Ausführlicher Inhalt zu Viktor Vogel - Commercial Man

Viktor Vogel - hoher Pechfaktor, großes Zerstörpotenzial - ist ein Chaot vor dem Herrn. Eine Null auf dringender Jobsuche. Natürlich soll es nicht irgendetwas sein, ein Platz an der Sonne von Ruhm und Erfolg soll schon her. Um jeden Preis will der zappelige Jung-Kreative in der Werbebranche landen. Als all seine Versuche, einen Termin bei dem renommierten Eddie Kaminsky, legendärem Creative Director der Firma Brainstorm, zu bekommen, scheitern, nimmt Vogel mit Frechheit und Wagemut seine Chance auf ungewöhnliche Weise wahr. Volldreist spaziert er einfach in ein wichtiges Präsentationsmeeting der Agentur um den Opel-Etat.

Und während die Brainstorm-Crew noch rätselt, ob die Auftraggeber in spe diesen ungewöhnlichen "Vogel" mitgebracht haben, hat die ebenso aparte wie zielgerichtete Marketingchefin von Opel, Johanna von Schulenberg, einen gewissen Gefallen am unkonventionellen Viktor gefunden. Und da sie ihn ihrerseits für ein junges aufstrebendes Talent der Agentur Brainstorm hält, fragt sie ihn nach seiner Meinung. Vogel, wie immer selbstmörderisch offen und ehrlich, sorgt mit freimütigen Statements für blankes Entsetzen auf der Brainstorm-Seite. Umgehend wird er von Kaminsky und Agenturboss Werner Stahl vor die Tür gesetzt.

Doch Stahl und Kaminsky haben sich verrechnet. Während Vogel traurig in seine WG radelt, fordert Johanna von Schulenberg die Mitarbeit des jungen Mannes bei der Kampagne. Vielleicht ist er der Schlüssel, um den Etat zu halten. Stahl reagiert schnell. Er setzt Kaminsky unter Druck: Wenn der jobmüde Creative Director seinen Wunsch nach Ausstieg und 5 Millionen Abfindung erfüllt sehen möchte, soll er gefälligst Vogel zurückholen und mit ihm gemeinsam den 120 Millionen-Etat für Brainstorm gewinnen.

Kaminsky ächzt, aber er holt Viktor Vogel an die Werbefront. Und der ist glücklich, endlich hat er seinen Traumjob gefunden. Er und der große Kaminsky sind Partner. Ein Umstand, der Kaminsky dem Horror-Grusel überantwortet. Doch schnell sorgt der Jungspund für frischen Wind in der Agentur, setzt Standards in Sachen Mode und großer Klappe. Er bekommt eine erfundene Biographie verpasst und wird überall als das Jung-Genie verkauft, das die britische Heineken-Kampagne zu ungeahnten Höhen geführt hat.

Gleichzeitig landet Viktor einen weiteren Treffer. Er lernt die hübsche und schwerreiche Künstlerin Rosa kennen. Eine Traumfrau mit eigenwilligen Ideen und ungewöhnlichen Vorstellungen. Trotz des Geldes ihrer Eltern sehnt sich die Video-Aktivistin nach der Chance auf eine Ausstellung in einer großen Galerie und hat auch schon eine Idee: Die Jagd auf die Marken des Konsums. Viktor hilft tatkräftig mit eigenen Einfällen das Projekt voranzutreiben. Man einigt sich schließlich darauf, eine Art Dogma-Spot im Supermarkt zu realisieren: Rosa soll als Bogenschützin auf die Jagd gehen und Konsumgüter erlegen.

Zu blöd, dass sich Viktor, der sich inzwischen wie eine gutgelaunte Zecke im trendy Tarnanzug in Kaminskys Genick niedergelassen hat, bei erster Gelegenheit bei Johanna von Schulenberg verplappert und das "Jagd-Motiv" als möglichen Inhalt der Opel-Kampagne verrät. Und die Dame mit dem Killerinstinkt weiß die Idee natürlich zu schätzen. Zuvor hatte Viktor gerade Kaminsky überzeugt, dass man Rosa nicht verraten darf und ihr die Idee stehlen, so hat er sich und damit Rosas Video-Aktion selbst in die Bredouille gebracht. Aber Viktor, Kaminsky und Brainstorm gewinnen den Opel-Etat: Man mußste die Jagd-Karte ziehen, da die andere Idee, die Autos über das Racing-Image zu verkaufen, bei von Schulenberg nicht zündete.

So ziehen zwangsläufig dunkle Wolken auf. Und dabei haben sich Viktor und Rosa gerade endlich gewonnen. Selbst den mürrischen Halb-Alki Kaminsky hat Viktor sogar dazu gebracht, zu seinen Wurzeln als Kameramann in Krisengebieten zurückzukehren, um beim Dreh des Jagd-Videos mitzumachen. Kaminsky lebt auf, Viktors Herz wird immer schwerer. Und als Rosa von dem Verrat erfährt, ist Land unter. Seine Liebe ist er los, nur der Erfolg der Agentur scheint ihm noch sicher.

Doch kaum hat es sich Viktor mit Rosa und seinen Freunden aus der WG verscherzt, beginnt auch sein Absturz bei Brainstorm. Nach einem Showdown zwischen Viktor und Kaminsky konnte Werner Stahl den Eindruck erwecken, Kaminsky habe seine Freundschaft mit Vogel nur gepflegt, weil er an seine 5 Millionen und die Freiheit wollte.

Viktor ist außer sich, kündigt Eddie die Freundschaft, sieht sich selbst als Nachfolger des scheidenden Verräters ... und erhält schon bald die Quittung. Einer wie Werner Stahl lechzt natürlich nach der ersten Chance, ein solch chaotisches Wildwuchs-Talent wie Viktor loszuwerden. Opel hin oder her. Ein neuer Mann wird herbeigeholt, eine Kreativnutte in schwarzem Tuch mit sinnlosen Wichtigsprüchen. Viktor fällt. Gerade als der Kampf um einen neuen Etat ansteht.

Doch da taucht Eddie Kaminsky auf und wirft sich selbstlos ins Feuer. Mit digitaler Handkamera legt er beim Agentur-Dinner angefeindet den Grundstein für einen fulminanten Erfolg: Sollten Viktor und Eddie schließlich doch erfolgreiche Partner werden?

Und wird Viktor, die Pechvogel-Knalltüte, letztlich doch Rosa und seine beiden alten WG-Kumpel zurückgewinnen? Kann ein Blender doch anders?

Und vielleicht wird das Team Kaminsky und Vogel den eingebildeten Brainstorm-Fritzen letztendlich doch zeigen, was eine Harke ist ...

Dirk Jasper FilmLexikon
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