Produktionsnotizen zu Rush Hour 2

Rush Hour war schon am amerikanischen Startwochenende im September 1998 der große Kracher: Der Film spielte 33 Millionen Dollar ein, die schließlich auf weltweit 250 Millionen Dollar Umsatz anwuchsen. Das populäre Buddy-Genre bekam hier einen frischen Impuls und riss das Publikum mit atemlosen Action-Sequenzen und ausgeflippter Komik von den Sitzen.

Vor allem begeisterten sich die Zuschauer aber für das unglaubliche Zusammenspiel der beiden Stars: Jackie Chan, den das Time Magazine einst als "beliebtesten Filmstar der Welt" bezeichnete und der nach zwölf Jahren wieder einen amerikanischen Film vorstellte, und der kometenhafte Aufsteiger Chris Tucker - er hatte sich 1997 mit der Hitkomödie Money Talks - Geld stinkt nicht einen Namen gemacht.

"Das haute uns wirklich um", sagt Regisseur Brett Ratner, der Chris Tucker bereits in Money Talks - Geld stinkt nicht inszeniert hatte und sich als großen Fan von Jackie Chan bezeichnet. "Alle waren begeistert, die beiden gemeinsam auf der Leinwand zu erleben". Der Regisseur sieht den Erfolg des Films auch in der "Thriller-Atmosphäre" begründet, aber " Rush Hour entwickelte sich ganz offensichtlich zum Phänomen, weil das Publikum auf die Chemie zwischen Chris und Jackie abfährt. Die beiden zusammen sind ein explosives Gemisch." Produzent Arthur Sarkissian pflichtet Ratner bei: "Nach dem Film sagten die Zuschauer einhellig: ,Chris und Jackie sind ein tolles Team.' Seit die beiden sich zusammentaten, funkt es zwischen ihnen auf ganz unnachahmliche Weise."

" Jackie Chan und mir ist es in die Wiege gelegt worden, ein Team zu bilden", deklamiert Chris Tucker. "Wir sind echte Kumpels, und wir haben den gleichen Kampfstil. Er versucht zwar mit mir Schritt zu halten, aber ich bin ihm immer ein kleines bisschen voraus", flachst er. "Er ist ein Spitzentyp. Wir sind wie Brüder - nur dass ich schwarz bin und er Chinese."

Auch Chan spricht voll Zuneigung von Tucker: "Ich kann den Typen nicht ausstehen, und ich weiß wirklich nicht, warum ich Filme mit ihm mache. Aber Scherz beiseite: Ich mag Chris wirklich sehr. Er schenkt mir seine Klamotten, und ich gebe ihm meine. Ich lehre ihn die chinesische Tradition, und er bringt mir amerikanische Rap-Songs bei. Wir sind Kumpel, wir teilen alles." Ein besonderes Faible teilen der Martial-Arts-Meister und die wandelnde Gag-Fabrik gleichermaßen: Sie lieben das Improvisieren. "Das ist echt fetzig, Mann! Ich arbeite mit dem größten Action-Star der Welt zusammen", sagt Tucker. "Jeden Tag erscheine ich am Set und sage: ,Jackie, ich kann's kaum erwarten. Was lässt du mich heute wieder anstellen? Ich achte Jackies überragendes Können und will ihn auf keinen Fall enttäuschen."

Als Darsteller, Regisseur und Stunt-Coordinator hat Chan durch seine langjährige Filmarbeit im Hongkong-Kino große Erfahrungen gesammelt, die er den "Rush Hour"-Filmen zur Verfügung stellt. "Jackie wirkt bei Dreharbeiten wie ein alter Hase im Sportlerteam", sagt Produzent Jay Stern. "Er erscheint pünktlich, ist vorbereitet und engagiert sich zu 100 Prozent. Hinzu kommt, dass er in komischen Momenten seinen ganzen Körper einsetzt, genau wie Buster Keaton und Charlie Chaplin das gemacht haben. Er vollbringt Dinge, die man nicht für menschenmöglich hält."

"Jackie bringt sich bei der Choreografie der Actionszenen voll ein", sagt Brett Ratner. "Für mich ist er nicht nur Darsteller, sondern ein vollwertiger Action-Coordinator. Er arbeitet schon länger beim Film, als ich auf der Welt bin, also kann ich gar nicht anders, als die Grundlagen der Stuntarbeit von ihm zu lernen. Üblicherweise werden Kampfszenen vorher konzipiert und durchgeplant, dann dreht man eine Gesamteinstellung und geht anschließend ins Detail. Doch diesmal konzipieren wir alles von Tag zu Tag, Stück für Stück. Ich werde mich hüten, Jackie vorzuschreiben, wie er mit Füßen und Handkanten zuschlagen soll. Ich sage ihm nur, wo die Szene einsetzt und wie sie aufhören soll, damit wir die passenden Anschlüsse zu den übrigen Szenen bekommen. Diese Arbeitsmethode ist zwar zeitaufwändiger, führt aber zu verblüffenden Ergebnissen. Jackie hat sich noch nie so engagiert wie bei den Kampfszenen zu diesem Film."

Chans physischer Improvisation stehen Tuckers improvisierte Sprüche gegenüber - aus seiner Zeit als Stand-up-Komiker bringt er eine Menge Erfahrung mit. "Es liegt wohl daran, dass Chris nicht nur ein Spitzenkomiker, sondern auch in dramatischen Situationen ein hervorragender Schauspieler ist", sagt Produzent Arthur Sarkissian. "Deswegen kann er sich voll darauf konzentrieren, den Humor auf die Spitze zu treiben. Ich fühle mich dabei an den Eddie Murphy von vor 20 Jahren erinnert. Chris hat Charisma, und er arbeitet hart daran, seine Rolle und den Film so überzeugend wie möglich zu gestalten."

Man könnte auf die Idee kommen, dass Tuckers sekundenschnell sprudelnde Einfälle und aus dem Stegreif improvisierte Dialoge Jackie Chan verunsichern, denn für Chan ist Englisch ja eine Fremdsprache. Tatsächlich erwies sich der verbale Schlagabtausch aber als völlig problemlos. Mit Chans Worten: "Chris denkt nicht nur über seine Rolle nach, sondern auch über meine: ,Das kannst du so nicht sagen, das würde Lee nie tun.' Ebenso plane ich die Kampfszenen auch für ihn mit: ,So kannst du nicht kämpfen. Das passt nicht zu Carter.' Wir unterstützen uns gegenseitig. Ich bringe ihm die Action bei, und er mir die Sprüche. Er denkt für mich mit, und das gibt mir ein sehr angenehmes Gefühl der Sicherheit."

Seit dem ersten Rush Hour-Film hat Inspector Lee (Chan) allerdings ganz gut gelernt, mit Carters (Tucker) Ausdrucksweise und Sprüchen umzugehen - davon profitiert die Fortsetzung ganz erheblich. "Wenn Carter Lee jetzt androht, er werde ihm in den Hintern treten, dann kontert Lee mit einer viel schärferen Beleidigung - die hat er nämlich oft genug selbst von Carter hören müssen."

Regisseur Brett Ratner fällt die schwierige Aufgabe zu, auf die richtige Mischung von Action und Comedy, von Jackie Chan und Chris Tucker zu achten. "Brett hat es mit zwei Originalen zu tun, die in Bezug auf ihren individuellen Arbeitsstil nicht unterschiedlicher sein könnten, aber er schweißt sie zu einem Team zusammen", sagt Produzent Jonathan Glickman. "Er überbrückt die Unterschiede und schafft es, mit beiden gleichzeitig zu kommunizieren. Ständig fallen ihm neue Ideen ein, wie man die Figuren überzeugender gestalten kann."

"Zu Bretts auffälligsten Eigenschaften gehört, dass er sich wunderbar auf seine Mitarbeiter einstellt, um sie so zu Höchstleistungen zu bringen", sagt Executive Producer Andrew Z. Davis. "Er beobachtet Chris und Jackie und erkennt in ihnen das Essenzielle in Carter und Lee - er hilft den beiden, sich selbst zu begreifen."

"Brett ist spitze, weil er mir sehr ähnlich ist", sagt Chris Tucker. "Die spontane Improvisation liegt ihm im Blut, und immer strebt er das bestmögliche Ergebnis an. Unglaublich, was der für Energie aufbringt! Erst dachten wir: Der ist auf Droge. Aber bald haben wir kapiert, dass das gar nicht stimmt. So ist er eben. Er ist einfach irgendwie verrückt - im besten Sinne des Wortes", begeistert sich Tucker. Jackie Chan kann Tucker in Bezug auf Ratner nur beipflichten: "Brett wirkt wie ein großer Junge, unermüdlich. Selbst wenn wir unser Bestes geben, will er immer mehr, mehr, mehr! Er treibt sich selbst ständig zu Spitzenleistungen an, und auf diese Weise geben wir alles, was in uns steckt."

Produzenten, Darsteller und Regisseur waren einhellig über die Chance für eine Fortsetzung begeistert. Allerdings hatte jeder einzelne ganz spezifische Vorstellungen davon, wie Rush Hour 2 aussehen soll. Laut Produzent Jonathan Glickman "wollten sowohl Chris als auch Jackie mit diesem Film den ersten Teil eindeutig übertreffen, die Idee weiter entwickeln und die Fortsetzung auf eigene Füße stellen. Das Entscheidende an der Fortsetzung: Der Rahmen ist diesmal sehr viel breiter angelegt." Chris Tucker stimmt ihm zu: "Teil 2 soll unbedingt größer, schöner, komischer, actionreicher, in jeder Beziehung toller werden: Das heißt, dass Jackie hier Sachen anstellt, die er noch nie auf der Leinwand gemacht hat. Und ich habe mich voll für diesen Film eingesetzt, weil schon der erste so viel Spaß gemacht hat - ich wollte unbedingt wieder mit diesem Team zusammenarbeiten. Die Erwartungen sind sicher hoch gesteckt, aber wir haben sie erfüllt!" Jackie Chan fühlt genau dasselbe: "Uns ist völlig klar, dass die Zuschauer eine Qualitätssteigerung erwarten - deswegen haben wir uns nach besten Kräften eingesetzt. Große Action, große Stunts, große Comedy - in diesem Film ist alles groß!"

Stoßverkehr in den Straßen von Hongkong Am Anfang des zweiten Teils fliegen Detective Carter und Inspector Lee über den Pazifik und landen in Hongkong. Pläne für eine Fortsetzung existierten bereits, bevor der erste Film in die Kinos kam. "Die letzte Szene des Originalfilms war in der Hoffnung konzipiert, dass wir eines Tages eine Fortsetzung drehen würden", sagt Brett Ratner. "Wir setzten die beiden also ins Flugzeug nach Hongkong und hatten damit den Schauplatz schon vorgegeben." Über die Testvorführungen zu Rush Hour berichtet Produzent Arthur Sarkissian: "Auf den Fragebögen stellten alle Zuschauer die Frage: ,Und was passiert, wenn sie in Hongkong ankommen?' In dem Moment merkten wir, dass die Idee zur Fortsetzung beim Publikum angekommen war, denn die Leute erkundigten sich stürmisch danach. Und im Gegensatz zu Rush Hour ist nicht Jackie der Fremdling in Los Angeles", fährt Sarkissian fort. "Diesmal, so fanden wir, ist Hongkong der perfekte Schauplatz, weil Chris sich hier wie ein Fisch auf dem Trockenen fühlt."

Instinktiv spürte Brett Ratner, dass der Anfang des 2. Teils in Hongkong funktionieren wird, weil er die Hongkong-Premiere von Rush Hour 1998 immer noch vor Augen hatte: Er beobachtete damals, wie die Einheimischen auf Tucker reagierten, als sie gemeinsam durch die Straßen gingen. "Wir sind überall in Hongkong herumgekommen", erinnert sich Ratner. "Und die Menschen starrten Chris einfach an. So wie er nun mal ist, versuchte er sofort mit ihnen zu reden, und sie sahen ihn nur an, als ob er verrückt wäre. Ich habe noch nie so etwas Komisches erlebt!"

Zwar gab es auch im ersten Teil eine kurze Hongkong-Sequenz, aber diesmal wollte das Produktionsteam alles ausnutzen, was die Stadt zu bieten hat. "Die Skyline ist einfach irre", begeistert sich Ratner, der das Hongkong-Kino bewundert und den dort gedrehten Klassiker "Der Mann mit der Todeskralle" zu seinen Lieblingsfilmen zählt. "Jeder Blickwinkel bietet wunderbare Möglichkeiten: Die Menschen im Hintergrund, die Schilder, die Gesichter? ein Filmemacher findet dort unglaubliche Motive."

Interessant mögen die Dreharbeiten in den Straßen von Hongkong zwar sein, aber sie gestalten sich auch enorm kompliziert. Im Gegensatz zu westlichen Produktionsteams dreht man vor Ort häufig ohne Drehgenehmigung, ohne Absperrung oder Umleitung der Passanten. Jackie Chan ist in seiner Heimat ein Nationalheld, er ist es gewohnt, dass sich riesige Trauben von Fans um den Drehort scharen, doch diesmal erlebte sogar er ein paar Überraschungen. In einer Szene mußsten Chan und Tucker plötzlich mitten auf der Fahrbahn ihren Wagen anhalten, aussteigen und völlig nackt die Straße hinunterlaufen. "Das war höchst peinlich", sagt Chan. "Wir beide mitten auf der Straße, und ich werde fast von einem Truck überfahren. Der Fahrer bremst und sagt: Jackie Chan! Bekomme ich ein Autogramm?'" Brett Ratner erinnert sich: "Bei dieser Szene war es Jackie ganz besonders wichtig, sie beim ersten Take hinzubekommen. Das lag sicher einerseits an der Umgebung und an der damit verbundenen Gefahr ... aber es war auch zum Schreien komisch."

Bei den Dreharbeiten zu Rush Hour 2 ging es oft hoch her, bemerkenswert ist aber vor allem, dass in diesem Fall die chinesische Regierung erstmals eine westliche Produktion offiziell unterstützte. Zum Beispiel durfte die Neonbeleuchtung der Wolkenkratzer am Victoria Harbor die ganze Nacht anbleiben - normalerweise wird sie um Mitternacht ausgeschaltet.

Genau wie Lee den Kollegen Carter in seine Heimatstadt einführt, konnte Jackie Chan Chris Tucker nach Drehschluss zeigen, wo er am liebsten seine Freizeit verbringt. Mehr als einmal gingen Tucker die Augen über. Mit Tuckers eigenen Worten: "Jackie hat mich oft hereingelegt. Eines Abends aßen wir in einem von Jackies Lieblingsrestaurants, und ich sollte unbedingt eine besondere Suppe probieren. Ich habe nicht genau kapiert, was für eine Suppe das eigentlich war. Irgendwann kam dann der Kellner und fragte, ob es mir schmeckte, und ich sagte ja. Er sagte: ,Froschspeichelsuppe ist unser beliebtestes Gericht.' Jackie und ich sind darauf in den Clinch gegangen, aber irgendjemand hat uns dann getrennt. Ich habe in Hongkong wirklich verrückte Sachen gegessen - am liebsten würde ich dieses Kapitel mit dem Mantel des Vergessens zudecken!"

In Hongkong bekam Tucker erstmals mit, wie beliebt Jackie Chan dort ist. "Jackie ist da so eine Art Präsident. Absolut jeder findet ihn toll - mit ihm zusammenzusein ist also eine große Ehre. Jackie ist ein chinesischer Donald Trump. Er ist an allen möglichen Unternehmen beteiligt. Er hat sogar sein eigenes Geschäft, in dem ich mir ein paar Klamotten gekauft habe."

Auch für andere Aspekte der chinesischen Kultur interessierten sich die Filmemacher. Das Karaoke-Phänomen ist in Hongkong sehr verbreitet. "Bei der Produktion des ersten Films war eine Karaoke-Szene dem Schnitt zum Opfer gefallen. Uns lag also viel daran, im Sequel eine ähnliche Szene unterzubringen", sagt Produzent Roger Birnbaum. Diesmal bekommt Chris Tucker Gelegenheit, seine ureigene Version von Michael Jacksons Klassiker "Don't Stop 'Till You Get Enough" vor einem fassungslosen chinesischen Publikum zum Besten zu geben. "In Hongkong nimmt man Karaoke sehr ernst", sagt Birnbaum. "Es war also sehr komisch sich vorzustellen, wie Chris als amerikanisches Plappermaul in diese geheiligte Umgebung hineinplatzt." Nachdem Tucker sich etliche Stunden mit Tanzen und Singen völlig verausgabt hatte, war die Szene endlich im Kasten, und er klagte erschöpft: "Jetzt kapiere ich endlich, was Sänger wirklich leisten müssen!"

Die Filmemacher wussten also genau, dass sie mit Hongkong den denkbar besten Schauplatz für den Anfang des Films gefunden hatten - doch ebenso bewusst steuerten sie auf ein ideales Filmfinale in Las Vegas zu, denn diese Stadt bot sich als Kulisse für das Geldwäsche-Komplott in der Geschichte geradezu an.

"The Strip" ist jedoch sehr häufig in Spielfilmen zu sehen, und um den Abnutzungseffekt zu vermeiden, kreierte man im heute geschlossenen Desert Inn Hotel ein extravagantes Casino-Set speziell für den Film. Verantwortlich war der legendäre Produktionsdesigner Terence Marsh - der zweifache Oscar-Preisträger hat zum Beispiel an Epen wie "Lawrence von Arabien" und "Doktor Schiwago" mitgewirkt. Sein Team benötigte ganze sechs Wochen, um das opulente Red Dragon Hotel und Casino im chinesischen Stil aufzubauen. Im Zentrum steht der sieben Meter hohe Drache, der dem Hotel seinen Namen gibt - er kann sogar Rauch und Feuer speien.

Denkwürdig war vor allem jener Drehtag in Las Vegas, als Oscar Goodman, der Bürgermeister der Stadt, das Set besuchte und spontan diesen Anlass zum "Rush-Hour-2-Tag" erklärte. Jackie Chan, Chris Tucker und Brett Ratner empfingen aus seiner Hand den Schlüssel der Stadt. Tucker kommentierte: "Vegas ist meine Stadt. Jetzt, wo ich den Schlüssel zur Stadt habe, müssen sie mich überall hineinlassen. Schön wäre es, wenn Sammy Davis, Jr. das heute miterleben könnte!"

Wer austeilt und wer einsteckt Schon vor den Ausflügen nach Hongkong und Las Vegas begannen die Dreharbeiten im November 2000 in Los Angeles, wo das Team mehrere Wochen mit Studio- und Außenaufnahmen zubrachte. Doch natürlich geht es nicht nur um prächtige Schauplätze - die Helden bekommen es auch mit einer Reihe neuer Filmpartner zu tun. Durch diese erstmals in Teil 2 vorgestellten Figuren erfahren wir mehr über die Vorgeschichte des von Jackie Chan gespielten Inspector Lee. "Diesmal mußsten wir die Motivation der Hauptfiguren noch verstärken", sagt Regisseur Ratner. "Das war gar nicht so einfach, denn immerhin ging es im ersten Teil um das Leben eines kleinen Mädchens.

Also haben wir jetzt die emotionalen Voraussetzungen intensiviert - wir führen eine Figur ein, die Lee stark motiviert und gleichzeitig deutlich macht, warum Carter sich so aufführt: Beider Väter sind im Polizeidienst, in Erfüllung ihrer Pflicht umgekommen. Als Carter begreift, dass Lee diesen Fall unbedingt übernehmen will, um seinem Vater die letzte Ehre zu erweisen und seinen Mörder dingfest zu machen, ist auch er voll bei der Sache und unterstützt seinen Freund. Plötzlich ist dies für beide eine Herzensangelegenheit."

Als Darsteller des Schurken Ricky Tan, den ein dunkles Geheimnis mit Inspector Lee verbindet, wollte Brett Ratner unbedingt den erfahrenen Schauspieler John Lone einsetzen, der seine bekannteste Rolle in Bernardo Bertoluccis Oscar-Sieger "Der letzte Kaiser", (1987) spielte. "Ricky Tan und seine sehr weit zurückgehende Beziehung zu Lee erforderte einen hervorragenden Darsteller", sagt Ratner. "John Lone passt in diese Schuhe. Er wirkt einerseits sehr souverän als eleganter und gewandter, aber höchst gefährlicher Unterweltboss, andererseits überzeugt er auch mit der Warmherzigkeit und Zuneigung, die er Lee entgegen bringt. Wir glauben Ihnen, dass sie sich schon sehr lange kennen."

"John Lone gestaltet jede seiner Rollen irgendwie einzigartig", sagt Produzent Arthur Sarkissian. "In diesem Film ist der Kriminelle sehr viel mehr als nur der Bösewicht. Durch sein Auftreten wirkt er absolut glaubwürdig."

"Ricky Tan ist Geschäftsmann", sagt John Lone über seine Rolle. "Sein Geschäftsgebaren dürfte wohl von den wenigsten als angemessen bezeichnet werden - andererseits macht er sich nie seine Hände schmutzig. Was getan werden mußs, das lässt Ricky Tan von anderen erledigen."

Als Brett Ratner in Hongkong Schauplätze aussuchte und Vorsprechtermine für die Rolle von Ricky Tans gefährlicher Assistentin Hu Li wahrnahm, sah er sich eine Rohschnittfassung von Ang Lees Tiger & Dragon an. Dabei war er vom Talent und der atemberaubenden Schönheit der 23-jährigen Schauspielerin Zhang Ziyi, der Partnerin von Chow Yun-Fat und Michelle Yeoh, derart begeistert, dass er sofort nach Peking flog, um sie kennen zu lernen und ihr amerikanisches Filmdebüt in "Rush Hour 2" zu besprechen.

Zhang erinnert sich an ihr erstes Treffen mit dem Regisseur: "Er sah mich an und sagte: ,Mein Gott!' Ich glaube, er war noch aufgeregter als ich." Sie war überrascht, wie jung Ratner ist, wunderte sich dann aber auch über das Tempo der Besprechung. "Ich konnte es gar nicht fassen, dass er schon noch zehn Minuten in die Drehbuchdiskussion einstieg", sagt Zhang. "Wir kannten uns ja gar nicht. Er hatte mich nur als Jen Yu in Tiger & Dragon gesehen, wo ich dauernd durch die Luft fliege. Dennoch haben wir uns auf Anhieb verstanden."

Die Filmemacher verliebten sich derart in Zhang, dass sie ihre Rolle erweiterten - ursprünglich waren dafür zwei Personen vorgesehen. "Sie ist ein echtes Chamäleon", sagt Produzent Arthur Sarkissian. "Sie sieht zwar allerliebst aus, aber als Hu Li legt sie bald die harten Bandagen an - genauso wollten wir unsere äußerst ungewöhnliche Schurkin präsentieren." Durch Zhang Ziyis Besetzung arbeiten nunmehr zwei Generationen akrobatischer Spitzendarsteller zusammen - Chan gab Zhang bei der Choreographie der Kampfsequenzen intensive Hilfestellung. Zhang hat in China Tanz studiert, und sie erwies sich der Martial-Arts-Legende Jackie Chan mehr als ebenbürtig. "Nur in zwei Fällen haben wir für sie ein Stuntdouble eingesetzt", berichtet Chan. "Sie ist unglaublich lernbegierig und sagt ständig: ,Das mache ich selbst.' Ich sage ihr dann, dass sie einfach auf mich vertrauen soll - und dann legt sie los. Sie ist eine wunderbare Schauspielerin."

Die Rolle der amerikanischen Secret-Service-Doppelagentin Isabella Molina übernimmt die Puertoricanerin Roselyn Sanchez. Lee und Carter rätseln lange herum, auf wessen Seite Isabella eigentlich steht. Begeistert nahm Sanchez die Rolle an: "Ich bekomme Gelegenheit, eine sehr selbstsichere Frau zu spielen. Sie ist intelligent, clever, sie weiß sich ihrer Haut zu wehren. Das hat großen Spaß gebracht."

Im Gegensatz zum ersten Film darf sich Workaholic Detective Lee hier allmählich in Agentin Molina verlieben, was zu erheblichen Spannungen zwischen ihm und Carter führt, der ihm schließlich das Mädchen wegschnappt. Viel Zeit für Turteleien bleibt jedoch nicht im Kreuzfeuer zwischen Action und Comedy - das fand Jackie Chan sehr schnell heraus: "Als ich mir die Molina-Rolle ansah, habe ich Brett Ratner gesagt, dass Lee unbedingt eine Kuss- oder Liebesszene mit ihr bekommen mußs", erzählt Chan. "Bretts Anwort: ,Das könnte dir so passen!'"

Komplettiert wird die Besetzung durch den legendären Schauspieler/Komiker Alan King, der die Schlüsselrolle des Casino-Besitzers und Unternehmers Steven Reign übernimmt - Reign macht gemeinsame Sache mit Ricky Tan. "Dieser Typ mußs hundertprozentig nach Las Vegas passen", sagt Brett Ratner. "Und als Casino-Besitzer ist Alan King der perfekte Mann. Ich habe mich bei der Gestaltung der Rolle ein wenig an Steve Wynn und Donald Trump orientiert. Der Mann sieht sich als Teil des Showgeschäfts - das merkt man ganz deutlich. Gleichzeitig wird klar, dass hinter der glatten Fassade ein beinharter Typ steckt."

Viel Spaß versprechen etliche Gastauftritte bekannter Schauspieler. "Brett wollte, dass bestimmte Stars in seinem Film auftreten, weil er sie gut kennt und genau weiß, wie man sie einsetzen kann", sagt Produzent Arthur Sarkissian. "Das Schöne bei solchen Cameos: Wenn Chris und Jackie mit Schauspielern dieses Kalibers auftreten, müssen sie nicht wie sonst immer im Mittelpunkt stehen. Denn das sind Schauspieler, die sonst keine Gastauftritte übernehmen."

Ein unschlagbares Team Die Beziehung zwischen Carter und Lee hat sich zwar weiter entwickelt (so wie die Freundschaft zwischen Jackie Chan und Chris Tucker intensiver geworden ist), aber von der Atmosphäre her gleicht Rush Hour 2 durchaus dem Original. Die Kulturen prallen wieder aufeinander, die sprachlichen Hürden bestehen weiterhin, die komischen Situationen entwickeln sich wieder aus der realen Umgebung, vor allem aber bleibt die Beziehung zwischen Tucker und Chan das entscheidende Element auch des zweiten Films. "Was zwischen Chris und Jackie abläuft, ist originell und überzeugend", bestätigt Ratner.

"Das Publikum will die beiden sehen, weil es sich für diese Beziehung begeistert. Und die bauen wir im neuen Film aus, das erwarten die Zuschauer. Emotional vertieft und erweitert sich die Beziehung und Freundschaft erheblich, denn inzwischen haben die beiden schon einiges zusammen durchgemacht. Sie verstehen einander besser, sie lernen mehr über die Kultur des anderen - was nicht heißt, dass es keine Missverständnisse mehr gibt. Eben wie im richtigen Leben!"

Den Schauspielern, Produzenten und dem Regisseur war natürlich klar, dass man die Filme miteinander vergleichen würde. Deshalb nahmen sie sich vor, in Rush Hour 2 die Erwartungen in jedem Fall zu übertreffen. "Wunderbar, dass wir mit dem Team des ersten Films weitermachen können", sagt Produzent Arthur Sarkissian. "Wir führen fort, was die Zuschauer an Teil 1 mochten, aber diesmal größer, besser und komischer." Brett Ratner bestätigt das: "Die Action nimmt im Vergleich zum ersten Film erheblich zu. Aber dabei vergessen wir die Comedy durchaus nicht. Beide Filme werden von der umwerfenden Interaktion zwischen Jackie und Chris angetrieben. Wie ich gerne sage: Selbst wenn man sie vor einer weißen Wand filmen würde, wären sie spitze." Und er fügt hinzu: "Glücklicherweise war das nicht nötig."

Dirk Jasper FilmLexikon
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