Produktionsnotizen zu Driven

Driven entstand über einen Zeitraum von acht Monaten bei neun Rennen in fünf Ländern - verwendet also Dokumentaraufnahmen realer Autorennen. Höhepunkte sind die schnellsten Rennsequenzen und Autojagden, die je gefilmt wurden. Die neuesten Entwicklungen der Technik machen es möglich, den Blickwinkel der Fahrer zu filmen, während sie mit über 380 Stundenkilometern über die Piste rasen. Erstmals erleben wir in einem Spielfilm die schnellsten Wagen der Welt direkt aus dem Cockpit.



Wie der Filmtitel Driven andeutet, sind die Protagonisten "Getriebene" - angesichts der täglichen Lebensgefahr sehen sie sich mit außergewöhnlichen Begierden und Versuchungen konfrontiert.

"Die Angst bleibt unser ständiger Begleiter", sagt Sylvester Stallone, der mit Rocky als Darsteller und Drehbuchautor für den Oscar nominiert war. "Man mußs sie in den Griff bekommen, um ihr nicht zu erliegen. Und der Ehrgeiz, der uns antreibt, kann zwar abebben, aber wenn man eine zweite Chance bekommt, seinen Traum zu verwirklichen, dann entwickelt diese Motivation eine explosive Kraft."

In Driven mußs der Weltklassefahrer Joe Tanto (Sylvester Stallone) damit leben, dass seine einst viel versprechende Karriere in einem Feuerball endete, weil er sich nicht mehr im Griff hatte. Doch jetzt bekommt er die Gelegenheit, seinen Fehler wieder gutzumachen. Denn Carl Henry (Burt Reynolds), Besitzer des Rennteams, holt ihn wieder in seine Mannschaft. Auch Henry ist ein ehemaliger Fahrer, der jetzt im Rollstuhl sitzt.

"Ich spiele einen Ex-Fahrer, der dem Tod nur knapp von der Schippe gesprungen ist", sagt Reynolds, der selbst einst einen NASCAR-Rennwagen besessen hat und die beliebten Filme um "Ein ausgekochtes Schlitzohr" initiierte. "Diese fast tödliche Erfahrung hat ihm Kraft gegeben, und als Teambesitzer engagiert er sich heute noch entschiedener als in seinen Tagen als Fahrer. Wenn man dem Tod ins Auge blickt, verändert das einen Menschen. Man erkennt die wahren Werte des Lebens und will das Beste daraus machen."

"Burt bringt sich sehr intensiv, sehr energisch in seine Rolle ein", sagt Stallone über Reynolds, der mit Boogie Nights den Golden Globe gewann und für den Oscar nominiert wurde. "Ich habe ihm die Filmfigur beschrieben: Carl ist der zäheste, stärkste, männlichste Typ in der Geschichte - nur mußs er leider nach seinem Unfall im Rollstuhl leben. Er bläst aber kein Trübsal, ja, diese traumatische Erfahrung hat ihn sogar nachhaltig gestärkt."

Für den talentierten, aber zu temperamentvollen Nachwuchsfahrer Jimmy Bly (Kip Pardue) hat Carl kein Verständnis: Jimmy mußs sein selbstzerstörerisches Verhalten schnellstens in den Griff bekommen, denn Begabung ist längst nicht alles. "Carl begreift, dass er mit einem Schlag seinen Freund Joe unterstützen und gleichzeitig seinem Team und dem fähigen jungen Fahrer aus der Patsche helfen kann", sagt Reynolds. "Denn Carl weiß eines genau: Wenn Joe ehrlich ist, wird er das Angebot als zweite Chance begreifen, als die es auch gedacht ist."

"Joe glaubt, dass er wieder Rennen fahren soll, aber Carl holt ihn eigentlich zurück, um Jimmy zu demonstrieren, was er falsch macht. Joe hat nämlich selbst jede nur denkbare Gelegenheit vermasselt, etwas aus sich zu machen", erklärt Stallone. "Joe kann also als Negativbeispiel wirken: Wenn Jimmy es schafft, Joes Fehler zu vermeiden, kann er sein Leben vielleicht doch noch in den Griff bekommen."

Als Tanto sich dazu durchringt, dem jungen Fahrer zu helfen, "wirkt das, als ob der Vater dem Sohn die Fackel weiter reicht", stellt Stallone fest. "Es kommt oft vor, dass dem Vater der Erfolg verwehrt bleibt, aber seine Erfahrung, sein Wissen kann der trotzdem weiter geben. Er mußs nur sein Ego zurückstellen und dem Nachwuchs klar machen: ?Das alles habe ich durchmachen müssen. Ich hab's auf die harte Tour gelernt. Falls du es schaffst, meine Fehler zu vermeiden und aus dem Guten wie dem Schlechten zu lernen, dann ist das auch mein Erfolg.' Man kann auch mit den Leistungen eines anderen sein Ziel erreichen."

Im Lauf der Handlung entdeckt Joe überraschende Ressourcen in sich - er arrangiert sich mit seinen verlorenen Träumen, seinem verschwendeten Potenzial. Bisher hat er sein Leid in sich hineingefressen, jetzt ist er bereit, seine Erfahrungen zu teilen. Denn er kapiert, dass man nicht unbedingt ein Rennen gewinnen mußs, um vor sich selbst zu bestehen.

Kip Pardue spielt den Nachwuchsfahrer Jimmy Bly. Pardue definiert einen Sieger als jemanden, der weiß, worauf es ankommt - auf der Piste und im Privatleben. "Anfangs wird Jimmy von dem ungeheuren Druck, von seiner hohen Verantwortung, vom Blitzlichtgewitter der Presse völlig überrumpelt. Wir spüren, dass er über kurz oder lang durchdrehen wird", sagt Pardue. "Er mußs erst einmal kapieren, wie sein Verhalten im Privatleben auch seine Leistung auf der Piste beeinflusst. Was er durchmachen mußs, wirkt wie eine wunderbare Metapher für die Suche nach den echten Werten, seiner wahren Bestimmung. Und in Jimmys Fall ist dies sein Talent als Fahrer."

Pardue sieht durchaus Parallelen zwischen dem aufsteigenden Rennfahrer Jimmy und seinen eigenen Erfahrungen als Newcomer in Hollywood. "Ich habe in Jimmy Bly viel von mir selbst wiedergefunden", sagt er. "Ich kann ihn gut verstehen, denn auch er macht tolle Erfahrungen und weiß nicht, wie er mit dem Stress, mit der Verantwortung im Beruf umgehen soll. Gute Ratschläge bekommt er von allen Seiten, aber auch Druck und verlockende Angebote - Hollywood ist in dieser Hinsicht sehr ähnlich."

Mit Verlockungen mußs in Driven auch der Weltmeister Beau Brandenburg (Til Schweiger) umgehen. Beau gerät angesichts des sensationellen neuen Talents Jimmy Bly in eine Krise. Der deutsche Spitzenstar, Regisseur und Produzent über seine Hollywood-Rolle: "Für Beau gibt es nichts Wichtigeres als Rennfahren. Er hat sich mit Haut und Haaren dem Sport verschrieben. Als er seinen Titel durch den tollen neuen Fahrer bedroht sieht, verlässt er sogar seine langjährige Freundin, um sich ganz auf das Rennen zu konzentrieren."

Denn Beau gibt seiner Freundin Sophia (Estella Warren) Schuld an seiner mangelhaften Leistung - um mit Jimmy konkurrieren zu können, lässt er sich zu einer Panikreaktion hinreißen und trennt sich von ihr. Schweiger erklärt: "Er hofft, dass er die gewohnte Konzentration wiederfindet, wenn er alle Ablenkungen aus dem Weg schafft. Doch dann mußs er einsehen, dass seine Leidenschaft für Sophia stärker ist - nachdem sie sich getrennt haben, leidet seine Konzentration mehr als vorher!"

Jimmy Bly sieht diese Trennung als seine Chance - er will Beaus Krise noch verstärken und vielleicht das eine oder andere Geheimnis des Champions herausbekommen. Jimmys Methode ist nicht zimperlich: Er steuert auf Beaus Titel los - und gleichzeitig auf seine Ex-Freundin. "Jimmy sieht Sophia als eine Art Trophäe, die es zu erobern gilt", sagt Pardue. "Seine Motivation ist einfach: Er will Sophia, weil er überzeugt ist, dass er alles besitzen mußs, was Beau Brandenburg hat, damit auch er Weltmeister werden kann."

Sophia benutzt ihrerseits den Rivalen ihres Ex-Freundes, um so den Kontakt zur Rennszene zu halten und Beau zurückzugewinnen. "Mir gefällt Sophia, weil sie Köpfchen hat. Sie weiß genau, was sie will und wie sie es bekommt", sagt Estella Warren über ihre Rolle. "Sie ist immer ehrlich zu Jimmy und sagt ihm klar, dass sie Beau immer noch liebt."

Gleichzeitig bleibt Jimmys Bruder DeMille Bly (Robert Sean Leonard) hinter den Kulissen nicht untätig: Er verfolgt seine eigenen Pläne, um als PR-Mann Jimmys Karriere voranzutreiben. "Als DeMille bin ich ein begeisterter Motorsport-Fan", sagt Leonard. "Aber mir fehlt die Begabung als Fahrer. Ich projiziere meine Wünsche und Träume also großenteils auf meinen jüngeren Bruder. Ich weiß genau, dass zum Erfolg weit mehr gehört als Talent: Sponsoren, Fans, die Medien. Und Ehrgeiz. Das Fahren allein genügt nicht."

DeMille will aus seinem Bruder eine "Firma" machen: Dazu mußs Jimmy sich nicht nur auf der Piste bewähren, sondern auch dem Druck hinter den Kulissen standhalten. DeMille versucht seinen unerfahrenen Bruder auf jede nur erdenkliche Weise zu manipulieren, doch gerade dadurch, durch seine hektische Lobbyarbeit in den Medien, setzt er Jimmy einem unerträglichen Druck aus. Als auch Jimmys Affäre mit Sophia danebengeht, zeigen DeMilles Winkelzüge katastrophale Folgen.

Inzwischen sitzt Joe wieder am Steuer - dadurch verliert der Fahrer Memo Moreno (Cristián de la Fuente) seinen Job, was Joes wütende Ex-Frau Cathy (Gina Gershon) auf den Plan ruft, denn sie ist inzwischen mit Memo verheiratet. Memo bewahrt Haltung, als er zum Testfahrer degradiert wird, aber Cathy nimmt den Affront persönlich: Immer wieder schafft es Joe, ihr wehzutun. Als Joe mit der Journalistin Luc Jones (Stacy Edwards) anbändelt, packt Cathy die Gelegenheit beim Schopf, um sich an ihm zu rächen.

"Auch Cathy ist eine Getriebene - genau wie die Fahrer", sagt Gina Gershon über die doppelzüngige Fahrergattin. "Ihr Schicksal, aber auch ihr Ehrgeiz treiben sie dazu, die Männer, die sie liebt, zu manipulieren. Sie ist zwar mit Memo verheiratet, aber offensichtlich liebt sie Joe immer noch. Memo behandelt sie anständig - ganz anders als Joe. Aber sie kann Joe nicht vergessen. Wir spüren, wie es immer noch zwischen ihnen knistert - aber gleichzeitig wird überdeutlich, warum sie es nicht miteinander aushalten."

Cathy Moreno zahlt allerdings einen hohen Preis für ihre Intrigen. Um Memos Karriere zu fördern und aus Wut auf Joe tritt sie eine Lawine los, die eine Katastrophe auslöst. "Was Cathy treibt, ist wahrlich nicht nachahmenswert", sagt Gershon. "Sie ist ein Paradebeispiel dafür, was passiert, wenn das Ego und zweifelhafte Ambitionen eine Beziehung torpedieren." Cristián de la Fuente glaubt, dass Memo durchaus Verständnis für Cathys Ehrgeiz hat: "Er liebt seine Frau aufrichtig - sie ist die Liebe seines Lebens. Selbst wenn er sich nicht ganz sicher sein kann, ob sie ihn ebenso liebt, würde er doch alles tun, um sie stolz und glücklich zu machen."

Gerade Memos unverbrüchliche Treue beeindruckt de la Fuente besonders: "Ich bewundere ihn. Er will der beste Fahrer werden, aber er will auch als Ehemann und Freund sein Bestes geben. Als er die Wahl treffen mußs, ob er lieber fahren oder die Freundschaft wahren soll, entscheidet er sich für die Freundschaft, für das Menschliche."

Memos sportliche Fairness ist eines der wesentlichen Motive in Driven. "Wir machen hier keinen der üblichen Rennfahrerfilme", sagt Til Schweiger. "Die Action kommt wahrlich nicht zu kurz, aber die handelnden Personen spielen eine entscheidende Rolle. Letztlich geht es nur um das eine: Man mußs nicht nur auf der Piste der Champion sein, sondern auch im Leben."

Wie alles begann Sylvester Stallone arbeitet schon seit fünf Jahren an diesem Projekt, das ihm sehr am Herzen liegt. Er wollte herausfinden, was "hinter dem Visier" steckt, was in den Köpfen und Herzen der Rennfahrer vorgeht. "Fahrer sind keine Sportler im üblichen Sinne", sagt Stallone. "Wenn man mit ihnen frühstückt, dann kann man nur hoffen, sie beim Abendessen wiederzusehen. Beim Golfspielen passiert es nie, dass man mit 370 Stundenkilometern gegen eine Mauer rast."

Bei seinen Recherchen besuchte Stallone Formel-1-Rennen sowie unabhängige und CART-Rennen (Championship Auto Racing Team) in aller Welt. "Jahrelang habe ich diese Männer in ihren Helmen beobachtet, Dutzende von Rennen verfolgt, aber ich hatte keine Ahnung, was das für Typen sind", erinnert er sich. "Ich wollte begreifen, was unter diesen Helmen vor sich geht. Was für ein Leben führt so ein Fahrer? Wovor hat er Angst?"

Bei den umfangreichen Vorarbeiten schälte sich ein zeitloses Filmmotiv heraus: das Rennen als Metapher für den menschlichen Existenzkampf. "Von Geburt an müssen wir uns in allen möglichen Bereichen durchsetzen", entwickelt Stallone diese Theorie. "Arbeitsplätze, Geld, Liebe - auf allen Ebenen müssen wir gegen die Konkurrenz bestehen. Immer wieder gilt es, Rennen zu gewinnen - gegen uns selbst, gegen die Zeit. Wir lassen sogar Mäuse, Schildkröten, Düsenjäger und Ballons Rennen bestreiten. Mein Gedanke war also: ,Wenn man irgendwie den Finger darauf legen könnte, was uns zu diesen Rennen treibt, dann würde das die Problematik deutlicher beleuchten als das, was ein üblicher Rennfahrerfilm zeigt.'"

Was also treibt Rennfahrer an? Macht der Adrenalin-Kick wirklich süchtig? Was braucht man, um Weltmeister zu werden?

"Nach zwei, drei, vier Runden verschmilzt man mit dem Wagen zu einer Einheit, das hat etwas Urzeitliches", verrät Stallone. "Ich verstehe jetzt, warum diese Fahrer süchtig werden - Das Rennfahren ist ein Trip ins Unterbewusstsein, der im Alltag unmöglich wäre."

"Diese Typen rasen mit 300 Sachen bei kaum mehr als 15 Zentimeter Abstand an der Mauer entlang, und diese Konzentration müssen sie mindestens zwei Stunden lang durchhalten", sagt Pardue, der am College Football und Baseball gespielt hat. "Allein das Steuer zu halten ist eine enorme Anstrengung. Wenn man eine Stunde lang gegen diese Fliehkräfte anfährt, werden die Arme so schwach, dass man sie kaum noch heben kann. Die Beine werden vom ständigen Schalten, Gas geben und Bremsen schlapp, an den Händen bilden sich Blasen vom Lenkrad. Vor allem schwitzt man die ganze Zeit. Man verliert enorm viel Feuchtigkeit, mußs gegen die Austrocknung ankämpfen. Und im Gegensatz zu allen anderen Sportlern schweben die Fahrer ständig in Lebensgefahr."

Cristián de la Fuente kann dem nur zustimmen. "Zwei Stunden in so einem Wagen ist ein gewaltiger Schlauch", gibt er zu. Auf sportlichem Gebiet bringt er Erfahrungen im Boxen, Gewichtheben, Skifahren und Tennis mit. "Gerade der Oberkörper mußs besonders kräftig ausgebildet sein, weil die Fliehkräfte Kopf, Hals und Oberkörper ständig beanspruchen. Das macht einen fertig."

Aber nicht nur eine robuste körperliche Verfassung, sondern auch mentales Durchhaltevermögen und hohe Konzentrationsfähigkeit unterscheiden einen Weltklassefahrer von seinen Konkurrenten. "Auf der ganzen Welt gibt es nur 20 oder 30 Typen, die mit diesen Wagen wirklich umgehen können", sagt Stallone. "Die meisten Leute machen sich das nicht klar, aber die Fahrer sind wirklich ein ganz eigener Menschenschlag. Sie haben ein inneres Gleichgewicht gefunden, eine Zone, von der aus sie jeder Anforderung mit einer Art stoischer Intensität begegnen, die Angst absorbieren und sie in eine positive Kraft umwandeln."

Sylvester Stallone fasziniert an diesem Sport vor allem, dass der Fahrer ganz auf sich gestellt ist. "Ein Rennfahrer bewegt sich auf dem sehr schmalen Grat zwischen Himmel und Hölle, zwischen Leben und Tod", reflektiert Sylvester Stallone. "Er hat sein Schicksal selbst in der Hand - das gibt es nur sehr selten, das verleiht Macht. Deswegen müssen sich die Fahrer auf die ,Ruhezone' konzentrieren, von der wir im Film sprechen. Wenn man in dieser Ruhezone mitten im tobenden Chaos nicht zu sich selbst findet, dann zerfetzt es einen."

Sylvester Stallone geht in seinem Driven-Drehbuch also darauf ein, wie jeder Fahrer mit Stress, Erfolg, Niederlagen, Affären und Verlust im Privatleben umgeht - und wie diese Umstände seine Leistung am Steuer beeinflussen. "Wenn man sich im Privatleben nicht zusammenreißt, dann funktioniert das auch auf der Piste nicht", erklärt Stallone. "Die Fahrer stehen durchaus nicht über den Dingen des Lebens. Sie zerbrechen sich genauso den Kopf wie der Rest der Welt, sie bekommen es mit denselben Problemen und Ängsten zu tun. Wenn sie es aber nicht schaffen, mit den Problemen umzugehen, erhöht sich das Unfallrisiko, denn dieser Beruf verlangt höchste Konzentration. Jede Ablenkung kann tödliche Folgen haben."

"Am meisten staune ich darüber, wie ausgeglichen die Fahrer sind", stellt Estella Warren fest. "Sie wirken wie Zen-Buddhisten. Schon wie sie reden, wirkt sanft, ruhig und gefasst. Man fühlt sich wohl in ihrer Gegenwart - sie strahlen eine unauffällige Kraft aus."

"Die wenigen Fahrer, die ich kennen lernen durfte, hängen ganz offensichtlich an ihrem Leben - sie haben vor nichts Angst", sagt Stacy Edwards, die bei den Dreharbeiten die Fahrer Max Papis, Paul Tracy und Juan Montoya getroffen hat. "Sie wirken sehr locker und humorvoll, leben ganz in der Gegenwart. Ständig machen sie sich über einander lustig."

Teambesitzer John Della Penna fungierte bei den Dreharbeiten als technischer Berater. Er hält das mentale Stehvermögen für den Schlüssel zum Erfolg. "Draußen auf der Piste sind die Jungs allein auf sich gestellt", betont Della Penna. "Wir können ihnen bei der Strategie helfen und für schnelle Boxenstopps sorgen, aber unterm Strich müssen sie das Quäntchen Ehrgeiz in sich selbst finden, um ihre Reserven bis zum Anschlag zu mobilisieren."

Laut Della Penna wird Stallones Drehbuch allen Ereignissen, Gefühlen und menschlichen Interaktionen beim Rennsport gerecht. "Ein Weltklassefahrer braucht mehr als nur Talent", sagt er. "Man mußs eine gewisse Reife mitbringen. Talentierte junge Heißsporne gibt es überall. Aber selbst äußerst begabte Newcomer machen in den ersten ein, zwei Jahren viele Fehler. Sie müssen eine gewisse Zähigkeit entwickeln, erwachsen werden. Und ich finde, dass dieser Aspekt im Film hervorragend herausgearbeitet wird."

Weil es Stallone um den Zwiespalt zwischen dem Beruf der Fahrer und ihren privaten Beziehungen ging, räumt Driven auch ihren Frauen breiten Raum ein. Jede der drei weiblichen Hauptfiguren kommt aus einem anderen Milieu, aber mit einem Aspekt müssen sie sich alle arrangieren: Sie lieben Männer, deren Leidenschaft sie täglich in Lebensgefahr bringt. Weitere Komplikationen ergeben sich aus gängigen, aber komplexen Problemen, die immer zwischen Männern und Frauen stehen: unerwiderte Liebe, falsch interpretierte Signale, Psychoterror, Ehe und Scheidung.

"Ich habe mit Sly heiße Diskussionen über Männer und Frauen geführt", erinnert sich Gina Gershon. "Schließlich habe ich ihn ,Bly Sly' genannt - in Anlehnung an den Schriftsteller Robert Bly, weil er so philosophisch wurde - das Thema Männer- und Frauenrollen in der Gesellschaft fasziniert ihn."

Um den Geschlechterkampf in der Story zu verschärfen, erfand Sylvester Stallone eine verbale Sparringpartnerin für Joe Tanto: Lucretia "Luc" Jones, eine Journalistin, die sich in das Rennsportthema erst einarbeiten mußs und dieses Ambiente als "letzte Bastion männlicher Vorherrschaft" bezeichnet. Dazu Stacy Edwards: "Ich habe mich mit Sly über die Geschlechterrollen und ihre Veränderungen im historischen Kontext unterhalten. Als Luc untersuche ich diesen gesellschaftlichen Wandel, während ich für die Story über den Motorsport und das buchstäbliche Leben mit dem Tod recherchiere."

In die Filmfigur Luc Jones arbeitete Sylvester Stallone seine Begegnung mit der feministischen Autorin Susan Faludi ein, die er während ihrer Recherchen zum Bestseller "Stiffed" über die Identität des modernen amerikanischen Mannes kennen lernte. "Dieses Gespräch gehört zu meinen Lieblingsinterviews - die Atmosphäre, die Essenz dieses fruchtbaren Austausches von Ideen bei der Diskussion über die sich verändernden Geschlechterrollen in der Gesellschaft wollte ich hier festhalten." Faludis Interview mit Stallone fand 1996 statt und diente als Grundlage für ein Porträt des Schauspielers in der Illustrierten Esquire. "In mehrfacher Hinsicht repräsentiert Joe Tanto das Problem jeden Mannes - er will vital sein und bleiben, etwas Sinnvolles tun. Im Film sagt Joe an einer Stelle, dass Frauen die Urkraft in sich tragen - die Kraft, Leben hervorzubringen. Männer mußsten sich also immer andere Wege suchen, um sich und anderen ihre Nützlichkeit zu beweisen."

Daneben geht es in Sylvester Stallone Drehbuch auch um die unterschiedlichen Modelle, mit denen Menschen eine zweite Chance in ihrem Leben wahrnehmen - um Erfolg zu haben, berühmt zu werden, alte Schulden zu begleichen oder die Liebe ihres Lebens zu finden. Joe Tanto bekommt solch eine Chance. "Die meisten Menschen warten vergebens auf ihre zweite Chance", stellt Stallone fest. "Das ist schade, weil wir unsere erste Chance meist vermasseln, in dem Moment gar nicht als solche wahrnehmen. Wir wissen sie nicht zu nutzen. Dann geht das Gejammer los: ?Wenn ich nur noch einmal von vorn anfangen könnte? wenn ich damals gewusst hätte, was ich jetzt weiß, wäre mein Leben anders verlaufen.' Das lässt sich mit Aussagen von Menschen vergleichen, die nur knapp dem Tod entgangen sind. Sie sagen: ?Mensch, jetzt weiß ich das Leben wirklich zu schätzen. Ich genieße es in vollen Zügen. Ich freue mich jeden Tag daran. Kleinlichkeiten kommen nicht mehr in Frage. Nebensachen sind mir heutzutage egal.' Genau darum geht es auch in unserem Film."

"Ich versuche einfach, meine eigenen Erfahrungen in den Film einzubringen", fährt Sylvester Stallone fort. "Bestimmte Situationen aus meinen früheren Beziehungen dienen als Beispiel dafür, wie man mit Anstand eine neue Lebensphase beginnt. Denn eine Persönlichkeit besteht aus dem, was man hinter sich lässt."

Röhrende Motoren Vier Jahre lang beobachtete Stallone immer neue Rennen, er arbeitete das Drehbuch mehrfach um. Gleichzeitig suchte er nach Produzenten. "Es war harte Arbeit, dieses Projekt auf den Weg zu bringen", gibt er zu. "Alle haben mir erzählt, dass so etwas nicht zu machen sei. Aber dadurch fühlte ich mich nur noch mehr angespornt, um ihnen das Gegenteil zu beweisen."

Til Schweiger zeigt sich von Stallones Hartnäckigkeit bei der Vorbereitung zu Driven schwer beeindruckt. "Ich kann Slys Vision, seine Hartnäckigkeit nur bewundern", sagt er. "Das perfekte Beispiel dafür ist schon die Geschichte, wie Rocky entstanden ist. Hier läuft das ähnlich. Es wäre doch so einfach gewesen, nach vier Jahren das Handtuch zu werfen und zu sagen: ?Was soll's? Dann mache ich einfach einen anderen Film.' Stattdessen sagt er: ,Nein, was ich mir in den Kopf setze, das schaffe ich auch.' Er lässt sich einfach nicht unterkriegen."

Schließlich stellte Stallone sein Drehbuch bei Elie Samaha, dem Gründer und Chef von Franchise Pictures, vor. "Ich habe sofort zugesagt", erinnert sich Samaha. "Denn in der klassischen Story geht es um einen Mann, der seine alte Schuld abtragen will, der einfach nicht aufgibt. Alles ist vorhanden: Dramatik, Humor, Action, tolle Hauptfiguren. Und Millionen von Fans rund um die Welt begeistern sich für den Motorsport. Milieu und Story haben mich begeistert."

Aber selbst mit Samaha an Bord war es nicht leicht, ein Team zusammenzustellen, das ein so innovatives Projekt realisieren konnte. "Ein Film über Autorennen ist nicht gerade ein Kinderspiel", formuliert Stallone es vorsichtig. "Man mußs einerseits den Sport und andererseits die Menschen in seinem Umfeld verstehen, sich für Motoren begeistern. Viele Filmemacher meistern den einen Aspekt der Geschichte, aber es ist schwierig, Leute zu finden, die sich mit beiden Aspekten auskennen. Ich hatte großes Glück, mit Renny Harlin zusammenzuarbeiten, denn er hat die Begabung und die visionäre Kraft, um dem Film das richtige, überdimensionale Kaliber zu verleihen. Durch ihn eröffnen sich dem Projekt ganz neue Sphären."

Stallones Drehbuch stellt eindeutig die Hauptfiguren in den Mittelpunkt - dadurch bekam Harlin die Gelegenheit, seine Vorliebe für Actionstoffe mit einem Ensemble-Drama zu verbinden - hier geht es um lebendige Menschen, um echtes Leben. "Wir fahren in diesem Fall auf dieselben Dinge ab", sagt Harlin. "Warum sollten wir also nicht auch wieder zusammenarbeiten?" Die beiden haben bereits den Riesenhit Cliffhanger gemeinsam gedreht. "Mit Driven wollen wir unseren Zuschauern demonstrieren, warum Autorennen zu den beliebtesten Sportarten der Welt zählen. Wir wollen mit dem Publikum gemeinsam Neuland betreten, wir dringen mit der Kamera in den Motor, in den Kopf der Fahrer ein, bei Unfällen krachen sie direkt in die Mauer, und beim Schleudern machen sie eine 360-Grad-Drehung um sich selbst. Eine Rennfahrerfilm wie unseren hat es noch nie gegeben."

Als sich Stallone und Harlin an die Besetzung machten, sicherten sie sich den legendären Kassenstar Burt Reynolds für die Rolle des Teambesitzers Carl Henry. "Ich bin froh, wieder in der Boxengasse zu sein, auch wenn ich der Einzige bin, der nicht fahren darf", witzelt Reynolds. "Sly und ich kennen uns schon seit 20 Jahren, und seitdem suchen wir nach einem geeigneten Stoff für einen gemeinsamen Film. Bei ?Driven' haben uns die großartigen Rollen und das gemeinsame Hobby schließlich zusammengebracht."

Harlin, der aus Finnland stammt, und Stallone waren sich darin einig, der schillernden Vielfalt an Menschen und Schausplätzen im internationalen Motorsport auf der Leinwand breiten Raum zu geben. "Autorennen sind neben Fußball weltweit der populärste Sport", sagt Harlin. "Sly und ich stimmten darin überein, dass wir diesem Umstand bei der Wahl der Darsteller und Drehorte Rechnung tragen mußsten."

Entsprechend multikulturell erscheint die Besetzungliste von Driven: bekannte Stars ebenso wie hoffnungsvolle Newcomer vom kanadischen Covergirl Estella Warren bis zum Chilenen Cristián de la Fuente und dem deutschen Star/Regisseur/Produzenten Til Schweiger. Hinzu kommen etliche Spitzenrennfahrer aus aller Welt: Juan Montoya (Kolumbien), Max Papis (Italien), Dario Franchitti (Schottland) und Kenny Brack (Schweden).

Cristián de la Fuente bemühte sich mit der für ihn typischen Hartnäckigkeit um die Rolle des Fahrers Memo Moreno: "Ich sah im Fernsehen die Sendung ,Entertainment Tonight' und erfuhr, das Sly sich auf seine Rolle als Rennfahrer vorbereitet. Also rief ich meinen Agenten an und sagte: ,Sly macht einen Film über Motorsport, und er wird die Rennen doch sicher nicht allein fahren.' Das dachte mein Agent auch, ich stellte mich also vor, und nach langem Warten bin ich jetzt endlich hier."

Die perfekte Besetzung für den Champion Beau Brandenburg fand Stallone in Til Schweiger, der neben seiner deutschen Karriere auch schon englischsprachige internationale Rollen zum Beispiel in "Judas Kiss" und "Investigating Sex" gespielt hat. "Ich kenne Til schon mehrere Jahre, habe aber bisher nie die richtige Rolle für ihn gefunden", sagt Stallone. "Doch Beau Brandenburg ist ihm auf den Leib geschrieben, und er hat sich mit Begeisterung darauf gestürzt."

" Til Schweiger spielt sehr ehrlich und intuitiv", fügt Harlin hinzu. "Faszinierend, ihm in ,Driven' zuzuschauen, wenn er ganz subtil deutlich macht, wie Beaus coole, stoische Fassade langsam zu bröckeln beginnt."

Die Newcomerin Estella Warren entdeckte Harlin in einer Zeitschrift auf dem Flug zu einem der Autorennen. "Zu dem Zeitpunkt hatten wir bereits hunderte von Schauspielerinnen vorsprechen lassen, aber es war keine dabei, wie wir sie uns vorstellten", erinnert sich Harlin. "Aber beim Blättern in dem Magazin dachte ich sofort: Die ist es. Bei mehreren Testaufnahmen wirkte sie eher zurückhaltend, aber dann kam sie endlich in Fahrt, und wir staunten nur über ihre Fähigkeit, ihre Emotionen voll auszuleben. Sie sieht nicht nur umwerfend aus, sie ist auch eine Naturbegabung."

Schauspielerisches Talent wurde Warren erstmals abgefordert, als sie mit dem französischen Regisseur Luc Besson einen Werbespot für Chanel No. 5 drehte. Sie sagt, dass die zehn Jahre als Weltklasse-Synchronschwimmerin ihr heute sehr dabei helfen, Regieanweisungen umzusetzen. Das merkt auch Harlin: "Als Spitzenschwimmerin weiß sich Estella äußerst diszipliniert zu verhalten. Ich konnte sie ganz einfach anleiten, denn ich mußste nur gerade heraus sagen: ?Jetzt machst du es mal so, aber nicht so.' Und schon klappte es."

Sobald die Rollen besetzt waren, konzentrierte sich Harlin auf das visuelle Konzept und die Produktionsstrategie: "Ich lege bei diesem Projekt größten Wert auf Realismus. Ich bin mit vielen Fahrern befreundet, also fühle ich mich schon deshalb zur Wahrhaftigkeit verpflichtet. Was die Wagen vor der Kamera actionmäßig leisten, ist zwar unglaublich, aber durchaus keine Fantasy. Der Film spielt in der Welt des Rennsports, und der dient hier als Metapher für die menschliche Natur."

Gas geben Es ging Sylvester Stallone und Harlin von Anfang an nicht allein darum, die Rennen technisch aus der Perspektive der Fahrer zu zeigen, sondern die Zuschauer auch emotional in die Fahrer hineinzuversetzen. Zu diesem Zweck wollte Harlin mit seinem Team neue Methoden für entfesselte Kamerabewegungen entwickeln und aus Blickwinkeln drehen, die noch nie korrekt ins Bild gerückt wurden.

"Ich bemühe mich immer um den bestmöglichen Blickwinkel", sagt Harlin. "Manchmal bedeutet das, die Kamera dort zu platzieren, wo das menschliche Auge niemals hinkäme - eine normalerweise unmögliche Perspektive. Für Driven stellte ich mir vor, dass die Kamera ständig um die Wagen und die Fahrer kreist, wie ein herabstoßender Raubvogel. Ich will den Zuschauer auf eine Achterbahnfahrt schicken, dass ihm der Kopf schwirrt - von der prototypischen Verfolgungsjagd bis zum Blickwinkel der Fahrer bei Unfallszenen. Ich will zeigen, wie das Rennen aus der Sicht der Beteiligten aussieht, nicht aus der Sicht der Zuschauer."

Stallone und Harlin bauten dabei auf die Mitwirkung etlicher Weltklassefahrer. Zu ihnen zählen die Formel-1-Weltmeister Mika Häkkinen und Jacques Villeneuve; die Formel-1-Spitzenfahrer Mika Salo, David Coulthard und Jean Alesi; sowie im Indy/CART-Bereich Fahrer wie Max Papis, Kenny Brack, Christian Fittipaldi, Mauricio Guggelmin und Paul Tracy. Sie alle steuerten ihre Beobachtungen und detaillierten Beschreibungen bei - mit ihrer Hilfe feilten die Filmemacher an der Story und an den Actionsequenzen. Besonders konzentrierten sie sich auf Einstellungen, die die Erfahrung und Wahrnehmung "in der Zone" demonstrieren: die höchste Konzentration und die optische Verzerrung, die Fahrer bei extrem hohen Geschwindigkeiten erleben. "Bisher war noch in keinem Film akkurat zu sehen, was der Fahrer bei solchen Geschwindigkeiten wahrnimmt", sagt Stallone. "Wir wollen den Zuschauern den Terror, den Adrenalin-Kick vermitteln, wenn man auf solch einer geballten Ladung PS sitzt."

Aber der Blick über das Lenkrad unterscheidet sich durchaus von dem, was ein Sonntagsfahrer erwarten würde. "Normalerweise befestigt man die Kamera hinten am Wagen, um so dem Blickwinkel des Fahrers nahe zu kommen, aber korrekt ist das nicht", insistiert Stallone. "Denn der Blickwinkel des Fahrers geht nicht nur starr nach vorn. Seine Augen bewegen sich ständig von einer Seite zur anderen, konzentrieren sich mal auf nahegelegene, mal auf weiter entfernte Objekte. Um das chaotische Blickfeld darzustellen, das der Fahrer wirklich wahrnimmt, verwendet Renny eine ganze Reihe von Blenden und Kameraeinstellungen."

Bei Harlins Vorliebe für unkonventionelle Aufnahmen war es nötig, schon bei der Entwicklung des Storyboards neue Methoden anzuwenden. "Als wir mit Renny diskutierten, wie er die Rennsequenzen und Unfälle zeigen wollte, merkten wir schnell, dass wir Neuland betreten mußsten", erklärt Brian M. Jennings, der für die Trickaufnahmen verantwortlich zeichnet. "Wir mußsten ein ganz neues Konzept dafür entwickeln, wie man solche Bilder filmen kann. Um Rennys Visionen planerisch darzustellen, war es nötig, ein dreidimensionales Storyboard zu kreieren." Das so entwickelte Verfahren nannten sie "prävisuell".

Mit seiner Hilfe wurde jede Actionsequenz in logistische Einzelschritte aufgeteilt. Anfangs fertigten Zeichner traditionelle Storyboards an, die Harlin dann überarbeitete. Diese Storyboards übertrug man dann in den Computer, wo man sie weiter bearbeiten konnte. Mit einer Technik namens "Animatik" konnte man das Storyboard dann beliebig durchtesten: Harlin verschob die Kamera, das Set, die Darsteller, Wagen, Requisiten, Scheinwerfer etc. in dem virtuellen dreidimensionalen Raum - und zwar bis auf den Millimeter genau. Auf diese Weise legte Harlin komplizierte Kamerabewegungen sowie Action- und Stuntsequenzen schon lange vor Beginn der Dreharbeiten fest, er probierte verschiedene Kamerawinkel aus und spielte unterschiedliche Bewegungsabläufe durch. Nach dieser intensiven, detaillierten Vorausplanung konnte Harlin dann bei drei entscheidenden Rennen sechs Wochen lang drehen - er filmte 1500 Einstellungen an 39 Drehtagen, und alles "ohne Rücksicht auf Verluste", wie er sagt.

"Die Technologie existierte bereits, aber wie wir sie anwenden, ist absolut faszinierend", sagt Harlin. "Ich habe im Computer voll animierte Sequenzen gestaltet, um sie den Mitarbeitern in jeder Produktionsabteilung zu demonstrieren: den Geldgebern, den Stuntleuten, den Trickexperten, den Darstellern und Bühnenbildnern. Ein wunderbares Werkzeug. Was die Filmarbeit vor allem im Action- und Trickbereich angeht, stehen wir vor einer echten Revolution."

Nachdem die verschiedenen Kameraobjektive und Blickwinkel im Computer durchprobiert waren, plante man entsprechend die Realaufnahmen, die sich auf die einzelnen Abteilungen verteilten. Ein Beispiel: Harlin wollte, dass ein Rennwagen in eine Mauer kracht, durch die Luft fliegt und dann auf eine bestimmte Position auf der Piste schleudert. Das Team sah sich zunächst die Darstellung des Unfalls am Bildschirm an: Jennings, Kameramann Mauro Fiore, Regieassistent Myron Hoffert, Stunt-Coordinator Steve Lucescu, Steve Kelso, der das Rennteam leitet, und Special-Effects-Experte Colin Chilvers. Die Verantwortlichen der verschiedenen Teams schätzten dann in der Besprechung genau ein, was sie ohne Gefahr für Leib und Leben der Beteiligten beitragen konnten.

Stunts und Rennteam: "Wir können direkt bis an die Mauer fahren, aber bei der hohen Geschwindigkeit können wir nicht dagegen fahren."

Die Special Effects kommen zu Hilfe: "An dieser Stelle können wir den Wagen übernehmen und so präparieren, dass er in die Wand kracht. Aber wir können nicht garantieren, dass er sich in genau der vorgeschriebenen Weise überschlägt." Visual Effects: "Wir können den Wagen vom Crash an übernehmen und ihn sich in jeder beliebigen Weise überschlagen lassen - wir können überhaupt alles bewerkstelligen, was du willst." "Diese Arbeitsweise ist nicht nur sehr effizient, sie macht auch Spaß", erinnert sich Harlin. "Jeder kann seine Kreativität einbringen, das ist echte Teamarbeit. Und die Resultate sprechen für sich."

Im Mittelpunkt dieser Szenen stehen Rennwagen, die im Computer nachgebildet wurden. "Wir lassen ein Modell des echten Rennwagens digitalisieren", erklärt Jennings. "Das heißt, das reale Modell wird in den Computer gescannt. Dann wird das Computermodell bearbeitet: Alle Aufkleber und Schriften werden so auf der Außenhaut angebracht, dass es dem echten Wagen hundertprozentig entspricht. Dann wird das im Computer dargestellte Modell (CGI) in reale Filmaufnahmen eingepasst und so animiert, dass es sich genau wie ein Rennwagen bewegt."

Wie realistisch die Computermodelle aussehen, demonstrierten die Computerexperten, indem sie Harlin testeten: Jennings und seine Crew stellten eine Reihe von Probeszenen her, in denen Computermodelle mit vier oder fünf echten Rennwagen um die Wette fahren. Schließlich konnte nicht mal Harlin die echten von den digitalen Wagen unterscheiden. "Sie haben mir 1000 Dollar geboten, falls ich den CGI-Wagen identifiziere", sagt Harlin. "Dreimal habe ich daneben getippt, und beim letzten Mal hatte ich ihn immer noch nicht gefunden."

Harlin nimmt an, dass etwa 75 Prozent seiner Rennsequenzen aus realen Bildern bestehen, während der Rest im Computer entstand. "Wir hätten auch den gesamten Film mit realen Kameras und ohne visuelle Effekte drehen können", sagt Harlin. "Aber der Computer erlaubt uns, die Action digital zu intensivieren, was auch den realen Bildern zugute kommt. Die Kamerabewegungen wirken deswegen wie aus einem Guss, die Bilder erscheinen neuartig und originell."

Beispielsweise verwendet Harlin mehrfach jene atemberaubenden dreidimensionalen Effekte, die im Spielfilmbereich erstmals in Matrix eingesetzt wurden. Kameramann Mauro Fiore stellt allerdings fest, dass sich die Matrix-Technik von der dynamischen Kamerabewegung in den Zeitlupeneinstellungen in Driven deutlich unterscheidet.

"Bei Matrix war man auf eine Reihe von Standbildkameras angewiesen, um den Effekt zu erreichen, während wir eine Filmkamera vom Typ Arriflex 435 verwenden", erklärt Fiore. "Wir sind dadurch flexibler in der Auswahl der Einzelbilder, die zu Standbildern eingefroren werden beziehungsweise welcher Teil des Standbildes weiterbewegt werden soll. Auf diese Weise konnte Renny sich jeden beliebigen Winkel als Fixpunkt aussuchen."

Dieser Effekt des "In-der-Luft-Hängens" ermöglicht es den Filmemachern, den Zuschauer gewissermaßen in den havarierenden Wagens hineinzusetzen, durch ein Feuer zu fahren oder im Cockpit des Rennwagens mitzuerleben, wie er sich um sich selbst dreht und über die Piste schleudert.

Harlin manipulierte außerdem die Linsenverschlusszeit der Kameras und die Kamerawinkel, um die Bilder zu verwischen, sie in einen Stakkato-Rhythmus zu versetzen, bestimmte Sequenzen zur Hervorhebung eines Details zu verlängern oder umgekehrt das Tempo bis zur Atemlosigkeit zu steigern. "Wir erleben einen Unfall in Zeitlupe, sehen unsere Darsteller im Wagen während des Crashs, wir sitzen während des Crashs am Steuer und sehen, wie Wrackteile in Zeitlupe wegfliegen", sagt Harlin. "Die echten Fahraufnahmen werden durch diese Aufnahmen lebensgefährlicher Szenen - im Zentrum des Crashs mit dem fliegenden Schrott - im Computer erheblich aufgewertet. Dabei bin ich in der Lage, den Bewegungsablauf beliebig zu verlangsamen, um dann - Schnitt - zum Wahnsinnstempo der realen Szene zurückzukehren. Auf diese Weise schaffen wir Renn- und Unfallsequenzen, die es noch nie zu sehen gab - einfach weil sie bisher nicht risikolos gedreht werden konnten."

Neben der Computertechnik, den vom Computer manipulierten Kameraaufnahmen und den visuellen Effekten sieht Harlin auch die Weiterentwicklung der konventionellen Kameratechnik als Schlüsselelement beim Dokumentieren der PS-starken Rennmaschinen: "Heute können wir die Kameras sehr viel flexibler am Wagen befestigen, weil sie erheblich leichter geworden sind und wir das Ausbalancieren in den Griff bekommen. Beispielsweise benutzen wir Periskoplinsen. Das heißt, die Kamera wird dort angebracht, wo sie nicht im Weg ist, aber die Linse sitzt dem Fahrer praktisch vor den Augen, so dass wir alles genau aus dem Blickwinkel des Fahrers sehen: die Piste vor uns, aber auch seine eigenen Hände am Steuer."

Harlin setzte verschiedene Kameras und Stative ein, zum Beispiel die dreifach kardanisch aufgehängte, nur zehn Kilogramm schwere ferngesteuerte RollVision-Kamera - man kann sie um 180 Grad seitwärts kippen, horizontal einen vollen Kreis schwenken und auch vertikal eine 360-Grad-Bewegung ausführen. Dabei lässt sie sich an allen möglichen Auslegern, RadCams, Steadicams oder fahrbaren Dollykränen montieren. Auch die sehr kleine Eyemo-Kamera kam zum Einsatz, die man an der Radaufhängung eines Rennwagens befestigen kann, um so ein Gefühl für die Geschwindigkeit zu bekommen. Für Luftaufnahmen benutzte Harlin die WesCam, während er mit dem Technocrane um die fahrenden Wagen herumfuhr. Ein 25 Meter hoher Strada-Kran bewegte sich über dem Publikum auf der Renntribüne, und mit einer FotoSonics-Kamera filmte man bei 300 Einzelbildern pro Sekunde einen in den Boxen wütenden Brand.

Startschuss Noch waren nicht alle Rollen besetzt, und die offiziellen Dreharbeiten hatten im Juli 2000 noch nicht begonnen, da filmten Harlin und Stallone bereits bei realen Rennen. Schon im März drehten die Filmteams bei der CART-Serie in Miami/Florida; Long Beach/California; Rio de Janeiro/Braslien und Montegi/Japan. "Bei den Rennen rund um die Welt konnten wir die Begeisterung hunderttausender von Fans, aber auch atemberaubende Actionszenen einfangen", freut sich Harlin.

Vor Ort in den Boxen vertieften die Filmemacher ihre Studien in Bezug auf Know-how und den Alltag von Wagenbesitzern und Fahrern, um die Realität des Rennsports so genau wie nur möglich nachzubilden. "Sly und Renny haben mich sofort schwer beeindruckt", berichtet Teamchef John Della Penna. "Sly wollte als Autor jedes kleine Detail überprüfen. Er zeichnete die Funkkontakte auf, um die Sprache und den Tonfall festzuhalten, während der Fahrer sein Rennen fährt. Er wollte die Strategie verstehen, die wir in den Boxen anwenden. Er wollte selbst erleben, was der Fahrer auf der Piste wahrnimmt. Er wollte nichts weniger als die Realität. Was den Realismus angeht, wird der Film das Publikum echt überraschen - und zwar nicht nur in den Rennszenen, sondern auch in den Beziehungen der Beteiligten untereinander."

Um dem Motorsport gerecht zu werden, verwendet Harlin in der Endfassung des Films Dokumentaraufnahmen echter Rennen neben den Szenen, die das Drehbuch vorschreibt. "Was wir bei den Rennen gefilmt haben, passte nicht in jedem Fall zur Handlung des Skripts", erklärt Harlin. "Wir haben also die live bei den Rennen aufgenommenen Bilder verwendet und dann im Computer gestaltete Wagen hinzugefügt, um die Handlung drehbuchgerecht zu gestalten. Die realen Rennbilder vermitteln hautnah den Enthusiasmus von hunderttausenden von Fans. Und durch die eingefügten Stars in ihren fiktiven Wagen treiben wir gleichzeitig unsere Geschichte voran."

Nicht nur bei den Special Effects, sondern auch an den live gefilmten Renntagen erschien Harlin mit ausführlich vorbereiteten Storyboards, die zunächst auf Papier, dann im Computer gestaltet worden waren. Aus den Storyboards ergaben sich dann die Einzeleinstellungen, die auf Dutzende von Kamerateams verteilt wurden. Diese platzierte man an vorher festgelegten Positionen längs der Rennstrecke. Gleichzeitig spielten Harlin und sein Team mit Spielzeugrennwagen die komplizierten Fahrsequenzen des Drehbuchs durch, die später in die Dokumentarbilder eingepasst wurden. Bevor sie sich auf die Piste begaben (wo jede Minute kostbar war), exerzierten der Regisseur, die Schauspieler, Fahrer, Stuntleute, Kameraleute und Crewmitglieder ihre Filmversion des Rennens Dutzende von Malen durch.

"Die Filmarbeit bei solchen Rennen funktioniert nur mit einem auf die Minute abgestimmten Zeitplan", sagt Harlin. "Planung ist dabei alles. Wenn wir das Signal bekamen, unser Ding in den wenigen Minuten Drehzeit auf der Rennstrecke durchzuziehen, mußste alles wie am Schnürchen klappen. Das Rennen ist in seinem geregelten Ablauf festgelegt und lässt sich nicht aufhalten. Aber wenn meine Kameras laufen und die Schauspieler auf den Markierungen stehen, konzentriere ich mich ganz auf den Kameraausschnitt, und die Welt um mich herum verschwindet einfach."

An jedem Renntag versammelten sich Schauspieler und Crew schon lange vor Sonnenaufgang, um die Sicherheitsvorkehrungen abzusprechen und den Drehtag mit militärischer Präzision zu planen. Vor und nach den Rennen beziehungsweise Qualifizierungsrunden des jeweiligen Tages erlaubte die Rennleitung dem Filmteam, die eigenen Produktionswagen auf der Piste zu filmen. In der übrigen Zeit entstanden die Aufnahmen hinter den Kulissen des Rennbetriebs, an den Wohnwagen, auf den Tribünen, an den Boxen, im Presseraum und in der Rennleitung.

"Die Offiziellen der Rennen und ihre Mitarbeiter haben uns ungeheuer unterstützt", sagt Stallone. "Ursprünglich wollten wir Formel-1-Rennen filmen, aber dort hätten wir nie so nah dran arbeiten können wie bei den CART-Rennen. Bei denen können wir wirklich mittendrin mitmischen. Im Vergleich werden die CART-Rennen auch auf abwechslungsreicheren Strecken ausgetragen, und die Wagen fahren erheblich schneller. Die Rennstrecken bestehen aus Ovalen, Hochgeschwindigkeitsstrecken und Straßenpisten. Auf geraden Strecken werden Spitzengeschwindigkeiten von über 380 Stundenkilometern erreicht."

"Es ist uns gelungen, eine Vertrauensbasis mit allen Beteiligten aufzubauen. Die enge Zusammenarbeit hat uns ermöglicht, hautnah an den Rennen teilzunehmen", sagt Harlin. "Es geht dabei ja um Events mit Material, das Milliarden Dollar wert ist - und mittendrin drehen wir unsere Szenen. Solche Rennen laufen ab wie ein Uhrwerk. Wenn das Rennen startet, dann geht es wirklich los - dann sollte man ihm besser nicht in die Quere kommen!"

Die Gefahren des Rennsports sind offensichtlich - ebenso die Probleme beim Umgang mit großen Menschenmengen und der Logistik derartig großer Veranstaltungen. Aber hinzu kamen auch noch Fragen in Bezug auf Sicherheit und Kommunikation. Bei der Platzierung Dutzender von Kamerateams entlang der Rennstrecken ging es vor allem um die Sicherheit. Notwendigerweise mußsten einige Kameras auch an gefährlichen Stellen aufgestellt werden. Und die Piste selbst durfte niemand betreten, der nicht vorher offiziell von der Rennleitung zugelassen war. Für den Fall, dass es zu Unfällen oder Zusammenstößen kommen sollte, waren die Kameraleute angewiesen, den Kopf einzuziehen und NICHT wegzulaufen, denn niemand kann vor dem fliegenden Schrott eines zerfetzten Rennwagens davonlaufen - tatsächlich erhöht sich das Risiko, wenn man das versucht.

Angesichts des ohrenbetäubenden Lärms, den aufheulende Maschinen mit 900 PS machen, und der überall in der Menge und an der Rennstrecke verteilten Crewmitglieder setzte man bei "Driven" Walkietalkies mit Kopfhörern ein - ähnlich denen, die auch von den Boxen-Teams benutzt werden, denn nur so ist eine Verständigung möglich. Um die Mitarbeiter und die Ausrüstung über die vielen Quadratkilometer der Rennstrecke zu verteilen, setzte man elektrische Golfgefährte, Geländefahrzeuge, Motorräder und Motorroller ein. Weil es beim Rennen auf jede Sekunde ankommt, war jedes einzelne Team planmäßig und eigenverantwortlich auf sich selbst gestellt: Schon beim Verlassen der Produktionsbasis am Morgen rüstete man sich für den ganzen Tag mit ausreichend Akkus, Filmmaterial, Ausrüstung und Wasser aus, um etliche Stunden an der Rennstrecke aushalten zu können.

Bei den gefilmten Rennen konnte Harlin eine stattliche Anzahl echter Rennfahrer und Teamchefs einsetzen: Jean Alesi, Juan Montoya, Max Papis, Kenny Brack, Adrian Fernandez, Roberto Moreno, Memo Gidley, Chip Ganassi, Mauricio Guggelmin, Michel Jourdain, Tony Kanaan und John Della Penna, um nur einige zu nennen.

Boxenstopp Vom 15. bis zum 18. Juni setzte Harlin zehn Kameras und einen Helikopter ein, um alle 84 Runden beziehungsweise 315 Kilomter des Tenneco Automotive Grand Prix of Detroit auf der Rennstrecke zu filmen, die sich auf der Insel Belle Isle im Detroit River befindet. Ursprünglich handelte es sich um ein Formel-1-Rennen, das in den 80er-Jahren durch die Straßen der Innenstadt führte. Heute ist es ein internationaler CART-Event im idyllisch gelegenen Belle Isle Park. Die Stars Kip Pardue, Estella Warren und Til Schweiger bestanden an diesem Wochenende ihre Feuerprobe, denn hier in der Boxengasse drehten sie zusammen mit Stallone ihre ersten Filmszenen.

"Beim Casting hatte ich eine Szene mit Sly gespielt, und dann hieß es nur noch: Warten", erinnert sich Pardue. "Dann an einem Mittwoch um 15 Uhr bekam ich den Anruf: ,Du hast die Rolle, und heute abend fliegst du nach Detroit zu den Dreharbeiten.' Ehe ich kapiert hatte, was los ist, hatte ich einen Renn-Overall an und stand neben einem Action-Held aus Fleisch und Blut - mitten in einem echten Rennen."

"Ein unglaublicher Tag", stimmt Warren zu. "In meiner allerersten Szene stand ich genau dort, wo die Wagen an die Boxen fahren. Wir drehten mittendrin - um uns die Fans, die Teams, die Wagen. Unglaublicher Trubel um uns herum, und wir hatten nur ein paar Minuten, um die Aufnahmen zu machen. Ich mußste mich also tierisch konzentrieren und loslegen, als Renny das Zeichen gab."

Was in Detroit durchexerziert wurde, gab das Muster auch für die Dreharbeiten bei den übrigen Rennen vor - sowohl die dokumentarischen Aufnahmen der echten Rennen als auch die fiktiven Szenen der Filmhandlung. Zum Beispiel warteten die Darsteller und das "Driven"-Produktionsteam hinter den Kulissen, während die Gewinner des Rennens auf dem Siegertreppchen ihren Triumph feierten. Sobald sie abtraten, übernahm das Team, die Schauspieler stiegen aufs Treppchen und spielten ihren Sieg so, wie das Drehbuch es vorgab. Das Rennen in Detroit "gab die Dynamik vor, die unseren Film richtig auf Trab brachte", erinnert sich Fiore. "Durch den Grand Prix von Detroit waren wir derart mit Energie aufgeladen, dass wir für den Rest des Films davon zehren konnten."

Der farbenprächtige Volksfestcharakter und die funkelnden Rennwagen gaben Harlin und Fiore ein visuelles Konzept für ihren Film vor. "Bei Rennen wird viel mit knalligen Farben gearbeitet", sagt Fiore. "Das wirkt leicht surreal, und auch wir wollten so viele glänzende Oberflächen ins Spiel bringen wie nur irgendmöglich. Reflektierende Oberflächen haben wir in keinem Fall gedämpft - wir wollten gerade die harten Farben und die Spiegelungen auf der glänzenden Außenhaut der Wagen. Das ganze Konzept geht von satten Farben aus, von den Farbstreifen der rasenden Wagen, ja sogar von übersatten Farben."

Und los geht's! Die eigentlichen Dreharbeiten begannen am 6. Juli 2000 (zufällig Stallones Geburtstag). Beim Toronto-Molson-Indy-Rennen vom 13. bis 16. Juli sahen Tausende von Fans zu, wie Harlin und sein Team die Rennstrecke durch die Innenstadt mit 13 Kameras abfilmten. Mit dabei war Harlins unverzichtbarer Helikopter. Die 2,752 Kilometer lange Strecke führt durch das Messegelände von Toronto und etliche Straßen im Zentrum: Lake Shore Boulevard, Ontario Drive, die Manitoba- und die Nova Scotia Avenue. Zu diesem größten Rennen des Films kommen jährlich etwa 100.000 Fans - mehr als 100 Millionen Zuschauer sehen am Bildschirm zu.

Für Gina Gershon und etliche ihrer Kollegen war das spektakuläre Molson Indy das erste Autorennen ihres Lebens. "Sly führte mich herum, wir sahen uns die Boxen an, standen direkt neben den Wagen", erinnert sich Gershon. "Ich hatte meine Videokamera dabei und filmte selbst, war überwältigt von der Szene - ein Wagen brach fast aus, ich sah ihn direkt auf uns zukommen, und in dem Moment sagte Sly: ,Vielleicht sollten wir ein Stück zur Seite gehen.' Ich bekam es mit der Angst zu tun, aber trotzdem war es toll."

"Die Dreharbeiten während der Rennen waren irre", sagt Stacy Edwards, die Nachhilfeunterricht in Journalismus und in der Rennszene nahm, um sich auf ihre Rolle als Reporterin Luc Jones vorzubereiten. "Mitten in dem Trubel wirkte Renny wie ein Kind im Spielzeugladen - absolut begeistert, aber gleichzeitig unglaublich konzentriert und abgeklärt. Und ich habe bei der Riesengaudi einfach mitgemacht."

Als Teil ihrer Vorbereitung begleitete Edwards die Reporterin Michelle Garforth, die für die Serie "Inside CART" des Networks ESPN auch vom Toronto Molson Indy berichtete. "Eine faszinierende Welt", staunt Edwards. "Ich begreife nicht, wie diese Männer und ihre Frauen das aushalten - sie wissen genau: Wenn sich ein Fahrer ans Steuer setzt, riskiert er jedes Mal sein Leben."

Als das Driven-Team beim Molson Indy eine Box für eine lange Dialogszene zwischen Stallone und Reynolds mit Beschlag belegte, wurden Crew und Darsteller von hunderten von Fans bestürmt, die eine Menschentraube um den Set bildeten, um die beliebten Stars bei der Arbeit zu beobachten. Als sich herumsprach, was dort gefilmt wurde, war der Bereich bald derart verstopft, dass die Szene schnell beendet wurde. Es war unmöglich, die Schauspieler durch die Menschenmenge zu leiten. Doch wo das Drehteam auch auftauchte, da sammelten sich schnell auch die Fans - und das sollte sich bei den folgenden Rennen immer wiederholen. Also verpflichteten die Filmemacher bei dieser und vielen der folgenden Szenen die Zuschauer einfach als Statisten, und wieder verband sich das tatsächliche Rennereignis mit der fiktiven Handlung des Films.

Ende Juli reiste das Produktionsteam zum Target Grand Prix of Chicago. Dort dirigierte Harlin einen Helikopter, zwölf Kamerateams in Go-Carts und alle Darsteller in Aufnahmen, die später für zwei Rennsequenzen des Films (Chicago und Japan) verwendet wurden.

Auch hier wurden Stallone und Reynolds von hunderten Schaulustiger umlagert. Während die Stars an der Start-/Ziellinie auf ihren Einsatz warteten, kamen sie mit den Fans ins Gespräch und gaben Autogramme. Dann bekamen Harlin und sein Team grünes Licht für Aufnahmen auf der Piste - aber sie hatten nicht einmal zehn Minuten Zeit, unmittelbar vor dem Start des wirklichen Rennens. Stallone und Reynolds spielten also ihre Dialogszene zwischen Startlinie und Boxen, während Harlin und die Kameraleute sie mit Steadicams aufnahmen. In dieser Szene nicken Stallone und Reynolds den begeisterten Zuschauern zu, schütteln Hände, spielen dabei aber ihre Rollen - sie hatten die Szene gerade im Kasten, als Sekunden später die echten Rennwagen durch die Boxengasse donnerten.

Schlechtes Wetter behinderte die Dreharbeiten in Chicago erheblich. Da CART-Rennen auf nassen Pisten nicht gestartet werden, verkürzten die häufigen Schauer Harlins kostbare Zeit auf der Piste - selbst das echte Rennen mußste verschoben werden. Über Chicago sagt Harlin: "Wir haben wie Guerilleros im großen Stil gearbeitet. Bei diesem großen und sehr gefährlichen Rennen waren wir als Gäste beteiligt, wir mußsten uns dem Konzept, dem Zeitplan unterordnen. 100.000 bis 200.000 Zuschauer sitzen auf den Tribünen, 27 Rennwagen warten in den Boxen, an die 3000 Leute arbeiten in der Boxengasse: Mechaniker, Fahrer, Teamchefs, Sponsoren, Gäste, hunderte von Fotografen, Video-Teams, live berichtende Fernseh-Crews. Das war echter Stress. Aber wir hatten uns gründlich vorbereitet, wir waren auf alles gefasst. Wir mußsten uns mächtig konzentrieren, mitten hineinspringen und unsere Szenen durchziehen. Und das haben wir auch geschafft."

Die Driven-Darsteller nahmen an etlichen Veranstaltungen des Rennwochenendes in Chicago teil. Harlin und Warren beteiligten sich am VIP-Rennen "Celebrity Challenge". Stallone, Pardue, Schweiger und Warren fuhren bei der Parade vor dem Rennen neben den echten Rennfahrern. Stallone fungierte auch als Co-Rennleiter - ihm wurde die Ehre zuteil, den berühmtesten Satz der Rennwelt auszusprechen: "Gentlemen, starten Sie die Motoren."

Als die Szenen in Chicago abgedreht waren, kehrte das "Driven"-Team nach Toronto zurück - die Stadt doubelte von nun an für Sequenzen, die in Chicago, Japan und Deutschland spielen. Zu diesem Zweck verwendete Kameramann Fiore als Kontrast entweder intensivere oder blassere Farben: Kühles Neon und schillernde Lichter evozieren Tokio, golden verbrämtes Licht schuf die Berliner Atmosphäre.

Alle Schauspieler, die in Driven Rennfahrer spielen, fahren echte Rennwagen auf echten Rennstrecken, aber nur Stallone und Pardue lieferten sich auf den Straßen von Toronto ein Boliden-Rennduell bei der schnellsten Verfolgungsjagd, die jemals gefilmt wurde.

In der Hochgeschwindigkeits-Verfolgungssequenz kamen auch erstmals Rennwagen außerhalb einer Rennstrecke zum Einsatz. Im Film spielt diese innovative Szene in Chicago. Tatsächlich entstand die Jagd aber in zehn Nächten auf der und rund um die University Avenue in Toronto sowie in den Innenstadttunneln von Montreal. Harlin und seine Experten lösten dabei einige der kniffligsten Probleme der gesamten Dreharbeiten.

"Die Ausleuchtung dieser Sequenz war für mich die mit Abstand schwierigste Aufgabe", berichtet Fiore. "Wir mußsten über drei Kilometer nächtliche Straße ausleuchten. Diese Strecke brauchten wir, denn es ging hier weniger um Ästhetik, wir wollten die Dimension der Sache deutlich machen. Dabei mußs man die Wagen natürlich sehen können - egal wie schnell sie fahren. Nächtliche Sets sind immer eine Herausforderung, aber bei Renny steigert sich das immer ins Gigantische, das hebt die Aufgabe auf eine ganz neue Ebene."

Um die Verfolgungsjagd hautnah beobachten zu können, verwendete Harlin einen speziell für diesen Zweck angefertigten Kamerawagen, den er "C2" nannte. Der Hochleistungswagen mit seiner 8-Liter-Maschine und 500 PS sieht aus wie eine Kreuzung aus "Knight Rider" und einem "Mad Max"-Gefährt. Der C2 wurde von Grund auf neu konstruiert - unter Verwendung von Bremsen, Radnaben und Aufhängungen für Rennwagen. Das Chassis ist handgefertigt, der Schwerpunkt liegt besonders tief, das ferngesteuerte Kamerasystem wurde direkt in den Wagen eingebaut ebenso wie ein in jeder Richtung bewegliches Kamerastativsystem, mit dessen Hilfe der Filmemacher die Kamera praktisch überall anbringen kann - vorn, hinten, oben oder unten. Von dort kann die Kamera sich in alle Richtungen im 360-Grad-Radius bewegen: horizontal, vertikal, aber auch seitwärts gekippt. Der Kameramann findet mit seinem Assistenten im Wagen Platz, außerdem der Regisseur - alle sind mit Fünf-Punkt-Gurten gesichert und durch einen Überrollbügel geschützt.

"Der Unterschied zu anderen Kamerawagen besteht darin, dass er von Anfang an als Filmfahrzeug konstruiert wurde", sagt Allan Padelford, der erfahrene Stunt-Fahrer am Steuer von Harlins C2. "Alle Vorrichtungen sind in den Wagen integriert, auch der Kameramann sitzt drin und nicht auf einer Ladefläche wie bei einem traditionellen Kameragefährt. Dadurch kann man mit hoher Geschwindigkeit fahren, denn alle sind sicher angeschnallt - wir können also die Geschwindigkeit mit der Kamera einfangen, ohne uns um die Sicherheit Gedanken machen zu müssen. Man kommt näher ans Geschehen heran und ist viel schneller - genau das, was Renny wollte."

Diese Straßenjagd gehört zu den dramatischen Schlüsselszenen des Films: Jimmy Bly wird nicht mehr mit seinen Problemen fertig. "Jimmy erlebt eine Art moralischen Zusammenbruch", erklärt Stallone. "Er glaubt, alles falsch zu machen, er hält es nicht mehr aus. Also begeht er eine Dummheit, mit der er sich durch die Regelverletzung als Rennfahrer selbst disqualifiziert. Er mußs endlich mit sich selbst ins Reine kommen - hier bekommt sein Selbstwertgefühl, sein Stolz neuen Auftrieb."

Ausgangspunkt der Jagd ist eine Sponsorenparty, die Gäste sind in Abendgarderobe erschienen, und zwei neuen Rennwagen-Prototypen werden vorgestellt. "Ich springe einfach in den Wagen, rase mitten durch die Partygäste und auf die Straße", erzählt Pardue begeistert.

Sylvester Stallone folgt ihm in dem zweiten Boliden-Prototyp, es kommt zu einer wilden Jagd. Über drei Kilometer rasen die Rennwagen mitten durch den normalen Verkehr - mit über 250 Stundenkilometern. Mehrfach nutzen sie Lücken im Mittelstreifen und wechseln auf die linke Fahrbahn - auf Kollisionskurs mit dem Gegenverkehr. Nach dem Kreuzen einer breiten Durchgangsstraße durchqueren die beiden Wagen einen Tunnel und kommen schließlich mitten auf einer stark befahrenen Kreuzung nebeneinander zum Stehen. Harlin und sein Expertenteam schaffen es, diese komplexe und gefährliche Vorgabe präzise umzusetzen.

"Manchmal haben wir uns nur um Zentimeter verfehlt", gibt Padelford zu. "Wir wagen uns weiter vor, riskieren mehr Tempo als je zuvor, mitten im Gegenverkehr, quer über alle Fahrspuren. Ohne gegenseitiges Vertrauen und Teamarbeit wäre das undenkbar. Man mußs seine Grenzen kennen - genau kalkulieren, was machbar ist und was nicht."<>P Es heißt, die Kamera mache einen Schauspieler um fünf Kilo dicker, als er ist. Dasselbe gilt für die Geschwindigkeit - sie wirkt auf der Leinwand oft geringer, als sie ist. Weitwinkelobjektive, die den Überblick verschaffen, machen das Bild flacher und verlangsamen die Action. Auch hier sorgen Harlins Einsatz vieler Kameras und Kamerawinkel für den entscheidenden Unterschied zwischen normalen Hochgeschwindigkeitsaufnahmen und dem wahrhaftigen Abbilden intensiver Rennszenen.

"Bei der Verfolgungsjagd jage ich mit ungefähr 250 Stundenkilometern durch einen Tunnel - ich trug keinen Helm und merkte, dass meine Ohren am Kopf anlagen", erinnert sich Stallone. "Die Fliehkraft ist unglaublich. Von der schneidenden Kälte ganz zu schweigen. Und ohne Helmvisier konnte ich überhaupt nichts sehen."

Neben den Straßen, die den Schauplatz für die ausführliche Verfolgungsjagd lieferten, kamen weitere Drehorte in Toronto zum Einsatz: das historische alte Rathaus, Downsview Park, Bay Street am Queen's Park, das Opernhaus, St. Joseph's Hospital und der Government Club. Anfang September 2000 drehte das Produktionsteam in Montreal weiter. Dort filmte man ausschließlich auf zwei Rennstrecken: der PMG-Technologies-Piste in Blainville nördlich von Montreal und der Formel-1-Strecke im Innenstadtbereich, auf der jährlich der Grand Prix of Montreal ausgetragen wird. Die Formel-1-Strecke trägt Gilles Villeneuves Namen. Jacques, der Sohn dieses legendären Fahrers, ist ebenfalls Formel-1-Champion und übernimmt im Film eine Gastrolle.

Im Gegensatz zu der sehr beschränkten Zeit, die Harlin und seinem Team vor und nach den realen Rennen zur Verfügung stand, hatten die Filmemacher die Rennstrecken in Montreal zu ihrer vollen Verfügung. Auf der PMG-Piste inszenierte Harlin das Rennen, das laut Drehbuch während eines Wolkenbruchs in Deutschland stattfindet. Natürlich sorgten Harlin & Co. für ein Unwetter, das der Zuschauer hier erstmals aus der Perspektive des Fahrers erlebt - die Sicht wird durch den Regen unmöglich, es kommt zu einem Unfall bei über 320 Stundenkilometern. "Hier waren die Künstler gefragt", sagt Harlin. "Die Regenaufnahmen von der Piste haben wir im Computer bearbeitet, um zu zeigen, was die Fahrer als Schussfahrt durch ein Aquarell bezeichnen - Wasser und Farben verschwimmen völlig. Weil der Fahrer kaum etwas sieht, ist er umso mehr auf sein Team angewiesen - die Spannung steigt, und vor allem die Gefahr. Das gilt auch für unseren Film."

Die Dreharbeiten des Unfalls im Regen erwiesen sich als höchst kompliziert. Die Sicht mußste gewährleistet sein, Sicherheitsvorkehrungen wurden getroffen. Das gnadenlose Unwetter aus den Regenmaschinen und der echte herbstliche Niederschlag in Montreal durften die Ausrüstung und die Funktion der elektronischen Geräte nicht beeinträchtigen.

Obwohl die Fahrer praktisch nichts sehen konnten und die Wagen bei Geschwindigkeiten von fast 200 Stundenkilometern ständig mit Aquaplaning zu kämpfen hatten, kam es während der neun Drehtage zu keiner problematischen Situation.

Als diese feuchte Sequenz endlich im Kasten war, arbeitete das Team auf der Weltklasse-Formel-1-Rennstrecke von Montreal weiter - eine Reihe von Nahaufnahmen und Fahrsequenzen standen auf dem Drehplan. Diese Einstellungen wurden später in die verschiedenen Rennsequenzen des Films eingefügt.

Um alle Einstellungen, die Harlin plante, möglichst einfach drehen zu können, war die eigene Driven-Flotte von 16 Rennwagen ständig im Einsatz, darunter ein zweisitziger Rennwagen, den der Regisseur einsetzte, um die Illusion zu erzeugen, dass die Schauspieler schneller als 250 Stundenkilometer fuhren. Einige der Wagen waren mit einer Außenhaut aus Plastik überzogen: Darauf kann man Kamerastative und andere Ausrüstungsgegenstände leichter festschrauben. Manche Kameras werden direkt auf die Wagen geschraubt, aber Harlin benutzt auch den speziell konstruierten Verfolgungswagen, Kamerakräne, Zugwagen sowie Kameras, die das Rennen aus Sicht des Fahrers zeigen.

Die Schauspieler und ihre Stuntfahrer absolvierten ihre Grundausbildung an 13 authentischen Champion-Wagen - sie werden auch im Film eingesetzt. Diese Wagen werden von den Schauspielern gelenkt, Sponsoren sind Nextel, Target, Motorola, Mercedes und Della Penna Motor Sports. Für den Einsatz im Film rüstete man diese Modelle mit leiseren und weniger PS-starken Maschinen aus.

Auch Gina Gershon fuhr einen dieser Wagen, und im Gegensatz zu normalen Neulingen würgte sie ihn beim ersten Start nicht ab. "Ich habe mit Autos schlechte Erfahrungen gemacht - jedes Mal, wenn ich einsteige, rechne ich damit, dass ich sterbe", lacht sie. "Sly hat mich angeleitet, aber trotzdem hatte ich höllische Angst. Normalerweise denkt man: ,Ach, ich steige einfach ein und fahre los.' Aber hier ist der Fahrer mit allen seinen Körpermuskeln gefordert. Dazu gehören eine Menge technischer Fähigkeiten, und Disziplin. Er trifft Entscheidungen in Bruchteilen von Sekunden - um Erfolg zu haben, mußs man sich mental voll darauf einstellen." Stallone und seine Co-Stars Pardue, de la Fuente und Schweiger lernten für ihre Darstellung, mit 600 Pferdestärken umzugehen, die ausschließlich auf Tempo getrimmt sind. "Man bekommt es mit der Angst", berichtet Stallone. "Dabei liegt man fast flach ausgestreckt, nur der Kopf ragt über das Lenkrad. Die Seitensicht ist durch die Konstruktion des Wagens eingeschränkt.

Zweitens macht er einen unglaublichen Lärm - man sitzt auf diesen enormen Pferdestärken, und glauben Sie mir: Man kann sie spüren. Dann höre ich ein lautes Geräusch und begreife irgendwann: Es sind meine Knie, die gegeneinander schlagen." Er lacht. "Drittens: Wenn ich Tempo aufnehme, steigt ein Urgefühl in mir hoch - das Adrenalin schießt mir durch den Körper, und langsam kapiere ich, was es heißt, die Box zu verlassen und mich bis zum Anschlag zu fordern, wie es diese Fahrer täglich tun. Das ist ein Gefühl - einfach unglaublich, furchteinflößend; es macht süchtig."

Schweiger entdeckte ebenfalls, dass das Fahren in fast liegender Stellung eine sehr intensive Erfahrung ist. "In Deutschland gibt es keine Geschwindigkeitsbegrenzung", sagt er. "Aber 200 Sachen in einem Mercedes empfinde ich als langsam, wenn ich das mit der Erfahrung im Rennwagen vergleiche, in dem man praktisch auf dem Boden liegt. Das fühlt sich erheblich schneller an. Man wird buchstäblich durchgeschüttelt. Und bei 200 Stundenkilometern bekommt man doch nur eine Ahnung davon, was die Jungs leisten, wenn sie 300 oder 400 Sachen drauf haben."

"Es ist äußerst schwierig, diese Wagen zu fahren", stimmt Pardue zu. "Beim ersten Mal hatte ich richtig Angst, mein Herz klopfte mir bis zum Hals. Aber in der zweiten oder dritten Runde bekam ich meine Atmung in den Griff, der Lärm war ausgeblendet, ich konnte mich aufs Wesentliche konzentrieren. Langsam bekommt man ein Gefühl für die Kraft, die in dem Wagen steckt - das ist ein unglaubliches Erlebnis. Man will immer mehr Gas geben; das macht echt süchtig."

Nach Driven hat de la Fuente das Gefühl, dass er seinen Geschwindigkeitsrausch genug ausgelebt hat. "Mir hat der Adrenalin-Kick immer Spaß gemacht", gibt er zu. "Fünf Jahre lang war ich Feuerwehrmann, dann lernte ich Kampfflugzeuge fliegen. Fast sechs Jahre war ich Pilot der chilenischen Luftwaffe. Das funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie Autorennen: Man mußs aufpassen, was da draußen abläuft, und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Auf diese Weise ist die Gefahr zwar ständig präsent, aber sie beherrscht mich nicht."

Wie de la Fuente schätzt Harlin das Leben im Geschwindigkeitsrausch: "Sagen wir mal so: Wenn ich selbst fahre, setzen sie mir einen anderen Rennwagen vor die Nase und schreiben mir vor, dass ich ihn nicht überholen darf. So passen sie auf, dass ich nicht zu schnell fahre." Die Schauspieler ließen sich von Harlins Enthusiasmus anstecken. "Renny begeistert sich wirklich für Autorennen, seine Leidenschaft hat das ganze Drehteam angesteckt", sagt Pardue. "Zehn Kameras laufen gleichzeitig, es brennt, Rennwagen segeln durch die Luft - aber wenn man Renny anschaut, dann ist er voll in seinem Element, ausgeglichen, konzentriert; und es macht ihm echt Spaß."

"Renny und Sly sorgen für Spitzenstimmung am Set", berichtet Schweiger. "Sie ergänzen sich wunderbar, beide sind zugänglich, sehr kreativ und mit ganzem Herzen dabei. Sie laden jedermann ein, eigene Ideen beizutragen; wir bekommen das Gefühl, teilzuhaben am Schaffensprozess. Eine tolle Teamarbeit!"

"Die Zusammenarbeit mit Sly und Renny ist eine unglaubliche Erfahrung", sagt de la Fuente. "Sly ist immer bereit, den Dialog zu ändern, mir als Schauspieler zu helfen, nach dem Motto: ,Wenn du mit einem Satz Probleme hast oder hängen bleibst, schreiben wir ihn um.' Wie viele Autoren gibt es schon, die so flexibel und großzügig reagieren? Im Gegensatz zu den meisten Regisseuren erklärt Renny immer, was er vorhat, was das Publikum sehen soll, wie die Kamera sich bewegt, was er von uns erwartet, was er von dem Wagen erwartet. Durch seinen Enthusiasmus, seine Dialogbereitschaft nimmt das alles eine ganz andere Dimension an."

Stallone kann dem nur beipflichten: "Aus nur einem Satz im Drehbuch kreiert Renny eine ganze Szene. Ich schreibe zum Beispiel: ,In der Boxengasse bricht Feuer aus', und er entwickelt daraus ein komplettes Szenario. Mit derartig visionärer Kraft, mit diesem inszenatorischen Engagement wird die Story wirklich voll ausgeschöpft."

Der Zuschauer als Regisseur Harlins umfassende Vorbereitung während der Planungs- und Drehphase führte zu einem weitere Präzedenzfall: Aufnahmen, die nur für die "Driven"-DVD bestimmt sind. Harlin schwebt eine "interaktive Erfahrung" des Zuschauers vor. Neben den üblichen, für den Film vorgesehenen Aufnahmen filmte Harlin bei den realen Rennen aus Dutzenden von Kamerapositionen, um dem DVD-Zuschauer die Möglichkeit zu geben, sich eine schier endlose Reihe von spannenden Rennvarianten selbst zusammenzustellen. Mit der DVD wird der Zuschauer sein eigener Regisseur, er kann aus einer beeindruckenden Fülle von Einstellungen seine Perspektive des Rennens selbst wählen: aus der Luft, von der Tribüne, aus der Boxengasse, aus der Sicht des Fahrers und so weiter.

Viele Darsteller empfinden Driven als einmalige Chance, mit einem schon lange bewunderte Kollegen zusammenzuarbeiten. "In einem Team mit Sylvester Stallone - das ist ein Traum, der Wirklichkeit geworden ist", begeistert sich de la Fuente. "Als Schauspieler steckt er voller Überraschungen. Er wiederholt sich nie - variiert jeden Take. Mit einem Schauspieler zu arbeiten, der mich wie Sly immer wieder überrascht, empfinde ich als sehr anregend." Schweiger behauptet, er habe Rocky an die fünfzigmal gesehen. Auch er äußert sich wie de la Fuente enthusiastisch über die Zusammenarbeit mit einer der Hollywood-Legenden. "Ich halte Sly für einen ganz erstaunlichen Charakterdarsteller", sagt er. "Wenn Leute ihn als Action-Star bezeichnen, frage ich gern nach, ob sie ihn mal bei der Arbeit genau beobachtet haben. Als Schauspieler bekommt er nicht die Anerkennung, die er verdient."

Was Pardue hinter den Kulissen in der Zusammenarbeit mit Stallone erlebte, wirkt wie ein Echo dessen, was die beiden auch vor der Kamera durchmachen. "Ich beobachte ihn und lerne ständig dazu", sagt Pardue. "Wie er auftritt, wie er mit den Leuten redet, wie er konzentriert zuhört. Jeder Drehtag war für mich eine neue Lektion."

Auch Edwards erlebte Parallelen zwischen ihren Filmszenen und der Situation beim Dreh. "Ich habe nicht nur über Autorennen ein Menge gelernt", sagt sie. "Auch Sly hat mich immer wieder erstaunt. So hart wie ihn habe ich noch keinen Menschen arbeiten sehen. Ein großes Vorbild." "Sly ist ein sanfter Typ", beschreibt ihn Gina Gershon. "Er ist sehr verletzlich und trotzdem sehr hartnäckig. Oft spielt er Unterprivilegierte, aber diesmal zeigt er in seiner Filmfigur eine gewisse Reife, eine neue Dimension - ich glaube nicht, dass die Zuschauer ihn schon einmal so erlebt haben. Ich habe den Eindruck, dass er sich in diesem Film im Grunde selbst spielt. Dazu braucht ein Schauspieler viel Mut."

"Sly zeigt in diesem Film eine Spitzenleistung", sagt Harlin. "Er spielt einen Versager, er ist nicht der Champion. Aber im Lauf der Geschichte arrangiert er sich mit den dunklen Kapiteln seiner Vergangenheit, er findet einen Sinn im Leben. Und das ist das eigentliche Herzstück unseres Films."

Im Oktober, acht Monate nach den Aufnahmen zum ersten Rennen, fiel in Montreal die letzte Klappe. Harlin und ein Kamerateam stiegen ins Flugzeug, um in Surfers Paradise im australischen Queensland ein letztes Rennen zu dokumentieren. Die 4,5 Kilometer lange Rennstrecke ist mit einer Formel-1-Umrandung bepflastert und gilt dadurch als eine der schwierigsten Pisten.

Als Harlin im Morgengrauen aufstand, um sein letztes Rennen "down under" mitten unter 270.000 Zuschauern zu filmen, die die Dächer und Balkons entlang der direkt am Strand führenden Strecke bevölkerten, fand sich das "Driven"-Team im Planet Hollywood von Montreal zusammen, um die 70 Drehtage und über 3000 Kameraeinstellungen zu feiern.

"Dies ist die einzige Filmproduktion, bei der ich mir wünschte, sie möge nie zu Ende gehen", sagt Harlin. "Ich weiß, dass Sly genauso empfindet. Wir haben die Arbeit richtig genossen. Falls sich nur ein bisschen von unserer Begeisterung auf die Zuschauer überträgt, haben wir unser Ziel erreicht."

Dirk Jasper FilmLexikon
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