|
|
|
|
Passwort: Swordfish entführt uns in eine Welt, in der nichts ist, wie es scheint - alle handelnden Personen verbergen nach Kräften, auf wessen Seite sie stehen. "Im Zentrum steht die Frage, was diese Typen eigentlich vorhaben und warum", sagt Produzent Joel Silver, der mit allen seinen Filmen der letzten Jahren große Erfolge verbuchen konnte: Der Oscar-preisgekrönte Matrix, Haunted Hill, Romeo Must Die und Exit Wounds - Die Copjäger.
Der bereits zweimal für den Oscar nominierte John Travolta spielt Gabriel Shear, dessen Verbindungen zur Regierung über dunkle Kanäle anscheinend gut funktionieren. "Offensichtlich arbeitet Gabriel als Spion, oder er war mal einer", sagt Travolta. "Man spürt, dass er im Grunde ganz anders ist, als er sich nach außen hin gibt. Er wirkt wie ein europäischer Playboy mit der langen Mähne, durch die Musik, die er hört, aber das entspricht nicht unbedingt seiner Persönlichkeit. Er selbst hält sich übrigens durchaus nicht für einen Bösewicht." Als Gabriel einen verborgenen Schatz entdeckt - Gelder, die von der Drogenbekämpfungsbehörde DEA akkumuliert wurden (Code-Name "Swordfish") -, schreckt er vor nichts zurück, um ihn in die Hand zu bekommen. "Das Geld schlummert vor sich hin und sammelt Zinsen an", erklärt Travolta. "Und Gabriel ist davon überzeugt, dass es im Grunde niemandem gehört. Eigentlich ist es schmutziges Geld. Warum sollte er es sich nicht nehmen und für seine Zwecke verwenden?" "In gewisser Weise ist Gabriel ein Patriot", fährt Travolta fort. "Er hat sehr dezidierte Ansichten darüber, wie man den internationalen Terrorismus bekämpfen sollte. Aber dafür braucht er Geld, viel Geld. Da kommen ihm diese Fonds sehr gelegen." Um an das Geld zu kommen, will Gabriel mit einem Dutzend schwerbewaffneter Komplizen am helllichten Tag eine Bank stürmen und Geiseln nehmen. Doch um im Internet einen Geldraub dieser Größenordnung durchzuziehen, benötigt er die Hilfe eines der weltbesten Hacker. "Computer-Hacker entwickeln ungeahnte Kräfte, denn junge Rebellen können erstaunlichen Schaden anrichten", sagt Hugh Jackman, der als Wolverine in X-Men international bekannt wurde. Stanley Jobson (Jackman) ist genau der Mann, den Gabriel braucht. Jackman beschreibt Stanley "als eine Art Held wider Willen. Eigentlich ist er ein Typ wie du und ich. Zufällig hat er außergewöhnliche Fähigkeiten als Computer-Hacker. Was er tut, macht er nicht zum Spaß; er hat ein FBI-Programm geknackt, mit dem amerikanische Bürger nach Art des Großen Bruders ausspioniert wurden. Das war der Anlass, deswegen hat er das Programm lahm gelegt." Dafür mußste er im Gefängnis büßen, und man nahm ihm seine Tochter Holly (Camryn Grimes) weg. "Stanley lebt nur für seine Tochter, aber man hat ihm untersagt, sie zu besuchen", sagt Jackman. "Er darf sie nicht treffen, nicht mit ihr reden. Als wir ihn im Film kennen lernen, ist er völlig verzweifelt." Neben seiner Tochter liebt Stanley nur Computer - aber seine Bewährungsauflagen bestimmen, dass er auch davon gebührenden Abstand hält. "An der Computertastatur entwickelt er Fähigkeiten, die eines Genies wie Mozart würdig sind", sagt Jackman. "Er erlebt Verschlüsselungscodes so, wie große Komponisten Musik im Kopf hören können." Nur ganz wenige Hacker sind in der Lage, an das Geld der Drug Enforcement Agency zu gelangen und die Spuren der Überweisung in Gabriels Sinn sofort zu verwischen. Der erste Hacker, den Gabriel rekrutiert, wird bei der Einreise festgenommen (und später ermordet). Deswegen schickt Gabriel seine attraktivste Mitarbeiterin, Ginger (Halle Berry), um Stanley zu engagieren. "Ginger ist sehr selbstbewusst, aufgeweckt und sexy", sagt Halle Berry, die bereits als Storm in dem Hit "X-Men" neben Jackman zu sehen war. Begeisterte Kritiken und den Golden Globe brachte ihr die Titelrolle in dem HBO-TV-Film (Die Dorothy Dandridge Story) ein. "Wenn sie jemanden umgarnt, lässt sie sich nicht abweisen. Sie hat nichts dagegen, ihre Reize einzusetzen, wenn sie damit ihr Ziel erreicht. Zweimal hat sie Pech, aber sie bekommt dann doch, was sie will." Stanley wird allerdings die ganze Zeit überwacht. Don Cheadle spielt den desillusionierten Agenten Roberts, Fachmann für Internet-Kriminalität. Cheadle machte sich mit seinen Auftritten in Traffic, Boogie Nights und "Bulworth" weltweit einen Namen. "Roberts hat einst die größte Spezialeinheit geleitet, die sich mit Cyberspace-Verbrechen befasst", sagt Cheadle. "Er war derjenige, der Stanley dingfest gemacht hat. Aber er ist durchgedreht, hat einen Verdächtigen zusammen geschlagen und sich damit um seine Karriere gebracht." Als Roberts Stanley bei dessen Ankunft in Los Angeles auf dem Überwachungsvideo erkennt, "steckt er plötzlich in diesem Komplott mit drin, ohne auch nur zu ahnen, welche Ausmaße es annimmt, und wer in der FBI-Hierarchie damit zu tun hat", sagt Cheadle. Währenddessen führt Ginger Stanley in Gabriels Welt ein, und sie kommen einander näher. "Ginger arbeitet im Grunde als Gabriels rechte Hand", sagt Travolta. "Aber sie bezirzt Stanley auf unterschiedlichste Weise, und er weiß nicht, wie er das einordnen soll, wer sie eigentlich ist." Als Stanley entdeckt, dass Ginger heimlich ein Aufnahmegerät am Körper trägt, behauptet sie, sie sei eine Undercover-Agentin der DEA, die erfahren will, für wen Gabriel arbeitet. "Ihre Beziehung entwickelt sich, aber er mußs sich ständig fragen, ob zwischen ihnen eine wirkliche Annäherung möglich ist, oder ob alles nur ein Spiel bleibt", sagt Berry. "Völlig unklar bleibt auch ihr Verhältnis zu Gabriel. Ist sie seine Geliebte? Sind sie Partner? Welches Stück vom Kuchen bekommt sie?" Auch Gabriels Motive bleiben im Dunkeln. "Stanley mußs anfangs glauben, dass Gabriel nur auf das Geld aus ist", sagt Silver. "Das schmeckt ihm zwar nicht, aber er kann es verstehen. Ganz am Ende der Geschichte entdeckt er jedoch, worum es bei dem Raub wirklich geht - die Gründe sind sehr viel merkwürdiger und komplexer, als er ahnen konnte. Doch zu dem Zeitpunkt kann er nicht mehr zurück. Stanley hat allerdings selbst auch noch ein paar Asse im Ärmel." Der Moment der Entscheidung naht, als Gabriel mit Marco, seinem Mann fürs Grobe (Vinnie Jones), Ginger, Stanley und einer Kleinarmee von Söldnern in die Räume der World Banc Investors Group in West Los Angeles eindringt und ein Inferno entfesselt. Jetzt kapiert Stanley endlich, was er angerichtet hat. "Aber Stanley ist ebenfalls für ein paar Überraschungen gut", sagt Jackman. "Und wenn es hart auf hart kommt, hat er immer noch einen Joker, den er ausspielen kann, um die Situation in seinem Sinne zu manipulieren. Gabriel ist allerdings ein genauso schlauer Kopf, und im Manipulieren ist er allen überlegen. Ihr Kampf geht also weiter - bis zum bitteren Ende."
Geiseln und andere SchachfigurenProduzent Joel Silver schätzt an Passwort: Swordfish die "außergewöhnliche, neuartige Erzählweise". Der erfahrene Produzent, der zurzeit an den Fortsetzungen zu "Matrix" arbeitet, entdeckt die Welt der Hacker und der Cyber-Kriminalität als absolut idealen Hintergrund für einen derart komplexen Thriller: "Talentierte Hacker können im Internet Dinge anstellen, die normalen Menschen verwehrt sind.Und wenn sie sich erst einmal gewisse Fertigkeiten angeeignet haben oder auch nur die natürliche Begabung dafür mitbringen, können auch die umfassendsten Sicherheitssysteme und Verschlüsselungstechniken sie nicht aufhalten." Jonathan D. Krane hat in den 90er-Jahren John Travoltas beliebteste und beste Filme produziert: die preisgekrönte Komödie "Kuck' mal, wer da spricht", Mit aller Macht, Zivilprozess und Michael. Bei Passwort: Swordfish fühlte Krane sich von der Aufgabe herausgefordert, das komplexe Thema Computer sinnlich erfahrbar auf die Leinwand zu bringen. "In einem Artikel las ich eine Story, die praktisch aus unserem Film stammen könnte", erinnert sich Krane. "Für mich bedeutet das: Unsere Handlung bezieht nicht nur die neuesten Entwicklungen mit ein, sie ist auch glaubwürdig. Wir loten die kühnsten Möglichkeiten der Computertechnik aus - mit allen positiven und negativen Konsequenzen für die Menschheit. Aber gleichzeitig bleiben wir mit unserer Story immer im Bereich des Machbaren." Skip Woods' Drehbuch beginnt in einem Café, während der Banküberfall gerade voll im Gange ist, und arbeitet dann mit zeitlichen Vor- und Rückblenden. Allein diese Szene überzeugte Travolta bereits: "Ich las die Szene, in der Gabriel im Café sitzt und über Filme doziert, besonders über "Hundstage" - das hat mich sofort begeistert. Auf diesen drei oder vier Seiten wird die Figur bereits voll charakterisiert." Silver kannte Travolta schon seit Jahren und stürzte sich deswegen begeistert auf das Projekt, weil es so traumhaft auf den Schauspieler zugeschnitten ist. "John ist schon von Natur aus äußerst charmant, und wenn er einen so schillernden Typen wie Gabriel spielt, wirkt das einfach entwaffnend", sagt der Produzent. "Wir wissen nie ganz genau, ob er ein Schurke ist - jedenfalls möchten wir ihn gern auf der Seite der Guten sehen. Gerade dies zeichnet die Figur aus, und nur ein Darsteller von Johns Kaliber und Charisma kann so etwas überzeugend rüberbringen." Travolta und Krane waren ihrerseits ebenso begeistert von der Möglichkeit, Passwort: Swordfish zusammen mit Joel Silver zu realisieren. "Ich bin überzeugt, Action-Filme sollte man nur machen, wenn man die richtige Munition mitbringt - das meine ich im übertragenen Sinne", sagt Travolta. "Wenn ich also mit einem großartigen Action-Produzenten wie Joel arbeiten kann, dazu mit einem tollen Regisseur und Spitzendarstellern wie Hugh Jackman und Halle Berry, dann hat der Film das Zeug zu einem phänomenalen Hit." Die Story steht und fällt mit ihren intriganten, undurchschaubaren Hauptfiguren, und um dieses Potenzial voll zur Geltung zu bringen, war eine Besetzung nötig, die all diese Nuancen voll ausschöpfen konnte. "Hugh Jackman ist ein absoluter Profi", stellt Travolta fest. "Ich würde ihn als optimale Mischung aus Clint Eastwood und Sean Connery bezeichnen: Er ist ein echter Star und gleichzeitig ein guter Schauspieler. Wir haben das große Glück, ihn in unserem Film dabei zu haben. Und auch Halle ist eine hervorragende Darstellerin, die noch dazu blendend aussieht." Silver kennt Halle Berry bereits seit der gemeinsamen Arbeit an "Einsame Entscheidung", und für ihn gab es bei der Besetzung keine Alternative: "Häufig wird Halle als atemberaubende Schönheit beschrieben", sagt Silver. "Tatsächlich ist sie aber vor allem eine gestandene Schauspielerin, die eine Menge Talent mitbringt. Seit sie den Golden Globe und den Emmy gewonnen hat, nehmen die Leute sie auch mehr aufgrund ihrer Leistungen wahr. Die Ginger gestaltet sie als kluge, innerlich aber sehr widersprüchliche Frau, die eine ungefilterte Erotik ausstrahlt. Sie bildet den idealen Gegenpol zu John und Hugh." Als letztes Puzzle-Teil fehlte nun noch Roberts, als FBI-Agent zuständig für Cyberspace-Kriminalität, der über Stanleys Vergangenheit in Gabriels Machenschaften hineingezogen wird. Diese Rolle vertraute Silver Don Cheadle an, der sich mit Aufsehen erregenden und viel gepriesenen Auftritten unter anderem in Boogie Nights, Traffic und dem TV-Film "Frank, Dean und Sammy tun es" einen Namen gemacht hat. "The Rat Pack" brachte ihm Nominierungen für den Emmy und den Golden Globe ein. "Don gehört zu den besten Schauspielern seiner Generation, und ich freue mich besonders darüber, dass er bei uns mitmacht", sagt Silver. "Er hat seine Rolle bis ins Kleinste durchdacht und durch sein Spiel erheblich aufgewertet - ihm glauben wir, dass sein Roberts ebenso wie Stanley und Gabriel mehr verbirgt, als es zunächst den Anschein hat." Komplettiert wird die Besetzung durch den britischen Schauspieler und einstigen Starfußballer Vinnie Jones, der mit Guy Ritchies Filmen Bube, Dame, König, Gras und Snatch - Schweine und Diamanten international bekannt wurde - er spielt Gabriels rechte Hand Marco - sowie durch Sam Shepard, Bühnenautor, Pulitzer-Preisträger, gefeierter Darsteller und Regisseur, der den Senator Reisman spilt und in einer undurchschaubaren Beziehung zu Gabriel steht. Als Regisseur engagierten die Filmemacher Dominic Sena, der mit dem temporeichen Autoklau-Thriller Nur noch 60 Sekunden beim Kinopublikum bekannt wurde. Von den ersten Vorbereitungen an beeindruckten Sena und sein Team den Produzenten Silver immer wieder aufs Neue: "Dominic kommt immer mit vollem Gepäck - was sich in diesem Fall als sehr vorteilhaft erweist. Er arbeitet mit dem unglaublichen Kameramann Paul Cameron und mit Produktionsdesigner Jeff Mann zusammen. Die Arbeit dieses Kleeblatts ist beispiellos und schafft in unserem Film eine ganz ungewöhnliche, neuartige Atmosphäre. Das Los Angeles in unserem Film besteht fast ausschließlich aus Originalschauplätzen und nur wenigen Studioaufnahmen - es wirkt gleichzeitig absolut authentisch und völlig einzigartig. Einfach atemberaubend."
Vier Wochen für einen BankraubDie Dreharbeiten zu Passwort: Swordfish begannen in Bend/Oregon mit beeindruckenden Flugaufnahmen, an denen John Travolta und Sam Shepard beteiligt waren: Gabriel fliegt mit seinem tiefschwarzen Helikopter über Reisman hinweg, während der Senator am Fluss angelt.Das nahm mehrere Drehtage in Anspruch, die das Team vor allem damit zubrachte, durch das reißende Wasser des Flusses zu waten. Shepard ist auch privat ein begeisterter Angler und freute sich besonders, für sein Hobby diesmal sogar bezahlt zu werden. Nebenbei fing er in den Drehpausen etliche Forellen. Als die Oregon-Szenen im Kasten waren, kehrte die Crew nach Los Angeles zurück. Ein wichtiger Schauplatz war die Main Street in Ventura, die als Kulisse für eine geschäftige Straßenecke in West Los Angeles doubelte. Fast vier Wochen lang machte sich das Filmteam auf der Kreuzung breit - das hat es im südlichen Kalifornien bislang nur selten gegeben. Man wählte diesen Drehort, weil man hier die Außenfassade und den Innenraum der Bank sowie das Café auf der gegenüberliegenden Straßenseite errichten konnte, wie es das Drehbuch vorschrieb. Das durchgestylte Café ist eigentlich eine Buchhandlung. Für eine entsprechende Miete durfte das Produktionsteam das Gebäude völlig umbauen. "Mir schwebte ein sehr schickes, Yuppie-mäßiges Café vor - mit einem Künstlertreffpunkt und Autorenlesungen sollte das nichts zu tun haben", erklärt Produktionsdesigner Jeff Mann. Dann mußste sich das Team an anstrengende Nachtschichten in der Innenstadt von Los Angeles gewöhnen - dort wurde eine spannende Autoverfolgungsjagd mit John Travolta und Jackman gedreht. Dabei saßen die beiden Stars in einem exklusiven britischen Sportwagen namens TVR, der extra für den Film aus England importiert wurde. Vor dem Actiondreh übten John Travolta und Jackman fleißig mit dem Stuntcoordinator, damit sie bei den Aufnahmen in den meisten Einstellungen den Wagen selbst fahren konnten. Das machte vor allem Jackman großen Spaß: "Fünf Tage lang haben wir fahren trainiert", berichtet er. "Jetzt bin ich offiziell als Stuntfahrer zugelassen, kann in eine rechtwinklige Kurve schleudern oder mich mit dem Wagen komplett drehen, mit 200 Stundenkilometern rückwärts fahren und trotzdem das Auto im Griff behalten. Das war eine tolle Erfahrung." Die gefährlichen, minutiös ausgetüfelten Stuntszenen stellten das Team vor große Herausforderungen - die Abteilungen für visuelle Effekte, Stunts und Spezialeffekte mußsten dabei sehr exakt zusammenarbeiten. "Wenn Spezialisten aus allen Sparten zusammenkommen, um Bilder zu kreieren, die es noch nie zu sehen gab, entwickelt sich eine Art Synergie", sagt Boyd Shermis, der Verantwortliche für die visuellen Effekte. "Auf diese Weise kann man eine bekannte Optik originell und interessant gestalten, sie auf eine neue Ebene heben. Das ist sehr spannend." Jeff Mann hat mit Regisseur Dominic Sena bereits Nur noch 60 Sekunden sowie zahlreiche Musikvideos und Werbespots gedreht. Er war der entscheidende Mann bei der Gestaltung des Filmfinales - einem unglaublichen Stunt mit einem Sikorski-Helikopter und einem Bus voller Geiseln. "Auf dem Höhepunkt der Handlung lädt Gabriel die Geiseln in den Bus, der von Spezialeinheiten umstellt ist", erklärt Mann. "Es gibt scheinbar keinen Ausweg für ihn. Ich stellte mir eine spektakuläre Flucht vor, an deren Planung Gabriel und seine Leute schon seit Monaten gearbeitet haben: Da taucht dieser gewaltige Himmelskran wie ein riesiges Insekt auf, schwebt herunter und pflückt den Bus vom Boden, um ihn dann auf einem Wolkenkratzer abzusetzen." Als Mann seine Idee mit Sena entwickelte, war nicht klar, ob man eine solche Szene tatsächlich real drehen konnte. "Wir haben das recherchiert", sagt Mann. "Wir gingen mit unseren drei Tonnen Gewicht hausieren." Mann traf sich mit den Experten der Firma Erickson Sky Crane - sie sind aufs Feuerlöschen, auf Holztransporte und auf das Absetzen großer Klimaanlagen auf hohen Gebäuden spezialisiert. Bei diesen Einsätzen benutzt die Firma eine Spezialausrüstung, durch die die Traglast mit Gegengewichten so ausbalanciert wird, dass sie beim Lufttransport nicht gefährlich zu trudeln beginnt. Zahlreiche Planungsgespräche ergaben, dass man den Bus durchaus mit einem Lastenhubschrauber über Los Angeles fliegen konnte. Was aber die Landung des Busses auf dem Dach des Hochhauses angeht, so erwiesen sich die Haftungsfrage und die Versicherungsforderungen als zu kostspielig. Kurze Zeit wurde überlegt, ob man die Einstellung per Computertrick herstellen sollte. Dann entschied man sich für den einfacheren Weg und baute ein künstliches Wolkenkratzerdach. Zu diesem Zweck entwarf Mann die genaue Dachkopie eines der Hochhäuser in Downtown Los Angeles. Dieses Set wurde in den Bergen oberhalb von Chatsworth errichtet. Der Grund für die Ortswahl war die Vorgabe, dass der Hintergrund freie Sicht in Richtung Westen und Süden gewähren mußste. Einen fliegenden Bus hat es noch nie gegeben. Boyd Shermis erklärt, wie man den Stunt vorbereitete: "Wir haben den Flug des Busses visuell exakt vorausgeplant, indem wir den Stadtteil virtuell nachbildeten. Auf diese Weise konnten wir uns buchstäblich auf jedes beliebige Hausdach an der Strecke stellen, den Blickwinkel prüfen und so die Kameraposition bestimmen. Shermis postierte die virtuelle Kamera praktisch auf jedem Hausdach an der Flugstrecke des Busses, um dem Regisseur eine Palette verschiedener Optionen in Bezug auf Standort und Objektiv anzubieten. "Wir hatten eine ganze Reihe von Kameraleuten im Einsatz", sagt Sena. "Ich kam mir vor wie mit Napoleons Armee. 14 oder 16 Kameras liefen gleichzeitig." Endlich war der große Tag da, an dem der Traum der Filmemacher in Erfüllung ging. Der gewaltige Hubschrauber stand auf einem Parkplatz in der Innenstadt auf Abruf bereit, während die Crew gespannt wartete. Als die Rotoren sich zu drehen begannen, erfüllte ein unglaublicher Lärm die Luft - die Zuschauer mußsten sich die Ohren zuhalten. Die Riesenmaschine hob ab, wirbelte Staub und Müll durch die Luft. Sie schwebte über dem Bus, bis die Kabel angebracht waren. Als sie dann über das Basislager flog, wurden die Zuschauer vom Wind der Rotoren derart durchgeschüttelt, dass sie in Deckung gingen und ihre Gesichter abwandten; sie konnten sich kaum aufrecht halten, denn der Wind schwoll auf Orkanstärke an. "Dieses Ding hätte mich zu Boden werfen und dort festhalten können", lacht Sena. "Es schien mir, als hätten die Rotoren 25 Meter Durchmesser, und die Luftverdrängung direkt darunter war phänomenal. Einmal habe ich mich leider darunter gewagt, als der Helikopter über North Hope schwebte, bevor er durchstartete - er saugte mir buchstäblich die Luft aus den Lungen." Am folgenden Sonntag hievte der Helikopter den Bus von der Brücke an der 1st Street und flog mit ihm durch Straßenschluchten im Zentrum von Los Angeles. Dabei schwebte der Bus auf der Höhe der Hausdächer, etwas 15 Stockwerke über der Fahrbahn. Auf seinem Flug kam er den Gebäuden gefährlich nahe, manchmal betrug der Abstand nur einen Meter. Die Kameras waren auf Plattformen am Rand der Hochhäuser montiert, und wenn der Hubschrauber eine Kurve flog, schwang der Bus nur wenige Meter vor den Linsen vorbei. "Wir hätten diese Einstellungen im Computer simulieren können, aber wir wollten das unbedingt live und real drehen", begeistert sich Silver. "Etwas Bahnbrechendes gestalten - darum ging es uns in diesem Film. Er soll gewaltiger, besser, spannender werden und die Zuschauer auf eine echt heiße Achterbahnfahrt entführen. Wenn uns das gelingt, dann haben wir gute Arbeit geleistet." Natürlich war die Sicherheit oberstes Gebot, und obwohl die Sequenz mit dem fliegenden Bus im Wesentlichen real gefilmt wurde, überließ man einige Elemente doch den Experten für visuelle Effekte. Bestimmte Einstellungen entstanden mit Hilfe der Bluescreen, vor allem Innenansichten des Busses und Blicke aus dem Inneren des Busses. (In der Geschichte befinden sich die Geiseln noch im Bus, als er über die Straßenschluchten der Stadt schwebt.) Zu diesem Zweck wurde im TWA-Hangar am Los Angeles International Airport eine Bluescreen installiert, die dem riesigen Set gerecht wurde. Der Bus hing 18 Meter über dem Boden an einem Kran, damit er frei schwingen konnte. Die Aufnahmen im Innern des Busses bereiteten Dan Bradley, dem Stunt-Coordinator und Regisseur des 2. Drehteams, besonderes Kopfzerbrechen: "Meine Aufgabe war es, die Atmosphäre in einem Bus voller Geiseln zu simulieren, der über Los Angeles fliegt. Das heißt, die Insassen mußsten ihre Todesangst überzeugend spielen."
Tagelang arbeitete Bradley mit dem Spezialeffekte-Experten Mike Meinardus an der Logistik der Sequenz.Besonders wichtig war festzustellen, welches Gewicht der Bus aushalten konnte. "Wir haben einen Test nach dem anderen gemacht", sagt Bradley. "Wenn der Bus absackt, purzeln alle schwerelos durch den Raum - das mußsten wir nachmachen. Wenn der Bus sich im Sturzflug befindet, ist die Fliehkraft am Werk, die Leute fliegen aus ihren Sitzen, versuchen dagegen anzugehen und zurückzukriechen. Am Ende des Sturzflugs steht alles Kopf. Da kommt man ganz schön durcheinander."Der Raum, in dem sich Bradleys Stuntteam austoben konnte, war äußerst begrenzt. "Wir wollten keinen geraden Fall, sondern eher ein sich Überschlagen über die Sitzlehnen, etwa vier Meter weit", sagt er. "Um das vorzubereiten und zu üben, brauchten wir fast eine ganze Woche." Bradley mußste aber nicht nur die Bewegungsabläufe seiner Stuntleute überwachen, sondern auch die Schauspieler bei ihren Aktionen anleiten. Die Hauptdarsteller im Bus mußsten durch unsichtbare Korsette und Sicherheitsleinen vor Verletzungen geschützt werden. Besonders anspruchsvoll war Shermis' Job in der Anfangssequenz des Films: Eine Geisel, der man eine Bombe umgebunden hat, tritt aus der Deckung. Bei dieser Einstellung wollte Regisseur Sena jene neuartige Kameratechnik anwenden, die für Silvers prototypischen Superhit "Matrix" entwickelt worden war. "In der Szene explodieren Polizeiwagen, Menschen werden durch die Luft katapultiert, und das Ganze mußste zeitlich so abgestimmt werden, dass ein bestimmter Stuntman vor der Kamera 125 genau mitten durchs Bild flog. Ich habe noch nie eine so komplizierte Einstellungsvorbereitung erlebt. Alles hing von den verschiedenen Bildebenen und der mehrfach exakt wiederholten Aufnahmesequenz ab. Eine Bildebene zeigt die Explosion, die nächste das Auto, das durch die Luft fliegt. Eine Ebene zeigt die Leute, die sich neben dem Auto befinden - die mußsten bei einem neuen Durchgang aufgenommen werden, damit sie nichts abbekamen. Also eine Ebene nach der anderen. Wir haben Tage gebraucht, um diese 30-Sekunden-Einstellung zu drehen." Für diese Einstellung benutzte man das spezielle von Bill Gill entwickelte Multi-Cam-System, auf dem 135 Standbildkameras angeordnet sind. Allein für diese wenigen Sekunden Film wurden drei Monate Vorbereitungszeit benötigt. Zu Beginn konzipierte Shermis die Einstellung minutiös mit Hilfe von Computergrafiken. Das Filmset wurde mit zentimetergenauen Markierungen versehen, die den Standort jeder Kamera sowie die Komponenten im Bild exakt festlegten. Der Zeitplan war buchstäblich auf die Millisekunde berechnet, wobei sich das Special-Effects-Team ebenso wie die Stuntleute ganz genau an die zeitlichen Vorgaben zu halten hatten. Bestimmte Teile dieser Sequenz hat man zwar mit Hilfe der Computergrafik gestaltet, aber 85 Prozent wurden real gefilmt. Der Computer wurde ausschließlich dann eingesetzt, wenn das Sicherheitsrisiko bei Stunts unkalkulierbar war - zum Beispiel dann, wenn die Kugellager und Glassplitter den Schauspielern und der Crew um die Ohren fliegen sollten. Stuntkoordinator Bradley setzte bei den spektakulären Hechtsprüngen in dieser Einstellung eine erstaunliche Aufhängungsvorrichtung ein: Die Stuntleute tragen ein Spezialkorsett, das an dünnen Kabeln aufgehängt wird. Auf diese Weise werden sie in die Luft geschleudert und herumgewirbelt, wobei sie Bewegungsabläufe absolvieren, wie es sie noch nie zu sehen gab. "In jeder Szene tauchten neue spezifische Schwierigkeiten auf", sagt Sena. "Also wendeten wir jeweils eine spezielle Technik an. Eine Szene etwa sollte förmlich und steif wirken; in einer anderen ging es um eine komplizierte Kamerakranfahrt. Oder wir setzten Handkameras ein, um den Bildern ein unmittelbares, improvisiertes Feeling zu verleihen." Was den Gesamt-Look des Films angeht, stellte sich Sena Gabriels Aura als glamouröse Hochglanzatmosphäre vor, die auch von kräftigen Farben getragen werden sollte. "Wir haben ständig neue Farben gemischt, und die Farbpalette ist reichlich knallig geworden", sagt Sena. "Jeder Schauplatz bekommt sein spezifisches Farbmuster, wobei wir uns bei der Ausleuchtung immer an den vorhandenen Lichtquellen orientiert haben. Wenn die Szene zum Beispiel von einer grünen Laterne beleuchtet war, dann sind die Gesichter auch in grünes Licht getaucht - wir haben nicht versucht, überall perfekte Hauttöne zu zeigen. Der Look ist sexy und schick - genau das Richtige für diesen Film." Als Beispiel für dieses Vorgehen sei eine Szene genannt, in der die Söldner sich auf den Banküberfall vorbereiten. Ursprünglich sollte die Szene in einem Lagerhaus spielen. "Da hatte ich die Idee, die Sequenz in einem heruntergekommenen Innenstadttheater anzusiedeln", sagt Produktionsdesigner Mann. "Ich spürte, dass John Travolta sich hier in seiner Rolle genau so großspurig und theatralisch in Szene setzen kann, wie es Gabriel entspricht. Also suchten wir uns ein Theater im Stadtzentrum, das noch nicht in Dutzenden von Musikvideos zu sehen war. Ich bin mit dem Resultat äußerst zufrieden. Optisch gibt das erheblich mehr her, und es bildet genau die richtige Kulisse für Gabriel." Eine Hauptaufgabe des Produktionsdesigners besteht darin, die Filmfiguren in das ihnen entsprechende Ambiente zu stellen. Aus diesem Grund wählte Jeff Mann auch ein bestimmtes Haus in Chatsworth: Entworfen hat es jener Architekt, der auch das Transamerica-Gebäude in Los Angeles gebaut hat - hier hat Gabriel sein Hauptquartier. Das Haus entstand 1951 ursprünglich für Filmstar Robert Young. Später gehörte es Lucille Ball und anschließend Frank Sinatra. Außerdem schuf Mann ein unglaubliches Nachtclub-Set. "Im Drehbuch heißt der Nachtclub ,Prag'", sagt Mann. "Mit dieser Beschreibung soll angedeutet werden, dass europasüchtige Aussteigertypen sich dort treffen. Unser Design konzentriert sich auf eine bedrückende, bunkerartige Atmosphäre." Als Kostümbildnerin Ha Ngyen das Drehbuch durcharbeitete, kam ihr die Idee, dass John Travolta hier ganz anders als in seinen bisherigen Rollen aussehen mußste. "Gabriel stammt aus Europa und ist schwerreich", erklärt Ha. "Er mußs sich also sehr stilsicher kleiden, er trägt sehr teure Accessoires - viele davon speziell für ihn angefertigt." Weil Stanley eine so komplexe Figur ist, konnte Ha bei den Entwürfen für Hugh Jackman großzügiger verfahren. "Man weiß nie, was er als Nächstes tut", erklärt sie. "Was er nach außen hin zeigt, entspricht also überhaupt nicht seinem Innenleben." Auch die meisten der Outfits für Halle Berry hat Ha selbst entworfen. "Für ein Frau tritt sie äußerst aggressiv auf", sagt Ha. "Sie wirkt sehr selbstsicher und weiß genau, was sie will. Also habe ich ihre Kleider in starken Farben und sehr auffällig gestaltet. Viele ihrer Kostüme sind aus Matte-Jersey, das sich sehr an die Figur anschmiegt." Don Cheadle spielt als Roberts zwar einen konservativen FBI-Agenten, aber dennoch gab Ha seiner Kleidung ein paar ungewöhnliche Akzente, um ihn geheimnisvoller zu machen - sie wählte dabei mauve- und senffarbene Stoffe. Vinnie Jones legt auf Kleidung großen Wert, und deshalb integrierte Ha Ngyen seinen persönlichen Stil in Marcos Outfits. "Ich schaute mir an, was ihm gefällt, und verwendete das bei der Gestaltung seiner Filmfigur. Er trägt seine Kleidung fast wie eine Uniform." Für den Nachtclub wählte Ha eine Stilkombination aus den 70er- und 80er-Jahren, um den für den Club vorgeschriebenen Effekt zu erreichen. Übrigens war es genau dieser Stil, den sie für die Mode des Jahres 2001 voraussah. |
|