Die doppelte Nummer

Produktionsnotizen

Für den Produzenten David Permut und den Regisseur George Gallo begann die Arbeit an Die doppelte Nummer vor zehn Jahren - morgens um halb eins, mit einem Anruf ihres Freundes Frank Pesce. "In dieser Nacht war ich mit George unterwegs", erinnert sich Permut. "Frank rief an und bestand darauf, dass wir sofort zu ihm rüberkommen sollten. Er sagte, dass er sich gerade einen Film ansehen und uns unbedingt dabei haben wolle. Also fuhren wir zu seinem Haus und schauten uns mitten in der Nacht einen alten Film mit dem Titel "Die Brücke der Vergeltung", (1957) an."

Das Drama mit Rod Steiger in der Hauptrolle basierte auf dem gleichnamigen Roman von Graham Greene. Die Geschichte dreht sich um einen Mann, der wegen Unterschlagung gesucht wird und mit seinem Hund in Richtung mexikanische Grenze flüchtet. An Bord eines Zuges trifft er einen zweiten Mann - er stiehlt dessen Ausweis, wirft ihn aus dem Zug und nimmt seine Identität an. Als er zur Grenze kommt, mußs er feststellen, dass der Mann mit dessen Identität er nun herumläuft, ebenfalls von der Polizei gesucht wird - speziell wegen des Mordes an einem Mexikaner.

"George und David schauten sich den Film an und fingen beide an zu lachen", grinst Pesce. "Wir sahen ein ernstes Drama, und diese beiden Typen lachten bei jeder Szene!" Obwohl es nicht beabsichtigt war, waren sowohl Gallo als auch Permut der Meinung, der Film sei hysterisch. Sie drehten sich um zu ihrem Freund und sagten: "Frank, sei uns nicht böse, aber aus dem Stoff könnten wir eine klasse Komödie machen."

David Permut erstand die Rechte an jenem obskuren Film und plante, seine Version so bald wie möglich zu produzieren. Aber zunächst waren sowohl er als auch Gallo in andere Projekte verstrickt - unter anderem in den von den US-Kritikern hoch gelobten Film "Straße zum Glück", (1991), der auf Pesces Leben basiert - und das Remake von "Die Brücke der Vergeltung" mußste in die Warteschleife gestellt werden.

Zehn Jahre später half Co-Produzent Steve Longi, der Geschäftsführer von Permut Presentations, das Projekt wieder zum Leben zu erwecken. "David kam in mein Büro und hatte ein Foto von Chris Rock und Chris Tucker mit einem kleinen Chihuahua in der Hand, das Annie Liebonitz für eine 'Vanity Fair'-Strecke geschossen hatte", sagt Longi. "Danach rief er gleich George Gallo an. Gallo hatte schon immer im Sinn, diesen Film mit zwei schwarzen Hauptdarstellern zu inszenieren."

Das Team setzte sich zusammen und entwickelte aus der Idee ein Exposee, dass sie den Studios vorlegen konnten. Am nächsten Tag hörte sich Longi im Auto Howard Sterns Radio-Sendung an, in der der Regisseur Brett Ratner seinen Film Rush Hour, 1998) promotete. Ratner erzählte Stern, dass sein Lieblingsfilm die Actionkomödie "Midnight Run - 5 Tage bis Mitternacht", (1988) sei - ein Film, den George Gallo geschrieben hatte. "Ich kam beinahe von der Straße ab", erinnert sich Longi. "Ich dachte: Das ist zu schön um wahr zu sein. Ich wusste, dass ich Brett von unserem Projekt erzählen und ihn an Bord holen mußste."

Er schlug Permut vor, Ratner anzurufen. So geschah es, und während eines ersten Meetings im Restaurant The Havana Room schilderten die beiden Partner Brett Ratner ihre Idee und ihre Vorstellung von den beiden Hauptdarstellern. "Mein erster Film war eine Buddy-Actionkomödie namens Money Talks - Geld stinkt nicht, (1997). Mein zweiter Film eine Buddy-Actionkomödie namens Rush Hour, erläutert Ratner. "Ich bin mit Filmen wie "Beverly Hills Cop - Ich lös' den Fall auf jeden Fall" (1984), "Nur 48 Stunden" (1982) und "Midnight Run - 5 Tage bis Mitternacht" aufgewachsen. Und "Midnight Run - 5 Tage bis Mitternacht" ist mein absoluter Lieblingsfilm."

"Ich war verdammt aufgeregt, als ich George treffen sollte", fährt Ratner fort. "George Gallo ist so etwas wie mein Filmhochschullehrer. Ich mochte die Story von Die doppelte Nummer auf Anhieb, und wir haben sofort mit der Arbeit am Drehbuch begonnen. Ich sollte bei dem Film Regie führen."

Guter Dinge begann George Gallo, das Skript zu schreiben. "Schon mit dem ersten Entwurf lieferte er ein brillantes Drehbuch ab", erklärt Longi. "Wir schickten es an Touchstone Pictures, weil wir der Meinung waren, dass das Studio etwas mit dem Stoff anfangen könnte. Und tatsächlich antworteten sie prompt."

Als das Projekt grünes Licht erhielt, war Brett Ratners Family Man (2000) bereits auf dem Weg, und er war zeitlich nicht in der Lage, Die doppelte Nummer zu inszenieren. Das Studio und die Produzenten trafen sich mit einer Reihe von Regisseuren, aber keiner davon riss sie vom Hocker. Und je öfter sie sich mit Regisseuren zusammensetzten, deren Vision von Die doppelte Nummer sich von der George Gallos unterschied, desto stärker spielte Gallo mit dem Gedanken, den Film selbst zu inszenieren.

"Als ich hörte, was manche Regisseure aus meinem Drehbuch machen wollten, wurde ich ein bisschen nervös", gibt Gallo zu. "Ich wusste, dass ich genauso wie alle anderen in der Lage sein würde, diesen Film zu machen, weil ich die Schwerpunkte der Geschichte kenne. Ich wusste, dass die Story kontrolliertes Chaos benötigt und dennoch ein großes Herz im Mittelpunkt stehen mußste."

"Ich habe alles genau vor mir gesehen, als ich das Drehbuch schrieb", fährt er fort. "Und als sich Brett seinem anderen Film widmete und für uns als Regisseur nicht mehr zur Verfügung stand, wurde mir klar, wie wichtig es für mich war, dass dieser Film in der richtigen Weise inszeniert wird.

"Der Gedanke, George die Regie zu übertragen, machte einfach Sinn", ergänzt Permut. "Ich habe bereits zwei Filme mit ihm gedreht und eng mit ihm zusammengearbeitet. Warum sollte er nicht die erste Wahl sein?"

Vorher mußsten allerdings noch die Verantwortlichen von Touchstone Pictures von diesem Plan überzeugt werden, und Permut setzte ein Meeting an. "George wollte die Manager von Touchstone wirklich beeindrucken", sagt Longi. "Er stellte ein paar Musik-Samples zusammen, die den Film akustisch untermalen sollten und bereitete sich auf realistische Vorschläge für die Besetzung vor. Eines Tages rief er bei mir an und fragte: Gibt's noch etwas, mit dem ich meine Chancen steigern könnte? Ich sagte ihm, dass ich von Regisseuren gehört habe, die Studios dadurch überzeugten, dass sie ihnen Storyboards vorlegten, die genau illustrierten, wie sie bestimmte Sequenzen inszenieren wollten. George sagte: "Hmmm... das ist interessant. Tschüß!" Als Nächstes hörte ich, dass er einen der besten Storyboard-Zeichner engagiert hatte, der die großen Actionszenen zeichnen sollte."

"Das war es dann auch, was ihm den Job verschafft hat", erläutert Longi weiter. "Er ging in dieses Meeting mit seiner Vision, seinen Casting-Ideen und seinen Storyboards. Er war besser vorbereitet als jeder andere Regisseur, den sie getroffen hatten. Es war verdammt beeindruckend."

"Ich bin auch ein Künstler, insbesondere ein Maler", erklärt Gallo. "Darum weiß ich, dass es für viele Menschen eine große Hilfe ist, wenn man etwas visuell präsentiert. Ich wollte die Action ein wenig abgedrehter inszenieren, also habe ich die großen Actionsequenzen Einstellung für Einstellung als Storyboards vorgelegt. Ich wollte ihnen eine perfekte visuelle Präsentation geben, damit sie wussten, dass ich A) in der Lage bin, eine Kamera richtig zu positionieren und B) einen Film aufregend, spannend und komisch zu inszenieren." Touchstone Pictures war beeindruckt von dieser Präsentation und bot Gallo den Job an.

Nachdem das Projekt in seinen Händen lag, dachten Gallo und seine Produzenten über die kritische Besetzungsfrage nach. "Wir waren uns im Klaren, dass alles am richtigen Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller hängen würde", sagt David Permut. "Die Chemie und Magie zwischen den beiden - wenn man das nicht in einer Buddy-Komödie hat, können alle anderen Elemente noch so gut sein. Als wir über die Besetzung nachdachten, stellten wir uns gleich die Frage: Wer sind die beiden Richtigen? Wer kann diese Rollen mit Farbe ausfüllen?"

Gallo wusste genau, wen er als Hauptdarsteller besetzen wollte: "Orlando Jones und Eddie Griffin. Punkt. Ende. Macht das klar."

Der Regisseur und die Produzenten kannten Orlando bereits aus der Comedy-Serie "Mad TV" und waren schon lange große Fans des Komikers. Die Arbeit Eddies kannten sie ebenfalls - ihn hatten die Filmemacher bereits einige Monate zuvor in Zusammenhang mit einem anderen Projekt getroffen. Die Rollen in Die doppelte Nummer waren perfekt für die beiden.

"Es ist einfach, einen Film mit etablierten Stars zu produzieren", erklärt Permut. "Die wahre Herausforderung ist es, neue Talente zu entdecken - egal, ob es Schauspieler, Autoren oder Regisseure sind. Orlando und Eddie befinden sich beide an einem Wendepunkt ihrer Karriere. Ich denke, der Film repräsentiert ihren Status. Es war eine natürliche Paarung."

"Ich hatte schon bei Rent-a-Man (1999) mit Eddie zu tun", ergänzt der Ausführende Produzent Barry Bernardi. "Touchstone Pictures konnte mit diesem Film einen großen Erfolg aufweisen, und sie wollten öfter mit Eddie zusammenarbeiten. Eddie war perfekt für die Rolle des Freddy Tiffany. Es ist, als sei der Part für ihn geschrieben worden. Er ist ein unglaubliches Talent, er ist groß und seine Fähigkeiten als Komödiant sind unbeschreiblich."

"Ich traf zum ersten Mal mit George Gallo zusammen, als David Permut einen Rock-'n'-Roll-Bus gechartert hatte, um wegen eines anderen Projektes aus Georges Feder zu Meetings durch die ganze Stadt zu gondeln", erinnert sich Griffin. "George veranstaltete mit uns eine Art Party auf Rädern, und wir verstanden uns gleich prächtig. Wir mögen beide Musik, und man bemerkt gleich, dass er ziemlich smart ist, also haben wir den ganzen Tag rumgehangen und ich habe mich in den Kerl verliebt."

"Ich hatte gerade Rent-a-Man beendet, und Touchstone Pictures suchte nach einem neuen Projekt für mich", fährt Griffin fort. "Also kamen sie mit dem Drehbuch von Die doppelte Nummer zu mir und sagten, ich sei perfekt für die Rolle des Freddy Tiffany. Gleich nachdem ich das Skript gelesen hatte, war mir klar, dass dieser Film ein Hit werden würde. Ich ging ans Telefon und sagte meinen Managern, dass sie den Deal abschließen sollten."

Auch Orlando Jones sagte schnell zu, den Part des Daryl Chase zu übernehmen. "Ich kannte Orlandos Arbeit ziemlich gut", gibt Permut zu Protokoll. "Ich hatte gerade Liberty Heights (1999) gesehen. Er besuchte uns im Büro, und wir waren überwältigt von seinen Ansichten über den Film und seine Figur. Er hat viel Erfahrung als Comedy-Schreiber, bot uns großartige Ideen an und brachte unglaublich viel Energie ein. Wenn man sich Orlandos Arbeit so ansieht, stellt man schnell fest, dass er schon ein paar tolle Dinge geleistet hat - ich dachte mir, dass er kurz davor ist, ein richtiger Star zu werden."

"Ich lese eine Menge Drehbücher", bemerkt Jones. "Die Figur, die ich spielen sollte, hat mich überzeugt, diesen Film zu machen. Daryl Chase ist ein energiegeladener, überlebensgroßer Kerl. Er wirkt anziehend auf Menschen. Wegen dieser Figur - plus der Gelegenheit, mit Eddie Griffin und George Gallo, diesen beiden wunderbaren Menschen, zu drehen - wollte ich an Die doppelte Nummer mitwirken. Ich wollte diese Chance nicht einfach so verstreichen lassen."

"Als ich zum ersten Mal das Skript las, war mir sofort klar, dass dies eine völlig andere Figur ist als alle, die ich vorher gespielt hatte", fährt er fort. "Es ist die Geschichte zweier völlig verschiedener Menschen, deren Wege sich zufällig kreuzen. Und dann gibt es ein paar bemerkenswerte Wendungen. Ich habe das Drehbuch geliebt und wollte unbedingt diese Rolle spielen."

Und so kam das Duo zusammen, und das Projekt war auf dem Weg.

George Gallo hatte vor, die einzelnen Sequenzen so in Szene zu setzen, dass das Publikum noch einmal zurück gehen und einen zweiten Blick auf die Geschichte riskieren sollte, während sich die Dinge entwickeln. Die Intention des Regisseurs war es nicht, eine Komödie zu inszenieren. Er wusste, dass das Ergebnis komisch sein sollte, aber er konzipierte Die doppelte Nummer als Thriller, der zufällig komisch sein würde. Griffin beschreibt den Film als "Komödie für Denker. Es ist, als würde man mit Robin Williams Schach spielen: Du lachst dich schlapp, aber gleichzeitig mußst du zehn Züge im Voraus denken - sonst bist du verloren."

Alle Beteiligten waren sich einig, dass sie einen Film machen wollten, der gleichermaßen komisch wie clever sein sollte. Der Film sollte die Zuschauer gleichzeitig zum Denken anregen, sie an den Rand des Kinosessels treiben und sie zum Lachen bringen.

"Ich versuche erst gar nicht, in jeder Szene einen Witz unterzubringen", verrät Gallo. "Der Spaß entspringt aus der Handlung und aus der Art, wie ich sie präsentiere. Man kann jeden Gag aus dem Film entfernen, und man hat dennoch einen sehr smarten Thriller über einen armen Kerl, der sich in der Welt von CIA- und FBI-Agenten, von doppelten Spielchen und mexikanischer Mafia verstrickt hat. All das könnte auch die Handlung eines reinrassigen Thrillers sein, und ich habe es auch wie in einem Thriller strukturiert. Aber gleichzeitig ist der Stoff ein wundervoller Comedy-Spielplatz. Also habe ich mir gesagt: Lass es uns in diese Richtung treiben."

"Ich wollte sicher gehen, dass ich mein Publikum nicht anlügen mußste", erläutert Gallo weiter. "Das heißt, wenn sich die Zuschauer den Film ein zweites Mal ansehen, sollten sie feststellen, dass die Hinweise auf die Auflösung an den richtigen Stellen zu finden sind. Die Art, wie ich bestimmte Szenen mit den Schauspielern entwickelt habe, die Art, wie sie bestimmte Dialogzeilen sagen - wenn man all das zum zweiten Mal sieht denkt man: 'Wow, sie haben uns ziemlich klar gesagt, was hier los ist. Wir haben nur zu viele Vermutungen angestellt.' Gerade wenn du denkst, du hast es raus, du weißt, was hier abgeht, dann stellst du fest, dass du wieder falsch liegst."

Das Genre, in dessen Mechanismen sich Die doppelte Nummer bewegt, wird normalerweise als Actionkomödie beschrieben, aber David Permut bezeichnet den Film lieber als komödiantischen Actionfilm: "Ich denke, die Comedy steht im Vordergrund. Die Action ist real, die Gefahren sind real - und je realer das wirkt, umso komischer wird die Geschichte. Wenn man diese beiden Figuren in Situationen stellen will, in denen die Gefahren real wirken, darf man es nicht zu comichaft anlegen. Man mußs mit den Füßen auf dem Boden bleiben, und genau das hat George mit diesem Film geschafft."

" Die doppelte Nummer ist Film noir, Thriller und Actionkomödie in einem", ergänzt Orlando Jones. "Wir hoffen, dass die Zuschauer das in dieser Kombination noch nicht gesehen haben und dass sie gerne Geld dafür ausgeben, sich das mal reinzuziehen - nicht einmal, nicht zweimal, sondern drei- mal!"

Wenn Action auf dem Drehplan steht, kommen Stunts hinzu ... und viele davon wurden von den Schauspielern selbst ausgeführt. Die Filmemacher waren geradezu schockiert, als sie mitbekamen, was ihre beiden Hauptdarsteller in Kauf nehmen wollten, um den Film möglichst realistisch wirken zu lassen - inklusive etlicher gefährlicher Stunts. "Es gibt eine Szene, in der Orlando Eddie aus einem Zug werfen sollte, der immerhin mit einer Geschwindigkeit von 30 Meilen pro Stunde fährt", erinnert sich Gallo. "In der Nacht, als wir diese Szene filmten, stand Eddies Double bereit, um den Stunt auszuführen.

Eddie sollte sich aus dem Zug lehnen, und von diesem Moment an sollte das Double übernehmen. Neun Kameras liefen ... Eddie wusste das ... und ich rief 'Action!'. Als Nächstes sah ich, wie Eddie aus dem Zug flog. Er machte zwei Rollen rückwärts, kullerte einen 100-Fuß-Hügel hinunter, stand wieder auf, rannte dem Zug hinterher ... er holte ihn ein! Und dann sprang er wieder auf. Wer kann schon einen Zug mit 30 mph einholen, nachdem er aus ihm herausgesprungen ist? Wir waren baff. Und das war noch nicht alles: Er hat es immer und immer wieder getan, Take für Take. Wahrscheinlich hätte Eddie den Zug noch selbst gefahren, wenn er gekonnt hätte. Seine Energie ist unbeschreiblich."

Auch Orlando wollte da nicht hintenanstehen - auch er absolvierte einige der gefährlichen Stunts selbst. Zu Beginn des Films realisiert seine Figur Daryl Chase, dass sie von Freddy Tiffany gelinkt worden ist, und rennt durch den Verkehr einer vielbefahrenen Straße inmitten von Manhattan. "Orlando rannte los in den dichten New Yorker Verkehr, und unsere Stuntfahrer stiegen in die Bremsen und hielten nur Zentimeter von seinem Körper entfernt", erinnert sich Stuntkoordinator Joel Kramer. "Er ist nicht einmal zurückgeschreckt, sondern war immer auf das andere Ende der Straße fokussiert. Er hat unseren Fahrern komplett vertraut und ist tatsächlich heil über die Straße gekommen - obwohl er wirklich nur Zentimeter davon entfernt war, angefahren zu werden. Das ist nicht gerade leicht, wenn man es nicht trainiert hat, aber Orlando hat es bravourös gemeistert."

Um alle Teile des Die doppelte Nummer-Puzzles zusammenzufügen, brauchte Gallo Denkvermögen, Hartnäckigkeit und Talent. dass der Regisseur im Herzen ein Maler ist, half ihm nach eigener Aussage in jeder Phase des Filmemachens: "Das Verfassen des Drehbuchs kann man mit dem Auspacken der Leinwand vergleichen, wenn man mit dem Malen anfängt. Innerhalb der Leinwand ist deine Welt, dein Universum verborgen. Wenn ich ein Drehbuch schreibe, ist diese Zwei-Stunden-Zeitschiene mein Universum. Die Struktur eines Drehbuchs ist der eines Gemäldes sehr ähnlich. Wenn du es richtig machst, wird niemand sonst, kein anderer Maler oder Autor, können, was du getan hast."

"Ich bin ein Impressionist", fährt der Regisseur fort. "Wenn man impressionistisch malt, hat ein Bild eine Menge Subtext. Du arbeitest mit vielen Gesten, die im Gegensatz zu den fein ausgearbeiteten Linien der präzisen Beschreibung stehen. Der Subtext ergibt sich aus dem Blick des Betrachters, der die Punkte miteinander verbindet und die Räume selbst ausfüllt. Wenn ich alles genau beschreiben wollte, wäre ich ein Fotograf, und das fände ich nur halb so interessant. Genau so mag ich es auch, zu schreiben. Man sieht jemanden, etwas, eine Situation ... und der Zuschauer mußs den Eindruck selbst vervollständigen. Den gleichen Trick habe ich bei der Story von DOUBLE TAKE benutzt - ich habe die Geschichte impressionistisch erzählt. Der Unterschied ist: Wenn du die Geschichte selbst beendest ... liegst du falsch", lacht Gallo.

Um im Bild zu bleiben: George Gallo schrieb Die doppelte Nummer mit breitem Strich, als grobe Skizze für seine beiden Stars, die die Figuren und die Storyline mit Leben füllen sollten. "In mancherlei Art war Daryl Chase schwerer zu schreiben, weil er im Gegensatz zu Freddy Tiffany, der immer gleich handelt, ein sehr komplizierter, zerbrechlicher Charakter ist", erklärt Gallo. "Er ist jemand, der viel zu verlieren hat. Er ist ein Kontrollfreak, und plötzlich kommt ihm dieser Verrückte Freddy in die Quere, der alles aus den Schienen wirft."

"Orlando hat viel Cleverness in seine Rolle als Daryl eingebracht", ergänzt Gallo. "Er hat ein unglaubliches Gespür für Realität, Coolness und Stärke und verpasste Daryl damit sein Rückgrat. Ich glaube daran, dass man eine Bohrung erst stoppen sollte, wenn man auf Öl gestoßen ist -... und ich wusste, dass Orlando in das Innerste der Figur Daryl Chase eingedrungen war."

Für den Autor und Regisseur Gallo war Freddy Tiffany eine der präzisesten ausgearbeiteten Figuren, die er je geschrieben hatte. "Eddie brachte eine sehr kinetische, Energie und Glaubwürdigkeit in die Figur des Freddy Tiffany ein", erklärt Gallo. "Er ist eine der energiegeladensten Figuren, die man sich vorstellen kann. Ich meine, Freddy ist der Typ Mann, der aus einem mit 30 mph fahrenden Zug geworfen wird, sich aufrappelt, dem Zug hinterherläuft und wieder aufspringt - und man mußs ihm das abnehmen! Er ist ein fleischgewordener Wile E. Coyote."

"Eddie ist gleichzeitig ein physischer und intellektueller Comedian", gibt Gallo weiter zu Protokoll. "Er hat etwas Verrücktes, Teuflisches mit einem Hang zum Bösen in sich. Und er hat soviel Herz und Charme wie Richard Pryor in Filmen wie "Trans-Amerika-Express" (1976). Ich kann mir keinen anderen vorstellen, der diesen Part hätte spielen können. Es gibt keinen, der das hätte tun können, was Eddie tat. Niemand."

Freddy ist wie ein kleiner nerviger Gremlin, den man nach Mitternacht gefüttert hat", grinst Griffin. "Wenn man ihn mit Wasser bespritzt, rennen drei weitere von ihm herum. Er ist die kleine Ratte in deinem Haus, die du nicht einfangen kannst. Er ist die Küchenschabe, die über die Wand kriecht, wenn du Besuch hast. Er war der Typ, der dich in der Pause schikaniert hat. Der dir dein Taschengeld geklaut hat. Der dir dein Mädchen abspenstig gemacht hat. So ein Typ ist Freddy."

"Unsere Besetzung funktioniert deshalb so gut, weil jeder der beiden ein so guter Schauspieler ist", meldet sich Ratner zu Wort. "Die Superschnüffler" (1974) hätten ohne Alan Arkin und James Caan nicht funktioniert, und der Film ist nur so großartig, weil die Chemie zwischen den beiden gestimmt hat. Jackie Chan allein ist fantastisch. Chris Tucker allein ist fantastisch. Aber Jackie Chan und Chris Tucker zusammen sind wie eine Explosion, und genau dieses Gefühl schaffen auch Orlando Jones und Eddie Griffin."

Die Dreharbeiten fanden in Los Angeles und der Umgebung statt - Downtown L.A. doubelte dabei Midtown Manhattan, Needles, Kalifornien wurde zum Schauplatz für die texanisch-mexikanische Grenze umfunktioniert und Kalifonien selbst doubelte Texas. Das Museum of Natural History wurde in den Ballsaal des Waldorf Astoria Hotel, ein Bahnsteig der Union Station wurde mit wenigen Handgriffen in einen unterirdischen Bahnsteig der Penn Station verwandelt.

Der Produktionsdesigner Stephen Lineweaver gründet seine Theorie des Produktionsdesigns - wie sein Regisseur Gallo - auf seine Erfahrungen als Maler: "Der Film beginnt mit einer Serie kühler, reicher und eleganter Farben", erklärt er. "Egal, wo man sich gerade befindet, das wollten wir deutlich machen. Daryls Loft ist die Wohnung eines Menschen, der an der Spitze der Gesellschaft lebt. Es ist grau, cool, liegt über der Stadt und ist eine Festung hoch über den Dächern Manhattans. Extremer Luxus. Freddys Welt ist die Straße. Er trägt sie förmlich am Leib."

"Im Lauf des Films, als Daryls Leben auseinander bricht, werden die Farben kinetischer, zerrütteter", erläutert er weiter. "Wenn sie in Mexiko ankommen, hat der Film einen schreienden, lauten, sehr unbequemen Ton angenommen - dem entsprechend, was in der Geschichte passiert und wie sich die beiden Hauptfiguren fühlen."

Lineweavers Team verwandelte die Windward Avenue im Herzen von Venice, Kalifornien, in Mexiko - wie es seinerzeit bereits Orson Welles für die Eröffnungssequenz seines Films "Im Zeichen des Bösen" (1958) getan hatte. George Gallo erwies dem legendären Regisseur seine Ehre, indem er durch das gleiche Design die gleiche Atmosphäre herstellte wie Welles.

Stephen Lineweaver schuf viele verschiedene Looks für den Film, inklusive des Hopper'schen Ambientes von Sharis Lower East Side Village Apartment und des verrückten Looks der El Emu Ranch mit einer 20 Fuß großen Emu-Statue, die sich wohl nur ein Emu-Züchter aufstellen würde. Am Ende hatten Stephen Lineweaver und George Gallo ihre Talente als Maler und Künstler vereint und den einzigartigen Look von Die doppelte Nummer realisiert, der George bereits im Kopf herum schwirrte, als er die erste Seite des Skripts zu Papier brachte.

"Ich fühle, dass ich Teil der Geschichte geworden bin", schließt Brett Ratner. "Ich fühle, dass in 15 oder 20 Jahren ein Kerl wie ich dasitzt und sagt: Mit Filmen wie Die doppelte Nummer bin ich aufgewachsen!"

Szenenfoto
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