Produktionsnotizen zu Viktor Vogel - Commercial Man

Die Werbebranche im Fokus anarcho-komödiantischer Betrachtung: Der unverwüstliche Publikumsliebling Götz George und Sonnenallee-Star Alexander Scheer stehen im Mittelpunkt einer schräg-deftigen Comedy, bei deren Produktion Andrea Willson (Anatomie) und Joachim von Vietinghoff ("Alles auf Anfang", "Kleine Kreise", "Bomber und Paganini") federführend beteiligt waren.

Er zählt zu den wenigen wirklich vielversprechenden Shooting-Stars des deutschen Kinos: Publikumsliebling Alexander Scheer alias Viktor Vogel ist seit seiner Hauptrolle in dem deutsch-deutschen Megahit Sonnenallee in aller Munde. Leander Haußmann, Superstar-Regisseur der deutschen Theaterszene hatte Alexander die Rolle des Ich-Erzählers Micha angeboten. Haußmanns Kino-Debüt erwies sich als der Knaller der Saison. Der Film wurde zum Dauerbrenner (ca. 2,8 Mio. Kinobesucher bislang) und Alexander Scheer zum Star, dem die Sonne scheint.

Nach der 11. Klasse, ohne Abi, aber wagemutig und voller Zuversicht, hatte Alexander seine Schullaufbahn selbständig beendet - und war kopfüber ins wirkliche Leben eingetaucht. Jobs als Friedhofsgärtner, Barkeeper, Darsteller in Werbespots oder gar als Postbote sorgten für das notwendige Kleingeld. Seine wahre Berufung aber entdeckte Alexander Scheer auf den Brettern, die die Welt bedeuten: Erste Erfahrungen machte er am Berliner OFF-Theater TK. Danach hatte Alexander "Blut geleckt" - und bei einem Casting zu Sonnenallee überzeugte er Regisseur Haußmann mühelos. Inzwischen wurde der Film mit einem Bundesfilmpreis in Silber ausgezeichnet, hat sich nach seinem Kinoerfolg auch als Videohit bewiesen - und Alexander Scheer die Karrieretür weit geöffnet.

Alexander Scheer folgte Leander Haußmann an das Schauspielhaus Bochum, wo der Regisseur als Intendant die kreativen Fäden zieht. Alexander spielte dort (u.a.) in Shakespeares "Viel Lärm um nichts", "Leonce und Lena" oder "Faust ist tot".

Doch damit erschöpfen sich die Aktivitäten des agil-vielseitigen Jungstars keineswegs. Der Junge hat nicht nur eine eigene Video-Produktionsfirma ("9 O'Clock Pictures"), sondern unterhält auch ein eigenes Plattenlabel (Audio Chrome). Und natürlich hat er auch eine eigene Band, die unter wechselnden Namen auftritt. Überdies war Alexander u.a. im Fernsehen in dem Tatort "Das tödliche Labyrinth" zu erleben.

Mit seiner Rolle in Viktor Vogel - Commercial Man, als Commercial-Chaot mit Herz und Schwächen, landete Alexander "eine echte Traumrolle. Hier konnte ich wirklich alle Register ziehen. Das war ein Super-Spaß!"

Grimme-Preisträger Lars Kraume hat seinen ersten Kino-Spielfilm inszeniert und zeigt auf wunderbar-hinreißende Weise die Welt von Product Placement, Werbung, Eitelkeit, Großspurigkeit, Liebe, Freundschaft und den Verlust des Blicks für die wahren und wichtigen Dinge des Lebens.

Kraume, der bereits als Kurzfilm-Regisseur (1997, Torino International Festival of Young Cinema für: "Life Is Too Short To Dance With Ugly Women") preisgekrönt wurde, hat nicht nur mit den TV-Movies "Dunckel" oder "Der Mörder meiner Mutter" überzeugt, auch mit der TV-Serie "Einsatz Hamburg Süd" konnte er Reputation gewinnen.

Mit seinem Viktor Vogel - Commercial Man bewegte sich Kraume auf einem Terrain, das ihm seit Kindertagen vertraut ist: Sein Vater hat lange Jahre in der Werbebranche gearbeitet und dabei auch für Opel Ideen entwickelt. Kein Wunder also, dass der Sohnemann hier vertraute Pfade betritt. Nur so konnten wohl hinreißende Absurdsprüche wie "In ist out und Out ist in" entstehen. Das Drehbuch zu Viktor Vogel - Commercial Man hat Kraume, gemeinsam mit Tom Schlesinger, natürlich selbst geschrieben.

Mit Götz George, dem legendären "Schimanski"-Filmstar seit nahezu 40 Jahren, Sohn des großen Heinrich George und der Charakterdarstellerin Berta Drews ("Die Blechtrommel", "Es geschah am helllichten Tage"), mit zahllosen Preisen hochdekoriert (Grimme-Preis, Bayerischer Filmpreis, Deutscher Filmpreis, Volpi in Venedig u.v.m.), hat Kraume einen exzellenten Kaminsky, der seiner Branche müde ist. Götz George, 1938 in Berlin geboren, Inbegriff polternder Virilität, zählt Filme wie Der Totmacher, "Schtonk!", den umstrittenen Nichts als die Wahrheit, Solo für Klarinette, den Megahit Rossini, oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief", "Der Sandmann", "Das Schwein", "Die Katze", "Abwärts", zahlreiche Karl-May-Verfilmungen und viele andere Hits zu seinen großen Erfolgen.

Vadim Glowna, als Regisseur (Goldpreis in Cannes 1981 für "Desperado City") wie als Schauspieler gleichermaßen erfolgreich, spielt den abgebrühten Agenturboss Werner Stahl. Seine großen Rollen im Kino wie im Fernsehen sind zahlreich. Er war in dem großartigen Die Unberührbare (mit Hannelore Elsner) ebenso zu sehen wie in der Miniserie "Les Miserables", "Kalt ist der Abendhauch", Lars Kraumes "Dunckel", "Georg Elser - Einer aus Deutschland", "Des Teufels Paradies", neben Jürgen Prochnow in "Ein fliehendes Pferd", der Miniserie "Die Mars-Chroniken" nach Ray Bradbury, dem engagierten "Deutschland im Herbst" oder Sam Peckinpahs "Steiner - Das Eiserne Kreuz". Insgesamt hat der 1941 in Eutin geborene Schauspieler im Laufe seiner Karriere wohl über 70 Filme, TV-Movies und Miniserien gedreht.

Eine wundervolle Rolle als unglückselige Tochter aus schwerreichem Hause und hoffnungsvolle, phantasiebegabte Künstlerin hat die ausgezeichnete Chulpan Khamatova. Die 1975 geborene Schauspielerin, die hier das Herz des durchgeknallten Viktor Vogels gewinnt, überzeugte bislang in Filmen wie Luna Papa (neben Moritz Bleibtreu), Tuvalu von Veit Helmer, in Achim von Borries "England!" oder "Time of the Dancer".

Filmpreisträgerin in Gold Maria Schrader (Aimeé und Jaguar), ausgezeichnet mit dem Silbernen Bären, dem Max Ophüls Preis und dem Bayerischen Filmpreis, liefert eine markante Darstellung als Marketing-Bitch, die Agenturen und ihre Kreativen in den Wahnsinn treiben kann. Zu ihren bekanntesten Filmen zählen (u.a.) Der Unfisch, Bin ich schön?, Emil und die Detektive, "Keiner liebt mich", "Stille Nacht" oder Meschugge. Die 1965 in Hannover geborene Schauspielerin zählt zu den größten deutschen Charakter-Talenten der letzten 10 Jahre.

In einer kleinen feinen Rolle, als Rosas Mutter, ist übrigens Gudrun Landgrebe zu sehen. Landgrebe, die bereits in Dominik Grafs "Die Katze" neben Götz George spielte, wurde für Helmut Dietls Rossini für den Deutschen Filmpreis in Gold nominiert und gewann mehr als bundesweite Reputation mit der berühmten "Die flambierte Frau". Zu ihren bekanntesten und erfolgreichsten Filmen zählen u.a. "Oberst Redl" mit Klaus Maria Brandauer, der Thriller "Tausend Augen", "Yerma", "Die Dame vom Palast Hotel", "Geliebte Milena", "Ein Mann für jede Tonart", "Das Schwein - Eine deutsche Karriere" (wieder mit Götz George) sowie Opernball oder Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit.

Dirk Jasper FilmLexikon
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