It's showtime

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Titel Deutschland: It's Showtime
Titel USA: Bamboozled
Genre: Tragikomödie
Farbe, USA, 2000

Kino Deutschland: 10. Mai 2001
Kino USA: 20. Oktober 2000
Laufzeit Kino: 135 Minuten

DVD Deutschland: -
Video Deutschland: -
Laufzeit DVD/Video: - Minuten



Inhalt Lee erzählt die Geschichte des afro-amerikanischen TV-Autors Pierre Delacroix, einem jungen Harvard-Absolventen, der der einzige Schwarze bei einem von sinkenden Zuschauerzahlen bedrohten Sender ist.

Sein Boss, der quotengeile Kulturbanause Dunwitty stellt ihn vor das Ultimatum, eine trendsettende, schlagzeilenträchtige neue Show zu kreieren oder gefeuert zu werden.

Mit diesem Damoklesschwert über sich, kehrt Delacroix zu den Ursprüngen schwarzer Unterhaltung zurück: der Minstrel-Show, eine Art Varieté, in dem Schwarze mit kohlegeschwärzten Gesichtern weiße "Neger-Klischees" verkörpern. Seine Stars sind der obdachlose Steptänzer Manray und dessen Kumpel Womack. Entgegen allen Erwartungen wird die Show ein Riesenerfolg, die Quoten steigen, aber in den Augen seiner attraktiven Assistentin Sloan und deren radikalen, rappenden Bruder Big Black sinkt sein Ansehen und damit langsam auch sein Selbstwertgefühl.

An dem Tag, an dem die Zuschauerzahlen am höchsten sind, erlebt Delacroix den tiefsten Fall seines Lebens.


Darsteller & Stab Darsteller: Damon Wayans (Pierre Delacroix), Savion Glover (Manray/Mantan), Jada Pinkett-Smith (Sloan Hopkins), Tommy Davidson (Womack/Sleep'n Eat), Michael Rapaport (Dunwitty), Thomas Jefferson Byrd (Honeycutt), Paul Mooney (Junebug), Sarah Jones (Dot), Gillian Iliana Waters (Verna), Susan Batson (Orchid Dothan)

Stab:Regie: Spike Lee • Produzenten: Spike Lee, Jon Kilik • Drehbuch: Spike Lee • Vorlage: - • Filmmusik: Terence Blanchard • Kamera: Ellen Kuras, A.S.C. • Spezialeffekte: - • Ausstattung: Victor Kempster • Schnitt: Sam Pollard • Kostüme: Ruth Carter • Make Up: - • Ton: - • Ton(effekt)schnitt: - • Stunts: - •


Filmkritiken film-dienst 10/2001: Spike Lees Satire wirft zunächst diskussionswürdige Fragen zu Übervorsicht und Leichtfertigkeit im Umgang mit belasteten Bildern und Begriffen auf, gleitet dann aber in ein allzu plakatives Melodram ab, das die Differenziertheit des Anfangs der Eindeutigkeit simpler Schuldzuweisungen opfert.

Bärbel Pfannerer (TV Movie) 10/2001: Regisseur Spike Lee ("Malcolm X") nimmt wie immer kein Blatt vor den Mund, rechnet schonungslos auch mit der eigenen Branche ab. Dabei gelingen ihm herrlich bitterböse Seitenhiebe auf die Medienszene. Leider verzettelt er sich jedoch zunehmend an Nebenschauplätzen. Auch das actionreiche Finale wirkt aufgesetzt.

Cinema 05/2001: Einigen US-Medien ging Spike Lees herrlich sarkastische Satire zu weit: Bestes Zeichen dafür, dass seine Abrechnung mit dem Rassismus der US-Unterhaltungsindustrie ins, ähm, Schwarze trifft.

Olaf Schneekloth (TV Today) 10/2001: Blick zurück und nach vorn im Zorn: Spike Lee spuckt Gift und Galle.

kultur Spiegel 05/2001: Als Film eine Enttäuschung, als Polemik von einigem Unterhaltungswert.

TV Spielfilm 10/2001: Bissige, tiefschwarze Mediensatire vom Meister des "Black Cinema".


Hintergrund In It's Showtime gräbt ein afro-amerikanischer TV-Autor die alte Unterhaltungsform der Minstrel-Show wieder aus, um einen Comedy-Hit des 21. Jahrhunderts daraus zu machen. In Wahrheit rührten schon die frühesten Fernsehbilder von Afro-Amerikanern aus dieser Tradition.

951 wurden zwei schwarze Schauspieler die ersten afro-amerikanischen Stars des amerikanischen Fernsehens mit der "Amos'n Andy Show", die einst als Radiosendung ihren Anfang genommen hatte, in der zwei weiße Schauspieler ein Duo ungebildeter komischer Schwarzer aus den Südstaaten spielten. "Amos'n Andy" war Amerikas erfolgreichste Radiosendung und erfreute sich im Fernsehen ebensolcher Beliebtheit, ohne je ihre grob rassistischen Inhalte in Frage zu stellen.

"Amos'n Andy" hatte ihre Ursprünge jedoch in einer noch viel älteren Tradition klischeehafter Unterhaltung, die es bereits im 19. Jahrhundert gab: der Minstrel-Show. Diese Tradition entstand auf den Bühnen des frühen 19. Jahrhunderts, wobei weiße Schauspieler sich mit verbranntem Kork die Gesichter schwärzten - eine als "Blackface" bekannt gewordene Methode, die ihnen erlaubte, afro-amerikanische Sklaven - meistens als faule, dämliche oder kindische Witzfiguren - darzustellen. Diese Vorführungen entwickelten sich zu parodistischen, varieté-ähnlichen Shows, die aus Musik, Tanz und Sketchen bestanden, die von als Schwarze zurechtgemachten Weißen vorgetragen wurden.

Der Vater der amerikanischen Minstrel-Show war Thomas Dartmouth "Daddy" Rice, der ab 1830 mit einer Nummer enorme Beliebtheit errang, in der er einen alten, verkrüppelten Sklaven namens Jim Crow verkörperte. Gleichzeitig war in New York die Show "Tambo and Bones" eine große Attraktion, die dem weißen Publikum erstmals 'afrikanische' Musikinstrumente - allen voran das Banjo (eine Abwandlung afrikanischer Saiteninstrumente) - vorstellte.

Nach dem Bürgerkrieg übernahmen schwarze Künstler die Tradition, malten sich ihre Gesichter schwarz ("Blackface")und gründeten eigene Minstrel-Theater - behielten aber auch die Karikaturen und Klischees bei, die die weißen Schauspieler geschaffen hatten.

Der erste große Erfolg einer schwarzen Minstrel-Show waren wahrscheinlich Brooker und Claytons "Georgia Minstrels", die sich selbst als die "einzig wahre reine Negertruppe der Welt" anpries. 1876 brach die erste afro-amerikanische Minstrel-Band mit der Tradition und trat ohne Blackface auf.

Obwohl die Minstrel-Shows um die Jahrhundertwende verschwanden, wurde die Tradition in den neuen Medien, Radio und Film, weitergeführt. Frühe Stummfilme zeigten nach wie vor weiße Schauspieler in Blackface als arbeitsscheue, träge, alberne Figuren. Eine der populärsten Figuren der Stummfilmära war Onkel Tom, ein sich ständig am Kopf kratzender alter Mann, der von weißen Schauspielern in Filmen wie Ten Pickaninnies (1904), The Wooing and Wedding of a Coon (1905) und For Massa's Sake (1911) dargestellt wurde.

Weitere beliebte Film-Klischees waren die dicke, durch die Gegend schlurfende Schwarze, meist der Einfachheit halber Mammy genannt, die ihren Gatten mit einer gusseisernen Bratpfanne verfolgte, sowie der Hühner-stehlende, unsicher blickende Rowdy, der meistens Rufus oder Rastus hieß. Eines der schockierendsten Beispiele für Blackface in der Stummfilmära ist in D.W. Griffiths Klassiker Die Geburt einer Nation (The Birth of a Nation, 1915) zu sehen, der dem damaligen größten Filmpublikum weiße Schauspieler in Blackface zeigte, die vergewaltigen, stehlen und eine Bedrohung für die Menschen in den Südstaaten darstellen.

Mit dem Tonfilm kam dann Stepin Fetchit, ein schwarzer Komiker mit dem bürgerlichen Namen Lincoln Perry, der Hollywoods erster großer afro-amerikanischer Star werden sollte, der sich zu den frühen Film-Millionären rechnen konnte.

Stepin Fetchits brillantes Timing wurde unter anderem von Buster Keaton und Charlie Chaplin bewundert, aber er wurde auch für seine Fortführung der herkömmlichen Klischees kritisiert, spielte er doch jemanden, der als "faulste Person auf der ganzen Welt" bekannt wurde. Zu seinen Filmen gehören Hearts of Dixie (1929), The Galloping Ghost (1931) und Helldorado (1935).

In den vierziger Jahren war Mantan Moreland (das Vorbild für Savion Glovers Figur Mantan in der New Millennial Minstrel Show) einer schwarzen Topstars Amerikas. Obwohl er in diversen unter schwarzer Regie entstandenen "Rassen-Filmen" zu sehen war, die in den Großstädten einem nach Rassen getrenntem Publikum gezeigt wurden, erlangte er seine größte Popularität als augenrollender, zu Tode geängstigter Chauffeur Birmingham Brown in den Charlie-Chan-Filmen.

Es sollte noch Jahrzehnte dauern, bis sich die Bandbreite schwarzen Lebens auf der Leinwand vergrößerte. Dennoch schuf das Fernsehen ein neues Forum für die Darstellung schwarzer Amerikaner. Nach wütenden Protesten gegen "Amos 'n Andy" setzten sich die Sender mit der Kontroverse auseinander, indem sie ihr fernblieben und mehrere Jahrzehnte lang nur selten überhaupt Shows mit schwarzen Themen ins Programm nahmen.

Schwarzes Fernsehen erwachte eigentlich erst wieder in den siebziger Jahren mit TV-Hits wie "The Jeffersons", "Benson, Diff'rent Strokes" und "Good Times" - aber die eindimensionalen und manchmal entwürdigenden Komödien erzeugten eine Gegenreaktion, die dann zu Sendungen über Afro-Amerikaner der gehobenen Mittelklasse führten, wie zum Beispiel der "Cosby Show".

Heutzutage, in einer Welt, in der circa 900 Kanäle um die Gunst des medienhungrigen Publikums buhlen, ist Vielfalt immer noch ein unerreichtes Ideal. Einige Medienwissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass Talk Shows - die häufig problembeladene Minderheiten dem Publikum zum Fraß vorwerfen - direkte Abkömmlinge der Minstrel-Shows sind.

Andere weisen auf die abträglichen Bilder afro-amerikanischer Figuren in derzeit laufenden Sitcoms hin - auch ein Zeichen, dass die Minstrel-Show noch immer ihren Einfluss ausübt. Und wie der arme Pierre Delacroix, warten viele Menschen auf einen Wandel.

Filmplakat
Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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