Der König tanzt

• Inhalt • Darsteller & Stab • Filmkritiken • Hintergrund • Filmplakat im Großformat: Deutschland

Titel Deutschland: Der König tanzt
Titel Frankreich: Le roi danse
Genre: Historienfilm
Farbe, Belgien, Frankreich, Deutschland, 2000

Kino Deutschland: 26. April 2001
Laufzeit Kino: 115 Minuten, FSK -

Video Deutschland: 9. April 2002
Laufzeit DVD/Video: 112 Minuten

Video bei Amazon bestellen



Inhalt Jean-Baptiste Lully, Hofkomponist und Tanzlehrer von Louis XIV., verehrt seinen König abgöttisch. Er lebt in einem Wechselbad der Gefühle, wenn dieser ihm seine Zuneigung entzieht und nur mehr Musik von ihm haben will.

Die Beziehung der beiden findet ein jähes Ende, als Louis auch noch den göttlichen Tanz, letztes intimes Bindeglied zwischen ihnen, einstellt.

So wird Molière, Dichter des Königs und Lullys Freund, ebenso unvermittelt zu seinem Konkurrenten - während die Intrigen des Hofes vor beiden nicht Halt machen ...


Darsteller & Stab Darsteller: Benoît Magimel (Ludwig XIV), Boris Terral (Lully), Tcheky Karyo (Moliére), Emil Tarding (Ludwig jung), Colette Emmanuelle (Königin Anna), Cécile Bois (Madeleine), Claire Keim (Julie), Idwig Stéphane (Conti), Johan Leysen (Cambert), Serge Feuillard (Mazarin)

Stab:Regie: Gérard Corbiau • Produzenten: Dominique Janne, Werner Koenig • Drehbuch: Gérard Corbiau, Eve de Castro, Andrée Corbiau • Vorlage: Philippe Beaussant • Filmmusik: Ludo Troch, Philippe Ravoet • Kamera: Gérard Simon • Spezialeffekte: - • Ausstattung: Hubert Pouille • Schnitt: Olivier Beriot • Kostüme: Anne Moralis • Make Up: Henri Morelle • Ton: - • Ton(effekt)schnitt: - • Stunts: - •


Filmkritiken Berliner Morgenpost: Der Belgier Gérard Corbiau, hierzulande durch sein Portrait des Kastratensängers "Farinelli" bekannt geworden, hat sich mit "Der König tanzt" erneut ein musikalisches Thema gewählt und mit - im wörtlichen Sinne - barocker Pracht umgesetzt, das in vielen Teilen Vergleiche mit Milos Formans "Amadeus" nicht zu scheuen brauch. Ein Fest für die Sinne fürwahr.

film-dienst 08/2001: Opulent gefilmtes und eindringlich gespieltes Historiengemälde, in dem Bilder, Musik, Tanz, persönliche Schicksale und politische Hintergründe zu einer rauschhaften Choreografie verschmelzen, die die Sinne des Zuschauers gleichermaßen fesselt wie betört.

Frankfurter Allgemeine Zeitung: So erzählt der Film in atemloser Geschwindigkeit von der Unfreiheit der Künste und von einem Künstler, der seine Freiheit nicht will.

Blickpunkt Film: Anhänger der französischen Kultur sollten sich nicht nur an der grandiosen visuellen Umsetzung, sondern auch an der beeindruckenden Musik delektieren.


Hintergrund Ludwig XIV., Moliere und Lully Die Beziehung zwischen Ludwig XIV., Lully und Molière, die im Zentrum dieses Films steht, ist zweifellos einzigartig in der Geschichte der Künste.

Noch bevor die drei Protagonisten überhaupt die historische Bühne betreten, existiert eine lange Tradition, an die sie anknüpfen werden: das höfische Ballett. Die Regeln der höfischen Gesellschaft verlangen, dass der König der beste Tänzer seines Reiches sei - Ludwig XIII. ist es auf bescheidene Art gewesen; sein Sohn, der Sonnenkönig, wird es mit aller Prachtentfaltung sein.

Dazu kommt die Auffassung Ludwigs XIV. von seinem königlichen Amt. Für ihn hat jegliche Form von Kunst Ausdruck seines eigenen Ruhms zu sein. Musik und Tanz dienen nicht einfach der Unterhaltung, sondern sind wie die Architektur genuin politische Manifestationen.

Der 1632 in Florenz geborene und als Vierzehnjähriger nach Frankreich gelangte Musiker Lully stellt ab 1653 vierunddreißig Jahre lang sein Genie ausschließlich in den Dienst des Königs. Außerordentlich anpassungsfähig widmet er sich der Aufgabe, sein Werk in allen Schaffensphasen jeweils im Sinne des Heldenbildes zu gestalten, das der König von sich selbst hat und der Welt vermitteln will.

Zunächst ein heiteres Ballett, das Lully und der Vierzehnjährige König tanzen (Ballet de la nuit), dann ein ernsteres (Ballet d'Alcidiane), dann ein heroisches, in dem Ludwig XIV. die Rolle Alexanders oder Apolls tanzt (Ballet de la naissance de Vénus, Ballet de Flore...). Als der König das Tanzen aufgibt, komponiert Lully keine Ballettmusik mehr und schafft sozusagen aus dem Nichts die "tragédie lyrique", eine Projektion glanzvoller königlicher Hofhaltung auf die Bühne.

In welchem Maße auch der Dritte im Bunde, der Dramatiker Molière, ein treuer Diener des Sonnenkönigs war, hat man bislang nicht genug betont. Seine Werke waren nicht nur weit häufiger für den Hof geschrieben als für das Pariser Publikum, sondern weisen auch unterschwellige Verbindungen zur ethischen und politischen Haltung des Königs auf.

Und es ist Ludwig XIV., der 1664 den Komödiendichter und den Musiker zur Zusammenarbeit auffordert - das Ergebnis ist die ganz eigene Gattung des "comédie-ballet". So entsteht zwischen diesen drei Männern eine überraschende Kooperation, von der hier Les Amants magnifiques und Le Bourgeois gentilhomme Zeugnis ablegen.

Nach dem Ballet de la nuit, das am Beginn von Lullys Karriere bei Hofe steht, tanzt Ludwig XIV. die Titelrollen in nahezu allen Balletten des Florentiners, beispielsweise in Alcidiane und Xerxès (anlässlich seiner Hochzeit 1661). Später überlässt er in Idylle sur la paix (1685) diese Ehre seinen Kindern.

Filmplakat
Videocover
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: Columbia TriStar © 1994 - 2010 Dirk Jasper