America's Sweethearts
Filmkritik von Carola Gruber
Szenenfoto

America's Sweethearts, das sind Gwen Harrison (Catherine Zeta-Jones) und Eddie Thomas (John Cusack), Hollywoods Traum(ehe-)paar. Das Publikum liebt sie, es liebt ihre Filme, sie sind ein Geschenk für alle Studios. Wenn da nicht die unfeine Tennung wäre. Gwen hat sich dem leicht minderbemittelten Nebendarsteller Hector (Hank Azaria) zugewandt, Eddie hat der Trennungsschmerz zu einem abgedrehten New-Age-Wellness-Guru getrieben.

Doch das Publikum verzeiht nichts und Gwens neue Filme erweisen sich als Kassengift, sie selber muß sich in Talkshows niedermachen lassen. (Zu erwähnen wäre hier Larry King in einer Nebenrolle als wunderbar garstiger Larry King.) Eddie bekommt von der Welt nur noch jede Menge Mitleid und die Studiobosse weinen den Blockbustern der Vergangenheit nach. In dieser Situation soll nun die Promotion für den letzten gemeinsamen Film "Time after Time" anlaufen, von dem sich der finanziell ruinierte Studioboss Dave Kingman (Stanley Tucci) seine letzte Rettung erhofft.

Allerdings gestaltet sich die ganze Aktion besonders schwierig, da der exzentrische Regisseur des Films Hal Weidman (Christopher Walken) sich weigert, die Kopie vorzeitig herauszugeben. Er besteht darauf, den Film zum ersten Mal vor der versammelten Presse zu zeigen. Mit gutem Grund, wie sich später zeigt. Die Vorstellung, einen exclusiven Pressetermin anzuberaumen, ohne garantieren zu können, dass der Film auch wirklich da ist, treibt Weidman an den Rand eines Nervenzusammenbruchs und nun muß schnell eine geeignete Ablenkung für die Presse her, falls der Film nicht ausgeliefert wird.

Was wäre da besser geeignet, als die inszenierte Versöhnung der Stars? Leider können die beiden sich mittlerweile nicht mehr sehen ohne in schrecklichste Streitereien auszuberechen. Ein Wunder muß her. Dieses Wunder soll der ausgefuchste Ex-PR-Chef des Studios Lee Phillips (Billy Crystal) mit Unterstützung von Gwens Assistentin und Schwester Kiki (Julia Roberts) vollbringen. Und schon beginnt das Neurosen-Karussell sich zu drehen.

Wer eine böse-bissige Hollywood-Satire erwartet hat, wird enttäuscht werden, wer eine reine Screwball-Komödie sehen wollte auch. Der Film bewegt sich mit bemerkenswerter Leichtigkeit dazwischen hin und her. Die Dialoge sind pointiert und spritzig, das komödiantische Talent der Darsteller kann sich voll entfalten. Manchmal versinken die Pointen etwas in derbem Humor, aber das wird mehr als ausgeglichen durch die liebevolle Zeichnung der Charaktere.

Catherine Zeta-Jones stellt die exzentrische Gwen so wunderbar echt dar, als wäre sie direkt aus einem Boulevard-Magazin entsprungen. Der unendlich neurotische Eddie ist eine Meisterleistung John Cusack, dessen Mimik alleine schon zum Schmunzeln anregt. Julia Roberts ist eine Vollblutkomödiantin, die in der Rolle der Kiki wieder ihr volles Potential entfalten konnte.

Billy Crystal, der auch das Drehbuch schrieb hat sich die Rolle des Lee auf den Leib geschrieben, er brilliert wie immer. Herrausragend gut ist Christopher Walken in der Rolle des völlig durchgedrehten Regie-Genies, bei dem man mehr als ein wenig Stanley Kubrick durchschimmern sieht.

Alles in allem erwartet den Zuschauer ein vergnüglicher Kinoabend ohne Längen. Zudem sollte man sich den Film ruhig zwei- oder dreimal ansehen, zuviel der rasanten Dialoge rauscht an einem vorbei.

Unbedingt empfehlenswert.

Dirk Jasper FilmLexikon
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