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Die packende Handlung
von Startup wurde von Drehbuchautor
Howard Franklin erdacht, aus dessen Feder bereits
ungewöhnliche Thriller wie "Der Name der Rose" (1985) und "Der
Mann im Hintergrund" (1987) stammen. Franklin gesteht, dass er eine
Heidenfreude daran hat, Krimis zu schreiben, die gleichzeitig
unterhaltsam und provokativ sind, die voller verblüffender
Überraschungen stecken und bei aller Spannung und Dramatik
auch universelle Fragen zum Fortschritt der Menschheit
stellen.
Zugrunde liegt Franklins unlängst erwachtes Interesse an den faszinierenden Persönlichkeiten der Computer-Software-Industrie und der Dynamik im Kern dieser Wachstumsbranche, um die sich zahllose Mythen ranken. Gefesselt verfolgte der Autor die erbittert ausgefochtene Suche nach der nächsten große Sache; die sich bekriegenden Firmen im Bestreben um die Kontrolle der Medienzukunft; und vor allem die mit allen gegebenen Mitteln geführten Machtkämpfe zwischen den großen Computerfirmen und den jungen Genies in den Kellern, die selbst die Giganten mit der einen richtigen Idee aus dem Geschäft drängen können. Mit zunehmender Begeisterung widmete sich Franklin der Recherche des Innenlebens der Industrie. Von den superreichen Vorstandsvorsitzenden, die wie Mogule über die Branche herrschen, über die jugendlichen Informatik-Freaks, die in ihren Schlafzimmern Programme schreiben, zu den sogenannten Killer-Applikationen, die brachiale Geschäftspraktiken ermöglichen, erstreckten sich seine Nachforschungen. Und Franklin stieß auf eine Entwicklung, die sich digitale Konvergenz nennt: die Fähigkeit, dass alle digitalen Geräte miteinander kommunizieren. Viele Industrieexperten nehmen an, dass dies der nächste Fortschritt sein wird, der unser Leben und unsere Wirtschaft von Grund auf umkrempelt. Franklin erfuhr, dass die Firmen, die an der Verwirklichung von digitaler Konvergenz arbeiten, aller Voraussicht nach ein großes Stück des globalen Geldkuchens abbekommen werden. Und ganz besonders begann Franklin sich in diesem Zusammenhang, für eine der Auseinandersetzungen zu interessieren, die im Kern dieser möglichen Zukunft tobt: private Kontrolle versus öffentlicher Zugang für alle. Weil er erkannte, dass sich in der Gegenwart entscheidet, was wir in der Zukunft sehen, hören und lesen werden können, entschloss sich Franklin zur Umsetzung seiner Gedanken in einen packenden Paranoia-Thriller in der Tradition politischer Spionagekrimis, der aber im Umfeld der Computer-Software-Firmen angesiedelt sein würde. So ersann er die Figur des Milo: ein vielversprechender junger Student der Computerwissenschaften, der in die faszinierende Welt einer gigantischen (und fiktionalen) Software-Firma gerät - nur um festzustellen, dass er der nächste sein könnte, der unter die Räder kommt, sollte sich der Konzern von ihm bedroht fühlen. Nach der Lektüre des fertig gestellten Drehbuchs zeigte sich Produzent Nick Wechsler beeindruckt von der erstaunlichen Relevanz des Insiderblicks auf eine Industrie, die unser aller Zukunft in Händen hält. "Menschen aller Altersschichten sind mehr und mehr fasziniert von den Technologie-Gallionsfiguren, die regelrecht zu kulturellen Ikonen unserer Zeit avanciert sind", sagt Wechsler. "Unser Instinkt sagte uns, dass ein Film, in dessen Mittelpunkt die Technologiewelt steht, jeden ansprechen würde." Startup war das erste Drehbuch, das David Hoberman, der Aufsichtsratvorsitzende von Hyde Park Entertainment, las, nachdem er mit seiner Firma einen weitreichenden Deal bei MGM gemacht hatte. Hoberman und seinem Partner Ashok Amritraj gefielen das hohe Tempo und das ansprechende Thema der Geschichte, und sie waren bereit, sofort als Kofinanziers und ausführende Produzenten in das Projekt mit einzusteigen. Über die Darsteller Obwohl Startup in der Welt der High-Tech spielt, war es das menschliche Drama im Zentrum der Geschichte, das Peter Howitt auf das Projekt aufmerksam machte. Davor hatte Howitt die originell strukturierte Romantikkomödie Sie liebt ihn - sie liebt ihn nicht mit Gwyneth Paltrow als Frau, die zwei parallele Schicksale erlebt, gedreht. Mit Startup sah er nun die Chance, erneut zwei parallel existierende Welten zusammen zu führen: auf der einen Seite die oft erschreckend unberechenbare Welt der Realität, auf der anderen Seite die klar strukturierte, rationale, binäre Welt der Computer, die Milo wie magisch anzieht."Für mich ist Startup vor allem die Geschichte der Reise eines jungen Mannes, der sich der Realität stellen mußs", erklärt der Regisseur. "Am Anfang ist Milo ein regelrechter Technozauberer, der fast sein gesamtes Leben vor einem Computerbildschirm verbracht hat. Er hat einen richtigen Tunnelblick, ist nur an diesem Bildschirm, diesem Code interessiert. Je weiter die Story voran schreitet, desto mehr ist er gezwungen, am Bildschirm vorbei zu sehen, um erkennen zu können, was wirklich um ihn herum vorgeht. Er mußs neben seinem Gehirn auch sein Herz und seine Seele einschalten. Er mußs lernen, wem er trauen kann und wem nicht. Was ihn überleben lässt, ist das Erkennen der Wahrheit in diesem Spiegelsaal der Täuschungen und Finten." Howitt fand aber auch einen weiteren Zugang zu dem Stoff, da seine eigenen Ängste vor der Richtung, in die die Technologie die Menschheit führen wird, in der Handlung wiedergespiegelt werden. "Information ist Macht, sagt man", meint er. "Und gegenwärtig liegt die Macht in den Händen sehr weniger, sehr reicher Menschen. Ich finde, das ist eine leicht entzündbare Situation, und unsere Geschichte nimmt sich diesem Aspekt auf höchst spannende Weise an." Wie die Computerbranche setzt sich auch die Besetzung von startup aus einer Mischung von aufstrebenden Jungstars wie Ryan Phillippe, Rachael Leigh Cook oder Claire Forlani und etablierten, erfahrenen Darstellern wie Tim Robbins zusammen. Robbins' Performance als Gary Winston, einer der reichsten und einflussreichsten Männer der Welt, war der Schlüssel dazu, all die Mechanismen der Handlung in Bewegung zu setzen. Robbins spielt diesen Magnaten, als wäre er ein neugieriges Kind, dem man die Schlüssel zum Universum in die Hand gedrückt hat - ein Typ, der gern mit seinem Spielzeug spielt, aber noch lieber gewinnt. "Gary Winston mußste eine überlebensgroße Figur sein", erläutert Produzent David Nicksay. "Er mußste getrieben sein, idiosynkratisch, charmant, höllisch smart und immer noch erfüllt von einem regelrecht jugendlichen Enthusiasmus für die Freuden der Schöpfung. Gleichzeitig mußste man ihm auch zutrauen, absolut abscheuliche Untaten zu begehen. Er ist ein sehr komplexer, komplizierter Typ. Und wenn man diese Qualitäten sucht, sollte man besser versuchen, Tim Robbins für die Rolle zu begeistern." " Tim Robbins hat die Fähigkeit, totale Autorität auszustrahlen, und trotzdem lässt er einen eine gewisse Verletzlichkeit spüren, die einen Gary Winston aller Monstrosität zum Trotz menschlich wirken lässt", fügt Peter Howitt hinzu. "Er spielt intelligente Männer sehr gut, weil er selbst hochintelligent ist. Tim spielt nicht einfach einen leicht durchschaubaren Bösewicht. Tim spielt einen Typen, der viele verschiedene Eigenschaften hat und auf verschiedenen Ebenen funktioniert. In seinen Händen ist Winston ein Mann, der unbedingt davon überzeugt ist, dass seine Taten gut sind für Amerika, für die Wirtschaft, für die Welt." Tim Robbins fühlte sich daher auch von den vielfältigen und bisweilen widersprüchlichen Qualitäten Winstons angesprochen, wie er berichtet: "Ich mag ihn, weil man ihn nicht durchschauen kann. Einerseits sieht man, dass er zu guten Taten fähig ist und großzügig und brillant sein kann. Andererseits konnte er seine Position nicht erreichen ohne eine gewisse Rücksichtslosigkeit, ohne Bösartigkeit, ohne Manipulation. Ich dachte, dass es sehr wichtig sein würde, Winstons ganze Komplexität darzustellen." Um sich auf die Rolle vorzubereiten, recherchierte Tim Robbins die Lebensläufe echter Computermogule und schlagzeilenträchtiger CEOs - Männer wie Gary Winston, die glauben, ein "Monopol auf Vorzüglichkeit" zu besitzen. "Ich habe entdeckt, dass die meisten von ihnen glauben, lediglich im Dienst der Bedürfnisse und der Klienten ihrer Kunden zu handeln. Und doch arbeiten sie nicht selten auf höchst hinterhältige Weise. Schließlich ist der Wettbewerb hart, und die Industrie entwickelt sich blitzschnell. Man darf keine Sekunde schlafen. Man darf sich nie auf seinen Lorbeeren ausruhen. Man mußs sich ständig auf neue Leute, neue Entdeckungen, neue Ideen einstellen", erklärt Robbins. "Jemand wie Gary Winston mußs alles tun, wozu er in der Lage ist, um an der hart erkämpften Spitze zu bleiben." Als Tim Robbins den Zugang zur Rolle gefunden hatte, begann er Spaß mit ihr zu haben und ließ den Intellekt der Figur im Dienst seiner haifischartigen Instinkte aufblitzen. "Gary liebt es, Menschen zu manipulieren, mit ihnen zu spielen, alles und alle zu kontrollieren", merkt er an. An der Seite von Tim Robbins spielt mit Ryan Phillippe einer von Hollywoods vielversprechendsten Jungstars. Er übernahm die Rolle des naiven Programmierers Milo, der all seine Ideale über Bord wirft, als er bei Winstons Company N.U.R.V. einsteigt. "Milo ist ein Junge mit großen Träumen", überlegt Peter Howitt. "Er ist jemand, der will, dass man sich an ihn erinnert, der etwas im Leben leisten und bewirken will, der aber auch ein schönes Haus und ein schnelles Auto besitzen will. Ryan ist ein so bodenständiger und intelligenter junger Mann, dass er eigentlich nicht viel schauspielern mußste, um einen überzeugenden Milo zu geben." Phillippe freute sich auf die Aussicht, eine Figur spielen zu können, deren gefährlichste Waffe ihr messerscharfer Verstand ist. "Es ist selten, dass man Typen spielen darf, die wirklich intelligent sind", meint er. "Und er passt super in den Film, der ebenfalls ungeheuer smart ist. Das Thema passt perfekt in unsere Zeit." Phillippe war verblüfft, wie die grundlegenden Konflikte der technologischen Zukunft im Drehbuch aufgegriffen und aufgearbeitet wurden. Er sagt: "Wir leben in einem Zeitalter, in dem der Boom der Technologiebranche unser aller Leben beeinflusst hat und selbst Orte saturiert werden, wo man bis vor kurzem noch gar nichts über Computer wusste. Und jetzt halten die Menschen inne und stellen sich die Frage, wer all die Informationen besitzt, wer die Technologie kontrolliert und ob diese Entwicklung überhaupt gut für uns ist. Ich bin überzeugt, dass man mehr über diese Welt wissen will. Und startup bietet diese Information auf spannende, unterhaltsame Weise." Je mehr Ryan Phillippe sich mit Milo beschäftigte, desto besser verstand er, welche Anziehungskraft ein Gary Winston auf diesen leicht beeindruckbaren Jungen ausüben mußste. "Für Milo ist Gary der Typ, der die Macht hat, die Welt und das Leben, wie wir es kennen, zu verändern. Milo sieht sich selbst als Gary, wie er wohl einmal war, als er jünger war, aber in seiner anfänglichen Begeisterung erkennt er nicht das ganze Bild", betont Phillippe. " Tim Robbins spielt Gary als jemanden, der zwei Seiten hat. Man versteht zum einen, warum Milo ihn verehrt, aber erlebt auch, dass er mit einem Fingerschnippen zu ganz anderen Dingen fähig ist." Zwei weitere Beziehungen - mit zwei gänzlich unterschiedlichen Frauen - sind von Bedeutung in Milos Leben. Da ist zum einen seine freigeistige Freundin Alice, gespielt von Claire Forlani, und seine besessene Kollegin Lisa, gespielt von Rachael Leigh Cook - beide kommen ihm im Verlauf der Handlung verdächtig vor. Claire Forlani war fasziniert von der komplexen Rolle, die ihre Figur bei Milos Entwicklung vom Firmenprogrammierer zum gefährdeten Rebellen spielt. "Ich wollte, dass Claires Figur stellvertretend für die Kunst steht und all die Freiheit und Offenheit widerspiegelt, die damit einhergeht. Sie ist das ziemlich genaue Gegenteil all der Computerfreaks, weil sie absolut unberechenbar ist", sagt Peter Howitt. "Wenn jemand in ihrer Gegenwart sagt, dass die letzte verbleibende Kunst in Amerika Business ist, dann geht das Claires Figur total gegen den Strich." Forlani gefiel der Gedanke, eine Figur zu spielen, die nicht genau das ist, was sie zunächst erscheint. "Ich genoss es, an einer Figur zu feilen, die viele überraschende Veränderungen durchmacht", merkt die Schauspielerin an. "Um ihr eine Konstante zu geben, habe ich versucht, für Alice durchgehend einen authentischen Aspekt beizubehalten: Trotz all ihrer schwierigen Charakterzüge ist sie doch stets jemand, der viel Liebe zu geben hat. Ich finde, das trägt sie durch die Geschichte. Sie bringt eine Erdverbundenheit, eine Menschlichkeit, eine wilde Kreativität in die High-Tech-Welt, in der Milo darbt." Wie ihre Filmfigur ist Forlani höchst begabt mit dem Malpinsel. Alices Gemälde wurden dennoch von der kanadischen Künstlerin Lisa Birke beigesteuert, mit der Claire Forlani in der Vorbereitungsphase viel Zeit verbrachte. "Lisa Birke ist genauso, wie ich wollte, dass Alice ist", bemerkt Forlani. "Sie ist eine erdverbundene, großzügige, liebenswerte und liebende Person, die aber auch sehr starke und sehr modern weibliche Züge trägt." Am anderen Ende dieses Spektrums ist die Figur angesiedelt, die von Rachael Leigh Cook gespielt wird: die talentierte Programmiererin Lisa, die ein Geheimnis in ihrer Vergangenheit und eine ganz eigene Agenda hat. Obwohl Cook zugibt, dass sich ihr Computerwissen vor dem Dreh von startup darauf beschränkte, dass "meiner klein und grau ist", war sie doch sehr gespannt darauf, mehr über diese Welt in Erfahrung zu bringen. "Ich fand es hoch interessant, Teil der bekanntesten und einflussreichsten Computerfirma der Welt und damit Zeuge der Entwicklung einer absolut umwerfenden neuen Technologie zu sein. Ich habe mich leidenschaftlich dafür eingesetzt, diese Rolle zu bekommen", gesteht Rachael Leigh Cook. Besonders angetan war sie von einer Zeile, die von Gary Winston geäußert wird: "Gary sagt, dass man in diesem Geschäft entweder eine Eins oder eine Null ist. Und Lisa ist fest entschlossen, niemals eine Null zu sein. Ich glaube, diese Charakteristik findet man sehr oft bei Menschen, denen im Leben großer Schmerz zugefügt wurde. Diese Menschen neigen dazu, sich mit jeder Faser ihres Körpers auf etwas ganz Bestimmtes zu konzentrieren. Sie versuchen, die Besten in ihrem jeweiligen Fachgebiet zu sein. Lisa will damit nur wieder Kontrolle über ihr Leben zu gewinnen." Natürlich übte auch der Rest der Besetzung eine fast magische Anziehung auf Cook aus. Besonders freute sie sich darauf, den Schützling von Tim Robbins spielen zu können. "Es gibt da irgendein ungeschriebenes Gesetz, dass die nettesten Jungs immer die miesesten Typen spielen", lacht sie. "Tim war eine Inspiration für uns alle, weil er seine Rollen absolut brillant interpretiert." Peter Howitt fasst zusammen: "Die Spannung der Geschichte hängt davon ab, ob das Publikum an die Figuren und ihre Entwicklung im Verlauf der Handlung glaubt. Egal wie spritzig oder einfallsreich das Design und der Look des Films auch sein mögen, all das bedeutet überhaupt nichts, wenn man keine direkte menschliche Verbindung zu den Figuren verspürt. Ich hatte Glück, mit tollen Schauspielern arbeiten zu können. Sie transportieren all die Emotionen absolut überzeugend, die von den schockierenden Wendungen der Story freigesetzt werden." Über Synapse Im Mittelpunkt von Startup steht ein streng geheimes Projekt, das die digitale Zukunft verändern könnte: Gary Winstons SYNAPSE-Projekt, das von ihm selbst als "erstes Satelliten-gespeistes, globales Kommunikationssystem der Welt" bezeichnet wird und alle elektronischen, kabellosen und handgehaltenen Kommunikationsmittel mit einer Inhaltsquelle verbindet.Um ein derartiges System besser zu verstehen und darstellen zu können, nahmen die Filmemacher Kontakt mit einigen Topexperten im Feld der Computer- und Satellitenkommunikation auf. Besonders hilfreich war Tim Lindholm, ein brillanter Ingenieur bei Sun Microsystems, der mit dem JavaSoft-Team arbeitet. Java ist die lingua franca des Internets, eine Killerapplikation, die es möglich macht, dass verschiedenartige Maschinen und Sites Kontakt miteinander aufnehmen können. "Tim war wichtig für uns. Er gab nicht nur Ratschläge, was die Zukunft möglicherweise für uns bereithalten wird, sondern stellte auch sicher, dass die technologischen Aspekte des Films realistisch umgesetzt wurden", erläutert Produzent David Nicksay. "Wir wollen, dass der Film auch ein Publikum unterhält, das keine Ahnung von Computern hat. Aber wir wollten auch sicherstellen, dass Computer-erfahrene Zuschauer den Eindruck haben, dass wir uns auskennen und mit unserer Geschichte im Rahmen des Vorstellbaren bewegen." Um SYNAPSE genau darstellen zu können, mußsten sich die Filmemacher gewisse Grundkenntnisse in Satellitentechnologie aneignen. Produzent Keith Addis machte eine der Topkapazitäten auf dem Gebiet der Satelliten- und Raumfahrtprogramme ausfindig: Gentry Lee. Er erklärte sich bereit, die Produktion bei Fragen hinsichtlich seines Fachgebiets zu unterstützen. Als Chefingenieur des Galileo-Raumschiffs und Direktor der Abteilung Science Analysis and Mission Planning bei NASAs Viking-Projekt ist Lee bestens vertraut mit den verschiedensten Aspekten, die sich mit technologischen Weiterentwicklungen auseinander setzen. Er kennt sich außerdem mit Medien aus: Er war der Partner von Carl Sagan bei der Entwicklung von dessen legendärer Fernsehserie "Cosmos" und hat mit "2001 - Odyssee im Weltraum"-Autor Arthur C. Clarke vier Bestsellerromane geschrieben. Wenn es ihm seine knapp bemessene Zeit gestattet, berät er Technik- und Technologiefirmen. Lee gab der Produktion Tipps, wie ein kabelloses Satelliten-Kommunikationssystem, wie es von Gary Winstons Pionieren entwickelt wird, wohl aussehen könnte und funktionieren würde. "Alle Technologieangelegenheiten wurden von ihm durchgecheckt", berichtet Addis. "Außerdem hatte er wertvolle Vorschläge, wie man die Idee der digitalen Konvergenz einem nicht vorgebildeten Publikum verständlich machen könnte." Weitere Innovatoren aus der Welt der Computertechnologie trugen zum Gelingen des Films bei, vor allem einige große Namen aus der Open-Source-Software-Bewegung, die sich für den kostenlosen Zugang zu den Codes aller Computerprogramme einsetzt. Zu den Beratern gehörten Linus Torvalds aus Finnland, der Mann hinter Linux, dem bekanntesten Namen im Open-Source-Software-Feld; John "Mad Dog" Hall von Linux International; und Miguel de Icaza aus Mexiko, der Gnome entwickelte, ein weiteres Open-Source-System. Einige wichtige Figuren der Industrie haben kurze Gastauftritte in Startup. Scott McNealey, CEO von Sun Microsystems, überreicht einen Preis an einen jungen Software-Programmierer, der von Yee Jee Tso gespielt wird. Tim Lindholm spielt einen Programmierer, dessen jüngste Arbeit gestohlen wird. Und Miguel de Icaza übergibt den Grace Hopper Award - ein Preis, der tatsächlich existiert - an Ryan Phillippe. Aber nicht nur die Typen der Computerindustrie sollten auf den Punkt gebracht werden. Den Filmemachern war es auch ausnehmend wichtig, das Look-and-Feel der verkabelten Welt auf dem Campus einer großen Softwarefirma des pazifischen Nordwesten einzufangen - den Stil, den Sound und die berauschende Atmosphäre, denen ein Angestellter des 21. Jahrhunderts in diesem Umfeld täglich ausgesetzt ist. "Visuell ist das eine sehr stimulierende Welt", sagt Produzent David Nicksay. "Und das wollten wir auf eine einfallsreiche und doch sehr glaubhafte Weise einfangen." Eine der größten Herausforderungen, die sich den Filmemachern stellte, war die brachiale Geschwindigkeit, mit der sich der High-Tech-Markt noch während des Drehs weiterentwickelte. Was heute noch heiß und aktuell ist, kann bereits morgen überholt und fad sein. "Es ist immer schwierig, eine andere Welt für die Leinwand zum Leben zu erwecken. Aber wenn es dann auch noch eine Welt ist, die sich mit Lichtgeschwindigkeit weiterentwickelt, dann mußs man sich richtig ranhalten", merkt der Produzent an. Für die Ausstatterin Catherine Hardwicke war es ein echtes Abenteuer, die technoide Welt von Startup zu erschaffen. "Ich wusste von Anfang an, dass ich die Gelegenheit haben würde, etwas Radikales und Ungewöhnliches auf die Beine zu stellen", erinnert sich Hardwicke. "Und Peter Howitt stärkte mir den Rücken bei diesem Vorhaben. Er hat mich nie zurückgehalten. Wir waren alle einer Meinung, dass es sich hier um die Geschichte eines Typen handelt, der alles immer noch einen Schritt weiter vorantreibt. Und das wurde auch zum übergreifenden Thema für unsere Designs." Mit dem Mantra "All You Need Is N.U.R.V." gingen Hardwicke und ihr Team an die Arbeit und entwarfen einen kompletten, durchdesignten Look für Gary Winston Firma. Sie erdachten Firmenlogos, Billboards, Produkte und natürlich das beeindruckende Anwesen des jungenhaften Firmenchefs. Nachdem sie die Arbeitsplätze einiger der wichtigsten High-Tech-Firmen, u.a. Apple und Netscape, studiert hatten, begann die Produktion mit der Suche nach dem richtigen Gebäude, in dem N.U.R.V. untergebracht sein sollte. Man entschied sich für das Chan Center, ein schlankes ovales Gebäude auf dem Campus der University of British Columbia, in dem Konzerte und Theaterstücke aufgeführt werden. Das dazu passende elyptische Innere, das nur "das Ei" genannt wurde, wurde in einer Studiohalle in Vancouver errichtet. Das Ei spiegelt sowohl die verschmitzte Firmenpolitik als auch die Freuden des Computerfreaklebens wider. Eine Küche, eine Waschmaschine, ein Wohnbereich und ein riesiges Schachbrett wurden willkürlich aufgestellt, um die Atmosphäre von Arbeit-als-Freizeit, Arbeit-als-Lebensstil zu unterstreichen. "Das Ei macht Spaß, ist verspielt, steht für visuelle Stimulation, aber es holt auch das Beste aus den Angestellten heraus" erläutert Hardwicke. Im Inneren des Eises ist die komplette Länge einer der Wände mit Surf-, Skate- und Snowboards dekoriert: Embleme für den radikalen Lebensstil eines radikalen Visionärs, während die einzelnen Arbeitsparzellen den jeweilig persönlichen Geschmack des Angestellten - von Hängematten bis Bonsaibäumen widerspiegeln. Milo ist ein großer Fan der Cartoon-Figur Alien Kitty, die speziell für den Film von dem New Yorker Künstler und Cartoonisten Floyd Hughes entworfen wurde. Jedes Möbelstück im N.U.R.V.-Zentrum sollte Stil und Coolness ausstrahlen. Das Set für das Daycare-Zentrum von N.U.R.V. baute Hardwicke ausschließlich - auch die Computermonitore! - aus Legosteinen. Eine ebenso große Herausforderung stellte der Bau des Innensets von Gary Winstons verschwenderischem und doch idiosynkratischen Küstenanwesen dar. Nach der fruchtlosen Suche nach einer echten Glas-und-Stein-Festung, das den Platz von Winstons Zuflucht einnehmen könnte, entschieden sich die Filmemacher dafür, das gesamte Äußere ausschließlich mit Computergrafiken zu generieren und dann in eine üppige Naturlandschaft zu verpflanzen. Dies wiederum inspirierte Hardwicke dazu, die Dominanz des Menschen über die Natur als Motiv für das Innere des Hauses aufzugreifen. Das Wohnzimmer beeindruckt mit einer großen Formation aus schwarzem Fels, die in das sieben Meter hohe Atrium hineinragt. Das Atrium wiederum ist angefüllt mit schwarzem Bambus und einem kleinen Teich, der von Steinen eingefasst ist. Überall finden sich japanische Einflüsse, von Zen bis Samurai, besonders an den Türen und Gemälden, sowie bei vier großen Diorama-Boxen in den Wänden von Winstons Büro, in denen winzige japanische Ahornbäume im Zustand der vier Jahreszeiten angepflanzt sind. " Tim Robbins gab mir viele Denkanstöße für das Design, weil er wollte, dass Gary an der Kunst des Krieges, dem Samurai-Ehrenkodex und der coolen japanischen Technologie interessiert sein sollte. Also sorgten wir dafür, dass sich das Thema durch das gesamte Haus zog." Jedes Möbelstück, das ans Set gebracht wurde, wurde einer gewissenhaften Betrachtung unterzogen. "Ständig fragten wir uns: Ist dieses Stück einzigartig genug? Ist es speziell genug für den reichsten Mann der Welt? Wir flogen Stücke aus der ganzen Welt ein", merkt Hardwicke an. Der Clou allerdings sind die "digitalen Gemälde": High-Tech-Flachbildschirm-Monitore, die über Sensoren wahrnehmen, wenn jemand vorbeigeht und entsprechend die Kunst, die sie zeigen, modifizieren. Hardwicke sprach auch eine Vielzahl von topmodernen Künstlern und Skulpteuren an, die Winstons Galerie-artige Kunstsammlung mit Unikaten bestücken sollten. Einer der prominentesten von ihnen war der Glasskulpteur Dale Chihuly, der einen vier Meter hohen, handgefertigten Lüster beisteuerte, der in hunderten von Schachteln aus Seattle geschickt und vor Ort wieder aufgebaut und installiert wurde. Gemälde von Peter Alexander und Astrid Preston, Glas- und Xenongas-Skulpturen von Mundy Hepburn und Skulpturen von Peter David und Richard Swanson wurden ebenfalls an prominenten Stellen platziert. Von ebenso großer Bedeutung wie die materiellen Objekte waren in startup die Bilder, die über die Computerbildschirme flimmerten, wo Geheimnisse ausgetauscht und Codes gejagt werden. David Nicksay erklärt: "Der Computer selbst ist wirklich eine Figur oder Location in diesem Film. Was also auf deren Bildschirmen passiert, gehört unmittelbar zur Geschichte. Wir wollten eine Art Grafikballett, eine Art ständiger Kulisse für die dramatische Spannung, die sich an anderer Stelle der Szene abspielt. Es war die Aufgabe von Liz Radley, die Softwarebilder auf den Computerbildschirmen zu entwerfen und umzusetzen. Sie ist die Video- und Computergrafik-Betreuerin der Produktion und hat schon an Filmen wie Men in Black, "Auf der Flucht" (1993) und Batman Forever gearbeitet. "Ein Großteil der Action in startup spielt sich in Videofenstern auf einem Bildschirm ab. Ständig beschatten sich die Leute gegenseitig und bestehlen einander direkt via Computer. Und das wollten wir visuell herausarbeiten", sagt Radley. "Außerdem wollten wir unterstreichen, dass N.U.R.V. ein Ort ist, an dem Geld keine Rolle spielt. Deshalb mußsten die Bilder sehr fortschrittlich sein." Radley entdeckte sogar einen echten Computercode, den sie für den Film einsetzte. "Natürlich ist es nicht der tatsächliche SYNAPSE-Code, aber es ist auch nicht einfach nur Gekrixel. Was man da sieht, ist ein voll funktioneller Code", meint sie. Die technische Genauigkeit dient letztlich nur dazu, eines der größeren Themen von startup zu unterstreichen. Das Ziel aller Beteiligten war es, mit ihren Anstrengungen dazu beizutragen, dass der Film ein emotional mitreißendes, spannendes Erlebnis werden würde, an dessen Ende es eine Frage zu beantworten gilt, wie Peter Howitt unterstreicht: "Es ist ein packender Ritt, aber das Publikum wird nicht umhin kommen, sich die Frage zu stellen: Wie weit kann man gehen? Wie viel Macht darf ein einzelner Mensch besitzen? Viele von uns müssen sich ihrem eigenen Gary Winston stellen. Vielleicht können wir aus Milos Geschichte lernen." Über Digitale Konvergenz Im Herzen von startup steckt das mit allen Mitteln ausgefochtene Rennen, wem es als erstem gelingen wird, die Technologie für digitale Konvergenz zu entwickeln. Aber was genau ist dieser Heilige Gral der High-Tech-Community? Und warum setzen so viele mächtige Firmen mit Unmengen an Geld auf ihre Umsetzung?Digitale Konvergenz bezieht sich auf eine Zukunft, in der all unsere elektronischen Kommunikationsgeräte - Fernsehen, Internet, Radio und Telefon - über einen supermächtigen Server gesteuert werden. Futuristische Filme und selbst Popkultur-Cartoons wie "The Jetsons" deuten seit Jahrzehnten auf solch eine Zukunft hin. Und jetzt steht dieses einstmals völlig fantastische Konzept nur noch sehr, sehr kurz davor, umgesetzt werden zu können. Die Welten der Telekommunikation, der Übertragung, der Computer und des Fernsehens werden weiter und weiter verlinkt. Schon jetzt wird unser Leben von digitalen Geräten beherrscht. Vor kurzem erlebten wir die Geburtsstunde des digitalen Fernsehens und Telefons - die letzten Hürden! Wenn diese Technologie digitale Downloads in hoher Geschwindigkeit zulässt, wird es möglich sein, Filme, Platten, Bücher und Videospiele mit Hilfe eines einzigen Kommunikationsgerätes zu erstehen. Schon jetzt genießen zwölf Millionen Europäer die Vorzüge des interaktiven Fernsehens, indem sie Filme downloaden und auf ihren Bildschirmen Videospiele spielen können. Aber die noch bestehenden technologischen Hindernisse, die richtiger digitaler Konvergenz im Weg stehen, erweisen sich als nicht einfach zu beseitigen. Die Firma, der es schließlich gelingt, kann sich sicher sein, eine Macht im neuen Jahrhundert zu sein. Damit stellen sich aber auch zahlreiche Fragen, wer diese Technologie besitzen sollte und wie viel Kontrolle die Nutzer über diese Technologie haben sollten. Obwohl diese Fragen noch nicht beantwortet sind, warnt startup schon einmal eindringlich vor den Gefahren, die sich in der schönen, neuen Welt ergeben werden. |
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