Produktionsnotizen zu Planet der Affen (2001)
Zähne müssen blitzen: Tim Burtons Rückkehr zum Planeten der Affen Tim Burton bei der Arbeit Ein Pilot stürzt auf einem fremden Planeten ab und findet sich in einer brutalen, archaischen Kultur wieder, in der die Affen herrschen und die Menschen gejagt und versklavt werden: Das ist der Inhalt von Pierre Boulles Romanklassiker "Planet der Affen" und gleichzeitig eine der bestbekannten Geschichten des Science-Fiction-Genres.

Nun hat sich Tim Burton, der sich mit "Batman", Lottergeist "Beetkejuice", "Edward mit den Scherenhänden" und Sleepy Hollow einen Namen als fantasievoller Visionär des Kinos gemacht hat, auf die Grundidee des Romans besonnen und erzählt darauf aufbauend die atemberaubende Story einer Reise zu einer Welt, die auf dem Kopf steht.

Tim Burton wagt sich mit seinem Stil und seiner filmischen Umsetzung auf neues Terrain auf dem Gebiet von Erzählweise, Ausstattung und Make-up-Effekten. "Ich war nie daran interessiert, ein Remake oder ein Sequel der ersten "Planet der Affen"-Verfilmung zu drehen", sagt der Regisseur. "Aber ich war fasziniert von dem Gedanken, diese Welt aufs Neue zu besuchen. Wie bei vielen anderen auch, hatte der Originalfilm einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen - er ist wie ein guter Mythos oder ein Märchen, das einen einfach nicht loslässt. Die Idee, diesen Mythos noch einmal zu erforschen, fand ich sehr aufregend."

Weiter erzählt Burton: "Das Original steht ganz für sich, und wir versuchen, ihm treu zu bleiben. Wir hoffen, dass wir das Beste aus der Originalgeschichte destillieren konnten und im Laufe dieses Prozesses neue Figuren und Handlungselemente einführen, die es uns erlauben, das Original nicht zu verändern und doch gleichzeitig einen völlig neuen Blick auf diese Welt zu werfen."

"Einen neuen Blick auf die Welt zu werfen", das umschreibt sehr treffend das Kino von Tim Burton. "Wenn man nur den Titel "Planet der Affen" erwähnt und im gleichen Atemzug Tim Burton sagt, dann zuckt sofort ein Blitz über die Leinwand", sagt Richard D. Zanuck, der Produzent des Films. "Alle seine Filme sind extrem einfallsreich und visuell einzigartig. Er sieht die Dinge aus einer etwas verschobenen Perspektive, was für einen Stoff wie diesen großartig ist. Ich könnte mir keinen Besseren für den Planet der Affen (2001) vorstellen." Und Zanuck mußs es wissen, schließlich gab er 1968 als Produktionschef bei der 20th Century Fox grünes Licht für den Originalfilm. "Manchmal", schmunzelt er, "kommt es mir vor, als würde ich in meiner ganz eigenen Zeitschleife reisen."

Der Ausführende Produzent Ralph Winter arbeitete eng mit Zanuck zusammen, um Burtons Visionen auf die Leinwand zu bringen. Dabei halfen ihm einige der besten und meistausgezeichneten Filmschaffenden Hollywoods: Rick Baker (Men In Black, Der Grinch), sechsfacher Oscar®-Preisträger, entwarf und produzierte die Masken, Oscar-Preisträger Philippe Rousselot (Aus der Mitte entspringt ein Fluss) stand hinter der Kamera, und von Burtons langjährigen Mitarbeitern sind neben seinem Produktionsdesigner und Oscar-Preisträger Rick Heinrichs (Sleepy Hollow) auch Colleen Atwood, die für ihre Kostüme für Sleepy Hollow ebenfalls für den Oscar nominiert war, der Komponist und Grammy-Preisträger Danny Elfman (Batman) und der Cutter Chris Lebenzon, der alle Filme Burtons geschnitten hat, mit an Bord. Die visuellen Spezialeffekte wurden bei Industrial Light & Magic ausgetüftelt, wo sich mittlerweile vierzehn Oscars in den Regalen stapeln.

"Das ist ein unglaubliches Team", sagt Winter. "Dieser Film hat jetzt schon etwas Historisches, und zwar nicht nur wegen seiner Größe, sondern auch wegen der Menge von Talenten, die er vor und hinter der Kamera versammelt hat".

Der Produktionsdesigner Rick Heinrichs ist mit Tim Burton seit der gemeinsamen College-Zeit befreundet und hat all seine Filme ausgestattet. "Tims Vision und Wahrnehmung gefällt Menschen der unterschiedlichsten Altersgruppen", sagt Heinrichs. "Es war großartig, an seinen Filmen mitarbeiten zu dürfen, weil sie alle so verschieden voneinander sind. Er geht jedesmal eine Menge Risiken ein und ermutigt uns, es ihm gleich zu tun."

Heinrichs glaubt, dass die Bevölkerungsstruktur des Planeten der Affen "für Tim Burton ein sehr fruchtbarer Boden" ist. "Ihm hat schon immer das Spiel mit menschlichen und tierischen Verhaltensweisen gefallen", sagt er. "Man denke nur an den Pinguin, an Catwoman oder an Batman selbst. In dieser verdrehten Welt auf dem Planeten der Affen gibt es durchaus eine Zivilisation. Doch ist das zivilisierte Verhalten der Affen nur ein dünner Lack über ihrem animalischen Wesen - und vielleicht in gewisser Weise auch ein Kommentar zu unserer eigenen Zivilisation, wo unter der Oberfläche ja auch die tierischen Verhaltensweisen durchschimmern."

Burtons schräge neue Welt ähnelt bewusst nicht der Erde. "Wir sind hier definitiv nicht mehr in Kansas", erklärt der Drehbuchautor William Broyles, Jr. ( Cast Away, Apollo 13), der damit auf den Drehort des ersten Films anspielt. Für Broyles dreht es sich in Burtons Planet der Affen (2001) "um Abenteuer und um das Erforschen von Möglichkeiten. Es geht darum, welchen Wert es hat, wenn man nach seinem eigenen Herzen handelt und wenn man dafür einsteht, was einem wichtig ist." Er fügt hinzu: " Planet der Affen (2001) zeigt uns unseren Blick auf andere Menschen, von denen wir uns durch einen tiefen Graben getrennt glauben, sei es aus kulturellen, rassischen, intellektuellen, nationalen oder religiösen Gründen - und bringt uns dann dazu, diese Menschen auf eine andere Art zu betrachten."

Die beiden Autoren Lawrence Konner und Mark Rosenthal (Mein großer Freund Joe, Star Trek IV) arbeiteten ebenfalls am Drehbuch mit. Konner beschreibt Burtons Umsetzung des Stoffes "existen-zialistisch, bizarr und witzig", und Rosenthal sagt: "Es ist eine sehr eigenständige Vision - die von Tim Burton eben - mit einem ganz eigenen Stil."

Eines der Schlüsselelemente dieser Vision sind die Make-up-Effekte von Rick Baker, dessen Arbeit für den Erfolg von Filmen wie Burtons ED WOOD, Men In Black, Der verrückte Professor, "Bigfoot und die Hendersons", "American Werewolf" und Der Grinch mitverantwortlich war und die ihm jeweils einen Oscar bescherten. Baker hatte bei seinen Effekten für "Gorillas im Nebel", "Greystoke" und Mein großer Freund Joe bereits seine eigenen Erfahrungen mit Primaten machen können. "Wir wollten, dass der Film den Schauspielern und ihren Gesichtern gehört", sagt Burton. "Deshalb hat Rick Baker Masken hergestellt, die den Schauspielern, die die Affen spielen, eine Menge Ausdrucksmöglichkeiten geben."

"Ich wollte", sagt Baker, "diesen Film wegen seines Titels und wegen Tim Burton machen. Das Original hat wahrscheinlich mehr Leute dazu inspiriert, Make-up-Künstler zu werden, als jeder andere Film. Ich bin nun ein Make-up-Freak und ein Affen-Freak, deshalb ist dieser Film für mich das Allergrößte." Baker erzählt weiter: "Die Masken des ersten Films waren großartig für ihre Zeit. Aber im Grunde hatten die damals nur eine einzige Affen-Gussform - in den Varianten für Gorillas, Schimpansen und Orang-Utans -, die sie für alle Schauspieler vervielfältigt haben. Die hatten alle die gleichen nach hinten gestrichenen Haare und die flachen Nasen. Die Zähne hat man nie gesehen. Ich wollte unbedingt Lippen, die unsere Affen bewegen konnten, so dass man die Zähne dahinter sehen konnte. Ich denke, da man die Zähne sieht, glaubt man viel eher, dass sie wirklich sprechen. Zudem wollte ich, dass jede einzelne Figur anders war. Ich gebe meinen Kreaturen gerne bestimmte Charakterzüge und arbeite dadurch ihre Individualität heraus."

Bakers einzigartige und aufwendige Effekte brauchten Stunden, bis sie den Hauptdarstellern, darunter Paul Giamatti, Michael Clarke Duncan, Tim Roth und Helena Bonham Carter, aufgetragen waren. In der Regel begann deren Tag zwischen zwei und drei Uhr morgens, wenn sie auf dem Set ankamen und sich dann einem drei- bis vierstündigen Make-up-Prozess unterziehen mußsten. Und das war erst der Anfang eines anstrengenden Drehtags. "Wir mußsten eine Menge Wasser trinken", erinnert sich Giamatti, "weil es in diesen Kostümen so unglaublich heiß wurde." Auch die Mittagspause, für gewöhnlich eine Zeit der Entspannung für Schauspieler und Team, verschaffte ihnen keine Erleichterung. "Das Mittagessen war ein bisschen deprimierend," sagt Giamatti, "denn wir mußsten ständig vor einem Spiegel sitzen, um zu vermeiden, dass wir das Essen in unsere Nasenlöcher steckten. Und wir mußsten mit Stäbchen essen, damit wir die Sachen überhaupt nach hinten in den Mund bekamen".

Fünf Stunden in der Maske: die Darsteller und ihre Rollen Das plötzliche Erscheinen von Captain Leo Davidson auf dem Planeten der Affen, einem Ort, dessen Regeln und Herrschaftsstrukturen für ihn nicht gelten, ist für die versklavten und gejagten Menschen letztlich das Signal zum Widerstand, ein Anstoß, um sich gegen die herrschende Ordnung aufzulehnen.

Mark Wahlberg spielt diesen Piloten und damit seine erste Rolle als Actionheld. "Was ich an Mark so mag", sagt Tim Burton, "ist seine Ernsthaftigkeit und Bodenhaftung. Er ist wie ein Fels in der Brandung. Wenn man will, dass die Zuschauer das Geschehen durch die Augen deiner Hauptfigur erleben, dann brauchst du jemanden, der dich anspricht, der all die merkwürdigen und aufregenden Dinge sieht und versucht, damit zurechtzukommen. Für mich war Mark dafür genau der Richtige."

Wahlberg, seit langem ein Fan von Tim Burton, mußste nur hören, dass Burton Regie führen würde, ehe er die Rolle übernahm. "Ich hatte noch nicht mal das Drehbuch gelesen, als ich zusagte," erinnert er sich. "Ich habe Tim nur fünf Minuten lang getroffen und war davon so beeindruckt, dass ich sagte, ich würde alles machen, was er will. Das einzige, was mir ein wenig Sorgen bereitete, war der Lendenschurz", fügt er mit einem Lächeln an. "Doch zum Glück mußste ich den nicht anziehen."

Gleich nach seiner Bruchlandung auf dem Planeten findet sich Leo auf einer halsbrecherischen Flucht inmitten einer Gruppe von Menschen wieder, die von furchterregenden Affen zu Pferd gejagt werden. Anführer dieser Affenarmee ist Attar, ein Ehrfurcht gebietender Gorilla, der seinem geistigen Führer Thade treu ergeben ist und von Michael Clarke Duncan gespielt wird.

"Thade ist verrückt und bösartig, aber er ist nun mal mein Boss", sagt Duncan, der für seine Rolle in The Green Mile für den Oscar nominiert war. "Wie auch immer sein Befehl lautet, ich führe ihn aus, denn ich bin Soldat und mein Gehorsam ist unabdingbar."

Hinter der Maske dieses Tyrannen Thade steckt der britische Schauspieler Tim Roth, der schon einmal für seine Rolle als herrlich fieser Schurke in Rob Roy, seinem ersten Studiofilm, für den Oscar nominiert war. "Thade ist definitiv der Bösewicht hier", sagt Roth. "Er repräsentiert ein bestimmtes politisches Spektrum der Affenkultur, besonders die Aggressivität seiner Art. Er hat ein bisschen was von einem Faschisten. Er mag die Menschen nicht, die sich in seinem Affenreich breit machen. Als Spezies findet er sie widerwärtig. Sie riechen komisch. Sie pflegen sich nicht. Für ihn sind sie Monster. Und als Militärchef setzt er sich dafür ein, dass sie ausgelöscht werden."

Als typisch Burtoneske Ironie verliehen der Regisseur und die Drehbuchautoren ihrem Thade allerdings eine wichtige menschliche Eigenschaft: seine Zuneigung zu Ari, die gespielt wird von Helena Bonham Carter, deren Rolle in "Die Flügel der Taube" ihr ebenfalls eine Oscar-Nominierung einbrachte. Selbst nach der fünfstündigen Make-up-Prozedur trat mit ihr das atemberaubendste Schimpansen-Weibchen des Planeten aus der Maske. Ari ist leidenschaftlich, eigensinnig und eine überzeugte Menschenrechtsaktivistin, die sich für die friedliche Koexistenz aller Spezies einsetzt.

Burton hatte Bonham-Carter die Rolle ohne Vorsprechtermin angeboten. "Er rief mich an und sagte: ?Versteh mich nicht falsch, aber du warst die Erste, die mir für die Rolle dieses Schimpansen einfiel!'', erinnert sich die Schauspielerin. "Ich habe ihm das natürlich keineswegs übel genommen. Trotzdem wollte ich wissen, wieso er direkt auf mich kam. Und er sagte: ?Naja, weißt du, ich hatte einfach den Eindruck, dass du gerne mal was ganz anderes machen würdest'. Das war sehr erfrischend."

Bonham-Carter beschreibt Ari als "Schimpansin der liberalen Oberschicht. Sie ist eine Menschenrechtsaktivistin, die sich vehement dagegen wehrt, wie die Menschen als Sklaven und Haustiere gehalten werden. Ari glaubt stark daran, dass Menschen intelligent sind und eine Seele haben. Man mußs wissen, dass das auf ihrem Planeten alles sehr moderne und ketzerische Ideen sind."

Tatsächlich würde Ari in jeder Spezies als das ideale Weibchen gelten. "In dieser Affengesellschaft gelten Menschen als der letzte Dreck", erklärt Mark Wahlberg. "Deshalb hat Leo großes Glück, als er Ari trifft, die sich für ihn erwärmt und ihm hilft, zu überleben. Ari ist genau die Art von Frau, die ich gerne auf unserer Erde treffen würde!"

Die Orang-Utans werden repräsentiert von einem etwas schrägen Typen namens Limbo, gespielt von Paul Giamatti (Der Mondmann, Private Parts, Big Mama's Haus). Ursprünglich ein Sklavenhändler, findet Limbo sich plötzlich in der Situation wieder, dass er sein eigenes Leben retten mußs und sich auf der Flucht mit den Menschen zusammen tut. Richard Zanuck nennt Limbo "den Comic-Relief dieser Gruppe, in der Tradition von Peter Lorre". Giamatti selbst gibt gerne zu, dass, obwohl er schon vorher windige und unsympathische Charaktere gespielt hat, die Rolle eines Orang-Utans eine ganz besondere Herausforderung für ihn bedeutete. "Ich fand es toll, die Gelegenheit zu bekommen, etwas so körperlich Extremes und Merkwürdiges zu tun", sagt er. "Allein durch das Make-up wurde ich schon aggressiver. Limbo ist jemand, der von Affen wie Menschen gleichermaßen verachtet wird. Er ist ein Trickser und Opportunist, der dem Teufel seine eigene Großmutter verkaufen würde. Aber er ist nicht wirklich ein schlechter Typ. Missverstanden vielleicht, aber nicht schlecht."

Zu den anderen Menschen, die eingefangen und an Limbo verkauft werden, gehören auch die rebellische junge Frau Daena (Estella Warren) und ihr Vater Karubi (Kris Kristofferson). Karubi ist ein edler Mann, der durch die Affengesetze in die Knie gezwungen ist. Wie die anderen seiner Kollegen, mußste Kristofferson nicht zweimal überlegen, um mit Tim Burton zusammenzuarbeiten. "Bei mir zu Hause ist Tim Burton ein Held", sagt er. "Ich habe acht Kinder, und gemeinsam haben wir uns seine Filme unzählige Male angeschaut, von "Pee-Wee's irre Abenteuer" bis zu Sleepy Hollow. Tim erschafft in seinen Filmen eine Welt, in der man sich wirklich verlieren kann."

Estella Warren sagt, sie habe ihre Rolle als Kristoffersons kriegerische Tochter "mit Unschuld und Wut" gespielt, ermutigt von Leos Verhalten, diesem fremden Menschen, der sich traut, den Affen in die Augen zu schauen und ihre Überlegenheit und Autorität in Frage zu stellen. "Und dann", fügt sie hinzu, "gibt es zwischen uns beiden natürlich auch diese sexuelle Spannung, die zwischen zwei Wesen der gleichen Spezies ganz normal ist."

Zur Besetzung von Planet der Affen (2001) gehören noch David Warner (Titanic), der Aris Vater Sandar spielt, einen angesehenen Senator im Rat der Affen, und Cary-Hiroyuki Tagawa (Pearl Harbor) als Aris treuer alter Gorilla-Diener Krull sowie Evan Dexter Parke (Gottes Werk und Teufels Beitrag) als rebellischer Mensch Gunnar, Erick Avari (Die Mumie) als Menschendiener Tival und Luke Eberl (Phantoms) als Heranwachsender, der Leo als Held verehrt.

Laufen, Gehen, Kratzen: die Schauspieler in der Affenschule Auch wenn die meisten Schauspieler es Rick Bakers Masken zugute schrieben, dass ihre Darstellung als Affen glaubwürdig wirkte, war es doch mit dem Make-up alleine nicht getan. Auf Burtons Bitte hin engagierte der Stunt-Coordinator Charlie Croughwell eine Reihe von Experten, darunter den ehemaligen Cirque-du-Soleil-Artisten Terry Notary, die den Schauspielern und Statisten affentypisches Benehmen beibringen sollten. Notary lud also in die "Affenschule", die von Dutzenden der Darsteller besucht wurde, um ihre Rollen tierisch gut werden zu lassen. Auf dem Stundenplan standen alle Primatenaktivitäten: Gehen und Laufen, der Umgang mit Waffen, selbst das Essen.

"Als erstes mußsten wir die Schauspieler dazu bringen, ihre Körper zu lockern, um sich der authentischen Affenkörpersprache anzunähern", sagt Notary. "Ein Primat bewegt sich vollkommen flüssig, er setzt sich zum Beispiel nicht auf einen Stuhl, er windet sich hinein. Im Großen und Ganzen sind Affen sehr zielstrebig und schnörkellos. Sie lassen sich zwar schnell ablenken, doch wenn sie sich auf eine Sache konzentrieren, dann ist diese Konzentration vollkommen. Auf gewisse Weise brachten wir den Schauspielern bei, ihren eigenen Sinn für Primatenverhalten zu entwickeln - sozusagen den inneren Affen zu wecken."

Darüber hinaus arbeiteten Notary und sein Team mit den Schauspielerin in kleinen Gruppen zusammen, damit sie den gegenseitigen Umgang lernten und eine gewisse Vertrautheit miteinander entwickelten. Dem war allerdings eine Phase der intensiven Recherche vorausgegangen, die Notary unternommen hatte. "Ich habe stundenlang mit Schimpansen gespielt", erzählt er. "Ich habe im Zoo die Affen über mehrere Tage hinweg beobachtet und immer so getan, als wären es Menschen im Kostüm. Da entdeckt man sehr rasch, wie ähnlich sich Affen und Menschen sind. Wir haben beide eine ganze Reihe von Grundbewegungen entwickelt und wieder andere, die typisch für jede Spezies sind."

Um diese hoch entwickelten, halbzivilisierten sprechenden Affen richtig hinzubekommen, bat Burton seine Darsteller, etwa zu zwanzig Prozent Affe und zu achtzig Prozent Mensch zu sein, was, wie Notary sagt, "ziemlich diffizil ist. Neben dem leicht zu erlernenden Gang mußs man viele Nuancen eines Affen zeigen: wie man den Kopf dreht oder sitzt oder etwas vom Boden aufnimmt. Gleichzeitig aber ist man ein voll entwickelter Charakter, der sprechen kann."

Manche Schauspieler, etwa Tim Roth, waren gelehrige Schüler des Affenverhaltens. "Ich mag es, wenn Schauspielerei körperliche Anstrengung erfordert", sagt Roth, für den Notary selbst als Stunt-Double tätig war. "Ich entwickle eine Figur gerne physisch und intellektuell. Die Affenschule gab mir eine Art Verhaltenskodex für Thade, der oft genug die Beherrschung verliert. Terry hat mich dabei stets kritisch beobachtet und darauf geachtet, dass meine Bewegungen nicht zu menschlich waren, während ich seine Stunts analysierte, damit er dabei stets ?in character' blieb. Es war eine Art Pingpong-Spiel zwischen uns beiden."

Helena Bonham Carter dagegen hatte anfangs etwas Probleme mit dem Stundenplan der Affenschule. "Ich bin durchgefallen", gesteht sie. "Ich mußste wieder ganz von vorne anfangen und lernen, wie man still sitzt. Ich mußste lernen, wie man sich effektiv bewegt und gleichzeitig vollkommen konzentriert ist. Ich mußste aufhören, über alles nachzugrübeln, und stattdessen alles ganz körperlich empfinden und ganz und gar im Augenblick zu bleiben, was absolut typisch für Affen ist. Sie sind viel feinfühliger und unmittelbarer als wir. Sie haben einen wesentlich ausgeprägteren Geruchssinn und viel bessere Instinkte. Und ihre Konzentra-tion ist hundertprozentig, was für mich als Mensch sehr nützlich ist. Eigentlich", sinnt sie einen Moment nach, "wäre es für alle gut, wenn sie die Affenschule besuchten."

Für Michael Clarke Duncan erforderte der Stundenplan drei Tage Unterricht in der Affenschule und drei Tage Reittraining. "Als Silberrücken-Gorilla bewege ich mich anders als Thade, der Schimpanse ist. Seine Beine sind krummsäbelig, während ich leicht in den Knien federe und mich dabei mit geradem Rücken und nach vorne gerollten Schultern fortbewege."

Cary-Hiroyuki Tagawa, der mit Krull einen anderen Silberrücken-Gorilla spielt, brachte eine jahrelange Ausbildung in den Kampfkünsten für seine Rolle mit. Tagawa konzentrierte sich darauf, einen Gorilla darzustellen, der aus 300 Kilo geballter Kraft bestand. "Affen bewegen sich mit der Grazie eines Vierfüßers und können punktgenau stehen bleiben", sagt er. "Sie haben einen unverhältnismäßig großen Oberkörper, und wenn sie sich fortbewegen, dann stoßen sie sich mit den Armen vorwärts ab - Affen haben definitiv Vorderachsenantrieb. Beim Reiten mußste ich darauf achten, dass Affen ja so kurze Beine haben, deshalb habe ich mich in den Sattel gesetzt wie ein Jockey."

Paul Giamatti titelte die Affenschule um in "Primaten-Akademie". "Das klang für mich etwas anspruchsvoller", lacht er. "Meine eigene Bewegungsweise funktioniert ohnehin fast wie die eines Orang-Utans, weil ich von Natur aus in mich zusammengesunken bin. Aber ich habe auch viele Eigenarten eines Orang-Utans gelernt, etwa, wie man sich an den Armen hängen lässt und viel auf dem Boden liegt. Diese Affen haben einen großen Hautsack am Hals, den sie mit Luft füllen und damit diese komischen Huplaute von sich geben können. Das hat mir am meisten Spaß gemacht."

Charlie Croughwell ließ hunderte von Stuntmen vorsprechen, um aus ihnen seine Elitetruppe zusammenzustellen, die schließlich die Affenarmee bildete. Viele von ihnen waren ehemalige Turner. Zudem heuerte er einige Ex-Marines an, die mit den Statisten trainieren und sie "motivieren" sollten, in ihren heißen Kostümen eine perfekt organisierte und disziplinierte Affenarmee aufzustellen.

Der Second-Unit-Regisseur Andy Armstrong räumt ein, dass Planet der Affen (2001) nicht wie ein konventionelles Action-Movie aussehen wird. Stattdessen, sagt er, bindet er Actionelemente in einen Tim-Burton-Film ein. "Alles läuft immer wieder auf Tim und seine Vorstellung von den Affen hinaus", erklärt Armstrong. "Sie haben die sechsfache Körperkraft eines Menschen und können ungeheuer schnell ein hohes Tempo erreichen. Zwar sehen wir meistens die Affen auf zwei Beinen laufen, doch wenn sie in Panik geraten oder Angst oder Wut empfinden, dann lassen sie sich wieder auf alle viere hinab. Wir haben diese Form der Fortbewegung ?Hoppeln' genannt: große Schritte oder Sprünge auf vier Beinen. Damit jagen sie ihrer Beute hinterher wie ein Panzer auf Pfoten."

Das affenartige Verhalten hat bei Mark Wahlberg seine Spuren hinterlassen, nachdem er oft genug von 150 Kilo schweren Affen zu Boden gerissen wurde. "Man hat wirklich das Gefühl, als wäre man auf einem anderen Planeten, wenn man da draußen in der Wüste ist und von einer Horde Affen gejagt wird", sagt er. "Ich wurde in keinem anderen Film so zugerichtet wie in diesem."

Dabei war Wahlberg nicht der einzige Mensch, der körperlich in dem Film hart rangenommen wurde. Estella Warren etwa erledigte viele ihrer Stunts selbst, weil, nun ja, weil sie es halt konnte. Als kanadische Meisterin im Synchronschwimmen und Bronzemedaillengewinnerin bei den Olympischen Spielen beeindruckte sie die Filmemacher, als sie darum bat, in einer Fluchtszene ihr Pferd selbst durch eine eiskalte Lagune zu reiten. "Ich bin zwar mit Pferden aufgewachsen", sagt sie, "aber dabei bin ich doch ziemlich ins Schwitzen geraten."

Von wild gewordenen Affen zu Boden geschleudert zu werden, war für die Schauspielerin ein ganz normaler Arbeitstag. Warren konnte sich dabei gut mit dem rebellischen Geist ihrer Rolle identifizieren. "Daena lässt sich nicht leicht unterkriegen", sagt sie. "Sie ist ziemlich provokant und auf ihre Art auch so etwas wie eine Actionheldin."

Selbst Tim Burton wollte da nicht zurückstehen und beeindruckte sein Team regelmäßig damit, wie er die Stunts und Actionszenen, die er wollte, selbst vorspielte. Helena Bonham Carter erinnert sich: "Tim war ständig in Bewegung, seine Haare flatterten hin und her, die Hände wirbelten herum. Als würde sein Körper nicht genau wissen, wohin er sich als nächstes wenden würde. Er war da völlig selbstvergessen und zischte herum wie ein Kamikaze-flieger. Alles an ihm war Instinkt, Eingebung, Herz und Gefühl."

Auch Tim Roth hat den Regisseur so erlebt. "Ich habe jeden Tag beobachtet, wie Tim stolpert, hinfällt, sich den Schädel anschlägt und die Ellbogen und Knie aufschrammt. Man konnte fast Wetten darauf abschließen, welcher Körperteil bei ihm am nächsten Tag verbunden oder verpflastert sein würde. Und wir alle waren wegen Tim hier. Wir alle lieben und respektieren ihn ungeheuer."

Felsnadeln und Lavawüste: das Produktionsdesign und die Drehorte Wie sieht ein Planet der Affen aus? Dem Produktionsdesigner Rick Heinrichs nach finden sich dort Wälder, Dschungel und ursprüngliche Landschaften, die eine archaische ebenso wie eine zivilisierte Kultur widerspiegeln. "Wir wollten, dass sich an unseren Drehorten und Sets diese beiden Welten gleichermaßen finden". sagt Heinrichs. "Was nicht heißen mußste, dass die Gegensätze harmonierten."

Der Astronaut Leo Davidson wird mit Gewalt in diese Welt hineingeschleudert. Nach seiner Bruchlandung findet er sich plötzlich in einer rauen, wilden Landschaft wieder, in der das totale Chaos herrscht - im Gegensatz zu der vollkommen kontrollierten, technischen Umgebung seines Raumschiffs.

Um einen geeigneten sumpfigen Dschungel für ihren Planeten zu finden, suchten die Filmemacher auf der ganzen Welt nach einem solchen Drehort. Schließlich führten die logistischen Probleme aber dazu, dass dieser Dschungel in Los Angeles gebaut wurde, in den Hallen der L.A. Center Studios. "Wir haben uns einige wunderschöne Regenwälder auf Hawaii angesehen", erinnert sich Heinrichs. "Doch wir mußsten erfahren, dass es sehr schwierig sein würde, dort alle Ortswechsel, die wir brauchten, zu drehen. Zudem brauchten wir einen Ort, an dem wir uns, um die Actionszenen planen und inszenieren zu können, völlig frei um Bäume und andere Hindernisse herum bewegen konnten. Nach und nach wurde uns klar, dass wir dafür eher die Atmosphäre eines Dschungels brauchten als einen echten Wald."

Andere, noch exotischere Drehorte konnten von der Westküste aus relativ leicht erreicht werden. So wurden Schlüsselszenen des Films auf den kars-tigen Lavafeldern am Fuße des noch immer aktiven Vulkans Mt. Kilauea auf Hawaii gedreht. Heinrichs war wichtig, dass die unterschiedlichen Gegenden von Dschungel und Lavawüste "eine sehr ursprüngliche Atmosphäre schaffen, die fast an die Erde er-innert, obwohl wir dennoch das Gefühl haben, uns auf einem anderen Planeten mit weiten, verlassenen Landstrichen zu befinden".

Der Lake Powell in Arizona war eine weitere zent-rale Location - und gleichzeitig eine kleine Hommage an den Planet der Affen von 1968, für den ebenfalls einige Schlüsselszenen dort gedreht wurden. Burton und Heinrichs entschieden sich, die Nachtszenen in einem Lager der Affenarmee am Strand von Independence Bay zu drehen, einige Meilen von den Schauplätzen des ersten Films entfernt. Am Tage mußsten Mark Wahlberg und einige andere Schauspieler über die riesigen Klippen des Strandes klettern, in die die Produktion eine Reihe von Affenpuppen gesetzt hatte. "Independence Bay unterscheidet sich in vielem von den anderen Stränden des Lake Powell", erklärt Heinrichs. "Und wie auf den Lavafeldern sieht es hier auch aus wie auf einem verlassenen, fremden Planeten - eine andere, doch sehr schöne und pittoreske Welt."

Die Trona Pinnacles, jene bizarren Felsnadeln in der kalifornischen Wüste nahe dem Death Valley, sind nicht nur eines der schönsten Naturdenkmäler der USA, sondern auch der perfekte Schauplatz für Szenen in einer außerirdischen Landschaft. Vor etwa 100000 Jahren, als die Gegend noch aus einer Reihe miteinander verbundener Seen bestand, entstanden die Trona Pinnacles unter Wasser durch das chemische Zusammenwirken von Blaualgen und den Mineralien des Gesteinsbodens: Riffähnliche Felsspitzen erheben sich heute in einer Formation aus etwa 500 Nadeln aus Tuff, von denen einige über 40 Meter hoch sind und aus dem Becken des heutigen Searles Dry Lake emporragen. In dieser zerklüfteten Landschaft findet die Schlacht zwischen den aufsässigen Menschen und der mächtigen Affenarmee statt.

Um die Wohnstätten der Affen zu bauen, wählte Heinrichs eine etwas einfacher zu erschließende Umgebung. Die "Affenstadt" entstand in einer riesigen Studiohalle, die bis zum letzten Quadratzentimeter angefüllt war mit den fantasievollsten Dingen, die die Affen zum Leben und Arbeiten brauchen. Hier schlafen und essen sie, erziehen ihre Kinder, erledigen die Politik, wickeln ihren Handel ab und frönen dem Klatsch, der Unterhaltung und ihren Intrigen.

Heinrichs entwarf diese Stadt als Spiegel für den Kampf zwischen Natur und Architektur. In von Ranken bewachsene große Felsvorsprünge wurden Affenhöhlen und Affenläden hineingeschnitten, die von bunten Wandteppichen geschmückt sind. Hoch aufragende Klippen bilden die Seiten von engen Straßen und umgrenzen die großen öffentlichen Plätze, und über gemauerte Treppen geht es hinab zu den Holzkäfigen, in denen die Menschen gehalten werden.

Der Bau dieses aufwendigen Sets erwies sich für Heinrichs schwieriger als angenommen. "Wir wollten nicht, dass der Eindruck entsteht, unsere Affenstadt türme sich in einer Art Höhle auf", sagt er. Deshalb wurden später mit Hilfe visueller Effekte Himmelsräume und Perspektiven von Weite eingefügt, und die Filmemacher sorgten durch Lichtsetzung und Misenscène dafür, dass der Eindruck eines großen freien Geländes entstand. "Auch hier sollte das Set funktionieren wie eine Maschine, die es uns erlaubte, Tim Burtons Visionen umzusetzen, und die der Action nicht im Wege stand."

Ursprünglich gab es von der Affenstadt ein Styropormodell, an dem Burton und Heinrichs laufend herumfeilten. Es dauerte schließlich über vier Monate, bis das fertige Set aus Holz, Stahl, Schaumstoff, Putz und Zement gebaut war. Mehr als 100 Arbeiter, darunter Schreiner, Fliesenleger, Skulpteure, Maler und Gärtner waren dabei tätig.

Die berühmten Effektespezialisten von Industrial Light & Magic sorgten dafür, dass die Affenstadt ebenso wie andere Schauplätze in Tim Burtons Welt die nötige Größe und Echtheit bekamen. Darüber hinaus verwendeten sie Computertricks für Massenszenen, sowie Matte Paintings, ferngesteuerte Modelle, computergenerierte Raumschiffe, Miniatur-Sets und Pyrotechnik.

Eine haarige Sache: die Kostüme Kostümdesignerin Colleen Atwood war für die Entwürfe und die Herstellung von über 1000 Kostümen für Planet der Affen (2001) verantwortlich. Atwood beschäftigte dafür ein Team aus Skulpteuren, Gießern, Schneidern und Änderungsschneidern, das genau vier Monate vor Beginn des Drehs mit der Arbeit begann.

Wie viele der langjährigen Mitarbeiter von Tim Burton hat auch Atwood eine Kommunikation mit dem Regisseur entwickelt, die nicht mehr vieler Worte bedarf. "Ich kenne Tims künstlerische Arbeiten", sagt sie, "deswegen weiß ich, was er mag und was er nicht mag. Nach vier gemeinsamen Filmen genügt es mittlerweile, wenn er mir einen allgemeinen Eindruck von dem gibt, was er sich in puncto Form und Farbe vorstellt, und ich mache den Rest."

Auch Atwood hatte bei ihren Kostümen stets Burtons Vision vom Lebensstil der Affen und der Art, wie sie sich bewegen, im Kopf. "Wir haben Kleider entworfen, die die Affen schnell an- und ausziehen können", erklärt sie. "Besonders, damit die Schauspieler gleich ihre neu gelernten Lektionen aus der Affenschule ausprobieren konnten. Das führte dazu, dass viele der Kostüme ein asymmetrisches Design haben."

Darüberhinaus sollten die Kleider auch die Persönlichkeiten der Schauspieler bzw. ihrer Charaktere widerspiegeln. "Tim Roth etwa verlieh seinem Thade eine solche Kraft und Macht, dass sein Kostüm das unbedingt reflektieren sollte", sagt Atwood. "Also gibt Thades Kostüm ihm nun ein fast spinnenartiges, kraftvollgefährliches Auftreten." Auch Thades Helm designte Atwood größer und länger als den Kopfschutz der anderen Affen, damit er sich von den Bataillonen von Affensoldaten, die er in die Schlacht gegen die Menschen führt, unterscheidet.

Auch für Thades Freund, den Hauptmann Attar, gespielt von dem breitschultrigen Michael Clarke Duncan, mußste sich Atwood etwas Besonderes einfallen lassen. "Michael anzuziehen, war, als würde man Kleider für das Chrysler-Building schneidern", lacht sie. "Also haben wir sein Kostüm wie eine Skulptur gestaltet, fast nach einem architektonischen Konzept." Attar trägt hauptsächlich Schwarz und Silber, während bei den anderen Affen Rot überwiegt.

Die Menschen mit Kleidern auszustatten, war wiederum eine ganz andere Sache. "Sie dienen den Affen und leben in einer feindseligen Umgebung", erklärt Atwood. Dabei arbeitete sie eng mit ihrer Assistentin Jane Clive zusammen, um einen Stoff zu finden, der den Menschenkleidern etwas Reptilienhaftes gab. "Das Material hatte schließlich etwas Dreidimensionales", sagt sie. Dafür wurden die Stoffe mit mehreren Lagen Farbe besprüht und Muster geschaffen, die an Landschaftsaufnahmen aus der Höhe oder an Tierhaut erinnern.

Für Leos Kostüm versuchte Atwood wieder etwas anderes. "Wir wollten es Mark Wahlberg nicht antun, einen Lendenschurz zu tragen", sagt sie. So trägt er stattdessen die Fetzen seiner Uniform, die nach seiner Bruchlandung entsprechend angekokelt und mitgenommen aussieht. Dadurch unterscheidet sich sein Stil des 21. Jahrhunderts kaum mehr von dem der primitiven Menschen.

Bierdosen und Mülltonnen: die Musik Burtons Arbeit mit dem Komponisten Danny Elfman gibt dem Begriff von "kollegialer Kurzsprache" eine ganz neue Bedeutung. "Während der Vorbereitungsphase", erzählt Elfman, "bekam ich einen Anruf von Tims Büro und wurde um ein Treffen gebeten. Ich hatte in der Fachpresse bereits gelesen, dass er Planet der Affen (2001) drehen würde, also konnte ich mir schon vorstellen, worum es da gehen sollte. Aber danach habe ich nie wieder von ihm gehört."

Nachdem der gleiche Anruf noch einmal kam, wieder ohne Erklärung und ohne Termin, traf Elfman zufällig Burton auf einem Flug nach New York. "Etwa nach der Hälfte des Fluges drehte ich mich schließlich zu ihm um und sagte: ?Also, was ist jetzt, willst du mit mir reden?' Tim antwortete: ?Ich mache einen Film, der auf ?Planet der Affen' beruht.' Als ich ihn gefragt habe, was ihn denn daran interessierte, dachte er einen Moment nach und sagte dann: ?Es ist irgendwie die Art, wie sie sich bewegen.' Ich sah dieses Blitzen in seinen Augen - und das war's, Ende der Unterhaltung. Mehr mußste er mir auch nicht erzählen."

Elfman und Burton unterhielten sich nicht mehr miteinander, bis die Dreharbeiten schon halb fertig waren. "Tims Filme sind für ihn mehr eine Sache des Bauches als des Kopfes", sagt Elfman. "Er intellektualisiert nicht, und ich halte es genauso. Deshalb arbeiten wir auch so gut zusammen." Burton machte klar, dass er eine thematische und melodische Filmmusik wollte. "Die Musik ist sehr kräftig und fast ein bisschen altmodisch, was die klare Abgrenzung der Motive von Gut und Böse betrifft", erklärt der Komponist. Elfman ergänzte das Orchester noch um eine große Anzahl von Trommelinstrumenten und nahm allein sechsundsiebzig Tonspuren mit Percussion auf.

Dafür verwendete er seine eigene Sammlung von Instrumenten, die er entweder selbst gebaut oder rund um die Welt gesammelt hatte: Goldwäscherpfannen, die von Hammerschlägen zerbeult waren, indonesische Trommeln, westafrikanische Xylophone, umgedrehte Bierdosen, die mit kleinen Holzhämmern bearbeitet wurden, und große Mülltonnen waren nur einige der ungewöhnlicheren Exponate aus Elfmans Sammlung.

Für die Titelmusik des Films legte Elfman mit seinen Percussion-Instrumenten richtig los. "Tims Filme sind derart visuell, und die Atmosphäre wird oft so ungewöhnlich, dass es sehr wichtig ist, gleich mit der Titelmusik den Rest des Films einzufangen", erklärt er. "Und für Planet der Affen (2001) brauchte ich eine aggressive und Percussion-lastige Musik." Die Aufnahmen dafür waren eine neue Erfahrung für Elfman: "Das war, als hätte man einen riesigen Raum voll mit fünfzig verschiedenen Trommelinstrumenten, die alle gleichzeitig geschlagen werden - nur dass ich das alles in meinem kleinen Tonstudio machte."

Dirk Jasper FilmLexikon
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