurückgezogen wirken; für mich war von Anfang an klar, dass er sich in die Figur des Vassili hineinversetzen konnte.
Für Law war die Rolle des Vassili etwas vollkommen Neues, das er schon lange gesucht hatte. "Es ist eine so eindrucksvolle Geschichte und genau die Art von Film, in der ich noch nie zuvor mitgespielt habe", sagt er. Zwischen Vassili und Ripley und den Sandstränden Süditaliens liegen einfach Welten.
Law las wie besessen, sah sich Dokumentarfilme an und recherchierte den gesamten geschichtlichen Zeitraum. Des weiteren unterzog er sich einer gründlichen Ausbildung in der Waffentechnik von Scharfschützen.
Vassili war ein junger Mann aus einfachsten Verhältnissen aus dem Ural, der Soldat wurde und Anerkennung für seine Fertigkeiten als Scharfschütze erhielt, meint Law. Mehr noch, er wurde von den Polit-Offizieren zum Volksheld auserkoren, obwohl man sich nicht sicher sein kann, wie viel von dem Mythos, der ihn umrankt, wirklich ist und wie viel der Phantasie entspringt.
Wir wissen natürlich, dass viele von Vassilis Erfolgen der Wahrheit entsprechen und auch dokumentiert sind, fährt Law fort. Doch wir sehen ihn als eigenständige Persönlichkeit, als einen Menschen, der umgeben ist von Chaos und Blutvergießen.
Worum es in dem Film wirklich geht ist, dass Menschen als Kanonenfutter missbraucht werden. Während dieser Schlacht kamen so viele Männer auf schrecklichste Art und Weise um. In diesem Film wird nicht nur das Ausmaß des Krieges deutlich, sondern auch der Verlust menschlichen Lebens auf einer ganz persönlichen Ebene.
Die Wahl für die Rolle des Danilov, dem Polit-Offizier und Propaganda-Spezialisten, der Vassilis erstaunliches Talent als Scharfschütze entdeckt und ihn zu einem Nationalhelden aufbaut, fiel auf Joseph Fiennes. Danilov wird schließlich auch zu Vassilis Rivalen um die Gunst einer jungen Soldatin.
Danilov lebt sehr zurückgezogen in seiner eigenen Welt und seinen Büchern, sagt Fiennes. Darin liegt eine Lehre für uns alle, die Realität zu leben und das Leben nicht nur von außen zu betrachten, sondern es tatsächlich zu leben und zu atmen. Das ist ein Teil des Untergangs und der Tragödie von Danilov, und es war ein Aspekt, der mich ganz besonders angezogen hat.
Die epische Tragweite der Geschichte ist Hintergrund für eine viel persönlichere Erzählung. Ich glaube, die Ausdruckskraft und die Dynamik des Inhalts liegt in der Verbindung beider Elemente.
Für die Rolle der Tania suchten die Produzenten eine Schauspielerin, die sowohl weiblich und attraktiv wirken als auch mit einem Gewehr in der Hand glaubwürdig erscheinen sollte. Die Wahl fiel auf Rachel Weisz.
Tania ist eine starke und integere Frau, sagt Weisz. Anfangs hat sie überhaupt keine Vorstellung vom Krieg. Sie begibt sich auf eine persönliche Entdeckungsreise und erklärt sich bereit, der freiwilligen Bürgerwehr beizutreten. Dabei lernt sie Polit-Offizier Danilov kennen, der sie beschützen möchte, gleichzeitig fühlt sie sich aber von Vassili und dessen natürlicher, instinktiver Beziehung zur Welt angezogen.
Die Rolle von König, dem adligen deutschen Scharfschützen, ging an Ed Harris, der bereits einmal für einen Oscar ® nominiert wurde. Die ausführende Produzentin Alisa Tager erinnert sich: Als Ed das erste Mal zu den Dreharbeiten erschien, hatten wir bereits sechs Wochen lang gedreht. Eine der ersten Szenen war eine Nahaufnahme seiner Augen, und wir fanden alle, dass erst jetzt alles wirklich zueinander passte. Durch Eds faszinierende Augen kam der bedrohliche Aspekt erst so richtig zum Tragen.
"Die Figur von König", erklärt Harris, wird mehr als eine Präsenz wahrgenommen. Er ist ein Mann, der eine Aufgabe zu erfüllen hat. Unsere Geschichte rankt sich um den Zweikampf zwischen Vassili und König. Es liegt in der Natur dieses Duells, dass sie sich nie begegnen. Jean-Jacques arbeitet viel mit Nahaufnahmen, und ich glaube, die Spannung zwischen meiner Rolle und der von Jude ist zu einem großen Teil auf das Drehbuch zurückzuführen. Es ist ambitioniert, sehr gut geschrieben und durch und durch faszinierend.
Im Zuge seiner Regiearbeit mit Harris und der übrigen Besetzung traf Annaud eine wichtige Entscheidung: Obwohl die Figuren Russen und Deutsche waren, sollten die Schauspieler ihre Rollen auf Englisch sprechen und dabei ihren eigenen Akzent beibehalten, ganz gleich ob amerikanisch oder britisch. Annaud wollte vermeiden, dass seine Besetzung mit klischeehaften Filmakzenten belastet wurde – der düster-klingende Deutsche, der mürrische Russe –; so sollte es den Schauspielern ermöglicht werden, auf natürliche und direkte Art und Weise mit dem Publikum zu kommunizieren.
Bob Hoskins spielt Nikita Chruschtschow, den obersten Polit-Offizier an der Front von Stalingrad, der damit beauftragt ist, die Stadt um jeden Preis zu verteidigen. Als ungebildeter Sohn eines Bergarbeiters erlangte Chruschtschow politische Macht durch seine Fähigkeiten als Volksredner.
Anfangs, während der Arbeiterversammlungen in den Fabriken, hatte er keine Hemmungen, seine deftige Sprache mit Obszönitäten zu würzen, um die bewundernd zu ihm aufblickenden Arbeiter aufzustacheln. Später brachte ihm sein rhetorisches Geschick einen Platz an der Spitze der sowjetischen Regierung ein.
Seine plötzlichen Ausbrüche und unbeherrschten Reden, sowie der spektakuläre Moment, als er während einer Versammlung der Vereinten Nationen seinen Schuh auszog und damit auf den Tisch schlug, machten ihn zu einer schillernden Persönlichkeit.
Annaud ist der Ansicht, dass Bob Hoskins mit seiner umgangssprachlichen Redegewandtheit ideal für diese Rolle war. Er verkörperte Chruschtschows Ebenbild nicht nur rein äußerlich, sondern hauchte der Rolle auch Leben und Substanz ein.
Bob Hoskins meint dazu: "Chruschtschow war ein erstaunlicher Mensch. Er war stark und voller Energie und konnte skrupellos sein. Es ist wichtig, nachempfinden zu können, woher der Mann eigentlich kam."
Die Rolle des Koulikov in Duell - Enemy At The Gates, einem altgedienten Scharfschützen und engstem Freund von Vassili, wird von Ron Perlman gespielt.
Perlman ist einer der Lieblingsdarsteller von Annaud – bereits in den Filmen "Am Anfang war das Feuer" und "Der Name der Rose" überzeugte er durch seine herausragende Darbietung.
"Als ich die Beschreibung von Koulikov las, wußte ich sofort, wer er war", sagt Perlman. Jean-Jacques hat genau erkannt, wie man mit dieser Figur am besten umgeht. Koulikov ist jemand mit einem unglaublichen Sinn für Humor, der seiner Weltgewandtheit und seinem Zynismus gegenüber dem herrschenden System entspringt.
Weitere Darsteller sind der 14-jährige Gabriel Marshall-Thomson als Sacha, einem
jungen Russen, der die deutschen Streitkräfte infiltriert, und zwei der bekanntesten
Talente der deutschen Schauspielszene: Eva Mattes und Matthias Habich. Mattes spielt
Mutter Filipov, deren Kellerwohnung zum Zufluchtsort für Vassili und seine Kameraden
wird, und Habich spielt die Rolle des General Frederich von Paulus, dem Oberbefehlshaber der deutschen Streitkräfte in Stalingrad.
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