Produktionsnotizen zu The Mexican

Die Dinge sind selten so, wie sie zunächst erscheinen. Damit lässt sich J.H. Wymans Drehbuch zu The Mexican vermutlich am besten auf den Punkt bringen. Es geht um den sympathischen Tölpel Jerry, der für einen Gangsterboss, dem er noch etwas schuldig ist, einen letzten Job erledigen soll, und seine Freundin Samantha, für die genau dieser letzte Job das Fass zum Überlaufen bringt: Sie verlässt Jerry und macht sich auf eigene Faust auf den Weg nach Las Vegas. Im Verlauf der Geschichte schickt Wyman seine beiden Helden auf zwei separate und doch untrennbar miteinander verbundene Reisen, die voller unvorhersehbarer Überraschungen stecken. "Nie passiert das, was man erwartet", erklärt Wyman.


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Die überraschenden Wendungen der Handlung waren es auch, die den Produzenten John Baldecchi auf The Mexican aufmerksam werden ließen. "Das ist ganz schön raffiniert. Auf einer Ebene ist es ein ausgelassener Schwank, aber wenn man sich intensiver damit beschäftigt, stellt sich heraus, dass sich dahinter ziemlich viel abspielt", merkt Baldecchi an.

"Die Geschichte gabelt sich in zwei Richtungen. Die beiden Hauptfiguren beginnen den Film gemeinsam, und sie beenden ihn gemeinsam, aber es sind die Entwicklungen, die sie dazwischen getrennt voneinander durchmachen, die beide Geschichten so spannend machen. Man könnte sagen, es geht um zwei Wettrennen, die ihre jeweiligen Hindernisse und Hürden haben – völlig voneinander getrennt und doch miteinander verbunden." Baldecchi zeigte das Drehbuch seinem Produzentenpartner Lawrence Bender, der sich noch genau erinnert: "Ich habe es gelesen und sofort gedacht, dass daraus einer dieser Filme entstehen könnte, wie es sie nur sehr selten gibt. Das Skript hat einen verzwickten Plot mit einem Arsenal interessanter Figuren, die allesamt mit Beziehungsproblemen zu kämpfen haben. Es ist ganz einfach eine smarte, pfiffige, zeitgemäße Komödie."

Die Produzenten machten sich auf die Suche nach einem Regisseur, der über das nötige Gespür für die Geschichte und die Figuren verfügen, gleichzeitig aber auch einen ganz eigenen visuellen Stil mitbringen sollte. Mit Gore Verbinski, der mit seinem Debüt Mäusejagd auf sich aufmerksam gemacht hatte, fanden sie den richtigen Mann für die Aufgabe. Die parallelen Geschichten waren es, die The Mexican für Gore Verbinski so interessant machten: "Mir gefielen die ineinander greifenden Geschichten von Jerry und Samantha und all den komplizierten Figuren, die ihren Weg kreuzen. Die Locations in Mexiko und Las Vegas fand ich aufregend. Ich wusste einfach, dass ich mich mit dem Look, den Farben und der Atmosphäre austoben könnte. Das gilt besonders für die Rückblicke, in der wir die Widersprüchlichen Legenden über die mit einem Fluch belegte Pistole, die dem Film seinen Namen gibt, ausbreiten. Im Kern ist The Mexican eine romantische Komödie – wie Sam Peckinpah sie wohl erzählt hätte."

Anfänglich stellten sich die Filmemacher das Projekt als bescheidenen Film mit relativ unbekannten Schauspielern in den Hauptrollen vor. Diese Idee wurde verworfen, als zwei der populärsten und erfolgreichsten Schauspieler der Gegenwart Interesse an The Mexican zu zeigen begannen. Brad Pitt gab seine Zusage für die Rolle des Jerry Welbach, während Julia Roberts den Part der Samantha Barzel übernahm.

Die Paarung war eine glückliche Fügung für beide Stars, die im Lauf der Jahre bereits mehrfach den Wunsch geäußert hatten, gemeinsam in einem Film vor der Kamera zu stehen. "Immer, wenn wir uns begegneten, flirteten wir mit dieser Idee, aber es hat nie geklappt. Jetzt ergab sich diese Gelegenheit wie aus dem Nichts, und es hat einfach gepasst", meint Brad Pitt. "Die Chemie stimmte."

"Ich kenne Brad seit langer Zeit", erzählt Julia Roberts. "Einige Male hätte es fast geklappt, dass wir zusammen spielen. Als sich The Mexican ergab, waren wir ziemlich aufgeregt. Wir genießen die Gegenwart des anderen, also konnten wir vom ersten Tag ein Optimum aus der limitierten Zeit herausholen, die wir gemeinsam vor der Kamera verbrachten. Wir haben uns eine komplette Historie für unsere beiden Figuren ausgedacht und konnten so ein paar interessante Ansätze herausarbeiten, die rüberbringen, dass sich diese Beiden außergewöhnlich gut kennen und schon einiges miteinander durchgemacht haben."

Brad Pitt erzählt über Jerry: "Er ist nicht gerade das, was man als cool bezeichnen würde. Er ist ein ganz normaler Typ, dem seine Situation über den Kopf wächst. Er ringt damit, in seinem professionellen und seinem privaten Leben die richtige Sache zu tun, aber bei dem dafür erforderlichen Drahtseilakt kommt er immer wieder ins Stolpern. Fairness bedeutet ihm alles. Und seine Suche nach Fairness in einer durch und durch unfairen Welt empfand ich als ungeheuer witzig und unterhaltsam."

"Jerry ist ein liebenswerter Verlierer, der im Verlauf einer Reihe von Ereignissen so etwas wie ein Held wider Willen wird", berichtet Verbinski. "Wir haben Brad in so vielen Filmen als coolen Kerl erlebt, und hier hat er die Gelegenheit, einen Tollpatsch zu spielen. Es war super, dass Brad mehr als bereit war, diesen Aspekt der Figur auszuprobieren." "Die Darstellung Jerrys ist nur mit einem ausgeprägten komischen Timing möglich – und wir wussten, dass Brad dieses Talent besitzt", fügt Produzent Baldecchi hinzu. "Gleichzeitig erfüllte er die Figur mit einem entwaffnenden Charme. Das war sehr wichtig, denn Jerry mußs vom Publikum gemocht werden. Man mußs diesem Typen durch Dick und Dünn folgen wollen. Brad hat dieses gewisse Etwas, dass man auf der Stelle bereit ist, ihm überall hin zu folgen."

Eine Ausnahme gibt es von dieser Regel – zumindest im Fall von Jerry – und das ist Samantha, die längst genug von den Eskapaden ihres Boyfriends hat. Julia Roberts erläutert: "Die vergangenen fünf Jahre war Jerry der willfährige Botenjunge für ein paar Mafia-Jungs. Zu Beginn des Films erlebt Samantha die glücklichste Zeit ihres Lebens, weil sie glaubt, dass es Jerry endlich gelungen ist, den Gangstern den Rücken zuzukehren. Als sie herausfindet, dass er noch einen letzten Job für sie erledigen mußs, ist das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt."

"Sam ist sich absolut klar darüber, was sie sich vom Leben erwartet – und sie liegt völlig falsch damit", sagt Gore Verbinski. "Sam ist der Typ, der dir ständig erklärt, was mit deiner Beziehung nicht in Ordnung ist, aber nicht erkennt, was in ihrer eigenen Beziehung verkehrt läuft. Im Lauf der Handlung durchläuft sie einige bemerkenswerte emotionale Veränderungen, und dafür gibt es keine bessere Schauspielerin als Julia Roberts."

Roberts gibt das Lob direkt an ihren Regisseur zurück: "Bei meinem ersten Treffen mit Gore habe ich ihn gefragt, worum es seiner Ansicht nach in dem Film geht. Er erzählte mir eine unglaublich romantische Geschichte, die mir sehr nahe ging. Und von da an beeindruckte er mich jeden Tag. Er ist sehr genau, es ist absolut unmöglich misszuverstehen, was er von einem will. Das ist ein großer Luxus. Ihm ist die Gruppenarbeit enorm wichtig. Noch nie habe ich Menschen am Set mit so großer Freude Überstunden machen sehen. Das war fantastisch. Nach Arbeitsende blieben wir immer noch zusammen und verbrachten unsere Zeit miteinander. Ich glaube, ich habe während des gesamten Drehs nie richtig geschlafen, sondern bestenfalls mal ein Nickerchen gemacht."

Zu Roberts' Enthusiasmus trug zudem bei, dass sie eine Seelenverwandtschaft mit Samantha verspürte: "Ich mag Samantha sehr gerne. Ich halte sie für liebenswert und sehr amüsant. Sie hat große Lust am Abenteuer, obwohl sie auch sehr merkwürdig sein kann, mit ihrem ewigen Psychogequatsche, an das sie selbst unbedingt glaubt.Ich würde sagen, sie liebt Jerry sehr. Es fällt ihr also nicht leicht, sich allein auf den Weg nach Las Vegas zu machen. Für sie ist das ein gewaltiger Schritt."

Allein bleibt Samantha bei ihrer Reise nach Vegas jedenfalls nicht lange. Unterwegs wird sie von einem Killer namens Leroy als Geisel genommen, der sie als Druckmittel einsetzen will, um sicherzugehen, dass Jerry mit der antiken Pistole aus Mexiko zurückkehrt. James Gandolfini übernahm die Rolle des Hitman. Auf den ersten Blick mag es nicht überraschend sein, dass der Star der Serie "The Sopranos" diesen Part spielt, aber dieser Leroy hat einige Charakterseiten, die das Publikum überraschen werden. Produzent Lawrence Bender führt aus: "Für James war die Rolle des Leroy eine wunderbare Gelegenheit, einen knallharten Killer zu spielen, der aber auch von vergleichbaren Beziehungsproblemen geplagt wird wie Samantha. Es dauert nicht lange, dann sitzen die beiden zusammen und beklagen sich gegenseitig über ihr Los."

Neben der Geschichte waren es die ungewöhnlichen Figuren, die Gandolfinis Interesse weckten. Er erzählt: "Bei den meisten Drehbüchern weiß man nach der Hälfte bereits genau, was danach alles kommen wird. The Mexican ist anders. Ich hatte keinen blassen Schimmer, was mich noch alles erwarten würde. Ich habe ständig gerätselt, und das war es, was mir gefiel." "Besonders Leroy fand ich sehr spannend, weil es gar nicht so leicht ist, bei ihm durchzusteigen", fährt Gandolfini fort. "Er ist ein Auftragskiller. Er macht den Job seit Jahren, also ist er sehr einsam und misstrauisch. Das ändert sich schlagartig, als er den Auftrag erhält, ein Mädchen zu kidnappen, damit ihr Freund gar nicht anders kann, als sich bei seiner Mission anzustrengen und zurückzukehren. Leroy ist also gezwungen, seine ganze Zeit mit diesem Mädchen zu verbringen, das explosiv wie Dynamit ist und ihn aus seiner Reserve lockt."

Die Kombination von James Gandolfini und Julia Roberts entpuppte sich in der Tat als hochexplosiv, wie der Regisseur zu seiner großen Freude feststellen durfte: "Sie ergänzen sich wunderbar. Die Chemie zwischen den beiden Figuren bestand bereits im Drehbuch, aber vor der Kamera wurde etwas ganz besonderes daraus. Er ist ein stiller Typ und sie unglaublich vital. Sie sind ein wunderbares Duo." Gandolfini meint: "Als ich das Drehbuch las, erkannte ich, dass die Figuren von Brad und Julia ausgesprochen emotional sind. Um Balance in unser Dreieck zu bringen, entschied ich mich, meine Rolle etwas ruhiger, als Fels in der Brandung anzulegen. Es wäre zuviel gewesen, wenn alle ununterbrochen immer am Rande des Nervenzusammenbruchs gewesen wären."

Außerhalb des Dreiecks Jerry, Sam und Leroy gibt es noch ein ganzes Arsenal bemerkenswerter Figuren, die alle auf die eine oder andere Weise an dem Schicksal der antiken Pistole, die man "Mexican" nennt, interessiert sind. Der dann, der Jerry nach Mexiko schickt, um die Waffe abzuholen, ist Bernie Nayman, die rechte Hand des Gangsterbosses Arnold Margolese, der gegenwärtig im Gefängnis sitzt. Bob Balaban, der Nayman spielt, sagt: "Nayman ist ein Buchhaltertyp. Er redet sehr leise, aber man darf sich nicht täuschen lassen: Er ist brandgefährlich; man erkennt es nur nicht sofort."

Eine undurchschaubare Position nimmt Jerrys bester Freund und Vertrauter, Ted, ein. Er wird von J.K. Simmons gespielt. "Ich bin eine Art Mentor für Jerry", erklärt Simmons. "Keiner von uns ist ein abgebrühter, harter Bösewicht. Jerry ist ein Kid, das aus Unachtsamkeit in die ganze Situation gestolpert ist. Ich habe ihn unter meine Fittiche genommen und setze alles daran, dass er in einem Stück aus der Geschichte herauskommt."

Zum Ensemble gehören außerdem: David Krumholtz als Beck, der Enkel von Arnold Margolese, der Jerry als erster von dem legendären Fluch der Pistole erzählt; Richard Coca als Autodieb, der nur zufällig in die Geschichte hineingezogen zu werden scheint, tatsächlich aber eine ganz eigene Beziehung zu "Mexican" hat; Sherman Augustus als geheimnisvolle Figur, die als "Gutgekleideter Schwarzer Mann" gezeichnet wird; und Michael Cerveris als Frank, der das Pech hat, sich mit Leroy und Sam anzufreunden, was ihn zur falschen Zeit am falschen Ort sein lässt. Jerrys Jagd nach der legendären Pistole führt ihn in das Hinterland von Mexiko. Um seine Abenteuer so authentisch wie möglich verfilmen zu können, ließ sich die Produktion in der historischen Stadt Real de Catorce in San Luis Potosi im nördlich-zentralen Hochland von Mexiko nieder.

Eingebettet in benachbarte Berge, lässt sich das in einer Höhe von 2500 Metern gelegene Dorf nur mittels einer 35 Kilometer langen Kopfsteinpflasterstraße erreichen, die in den 3,5 Kilometer langen Ogarrio Tunnel mündet: ein enger, einspuriger, ehemaliger Minenschacht, der in die Stadt führt. "Es ist der einzige Weg in die Stadt und wurde vor mehr als einem Jahrhundert in den Stein geschnitten", berichtet Brad Pitt. "Man fährt auf eine Bergesanhöhe und landet bei diesem Tunnel, dessen Ende man nicht sehen kann, weil er auf dem Weg mehrere Biegungen macht. Wenn man schließlich am anderen Ende ankommt, sieht man ein ovales Becken, das von Bergen eingefasst ist. Es ist ein Ort voller Magie, in dem die Zeit stillgestanden zu sein scheint."

Bevor man sich für Real de Catorce als Drehort entschied, mußsten die Filmemacher zahlreiche Hindernisse gegen die Vorteile der Minenstadt abwägen. Es bestand keine Frage, dass die beschränkten natürlichen und städtischen Ressourcen, die ungünstige geographische Lage, der Mangel an Wasser und die geringe Anzahl an Unterringungsmöglichkeiten ernsthafte Hürden darstellten. Gleichzeitig konnte man auf die Unterstützung der Regierung, die Begeisterung der Einwohner und die atemberaubende Schönheit der Gebäude bauen. Am Ende behielten Schönheit und Charme die Oberhand. Mit dem Rest mußste man leben.

Zwei Monate vor Drehbeginn reiste ein Team von Technikern und Elektrikern an, um die Infrastruktur der Stadt aufzupeppen und den Bedürfnissen einer Filmproduktion entsprechend zu modernisieren. Die Installationen, die elektrischen Leitungen und die Telekommunikationssysteme wurden rundum erneuert – ein Umstand, der den Einwohnern der Stadt sowie dem Tourismus auch noch in den kommenden Jahren zugute kommen wird. Ein Heliport wurde in der Stadt errichtet, ein Mobiltelefon-Service installiert, und alle Hotels der Stadt wurden von Grund auf renoviert, damit die Filmcrew dort alle gewünschten Annehmlichkeiten vorfinden konnte. Und schließlich wurden die elektrischen Leitungen und Lichtquellen in dem berühmten Ogarrio Tunnel modernisiert, um den einzigen Zugang zur Stadt für alle Beteiligten sicherer zu machen.

"Wir suchten nach einem Ort, den man noch in keinem Film gesehen hat", erklärt John Baldecchi. "Es war gewiss nicht einfach, überhaupt an den Drehort zu kommen, und es bedurfte einiger Arbeit, ihn drehbereit zu machen, aber der Aufwand hat sich gelohnt. Die Schönheit ist einfach unbeschreiblich. Es war uns gar nicht möglich, alles auf Zelluloid zu bannen." "Der Dreh in Real de Catorce war eine grundlegende Erfahrung", stimmt Gore Verbinski zu. "Wir hatten viel Spaß, und die Menschen waren unglaublich nett. Ich würde sofort wieder hinfahren, um dort einen Film zu drehen."

Viele der Ortseinwohner fanden sich unvermittelt inmitten des Filmgeschäfts wieder. Einige arbeiteten hinter den Kulissen mit der Crew, andere wurden als Statisten eingesetzt. Manche erhielten sogar kleine Sprechrollen. Tatsächlich wurde die Rolle des Edelmannes in den Rückblenden von Humberto Fernando Tristan gespielt. Er ist einer der meist angesehenen Bürger von Real de Catorce, ohne den es gänzlich unmöglich gewesen wäre, die Herausforderungen beim Dreh in der Stadt zu bewältigen. Man sieht den Edelmann in Rückblenden, die nahtlos in die zeitgemäße Handlung eingewoben werden. In ihnen wird die Legende der Pistole erzählt, die dem Film seinen Namen gibt.

Aus immer wieder neuen Perspektiven wird die Geschichte aus dem 19. Jahrhundert erzählt, und jede trägt ein neues Element zum Mythos des Fluchs der Pistole bei. Die Szenen wurden an einem Ort gedreht, der vom Produktionsteam "Flashback Town" getauft wurde. Die Kulissen wurden von der in Peru geborenen Ausstatterin Cecilia Montiel entworfen, die sich bestens mit der Architektur dieser Ära auskennt und bereits die Bauten für Die Maske des Zorro entworfen hatte. "Flashback Town" wurde auf einem Fußballplatz am Stadtrand, etwa 800 Meter vom Zentrum von Real de Catorce, errichtet.

Mehr als 120 Menschen arbeiteten sechs Wochen an diesem Set, dessen Strukturen ausschließlich aus Fassaden bestanden. Sie alle sehen aus wie mit Gips bedeckter Stein und wurden nach dem Vorbild der Gebäude von Real de Catorce ausgestattet. Gore Verbinski arbeitete eng mit seinem Kameramann Dariusz Wolski zusammen, um den Rückblenden einen alten, verkratzten Look zu verleihen. Zwei modifizierte handbetriebene Arriflex-Kameras kamen zum Einsatz. Somit konnte man selbst die Geschwindigkeit bestimmen, mit der der Film durch die Kamera läuft. Der Handbetrieb resultierte in einer unsteten Geschwindigkeit, so dass mal mehr, mal weniger als 24 Bilder pro Sekunde belichtet wurden. Nach dem Dreh wurde der Film mit einem Prozess bearbeitet, den man "Bleach Bypassing" nennt und mit dem die Kontraste der Farben extrem verstärkt wurden.

Die Rückblenden sollten möglichst farblos gehalten werden, aber bei den zeitgemäßen Szenen arbeitete Cecilia Montiel in ihre Mexiko-Designs Türkis-, Aquagrün- und Ockertöne ein. Wesentlich satter war die Farbpalette bei den Szenen in Las Vegas und anderen Locations in der Umgebung, in der sich die Handlung zwischen Julia Roberts und James Gandolfini abspielt. Montiel merkt an, dass die unterschiedlichen Farbpaletten wichtig sind bei der Unterscheidung zwischen Schauplätzen in Mexiko und Las Vegas.

"Während des gesamten Films springen wir zwischen Mexiko und Las Vegas hin und her", erzählt sie. "Mexiko wurde also fast monochrom gestaltet, während Las Vegas all die farbenfrohen Cafés und Restaurants, Lounges, Einkaufsstraßen und natürlich den Vegas Strip vorweist. Wo man sich gerade befindet, sollte allein an der Farbgebung unmissverständlich erkennbar sein."

Beim Entwurf der Garderoben für Brad Pitt und Julia Roberts richtete Kostümdesignerin Colleen Atwood ihr Augenmerk auf einen Designkontrast, mit dem sie den verschiedenen Persönlichkeiten der beiden Hauptfiguren entsprechen wollte. Für Brad Pitt wählte sie einen minimalistischen Ansatz, denn sie findet: "Jerry kümmert sich nicht um Klamotten. Samantha dagegen will mehr vom Leben, und das spiegelt sich in der Wahl ihrer Garderobe wieder. Sie hat mehr Vielfalt in ihrem Look, und sie trägt entweder simples Schwarz und Weiß oder starke, miteinander kombinierte Farben."

Eines der wichtigsten Designelemente des Films war die "Mexican" selbst. "Das Aussehen der Pistole war wichtig, weil sie fast so etwas wie eine Figur im Film ist", erörtert Gore Verbinski. "Ich wollte, dass sie einzigartig aussieht, mit einer Kammer in Form eines Herzens – eine Aufgabe, die sich nicht so einfach lösen ließ. Ich stellte sie mir als eine Art Schmuckkiste vor. Man sollte das Gefühl haben, dass man sie aufziehen kann und sie dann eine Melodie spielt. Gleichzeitig durfte man nie vergessen, dass man mit der "Mexican" auch Menschen töten kann."

Die Pistole wurde von Neotek, Inc. nach dem Vorbild originaler Designs aus dem Geschichtsmuseum von Mexiko sowie Skizzen und Designkonzepten von Verbinski gebaut. Neben der herzförmigen Kammer erdachte der Regisseur die Schlange, die sich, einen Apfel essend, um die Waffe schlängelt, und, am Hammer, den Mann, der eine Frau in Armen hält. Es sollte unmissverständlich sein, dass es sich um die Waffe Liebender handelt. Verbinski denkt nach: "Mein Konzept für die Pistole war einfach: Es lohnt sich, um seine Liebe zu kämpfen." "Die Rückblenden, in denen wir die Geschichte der Pistole lernen, bilden das Herzstück des Films", sagt Produzent Lawrence Bender. "In ihnen wird das Filmthema simpel auf den Punkt gebracht: Für die wahre Liebe mußs man bereit sein, alles aufs Spiel zu setzen."

Und John Baldecchi fügt hinzu: "Gleichzeitig stellen wir die Frage: Wann gibt man auf, wenn man jemanden liebt? Die Antwort ist einfach: Niemals."

© Fotos: Helkon © 1994 - 2009 Dirk Jasper