27 Missing Kisses

Ausführlicher Inhalt

In jenem Sommer irgendwo im postsowjetischen, sonnigen Osten gab es eine Mond- und eine Sonnenfinsternis als die 14-jährige Sybilla in einen klapprigen Bus stieg, um ihre Tante Martha zu besuchen.

Schon auf der Fahrt durch die idyllische Berglandschaft Georgiens trifft Sybilla auf einige Bewohner der Stadt, in der sie den Sommer verbringen wird. Den liebeshungrigen Pjotr zum Beispiel und das Objekt seiner bislang unerfüllten Träume, die Ballerina Veronika, die in ihrem roten Kleid allen, außer ihrem Ehemann, dem eifersüchtigen Leutnant Laventi, den Kopf verdreht.

Als Laventi, der so regelmäßig wie erfolglos Stadt und Straßen mit seiner Artillerie beschießt, beinahe den Bus einen Abhang hinunter wirft, bemerkt Sybilla bei der Rettung des altersschwachen Gefährtes zum ersten Mal den zu Hilfe eilenden Alexander.

Ein 41-jähriger, gutaussehender Witwer und Astronom, der Sybilla bei der Ankunft in der verträumten Kleinstadt gleich noch einmal zur Hilfe kommt, indem er sie in seinen Armen auffängt, als der Bus, dem die Bremsen versagen, gezwungen ist, solange im Kreis zu fahren, bis alle Fahrgäste herausgesprungen sind.

Alexander und sein 14-jähriger Sohn Mickey nehmen Sybilla auf ihrem Motorrad mit. Schon nach wenigen Metern aber mußs der Junge auf einen Zwischenstop drängen und erklärt den Freunden, deren Toilette er dringend benötigt, seinen plötzlichen Durchfall mit akuter Verliebtheit.

Es ist Vollmond und am Abend wird die badende Sibylla erst vom ortsüblichen Stromausfall und dann von Mickey überrascht. Sie lässt es zu, dass er sie nackt anstarrt und rennt nach dem Bad im Nachthemd zu dessen Vater in die Sternenwarte, um ihm ihre Liebe zu gestehen, aber er nimmt sie nicht ernst.

Am nächsten Tag wartet Veronika nach einer Theaterprobe auf ihren Mann, den Leutnant, um mit ihm der Verordnung des Arztes nach zeitlich genau festgelegtem Sex nachzukommen, von der sie sich die Erfüllung des langgehegten Kinderwunsches erhofft. Der impulsive-impotente Ehemann kommt allerdings zu spät.

Alexander, der Tag und Nacht nicht immer auseinanderhalten kann, empfängt in seiner Dacha eine seiner zahlreichen Liebhaberinnen und bemerkt dabei nicht Sybilla, die sich unter einem Holztisch versteckt. Ein wenig später wird sie dort Zeugin eines kurzen Ausbruchs sexueller Leidenschaft, bei der sich Alexander zur besseren Balance auf "Das Kapital" von Marx stellt, und welches Sybilla in ihrer Eifersucht unter ihm anzündet.

Die Tage vergehen und Sybilla macht sich vor allem unter den Frauen des Ortes viele Feinde, die in ihr eine Bedrohung von Anstand und Moral sehen. Mit ihrem ungebändigten Haar und in einem zerfetzten Kleid läuft sie eines Tages durch die Gassen und zieht die Blicke der Männer auf sich, ohne sich daran zu stören, was ihr den Ruf eines leichten Mädchens einbringt.

Am Rande eines geselligen Abendessens gibt sie Mickey erneut Anlass zur Hoffnung und Aufregung, als sie sich wieder vor ihm entblößt, sich diesmal aber von Alexander beobachtet weiß.

Mit großer Spannung wird die späte Aufführung des französischen Erotikfilms Emmanuelle in der örtlichen Fabrik als gesellschaftlicher und kultureller Höhepunkt des Sommers erwartet. Mickey und Sybilla dürfen der Vorführung offiziell nicht beiwohnen, schleichen sich aber auf Umwegen hinter die Leinwand und können von dort sowohl Film als auch Publikum bestens beobachten.

Empört verlässt der moralisch integere Schulleiter die Vorstellung, nur um noch in der gleichen Nacht tot im Bett der Französischlehrerin gefunden zu werden, die immer wieder hysterisch erzählt, der Herr Direktor hätte im Bett das Unaussprechliche verlangt.

Anregend wirkte der Emmanuelle offenbar auch auf Veronika, die nun endlich dem Nachtwächter Pjotr die Erfüllung seines größten Wunsches gewähren will, wenn er sie mit Palmen und Rosen verwöhnt und die ihr furchteinflößende Größe seines Penis auf ein annehmbares Maximum verringert.

Pjotr zweckentfremdet dafür zwei Kugellager aus Stahl, die er über das einzige Hindernis stülpt, das ihn noch von einer Liebesnacht mit Veronika trennt, ohne jedoch die katastrophalen Folgen für sich und die Ballerina zu ahnen. Als sein Geschlechtsorgan unter dem Druck in noch ungeahntere Dimensionen anschwillt und ein Arzt herbeigerufen werden mußs, wird das Paar zum Gespött der Stadt.

Die resolute Mutter Veronikas, verdiente Aktivistin des Volkes, löst die Situation auf ihre eigene Art, indem sie Pjotr kurzerhand unter einer gigantischen Stahlpresse von den Kugellagern befreit und die eigene Tochter mit einer Rute züchtet, was auch den vor Eifersucht rasenden Leutnant beruhigt.

Der Sommer hält die Stadt weiterhin in seinem schwülen Bann und wird mit der Ankunft eines französischen Kapitäns, der auf der Suche nach dem Meer sein altes Schiff mit einem Traktor hinter sich herschleppt, vollends zu einer Zeit der unglaublichen Geschichten. Mickey kommt Sybilla etwas näher und erhält einen Großteil der 100 Küsse, die ihm das Mädchen für den gesamten Sommer versprochen hat.

Wiedereinmal wird Sybilla zur unsichtbaren Zeugin von Alexanders Sexualleben, als sie ihn nach einem Badeausflug im Wald mit Veronika beobachtet. Wütend und enttäuscht läuft sie davon und veranlasst Mickey durch ihre distanzierte Haltung zunehmend eifersüchtig auf seinen Vater zu werden und für ein paar Tage zu verschwinden.

Als er zurückkehrt, verlangt er von seinem Vater, sich endlich wieder zu verheiraten, um den zahllosen Affären ein Ende zu setzen und natürlich um ihm Sybilla abspenstig zu machen. Als Alexander dahingehend einen Versuch startet und mit eindeutigen Absichten eine Jugendfreundin zu sich einlädt, wartet Sybilla schon in seinem Kleiderschrank und stürzt sich wenig später wie wild auf die andere Frau.

Als sich der Sommer dem Ende entgegen neigt und der traurige Kapitän endlich Meer und Freude wiederfindet, setzt Sybilla noch einmal alles auf eine Karte und steigt durch das Fenster zum schlafenden Alexander, um ihn zu verführen. Als der jedoch die Augen öffnet, weist er das Mädchen heftig von sich. Nackt und tief verletzt trifft sie auf ihrer Flucht auf Mickey, der seinem Vater daraufhin mit einem Gewehr gegenüber tritt.

Ein Schuss verhindert, dass Mickey die 27 Küsse erhält, die Sybilla ihm noch versprochen hatte, denn sie verschwindet mit dem Kapitän aus der Stadt.

Die Stadt auf den Kopf gestellt, ist jetzt nichts mehr so, wie es einmal war. Und Alexander entdeckt Jahre später einen Stern, den er "Sybilla" nennt ...

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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