Deep In The Woods - Allein mit der Angst

Produktionsnotizen

Regisseur Lionel Delplanque über seinen Film Zum Thema Horrorfilm in Frankreich Bislang gab es bei uns in Frankreich so etwas wie Horrorfilme allenfalls im Fernsehen. Für Deep In The Woods - Allein mit der Angst hat man dagegen genügend Mittel bereitgestellt, damit daraus ein Kinofilm entstehen konnte. Seit den Filmen der Nouvelle Vage, also mindestens seit vierzig Jahren grenzt es in Frankreich an Häresie, phantastische, nicht-realistische Filme zu machen; man setzt sich mit solchen Filmen dem Verdacht aus, das Publikum manipulieren zu wollen.

Auf Filmfestivals wird man gefragt: "Was willst Du mit diesem Film sagen?" "Inwiefern lässt er sich auf unsere Realität beziehen?" Aber warum sollte das Kino nicht auch genauso gut dazu dienen, das Publikum mitzureißen, es bei seinen Ängsten zu packen. Zur Wahl des Märchens von "Rotkäppchen" "Rotkäppchen" ist, was seine symbolische Kraft, seine Bildhaftigkeit angeht, eines der ausdrucksvollsten, stärksten Märchen überhaupt. Zudem kenne ich nicht sehr viele Leute, die nachts gerne allein im Wald spazieren gehen. Zu seinen Vorbildern Meine Bezugspunkte sind vor allem das phantastische Universum eines Tim Burton oder auch eines Terry Gilliam. Das heißt: nicht das wahre Leben, sondern eine künstliche, konstruierte Welt, die uns an fremde Orte führt. Das ist der Grund, warum mein Film zum einen mit den Codes des Genres Horrorfilms spielt und zum anderen eine fast magische Dimension besitzt. Über seine Produktionsbedingungen Meine Kurzfilme waren für mich eine wichtige und prägende Schule. Sie waren eine gute Lehre, was die praktischen und materiellen Dinge angeht, das heißt, mit sehr wenig Geld zurechtzukommen. Für Deep In The Woods - Allein mit der Angst hatten wir 20 Millionen Francs zur Verfügung.

Damit bewegen wir uns, was französische Produktionen allgemein angeht, im Mittelfeld. Für einen Erstlingsfilm ist das viel, für einen phantastischen Film allerdings eher wenig. Von daher mußsten wir, was die Gagen betrifft, uns sehr bescheiden geben, denn der Film selbst, mit allen seinen Effekten, hat enorm viel Geld verschlungen.

Über die Dreharbeiten Wir haben uns eine Woche vorher in dem Schloss eingefunden, um zu proben, denn ich wollte, dass die Schauspieler sich während der Dreharbeiten relativ schnell in eine Szene einfinden können, und ich wollte mich mit den technischen Bedingungen vertraut machen. Während der Dreharbeiten haben wir uns dann nach und nach in eine Art Paranoia hineingesteigert.

In den ersten Tagen fühlten wir uns noch ein bisschen wie bei James Bond, während wir vom Hubschrauber aus die Anfahrt zum Schloss gefilmt haben. Nach und nach wurde die Atmosphäre dann immer unheimlicher. Mal viel ein Scheinwerfer plötzlich von selbst um, mal ging die Nagelpistole ganz von selbst los, bis wir uns schließlich sagten: "Hier gehen seltsame Dinge vor." Während dieser siebeneinhalb Wochen lebte unsere Truppe relativ abgekapselt auf diesem Schloss und durchlebte so eine Art Psychodrama.

Zur Auswahl der Schauspieler Denis Lavant und François Berléand entsprachen exakt dem, was ich mir vorgestellt hatte. Und Marie Trintignant drängte sich mir wegen ihrer zarten Stimme ganz von selbst auf, um am Anfang in das Märchen einzuführen. Die fünf jungen Darsteller wurden im Laufe von sich über insgesamt sechs Monate erstreckenden Vorsprechen und Proben ausgewählt. Die Wahl von Thibault Truffert für die Rolle des Nicolas stand von vornherein fest.

Er hatte schon in Opus 66, einem meiner Kurzfilme, mitgespielt, wo er die Rolle eines kindlichen Serienkillers verkörperte. Er ist ein ganz erstaunlicher Junge. Während des Drehs zu diesem Kurzfilm mußste er ein Messer ablecken, das von Blut nur so triefte. Ich habe ihm umständlich das Drumherum der Szene erklärt und gesagt: "Es ist einfach wichtig, dass du an dieser Stelle lächelst, etc." Da hat er mich ganz direkt angeschaut und gemeint: "Kurz gesagt: Es soll so aussehen, als würde es mir Spaß machen." Darauf konnte ich dann nur noch verschämt mit: "Ja Action" antworten.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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