Produktionsnotizen zu Thirteen Days

Nur wenige, die die angespannten Tage der Kubakrise miterlebt haben, werden jemals die Angst vergessen, die jeden neuen Bericht über den nuklearen Showdown zwischen den beiden Weltmächten begleitete. Die UdSSR existiert nicht mehr, der Kalte Krieg ist lange vorbei, aber die Zahl der Nuklearwaffen - und der Länder, die sie besitzen - wächst stetig weiter. Das Undenkbare ist immer noch möglich.

Aber nie mehr war die Angst vor dem nuklearen Holocaust so unmittelbar wie in jenen verhängnisvollen Tagen des Oktober 1962. Wäre es zu einem militärischen Schlagabtausch gekommen, hätte man vermutlich hunderte Millionen Opfer zu beklagen gehabt. Der nukleare Angriff hätte zur Zerstörung der nördlichen Hemisphäre geführt. Die Vergiftung der globalen Atmosphäre und des Wassers hätte katastrophale Ausmaße angenommen. Keine Frage: Die Kubakrise stellte für die gesamte Menschheit eine Bedrohung ohne Vergleich dar. Besonnene Köpfe waren gefragt, um eine Eskalation der verfahrenen Situation zu vermeiden.

Am 16. Oktober 1962 legte McGeorge Bundy, der Berater der nationalen Sicherheit, Präsident Kennedy eine Serie von Fotos vor, die von U-2-Spionageflugzeugen aus gemacht wurden und offenbarten, dass die Russen ballistische Mittelstreckenraketen auf Kuba installiert hatten - nukleare Angriffswaffen, die binnen Minuten jede größere Stadt der Vereinigten Staaten hätten erreichen können.

Kennedy und seine Berater waren wie vor den Kopf gestoßen. Bislang hatte die Führung der UdSSR immer wieder bestritten, Nuklearraketen nach Kuba transportiert zu haben. Die Entdeckung der Waffen ließ den Kalten Krieg von einem Tag auf den anderen zur nuklearen Konfrontation werden.

Nachdem der Präsident die Situation der Nation in einer denkwürdigen Rede am 22. Oktober verkündete, kam es zu unvergesslichen Szenen. Binnen Stunden waren in den Supermärkten der USA sämtliche Alltagsvorräte und Trinkwasser ausverkauft. Die Kirchen füllten sich in Windeseile. Überall bereiteten sich die Bürger auf das schlimmste vor.

Obwohl er sich damals als 16-Jähriger in Australien aufhielt, erinnert sich Roger Donaldson detailliert an die zwei Wochen, die die Welt den Atem anhalten ließ: "Ich führte damals ein Tagebuch und schrieb sehr offen über die Raketenkrise. Ich machte mir Gedanken darüber, ob es ein Morgen geben würde oder nicht, ob es überhaupt noch einen Sinn hätte, Hausaufgaben zu machen. Dieser Konflikt, dieses eigenartige Gefühl, dass die Erde von einem Moment auf den anderen aufhören könnte sich zu drehen, hinterließ einen bleibenden Eindruck bei mir."

Jahrzehnte später ist Donaldson, der mit Kevin Costner bereits an dem Pentagonthriller "No Way Out - Es gibt kein zurück", (1987) gearbeitet hatte, von den Ereignissen, die damals die Welt erschütterten, immer noch genauso fasziniert. Nicht nur die enormen Risiken und die nahezu greifbare Gefahr sind ihm in Erinnerung geblieben, sondern auch die fein miteinander verwobenen persönlichen und politischen Drahtseilakte, die schließlich maßgeblichen Anteil daran hatten, dass die Welt gerettet wurde.

Als man Donaldson das Drehbuch zu Thirteen Days vorlegte, war er beeindruckt, dass sich hinter der wahren Geschichte alle Elemente eines klassischen Hochspannungsthrillers fanden. "Für mich stellt die Kubakrise nicht nur ein bezeichnendes Kapitel der Geschichte dar. Sie ist auch eine tolle Story: der ultimative Politthriller, in dem das Schicksal der Welt auf dem Spiel steht", erklärt Donaldson. "Es ist ein packendes menschliches Drama, das sich in einer Situation entfaltet, in der der Einsatz nicht höher sein könnte.

Während ich das Drehbuch las, wurde mir klar, dass fast keinem bewusst war, wie knapp wir am Dritten Weltkrieg vorbeischrammten und was tatsächlich in den Schaltzentralen der Macht vor sich ging - im Weißen Haus, in den Cockpits der Spionageflugzeuge oder an Deck der Flugzeugträger, die die Seeblockade errichteten. Darin liegt die eigentliche Spannung: zu erfahren, wie die Entscheidungen getroffen wurden und wie diese jungen Männer mit der Situation umgingen."

Für Donaldson stellte sich sofort eine sehr viel unmittelbarere Frage: Wie könnte man diese Tage vor knapp 40 Jahren zu neuem Leben erwecken? Wie müsste man die heldenhafte Geschichte der Männer und Frauen erzählen, deren Taten von damals auch heute noch Auswirkungen haben?

Es ist offensichtlich, dass es unmöglich ist, jeden wichtigen Augenblick der Kubakrise in einem Zwei-Stunden-Film unterzubringen. Die Herausforderung für die Filmemacher war es also, einen Weg zu finden, die Geschichte zu dramatisieren, der Seele, dem Herz, der Größe und der Gefahr der wahren Ereignisse aber dennoch gerecht zu werden.

Drehbuchautor David Self kämpfte sich durch zahllose Bücher und Veröffentlichungen zum Thema, las Memoiren und Biographien und studierte die verschiedenen Ansätze und Widersprüche. Er studierte eine gigantische Masse von Presseberichterstattungen von damals und erhielt sogar Zugang zu streng geheimen CIA-Dokumenten. Dazu verbrachte er Stunden damit, sich Bänder Kennedys aus dem Weißen Haus anzuhören, die auf bisweilen erschreckend unverblümte Weise offenbarten, wie aggressiv manche Berater vorgingen, um den Präsidenten zu einem nuklearen Schlagabtausch mit der Sowjetunion zu bewegen.

Self war fasziniert von der Stimmung unter Kennedys Beratern, einer Gruppe, die als ExComm (Kurzform von Executive Committee of the National Security Council) bekannt war: Alle gingen mit einem Höchstmaß an Leidenschaft und Entschlossenheit zu Werk, wohl wissend, dass von ihren Ratschlägen womöglich die Zukunft der Menschheit abhing.

Während Selfs Recherchen durchlief der Entwicklungsprozess verschiedene Phasen. Im Zeitalter von Fernsehserien wie "West Wing", in denen es dem Publikum erlaubt wird, einen Blick auf die private Welt im Weißen Haus zu werfen, war es den Produzenten wichtig, ein Drehbuch mit einem originellen, fesselnden Ansatz zu bekommen, in dem Authentizität der wichtigste Faktor sein sollte: Möglichst genau und exakt sollten der Präsident und seine Berater darin charakterisiert sein.

Der offensichtlichste Ansatz wäre es, die Geschichte von Präsident John F. Kennedy und seines Bruders Bobby zu erzählen. Zahlreiche Fernsehfilme, Bücher und Magazinartikel haben sich im Lauf der Jahre bereits für diese Perspektive entschieden. Die Filmemacher suchten indes nach einem originelleren Weg, die Tage der Kubakrise zu porträtieren. Sie fahndeten nach einem Mitglied des inneren Zirkels Kennedys, aus dessen Sicht man die Ereignisse erzählen könnte. Nach langen Diskussionen entschied man sich für Kenny O'Donnell, einen Mann, der während seiner gesamten öffentlichen Zeit an der Seite Kennedys stand.

Um mehr über die Rolle des unbeirrbaren und loyalen Beraters hinter den Kulissen zu erfahren, lauschte David Self stundenlang Interviews, die der legendäre NBC-Nachrichtenkorrespondent Sander Vancour mit O'Donnell geführt hatte. "O'Donnell war einer der Berater, denen Kennedy am meisten vertraute. Er ist der perfekte Insider, der den Zuschauer durch die Handlung führen kann", meint Self.

Die Filmemacher wollten einen Blick hinter den abgegriffenen Camelot-Mythos werfen, ein frisches Bild der Kennedys zeichnen. "Ihr Krisenmanagement in Thirteen Days ermöglicht ein komplexes Porträt der Kennedy-Brüder in Aktion. Beide verließen sich auf die Stärken und Ressourcen des anderen und fanden auf diese Weise einen Weg durch das Labyrinth aus Ratschlägen und Verhandlungen.

Unzählige Filme wurden gemacht, die Männer im Kampf glorifizieren", sagt Produzent Armyan Bernstein. "Wir haben einen Film gedreht, dem eine wesentlich noblere Idee zu Grunde liegt: Bei uns geht es um Männer, die verzweifelt nach einem Weg suchen, einen Kampf zu vermeiden. Wir zeigen auf dramatische Weise den Balanceakt zwischen Gewalt, Diplomatie und Kompromiss. Dies ist ein Film über Männer mit idealistischen Absichten, die konstant hin- und hergerissen werden von ihren Instinkten, ihren Überzeugungen und ihren Ängsten."

Und Self fügt hinzu: " Thirteen Days zeigt eine Seite der Kennedys, die, wenn überhaupt, nur selten in Betracht gezogen wird. Wir klammern die ikonische, mythische Seite aus und präsentieren die Kennedys, die aus der Krise gestärkt und mit der klaren Vision einer Welt im Gleichgewicht hervorgingen und sich nicht von der Kalten-Krieg-Manipulation anstecken ließen. Hier geht es nicht um patriotische Nostalgie. Diese Geschichte zeigt die beiden von ihrer menschlichen Seite, wie sie mit der Entschärfung einer Situation umgehen, die das Ende der Welt hätte bedeuten können."

Roger Donaldson war beeindruckt von Selfs Drehbuch: "All die Manöver, Machtkämpfe und persönlichen Agendas, die sich im Weißen Haus hinter den Szenen abspielten, stehen im Mittelpunkt der Geschichte." Donaldson selbst unternahm intensive Recherchen. Er sprach mit Ted Sorenson, dem ehemaligen Berater des Weißen Hauses, mit dem ehemaligen Verteidigungssekretär Robert McNamara, mit dem Navy-Luftkommandanten William B. Ecker und mit dem CIA-Fotoanalysten Dino Brugioni.

Die Unterhaltungen gaben Donaldson eine Vorstellung davon, wie unüberschaubar das Chaos und wie groß die Angst während der zwei Wochen wirklich war. "Wenn man diese Menschen trifft, die man als größer als das Leben ansieht, und ihre Ängste aus ihrem eigenen Munde hört, dann macht man sich erst einen Begriff davon, wie unvorstellbar gewaltig die Waffenarsenale waren, die beide Seiten damals auffuhren. Die Nuklearwaffen auf beiden Seiten waren für eine Auseinandersetzung von globalen Proportionen in Stellung gebracht. So etwas hat es nie wieder gegeben", sagt der Regisseur.

Genau dieses Gefühl wollten die Filmemacher in Thirteen Days greifbar machen. Produzent Peter Almond erläutert: "Wir wollten die Geschehnisse wie Action der Gegenwart darstellen, um den Zuschauer hautnah miterleben zu lassen, wie unerträglich groß der Druck war, der auf diesen jungen Männern lastete, und welchen Einfluss ihre Entscheidungen auf ihr späteres Leben hatten. Wir sind dankbar für den Input derer, die diese Tage selbst miterlebt haben. Dank ihrer Informationen war es uns möglich den Film so zu drehen, dass man als Zuschauer den Eindruck bekommt, man wäre selbst vor Ort gewesen."

Die Filmemacher versammelten ein überragendes Ensemble. Die Schauspieler lassen den Showdown in der Kammer des United Nations Security Council ebenso spannend und wichtig für die Geschichte wirken wie Kommandant William B. Eckers 500-Stundenkilometer-Flug über Kuba in niedriger Höhe, mit dem er die entscheidenden Fotos schießen konnte, die die gesamte Krise auslösten.

Almond fasst zusammen: "Es gibt viele Berichte über die Kubakrise. Thirteen Days bietet nun einen zusammenfassenden Blick. Wir berufen uns auf die tatsächlichen Ereignisse, haben es uns aber erlaubt, die Tatsachen zusammenzufassen, den Fokus zu verengen und einzelne Situationen zu dramatisieren, um nicht nur eine wahre, sondern auch eine flüssige, spannende und unterhaltsame Geschichte zu erzählen."

KENNETH O'DONNELL: Kevin Costners Jedermann im Weißen Haus

Thirteen Days erzählt die Geschichte der Kubakrise aus der Sicht des Präsidentenberaters Kenny O'Donnell, der von Kevin Costner als Mann gespielt wird, der während der kompletten Konfrontation im Weißen Haus Zeuge aller wichtigen Entscheidungen und Konflikte war.

Den Filmemachern war es wichtig, einen packend-unterhaltsamen Film zu drehen, gleichzeitig aber mußste er den tatsächlichen Vorgängen so nahe wie möglich kommen. Um dieser Voraussetzung zu entsprechen, wurden ganze Dialogpassagen ad verbatim von Bändern aus dem Weißen Haus übernommen.

Produzent Armyan Bernsein berichtet: "Wir kehrten immer wieder zurück zu der Idee, dass die Geschichte aus der Sicht und mit dem Herz und der Seele eines Jedermann erzählt werden sollte. Kenny ist ein Vertrauter der Kennedys, der auf die Krise reagiert, wie es an seiner Stelle vermutlich jeder tun würde. Er war aber auch in anderer Hinsicht wertvoll: Mit ihm konnten wir ein Gegengewicht zu den Kennedys einführen, jemanden, der andere Ansichten äußert und vertritt."

Er fährt fort: "Durch Kenny O'Donnells Augen erzählt, ist Thirteen Days weniger eine Geschichte über politische Verfahrensweisen, als über Mut, Einfallsreichtum und Menschlichkeit."

Der reale Kenny O'Donnell wird als absoluter Kennedy-Insider beschrieben. Er war ein Mitglied der mythenumrankten "Irish Mafia" und gehörte zu den wenigen Männern, die ihre Marschbefehle direkt vom Präsidenten entgegennahmen. O'Donnell war ein Schulkamerad und Harvard-Football-Teamkollege von Bobby Kennedy und arbeitete an den Senats- und Präsidentschaftskampagnen von John F. Kennedy. Schließlich diente er als Special Assistant von JFK im Weißen Haus. Er war so etwas wie der Türwächter des Präsidenten, einer seiner engsten Vertrauten. Sein Büro war eines von zwei, die direkten Zugang zum Oval Office hatten.

In seinem Buch With Kennedy schrieb JFKs einstiger Pressesekretär Pierre Salinger: "Aus meiner Sicht hatte O'Donnell den größten Einfluss und den besten Zugang zum Präsidenten - und damit auch die meiste Verantwortung." Der Reporter Haynes Johnson von der Washington Post drückt es so aus: "O'Donnell war der perfekte Berater: verschwiegen, taktisch geschickt, hart, absolut loyal, und er zögerte nie zu sagen, was er dachte."

In einem Profil O'Donnells im Wall Street Journal im Jahr 1963 wurde seine "harte politische Herangehensweise und ungeheure Macht" betont und angemerkt, er sei "neben dem Präsidenten der wichtigste Mann im Weißen Haus".

Als die Kubakrise in ein erbittertes Kräftemessen mündete, berief Kennedy eine streng geheime Strategiekonferenz ein und lud dazu die Topberater seines Kabinetts, CIA-Offizielle, Chiefs of Staff, seinen Bruder Bobby und eine Hand voll Vertrauter, darunter O'Donnell, ein.

Kevin Costner gefiel die Idee, einen Mann zu spielen, der aktiv und doch so anonym zu einem wichtigen Ereignis der jüngeren Geschichte beitrug. "Es gibt viele Männer und Frauen wie Kenny O'Donnell, deren Namen die Menschen niemals kennen werden", sagt Costner. "Er war einfach nur ein Freund und Berater John F. Kennedys - in einer Zeit der Krise. Sozusagen zufällig wurde er damit auch zum Geschichtszeugen."

Bei der Lektüre des Drehbuchs war Kevin Costner fasziniert davon, dass die Kubakrise, dieses vermeintlich gigantische und überwältigende Geschichtsereignis, sich tatsächlich nur aus einer Reihe höchst intensiver menschlicher Auseinandersetzungen zusammensetzte. "Das war solch ein herausragender Augenblick in der Geschichte der Menschheit", meint Costner. "Aber wenn man sich die Abläufe genau betrachtet, stellt man fest, dass es eigentlich nur darum ging, was einige Männer zueinander sagten. Es geht um das Gewicht des gesprochenen Wortes. Ein kleiner Fehltritt hätte alles verändern können. Ich empfand das als ungeheuer faszinierend."

Kevin Costner fühlte sich auch angesprochen von der Beziehung, die O'Donnell mit JFK und RFK unterhielt. Das sollte einer der Schwerpunkte seiner Darstellung werden. "Für mich geht es vor allem darum, wie diese drei Männer miteinander umgingen. Ich wollte herausstellen, dass ihre Beziehung vor allem auf gegenseitigem Respekt basierte, auf der Idee, niemals aufzugeben und den anderen gegenüber immer ehrlich zu sagen, was einem am Herzen lag. Das ist es, worum es in einer Freundschaft geht, was sie so übermächtig und überwältigend macht", merkt Costner an.

"Viele Leute glauben, dass ein Präsident so mächtig ist, dass die Menschen, die für ihn arbeiten, ehrerbietig mit ihm umgehen und sprechen. Was mir an der Beziehung meiner Figur mit dem Präsidenten gut gefiel, ist, dass es Kennys Job ist, Kennedy immer ungeschminkt seine Meinung zu sagen. Und das tat er auch. Ich habe mit Menschen gesprochen, die im Weißen Haus gearbeitet haben. Sie haben mir erzählt, dass der Film exakt die Dynamik einfängt, wie ein Präsident und seine Berater hinter geschlossenen Türen miteinander sprechen."

EIN NEUES BILD DER KENNEDYS: Bruce Greenwood und Steven Culp

Wenige Figuren des 20. Jahrhunderts haben sich so tief in die kollektive Psyche eingeprägt wie John F. Kennedy. Er wurde intensiver analysiert, studiert und interpretiert als jeder andere Präsident unserer Zeit. Mit ihm verbinden sich unauslöschliche Bilder und Eindrücke. Für Thirteen Days wollten die Filmemacher einen neuen Blick auf Kennedy wagen; einen Blick auf den Präsidenten in Aktion, während seiner größten Herausforderung, bei seinen privatesten und womöglich wichtigsten Entscheidungen, erfüllt von dem Bewusstsein, dass ein Funke ausreichen würde, eine nukleare Katastrophe heraufzubeschwören.

Um diese kontemplative Seite Kennedys einzufangen, fiel die Wahl der Filmemacher auf Bruce Greenwood. "Es gibt diese Fälle, wo man sofort genau weiß, dass man den Jackpot geknackt hat", erinnert sich Peter Almond. "Bei Bruce war es jedenfalls genau so: Er hatte exakt die Eigenschaften, nach denen wir gesucht hatten. Und er fing Kennedy perfekt ein: seine Komplexität, seine Brillanz, seine körperlichen Einschränkungen, die von seiner Rückenverletzung aus dem Krieg herrührten. Bruce gelang eine sehr komplizierte Charakterisierung, die eine ganz neue Interpretation der Person JFK erlaubt."

Greenwood beschreibt die Gelegenheit, John F. Kennedy spielen zu können, als "zweischneidiges Schwert. Natürlich ist es ausgesprochen reizvoll, eine der großen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts spielen zu können. Aber das macht es auch sehr schwer, weil jeder eine Meinung zu einem Menschen hat, den jeder irgendwie schon einmal gesehen hat, den viele tatsächlich Leben erlebt haben."

Um sich auf die Rolle vorzubereiten, nahm sich Greenwood Biographien vor und studierte Filmaufnahmen. Selbst im Auto hörte er sich Kassetten mit Kennedys Stimme an. Seine Recherchen über die Kubakrise überraschten ihn manchmal. "Ich war schockiert, wie nahe wir dem Ende der Welt tatsächlich kamen", meint der Schauspieler. "Das ging mir sehr nahe. Wir hatten einen Präsidenten, der seinen militärischen Beratern nicht völlig vertraute. Und genau in diesem Mangel an Vertrauen findet sich ironischerweise wahrscheinlich der Schlüssel für die friedliche Lösung des Konflikts.

Anfangs wollte Kennedy Kuba sofort bombardieren, und die Militärs sprachen sich sehr aggressiv für einen massiven Luftschlag aus. Doch nach dem Schweinebucht-Desaster konnte Kennedy keinen weiteren desaströsen Fehlschlag ertragen. Er hörte sich die Meinung aller an, von seinen vertrauten Beratern und seines Bruders bis zu den Generälen, die sich eifrigst für eine militärische Lösung aussprachen. Schließlich mußste ein Mann eine Entscheidung treffen, nachdem er die leidenschaftlich geäußerten Meinungen der besten Männer des Landes gehört hatte. Alles hätte ganz einfach auch anders ausgehen können."

Greenwood bewundert Kennedys Vorgehensweise während der Krise: "Mir gefällt seine Offenheit, sein unbedingter Wille, von anderen Menschen zu lernen. Er schuf eine Atmosphäre, in der die Leute ermutigt wurden, sie selbst zu sein, zu sagen, was sie wirklich meinten. Keiner sollte von seiner Stellung eingeschüchtert werden. Diese Atmosphäre schafft den Raum für die Erzählung einer großartigen Geschichte."

Diese Atmosphäre ermöglichte auch die enge Beziehung Kennedys zu Beratern wie Kenny O'Donnell. Regisseur Roger Donaldson war erfreut, dass Bruce Greenwood genau diesen Aspekt herausarbeitete, speziell bei seinen Szenen mit Kevin Costner: "Bruce verleiht seiner Figur ein ungemein starkes Auftreten und lässt sich auch von einem Superstar wie Kevin Costner nicht unterbuttern. Wenn man den Präsidenten und seinen engsten Berater sieht, dann sind sie absolut ebenbürtig."

Die Beziehung John F. Kennedys zu seinem Bruder Bobby war Roger Donaldson genauso wichtig, weil es die vermutlich engste und vielschichtigste Beziehung ist, die man jemals im Weißen Haus gesehen hat. "Es war eine großartige Beziehung: kompliziert, von Konkurrenzdenken geprägt, manchmal gar etwas feindselig, weil beide versuchten, sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit über den anderen lustig zu machen", beobachtet Greenwood. "Ihre völlig konträren Stile ergänzten sich geradezu perfekt."

Um Robert F. Kennedy darzustellen, stürzte sich auch Steven Culp in ein intensives Geschichtsstudium. Über Monate hinweg hielten sich Culp und Greenwood am Telefon auf dem Laufenden, wenn einer von beiden neue Entdeckungen über die Kennedys gemacht hatte. Die beiden entwickelten einen fast brüderlichen Konversationsstil, der ihnen später vor der Kamera von großem Nutzen sein sollte.

Wie Greenwood war auch Culp interessiert daran, die menschliche Seite einer mythischen Ikone zu enthüllen. "Die Kennedys kann man heute nur noch als Giganten sehen, aber durch meine Darstellung habe ich Bobby Kennedy auch als ganz einfachen Menschen kennengelernt. Er legte nicht nur seine politischen Überzeugungen auf den Tisch, sondern auch seine unverkennbare Zuneigung und Bewunderung für seinen Bruder - und die Fähigkeit, brutal ehrlich zu ihm zu sein", sagt Culp.

Bei seinen Recherchen fiel Culp auf, dass zahlreiche Hinweise darauf hindeuten, dass die Kubakrise ein wichtiger Wendepunkt für Bobby Kennedy war, der sich auf dem Weg befand, ein Politiker zu werden, für den auch ungewöhnliche und kreative Ansichtsweisen keine Ausnahmen waren. "Es ist die Geschichte über eine Gruppe begabter junger Männer, die in eine Situation geworfen wurden, in der sie besser sein mußsten, als sie es sich jemals ausgemalt hätten. Gemeinsam mußsten sie an der Lösung eines gewaltigen Problems arbeiten. Es ist inspirierend, wenn man sieht, dass Menschen in Momenten der Krise ihr größtes Potenzial entfalten", erklärt Culp.

"Während seines Vorsprechtermins las Steven aus einer echten Rede von RFK vor. Wie aus dem Nichts stand die Figur auf einmal vor uns", bemerkt Roger Donaldson. "Von diesem Punkt an war er Robert Kennedy. Er zeigte enormen Einsatz für die Rolle, formte im Fitnessclub sogar seinen Körper nach dem Vorbild von RFK."

Donaldson meint außerdem: "Die wahre Herausforderung für Bruce und Steve war es, nicht die Karikatur zweier Ikonen zu werden. Gleichzeitig mußsten sie aber die Erinnerung an diese beiden Männer heraufbeschwören, indem sie die Essenz ihrer Charaktere erfassten, die überhaupt erst jene Manöver ermöglichten, die zum Ende der Krise führten."

VOM OVAL OFFICE ZUM HIMMEL ÜBER KUBA

Um das volle dramatische Potenzial von Thirteen Days auszuschöpfen, mußsten die Filmemacher erfolgreich ein dynamisches, lebendiges, atmendes Weißes Haus des Jahres 1962 erschaffen und den Geist der damaligen Zeit zum Leben erwecken. Um das hochgesteckte Ziel zu erreichen, stürzte sich der Stab in aufwändige Recherchen, die alle denkbaren Aspekte von der Mode der Zeit über die Art des damaligen Essens bis zum Protokoll des Weißen Hauses umfassten. Das Weiße Haus der Kennedys wurde schließlich in Studiohallen in Los Angeles errichtet, während man den kubanischen Dschungel und die Landebahnen Floridas - von denen aus die amerikanischen Flugzeuge ihre geheimen Kubamissionen starteten - auf die Philippinen verlegte.

"Wir wollten nicht nur die Ereignisse von damals einfangen, sondern auch den Ton und die Atmosphäre reproduzieren. Wir wollten unseren Streifzug durch die Geschichte so aktiv und vital wie möglich gestalten, um der Geschichte mehr Drama und Nachdruck zu verleihen", sagt Produzent Peter Almond. "Die authentischen Drehorte inspirierten die Schauspieler und die Crew bei ihrem Bemühen, die Vergangenheit wie die Gegenwart wirken zu lassen."

Ausstatter Dennis Washington nahm sich der Aufgabe an, so bekannte amerikanische Wahrzeichen wie das Oval Office und den Cabinet Room im Westflügel des Weißen Hauses zu gestalten. Mit originalen Blaupausen bewaffnet, setzte sich Washington das Ziel, absolut authentische Nachbauten auf die Beine zu stellen, die aber auch genügend Raum für eine Filmcrew bieten sollten. Die Kunst- und Dekorationsabteilung stampfte ein funktionales Weißes Haus aus dem Boden, in dem hunderte von authentischen Memorabilien ihren Beitrag zum realen Eindruck leisteten.

JFKs berühmter Schreibtisch wurde ebenso akribisch nachgebaut wie die Tür, wo Kennedys Kinder in einem berühmten Foto beim Spielen verewigt wurden, und die Kokosnuss, in der Kennedy ein SOS einritzte, nachdem sein Boot im Zweiten Weltkrieg versenkt wurde und er und seine Kollegen auf einer einsamen Insel strandeten. Die geschwungenen Sofas in JFKs Büro wurden nach Informationen der Kennedy Library reproduziert. Die einzigartigen Paul-Revere-Wandleuchter wurden im Internet aufgestöbert. Ein Bett wurde nach genauen Angaben über das Bett Kennedys im Schlafzimmer des Präsidenten errichtet. Selbst das Security Council der Vereinten Nationen wurde in einer Studiohalle in Los Angeles nachgebaut. Nachrichtenaufnahmen dienten dem Team als Inspirationsquelle.

"Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und der Geschichte soviel Respekt wie nur möglich entgegengebracht", sagt Washington. "Schließlich war Präsident Kennedy der vielleicht meistfotografierte und bestdokumentierte aller unserer Präsidenten. Die Bilder sind fest in unseren Köpfen verankert. Sein Oval Office ist weltbekannt. Davon ließen wir uns bei unserem Bemühen um Authentizität nicht lumpen." Die Liebe zum Detail ging so weit, dass sämtliche Magazine und Zeitungen, die man im Film sieht, Originalausgaben aus dem Oktober 1962 sind.

Der technische Berater Bill Codus, der jahrelang im Weißen Haus arbeitete, wurde an Bord gebracht, um das kreative Team mit seiner Erfahrung zu unterstützen und bei etwaigen Fragen zur Verfügung zu stehen. Er zeigte sich verblüfft von der Arbeit der Filmemacher: "Alle Bauten am Set waren absolut realitätsgetreu nachgebaut. Das Oval Office und der Cabinet Room waren so gewaltig wie in Realität", bestätigt er. Weitere Sets umfassten den Flag Plot Room im Pentagon, die Kammer des Security Council der Vereinten Nationen und die Kammer der Organization of American States.

Auf den Philippinen wurden einstweilen die Szenen vorbereitet, die in Kuba und Florida spielen. Ansässige Handwerker bereiteten die Drehorte vor und bauten 20 Meter große Repliken von sowjetischen Sandahl-S4-Raketen - jene mit nuklearen Sprengköpfen bestückte Raketen, die Präsident Kennedy auf den Fotos der Spionageflugzeuge entdecken konnte.

Die Produktion machte auch F8-Flugzeuge ausfindig, die in Einzelstücken durch den dichten philippinischen Dschungel und winzige Ansiedlungen zur Clark-Air-Force-Basis transportiert wurden, wo man sie wieder zusammensetzte, bis man eine aus 15 Flugzeugen bestehende Luftflotte beisammen hatte.

Die Konfrontationen zwischen den Schiffen während der Seeblockade wurde vor der Küste von Newport, Rhode Island gedreht. Zum Einsatz kam dabei der mittlerweile ausrangierte Zerstörer USS Joseph P. Kennedy Jr. (benannt nach JFKs älterem Bruder, der als Navy-Pilot im Zweiten Weltkrieg getötet wurde), der während der Kubakrise tatsächlich Einsätze fuhr.

Als der Konflikt bewältigt war, atmete die Welt in einem kollektiven Seufzer auf. Die Tumulte der Zeit waren damit aber längst nicht vorüber. Nur 13 Monate später wurde Präsident John F. Kennedy ermordet - einer der schmerzhaftesten Momente in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika. Robert F. Kennedy trat das Erbe seines Bruders an. Doch nur fünf Jahre später fiel auch er, mittlerweile ein Senator, einem Attentat zum Opfer, während er um die Präsidentschaftskandidatur kämpfte.

Zufällig sprach Kenny O'Donnell nur wenige Minuten vor dem Attentat am Telefon mit RFK. Mike Barnicle schrieb im Boston Globe: "Die beiden - Brüder, die sich ein Martyrium des Schmerzes teilten - kommunizierten mit der wortlosen Sprache von Männern, die einem Traum hinterherjagen: kein Traum der Restauration, sondern ein Traum, das Richtige zu tun." Kenny O'Donnell schied 1977 aus dem Leben. Viele seiner Freunde berichteten, dass er den Schmerz über den Verlust der Kennedys niemals verkraftete.

Thirteen Days feiert diese Männer, die in einer Zeit zur Stelle waren, als sie ihr Bestes geben mußsten und jeder Schritt, den sie machten, zählte.

Dirk Jasper FilmLexikon
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