Produktionsnotizen zu Hals über Kopf

Robert Simonds Produktion Hals über Kopf knüpft an die raffiniert ausgeklügelten und anspruchsvollen Komödien aus den sogenannten goldenen Zeiten Hollywoods an, kluge, flotte Dialoge, kombiniert mit visuellen Slapsticks. "Da gibt`s einen Dreh", sagt Simonds.

Der Kern der Geschichte sollte ein Thriller im Hitchcock-Stil sein, aber mit sehr viel Humor und einer Menge an Lachern. Man mußs sich vorstellen, Preston Sturges hätte Der unsichtbare Dritte inszeniert. Ein ziemlich riskantes Unterfangen. Aber in den Händen von den Drehbuchautoren Ron Burch und David Kidd, die zusammen mit John J. Strauss und Ed Decter an der Story zu Verrückt nach Mary schrieben, war das Drehbuch gut aufgehoben. Für Simonds war klar: "Nach dem ersten Entwurf wussten wir - das wird unser Film".

Aufgrund des hervorragenden Drehbuchs und dem guten Gefühl für moderne Romanzen, war Simonds in der Lage, Regisseur Mark Waters zu locken, der gerade sein hochgelobtes Filmdebüt mit "Wer hat Angst vor Jackie-O" absolviert hatte. "Ich dachte, das würde ziemlich cool sein, eine romantische Komödie mit etwas Suspense zu kombinieren", sagt Waters.

Mit dem Gedanken an Filmklassiker wie "Sein Mädchen für besondere Fälle" und "Die Nacht vor der Hochzeit" webte Waters die heutige Mode- und Nightlife-Szene in die Story von Hals über Kopf ein. Genauso wie Waters für Simonds die erste und einzige Wahl als Regisseur war, hatte Waters nur eine Person als männliche Hauptrolle im Sinn: Freddie Prinze, Jr., der Aufsteiger am Starhimmel durch Filme wie Eine wie keine und "Wer hat Angst vor Jackie-O". "Nach Lesen des Drehbuches war Freddie sofort Feuer und Flamme, vor allen Dingen wegen der Action-Szenen", sagt Waters. "Ich freute mich, diesen dunklen, mysteriösen Typ zu spielen", sagt Prinze. "Es hat mir Spaß gemacht, den Leuten zu zeigen, dass ich das kann. Denn ich liebe Action, vor allem in Verbindung mit Comedy".

"In diesem Film wird Freddie Prinze, Jr. erwachsen", sagt Waters. "Er tritt gut auf, ist flott, eben ein Mann von Welt. Und er bewahrt die Qualität, die ihn zu einem Star macht, so eine Art Gary Cooper spielt Cary Grant". Genau wie in Verrückt nach Mary mit Cameron Diaz verkörpert Freddie hier unwissentlich das Objekt der Begierde.

Er ahnt nichts von dem Eindruck, den er auf Amanda macht, dargestellt von Monica Potter, die in Filmen wie "Without Limits" von Robert Town und als Partnerin von Robin Williams in Patch Adams mitspielte.

Potter, die eigentlich ursprünglich mehr an der Rolle der Candi, eines der vier Models, interessiert war, war für Waters allerdings die perfekte Amanda. "Monica ist nicht gerade als Komödiantin bekannt, aber sie hat keine Angst. Im Unterschied zu anderen schönen Frauen hat sie keine Problem, total unterschiedliche Dinge zu tun, sogar wenn ihr Aussehen albern ist. Und wie alle großen dramatischen Schauspielerinnen hat sie das richtige Gefühl, sehr realistisch in absurden Situationen zu sein, die diese noch witziger machen."

Die Schauspielerin nahm die Gelegenheit wahr, zu beweisen, dass sie auch Komödien, die ihren körperlichen Einsatz erfordern, gewachsen ist. "Es war der richtige Weg, eine neue Seite von mir zu zeigen", sagt Potter, die all ihr Stolpern und Fallen selbst machte. Die Zuschauer mögen ihre komische Art noch nicht so entdeckt haben, doch Potter gesteht, dass sie schon immer heimlich eine Komödiantin gewesen sei.

Um die New Yorker Welt der Modeszene zu zeigen, wünschten sich Simonds und Waters einen frischen, unverbrauchten Stil. "Wir wollten, dass der Part der Models lustig dargestellt wird", sagt Waters. "Die einzige Möglichkeit war, das alles ironisch zu sehen". Indem er echte Models wie Shalom Harlow, Sarah O`Hare und Tomiko Fraser besetzte, konnte er mit viel Insider-Wissen arbeiten. Sie stellten die Charaktere im Film sehr realistisch dar, wussten aber, wie sie ihren Spaß dabei haben konnten. Fraser sagt: "Die Mädchen sind in ihrer Art überzeugend. Sie sind nicht betrunken, nicht magersüchtig oder klischeemäßig in irgendeiner Weise. Sie haben alle eine feste, ausgeprägte Persönlichkeit. Das gibt dem Film seine Einzigartigkeit."

"Dieser Anspruch war genau das, was den Universal-Top-Executives, Stacey Snider und Mary Parent, an dem Projekt gefiel", erzählt Waters. "Sie verstanden den Film als Komödie über absolut weibliche Vollmacht".

Die Rolle der Candi war für O`Hare auch deshalb so attraktiv, weil das Drehbuch ihre eigenen Erfahrungen widerspiegelte, als sie von Australien nach New York übersiedelte, und zusammen mit anderen Mädchen, mit denen sie sich die Wohnung teilte, versuchte, einen Fuß in das Modegeschäft zu setzen. "In `Hals über Kopf` geht es nicht um Super-Models", sagt O`Hare. "Es zeigt den Kampf und die Anstrengung, allerdings auf die lustige Art, sowie den Zusammenhalt der Mädchen."

Mit einer kleinen Anlehnung an klassische Komödien wie "Wie angelt man sich einen Millionär?" zeigt der Film, die Freundschaft zwischen Amanda und ihrer besten Freundin Lisa, dargestellt von China Chow, und den vier Models. Diese vier Super-Models versuchen ihr beizubringen, wie das eigentlich mit den Männern und dem Sex so läuft. Sie wissen angeblich alles über Männer und wie man mit ihnen umzugehen hat. Amanda wiederum versucht ihnen etwas über Romantik nahezubringen, die für sie sehr wichtig ist. "Amanda lehrt sie, dass sie ihr Herz öffnen sollen", sagt Simonds, "und die Mädchen lehren sie, die Augen zu öffnen."

Hals über Kopf wurde in Vancouver und New York gedreht. Für Produktions-Designer Perry Blake, der zusammen mit Produzent Simonds an acht Filmen, darunter Waterboy und Big Daddy, gearbeitet hatte, war das ein Schritt in eine andere Richtung und gleichzeitig eine Herausforderung. Da viele Szenen in Vancouver gedreht wurden, die eigentlich New York darstellen sollten, ging Blake schon frühzeitig zusammen mit Regisseur Waters und Kameramann Mark Plummer auf Location-Suche. Sie fanden Vancouver überraschenderweise sehr vielseitig. "Ich wusste sofort, dass wir auf dem richtigen Weg waren, als ich ein Art Deco-Gebäude in der Innenstadt fand, das die perfekte Location für eine unserer Action-Szenen war", sagt Blake. Er war glücklich, als er den Stanley Park entdeckte, der als New Yorks Central Park gelten konnte.

Weiteres Glück hatte er mit dem Aquarium von Vancouver mit seinen seltenen Beluga-Walen, die eine große Rolle als Hintergrund der romantischen Szene zwischen Prinze und Potter spielen. Während der letzten Wochen der Dreharbeiten wurden die Szenen im Metropolitan Museum of Art und der echte Central Park in die Sequenzen eingebaut, die bereits in Kanada gedreht wurde.

"Als die Filmcrew nach New York umzog, entstand eine gänzlich andere Energie", sagt Simonds. "Vancouver war zurückhaltend und kontrolliert, aber als wir die Straßen von Manhattan betraten, wurde es rasend und von einer großen Spannung umgeben, die aber perfekt für die meisten Szenen, die wir hier drehten, war, wie zum Beispiel die Verfolgungsjagd der Verbrecher."

Auch die Außenaufnahmen des Appartements in der Upper East Side, das Amanda sich mit den vier exotischen Mitbewohnerinnen teilte, wurden in New York gedreht, wohingegen die Inneneinrichtung von Blake auf einer Bühne in Vancouver gebaut wurde. "Das Appartement ist ein wichtiger Bestandteil des Filmes", erklärt Blake. "Ich wollte, dass es cool und hip wirken sollte."

Ebenso wie er es mit dem Finale der Modenschau - einem dramatischen Weiß an einem weißen Set - hielt, gestaltete Blake das Appartement für die farbvollen Charaktere und deren durchgehenden Aktivitäten während des gesamten Films. "Die Mädchen selbst sind das Dekor", sagt er. In einer einzigartigen Zusammenarbeit mit der anerkannten Mode-Designerin Tracy Ross und dem verantwortlichen Kameramann Plummer entstand das Konzept für Hals über Kopf in einem modernen, aber doch klassischen Mode-Stil. "Wir wollten, dass der Film dem heutigen Stil entspricht", sagt Plummer, "aber auch gleichzeitig sollte er einen zeitlosen Look haben, der sich nicht zu schnell ändern würde."

Freddie Prinze, Jr. anzuziehen, war eigentlich leicht, da er im gesamten Film nur Anzüge von Gucci oder Giorgio Armani trägt. Aber die sechs zentralen weiblichen Charaktere erlaubten Ross und Blake genügend Innovation. China Chow, die Amandas beste Freundin und Kollegin darstellt, kleidete sich ziemlich extrem und avantgardistisch im Gegensatz zu Monica Potters etwas biederen College-Stil als Amanda. Der Stil der Models war "bunt gemischt", wie Ross erklärt. "Sie tauschten untereinander die Kleider und kombinierten Teile der anderen mit ihren eigenen, sodass jede ihren eigenen Stil hatte."

Einige der Kleider stammten aus der eigenen Kollektion von Ross. Für die Modenschau und die Partyszene, wurden mehr dramatische Outfits, die vom Stil einer Vivienne Westwood oder eine Alexander McQueen stark beeinflusst waren, kreiert. "Aber auf eine sehr zeitlose Art", wie Ross betont.

Der Bezug mit den zeitlosen Elementen ist sinnbildlich für den gesamten Stil von Hals über Kopf, der einen bestimmten Ton von klassischen Hollywood-Screwball-Komödien, aber mit einer heutigen Sensibilität, für sich in Anspruch nimmt. Das erforderte völlige Teamarbeit, aber auch eine gewisse Flexibilität, um dem komödiantischen Anspruch gerecht zu werden. "Jeder war zur Zusammenarbeit aufgefordert, verschiedene Dinge zu versuchen und manchmal über die eigenen Grenzen zu gehen", sagt Waters. "Das war manchmal ein richtiges Abenteuer", sagt er.

Die Zusammenarbeit bezog sich nicht nur auf die Leute, die eng mit Waters arbeiteten, sondern dehnte sich auch auf alle Darsteller aus. Zum Beispiel, das richtige Gefühl zu bekommen, wenn man in einer Wohngemeinschaft lebt, beschreibt Shalom Harlow folgendermaßen: "Wir entschieden uns, alle zusammen eine Nacht in dem Appartement-Set zu verbringen, bevor wir mit den Dreharbeiten beginnen sollten. Das half uns, das Gefühl für ein Zusammenleben auf relativ engem Raum zu bekommen."

Auch nach Drehschluss verstanden sich die sechs schönen Frauen prächtig. "Auch wenn wir gerade nicht zusammen in Szenen spielten", sagt China Chow, "saßen wir immer in den Räumen der anderen, um zu erzählen und unseren Spaß zu haben." "Und abends gingen wir zusammen aus und feierten Partys", lacht Milesevic. Simonds kann nur bestätigen, dass die sechs jungen Frauen so einige Nächte Vancouver im Sturm nahmen und alle angesagten Nightclubs besuchten. "Man mußs sich nur mal die Gesichter der Leute vorstellen, wenn sechs großartig aussehende Frauen in eine Disco gehen und die Tanzfläche stürmen", sagt Produktions-Designer Blake. "Das war einfach zauberhaft."

Alles in allem war Potter unheimlich angetan, in einem Film zu spielen, in dem die zentralen Rollen von Frauen dargestellt wurden. "Es war toll, mit anderen Frauen zu arbeiten", sagt Potter. "Das war mit der wichtigste Grund für meine Zusage für `Hals über Kopf`. Und ich glaube, dass unsere Freundschaft im wirklichen Leben sich positiv auf den Film ausgewirkt hat. Das war wirklich aufregend. Wir fühlten uns wie eine Horde Kinder in den Sommerferien."

"Die Energie war ansteckend", sagt Prinze. "Ich liebte es, den Mädchen zuzuschauen", lacht er. "Die sind total cool und verrückt". Aber auch die Umkehrung seiner Rolle machte ihm Spaß. "In diesem Film ist er das Liebesobjekt", erklärt Waters. "Er war derjenige, der von all den Frauen beachtet und beobachtet wurde. In den meisten Filmen ist es anders herum." "Es gab keinerlei Macho-Gehabe an unserem Set", sagt Simonds. "Ich glaube, was Mark uns da geboten hat, ist ein George Cukor-Film für das neue Jahrtausend".

Dirk Jasper FilmLexikon
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