Produktionsnotizen zu Der Schneider von Panama

Salsa in der Hölle: Die Darsteller und ihre Rollen

In den ersten Tagen des neuen Millenniums, die Sylvesterfeierlichkeiten waren kaum beendet, brandete erneut eine Welle der Aufregung in dem zentralamerikanischen Land Panama und besonders in der Hauptstadt Panama City hoch: Zum ersten Mal wurde ein großer internationaler Kinofilm - John Boormans Der Schneider von Panama, mit den Stars Pierce Brosnan, Geoffrey Rush und J Jamie Lee Curtis - dort gedreht und rückte das kleine Land damit ins Rampenlicht des internationalen Interesses!

"Ich hatte," sagt John Boormans "schon vier Filme in den Tropen gedreht, insofern war Panama für mich nichts völlig Neues. Charme, Schönheit, Korruption, Drogenhandel - man findet hier eine sehr aufregende und exotische Atmosphäre."

Als Columbia Pictures John Boormans zum ersten Mal das Projekt angeboten hatte, gab es noch ein ziemlich langes Originaldrehbuch von John le Carré selbst. "Da steckte schon eine Menge Leben drin," erinnert sich Boorman. "Ich habe mich dann mit Le Carré getroffen und mich auf Anhieb blendend mit ihm verstanden - er ist ein weiser und witziger Herr und ein großartiger Erzähler. Ich habe das Drehbuch dann nach seinem Roman und dem Originalskript ein wenig umgearbeitet: Die Geschichte beinhaltet alle mögichen dramatischen und komischen Elemente und spielt an einem exotischen Ort, der vor Liebe, Hass und Korruption schier überfließt. Im Herzen der Story geht es um diese seltsame Beziehung zwischen Osnard und Harry. Die fühlen sich zueinander hingezogen und nutzen sich gegenseitig aus. Osnard schmeichelt Harry und drängt ihn gleichzeitig in die Enge, weil er seine wahre Vergangenheit kennt."

Für den Regisseur stand immer fest, dass Oscar®-Gewinner Geoffrey Rush die Rolle des Harry Pendel übernehmen sollte. "Man verliert nie die Sympathien für Geoffrey Rush, wenn er dort oben auf der Leinwand ist, selbst wenn er die furchtbarsten Dinge anstellt," sagt Boorman. "Er wirkt immer irgendwie mitgenommen, aber dennoch unschuldig. Zudem hat er eine enorme schauspielerische Bandbreite, und ich wusste, schon rein technisch konnte er den Harry wunderbar spielen."

"Ein gutes Drehbuch wächst einem immer mehr ans Herz," sagt Rush. "Und ich mag den Harry. Er ist eine einzigartige Filmfigur, und mir gefallen seine Metaphern, die er für die Schneiderei findet, sehr. Natürlich übertreibt er es mit seinen Phantasien, aber im Grunde ist er ein guter Mensch. Harry ist ein Held wider Willen, was natürlich immer eine wunderbare Rolle für einen Schauspieler ist."

Geoffrey Rush ging mit gewohnter Sorgfalt an die Vorbereitung und Interpretation seiner Rolle heran. Unterstützt von seiner Frau, der Schauspielerin Jane Menelaus, ließ er sich von einem Schneider in Sydney in der Kunst des Einkleidens unterrichten. Nachdem seine Koffer gepackt waren und er auf dem Weg war, um zu Boorman und dem Rest der Produktion in Panama zu stoßen, fand er dort vor Ort einen weiteren Schneider, der ihm die Technik des Kreide- und Stoffschnitts zeigte. "Es ist faszinierend, was man alles für einen Film lernen kann," sagt Rush. "In Shine habe ich so getan, als könne ich Rachmaninott spielen, und nun habe ich für Der Schneider von Panama einen Anzug geschneidert."

Auf Pierce Brosnan als Osnard kam Boorman, nachdem er Brosnans letztes Bond-Abenteuer The World Is Not Enough gesehen hatte. "Er hat der Rolle so ein gewisses Etwas gegeben, was noch kein Bond vor ihm hatte," sagt der Regisseur. "Das hat mich überzeugt, dass er der perfekte Osnard sein könnte. Dabei ist Osnard im Grunde ein Anti-Bond, ein Mann ohne moralische Skrupel und voller Selbstsucht."

"Was mich an dem Film reizte? John Boorman, John Boorman, John Boorman!" sagt Pierce Brosnan. Obwohl auch sein Osnard ein britischer Spion ist, ist die Rolle doch meilenweit entfernt von James Bond. "Osnard ist unkontrollierbar und verschlagen, anders als Bond," sagt der Schauspieler. "Er steht kurz davor, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen, er ist disillusioniert, er will noch einmal richtig abräumen und dann aufhören. Und er ist ein Frauenheld, ein Zyniker und ein Manipulator."

"Es ist oft so, dass ein Film, je klarer man ihn vor seinem inneren Auge sieht, umso schwieriger zu drehen ist, weil die Realität auf dem Set meilenweit von deinen Vorstellungen entfernt ist," sagt Boorman. "Darum ist es schön, wenn ich nun sagen kann, dass es diesmal viele Momente gab, wo die Schauspieler meine Erwartungen sogar noch übertroffen haben. Das ist eine große Freude."

Das Trio der Hauptdarsteller wird vervollständigt durch Jamie Lee Curtis in der Rolle von Louisa, Harrys Frau. Curtis ist mit Boorman und seiner Familie schon länger befreundet, nachdem sie und Boorman Anfang der 90-er Jahre gemeinsam in der Jury in Cannes saßen. Sie brachte genau jene Beredheit und innere Zerbrechlichkeit mit, die sich Boorman für die Louisa vorstellte.

Die spektakuläre Besetzung wird abgerundet durch eine Reihe bekannter Gesichter wie Harold Pinter und John Fortune und Newcomer wie Brendan Gleeson und Leonor Varela. Sie alle erfüllten ihre Figuren mit jener Mischung aus Lebendigkeit, Witz, Humor und Intelligenz, nach der das Drehbuch verlangte. Gleeson, der oft als "irischer Depardieu" gehandelt wird, erläutert seine Rolle des Mickie Abraxas: "Mickie ist die tragische Figur. Er ist beinahe ein Held. Es gibt eine dünne Linie zwischen Sieg und Niederlage - und Mickie hat den Preis dafür bezahlt, dass er alles riskierte. Unter anderen Umständen wäre er ein heroischer Mann."

Mit Begeisterung stürzte sich Gleeson auf den Part des Mickie, der die sicher interessanteste Rolle seiner Karriere war. "Nachdem ich mich mit ihm vertraut gemacht habe, mußste ich Mickie in ein bestimmtes Umfeld versetzen," erklärt Gleeson seine Schauspieltechnik. "Nur dann konnte ich die äußeren Umstände vergessen und mich ganz auf das konzentrieren, was ich innerlich spüre. Ich verstehe seine Seelenqual, seine Trinkerei, seinen Widerstand und seine Leidenschaft. Er könnte ein Anführer sein, mit seinem außergewöhnlichen Charakter und seiner Großzügigkeit. Harry, der Schneider, ist ein Mythenmacher, er strickt an menschlichen Legenden. Er erfindet Mickie neu: als das, was er hätte sein können."

In der Rolle der Marta hatte die 28-jährige Newcomerin Leonor Varela eine echte Herausforderung zu bewältigen. "Als ich das Drehbuch für Der Schneider von Panama bekam, war mir klar, dass ich alles tun würde, um in diesem Film mitzuspielen," sagt sie. "Ich habe für John Boorman vorgesprochen, und er hat sofort alle meinen kleinen Tricks durchschaut. In nur wenigen Minuten hat er mir wahnsinnig viel geholfen. Danach fühlte ich mich toll, und ich wusste: Ich hatte die Rolle!"

Marta trug aus einer Auseinandersetzung mit Noriegas Schlägern, die bis vor wenigen Jahren die wahren Herrscher von Panama waren, schlimme Narben davon. Sie ist ein guter Mensch, die Harrys Geschäft managt und sich in jeder Situation vor ihn stellt. "Marta kann den Dingen auf den Grund blicken," sagt Varela. "Sie sieht genau Harrys Stärken und Schwächen. Und sie durchschaut auch Osnard. Sie ist vom Wesen her ziemlich ruhig und läßt sich ungern in Schwierigkeiten hineinziehen, wahrscheinlich, weil sie schon so viel durchmachen mußste."

Catherine McCormack spielt die unterkühlte britische Botschaftsangestellte Francesca. Gleich nach ihrer Ankunft in Panama City erlebt McCormack das, was sie lachend als "ersten Tag in der Hölle" bezeichnet: Es war die klassische Drehsituation - sie traf zum ersten Mal ihren Co-Star Brosnan, mit dem sie gleich in der ersten gemeinsamen Szene einen sexy Salsa aufs Parkett legen mußste, gefolgt von lebhaftem Liebesspiel in einem Hinterzimmer bei tropischer Hitze. Oh, und natürlich stand die ganze Zeit eine Riesengruppe Techniker um sie herum.

McCormack wollte bei Der Schneider von Panama mitmachen, weil sie schon ihr Leben lang ein Fan von John Boorman war. "Mit ihm zu arbeiten, war tatsächlich der Hauptgrund," sagt sie. "Er ist in seinem Job der Beste."

John Fortune spielt Maltby, den windigen britischen Botschafter. "Ich war seit Langem begeistert von John Boormans Filmen, deshalb habe ich mich enorm darüber gefreut, mit ihm nach Panama zu gehen und für ihn zu spielen," sagt er. Seine Filmfigur beschreibt er als "einen Mann, der feige und oberflächlich ist, nach dem Motto ‚Um Gottes Willen, es lehne sich bloß keiner über den Bootsrand hinaus!'"

Panama heute: Ein Paradies mit Vergangenheit

Während John Boorman als Autor und Regisseur damit beschäftigt war, dem Drehbuch den letzten Schliff zu geben und die Besetzung zusammenzustellen, mußste er sich gleichzeitig als Produzent dem Problem stellen, die Logistik einer großen Filmproduktion in einem Land zu organisieren, das in dieser Hinsicht keinerlei Erfahrungen hatte.

Gemeinsam mit seinem langjährigen Freund und Kollegen Kevan Barker als Co-Produzenten und Con Cremins als Leiter des Produktionsbüros holte Boorman sich viele seiner alten Weggefährten mit an Bord, darunter seinen Szenenbildner Derek Wallace, den Oscar®-gekrönten Chefkameramann Philippe Rousselot, den Kameratechniker Des Whelan, den Cutter Ron Davis und die Kostümbildnerin Maeve Paterson.

John Boorman ist ein leidenschaftlicher Filmemacher. "Ich mag die vielen verschiedenen Aspekte der Arbeit," sagt er. "Das Schreiben passiert in Abgeschiedenheit, Regie führst du in aller Öffentlichkeit, und als Produzent mußst du alles zusammenhalten. Am besten gefällt mit das Teamwork und die Intensität der Zusammenarbeit von Schauspielern und Crew. Ich werde häufig gefragt, ob ich in meinen unterschiedlichen Funktionen nicht in Konflikt gerate. Nun, als Regisseur verfluche ich oft den Autoren, als Produzent überwerfe ich mich ständig mit dem Regisseur. Nachdem ich alle drei Aufgaben erfülle, befinde ich mich also ständig im Krieg mit mir selbst."

Der Grund, warum die Schauspieler und die Teammitglieder ihre Verträge bei diesem Film unterzeichneten, läßt sich in einem Namen zusammenfassen: John Boorman. Er ist einerseits ein sehr fordernder Regisseur, andererseits verlangt er auch sich selbst das Äußerste ab. Als Meister der Wirtschaftlichkeit ist er berühmt dafür, keinen Meter Film mehr zu drehen als nötig und jede Szene mit wenigen Versuchen in den Kasten zu kriegen. Brendan Gleeson drückt es so aus: "Ich dachte immer, dass John den Film während des Drehens geschnitten hat. Jetzt weiß ich, er hat ihn schon beim Schreiben geschnitten."

Und so traf man sich also in Panama, jenem kleinen Fussel auf der Weltkarte, der geografisch Nord- und Südamerika miteinander verbindet. Acht Monate im Jahr ist es dort heiß, feucht und regnerisch - ein Paradies für die Malariamücken, die beim Bau des Panamakanals für den Tod vieler Männer verantwortlich waren.

Hier, im Flussbett eines der größten von Menschenhand geschaffenen Wunder, treffen Pazifik und Karibik aufeinander. Panama ist ein Land der Gegensätze: Regenwald und einsame Strände, wilde Flora und Fauna findet man ebenso wie ein Labyrinth von Wolkenkratzern und brandneuen Bankgebäuden, die an Zahl längst die Wall Street übertreffen.

Panama ist am besten für drei Dinge bekannt: den berühmten Strohhut, den gewaltigen Kanal und das berüchtigte Regime von General Noriega während der 80-er Jahre. Tatsächlich beeindruckt das Land auch geografisch wegen der Schönheit seiner Landschaften und Einwohner, bei denen sich spanisches und indianisches Blut vermischt. Heute wird Panama demokratisch regiert, wobei die sieben indianischen Stämme gleichrangig vertreten sind mit den Nachfahren der spanischen Eroberer. Besucher sind hier herzlich willkommen.

In Panama finden sich einige der abgelegensten und gleichzeitig erschlossensten Regenwaldgebiete der Welt, mit insgesamt 940 verschiedenen Vogelarten - mehr, als es in ganz Nordamerika gibt. Nur wenige Fahrtminuten von der Hauptstadt entfernt durchstreifen Jaguare und Pumas ihre Reviere, und es gibt noch immer riesige Dschungelflächen, die von keiner einzigen Straße durchschnitten werden. Ebenso verfügt das Land über große und wunderschöne Strände, wo man kaum eine Menschenseele findet.

Die Geschichte Panamas ist vor allem eine Geschichte großen Reichtums. Die Spanier trugen ihr Gold aus Peru über den Isthmus von Panama City zur Pazifikküste nach Nombre de Dios und Portobello an der karibischen Küste, wo das wertvolle Metall vor der Verschiffung nach Europa gelagert wurde. Riesige Festungen wurden dafür aus Stein- und Korallenblöcken gebaut, doch waren auch sie vor den Beutezügen der Piraten nicht sicher. Vor allem der Walisische Freibeuter Sir Henry Morgan brachte Angst und Schrecken über die Stadt, als er sie 1671 eroberte und ausplünderte.

Und dann natürlich: der Panamakanal. Sein Bau durch amerikanische Ingenieure während des frühen 20. Jahrhunderts gilt noch heute als Zeugnis dessen, was der Mensch zu erschaffen vermag. Seitdem vor fast 90 Jahren die SS Ancon als erstes Schiff den Kanal befuhr, ist das Bauwerk mit seinen komplizierten Stau- und Wehrstufen noch immer eines der größten technischen Wunder der Moderne. Ob man sie vom Deck eines Schiffes betrachtet oder von einem Aussichtspunkt: die großen Wehre des Kanals lassen keinen Besucher unbeeindruckt.

"Was haben wir für einen wunderbaren Job," brach es auch aus Pierce Brosnan heraus, als er Fotos vom Miraflores Wehr machte, durch das sich gerade ein riesiger Tanker zwängte. "Wir dürfen an solche Orte reisen und solche Dinge sehen!"

Eine der Romanfiguren findet in John le Carrés Buch folgende Worte über Panama: "Wir haben alles, was Gott brauchte, um das Paradies zu erschaffen. Großartiges Ackerland, Strände, Berge, ein unglaubliches Tierleben, einen Boden, so fruchtbar, dass man nur einen Stock hineinstecken mußs und es wächst ein Obstbaum draus, und Menschen, zum Weinen schön."

Schwimmen mit den Aligatoren: Die Dreharbeiten

Es gab großes Freudengeschrei unter den Anwohnern, als die ersten 100 Techniker der Filmproduktion ankamen - und natürlich noch lauteres Gescheri, als "James Bond" eintraf. Pierce Brosnans Anwesenheit zog stets eine Menschenmenge an. Als weltweite Berühmtheit wurde er umschwärmt, wo immer er hinging. Im Gegensatz zu anderen Großstädten ist man in Panama City noch nicht daran gewöhnt, dass Kinostars auf der Straße herumlaufen. Brosnan nahm es mit Humor. Es ist zwar keine Übertreibung zu sagen, dass durch die Dreharbeiten Millionen von Dollars in die panamesische Wirtschaft flossen, aber die heimischen Mitarbeiter bekamen etwas noch Wertvolleres: Erfahrung.

Mehrere einheimische Schauspieler treten in dem Film auf, darunter der ehemalige Diplomat Adolfo Arias Espinosa, der den Präsidenten spielt, und der Theaterchef Bruce Quinn, der einen amerikanischen Touristen darstellt. Aus den ärmeren Gegenden um Casco Viejo wurden die über 100 Statisten ebenso engagiert wie aus den reicheren Vororten.

Während der sechswöchigen Dreharbeiten nutzte Boorman viele der wunderbaren Schauplätze Panamas. Auch für einige weniger bekannte Orte bemühte sich die Produktion um Drehgenehmigungen - erfolgreich. So sind der Präsidentenpalast, das Haus des Chefs der Kanalgesellschaft, das Kontrollzentrum des Panamakanals (wo aus Geheimhaltungsgründen nur die nötigsten Techniker eingelassen wurden) und das Hauptwehr in Miraflores im Film zu sehen. Die Kameras fingen die Schiffsbewegungen ein, als riesige vierstöckige Containerschiffe sich ihren Weg durch die Schleuse bahnten, während links und rechts nur wenige Zentimer Platz blieb. So sieht moderne Präzisionsarbeit aus.

In ganz Panama City wurde gedreht. Mitten im Bankenviertel wurde auf den belebten Straßen ein Verkehrsstau inszeniert, der sich kaum von einem echten unterschied. In der pittoresken Altstadt von Casco Viejo, die an das French Quarter in New Orleans erinnert, wurde eine Szene zwischen den verfallenden Häusern nachgestellt, die heute vorwiegend von der ärmeren Bevölkerung bewohnt werden. Dort wurde auch der Karneval inszeniert, mit vielen exotischen Kostümen und Musikern, die mit ihren Steeldrums für heiße Rhythmen sorgten. Diese Szenen dauerten mehrere Nächte an, während derer sich etliche Anwohner, egal ob sie als Statisten angeheuert waren oder nicht, unter die Feiernden mischten. In der Zeit, wo hier gedreht wurde, wurde in den Straßen von Casco Viejo nicht viel geschlafen.

Im Gegensatz dazu ist das neue Stadtzentrum eine Ansammlung von Stahl und Glas mit Blocks voller hochmoderner Appartementgebäude, von denen aus man einen beeindruckenden Blick über die Bucht und auf die wartenden Schiffe hat. Dort ist der Reichtum Panamas besonders gut sichtbar. Die Security-Leute, die in den ärmeren Vierteln schon alle Hände voll zu tun hatten, um die Schaulustigen zurückzudrängen, taten sich in den exklusiveren Gegenden ürbigens noch schwerer: Die Leute zeigten hier deutlich weniger Respekt vor Uniformen.

Selbst das Mariott Hotel, der neueste Wolkenkratzer in Panama City, wo das gesamte Team untergebracht war, erteilte die Erlaubnis, dass in der Lobby und im Barbereich gedreht werden konnte. Also wurde die Lobby zum Two Oceans Club, einem exklusiven Hangout für die Reichen und Schönen in Der Schneider von Panama, wo Harry dem Neuankömmling Osnard die Hierarchien der Stadt erklärt.

Die allererste Klappe fiel am Gatun Lake, wo Pierce Brosnan und Jamie Lee Curtis auf einer der kleinen Inseln auf dem See baden gingen. Curtis erinnert sich: "Da waren also Öltanker im Hintergrund, ein Kamerateam mit schwimmender Kamera war im Wasser und neben uns schwammen zwei Security-Leute, die auf Aligatoren aufpassten. "Ah ja," dachte ich, "ich bin in einem John-Boorman-Film." John dreht schließlich die lebendigsten Abenteuerfilme von allen.

Innen und Außen: Kälteschock in Irland

Bevor die Dreharbeiten begannen, hatte John Boorman zwei Wochen intensiver Probezeit mit Pierce Brosnan und Geoffrey Rush angesetzt. Einige Tage später stieß Jamie Lee Curtis dazu, und wieder einige Tage später noch Leonor Varela und Brendan Gleeson.

Während der Proben verschmolzen die unterschiedlichen Schauspielstile der Stars zu einer nahtlosen Zusammenarbeit. Während bei vielen anderen Stars die Zeit der Proben oft beschnitten wird durch zahllose andere Aufgaben und Termine, galt diese Vorbereitungsphase bei Der Schneider von Panama als heilig.

" Pierce Brosnan und ich, wir verlassen uns eher auf unsere schauspielerischen Instinkte," sagt Jamie Lee Curtis. "Wir haben beide schon Filme gedreht, wo wir ganz auf uns allein gestellt waren. John Boorman und Geoffrey Rush wiederum gehen ziemlich intelektuell an die Proben heran, und ich war neugierig auf ihren Arbeitsstil. Ich fand es ziemlich spannend, mit ihnen in einem Zimmer zu sitzen und alles sehr intensiv durchzusprechen. Ich dachte mir, "OK, da kannst du mithalten."

Sobald die Dreharbeiten in Panama beendet waren, zog die Produktion nach Irland um, wo die zweite und auf gewisse Weise schwierigere Phase begann: Die Innenaufnahmen wurden in den Ardmore Studios in der Gegend um Dublin gedreht. Zuvor hatte die leitende Art Directorin Sarah Haulden entsprechend der Designs von Szenenbildner Derek Wallace einige recht aufwändige Sets dort aufgebaut.

So kam es, dass die Fassade von Harry und Louisas Haus in Panama fotografiert wurde, sobald man aber über ihre Türschwelle trat, befand man sich im Studio in Irland. Dort wurde auch der große Pentagon-Kontrollraum mit seiner hochmodernen Computeranlage nachgebaut.

Die Schauspieler empfanden den Wechsel von Panama nach Irland als schwierig. "Es ist leicht, sich in Panama in seine Figur einzufühlen," sagt Rush. "Aber es ist bei weitem nicht so einfach, sich in Irland einzureden, man befände sich in Panama."

Die Ausstatterin Shirley Henderson - die für drei Wochen nach Panama kommen sollte und dann drei Monate blieb - besorgte tonnenweise panamesische Einrichtungsgegenstände, die sie dann auf die Sets in Irland schaffte. Diese Utensilien (und die heißen Scheinwerfer von Kameramann Rousselot) halfen den Schauspielern schließlich ein wenig dabei, sich ins tropische Klima Panamas zurückzuversetzen.

Drei Wochen dauerten die Dreharbeiten in Irland schließlich noch. Boorman selbst lebt schon seit 30 Jahren auf der grünen Insel, so dass auch die Post-Production in den Ardmore Studios stattfand.

© Fotos: Columbia Tristar © 1994 - 2009 Dirk Jasper