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"Sämtliche Beteiligten der Produktion betraten angesichts der Ausmaße und des historischen Hintergrunds der Geschichte Neuland", gesteht Produzent Todd Black. Aber das Talent und die unerschütterliche Zuversicht von Autor/Produzent/Regisseur Brian Helgeland, der für sein Drehbuch zu L.A. Confidential einen Oscar® gewonnen hatte, halfen immer wieder, etwaige Ängste des Teams nachhaltig zu zerstreuen.
Im Gespräch über sein jüngstes Projekt sagt Helgeland: "Wir wollten einen Historienstoff entwickeln, der der damaligen Zeit entsprechen, sich aber dennoch zeitgemäß anfühlen sollte. Ich wollte, dass das Mittelalter für den Zuschauer so lebendig wirkt wie für die Menschen, die damals lebten. Für sie war es keine archaische Zeit. Für sie war es die Gegenwart."
Er fährt fort: "Wenn man will, dass ein Film funktioniert, dann mußs man das Publikum einladen, an ihm teilzuhaben. Der Zuschauer kann sich ausgeschlossen fühlen, wenn man sich zu sehr auf detailgetreue Kostüme, veraltete Dialoge oder antiquierte Musik versteift. Es mußs Elemente geben, zu denen man eine Beziehung aufbauen kann. Unser Ziel war es, eine nahtlose Verbindung zwischen Damals und Heute zu schaffen."
Da sich das Projekt in besten Händen befand, begann man in der Tschechischen Republik mit den aufwändigen Vorbereitungen für den ambitionierten Dreh. Die Produktion bezog ihr Hauptquartier in Prag, das bereits während der Zeit, in der der Film spielt, einige Jahrhunderte auf dem Buckel hatte. Um sich angemessen auf den Dreh vorzubereiten, gönnte Helgeland sich und seinen Darstellen den Luxus, einen Monat zu proben und sich auf diese Weise bestens kennenzulernen.
Neben den Locations außerhalb von Prag, in der hinreißenden Natur von Tschechien, wurde auf dem Gelände der legendären Barrandov Studios ein gigantisches Außenset errichtet, wo sich auch die Produktion niederließ. Diese Sets hatten die Größe von zwei American-Football-Feldern und umfassten das mittelalterliche London, Rouen und ein Feld für Lanzenduelle - eines von dreien, die man im Film zu sehen bekommt. Zudem kam eine riesige Eislaufarena in der Insel des Vtalva im Herzen von Prag zum Einsatz, wo man eine gewaltige Banketthalle errichtete, sowie Innenteile der Kathedralen von Notre Dame und Rouen.
Heath Ledger, der gerade mit seiner Rolle als Mel Gibsons mutiger Sohn in (Der Patriot) als Jungstar mit Zukunftspotenzial auf sich aufmerksam gemacht hatte, übernahm die Rolle des William, einem furchtlosen, tollkühnen, jungen Mann, der seinen Aufstieg in die eigenen Hände nimmt und ungeahnte Höhen erklimmt.
Der in Australien geborene Schauspieler sagt: "Was mir wirklich gefiel, war nicht so sehr, dass es William gelingt, zu ändern, was ihm durch seine Sterne vorherbestimmt ist, sondern was er dabei lernt. Er will das Gold, die Ehre und den Ruhm, aber er erkennt schließlich, dass seine Freunde, die ihn umgeben und ihn unterstützen, die wahren Sterne in seinem Leben sind. Das wahre Edle ist es, die eigene Bestimmung und sein Herz zu finden."
Brian Helgeland fügt hinzu: "Als William schließlich auch laut Papier in den Adelsstand erhoben wird, ist er in seinem Herzen längst geadelt. Ritter aus Leidenschaft ist ein Märchen mit einem Happyend."
Die meisten Lieblingsfilme des Regisseurs und Autoren sind Ensemblefilme. "In unserer Geschichte ist William der charismatische Träumer. Wat ist der Ungeduldige, Impulsive mit der kurzen Zündschnur, der immer bereit ist, für die Gruppe zu kämpfen. Roland ist wie ein älterer Bruder, das Rückgrat, er hat das Sagen. Auf ihrem Weg lesen sie Geoff Chaucer auf. Er ist kein toter Dichter, sondern eine brillante, wenn auch etwas zerstreute Kombination aus Sportmanager, Presseagent und Conferencier. Und schließlich ist da noch Kate, eine junge Frau, die die Schmiede ihres verstorbenen Ehemannes übernommen hat. Sie alle brauchen einander. Jeder hat etwas zu gewinnen und etwas zu geben."
Über William sagt Helgeland: "Heath Ledgers William steht natürlich im Mittelpunkt. Seine Geschichte ist ein moderner amerikanischer Archetypus eines Selfmade-Mannes, der sich von sozialen Hürden nicht aufhalten lässt. Es ist die Geschichte von vielen von uns. Ich zum Beispiel war ein Fischer, der aus einer alt angestammten Fischerfamilie kommt. Jedes männliche Mitglied meiner Familie fischte nach Jakobsmuscheln, mit Ausnahme eines Onkels, der nach Alaska auswanderte, um nach Königskrabben zu fischen. Hollywood war für mich Lichtjahre entfernt, aber irgendwie ist es mir gelungen, eine Anstellung als Drehbuchautor zu erhalten. Das war ein ziemlich großer Schritt. Dann war ich ein Autor, der Regie führen wollte. Noch ein ziemlich großer Schritt. Ritter aus Leidenschaft ist ein Tribut an alle, die etwas geschafft haben, das für sie eigentlich unerreichbar schien."
Die Geschichte nimmt ihren Lauf, als ein Junker und zwei Knappen Zeuge werden, wie ihr Meister unerwartet aus dem Leben scheidet - ausgerechnet unmittelbar vor dem Gewinn eines Lanzenturniers, mit dessen Siegprämie sich auch ihre ausgehungerten Mägen füllen lassen würden.
Auf der Stelle trifft William die Entscheidung, die Rüstung des verstorbenen Ritters anzulegen und das Turnier an seiner statt im Namen des Überlebens - und der Erfüllung seines größten Wunschtraums - zu beenden. Roland erinnert William immer wieder daran, dass man adelig sein mußs, um an dem Wettbewerb teilnehmen zu dürfen. Die Konsequenzen bei Missachtung des Gebots könnten ernsthaft und sehr schmerzvoll sein.
Die Schelte prallt an William ab. Er entgegnet, dass er sich diese Chance nicht entgehen lassen könne: "Ich habe mein ganzes Leben auf diesen Moment gewartet." Und er nutzt die Gelegenheit.
Inmitten der Wucht aufeinander prallender Körper und Rüstungen, ekstatischer Schreie und Zurufe der Zuschauer und unter dem Dröhnen von Klängen klassischer Rockballaden gelingt es dem Hochstapler nicht nur unerkannt zu bleiben, sondern auch noch das Turnier zu gewinnen. Ein Held ist geboren.
"Wir schaffen das", erklärt der aufgekratzte William. "Wir können Champions sein. Ich werde nicht den Rest meines Lebens als Nichts verbringen." Und so, obwohl ihm seine Weggefährten dringend abraten, verwandelt sich der unbedeutende William Thatcher in den edlen Sir Ulrich von Lichtenstein aus dem weit entfernten Gelderland. Nicht von ungefähr befindet sich auf dem Wappen seiner Rüstung ein Phönix. "Sein Ende ist sein Anfang", sagt William. Somit beginnt der Ritter aus Leidenschaft seine gewaltige Täuschung. Bei ihrer Reise durch den atemberaubenden Prunk Europas stößt ein 29-jähriger, immer wieder mal unbekleideter Autor namens Geoff Chaucer, dessen gewandte Worte William den Weg ebnen, und die resolut eigenständige Schmiedin Kate, eine ausgewiesene Spezialistin für Rüstungen, zu der bunten Gruppe von Außenseitern um William.
Chaucer ist ohne Zweifel der bekannteste Name unter den Figuren des Films. Es gibt viele Unterlagen über seine künstlerischen Leistungen, aber nur wenig ist über den Mann und Dichter Chaucer bekannt. Tatsächlich gibt es einen kurzen Zeitabschnitt in seinem Leben, der völlig undokumentiert ist. Es ist ein angenehmer Umstand, dass Ritter aus Leidenschaft ausgerechnet in diesem Abschnitt von Chaucers Leben angesiedelt ist. Brian Helgeland konnte sich somit so manche unterhaltsame Freiheit mit dem Dichter erlauben, bevor dieser entdeckt und in der englischsprachigen Welt berühmt wurde wie in Deutschland Walther von der Vogelweide.
Williams Gegenspieler ist ein rücksichtslos charismatischer Champion namens Count Adhemar (Rufus Sewell), der sich vorgenommen hat, Williams Träume zum platzen zu bringen. Und natürlich ist da noch die umwerfende Jocelyn, ein adliges Edelfräulein, wegen der sich die stolzesten Ritter Europas die Schädel einschlagen würden. Für den Sohn eines armen Dachdeckers ist sie so weit entfernt wie die Möglichkeit, an einem Turnier teilzunehmen.
Jocelyn wird von Shannyn Sossamon gespielt, die mit Ritter aus Leidenschaft ihr Spielfilmdebüt gibt. Im Oktober 1999 begleitete die 20-Jährige einen befreundeten DJ zur gemeinsamen Geburtstagsparty von Gwyneth und Jake Paltrow, wo die Hollywood-Casterin Francine Maisler auf sie aufmerksam wurde.
Maisler erinnert sich: "Shannyn ist so faszinierend schön, dass ich gar nicht mehr wegsehen konnte. Ich habe noch nie zuvor so stark auf einen Menschen reagiert. Mir war auch sofort klar, dass sie sich ihres Aussehens überhaupt nicht bewusst war. Ich wollte sie ansprechen, aber bin immer sehr zögerlich, wenn ich mit Fremden Konversation betreiben soll. Ich habe außerdem viel zu viel Respekt vor Schauspielern, als dass ich glauben würde, dass jeder Schönling das Zeug zur Schauspielerei hätte. Natürlich will man Wildfremden auch nicht unnötig Hoffnungen machen."
Maisler hielt sich an die übliche Etikette und traf sich ein paar Tage später mit der Schönheit mit den dunklen Augen, die sich als DJ ein paar Mark nebenher verdient. Sie erfuhr, dass Shannyn in Hawaii geboren wurde, in Reno, Nevada, aufwuchs und anschließend nach Los Angeles gezogen war, um dort ihre große Leidenschaft, das Tanzen, zu studieren. Die Nachricht, dass die junge Frau aufgrund einiger Auftritte in Fernseh-Werbespots über eine gewisse Erfahrung vor der Kamera verfügte, ermutigte Maisler.
Wenig später wurde Maisler in den Besetzungsprozess von Ritter aus Leidenschaft involviert. Sofort mußste sie an Sossamon denken, die in ihren Augen eine wunderbare Hauptdarstellerin an der Seite von Heath Ledger abgeben würde. Die unbekannte Laiin erschien zu einem Vorsprechtermin und beeindruckte auch den Besetzungsdirektor zutiefst. Auch Regisseur und Autor Brian Helgeland war sofort von Shannyn Sossamon überzeugt. Keine erschien ihm besser geeignet für die Rolle des Edelfräuleins Jocelyn, für die sich die Ritter Europas auf den Turnierplätzen versammeln.
Produzent Todd Black zeigt sich auch im Nachhinein noch beeindruckt von der Entscheidung von Columbia Pictures, sich auf die Besetzung von Shannyn Sossamon einzulassen: "Es ist sehr mutig, seine Hoffnungen für einen Big-Budget-Film in eine völlig Unbekannte zu setzen. Aber alle waren völlig von den Socken wegen ihres Aussehens und ihres Talents."
Obwohl der Look auf beeindruckende Weise unserer Vorstellung vom Mittelalter entspricht und im Stil klassischer Hollywood-Produktionen voller bemerkenswerter Details steckt, behauptet Ritter aus Leidenschaft keineswegs, auch nur annähernd authentisch sein zu wollen. In dieser Geschichte aus einer bisweilen unmenschlich harten und unattraktiven Zeit sind durchgehend Musik-, Mode- und Tanzstile eingeflochten, die ganz deutlich anderen Äras zuzuordnen sind. Obwohl man einerseits umfangreiche Recherchen über das Mittelalter unternahm, unterstützte Helgeland die Leiter der einzelnen künstlerischen Abteilungen, dem Beispiel seines Drehbuchs und seiner Regie zu folgen, sich Freiheiten zu nehmen und die Verrücktheit zu erlauben, Elemente verschiedener Jahrhunderte miteinander zu kombinieren.
Die Dienste einer Reihe von Spezialisten, die man bei den meisten Filmproduktionen nicht unbedingt findet, waren gefordert, um Brian Helgelands Konzept umsetzen zu können. Zu ihnen gehören ein Lanzenmeister, Waffenschmiede, Pferdetrainer, Forscher, Waffenspezialisten, Stoffmaler, Lederarbeiter, eine Armee von Stunt- und Effektkünstlern, in mehreren Fremdsprachen bewanderte Dolmetscher und Spezialisten für exotische Tiere.
Ein gutes Beispiel für die ungewöhnlichen Anforderungen der Produktion waren die vielfachen Bestellungen von Lanzen, die man für die vielen aufwändigen Duellszenen benötigte. Letztendlich mußsten mehr als 1000 dieser Waffen beschafft werden - womit die kühnsten Schätzungen der Produzenten weit übertroffen wurden.
"Wir hatten für eine vom zweiten Drehteam abgewickelte Szene acht Lanzen geordert", erzählt Produzent Todd Black. "Wie sich schnell herausstellte, verschlissen wir 44 von ihnen an einem einzigen Tag."
Des weiteren durchkämmte man die ganze Tschechische Republik nach seltenen Kladruby-Pferden, beängstigend große Tiere, deren Geschichte 700 Jahre zurückverfolgt werden kann. Damals wurden sie vor königliche Kutschen gespannt. Ohne weiteres kann man sie als mittelalterliches Gegenstück zu Panzern beschreiben.
Aus England ließ man ein eigenes Miniteam anreisen, dessen Spezialität die Zubereitung ungewöhnlicher Speisen für Filme ist. Ihre Aufgabe für Ritter aus Leidenschaft: ein formidables Mittelalter-Festmahl.
Ein Eisenschmiede-Spezialist unterrichtete Laura Fraser in der Kunst der Hufeisen-Herstellung, aber die schottische Schauspielerin gesteht: "Ich habe gelernt, so zu tun als ob, aber meine meisten Hufeisen sahen ganz ehrlich eher aus wie Aschenbecher."
Heath Ledger spricht für das ganze Ensemble, wenn er hinsichtlich des Aufwands der Produktion sagt: "Das Set war wie ein riesiger Spielplatz für uns. Ich hatte bei diesem Film nicht nur die Gelegenheit, mit einem tollen Ensemble zu arbeiten, sondern konnte auch Pferde reiten, singen, tanzen und fechten, sowie meine komödiantischen Talente einbringen und eigene Stunts durchführen. Ein Traum für jeden Schauspieler."
Ausstatter Tony Burrough und Kostümdesignerin Caroline Harris entwarfen eine Farbpalette, die unmerklich reicher und intensiver wird, je mehr Erfolge William verbuchen kann. Die historischen Kostüme von Harris, vor allem jene, die sie für Shannyn Sossamon als edles Fräulein Jocelyn entwarf, könnten jede noch so exklusive Modemeile der Welt vor Neid erblassen lassen. Zu ihren Kreationen gehört ein weißer, glockenförmiger Mantel aus handgemachtem Filz, auf den mit goldenem Faden und handbemalten Perlen Jocelyns Wappen gestickt wurde, ein handgefertigter Hut mit einer Strohkrone und einer mit Goldfaden bestickten Krempe sowie ein Jahrhunderte altes, besticktes Seidenkleid aus China. Die gesamte Mode des Films entspricht dem modernen Stil des Films und greift die Zeitlosigkeit der Geschichte, den unbezwingbaren Willen ihrer Protagonisten und den unbesiegbaren Geist der Jugend auf.
Beim Entwurf des Looks der männlichen Mitglieder der Gruppe mittelalterlicher Außenseiter ließ man sich von einer ungewöhnlichen Quelle inspirieren. "Brian und ich waren sehr beeindruckt vom Look der Rolling Stones bei ihrer Tour im Jahr 1972", verrät Caroline Harris.
Burrough kommentiert: "Für einen Film mit dieser ungewöhnlich großen Fülle von Elementen recherchiert man ewig. Man sammelt all die Illustrationen, liest die staubigen Bücher und dann beginnt man, langsam mit ihnen zu tanzen. Man mußs sie dem Film anpassen und für das Publikum von heute funktionieren lassen. Es gibt die historische Realität, dann gibt es das Drehbuch und den Regisseur und schließlich die zeitgemäße Betrachtungsweise, und alle widersprechen sich häufig in höchstem Maße. Man mußs alles ineinander fließen lassen."
Der faszinierendste Aspekt des Films ist der innovative Einsatz klassischer Stadionrockmusik, vor allem aus den 70er Jahren, der die Gefühle der Figuren intensiviert und damit auch dem Film den Rücken stärkt. Rock dieser Ära ist Musik für die rastlosen Massen voller Hoffnung - und genau dieses Publikum ist es, das William/Sir Ulrich von Lichtenstein bei seinen Triumphen bejubelt.
Der einzigartige Ton des Films wird gleich in den ersten Sekunden etabliert, wenn Ritter aus Leidenschaft mit den Klängen von "We Will Rock You" von Queen beginnt. Die Härten und die Beschwerlichkeit von Williams Ausbildung in den Kampfkünsten werden von "Low Rider" von War begleitet. Bachman-Turner Overdrives "Takin' Care of Business" ertönt, als William sich als wahrer Anführer und echter Freund erweist. David Bowies "Golden Years" erinnert das Publikum daran, dass die erste Liebe ein magisches Erlebnis ist - egal, in welchem Jahrhundert man sie erlebt. "Get Ready" von Rare Earth unterstützt William dabei, für die launische Jocelyn alles zu riskieren. Und ihren großen Einmarsch in London, wo der Superbowl der Ritterturniere stattfindet, haben William und seine Gang zum Sound von "The Boys Are Back In Town" von Thin Lizzy. Brian Helgeland sagt: "Wir versuchen nicht, die Sequenzen einfach beliebig mit Popsongs zu bestücken. All die modernen Anspielungen, vor allem die Musik, sollen sich absolut organisch in den Film fügen."
Der renommierte Choreograph Stuart Hopps, der im Film kurz als Zeremonienmeister zu sehen ist, sah sich mit einer besonders heiklen Aufgabe konfrontiert: Er mußste einen Tanz erfinden, der mit den artigen Schritten des 14. Jahrhunderts beginnt und dann subtil in einen modernen Discostil des 20. Jahrhunderts übergeht. Komponist Carter Burwell mußste bei dieser Szene gleichermaßen das ebenso mathematische wie musikalische Puzzle lösen, die konträren Sounds der jeweiligen Zeit zu einem harmonischen Ganzen zusammen zu fügen. Er löste es dank des persönlichen Einsatzes von keinem Geringeren als David Bowie selbst.
Ritter aus Leidenschaft spielt in einer Zeit, in der Tradition, Romantik und Abenteuer elementare Rollen spielten. Zweifellos ist es einfacher, sich einen Film über das 13. Jahrhundert anzusehen, als selbst in dieser Zeit gelebt zu haben. Die komplette Zusammensetzung der europäischen Gesellschaft wandelte sich im zwölften und 13. Jahrhundert, in großem Maße wegen der Kreuzzüge. Im zwölften. Jahrhundert waren die Ritterturniere noch sehr krude, blutige Imitationen realer Schlachten: Mit ihnen sollten die Krieger auf echte Kämpfe vorbereitet und ihre Kampfeskünste verbessert werden. Ritterturniere gab es in Europa vom frühen elften Jahrhundert bis zum späten 16. Jahrhundert. Sieht man von den griechischen Spielen ab, die später als Olympiade wieder aufgegriffen wurden, waren die Lanzenduelle eine der ersten Wettkampfsportarten überhaupt. Ritter aus der gesamten "zivilisierten" Welt dieser Zeit reisten durch England, Schottland, Spanien, Italien, Portugal, Frankreich, Belgien, Russland und Deutschland, um ihre Kräfte miteinander zu messen.
Im gleichen Maße, wie sich die Gesellschaft veränderte, wandelten sich auch die Ritterturniere. Die Regeln wurden verfeinert: Es traten nicht mehr Alle gegen Alle gleichzeitig an. Vielmehr gewannen Einzelkämpfe an Bedeutung, weil man das Können der Beteiligten viel genauer verfolgen und beurteilen konnte. Nach und nach wurden sie zu genau arrangierten und choreographierten Zweikampf-Events, die vor den Augen der Edelfräuleins ausgefochten wurden, denen die Ritter gefallen wollten. Das Konzept der Ritterlichkeit erlebte seine Geburtsstunde und wurde von der Literatur dieser Zeit ausgiebig gepriesen. Bei den Zweikämpfen stellten die Ritter vor allem ihre Reitkunst unter Beweis. Sicherheitsvorkehrungen und gesicherte oder gepolsterte Waffen kamen zum Einsatz.
In der Zeit, in der Ritter aus Leidenschaft spielt, waren die großen Ritterturniere längst ausgeklügelte Spektakel, die nicht selten die Bühne für politische und romantische Intrigen waren und wo Reichtümer und Karrieren gemacht oder verloren werden konnten. Das Können eines Ritters, seine Ehre und sein Benimm hatten die Wildheit der frühen Tage ersetzt - auch wenn Tod und Behinderung nicht immer ausgeschlossen werden konnten. Prächtig gekleidete Damen feuerten die Turnierteilnehmer in ihren scheinenden Rüstungen an. Große Paraden und Bankette, wie man es in Ritter aus Leidenschaft sieht, wurden am Rande als Beiprogramm veranstaltet. Die Kostüme wurden genauestens geplant. Oft überreichten die Damen ihrem auserwählten Ritter ein Zeichen ihrer Gunst, wie zum Beispiel einen Schal, den der Kämpfer bei den Zweikämpfen für jedermann sichtbar trug. Draußen spielten Minnesänger ihre Lieder und Kaufleute veräußerten ihre Waren und zweifelhaften Relikte.
Für die Zuschauer und die Beteiligten war es große Unterhaltung. Die Events wurden zunehmend aufwändiger. Man konnte die Aufregung förmlich spüren. Es ging um Spannung, Geld, Gefahr und Spektakel. Und es ist nicht vermessen, wenn man behauptet, dass die Ritterturniere von damals das Äquivalent der Rockkonzerte, Superbowls, Weltmeisterschaften, des Mardi Gras, der Neujahrsfeiern oder des Formel-1-Zirkus von heute waren. Jedes Turnier war ein Festival, das man nicht verpassen durfte.
Der Regisseur des zweiten Drehteams und Stuntkoordinator, Allan Graf, arbeitete eng mit Brian Helgeland zusammen, um die Actionthrills in Ritter aus Leidenschaft auf Film zu bannen. Graf erinnert sich: "Brians wichtigste Anweisung war es, die Lanzenduelle wie einen kontemporären Sport zu behandeln. Es erinnert ein wenig an Football: die Intensität, die Gewalt, die Aggressivität." Graf ist ein Profi auf seinem Gebiet. Er hat bereits bei Filmen wie Helden aus zweiter Reihe, An jedem verdammten Sonntag, Jerry Maguire - Spiel des Lebens und Waterboy - Der Typ mit dem Wasserschaden die Sportszenen inszeniert.
"Brians zweites Ziel", fährt Graf fort, "und da stimmte ich ihm absolut zu, war es, jeden Zweikampf, egal wie kurz, irgendwie anders aussehen zu lassen, ihm eine ganz eigene Identität zu geben. Es gibt 27 Aufeinandertreffen im Film, und wir haben nicht geschummelt, so dass jedes Duell absolut echt aussieht und das Adrenalin hochtreibt. Ich bin stolz zu sagen, dass alles echt ist. Bei den Actionszenen gibt es nicht eine einzige computergenerierte Sequenz."
"Eine von Brian Helgelands großen Stärken ist es, Fantasy-Welten mit Figuren aus Fleisch und Blut zu bevölkern, mit denen man fühlt und zittert", sagt Produzent Todd Black. "Ich glaube, das Wort ,fade' gibt es in seinem Wortschatz nicht. Und er hat die Begabung, das Publikum zu unterhalten ohne sich anzubiedern."
"Ein Breitwandbild mit Details anzufüllen und eine ganze Welt zu erschaffen, macht unbeschreiblich viel Spaß", meint Helgeland. "Es war aufregend, alte Requisitenkammern in den tschechischen Studios zu durchkämmen. Da findet man verstaubte, uralte Dinge, die es in Filmen aus Hollywood oder Großbritannien niemals geben würde. Seltsame Sachen sind das manchmal; man kann nicht einmal sagen, was sie tatsächlich sind. Und manchmal möchte man es auch gar nicht wissen."
Aber Ritter aus Leidenschaft ist nicht nur unbeschwerte Unterhaltung. Der Film gibt dem Publikum auch eine Botschaft mit auf den Weg. "Jocelyn sagt zu William: Sei du selbst - sei, wer du bist, und ich werde dich lieben. In meinen Augen ist das eine wunderbare, ganz allgemeingültige Aussage", sagt Black. "All seine Freunde geben William die Kraft zu definieren, wer er ist. Und William enttäuscht sie nicht: Er wird zu dem, der er immer schon sein wollte. Sein Selbstvertrauen wächst, er verliebt sich und er genießt sein Leben."
"Es geht um die Reise
einer Figur - wo sie herkommt, was sie im Leben leisten will und
wie sie ihre Träume in die Tat umsetzt", erläutert Heath
Ledger. "William folgt seinem Herzen. Und ich weiß, dass das
Publikum davon berührt werden wird."
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| © Fotos: Columbia Tristar © 1994 - 2010 Dirk Jasper |
