Produktionsnotizen zu Traffic

Als sie Ende der achtziger Jahre in England lebte, stieß die Produzentin Laura Bickford auf eine Channel-4-Miniserie mit dem Titel "Traffik", in der die Drogenroute von Pakistan über Europa nach Großbritannien verfolgt wurde.

Bickford erinnert sich: "Die Geschichte setzte sich bei mir fest. Als ich zurück in die USA zog, stellte ich fest, dass in den Zeitungen mehrmals in der Woche über Drogenhandel berichtet wurde. Da gab es Geschichten mit sozialem Inhalt, Geschichten über den Kampf der Gesetzeshüter und Geschichten über Gefängnisse und Drogen.

Ich war erstaunt, dass man alles über die Preisentwicklung von illegalen Drogen lesen konnte und kein Hehl daraus gemacht wurde, wer den Drogenkartellen vorstand. Obwohl es völlig illegale Unternehmungen sind, konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Öffentlichkeit mit dem ganzen Geschäft bestens vertraut war. Ich mußste an "Traffik" denken und wie sehr mich die Serie beeindruckt hatte. Ich begann jeden noch so kleinen Artikel zu sammeln, der mit Drogen und Drogenhandel zu tun hatte. Schließlich machte ich die Agenten der Miniserie ausfindig und optionierte die Remakerechte für eine amerikanische Spielfilmversion."

Bickford fährt fort: "Nachdem ich mir die Option gesichert hatte, wandte ich mich mit meinen Recherchen an Steven Soderbergh und sprach ihn darauf an, ob er Interesse an der Regie des Films hätte. Ich dachte mir, dass er der ideale Regisseur für das Projekt wäre. Er liebt es, ineinander greifende Geschichten zu erzählen, Geschichten, die auf verschiedenen Zeitebenen stattfinden. Die Miniserie erzählte drei sich überschneidende Storys, was wichtig war, um die Komplexität der ganzen Angelegenheit zu begreifen. Ich war überzeugt, dass Steven an solch einer Struktur Gefallen finden könnte."

Soderbergh gibt zu: "Das Thema hatte mich schon längere Zeit beschäftigt, aber ich war mir nicht sicher, in welcher Form man eine solche Geschichte präsentieren sollte. Ich wollte sicherlich keinen Film über Drogenabhängigkeit machen, und als Laura mich auf "Traffik" ansprach - ich hatte die Serie ein paar Jahre zuvor gesehen - machte es bei mir Klick: Ich sagte mir, dass diese Umsetzung funktionieren könnte."

Er sagt weiter: "Drogen sind eines der sozialen Schlüsselthemen der Kultur von heute. Jeder kennt zumindest jemanden, einen Freund oder ein Familienmitglied, der mit Drogen in Kontakt gekommen ist. Ich glaube, es ist ein Thema, das in der Luft liegt, über das gerade jetzt viel gesprochen wird."

"Was uns an "Traffik" gefiel, waren die parallel verlaufenden Geschichten", meint Bickford. "Es gab keinen bestimmten Bösewicht; das System war der Bösewicht. Wir wurden uns schnell einig, die Struktur der ineinandergreifenden Storys von Menschen, die in diesem Netz gefangen sind, aus der Miniserie zu übernehmen, dem Ganzen aber den Anstrich eines waschechten Policiers, eines Polizeifilms, zu verpassen."

Der nächste Schritt war es, einen Drehbuchautoren zu finden. Bickford und Soderbergh hatten unabhängig voneinander ein Skript gelesen, das ihnen gefiel. Der Autor war Stephen Gaghan. Als sie Gaghan ansprachen, mußsten sie zu ihrem Entsetzen feststellen, dass er bereits zugesagt hatte, ein Drehbuch über den Drogenhandel für die Produzenten Edward Zwick und Marshall Herskovitz zu schreiben.

Herskovitz kann sich noch gut erinnern: "Die Entstehungsgeschichte dieses Drehbuchs lässt sich gut mit der Redensart "Mehr Glück als Verstand" beschreiben. Ed wollte schon sehr lange einen Film über die Drogenkriege machen. Mit Steve Gaghan hatte er eine Geschichte ins Auge gefasst, die mehrere Ansätze zum Thema umfassen sollte."

Edward Zwick greift den Faden auf: "Vor ein paar Jahren las ich einen Artikel über einen Konflikt, in den drei konkurrierende Polizeiabteilungen involviert waren und der sich zu einer wüsten Schießerei auswuchs - ein Moment unübertrefflicher Absurdität. Dann las ich ein Buch über einen ehemaligen Professor, der in der unberührten und beschützten Akademikerwelt gelebt hatte und vom Präsidenten in ein hohes Amt berufen wurde. In diesem Buch beschreibt er seine Erfahrungen im inneren Zirkel wie jemand, der von draußen durchs Fenster blickt. Er erzählt von den Widersprüchen, den Herausforderungen, den Absurditäten. Da war etwas an diesen zwei Geschichten, das mich nicht losließ. Also setzte ich mich mit Steve Gaghan zusammen und begann, an einem Drehbuch zu arbeiten."

Gaghan erinnert sich: "Ich bereiste das ganze Land, um die Geschichte zu recherchieren. In Washington D.C. traf ich mich mit denen, die die Politik bestimmen - dem Büro des Verteidigungsministers, dem Büro der National Drug Control Policy, der DEA, Mitgliedern der Thinktanks, von Rechts und Links, Journalisten der Washington Post und der New York Times. Darunter waren viele kluge, leidenschaftliche Menschen mit starken Ansichten. Menschen, die ihr ganzes Leben der Aufgabe gewidmet haben, Kinder von Drogen fern zu halten.

Menschen mit mehreren Uniabschlüssen, die im öffentlichen Dienst für ihr Land, für das amerikanische Volk arbeiten." Er fügt hinzu: "Meine Notizblöcke quollen förmlich über mit unglaublichen Zitaten. Mein stärkster Eindruck war ein alle Ideologien übergreifendes Gefühl der Verzweiflung. Ehrlich gesagt, keiner meiner Gesprächspartner hatte auch nur den leisesten Zweifel daran, dass die gegenwärtige Drogenpolitik nichts bewirkt. Keiner! Das war eine Information, die von allen politischen Spektren geteilt wurde. Das war interessant. Es faszinierte mich, dass es auf dieses Problem offensichtlich keine einfache Antwort gibt."

Edward Zwick und Herskovitz taten sich mit Bickford zusammen, um fortan gemeinsam an Traffic zu arbeiten, mit Steven Soderbergh als Regisseur und Stephen Gaghan als Drehbuchautor. Zwick merkt an: "Ich habe Stevens Filme immer bewundert. Als wir uns trafen, fiel uns die Entscheidung leicht, uns für dieses Projekt mit Steven und Laura zu verbünden. Letzt- endlich enthält die Geschichte Elemente der Storys, an denen ich gearbeitet hatte, und Elemente der Geschichte, die von Steven und Laura entwickelt wurden."

Und Bickford sagt: "Eine der großen Entscheidungen war, ob wir die Geschichte in Kolumbien und Amerika oder Mexiko und Amerika ansiedeln sollten. Wir entschieden uns für Mexiko, weil das zeitgemäßer ist.

Ich glaube, niemand will noch einen weiteren Film über einen kolumbianischen Drogenbaron sehen. Mexikos Bedeutung im Drogengeschäft hat in den letzten zehn Jahren drastisch zugenommen. Früher waren sie nur die Kuriere, doch seitdem die USA mit aller Härte gegen Escobar vorging und die Kartelle in Kolumbien auflöste, hat Mexiko an Bedeutung im Drogenmarkt gewonnen. Jetzt lassen sie sich nicht mehr einfach nur als Transportboten für Drogen bezahlen, sondern wollen einen Teil vom großen Kuchen abhaben. Folglich steht viel mehr auf dem Spiel, und jedes Segment der mexikanischen Gesellschaft ist mittlerweile betroffen: ihr Rechtssystem, ihre Polizei, die gesamte Infrastruktur."

Sie fährt fort: "Es gab so viele Geschichten, die man auf amerikanischer Seite hätte erzählen können. Es fiel uns wahnsinnig schwer, eine Auswahl zu treffen.

Das größte Problem war es, verschiedene Perspektiven unter einen Hut zu bekommen. Also gingen wir all die uns vorliegenden Geschichten durch und entschieden, welche Themen am wichtigsten wären.

Im Lauf der Zeit hatte ich etwa 300 Artikel gesammelt. Außerdem traf ich mich mit Tim Golden, der für seine Berichte über den Drogenhandel einen Pulitzer Preis gewonnen hatte und viele Leute auf beiden Seiten der Grenze kannte, die in den Krieg gegen Drogen involviert waren. Schließlich stellten wir Tim als Berater für den Film an."

Soderbergh kommentiert: "Die Entwicklung des Drehbuchs vollzog sich in graduellen Schritten. Eine sehr komplizierte Angelegenheit, weil die drei Geschichten randvoll mit diversen Aspekten sind. Täglich gab es eine neue Schlagzeile zum Thema Drogenkrieg, und natürlich wollten wir jede neue Entwicklung in dem Drehbuch unterbringen. Ständig waren wir mit Updates und Überarbeitungen beschäftigt. Während ich an The Limey, (1999) arbeitete, hatte ich ständig Diskussionen mit Stephen, welche Elemente wir in unserer Geschichte behandeln wollten. Da wir die Struktur der britischen Miniserie übernahmen, mußsten wir eine Geschichte komplett neu erarbeiten, denn die entsprechende Story würde nicht funktionieren, wenn man sie in die USA verlegte."

Zwick erinnert sich: "Das ist einer dieser verrückten Zufälle, wenn man von den Schlagzeilen in den Zeitungen getoppt wird. Man denkt, man hätte etwas fast Unglaubliches erfunden. Und dann entdeckt man, dass im realen Leben gerade etwas noch viel Verrückteres vorgefallen ist. Was wir schließlich erarbeiteten, ähnelt einem Mosaik. Die einzelnen Elemente sind für sich interessant und spannend, entfalten aber erst in der Summe ihre volle Wirkung. Ich glaube, die verschiedenen Handlungsstränge waren wichtig, weil sie die gesamte Widersprüchlichkeit des Themas illuminieren. Wie sie aufeinander wirken, hat viel mit der Gesamtwirkung des Films zu tun."

Bickford berichtet: "An einem bestimmten Punkt unternahmen Steven Soderbergh, Steve Gaghan, Tim Golden und ich einen Abstecher nach San Diego und Mexiko, wo wir viele Menschen trafen, die tagtäglich mit dem Krieg gegen Drogen zu tun haben. Wir erhielten viele wertvolle Informationen und Details von ihnen, die wir in das Drehbuch einarbeiteten."

"Wir führten viele Gespräche über den Mexiko-Teil von Traffic", meint Soderbergh. "Ich saß mit Steve Gaghan im Wohnzimmer, vor uns ein Satz farbiger Karteikarten. Gemeinsam fügten wir die Elemente der Geschichte zusammen, Szene für Szene. Als ich dann eine Auszeit nahm, um Erin Brockovich, (2000) zu drehen, schrieb er die erste Fassung des Drehbuchs."

Gaghan sagt über die Erfahrung, mit Steven Soderbergh am Drehbuch gearbeitet zu haben: "Steven hilft einem unglaublich, das Beste aus sich herauszuholen. Bevor ich mit der ersten Fassung des Drehbuchs begann, sprachen wir alle Aspekte des Films durch und stellten eine genaue Szenenabfolge zusammen. Von Anfang an hatte er ein beeindruckendes Gefühl für die Form des Films. Er hatte all die Teile und ihre Anordnung in seinem Kopf. Er verstand die Figuren ganz genau, die ich erdacht hatte. Stevens Verständnis für die menschliche Psyche ist verblüffend präzise und subtil.

Er weiß genau, wie man das Beste aus anderen herausholt. "Gaghan fährt fort: "Die Figur des Javier Rodriguez, der im Film von A HREF = "/entertainment/stars/b/benicio_del_toro.html"> Benicio Del Toro dargestellt wird, entsprang den Diskussionen, die ich mit Steven hatte. Jeden Tag entdeckten wir in den Zeitungen neue faszinierende Geschichten über das Vorgehen der Polizei im Grenzbereich zwischen Mexiko und Amerika. Ich las viel über den Einfluss, den die amerikanische Drogenpolitik auf Mexiko ausübt.

Tim Golden schlug vor, wir sollten zeigen, wie sich der Alltag für Gesetzeshüter und die Bürger von Tijuana gestaltet. Der gewaltige Hunger Amerikas auf Drogen und die gegenwärtige Verbotsstrategie haben zahlreiche mexikanische Grenzstädte regelrecht zerstört."

Zwick sagt: "Steve Gaghan war der einzig richtige Mann für den Job, weil er über ein beeindruckendes politisches Verständnis verfügt. Mit seinem Background als Journalist fiel es ihm leicht, bei seinen Nachforschungen unglaublich gründlich zu sein. Er ging auf eine beeindruckende Odyssee, die ihn an viele Orte, zu vielen Experten und eine Reihe von Vertretern der Exekutive führte. Es hatte schon einen Grund, warum Laura, Steven und ich unabhängig voneinander seine Dienste für das Drehbuch sichern wollten."

Herskovitz beschreibt: "Eine weitere wunderbare Qualität von Stephen Gaghan ist seine Fähigkeit, vielen verschiedenen Gruppierungen der Gesellschaft überzeugend eine Stimme zu geben. Wenn man das Drehbuch liest und den Film sieht, dann klingt Washington authentisch, klingen die Drogenbarone authentisch, klingen die mexikanischen Polizisten authentisch, klingen die amerikanischen Teenager authentisch. Er hat sich in zwei Ländern alle Abstufungen des gesellschaftlichen Rasters verinnerlicht. Und alles wirkt absolut echt."

Zudem sagt er: "Steven Soderbergh hat diesen authentischen Aspekt bewusst aufgegriffen und weitergeführt. Ein Großteil des Films wurde mit handgehaltener Kamera gefilmt, die von Steven selbst bedient wurde. Wenn man zusieht, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, hier ein Stück Realität mitzuerleben. Gleichzeitig ist die Dynamik viel größer als bei einer Dokumentation und die Dramatik packender."

Der Regisseur gesteht: "Für mich ist es am wichtigsten, dass das Publikum nicht den Eindruck bekommt, ich wollte es belehren. Ich will, dass die Menschen das Kino verlassen und sagen: Wow, das war ein wilder Ritt! Bei Erin Brockovich habe ich viel darüber gelernt, einen unterhaltsamen Weg zu finden, dem Zuschauer ein ernsthaftes Thema nahe zu bringen. Auf die Balance kommt es an: Auf der einen Seite soll man sich gut unterhalten fühlen, auf der anderen Seite soll da aber noch etwas sein, das einen später noch beschäftigt und zur Auseinandersetzung bewegt. Man weiß nie, was der Einzelne mit nach Hause nehmen wird. Deshalb hoffe ich, dass Traffic auch ein spannender Thriller ist. Ich will, dass auch jene Zuschauer zufrieden sind, die sich von dem Film eine Achterbahnfahrt versprechen."

"Der Krieg gegen Drogen wird auf vielen verschiedenen Ebenen in vielen Ländern der Erde mit unterschiedlich großem - oder Mangel an - Erfolg ausgefochten," erklärt Herskovitz. " Traffic versucht, die Verrücktheit der ganzen Unternehmung darzustellen, sowie das damit verbundene menschliche Drama - und manchmal auch komische Momente. Es gibt da einige echt perverse Widersprüche. Der Film versucht, so ehrlich wie möglich zu sein bei der Beschreibung, wie absurd es ist, einen Krieg gegen Drogen zu führen, wenn Abermillionen von Menschen in unserem Land Drogen nehmen. Das umfasst sämtliche Schichten der Gesellschaft: Mittelklasse, reiche und arme Menschen, Männer, Frauen, Kinder. Es gibt ein gewaltiges Bedürfnis nach Drogen in dieser Gesellschaft. Solange wir uns nicht mit diesem Bedürfnis, warum es existiert, den psychologischen Aspekten und den Aspekten der Rehabilitation befassen, wird dieser Krieg weiterhin keinen Eindruck hinterlassen."

Soderbergh schließt ab: "Die Idee war es, das größere Bild anzudeuten, indem man sich detailgenau mit den kleinen Aspekten dieses Bildes auseinandersetzt. Wenn wir unseren Job gut gemacht haben, dann wird jeder stinksauer sein. Die Dekriminalisierungslobby wird glauben, dass wir ihre Perspektive nicht wiedergeben. Die knallharten Sperr-sie-ein-und-wirf-den-Schlüssel-weg-Typen werden uns vorwerfen, viel zu soft zu sein. Ich fände es toll, wenn alle Seiten glauben würden, wir würden jeweils die Meinung der ihr gegenüberliegenden Gruppierung wiedergeben. Wir haben versucht, so vorurteilsfrei wie nur möglich zu sein. Wir wollen nur einen Schnappschuss zeigen und sagen: Das ist es, was zur Zeit abgeht!"

DIE AUSWAHL DES TEAMS

"Das Team wurde auf unterschiedliche Weise zusammengestellt. Es ist eine Kombination aus Schauspielern, die wir von Anfang an im Sinn hatten, und Schauspielern, die Interesse zeigten, weil sie von dem Projekt gehört hatten", umreißt Soderbergh. "Letztendlich kriegt man das Ensemble, das man kriegen soll. Neben den Hauptfiguren tummeln sich unglaublich viele Charaktere im Film.

Es gibt mehr als 110 Sprechrollen. Es kommt ganz schön was zusammen, wenn man so viele Figuren in einem Film unterbringt. Jeder Film ist nur so gut wie die Darsteller, die man am jeweiligen Tag zur Verfügung hat. Also mußs man sichergehen, dass auch die Kleinstnebenrolle-Schauspieler echte Könner sind. Es ist wichtig, dass jeder Einzelne einen Eindruck beim Publikum hinterlässt."

Er fährt fort: "Einer der Vorteile eines Projekts, das spannende Figuren bereit hält, ist es natürlich, dass man es leichter hat, gute Schauspieler zu finden. Da sind viele Leute in Traffic, die ich immer schon mochte und mit denen ich arbeiten wollte. Dieser Stoff bot eine perfekte Gelegenheit dafür. Ich neige dazu, Schauspieler immer wieder einzusetzen. Für mich als Filmemacher ist es also nur von Vorteil, die Gelegenheit wahrzunehmen und das Ensemble zu vergrößern."

Produzentin Laura Bickford sagt: " Catherine Zeta-Jones, Michael Douglas und Benicio Del Toro waren die drei ersten Darsteller, die wir fragten, ob sie bei unserem Film mitwirken wollten. Zu unserem Glück sagten alle drei zu. "In einem der Handlungsstränge von Traffic geht es um den Tijuana-State-Polizisten Javier Rodriguez, der von Benicio Del Toro gespielt wird.

Bickford meint: "Wir wollten von Anfang an klar machen, dass die Mexikaner hier nicht die Bad Guys sind. Benicios Cop Javier ist ein guter Mann, gefangen in einer schlechten Welt, in der er keine Wahl hat. Der Bösewicht ist das System und die Korruption, die der illegale Drogenhandel nach sich zieht. Javier mußs eine Entscheidung treffen, wie er damit umgeht: Soll er Bestechungsgelder annehmen und damit für die Kartelle arbeiten oder nicht? An einem bestimmten Punkt ist es ihm beinahe unmöglich, nicht für die eine oder andere Seite zu arbeiten. Wir wollten zeigen, wie sich ein Polizist fühlen mußs, der zwar völlig ehrlich ist, aber keine Möglichkeit hat zu überleben, wenn er keine Kompromisse eingeht."

"Was mir an Stevens Regie schon immer gefiel, ist sein konstantes Bemühen, das Gezeigte wahrhaftig und real und unterhaltsam zu gestalten", sagt Bickford weiterhin. Um diese Arbeitsweise auch bei Traffic fortzusetzen, beschloss der Filmemacher, alle Dialogszenen zwischen Mexikanern auf Spanisch zu drehen. Soderbergh merkt an: "Wir hatten immer die Idee, die Szenen, in denen Mexikaner mit Mexikanern reden, in spanischer Sprache zu drehen. Wenn man den Film auch nur im geringsten ernst nehmen wollte, war dieser Schritt unvermeidlich. Im filmischen Kontext gibt es einen gewaltigen Unterschied, wie Mexikaner untereinander und wie sie mit Amerikanern reden. Ich wollte, dass der Zuschauer das versteht, denn die Undurchdringlichkeit der Kultur der jeweils anderen Seite ist ein wichtiger Bestandteil des mexikanischen Handlungsstranges."

Um die Authentizität von Traffic noch weiter zu "erhören", fasste Soderbergh den Beschluss, die Schlüsselrollen vornehmlich mit Latino-Schauspieler zu besetzen. Dazu gehören die in Puerto Rico geborenen Benicio Del Toro und Luis Guzman, die in Kuba geborenen Steven Bauer und Tomas Milian und die aus Mexiko stammenden Jacob Vargas und Marisol Padilla Sanchez.

Wie seine Kollegen empfand Benicio Del Toro das dringende Bemühen um ethnische Authentizität als höchst angenehm: "Stevens Idee, auf Spanisch zu drehen - das war ein aufregender Ansatz. Das verleiht der Geschichte Textur, eine Form von Realismus, die man im amerikanischen Kino von heute eigentlich nicht kennt."

Benicio Del Toro beschreibt seine Figur wie folgt: "Er ist ein Underdog, der versucht, das Richtige zu tun. Aber das Böse und das Potential der Korruption könnte sich als stärker erweisen. Seine Beziehung zu dem von Jacob Vargas gespielten Kollegen Manolo ist wie die zwischen älterem und jüngerem Bruder. Doch dann wird alles schwierig. Wegen der Drogen und des Geldes. Javiers Konflikt besteht in seiner Entscheidung, ob er seine Integrität verkaufen soll. Wenn er sich nicht darauf einlässt, könnte er sein Leben verspielt haben."

Benicio Del Toro weiter: "Javier steht den USA sehr kritisch gegenüber. Von da kommt das Geld für die Drogen, von da kommt der Bedarf für die Drogen. Nur die Drogen selbst kommen aus seinem Land. Gleichzeitig versucht aber auch die DEA, das Richtige zu tun."

Autor Gaghan sieht es ähnlich: "Einer der Informanten, mit denen ich bei meiner Recherche zusammentraf, erzählte mir bezüglich der Korruption in Mexiko: "In Amerika haben wir Glück, weil die Menschen, die sich für einen Posten bei der Polizei bewerben, nicht glauben, dass ihr Job eine unternehmerische Tätigkeit ist. In Mexiko ist das ganz anders." Ich liebe es, wie Javiers Geschichte endet.

Benicio half uns, dieses Ende zu finden. Es ist realistisch und absolut treffend. Die Wahl, die ein mexikanischer Polizist hat, ist einfach: Gold oder Blei. Entweder nimmt man das Geld von den Drogendealern oder man wird irgendwo im Rinnstein mit einer Kugel im Kopf gefunden."

Eine weiterer Teil von Traffic handelt von Robert Wakefield, dem vom US-Präsidenten neu berufenen obersten Drogenbekämpfer der Regierung, gespielt von Michael Douglas.

"Robert Wakefield ist ein konservativer Richter am Obersten Gerichtshof. Er kommt aus Ohio, ist ein intelligenter und weltgewandter Typ", beschreibt Steven Soderbergh. "Aber während er sich durch die politische Szene in Washington navigiert, um die Komplexität seiner Aufgabe zu erfassen, bekommt er nicht mit, dass ausgerechnet seine eigene Teenagertochter Caroline ein Drogenproblem hat. Ein Problem, das von ihren Eltern zunächst nicht als schwer eingestuft wird, sich aber als extrem schwer herausstellt. Wakefield ist gezwungen, der unglaublichen Kraft der Sucht entgegenzutreten - zunächst gezwungenermaßen auf einer sehr privaten Ebene, und dann erst als Problem, das er auf nationaler Ebene bekämpfen soll."

Autor Gaghan sagt über die Wakefields: "Ich liebe die Stille im Wakefield-Haus, die Dinge, die zwischen ihnen unausgesprochen bleiben, während sie sich eines Problems annehmen, auf das es keine einfachen Antworten gibt."

Michael Douglas gibt zu: "Ich fühle mich immer zu Filmen hingezogen, die eine gute Story erzählen und sehr handlungsbezogen sind. Dieser Film hat gleich drei aufregende Geschichten, die miteinander verwoben sind und sich auf verschiedenartige Weise mit dem Thema Drogen auseinandersetzen. Die emotionale Wirkung macht diesen Film so explosiv. Interessant war, dass ich eigentlich nur über meine Sektion des Films Bescheid wusste. Meine Figur ist gezwungen, sich mit der Realität des Problems, das er mit seiner Tochter hat, im Hinblick auf seinen Status in seinem Umfeld auseinanderzusetzen. Es ist die klassische Situation: Mir kann das niemals passieren, das passiert immer nur in anderen Familien."

Michael Douglas merkt an: "Ich mußste für meinen Part nicht allzu viel Recherche betreiben, denn, einmal abgesehen von seinem juristischen Vorwissen, hat Wakefield nicht allzu viel Ahnung von der Drogenproblematik. Er soll kein Experte auf dem Gebiet sein. Ich mußste die Figur mit einem gewissen Maß an Unschuld und Naivität versehen: Ständig wird er von anderen über das Thema belehrt. Durch seine Augen erhält auch das Publikum ein Verständnis dafür, welch ein enormes und weitläufiges Problem es da zu bewältigen gilt."

Er fügt hinzu: "Es gab da eine Szene, die wir an der Grenze zwischen San Ysidro und Tijuana drehten. Man mußs nur die 28 Spuren Autoverkehr sehen, dann weiß man, wie gewaltig dieses Problem ist. Der Verkehr ist so komplex und unüberschaubar, dass es Wachen auf der mexikanischen Seite gibt, die den Grenzverkehr mit Ferngläsern kontrollieren. Sie wissen, welche ihrer Hunde noch gut für den Job und welche vom vielen Schnüffeln nach Drogen völlig ausgebrannt sind. Die Zyklen eines Hundes als Schnüffler sind sehr kurz. Die Wachen mit den Ferngläsern weisen ihre Kollegen also an, zu welchen Hunden sie die Autos an den Grenzen zu lenken haben. Das vermittelt einen Eindruck, wie gigantisch das Problem ist. Es ist die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen."

Michael Douglas sagt: "Wenn man das Drogenproblem als Tripode betrachtet, dann sind die drei Beine Polizei, Aufklärung und Rehabilitation. Lange Zeit hat sich unsere Regierung fast ausschließlich auf das erste der drei Beine konzentriert. Mittlerweile hat man erkannt, dass man dem wahren Problem auf diese Weise niemals ans Leder gehen können wird. Also legt man mehr Wert auf Prävention und Rehabilitation - und es gibt viele Streitpunkte zwischen diesen drei zu bewältigen. Anders gesagt: Man kann Kinder bis zu einem gewissen Alter aufklären. Und was dann, wenn die Aufklärung nicht greift: Rehabilitiert man sie, oder holt man die Polizei? Die zunächst klar formulierte Einstellung meiner Figur in Traffic ändert sich aufgrund der Entwicklungen in ihrem eigenen Leben."

Drehbuchautor Gaghan, der in Louisville, Kentucky, aufwuchs, sagt: "Für die gelangweilten Kids im Mittleren Westen sind Drogen und Alkohol eine Möglichkeit, einmal ein bisschen Abenteuer zu erleben. Man schnappt sich ein Sixpack, geht weg und erlebt etwas Aufregendes, ohne großartige Konsequenzen tragen zu müssen. Aber da sind auch noch die etwas weniger als zehn Prozent der Bevölkerung, die anfällig sind für Abhängigkeit. Für sie hat das Risiko eine ganz andere Qualität. Und da erlebt man dann die unbeschreiblichen Tragödien: Sie werfen ihr Leben weg, enden im Gefängnis oder anderen Anstalten, schlimmstenfalls zahlen sie mit ihrem Leben. Oder aber sie schaffen den Absprung und sagen sich von der Sucht los. Dazwischen gibt es nichts."

Obwohl Erika Christensen relativ neu in der Filmbranche ist, sicherte sie sich die begehrte Rolle der Caroline Wakefield, eine hochintelligente Einser-Schülerin, die mit ihren Eltern in einer wohlhabenden Vorstadt von Cincinnati lebt. Ihr Abstieg in die Drogenhölle ist es, der ihre Familie ihre Prioritäten überdenken lässt. Anfangs sind Drogen für sie nur etwas, um sich am Wochenende oder nach der Schule abzulenken. Doch dann führt sie die Sucht aus ihrer wohlbehüteten Nachbarschaft in die Straßen und Gassen der Innenstadt von Cincinnati, wo alle erdenklichen Drogen zu haben sind - wenn man den Preis bezahlen kann.

Christensen erklärt: "Ich fand das Drehbuch so powervoll, weil es die Größe des Drogenproblems aufzeigt und verdeutlicht, dass dieses Problem nicht auf eine gewisse soziale Schicht begrenzt ist. Ich spiele eine Spitzenschülerin, die mit Auszeichnungen dekoriert ist - aber auch abhängig von Kokain und Heroin ist. Besser kann man nicht zeigen, dass jeder süchtig werden kann, der nicht bereit ist, Verantwortung für sein Leben zu übernehmen."

Über ihre Vorbereitung auf die anspruchsvolle Rolle sagt sie: "Ich besuchte Treffen der Anonymen Alkoholiker und hatte die Gelegenheit, mit ehemaligen Drogensüchtigen zu sprechen. Sie beschrieben mir die Mentalität eines Abhängigen, wie der Erwerb von Drogen zum einzigen Lebensinhalt wird. Nichts sonst spielt eine Rolle - Moral wird das Klo runtergespült. Ich war beeindruckt, wie eloquent diese Menschen über ihre Probleme reden. Außerdem sprach ich mit dem Präsidenten des Rehabilitations- und Aufklärungszentrums. Von ihm habe ich viel gelernt, vor allem, was in Menschen vorgeht, die körperlich von Drogen abhängig sind."

Abschließend meint Christensen: "Bei meinen Nachforschungen habe ich gelernt, dass mehr Aufklärung dringend nötig ist, speziell für Teenager. Man mußs Kids mehr erzählen, als dass "Drogen böse sind". Sie müssen das gesamte Bild begreifen - was mit dem Körper und dem Verstand passiert. Als Präventionsmaßnahme halte ich Aufklärung für unschlagbar. Ich finde zumindest, dass es Sinn macht, potentielle Nutzer zu stoppen, bevor sie überhaupt anfangen."

Im Mittelpunkt des dritten Teils von Traffic steht die südkalifornische High-Society-Ehefrau Helena Ayala, die von Catherine Zeta-Jones dargestellt wird.

Produzentin Laura Bickford sagt über Helena: "Wir haben die Figur ziemlich direkt aus der Miniserie übernommen. Helena ist die Ehefrau eines sehr erfolgreichen Geschäftsmannes in San Diego, Carlos Ayala, der von Steven Bauer gespielt wird. Sie hat einen jungen Sohn und ist schwanger. Die Familie lebt in einem wunderschönen Haus. Man könnte sagen, dass sie den amerikanischen Traum lebt. Dann mußs Helena entdecken, dass ihr imposanter Lebensstandard vom Drogenhandel ihres Mannes finanziert wird. Sie mußs einige folgenschwere Entscheidungen treffen, um ihre Familie zu retten."

"Das Merkwürdige ist", merkt Catherine Zeta-Jones, "dass ich Helenas Stimme im Kopf gehört habe. Lange bevor ich das Drehbuch in die Hände bekam, hatte ich einen Traum.

In diesem Traum sagte eine weibliche Stimme: Entensalat - Du hast noch niemals Entensalat gegessen. Es stellte sich heraus, dass das die Stimme von Helena war, wie sie im Speisesaal des Country Club in La Jolla mit ihren Freundinnen schwatzt. Ich dachte mir: Wie wäre es, wenn sie eine Frau wäre, die im Grunde höchst naiv ist. Sie lebt in diesem schönen Haus hinter einem Eisentor und glaubt, dass ihr steinreicher Ehemann sein Vermögen von seiner Familie geerbt hat. Sie macht eigentlich alles richtig: Sie arbeitet für die richtigen karitativen Einrichtungen, sie ist eine gute, engagierte Mutter. Und dann entdeckt sie, dass sie ihr Leben die ganze Zeit auf einer Lüge aufgebaut hat."

Als man ihr die Rolle anbot, wusste nur Catherine Zeta-Jones' Familie von einem damals wohlbehüteten Geheimnis der Schauspielerin: "Ich steckte richtig in der Klemme, weil ich zum Zeitpunkt von Stevens Anruf bereits wusste, dass ich schwanger war. Ich hatte ihn noch nie getroffen, wollte aber unbedingt mit ihm arbeiten. Ich fragte ihn, wann der Dreh losgehen sollte und rechnete in Windeseile im Kopf nach, wie weit ich zu diesem Zeitpunkt sein würde. Schließlich gestand ich ihm, dass ich im fünften Monat schwanger sein würde, wenn er am 1. April 2000 mit den Dreharbeiten beginnen wollte. Ich sagte ihm auch, dass ich es für eine tolle Idee für die Figur der Helena halten würde, wenn sie schwanger wäre. Wenn er die Idee nicht so toll fände, dann würde ich ihn verstehen."

Laura Bickford erinnert sich: "Als wir von Catherines Schwangerschaft hörten, hatten wir allesamt den gleichen Gedanken: Das ist richtig toll für die Geschichte - so was kann man sich nicht ausdenken. Das gibt Helena eine ganz neue Dimension und erklärt perfekt ihre Motivation, als sie ihre Entscheidung trifft."

Catherine Zeta-Jones sagt über Helena: "Wahrscheinlich war sie noch nicht einmal in einem Zimmer mit anderen Menschen, die Drogen nehmen. Und plötzlich mußs sie sich in dieser Welt zurechtfinden. Sie lebt in einer perfekten Welt - bis die DEA plötzlich in ihr Haus platzt, ihren Ehemann festnimmt und ins Gefängnis verfrachtet. Als sie herausfindet, dass der Mann, den sie über alles liebt, seinen Lebensunterhalt mit dem illegalen Schmuggel von Drogen bestreitet, bricht ihre Welt zusammen. Nachdem sie den Schock überwunden hat, macht sie es sich zur Aufgabe, da weiterzumachen, wo ihr Ehemann aufgehört hat. Obwohl sie gezwungen ist, sich damit abzufinden, dass ihr Lebensstil auf schmutzigem Geld beruht, ist sie fest entschlossen, diesen Lebensstil nicht aufzugeben und für die Zukunft ihrer Kinder mit allen Mitteln zu kämpfen."

Soderbergh ließ Catherine Zeta-Jones nicht nur schwanger vor die Kamera treten. Er bat sie auch um etwas, was noch kein Regisseur bisher von ihr verlangt hatte: Sie sollte mit unverstellter Stimme und ihrem eigenen Akzent sprechen. Sie führt aus: "Das war sehr befreiend für mich. Normalerweise mußs ich meinen eigenen Akzent immer verstecken. Aber Steven bestand darauf, dass ich so sprechen sollte, wie ich es in meinem eigenen Leben auch tue. Ich glaube, das verleiht der Figur noch eine zusätzliche Ebene. Man weiß, dass sie keine Amerikanerin sein kann. Und obwohl ihr Ehemann hispanische Wurzeln hat, ist er doch Amerikaner. Man vermittelt so das Gefühl, dass Helena nach Amerika gekommen ist, sich in das Land verliebt und es nie mehr verlassen hat."

Soderbergh erläutert: "Ich wollte, dass Catherine so locker und entspannt wie nur möglich sein sollte. Sie durfte nicht an einen Akzent denken müssen. Das hätte sie niemals restlos abschütteln können und ihre Darstellung hätte gelitten. Sie sollte entspannt sein. Und das merkt man ihrem Auftritt auch an."

Zeta-Jones sagt weiterhin: "Mich faszinierte das Thema des Films: Drogenhandel. Die Menschen, die mit Drogen zu tun haben. Das Drehbuch war wunderbar aufgebaut. Man fühlte sich wie bei einer Achterbahnfahrt. Die Figuren sind umwerfend. Mir gefiel die Tatsache, dass da drei Geschichten erzählt werden, die sich weitgehend nicht berühren, aber doch untrennbar miteinander verbunden sind. Wunderbar wird damit aufgezeigt, dass alle Schichten der Gesellschaft von dem Drogenproblem betroffen sind. Es ist egal, welche Bildung man hat, wo man herkommt. Man mußs nicht kaputt sein, um drogensüchtig zu werden. Der Film folgt nicht einfach nur einem Paket Kokain über die Grenze. Man folgt den Figuren, die damit zu tun haben, dass die Drogen über die Grenze geschmuggelt werden - oder selbst Drogen nehmen."

Soderbergh kommentiert: "In all diesen Geschichten gibt es immer wenigstens einen, der mit der Welt der Drogen in Kontakt steht, ob er sie nun verkauft, sie konsumiert oder bekämpft. Sie alle werden da in etwas reingezogen, das viel größer ist als sie. Das ist der rote Faden, der sich durch jede einzelne Geschichte zieht."

Gaghan fügt hinzu: "Die Wirkung der einzelnen Geschichten erhöht sich noch, wenn sich die Stränge überschneiden und miteinander verbinden - wie die Drogen von einem Ort kommen, wie sie sich bewegen, wie sie an einem anderen Ort ankommen und auf dem Weg dahin das Leben zahlloser Menschen beeinflussen. Ein Schulkind aus Ohio nimmt Drogen, die jemand in Mexiko verpackt hat. Alle Figuren dieses Schachspiels haben ein Schicksal, das wert ist, genauer unter die Lupe genommen zu werden. Da wird nichts vereinfacht. Das ist auf jeder Ebene hochemotional. Jeder Beteiligte des Krieges gegen Drogen - die Konsumenten, die Händler, die Polizei - vertreten sehr leidenschaftliche Standpunkte."

"Ich weiß nicht mehr, was der letzte große Drogenfilm war", rätselt Benicio Del Toro. "Aber Traffic nimmt sich des Problems an - und kein Zweifel, es ist ein großes Problem unserer Zeit. Der Realismus des Films macht ihn so hochaktuell. Keiner in dem Film ist ein perfekter Held, jeder ist einfach nur ein Mensch."

Bickford merkt an: "Ich fand es sehr spannend, das wirklich jeder Leser des Drehbuchs überzeugt war, dass seine Position vertreten wird. Die DEA, die uns bewundernswert unterstützte, hatte beispielsweise den Eindruck, dass selten deutlicher die Wahrheit über den Kampf der Gesetzeshüter gegen Drogen dargestellt wurde. Wir haben uns jede erdenkliche Mühe gegeben, den Film so realistisch und ungeschminkt wie möglich zu machen. Das gelang uns teilweise auch deshalb, weil so viele echte Leute beteiligt waren. Wir haben viel Zeit mit der DEA in Washington und San Diego und mit Agenten von EPIC (El Paso Intelligence Center) verbracht, wo wir auch drehen durften. Wir wollten ihrer Arbeit gerecht werden. Wir filmten an der Grenze zwischen Tijuana und San Diego. Der Direktor der amerikanischen Zollbehörde ließ es sich nicht nehmen, sich selbst zu spielen, und gab Michael Douglas' Figur eine Tour der Grenzanlage, während um uns herum echte Drogeneinsätze abliefen."

"Die Arbeit in Mexiko war etwas Besonderes", erinnert sich Benicio Del Toro. "Die Menschen waren so warmherzig und hilfsbereit. Wir drehten einige Szenen ganz spontan, und als Statisten nahmen wir Menschen von der Straße."

Soderbergh fügt hinzu: "Wenn man normale Menschen vor die Kamera stellt, ist es interessant, den Unterschied zwischen ihnen und den Schauspielern zu beobachten. Da gibt es eine ganz andere Qualität. Bei einem Film wie dem unseren ist das mehr als hilfreich. An der Grenze und beim Besuch von EPIC gab es Offizielle, die Michael Douglas' Figur erklären, was sie machen, dass sie glauben, dass man ihre Jobs mit mehr Öffentlichkeit und Finanzen einfacher machen würde."

Noch realistischer ist eine Cocktailparty-Szene in Washington D.C., wie Soderbergh gesteht: "Fünf US-Senatoren, zwei Kongressabgeordnete, ein ehemaliger Gouverneur von Massachusetts, ein ehemaliger amerikanischer Botschafter und mehrere bekannte Journalisten treten als sie selbst auf. Sie reden mit Michael Douglas' Figur über ihre Ansichten über den Drogenkrieg, äußern, was die Probleme in ihrem Staat sind und so weiter. Selbst wenn man nicht erkennt, wer sie sind, geht von ihnen doch eine ganz andere Energie aus, die einem deutlich sagt, dass sie echt sind. Dafür gibt es keinen Ersatz. Weil Michael politisch bewandert und sehr smart ist, wusste er instinktiv, welche Fragen er zu stellen hatte. Ich folgte ihm ganz einfach mit den Kameras und bat die jeweilige Person, mit der er gerade sprach, ihm genau den eigenen Standpunkt und die eigenen Erfahrungen zu erklären."

Soderbergh weiter: "Ich habe Michael Douglas einfach in diese Situation gestoßen. Als wir an der Grenze waren, haben sie vor unseren Augen auf der Suche nach Drogen Autos auseinandergenommen. Wir filmten die Hunde und die Beamten, während die Experten Michael ihre Informationen zukommen ließen. Alles war improvisiert, gefilmt im Stil einer Dokumentation. Danach haben wir dann ein paar der geskripteten Passagen eingearbeitet."

Der Regisseur gibt zu: "Manchmal ist es wie Schlittschuhlaufen auf dünnem Eis. Aber wenn man's hinkriegt, dann würde man etwas in Händen halten, das ganz anders ist, als wenn man zwei gelernte Schauspieler eingesetzt hätte."

Michael Douglas sagt über die Arbeit mit Steven Soderbergh: "Talent ist mir sehr wichtig. Aber genauso wichtig ist es für mich, in einem angenehmen Umfeld mit Menschen zu arbeiten, die nett sind. Es sagt viel über Steven Soderbergh und die Atmosphäre an seinen Sets aus, wenn man sieht, welch großartige Schauspieler und Crewmitglieder er für seine Filme gewinnen kann."

"Vieles an der Arbeit mit Steven ist spitze: er arbeitet schnell, sauber und billig", lacht Del Toro. "Er arbeitet mit einer Crew, die sehr dicke miteinander ist. An seinen Sets wird nicht gepennt, da gibt es keine langwierigen Pausen zwischen zwei Einstellungen, die man in seinem Trailer verbringen müsste. Was mir aber am besten an Steven gefällt: Er hört einem zu. Er hört wirklich zu, was man zu sagen hat. Dann denkt er darüber nach. Und dann stimmt er zu oder nicht. Er hört zu und er hilft einem. "Soderbergh sagt: "Ich mag Schauspieler und arbeite gerne mit ihnen. Die meisten, die ich kenne, kennen die Freude, die daraus resultiert, wenn man gemeinsam an einem Film arbeitet. Das ist alles, was wir am Ende des Tages haben. Ein Tape oder eine DVD in meinem Regal bedeutet mir überhaupt nichts. Wichtig sind diese Monate, die ich mit den Schauspielern und der Crew verbracht habe. Deshalb möchte ich sichergehen, dass auch die Leute, mit denen ich gearbeitet habe, sich gut fühlen. Ich gebe mir wirklich Mühe, dass wir alle die gemeinsame Zeit genießen. Schließlich ist es ja auch ein großer Teil meines Lebens."

DAS AUGE DES REGISSEURS

Eine ungewöhnliche kreative Entscheidung traf Steven Soderbergh bereits im Vorfeld der Produktion. Unter dem Pseudonym Peter Andrews - die Gewerkschaften gestatteten eine gleichzeitige Nennung Soderberghs als Regisseur und Kameramann nicht - übernahm er selbst die Kameraarbeit.

"Als ich meine ersten Kurzfilme drehte, war ich stets mein eigener Kameramann", erklärt Soderbergh. "Kameraarbeit hat mich schon immer interessiert. Ich fühle mich richtig wohl als Fotograf. Ich habe das bereits bei SCHIZOPOLIS versucht, und ich habe mit sehr guten Kameramännern gearbeitet. Wegen des Stils von Traffic war ich zuversichtlich, dass ich es schaffen könnte, die Doppelbelastung Regie und Kamera bewältigen zu können."

Er fährt fort: "Um Traffic so machen zu können, wie ich es mir vorstellte, mußste die Kameracrew so klein und beweglich wie möglich sein. Außerdem konnte ich mir nicht vorstellen, wie ich einem Kameramann meine Vorstellungen vermitteln sollte. Jede der drei Geschichten sollte einen ganz unverkennbaren Look haben. Ich benutzte also eine Kombination aus Farben, Filtern, Sättigung und Kontrast, damit man gleich beim ersten Bild weiß, in welcher Geschichte man sich befindet."

Soderbergh ging sogar so weit, die Kamera selbst zu bedienen, was er bereits bei einigen seiner Filme getan hat. Der Unterschied war, dass Traffic fast ausschließlich mit handgehaltener Kamera gedreht wurde. Er kommentiert: "Von Anfang an wollte ich, dass der Film so aussieht, als würde das Gezeigte gerade spontan passieren. Das setzt eine gewisse Ästhetik voraus, die sich nicht gelackt oder poliert anfühlen darf. Es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen Dingen, die inszeniert sind, und Dingen, die man ganz zufällig einfängt. Mein Film durfte also nicht bemüht schlampig aussehen. Vielmehr wollte ich das Gefühl vermitteln, als würde ich den Bildern hinterherjagen, als würde ich sie gerade in dem Moment finden, während sie passieren. Gleichzeitig mußste ich acht geben, den Zuschauern keine Kopfschmerzen zu bereiten."

Soderbergh sagt: "Was mir am Bedienen der Kamera gut gefällt, ist die unmittelbare Erkenntnis dessen, was man gerade gedreht hat. Ich fand es tatsächlich etwas beunruhigend, dass das, was ich durch die Linse der Kamera sah, oft keinerlei Verbindung mit dem hatte, was wir belichteten. Im Grunde fühlte ich mich wie ein Pilot, der sich beim Fliegen ausschließlich auf Instrumente und Anzeigen verlassen mußs. Ich wusste, welches Licht ich hinter und vor mir hatte und dass ich einen Filter einsetzte. Theoretisch wusste ich also, dass alles okay sein mußste. Aber wenn ich durch die Linse blickte, sah ich nichts von dem, was ich mir ausgemalt hatte. Mir blieb nichts anderes übrig, als den Atem anzuhalten und zu hoffen. Als ich am nächsten Tag die Dailies betrachtete, war alles so, wie ich es mir erhofft hatte."

Soderbergh traf auch die Entscheidung, nach Möglichkeit nur mit vorhandenen Lichtquellen zu arbeiten. Leider war das nicht immer möglich: "Bei der Vorbereitung sprachen wir viel über natürliches Licht. Es war ein bisschen entmutigend, als wir ausgerechnet am ersten Drehtag feststellen mußsten, dass das Licht überhaupt nicht unseren Vorstellungen entsprach. Und natürlich mußsten wir gleich hier mit Scheinwerfern arbeiten. Insgeheim dachte ich: Oh oh, das ist ja ein toller Anfang."

Weiter sagt er: "Auch da ging es mir nur darum, dieses Gefühl zu evozieren, als seien wir gerade aufgetaucht und hätten einfach losgefilmt. Es gab Tage, da hätte jeder professionelle Kameramann vermutlich einen Herzanfall bekommen. Immer wieder kam es vor, dass ich während des Drehs feststellte, dass der Look der Szene nicht meinen Vorstellungen entsprach. Hätten wir konventionell gearbeitet, wäre es nicht möglich gewesen, den Dreh kurz zu unterbrechen und einen neuen Winkel zu finden. Aber weil die Crew extrem klein war, konnten wir sehr kurzfristig und spontan handeln. Auch für die Schauspieler war es von Vorteil, dass wir mit hoher Geschwindigkeit arbeiten konnten."

Soderbergh führt den Gedanken aus: "Als ich Michael Douglas traf, sagte ich ihm, dass er bei diesem Film mehr schauspielern würde als bei all seinen anderen Filmen davor. Ich behielt recht. Weil wir uns schnell bewegen konnten, mußsten die Schauspieler nicht viel herumsitzen. Sie konnten den ganzen Drehtag auf ihre Figuren fokussiert bleiben. Ich entdeckte aber auch, dass ich mich mit der Drehweise selbst unter Druck setzte. Als Regisseur mußste ich auf die üblichen Fünf-Minuten-Pausen verzichten, die ein neuer Kamera-Setup üblicherweise mit sich bringt. Das hieß, dass ich vom Beginn des Drehtags bis zum Ende ständig unter Strom stand: Ich alleine war für den Rhythmus des Drehs verantwortlich."

Michael Douglas erzählt: "Steven ist ein angenehmer Mensch. Aufgrund der Wahl seiner Kameraobjektive hält er immer einen gewissen Abstand zu den Schauspielern. Man hat nie das Gefühl, die Kamera würde einem auf die Pelle rücken oder gar stören. Es gibt da eine Abgrenzung für Schauspieler, die die meisten Regisseure missachten, weil sie die Scheinwerfer, die Kamera oder die Reflektoren in den Weg stellen. Steven ermöglicht einem Schauspieler ein Umfeld, in dem man seine Dialoge verhältnismäßig konzentriert spielen kann. Bei ihm mußs man sich im Hinterkopf keine Gedanken über die Kamera machen."

Soderbergh gibt zu: "Ich tendiere dazu, mit der Kamera nicht zu nah an die Schauspieler heranzukommen. Wenn ich ihnen nahe sein will, nehme ich einfach ein längeres Objektiv. Damit erreiche ich einiges: Die Schauspieler haben mehr Raum und können vergessen, dass sie von technischem Gerät umgeben sind.

Und beim Publikum stellt sich unterbewusst das Gefühl ein, dass die Kamera nur zufällig da war, als man die Szene drehte. Die dokumentarische Atmosphäre wird amplifiziert." Aber er sagt auch: "Ich hoffe, dass man in Traffic nach zehn Minuten völlig vergisst, dass die Kamera handgehalten und sehr unruhig ist. Außer bei gewissen Bewegungen renne ich nicht unnötig in der Gegend herum. Manche Momente sind verwackelt oder unscharf. Aber das gefiel mir. Man hat dann nicht das Gefühl, als hätte jemand endlos rumgefummelt, bis alles perfekt und steril ist. Das Publikum erhält den Eindruck: Gott, alles ist hier möglich. Das ist es, was ich anstrebe: kontrollierte Anarchie."

Durch den ständigen Wechsel der Locations wird das Publikum zudem in Atem gehalten. Der Dreh zu Traffic begann im April 2000. Zunächst wurde vier Wochen lang in San Diego gefilmt. Dann wechselte man in die Grenzstadt Norales in Mexiko, zu einem Flugzeuglandestreifen in Las Cruces in New Mexico, dem EPIC-Hauptquartier in El Paso, Texas, zu Regierungsgebäuden in Columbus, Ohio, und einer Vielzahl von Wohnvierteln in Cincinnati, einem Anwesen in Georgetown, dem Weißen Haus in Washington, D.C., und schließlich wurde der Dreh in Los Angeles abgeschlossen.

Dirk Jasper FilmLexikon
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