Produktionsnotizen zu Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück

1. Vom Buch auf die Leinwand

Mit der Erschaffung von "Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück" traf Helen Fielding einen kulturellen Nerv. Frauen in aller Welt lasen das Buch und dachten, ‚das bin ich'. Genau wie Bridget kämpften auch sie mit dem Widerspruch, dass sie trotz guter Karrieren, finanzieller Unabhängigkeit und größerer Wahlmöglichkeiten denn je, noch immer vor denselben Problemen standen, was das Finden eines Lebenspartners und der wahren Liebe angeht.


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Jeder, der jemals in einer schlechten Partnerschaft gesteckt hat, sich glaubt für seine Eltern schämen zu müssen, wer wiederholt zu erfolglosen Diäten angesetzt hat oder einfach nur einen Tag mit schlecht sitzender Frisur ertragen mußste, konnte sich in Bridgets Dilemma hineinversetzen. Wie Helen es sagt: "Ein bisschen etwas von einem selbst mußs in einer Figur sein, wenn man fähig ist, sie zu erschaffen. Aber die Wahrheit ist, das kleine Bisschen ist auch in jeder Menge anderer Frauen."

"Es ist eine universell anerkannte Wahrheit, dass in dem Moment, in dem ein Teil unseres Lebens anständig verläuft, ein anderer sich zum totalen Desaster entwickeln wird."

Großbritanniens führende Produktionsfirma Working Title Films erwarb die Rechte für "Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück" 1997. Die Produzenten Tim Bevan und Eric Fellner erkannten das Potenzial, obwohl das Buch zu diesem Zeitpunkt noch nicht der Riesenbestseller war, der er kurz darauf werden sollte.

Während der Entwicklung des Projektes explodierten die Verkaufszahlen des Romans, der in 30 Ländern veröffentlicht wurde und sich über vier Millionen Mal verkaufte, davon allein 1,5 Mio. mal in Großbritannien. Jetzt kannte und liebte die ganze Welt Bridget. Helen erklärt: "Nicht nur ich, jeder, der damit zu tun hatte, war von Bridgets Erfolg überrascht. Es geschah sehr langsam. Am Anfang dachte niemand, dass die Kolumne Überlebenschancen haben würde. Dann bekam der "Independent" schmeichelnde Leserbriefe, und zu diesem Zeitpunkt sagte ich - ausgestattet mit der Tiefe einer Wasserlache - sofort‚ hey, das bin ich, ich! Ich habe das geschrieben! Ich ich ich!'.

Eigentlich schrieb ich die Kolumne, um meinen zweiten Roman zu finanzieren, ein ernsthaftes Traktat über die kulturellen Unterschiede in der Karibik. Neun Monate nachdem ich mit der Kolumne begonnen hatte, traf ich mich mit meiner Redakteurin zum Essen beim Verlag und jammerte, wie langweilig der Roman war. Sie sagte: ‚Warum schreibst Du statt dessen nicht über Bridget?'. Ich sagte ‚oh, ok' und das war's. Als das Buch als Hardcover herauskam, verkaufte es sich ganz gut, aber es kam nicht auf die Bestsellerlisten. Erst als das Taschenbuch erschien, erreichte es Platz 1 und blieb dort unerklärlicherweise ganze sechs Monate. Ich habe noch immer ein Zertifikat von WHSmith an der Wand, in dem sie mir dazu gratulieren, dass ich sie alle wirklich schlecht aussehen ließ mit ihren Vorhersagen für die Verkaufszahlen."

Die Filmemacher waren sich nur zu gut der Tatsache bewusst, dass die ganze Welt Bridget kannte und liebte, und eine Verfilmung ihres Tagebuches somit zu einer echten Herausforderung werden würde. "Es war entscheidend, dass Bridgets Charakter so nah am Buch sein mußste wie irgend möglich", kommentiert dies Produzent Eric Fellner. "Wir mußsten sicherstellen, dass der Film die Integrität und Anziehungskraft der Figur, die Millionen von Lesern gelesen und lieben gelernt hatten, erhalten würde."

Und Produzent Jonathan Cavendish - den Tim Bevan und Eric Fellner für das Projekt mit an Bord holten - fügt hinzu: "Dieses Buch hat eine riesige Anhängerschaft. Und weil es in der heutigen Zeit spielt, hat jeder sehr genaue Vorstellungen davon, wie das alles aussehen sollte. Da mußs man schon sehr vorsichtig sein, das genau hinzubekommen". Dies bedeutete auch, dass man Bridgets Art der Sprache beibehalten mußste und damit auch das ihr eigene Vokabular mitsamt solchen neuartigen Kreationen wie "selbstgefällige Ehepaare" und "überzeugte Singles".

"Das Einzige, was schlimmer ist als ein selbstgefälliges Ehepaar sind viele selbstgefällig Ehepaare."

Die Adaption stellt außerdem auch eine technische Herausforderung dar. Im Buch sind Bridgets Gedanken - die in den Tagebucheinträgen beschrieben werden - eine ständige Präsenz, die man in einem Film nicht auf dieselbe Art und Weise rüberbringen kann. Während sie also die Grundstruktur und den Inhalt des Buches beibehalten wollten, mußsten die Schreiber sich entsprechend komische Situationen ausdenken, die die Atmosphäre und den Geist des Buches vermitteln und Bridgets Ängste verdeutlichen konnten. Um eine erfolgreiche Umsetzung vom Buch auf die Leinwand zu garantieren, baten die Produzenten den erfahrenen Autor Andrew Davies zur Zusammenarbeit mit Helen Fielding. Als Drehbuchschreiber der hochgelobten Fernsehadaption von "Stolz und Vorurteil" schien Andrew eine logische Wahl.

Helen Fielding erklärt: "Bevor die Produktion losging, habe ich eine Menge Zeit mit Entwürfen verbracht und habe mich auch danach noch eingebracht, wenn ich darum gebeten wurde. Im Film finden sich eine ganze Menge meiner Sätze und Witze aus dem Buch und den verschiedenen Entwürfen. Aber ein Drehbuch zu schreiben ist eine ganz andere Sache als einen Roman - sehr viel anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Ein Roman ist ein Endprodukt, wohingegen ein Drehbuch als solches das Publikum nie erreicht - es ist eher als eine Art Landkarte zu verstehen. In einem Drehbuch mußs jeder Satz unglaublich harte Arbeit leisten. Man hat ja schließlich nur 90 Minuten, um den Zuschauern die Geschichte nahezubringen.

Auch Richard Curtis brachte seine Erfahrungen in die Drehbuchumsetzung ein. Richard ist seit langem ein Freund von Helen und mochte das Material sehr. Dazu sagt Helen: "Richard Curtis kann hervorragend romantische, komische Geschichten für die Leinwand erzählen. Ich habe eine Menge von ihm gelernt." Und Jonathan Cavendish sagt: "Niemand in Großbritannien kann einen Witz besser visualisieren als Richard Curtis."

2. Auf der Suche nach dem richtigen Regisseur

Um sicherzustellen, dass das Buch seine Integrität behielt, engagierten die Filmemacher die Regisseurin Sharon Maguire. Sharon, eine anerkannte Dokumentarfilmerin, war eine der "Vorlagen" für Bridgets Freundinnen Shazza und Jude. Sie hatte, sagt Produzent Jonathan Cavendish, "einen unglaublichen Zugang zu dem Material und brachte eine Wahrheit ein, eine komische Wahrheit. Wenn man den fertigen Film jetzt sieht, dann weiß man vom ersten Moment an, dass er etwas Wahres in sich hat, und das ist dasselbe Element, das das Buch so gut vermittelt. Das Buch ist deshalb so ein erfolgreiches Stück Fiktion, weil es auf Menschen basiert, die wir alle kennen und wiedererkennen".

Sharon war mit ganzer Leidenschaft bei der Sache: "Ich kannte diese Welt so gut, weil es die meine ist. Bridget Jones erwachte zum Leben, als sie und ihre Freundinnen gerade so die 30 überschritten hatten, noch immer ungebunden und ledig. "Wir hatten eine tolle Zeit, gingen viel aus und feierten, und wir wollten damit nicht wirklich aufhören", erinnert sich Sharon. "Aber zugleich machten wir uns Gedanken darüber, warum wir noch nicht sesshaft geworden waren. Andererseits dachten wir uns, männliche Anerkennung konnten wir ja sowieso nicht gebrauchen, denn wir waren ja Feministinnen. Dieser Widerspruch war es, den Helen so brillant in "Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück" einfing. Es gibt eine Menge Frauen da draußen, die ihre Karrieren haben und ihre Unabhängigkeit - die aber zugleich denken, ‚Ich will verliebt sein. Ich will einfach nur einen Mann'."

"Vielleicht war das ja der umwerfend tolle Kerl, auf den ich mein ganzes Leben lang gewartet hatte."

3. Die Besetzung der Rolle von Bridget

Es war klar, dass der Erfolg des Filmes auch von der Leistung der Schauspielerin abhängen würde, die man für die Rolle der Bridget aussuchte und von ihrer Fähigkeit, die Figur wahrheitsgetreu darzustellen, mit der sich so viele Frauen identifiziert hatten. Die Ankündigung von Working Title, man habe die Amerikanerin Renée Zellweger ausgewählt, löste in Groß-britannien reichlich Kontroversen in den Medien aus. Aber man hatte die Wahl nicht auf die leichte Schulter genommen. Die Entscheidung für Renée war der Schlusspunkt einer zweijährigen Suche, während der die Filmemacher all die offensichtlichen Kandidatinnen und unzählige unbekannte Jungdarstellerinnen getroffen hatten.

Aber, sagt Eric Fellner, als Renée Zellweger durch die Tür kam, "da war sie Bridget". Okay, sie war Bridget mit starkem texanischen Akzent. Aber Eric erklärt weiter: "Renée war eine engagierte, professionelle Schauspielerin. Wenn sie sich zutraute, die Wandlung von einer Amerikanerin zu einem englischen Mädel hinzubekommen, dann würden wir dahinterstehen. Das gehört einfach zu dem, was Schauspieler in ihrem Beruf eben tun."

Der entscheidende Faktor bei der Besetzung der Bridget war, dass das Publikum sie mögen mußste. Renée hat ganz einfach Wärme, Freundlichkeit und eine großzügige Art. "Sie hat in sich eine Güte, die nach außen durchscheint", erklärt Sharon Maguire es. "Und so wie ihre Güte, sieht man auch ihre Verletzlichkeit. Man nimmt ihr ab, dass sie an Märchen glaubt, aber - ebenso wie Bridget - hat sie eine gut funktionierende "mach-mich-nicht-blöd-an" Einstellung. Zugleich kann sie einem zum Lachen bringen."

"Wie auch immer, ich versuchte mich auf die Befriedigung zu konzentrieren, dass ich eine anständige, wenn auch nicht schlanke Person war."

Im März 2000 kam Renée nach London, um dort mit Dialog-Guru Barbara Berkery zu arbeiten, die zuvor bereits Gwyneth Paltrow für ihre Rollen in Sie liebt ihn - sie liebt ihn nicht und Shakespeare in Love in eine Engländerin verwandelt hatte. Die täglichen Lehrstunden beinhalteten Übungen zum Klang und Rhythmus der Sprache. Die beiden Frauen verbrachten viel Zeit damit, gemeinsam auszugehen - Einkaufen bei Harvey Nichols, Tee trinken bei Fortnum's, Sightseeing in London - während sich Renée an ihre neue Stimme gewöhnen und daran glauben konnte. Mit Erfolg: herausgekommen ist ein einwandfreier englischer Akzent.

Um bei der Verwandlung von Renée in Bridget zu helfen, verschafften ihr die Produzenten einen Job beim Londoner Verlagshaus Picador, wo sie "undercover" als Bridget Cavendish, eine Praktikantin in der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, arbeitete und in Bridgets Welt eintauchen konnte. Über einen Zeitraum von zwei Wochen beantwortete Renée das Telefon, machte Fotokopien und kochte Kaffee. Niemand ahnte etwas von ihrer wahren Identität. Jonathan Cavendish sagt: "Das war in zwei Punkten von unschätzbarer Bedeutung. Zum einen lernte sie so die Arbeit in einem Verlagsunternehmen kennen, es half ihr bei der Sprache und all dem. Zum anderen wurde dann im Nachhinein bekannt, dass sie gar nicht das englische Mädchen von Land gewesen war sondern ein Hollywoodstar, der allen erfolgreich etwas vorgespielt hatte. Die Message war deutlich: "Wenn Renée es schaffte, Leute zu täuschen, mit denen sie dort gearbeitet hatte, dann konnte sie auch alle anderen davon überzeugen."

"Die Party in der Nacht zuvor war sehr angenehm gewesen und ich hatte mich sehr reif verhalten. Wachte dann am Morgen aber auf um festzustellen, dass, oh nein ich über Nacht auseinandergegangen war und im Schlaf ganze sechs Pfund zugelegt hatte."

Aber Renée arbeitete auch in anderer Beziehung hart an sich: Sie nahm gut sechs Kilo an Gewicht zu, um die Rolle der kalorienzählenden Bridget entsprechend ausfüllen zu können. Die kleine und normalerweise gesundheitsbewusste Schauspielerin setzte ihre täglichen Workouts aus und futterte sich mittels einer "Junk Food"-Diät aus Erdnussbutter-Bagels, Burgern, Pizza und Proteindrinks mit Eiscreme die Pfunde an. Um die Transformation perfekt zu machen, vertraute Renée auf die Künste von Make-Up Experte und Frisurendesigner Graham Johnstone und Kostümdesignerin Rachael Fleming, um einen natürlichen, aber leicht unordentlichen Look einer jungen Frau zu erzeugen, die sich immer sehr bemüht, aber es doch irgendwie nie so richtig hinbekommt.

4. Die Männer an Bridgets Seite

"Als ich auf diese schicksalshafte Tür zuging, fragte ich mich, was für einen seltsam angezogenen Opernliebhaber mit aufgeplusterem Haar, entsprungen aus einem schicken Mittelscheitel, sie dieses Jahr für mich ausgewählt hatte."

Bridgets Suche nach wahrer Liebe und ihr Kampf, ihr Liebesleben so zu gestalten, wie sie es gern hätte, verkörpert das Gefühl von Millionen Frauen in aller Welt. Während Bridget also vor den zwei Möglichkeiten steht, in denen ihre Suche gipfeln kann - entweder sie endet als "tragische, vertrocknete Jungfer " oder sie findet die wahre Liebe und reiht sich in die Riege der selbstgefälligen Ehepaare ein - wird sie hin- und hergerissen zwischen zwei sehr unterschiedlichen Männern. Beide werden von englischen Schauspielern dargestellt, die die Herzen des Kinopublikums höher schlagen lassen. Vielleicht verschmelzen hier ja auch Fiktion und Wirklichkeit.

"Bin nicht mehr länger die tragische Jungfer à la Eleanor Rigby, sondern propere Freundin eines ausgewiesenen Sex-Gottes mit großem Auto."

Für die Rolle des charismatischen Daniel Cleaver verpflichteten die Filmemacher den britischen Schauspieler Hugh Grant. Vom ersten Erscheinen Daniels auf der Leinwand ist den Zuschauern klar, dass er wie ein Raubvogel ist und genau die Sorte Männer repräsentiert, der Bridget eigentlich abschwören will.

Für Grant war die Figur des Daniel Cleaver die Chance, einmal einen anderen als den Typ des liebenswerten, romantischen Helden zu spielen, für den er berühmt geworden ist. "Ich habe in den letzten Jahren definitiv zu viele gute Jungs gespielt", sagt er. "Es sind wunderbare Rollen, und ich freue mich darüber, dass die Leute sich an sie erinnern, aber es ist auch frustrierend, denn dann meint jeder, das ist alles, was man kann. Es bringt Richard Curtis immer zum Lachen, dass die Leute Hugh Grant mit den Figuren in seinen Filmen verbinden, die eigentlich viel eher so sind wie er - er ist wirklich nett. Deshalb hat es ihm glaube ich Spaß gemacht, einmal eine Figur zu schreiben, die viel näher an meinem wahren Ich liegt."

"Das kann nicht nur Sex sein. Ein Kurztrip bedeutet wahre Liebe."

Grant mochte das Buch sehr und "lachte wie eine Hyäne". Er kannte Helen und kommentiert: "Helen ist eine unglaublich gute Schriftstellerin für Komisches. In den Händen der meisten anderen Autoren würde derselbe Stoff überhaupt nicht funktionieren. Sie hat ein ungeheuer scharfes Auge für Beobachtungen. Außerdem ist das Chaos, das in einer modernen Frau entsteht, die fühlt, dass sie ihr Verfallsdatum überschritten hat, ein Tabuthema, um das sich vorher noch niemand in der Mainstream-Literatur gekümmert hatte. Sie hat da genau den Nagel auf den Kopf getroffen."

Eric Fellner merkt an: "Wir fanden es besonders toll, dass Hugh den Part des "Bösen" übernahm. Zugleich konnte er auch die charmante, wunderbare Seite von Daniel voll ausspielen." Und Helen Fielding fügt hinzu: "Es ist einfach großartig, zu sehen, wie Hugh diesen sexy Mistkerl spielt."

" Hugh Grant wird als dieser ungeschickte, herzensgute Engländer wahrgenommen, er spielt keine Bösen", fügt Sharon Maguire hinzu. "Also nur ein Grund mehr, sich in jemanden zu verlieben, wenn man glaubt, im Grunde sei jemand anständig - was Daniel ja eigentlich auch ist."

"In Augenblicken wie diesem hat man die Wahl: entweder aufgeben und den Dauerzustand als Jungfer akzeptieren und schließlich von Hunden aufgefressen zu werden oder nicht. Ich wählte oder nicht. Und Wodka."

Es ist kein Geheimnis, dass Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück sich vom Inhalt her an Jane Austens "Stolz und Vorurteil" anlehnt, was auch bei der Wahl des Namens für den Helden, Mr. Darcy, deutlich wird. Wie Helen Fielding scherzhaft sagt: "Jane Austens Stories sind sehr gut und sind sozusagen über die Jahrhunderte immer wieder am Publikum getestet worden, und da habe ich mich einfach entschlossen, eine davon zu klauen. Ich dachte, sie hätte sicher nichts dagegen und außerdem ist sie ja sowieso tot."

Zusätzlich gibt Helen Fielding zu, so begeistert von Colin Firth als Mr. Darcy in der BBC-Adaption von "Stolz und Vorurteil" gewesen zu sein, dass sie besonders darauf bestand, dass er ihren Mark Darcy spielen sollte. Und daher sagt auch Eric Fellner: "Colin mußste einfach Mark Darcy sein. Während sich die Geschichte entfaltet und das Publikum Mark Darcy zu verstehen lernt, verwandelt er sich von einem scheinbar snobhaften und kalten Intellektuellen zu einem nachdenklichen und sensiblen Mann. Jonathan Cavendish sagt: "Colin hat die Qualität eines Menschen, der so ein bisschen abgehoben vom schnöden Leben ist, aber es anscheinend doch versteht. Seine Fähigkeit, für eine lange Zeit distanziert zu bleiben kombiniert mit seiner ungeheuren Ausstrahlungskraft als Schauspieler, machten ihn zum perfekten Mark Darcy."

Colin Firth kannte die Kolumne, hatte allerdings das Buch nicht gelesen. Er wusste aber, dass sein Name im Buch erwähnt wird, und dass, so sagt er, "die Arbeit, die ich in der Vergangenheit geleistet habe, in dieser neuen Form aufgegriffen wird. Ich denke die Ironie dieser Tatsache hat mich angesprochen". Über die Figur, die er spielt, sagt er: "Ich denke, er ist extrem emotional und leidenschaftlich. Er hat alle Qualitäten, die einen Menschen dynamisch machen, aber sie sind alle in diesem engen englischen Jacket versteckt. Was mir gefällt ist, dass er sich nur so langsam zu erkennen gibt. Ich liebe es, wenn man sich in einem Charakter erst einmal irrt."

5. Man nehme: Starke Nebendarsteller

Eine zentrale Rolle in Bridgets Leben spielen ihre drei Freunde Sharon - auch Shazza genannt - Jude und Tom, die ihr jederzeit gutgemeinte, aber oft nutzlose Ratschläge geben. Zugleich kämpfen sie alle mit ihren eigenen Unsicherheiten und Beziehungsproblemen. Für das Trio war es notwendig, dass die Schauspieler nicht nur witzige und lebendige Charaktere waren sondern auch glaubhaft Bridgets Freunde verkörpern konnten. Mit dem endgültigen Besetzen dieser Rollen mußste daher gewartet werden, bis die Ent-scheidung für die Titelrolle gefallen war.

"Ein bisschen wie eine echte Familie. Nur mit sehr viel mehr Wodka."

Die Rollen gingen schließlich an Sally Phillips, Shirley Henderson und James Callis. Sharon Maguire erklärt: "Als wir Probeaufnahmen mit allen zusammen machten, waren wir richtig aufgeregt. Shirley ist so winzig und unglaublich verletzlich, aber dennoch so scharfsinnig. In der Rolle der Jude nahm man ihr wirklich ab, dass sie in ihrem Privatleben total hilflos ist und im Büro als Powerfrau jedem in den Hintern tritt. Sally - eine großartige Komödiantin - brachte die feministischen Glaubenssätze von Shazza perfekt rüber, aber vermittelt gleichzeitig eine darunterliegende Verletzbarkeit. Die Figur des Tom ist sehr schlauer und auch komischer, und James hat diese natürliche Gabe, jeden zum Lachen zu bringen."

Für die Rollen der Eltern besetzten die Filmemacher Gemma Jones als Mutter und Jim Broadbent als Vater von Bridget. "Die Mutter ist ein sehr extremer Charakter", sagt Regisseurin Sharon, "und Gemma kann diesen Widerspruch vermitteln, dass in dieser 60 Jahre alten Frau das Herz eines jungen Mädchens schlägt." Über Jim Broadbent sagt sie: "Jim hätte man einfach gern bei jedem Film dabei. Er hat dieses fantastische Gesicht, und man möchte ihn einfach umarmen. Und eine unglaubliche trockene Art, Worte zu sagen und damit alle Leute zum Lachen zu bringen. Diese beiden Schauspieler sind einfach unheimlich gut darin, auf komische Art die Wahrheit zu erzäh-len."

Wunderbare Schauspieler wie Celia Imrie (als Una Alconbury), Honor Blackman (als Penny Husbands-Bosworth), Paul Brooke (als Mr. Fitzherbert) und Fe-licity Montague (als Perpetua) runden die Riege der Nebendarsteller ab.

Nachdem die Besetzung unter Dach und Fach war, engagierten die Produzenten eine professionelle Crew, darunter auch den Chefkameramann Stuart Dryburgh. Seine Arbeit an Filmen wie "Das Piano" und "Ein Engel an meiner Tafel" - in denen er die starken dramatischen Themen mit ungewöhnlichen Kameravisionen umsetzte - und auch an großen ame-rikanischen Komödien wie "Reine Nervensache" und "Die Braut, die sich nicht traut", machten ihn von Anfang an zum Wunschkandidaten für Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück. Dazu sagt Jonathan Cavendish: "Er brachte diese ungeheure visuelle Qualität in den Film ein. Wir waren darauf bedacht, dass der Film nicht aussehen sollte wie ein kleines, heimisches Stück Kino, sondern so viel Vitalität wie möglich haben sollte. Das wir das erreicht haben, ist zu einem nicht kleinen Teil der Verdienst von Stuart."

6. Bridgets London

Die Dreharbeiten zu "Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück" begannen am 16. Mai 2000 in London. Die Schauspieler und die Filmcrew verbrachten sechs Wochen an verschiedenen Schauplätzen in und um London herum, darunter "The Globe Tavern" in Borough im Südosten Londons - wo der Große Bankraub geplant wurde - die als Außenansicht für Bridgets Zuhause diente.

Produktionsdesignerin Gemma Jackson und Location Manager Adam Richards fanden eine Straße mit ihrem ganz eigenen lebendigen Charakter - dort befindet sich ein belebter Großmarkt für Früchte und Gemüse - die aber gleichzeitig Bridgets Persönlichkeit reflektierte. Gemma nutzte die Fassaden existierender Läden für ein trendiges Frangipani, ein Minicab-Büro und - gerade passend für Bridget - eine Kneipe. Das griechische Restaurant, in dem der Streit zwischen Mark und Daniel ausbricht, wurde am Reißbrett entworfen und existierte nur von außen. Gemmas Kreation war allerdings so realistisch, dass während der Filmarbeiten mehrfach Leute versuchten, einen Tisch in diesem griechischen Restaurant zu bestellen.

Londons ICA lieferte den Hintergrund für die literarische Party, mit der der Verlag die Veröffentlichung seines Buches "Kafka's Motorrad" feiert, und auf der einige bekannte literarische Größen wie Salman Rushdie, Sebastian Faulkes, Julian Barnes und Jeffrey Archer sich selbst spielen. Auch Helen Fielding besuchte das dortige Set und war begeistert zu sehen, wie ihre Figuren zum Leben erweckt wurden.

Weitere Drehorte in London waren die "Cantina" in Shad Thames, wo Bridget ihr erstes romantisches Treffen mit Daniel hat, das Museum "Tate Modern", wo sie einen Abend mit ihren Freunden verbringt und "The Royal Courts Of Justice" für die Szene, in der Bridget versucht, als Nachrichten-Journalistin ein Interview zu bekommen. Ein herrliches Loft-Apartment in Clink Wharf, mit Blick über die Themse und die Tower Bridge, war die Wohnung von Daniel, und der Bahnhof St. Pancras und Londons berühmtes Wahrzeichen, die Tower Bridge, sind auf Bridgets Wegen durch die Stadt zu sehen. Natürlich war das Drehen an derart öffentlichen Orten ein logistisches Minenfeld, und die Presse war ständig an allem interessiert.

Zu den Drehorten außerhalb Londons gehörten der "Stoke Park Club", Stoke Poges, wo Bridget und Daniel ihren kurzen Ausflug genießen, und "Wrotham Park" in Barnet, der das Zuhause der Familie Darcy war.

7. Der Wechsel der Jahreszeiten

Der Film - genau wie das Buch - erzählt die Geschichte Bridgets in einem Zeitraum von einem Weihnachtsfest zum nächsten. Um diesen Wechsel der Jahreszeiten im Bild zu haben, wurden einige der Drehorte mit Schnee bedeckt. Eine der Locations, die - wohlgemerkt mitten im Sommer - dank der Filmleute in eine Schneelandschaft verwandelt wurde, war Snowshill in Worcestershire, ein schönes, verschlafenes Dörfchen in den Cotswolds, wo die Filmcrew vier Tage verbrachte und unter anderem Bridgets Ankunft auf der Neujahrsparty ihrer Eltern drehte. Auch einige Londoner Schauplätze wurden von der erstklassigen Schnee-Effekt-Firma Snow Business zu winterlichen Orten umgestaltet, darunter Borough, der Bahnhof St. Pancras und Cornhill.

8. Bridgets Wohnung und andere Innenansichten

Nach sechs Wochen Dreharbeiten an Außenschauplätzen zog die Crew in die Shepperton Studios, um dort die Innenaufnahmen für Bridgets Wohnung und Büro zu machen. Bridgets Wohnung erhielt einen leichten Touch von 50er Jahre Retro und "Frühstück bei Tiffany", was man durch sanfte Pastellfarben und die Wahl der Möbel erreichte. In den Regalen finden sich Bücher zur Selbsthilfe, die Wände sind mit alten Urlaubserinnerungen und Fotos ihrer Freunde geschmückt. Die Wohnung ist mit diversen Kleinigkeiten übersät, von denen sich Bridget ganz offensichtlich nicht trennen konnte - ein Paddington Bär, ein Zauberwürfel, ein Troll und Schlaf- und Badezimmer sind so chaotisch wie das Leben seiner Bewohnerin. Kleider hängen über den Geländern, das Bett ist ungemacht, im Waschbecken sind Make-Up Spuren, die Aschenbecher quellen über mit Zigarettenstummeln - alles sehr chaotisch aber real.

Bridgets Büro wurde von Gemma und ihrem Team im offenen Stil über mehrere Ebenen entworfen, mit einer geschwungenen Treppe, die vom Empfang in den Hauptraum des Büros führt. Hunderte von Büchern, die die Filmleute beim Verlag Macmillan ausgeliehen hatten, und trendige Apple Computer komplett mit neuester Microsoft Software vervollständigten den Eindruck eines geschäftigen und erfolgreichen Verlagsbüros.

Am 8. August 2000 wurden die Dreharbeiten abgeschlossen.

9. Und zusammenfassend ist zu sagen

Produzent Eric Fellner ist absolut zuversichtlich: "Die Attraktivität des Filmes spricht bei weitem nicht nur das Kernpublikum des Buches an, das vor allem aus Frauen bestand. Dieser Stoff überschreitet geografische Grenzen, denn es geht um Dinge, die die Menschen in aller Welt beschäftigen, und er überschreitet die Geschlechtergrenzen, denn auch Männer können sich in die Unsicherheiten, Ängste und Freuden hineinversetzen, die Bridget Jones hat. Deshalb glaube ich, dass der Film weltweit sowohl das weibliche als auch das männliche Publikum anspricht."

Diese Ansicht teilt auch Sharon Maguire: "Helens zweites Buch steht noch immer in den Top 10. Die Knöpfe, die sie 1995 gedrückt hat, funktionieren immer noch. Die Dinge, um die es darin geht, sind auch jetzt noch genauso relevant und universell."

Das letzte Wort gehört natürlich Bridgets Erschafferin Helen Fielding, die sagt: "Ich denke, die Person, die von all dem Trara am meisten verwirrt wäre, wäre Bridget. In meiner seltsamen kleinen Beziehung zu ihr, in meiner Vorstellung, finde ich es sehr süß, dass sie keine Ahnung hat, dass irgendwer weiß, wer sie ist. Was wahrscheinlich auch völlig in Ordnung geht - denn das würde ihr ohne Zweifel zu Kopf steigen und jede Menge neues Chaos verursachen."

© Fotos: UIP © 1994 - 2009 Dirk Jasper