|
|
|
Trotz der offensichtlichen Parallelen zwischen seinem eigenen Leben und der Geschichte von Sam und Lucy, betont Elton, dass Maybe Baby kein autobiographischer Film ist: "Klar, auch ich bin ein Schreiber und habe jahrelang für die BBC gearbeitet, und meine Frau und ich hatten Probleme mit dem Kinderkriegen, aber ansonsten ist die eigentliche Handlung des Films frei erfunden. Keine der Figuren im Film basieren auf tatsächlichen Personen - und auf keinen Fall auf mir selbst!"
Sobald Elton seinen Freunden erzählte, dass er an einer Geschichte über ein Paar schreibe, das beharrlich versucht, ein Kind in die Welt zu setzen, konnte er sich vor witzigen Anekdoten kaum retten. "Jeder hatte irgendeine kleine Geschichte über künstliche Befruchtung oder Krankenhäuser im allgemeinen zu erzählen. Die Szene beispielsweise, in der Lucy von ihrem Mopedsitz rutscht, beruht auf einer wahren Begebenheit. Mit diesen Krankenhausgeschichten kann sich jeder identifizieren. Schließlich weiß man ja, dass ihm gleich etwas Unangenehmes blüht, wenn ihm ein Arzt sagt: ‚Jetzt entspannen Sie sich doch mal!," lacht Elton.
Parallel zum Drehbuch schrieb Elton an einem Roman über die gleiche Geschichte, der in Großbritannien unter dem Titel "Inconceivable" erschienen ist. "Für mich ist das eine sehr effektive Arbeitsweise. Wenn man ein Drehbuch schreibt, kann man sich besser auf die Figuren und den eigentlichen Handlungsablauf konzentrieren. Das kommt einem dann beim Schreiben des Romans zu Gute," erklärt Elton, den sein Manager und Produzent Phil McIntyre als einen ständig auf Volldampf laufenden Energiedynamo" bezeichnet. "Bens größte Fehlinvestition war es, sich Sofa und Stühle zu kaufen – er setzt sich sowieso nie hin!" fügt McIntyre lachend hinzu.
McIntyre war Eltons langjähriger Manager und hatte zuvor schon Eltons Theaterstücke produziert. So lag es dann auf der Hand, dass McIntyre auch Eltons ersten Kinofilm produzieren würde. "Als ich zum ersten Mal das Drehbuch zu Maybe Baby las, wußte ich, dass das einen guten Film abgeben würde. Die Geschichte hat viele gute Lacher, aber auch ein paar Tränen. Die eigentliche Thematik der Story ist ernst, aber Ben hat daraus eine liebenswerte Komödie gemacht, die einem ans Herz geht. Genau das ist Bens Stil – seine Witze haben immer einen gewissen Tiefgang, erläutert McIntyre. Seine eigene Rolle in der Entstehungsgeschichte Film sieht McIntyre als eher nebensächlich: "In einem Theaterstück hat Ben einmal einen sehr witzigen Satz für die Figur eines Filmproduzenten geschrieben: "Ich bin hier der Blödmann, der das Geld besorgt." Das beschreibt ziemlich genau, was ich bei diesem Film getan habe," lacht McIntyre.
Während Elton am Drehbuch arbeitete, war es noch unklar, wer die Regie zum Film führen würde. "Wir wußten ja noch nicht einmal, ob der Film jemals in Produktion gehen würde. Als das Projekt dann aber langsam Form annahm, stellten wir bald fest, dass niemand besser als Regisseur geeignet war als Ben selbst. Er kennt die Geschichte in und auswendig. Er weiß, wo die Lacher und wo die Tränen sitzen," erklärt McIntyre und fügt hinzu: "Ben ist ein echtes Naturtalent, was Regie anbelangt: er kann sich sehr gut mit Schauspielern verständigen, will immer etwas Neues dazulernen und hat keinerlei Ego."
Die Entscheidung, selbst Regie zu führen, begründet Elton mit der Tatsache, dass es sich bei Maybe Baby um eine sehr persönliche Geschichte handelt. "Mir würde es nie in den Sinn kommen, das Drehbuch eines anderen Autoren zu verfilmen. Es wäre natürlich sehr schmeichelhaft, wenn mir jemand ein Script anbieten würde, aber mir geht es darum, meine eigenen Geschichten zu erzählen. Die Geschichten anderer Leute schaue ich mir lieber im Kino an. Bei romantischen Komödien sind die Feinheiten sehr wichtig. Ich habe mir einfach gedacht, bevor ich einem anderen Regisseur lang und breit die Nuancen dieser Geschichte erkläre, führe ich lieber selber Regie," so Elton.
So schwierig es auch war, die richtigen Schauspieler für die richtigen Rollen zu finden, für die Rolle von Sam kam für Elton niemand anders in Frage als sein langjähriger Freund und Kollege Hugh Laurie. Elton erklärt: "In Großbritannien ist Hugh ein echter Star, doch auf internationaler Ebene gilt er immer noch als Geheimtip. Hugh hat echte Seele und das merkt man auch, wenn er vor der Kamera steht. Ich dachte immer schon, dass Hugh den perfekten Helden in einer romantischen Komödie abgeben würde. Sein Talent besteht darin, uns zum Lachen bringen zu können und gleichzeitig unser Mitgefühl zu erregen. Meiner Meinung nach ist Hugh der britische Tom Hanks oder Cary Grant. Mit Maybe Baby wollte ich der Welt endlich mal zeigen, was in ihm steckt!"
Die richtige Besetzung für die Rolle von Lucy zu finden, war dagegen wesentlich schwieriger. Elton ließ zahllose Schauspielerinnen vorsprechen, doch die richtige Lucy konnte er einfach nicht finden. In seiner Not hatte er schon einen Flug nach New York gebucht, um dort eine britische Schauspielerin zu treffen, die damals in einem Theaterstück am Broadway auftrat. "Am Tag vor dem Flug hatten wir ein Meeting mit Joely. Ich weiß, das klingt wie ein Clichee, aber sobald sie das Zimmer betrat, wußte ich: wir haben sie! Ich habe sofort meinen Flug nach New York storniert. Leider hat mir die Fluggesellschaft nicht den ganzen Flugpreis zurückerstattet, aber ich glaube, damit kann ich leben," schmunzelt Elton.
Joely Richardson saß gerade in einem Café, als sie der Meldung in einer Tageszeitung entnahm, dass Elton vorhatte, zusammen mit Hugh Laurie einen Film zu drehen. Seit den gemeinsamen Dreharbeiten zu 101 Dalmatiner hatte Richardson immer gehofft, wieder mit Laurie zusammenarbeiten zu können. Als großer Fan von Ben Elton konnte sie sich keine bessere Kombination wünschen. So rief Richardson denn auch sofort ihren Agenten an, der ein Treffen mit Elton arrangierte.
Für die Cameo Rollen konnte Elton einige der berühmtesten Vertreter des unvergleichlichen britischen Humors für seinen Film gewinnen. "Als ich Rowan Atkinson das Drehbuch gab, hoffte ich insgeheim, dass er an dem Part des Gynäkologen interessiert sein würde. Glücklicherweise hat er sich auch genau diese Rolle ausgesucht. Genau wie Rowan hat auch Emma Thompson das Talent, innerhalb weniger Minuten eine Figur mit Leben zu erwecken. Erst durch sie wurde Druscilla zu einer echten Persönlichkeit," so Elton.
Um diesen romantischen Look zu erzielen, mußte Elton einige Male in die digitale Trickkiste greifen. In der Szene beispielsweise, in der Sam und Lucy Primrose Hill besteigen und dort (neben anderen Dingen) auch die Londoner Skyline bei Nacht bewundern, entstand so erst in der Nachproduktion. "Man hat von Primrose Hill zwar einen traumhaften Blick über London, aber leider war es dort viel zu dunkel, als dass man irgendetwas davon hätte filmen können. So haben wir uns dann wohl oder übel unseren eigenen Londoner Nachthimmel schaffen müssen," so Elton.
Hugh Laurie bezeichnet Maybe Baby als einen Film, bei dem man gleichzeitig weinen und lachen muß und er fügt hinzu: "Gefühle lassen sich zwar nicht genau abmessen, aber ich denke, wenn man Maybe Baby gesehen hat, ist man danach um einige Gefühlsgrade reicher."
Joely Richardson mag an dem Film besonders, dass er Menschen und menschliche Gefühle so darstellt, wie sie wirklich sind. "Es ist ein sehr humaner Film. Es gibt zwar keine großen, tragischen Dramen, aber man kann sich mit den Figuren im Film und ihren Emotionen identifizieren. Die Geschichte von Sam und Lucy zeigt, dass es auch in schlechten Zeiten immer noch einen Grund zum Lachen gibt."
Joanna Lumley bezeichnet Maybe Baby als eine sehr zeitgemäße und witzige Komödie: "Trotz aller Leichtigkeit hat der Film eine echte Wärme und Tiefe. Neben vielen Lachern gibt es auch traurige Momente, aber wie eine schöne Rose hat auch jede gute Komödie Dornen, die pieksen."
Tom Hollander, der den fanatischen schottischen Regisseur spielt, faßt seine Gedanken über Maybe Baby so zusammen: "Im Grunde genommen ist es ein Film über künstliche Befruchtung, aber als Komödie verpackt. Als ernstes Drama hätte die Geschichte nicht funktioniert - so eine deprimierende Story will sich ja keiner ansehen!"
Am ersten Drehtag bekam Elton einen guten Vorgeschmack darauf, was ihn während der nächsten acht Wochen erwarten würde. Die Crew fand sich plötzlich von einer Schar von 20 Kindern umringt, da an diesem Tag die Szene gedreht werden sollte, in der Sam die Kinder Focus-Gruppe besucht. "Es war zwar ziemlich anstrengend, aber es hat auch sehr viel Spaß gemacht. Der Rest des Drehs war nicht viel anders: Wir haben viel gelacht, aber wir hatten nie eine ruhige Minute," so Elton.
"Der Dreh war einfach toll," bestätigt Adrian Lester. "Tom Hollander, Hugh Laurie und Matthew Macfadyen sind einfach wahnsinnig komisch und haben permanent Witze gerissen. Problematisch wurde es nur, wenn wir vor der Kamera dann plötzlich ernst sein sollten."
Die Premieren Party wurde im Ministry of Sound gedreht, einem der berühmtesten Nachtclubs Londons. Hier feierte die Crew auch den Abschluß des Drehs und bekamen dabei erstmals Paul McCartneys Neuaufnahme des Titelsongs Maybe Baby zu hören. Produzent Phil McIntyre erinnert sich: „Die Party hatte gerade erst angefangen, als ich hörte, dass Paul McCartney soeben mit dem Song in der Tasche die Aufnahmestudios in Abbey Road verlassen hatte. Paul hatte die einzige Kopie, die es von der Neuaufnahme des Lieds zu diesem Zeitpunkt gab. Ich konnte einfach nicht widerstehen und habe ihm einen Boten hinterhergeschickt, damit wir den Song während der Party spielen konnten. Als Maybe Baby zum ersten Mal aus den Lautsprechern dröhnte, war die gesamte Crew einschließlich Ben aus dem Häuschen."
Neben der Tatsache, dass einer der berühmtesten Popmusiker der Welt den Titelsong zu seinem Film singen würde, war Elton vor allem von den schauspielerischen Leistungen seiner Darsteller begeistert: "Durch einen guten Schauspieler wird ein Satz doppelt so gut. Bei "Blackadder" beispielsweise kam es oft vor, dass ich Rowan Atkinson ein Script gab, auf das ich besonders stolz war. Immer wieder hat er mich überrascht, denn wenn er die Worte in den Mund nahm, wurden sie noch um Vieles besser und witziger – bei dem Cast von Maybe Baby war das genauso."
Mit seinem langjährigen Freund zusammenzuarbeiten, war für Hugh Laurie ein ausgesprochenes Vergnügen: "Ben ist ein guter Freund von mir, den ich sehr mag. Er ist wahnsinnig intelligent und sein einziges Körperteil, das größer ist als sein Gehirn, ist sein Mund. Er redet ununterbrochen! Sein Energievorrat ist einfach phänomenal. Er hatte immer kleine Geschichten auf Lager, mit denen er uns Schauspielern bestimmte Szenen veranschaulicht hat. Das hat enorm geholfen."
Für Laurie war es das erste Mal, die Hauptfigur in einer romantischen Komödie zu spielen. Insbesondere die Liebeszenen mit Joely Richardson bedurften daher eingehender Vorbereitung: "Unsere Sexszenen waren eine riesige Hürde für mich, die drohend vor mir lag. Um mich physisch und mental auf diesen schrecklichen Moment einzustellen, habe ich jeden Morgen drei Liegestütze gemacht - naja, vielleicht nicht jeden Morgen, denn man darf's ja auch nicht übertreiben," witzelt Laurie.
Joely Richardson selbst freute sich besonders auf die Zusammenarbeit mit Ben Elton: "Die Tatsache, dass Ben mich für diese Rolle ausgewählt hat, finde ich äusserst schmeichelhaft. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals in einem Ben Elton Film mitspielen würde. Wir sind schließlich grundverschiedene Typen. Aber genau dadurch ist eine sehr interessante Dynamik entstanden."
Elton selbst empfindet es als Privileg, Regie zu seinem eigenen Drehbuch führen zu können. "Es war nicht einfach, das erste Mal auf dem Regiestuhl zu sitzen, aber es war gleichzeitig auch eine aufregende und wundervolle Erfahrung. Ich konnte auf eine unglaublich erfahrene Crew zurückgreifen, die mir mit Rat und Tat zur Seite stand. Ich bin jemand, der gerne im Team arbeitet und bei Maybe Baby hatte ich das beste Team, das ich mir wünschen konnte."
In seiner Zusammenarbeit mit den Darstellern war Elton jederzeit offen für neue Ideen: „Das ganze Leben ist eine einzige Improvisation und ich mache mir nie einen genauen Plan, von dem ich dann nicht mehr abweiche. Wenn die Schauspieler einen Verbesserungsvorschlag hatten, dann habe ich gerne zugehört. Allerdings habe ich sie nicht dazu angerregt, zu improvisieren – das war nicht notwendig, denn das Script war meiner Meinung nach gut genug. Das einzige Mal, wo ich noch ein bißchen mehr aus den Schauspielern herausholen wollte, war als wir die Premierenparty drehten. Ich habe diese Szene praktisch während des Drehs noch einmal neu geschrieben und dann zusammen mit den Schauspielern entwickelt."
"Ben weiß, was in einem Schauspieler vor sich geht. Er fragt einen immer nach der eigenen Meinung und bei ihm fühlt man sich einfach verstanden," erklärt Adrian Lester, der Sams Freund und Kollegen George spielt.
Auch Joanna Lumley, die die lesbische Theateragentin Sheila spielt, ist begeistert von Elton: "Ich bewundere ihn ungemein. Er ist ein echter Alleskönner und sein Gehirn schaltet einfach unglaublich schnell. Als ich ihn fragte, ob es ihm denn nicht Angst mache, die Regie zu seinem ersten Kinofilm zu führen, meinte er nur: "Nein, ich bin ganz ruhig. Schließlich habe ich
selbst das Drehbuch geschrieben und habe die Unterstützung einer exzellenten Crew."
|
|
| © Fotos: Concorde © 1994 - 2010 Dirk Jasper |