Produktionsnotizen zu The Hole

Als Regisseur Nick Hamm 1993 Guy Burts Roman "After the Hole" las, war ihm sofort klar, dass er den geeigneten Stoff für einen fesselnden Kinofilm gefunden hatte. Die Geschichte über vier Teenager, die von einem psychopathischen Altersgenossen in einen unterirdischen Bunker so lange eingesperrt werden, bis es nur noch einen Überlebenden gibt, ließ Hamm einfach nicht mehr los.



Und so begann er, sich Gedanken über Teenager zu machen, die krankhaft verliebt sind. In der englischen Theaterwelt wurde Hamm jahrelang als einer der talentiertesten Regisseure der Royal Shakespeare Company gefeiert. Doch dann suchte er nach neuen Herausforderungen und fand sie hinter der Filmkamera. Für das Fernsehen drehte er das Drama "Dancing Queen" (1993) mit Rik Mayall und Helena Bonham Carter in den Hauptrollen und wurde auch dafür von der Kritik umjubelt. Dann folgte sein Kurzfilm "Harmfulness Of Tobacco" (1992), für den er mit dem BAFTA-Award ausgezeichnet wurde.

Nach so vielen Erfolgen wurde es für Nick Hamm schließlich Zeit, sich endlich auf die Suche nach einer Geschichte für einen großen Kinofilm zu machen. "Ich konnte diesem Buch nicht widerstehen", erzählt Hamm über den Roman "After the Hole", es geht um den emotionalen Verfall einer Gruppe, die in einem dunklen Verließ eingesperrt ist und nicht mehr herauskommt. Was als lustiger Streich begann, nimmt einen schrecklichen Verlauf. Das erinnerte mich an "Herr der Fliegen" von William Golding. Da ging es um eine Gruppe junger Leute, die den Flugzeugabsturz auf einer tropischen Insel überleben, sich dort eine Minigesellschaft aufbauen und sich zu Wilden entwickeln.

Guy Burt schrieb "After the Hole" als 17-Jähriger. Da war er ja selbst noch ein Teenager. Junge Leute faszinieren mich immer wieder. Wenn sie im Alter zwischen 16 und 20 sind, haftet ihnen eine gewisse Arroganz an. Sie glauben, alles zu können und blicken auf Erwachsene misstrauisch herab, weil sie sich von ihnen nicht verstanden fühlen. Manche wollen es vielleicht auch gar nicht, und dann hat man als Erwachsener kaum eine Chance, ein vernünftiges Gespräch mit ihnen zu führen. Diese Arroganz weckt immer wieder mein Interesse.? Zu diesem Zeitpunkt konnte Nick Hamm allerdings noch nicht ahnen, mit welchen Komplikationen die Adaption des Romans verbunden sein würde. Obwohl ihm die uneingeschränkte Unterstützung seiner Produzenten ? zu denen auch Harvey Weinstein (Miramax) und Eric Fellner (Working Title) zählten ? gewiss war, waren die ersten Versuche, aus der komplexen Story ein Drehbuch zu schreiben, ziemlich frustrierend.

Der Regisseur diskutierte das Projekt sogar mit dem kleinen britischen Filmstudio "FilmFour" und ließ sich überreden, zunächst einen anderen Film zu drehen, den "FilmFour" produzieren wollte. So drehte Hamm 1997 die romantische Komödie Martha trifft Frank, Daniel& Laurence mit Monica Potter, Joseph Fiennes, Rufus Sewell und Tom Hollander. Schließlich zeigte Hamm den Roman der Produzentin Lisa Bryer von "Cowboy Films", für die er bisher nur Werbespots machte.

Nach weiteren gescheiterten Versuchen mit erfahrenen Drehbuchautoren spekulierte Suzanne Warren, verantwortlich für Drehbuchentwicklungen, damit, zwei absolute Newcomer an die Umsetzung zu lassen. Ben Court und Caroline Ip kamen gerade frisch von der National Film and Television School und verfassten ein Treatment, das endlich einen Sinn ergab. Neue Schreiber bringen frischen Wind Ben Court und Caroline Ip, seit langem Fans von Teenager-Horrorfilmen, richteten sich nach dem entscheidenden Teil des Buches, in dem der Polizei-Psychologe auf Liz, die einzige Überlebende der Gruppe, trifft und mit ihr zu reden beginnt. Court und Ip entwirrten die vielen Handlungsstränge, erfanden neue Charaktere (unter anderen die Psychologin Philippa, durch deren Untersuchungen die Geschichte erst strukturiert wird), und schlugen vor, Teile der Geschehnisse in Rückblenden zu erzählen. Entscheidend war aber, dass es eine zweite Version über das geben sollte, was im Bunker geschah. Die erste Version ist das Resultat von Liz' traumatischem Zustand, die zweite spiegelt die erschreckende Wirklichkeit wider. "Alles, was wir dem Original entnommen haben, sind einige Namen und die Grundlage, dass eine Gruppe von Teenagern in einem Bunker gefangen ist und dass es nur einen Überlebenden gibt", erklärt Caroline Ip.

"Was im Bunker allerdings passiert und wie sich die Charaktere entwickeln, das haben wir uns ausgedacht. Das Buch endet damit, dass Liz als einzige überlebt. Aber sie erzählt dem Leser nicht, wie die anderen gestorben sind oder was wirklich in dem Loch geschah. Wir dachten, es wäre besser, den Roman genauer zu adaptieren, weil er zu geheimnisvoll ist und keine Antworten auf brennende Fragen gibt." "Caroline und Ben haben ein grandioses Drehbuch entwickelt, denn sie konzentrieren sich vor allem auf Liz", meint Nick Hamm. "Wenn Liz das erste Mal erscheint, ist sie so traumatisiert, dass man nicht an sie herankommt. In diesem Zustand kann sie die grausigen Ereignisse die im Bunker passiert sind, nicht akzeptieren.

Damit wird sie zu einer Zeugin, der man keinen Glauben schenken darf. Sie erzählt zwar ihre Version der Geschichte, aber schon nach kurzer Zeit wird jedem klar, dass sie phantasiert. Erst als die ganze Wahrheit ans Licht kommt, zeigt sich das Ausmaß des Schreckens. "Caroline und Ben waren es auch, die das Thema Besessenheit in den Film einbauten", erinnert sich Hamm.

"Liz ist besessen von Mike, Martin ist besessen von Liz und Philippas obsessive Faszination für Liz verdeutlicht die psychologische Dimension der Geschichte." Während Court und Ip ihr Drehbuch verfeinerten, machte sich Lisa Bryer daran, ein Produktionsteam zusammenzubringen. Zuerst wandte sie sich an Jeremy Bolt, einer der geschäftstüchtigsten Produzenten Englands, der vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Regisseur Paul Anderson bei Großprojekten wie Event Horizon ? Am Rande des Universums bekannt wurde.

Bolt kannte den Roman schon durch Nick Hamm und nahm das Angebot gern an. Pippa Cross, Vorsitzende der Filmabteilung beim unabhängigen britischen Sender "Granada", verfolgte das Projekt schon seit längerer Zeit und schlug Bryer vor, sich zu beteiligen. Schnell handelte sie ein Abkommen für die Entwicklung aus und schloss sich Bryer als Produzentin des Films an. "Ich war sehr neugierig, wie der Roman umgesetzt werden könnte. Die vorangegangenen Adaptionen funktionierten allerdings nicht", erzählt Cross. "Erst als sich Ben und Caroline an die Umsetzung wagten, waren sie sich darin einig, dass gewisse Fragen, die sich durch die Geschichte ergeben, im Film beantwortet werden mußsten.

Es ist auch wahr, dass wir nach dem Erfolg von Blair Witch Project unbedingt an dem Genre festhalten wollten. The Hole hat uns die Möglichkeit gegeben, unsere Version eines Teenager-in-Gefahr-Filmes zu machen. Obwohl The Hole weit mehr ist als nur ein weiterer Teenie-Horrorfilm.

Dirk Jasper FilmLexikon
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