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" Tigerland basiert überwiegend auf Tatsachen
- auf Dingen, die ich selbst bei der Ausbildung erlebte". (Ross
Klavan, Drehbuchautor)
Als Reservist beobachtete Klavan, wie der Militärapparat "die Jungs in den Krieg schaufelte". "Wenn man zur höheren Infanterieausbildung nach Tigerland kam und einen Einzugsbefehl hatte, ging man automatisch nach Vietnam." Und nach sechs Jahren amerikanischen Engagements in Südostasien gab es kaum noch Männer, die sich irgendwelche Illusionen über ihre Zukunft machten. Laut Klavan "gab es sehr viel Fatalismus (hinsichtlich des Kriegs) und nur wenig Patriotismus. Die Jungs gingen hin, weil sie keine andere Wahl hatten." Im Mittelpunkt von Tigerland steht jedoch eine Figur, die sich weigert, ihr Schicksal zu akzeptieren. "Ich habe mich bei (Roland) Bozz von einer ganz bestimmten Person inspirieren lassen," sagt Klavan. Dieser Mann versuchte, "aus der Maschinerie auszubrechen. Er war eine wirklich rebellische Person, die mit der Übermacht des Militärs konfrontiert wurde." Und er war ein Mensch, dessen Ungehorsam einen schrecklichen Tribut forderte. "Sie zerrten diesen Kerl in den Dreck. Aber sein Kampfgeist wurde nie gebrochen." Klavan ist überzeugt, dass "er selbst bei seiner Hinrichtung ständig Witze gerissen hätte - nur um sich lebendig zu fühlen." Ähnlich ergeht es der Figur Bozz. Er findet sich in einer Armee wieder, die ihn körperlich, seelisch und geistig zerstört und ihn härtester Disziplin unterwirft. Ungeachtet seiner persönlichen Ziele beginnt Bozz jene schreckliche, moralische Last zu verkörpern, die auf den jungen Männern liegt, die wegen eines ethnisch fragwürdigen Krieges einem vorzeitigen Tod ins Auge blicken müssen. Die Stärke der zentralen Figur in Tigerland und der mutige Realismus des Drehbuchs gefielen dem Regisseur Joel Schumacher. "Bozz übte eine große Anziehungskraft auf mich aus. Sein rebellisches Verhalten macht ihn zu einer relativ normalen Person in einer völlig unnormalen Situation", sagt Schumacher. Und die Einmaligkeit dieser Situation stellte eine besondere Herausforderung dar. "Es gab schon viele Filme, die während des Vietnamkriegs spielen, aber Tigerland ist etwas Besonderes", bemerkt Schumacher. "Das ist eine kleine, sehr persönliche und private Geschichte, die sich ereignet, bevor die Männer in den Krieg ziehen." Tigerland wurde an Schumacher herangetragen, als er gerade versuchte, von den Big Budget-Filmen wegzukommen. "Ich wollte mich wirklich mal für eine Weile von dem Geschäft mit den Sommer-Blockbustern zurückziehen", erklärt er. "Das war für mich eine sehr erfolgreiche Zeit, aber ich hatte einen Punkt erreicht, wo ich spürte, dass der Kassenerfolg wichtiger wurde als der ganze Film." Mit 8 mm und Makellos hatte Schumacher bereits angefangen, kleinere, persönlichere Filme zu machen. Doch Tigerland, gedreht in 28 Tagen auf einer Militärbasis in Starke, Florida, bedeutete eine völlige Umstellung. Der Film wurde nach den Ideen der "Dogma 95"-Bewegung des dänischen Regisseurs Lars von Trier konzipiert. Die Dogma-Philosophie, die Schumacher bei einer PR-Tour für seinen Film 8 mm in Skandinavien kennen lernte, lehnt die Künstlichkeit Hollywoods ab, indem sie auf zusätzliche Beleuchtung, Spezialeffekte und Musik verzichtet. Zusammen mit dem Kameramann Matthew Libatique (PI, REQUIEM FOR A DREAM) entwickelte Schumacher einen dokumentarischen Stil für Tigerland, der dem "Blickwinkel des unerfahrenen Rekruten" im Drehbuch entspricht. Teilweise inspiriert von Frederick Wisemans TITICUT FOLLIES entschlossen sich die Filmemacher, auf 16 mm zu drehen, weitestgehend auf Stativ und Dolly zu verzichten und der Handkamera den Vorzug zu geben. Bei der Besetzung gab es ebenfalls Beschränkungen. Schumacher und sein langjähriger Besetzungschef Mali Finn stellten eine Gruppe von relativ "unbekannten Gesichtern" zusammen, die die schwierigen Bedingungen bei dieser Form des Filmemachens nicht einfach über sich ergehen ließen, sondern dabei richtig aufblühten. Die Hauptbeteiligten trugen kein Make-up (abgesehen von etwas Blut und blauen Flecken), absolvierten ihre Stunts selbst, verzichteten auf Wohnwagen und Regiestühle und unterwarfen sich vor den Dreharbeiten einem zweiwöchigen Infanterietraining in Camp Blanding. Ohne jeglichen Komfort konzentrierten sich die Schauspieler, von denen die meisten nur wenig Filmerfahrung besaßen, ganz auf ihre Rollen. Für Shea Whigham, der Bozz' Vorgesetzten Wilson spielt, "ähnelt der Film einem Theaterstück". Schumacher übertrug Colin Farrell die Rolle des Bozz. Farrell gesteht, dass ihn mit der Figur eine Seelenverwandtschaft verbindet. Er verließ die Gaiety Schauspielschule in Dublin vor Ablauf seiner zweijährigen Ausbildung. Als Grund nannte er Schumacher: "Ich wollte nicht zweieinhalb Tausend Pfund ausgeben und ein Jahr meines Lebens damit vergeuden, dass man mir sagte, ich wäre der letzte Dreck." Nach einigen phonetischen Übungen mit dem Sprachtrainer Tim Monich unternahm Farrell eine Reise durch Texas, um Bozz' Akzent zu lernen. "Ich weiß nicht, wieviele Amerikaner mir diesen Akzent abnehmen, aber meine eigenen Landsleute werde ich an der Nase herumführen", witzelt er. In Tigerland geht es jedoch nicht allein um Roland Bozz. Nach Farrell "handelt es sich um die Geschichte einer Gruppe von jungen Männern, die sich in einer Lebensphase befinden, in der sie herausfinden sollten, was ihre eigentliche Identität ist. Aber man erlaubt es ihnen nicht, weil sie das tun müssen, was ihnen die Regierung befiehlt." Die Hauptfigur des Films ist nur so stark wie der Rest der Gruppe. Matt Davis spielt Jim Paxton, den Erzähler des Films, dessen etwas naive Haltung im Kontrast zum Zynismus von Bozz steht. "Paxton mußs Dinge sehen, die sonst niemand sieht", erklärt Davis. Im Gegensatz zu Bozz hat er sich freiwillig gemeldet. "Ich will zum Militär", sagt er. "Ich will Erfahrungen sammeln. Ich mache mir über alles Notizen, und vielleicht werde ich eines Tages etwas schreiben." Ihre unterschiedlichen Sehweisen führen zu einem seltsamen Bündnis, aus dem beide Männer unerwartete Konsequenzen ziehen. Im Gegensatz dazu akzeptiert die Figur des Wilson den Krieg ohne jegliche Vorbehalte. "Manchmal fördert die Armee bei den Leuten bizarre Dinge zutage", erklärt Ross Klavan. "In Tigerland traf ich viele Typen wie Wilson. Sie kommen zur Ausbildung und wollen plötzlich nur noch Killer sein." Wilson ist ein Patriot, ganz erfüllt von seinem Ehrgeiz. "Er will seinem Land dienen und ein guter Soldat sein", sagt Wilson-Darsteller Shea Whigham. Die Figur zeigt die Gefährlichkeit von Extremen, in diesem Fall von extremem Nationalismus. Wilson fällt auf seine Weise der riesigen Maschinerie der Armee zum Opfer. Miter (Clifton Collins, Jr.), Cantwell (Thomas Guiry), Johnson (Russell Richardson) und die anderen Mitglieder der A-Kompanie, Zweites Platoon, verdeutlichen den Prozess der Entmenschlichung bei der militärischen Ausbildung. Laut Guiry erzählt der Film die Geschichte einer Freundschaft während "einer Phase der Unschuld im Leben dieser Männer." Es war diese "innere Geschichte", die Schumachers Interesse weckte. "Für mich funktioniert Tigerland sowohl auf der politischen als auch auf der menschlichen Ebene", erklärt er. "In dieser Geschichte ist der Krieg der Übeltäter. Die Männer, die man einzog, um diesen Krieg zu führen, wurden als beliebig verfügbares Material angesehen. Die Freundschaft, die Loyalität, das Mitgefühl und der Mut dieser Männer sind das eigentliche Thema des Films. |
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