Produktionsnotizen zu Spy Kids
Alarmstufe Rot! Die internationalen Top-Spione Gregorio und Ingrid Cortez sind nach ihrem Rückzug ins Familienleben wieder aufgetaucht - und prompt von Feinden entführt worden. Sieben weitere Leute der Superagenten-Organisation OSS sind ebenfalls verschwunden. Es wird vermutet, dass der Erfinder-Wunderknabe Fegan Floop seine Finger und Daumen im Spiel hat. Sogar nie da gewesene Transmogrifikationen könnten von Floop eingesetzt worden sein!


Das Schicksal des Cortez-Paares (und der Welt!) scheint am Mut und an den Aktionen zweier Leute zu hängen: Carmen und Juni Cortez, geschult hauptsächlich durch Grundschule und Videospiele. Glücklicherweise gehören High-tech-Hilfsmittel wie Jet-Rucksäcke, ein Ultraleichtes Flugzeug, Super Gupy Unterwasserschiffe und Elektroschock-Kaugummis zu ihrer Ausrüstung. Ganz zu schweigen von ihrem Einfallsreichtum und der Liebe für ihre Familie.

Bleibt trotzdem zu hoffen, dass große Helden auch in kleiner Ausführung kommen!!! Das Genre des actiongeladenen, erfindungsreichen, fantastischen Starkstrom-Thrillers ist nicht länger James Bond, Austin Powers oder sonstigen alten Männern vorbehalten.

Statt dessen bringt Regisseur Robert Rodriguez ("Desperado", Faculty) mit Spy Kids einen Spionagefilm für Kinder und Junggebliebene auf die Leinwand. Ein Familienabenteuer, dass an Tricks und Tempo keine Wünsche offen lässt und in dem zwei Geschwister zum einen die Welt vor Finsterlingen und zum anderen ihre Familie vor dem Auseinanderreißen bewahren müssen. Also Milkshakes bestellt - natürlich geschüttelt, nicht gerührt - und das coolste Kinderkino diesseits der Millenniumswende kann beginnen!

Das Drehbuch zu Spy Kids schrieb der Filmemacher in der festen Absicht, einen Abenteuerfilm für die ganze Familie zu schaffen. Nicht ganz uneigennützig freilich -Rodriguez hat drei junge Söhne, die auch mal einen Film ihres Vaters sehen sollen konnten. Zudem hatte Rodriguez bereits seit Beginn seiner Karriere davon geträumt, einen Abenteuerfilm für Kinder zu drehen und dieses Vorhaben lediglich in einem seiner Kurzfilme umsetzen können. In "Bedhead", den er kurz vor "El Mariachi" drehte, erzählte er die komödiantische Geschichte eines übellaunigen Mädchens und besetzte darin vier seiner Geschwister. "Leute, die mit meiner Arbeit vertraut sind", erinnert Rodriguez, "haben regelmäßig gefragt, wann ich mal wieder etwas wie "Bedhead" mache. Und tatsächlich drehte ich vor ?El Mariachi' hauptsächlich Familien-Shorts - und der Gedanke, aus diesem Ansatz einen großes Kino-Spektakel zu filmen, nahm endgültig Form an, als ich mit Antonio Banderas "Four Rooms" machte. Er spielt da den Vater zweier Satansbraten in Smokings. Und ich sah diese Kinder an und dachte: Wow, die sehen aus wie kleine James Bonds, was für ein prima Ansatz für einen Familienfilm."

Spy Kids-Produzentin Elizabeth Avellan, im übrigen mit Rodriguez verheiratet, ergänzt: "Robert wurde geboren, um die Fantasie-Welt aus Spy Kids auf die Leinwand zu bringen und er ist so wunderbar mit Kindern, dass es immer sein Traumprojekt war, ihnen auch mal einen kompletten Film zu schenken." Von Beginn an war indes klar, dass dies kein zuckersüßer Kinderfilm von der Stange würde, sondern ein aufregendes Abenteuer mit Rodriguez-Touch und Freiflügen der Vorstellungskraft, in denen Kinder in Sachen Coolness mindestens gleichberechtigt mit Erwachsenen stehen sollten und der High-tech-Quotient nicht den Vergleich mit arrivierten Agentenfilmen scheuen brauchte.

"Leicht war es nicht", gibt Rodriguez zu, "sich technische Wunderwaffen und Hilfsmittel einfallen zu lassen, die nicht bereits in irgendeiner Form existierten. Noch während ich erste Skript-Entwürfe schrieb, kamen plötzlich Gadgets auf den Markt, die fünf Minuten vorher nur in meiner Vorstellungskraft existiert hatten. Am meisten Spaß machte schließlich das Design witziger Einfälle wie des U-Bootes in der Form eines Goldfisches oder der Raketen-Rucksäcke, die bei uns Buddy Packs heißen, weil sie mit künstlicher Intelligenz die Kumpels der Kinder sind und ihnen oft aus der Klemme helfen."

Durchweg bezog Rodriguez in der Planungsphase von Spy Kids Inspiration durch seine Söhne: "Kinder fordern generell die Kreativität der Eltern und viele Dinge, mit denen ich meine Jungs im Laufe der Jahre unterhalten habe, sind auf die ein oder andere Weise im Film gelandet. Früher bemalten wir etwa unsere Fingerkuppen mit Gesichtern und machten sie zu Lebewesen - daraus sind die laufenden Daumen in Floops Schloss entstanden.

Der Gedanke dabei war, ein verspieltes wie imaginatives und originelles Kino-Kaleidoskop zu schaffen. Als Kind liebte ich Filme wie ?Willy Wonka' oder "Chitty Chitty Bang Bang" - übrigens von Ian Fleming geschrieben - und wollte mit Spy Kids etwas Ähnliches hinbekommen. Ein wildes Abenteuer, das die Jüngeren dazu einlädt, sich ganz groß zu fühlen."

"Letztlich",führt Rodriguez fort, "sollte Spy Kids auch eine Geschichte über die Power der Familie sein. Und zeigen, dass der Zusammenhalt einer Familie eine lebenslange Aufgabe ist. Das nenne ich Mission Impossible! Aber es ist alle Anstrengungen wert, weil es nichts Erfüllenderes als eine Familie gibt. Das gilt auch für mich persönlich - so viel Spaß es mir auch macht, die tausend Probleme eines aufwendigen Projektes wie Spy Kids zu lösen, um so vieles lieber verbringe ich meinen Tag mit meiner Frau und meinen nie still sitzenden Kurzen."

Top Secret Personalakten Der OSS: Die Familie Cortez Im Zentrum von Spy Kids befinden sich die vier Mitglieder der Familie Cortez, dessen Oberhaupt Gregorio Cortez trotz aller schwerer Vaterpflichten die guten alten Zeiten vermisst, als er im Geheimdienst keiner Majestät Bösewichte jagen, internationale Konflikte verhindern und sich vor allem falsche Schnurrbärte ankleben konnte. Antonio Banderas verkörpert ihn mit eleganter Leichtigkeit und augenzwinkerndem Humor, nachdem er mit Rodriguez bereits an Desperado" und "Four Rooms" gearbeitet hatte.

"Ich wusste", sagt der Regisseur, "dass Antonio einen Heidenspaß dabei haben würde, einen supersmarten Agenten zu spielen, denn er ist ein Schauspieler mit wunderbaren Instinkten für Komik und bringt diesen Sinn für Fun hier neben seiner gewohnten Ausstrahlung vor die Kamera." Banderas ergänzt: "Hervorragend, dass ein begabter Mann wie Robert sich nicht zu schade dafür ist, einen Kinderfilm zu machen, sondern das Genre mit seinen Einfällen bereichert. Für mich bot sich die Chance, einen mir vertrauten Charakter in eine neue Richtung umzubiegen. Gregorio war mal ein Actionheld, na gut, aber jetzt ist er ein Daddy und so wollte ich das spielen. So ist das Schöne an der Geschichte, dass die Kinder die Helden sein können und wir Erwachsene ihren Vorgaben zu folgen haben. Keine Frage, dass sich Kinder damit gerne identifizieren werden!"

Antonio Banderas war bei seiner Entscheidung für Spy Kids überdies vom beeindruckenden Subtext des Stoffes angetan: "Sicher ist es zunächst mal ein Abenteuerfilm, aber darunter stecken Familienwerte, die ich für richtig und wichtig halte. So zeigt die Geschichte, dass es eine gute Familie nicht nötig hat, Geheimnisse voreinander zu verbergen, sondern ihre Mitglieder am besten miteinander klar kommen, sobald die Wahrheit ans Licht kommt."

"Dazu noch Roberts visueller Stil", grinst Banderas, "der mich natürlich auch als Schauspieler gut aussehen lässt. Er dreht moderne Märchen voller Originalität und diesmal verbindet er das Gotische mit der Arbeit des spanischen Architekten Gaudi. Überall Kreativität, Farben, Fantasie und Action, die deswegen einzigartig ist, weil sie uns in die Vorstellungswelten von Kindern führt - unter völligem Verzicht auf unnötige Gewalt oder Grausamkeit, wie man sie in viel zu vielen Familienfilmen findet."

Gregorios hinreißende Frau Ingrid Cortez wird von Carla Gugino ("Snake Eyes") verkörpert, die mit Banderas bereits an der Komödie "Miami Rhapsody" gearbeitet hat. "Carla war die ideale Agenten-Mama", schmunzelt Rodriguez, "aber ich brauchte Monate, um sie zu finden, denn viele Schauspielerinnen gibt es nicht, die stark, sexy, gefährlich, warmherzig und mütterlich zugleich wirken. " Gugino erläutert über ihre Rollenwahl: "Das Skript stach heraus, weil es Kinder und Erwachsene zugleich ansprach. Alle vier aus dem Cortez-Clan müssen im Laufe der Story ihren Abenteuerhunger mit ihrem Verantwortungsbewusstsein abzuwägen lernen."

Über ihre Rolle notiert Gugino: "Ich habe mich schon immer gefragt, warum es im Kino kein weibliches Äquivalent zu James Bond gibt, doch Ingrid Cortez füllt diese Lücke endlich. Sehr dankbare Schauspielarbeit - das Schlüpfen in Verkleidungen, die Transformationen und in diesem ersten Spy Kids-Film das Eintauchen in die psychedelische Welt von Fegan Floop. All dies, verbunden mit den nie aufdringlichen oder didaktischen Familienwerten der Story, machte das Projekt perfekt für mich - ganz zu schweigen von meinem Kollegen und Filmmann Antonio sowie den beiden Kindern. Jeder hatte menschliche Wärme und soviel Konzentration, Intuition und Leichtigkeit bei der Arbeit, dass es wirklich nicht schwer war, ein fest zusammengeschweißtes Team darzustellen."

Dieses Team wird natürlich erst komplett durch die zwölfjährige Alexa Vega und den achtjährigen Daryl Sabara als Juni Cortez. "Alexa ist schon eine sehr fokussierte und präzise Schauspielerin", lobt Rodriguez, "und bei der Besetzung wusste ich sofort, dass sie ein Mädchen ist, dem das Publikum das Meistern jeder Situation zutrauen würde." Vega erwidert das Kompliment auf ihre Weise: "Robert ist wie ein großes Kind und man kann ihn nie Mister Rodriguez nennen, weil er sich einfach nicht benimmt wie ein Erwachsener. Ich glaube, er wäre am liebsten selbst ein Spy Kid, um in Jets zu fliegen, mit Haien zu tauchen und den ganzen Tag coole Stunts zu üben."

Wo Alexa ein von Natur aus mutiges Mädchen spielt, das sich ohne Abenteuer schnell zu langweilen beginnt, verkörpert der kleine Schauspiel-Debütant Daryl Sabara (er wurde beim Dreh acht Jahre alt) den eher ängstlichen Juni Cortez.Was privat keineswegs gilt - so erzählt Rodriguez, dass er Juni nicht zuletzt besetzte, als er erfuhr, dass der Junge mit seinem Bruder gern ein fliegendes Auto bauen würde. "Daryl ist ziemlich wild", findet seine Kino-Schwester Alexa, "und die Rolle ist perfekt für ihn, weil er dauernd irre Sachen macht. Doch bei all den Streichen lernten wir auch, gut miteinander auszukommen und zu spielen - wie Bruder und Schwester eben."

Top Secret OSS Feindesakten: Fegan Floop, Minion Und Mr. Lisp Jeder Geheimagent ist nur so gut wie seine größenwahnsinnigen Gegner, das gilt auch für die Spy Kids. Und die Schar ihrer Widersacher wird vermeintlich angeführt vom unfassbar erfindungsreichen und ambitionierten Superhirn Fegan Floop, der offiziell eine erfolgreiche TV-Kindersendung leitet und insgeheim mit seinem treuen Vasallen Mr. Minion an der Zerstörung der Agenten-Organisation OSS arbeitet. Floop wird von Theater-Star Alan Cumming ( Eyes Wide Shut) in einer kuriosen Kreuzung aus Zirkusclown und Darth Vader dargestellt.

"Er ist ein verrücktes, kindliches Genie", erläutert der gefragte Mime, "und hat seine Ideen bösartigen Mächten zur Verfügung gestellt. Das Perfide ist, dass er als Star einer Kindersendung Vertrauen erweckt und sich darunter ein kleiner Teufel verbirgt - so scheint es wenigstens." Cumming fährt fort: "Mir hat besonders Floops Schloss mit all diesen irren Räumen und Erfindungen Vergnügen bereitet. Was für eine Vorstellung, einen Virtual Reality-Raum zu besitzen, in dem man sich auf einer Wolke räkeln kann. Hätte ich am liebsten gekauft und mit nach Hause genommen."

Cumming interpretiert darüber hinaus in einer Art Musical-Nummer einen Song des Filmes, den Komponist Danny Elfman für die fiktive Fernsehserie "Floop´s Fooglies" geschrieben hat. "Ich bin mit Danny befreundet und wußte, dass es ein wunderbarer und etwas sonderbarer Showstopper würde." Kinderstar Alexa Vega beschreibt Cumming dann auch folgendermaßen: "Er war wirklich lustig und ein wenig verrückt - denn nicht selten sagte er etwas und fing dann mitten im Satz zu singen an."

Floops steinreicher Auftraggeber Mr. Lisp wird von Robert Patrick gespielt, der sich in der Finsterling-Galerie bereits als T-1000 in Terminator 2 einen Namen machen konnte. "Lisp finanziert die gefährlichen Pläne", sagt Patrick, "und ist leider nicht im geringsten kreativ, was ihn sehr leicht in die Frustration treibt. Hoffentlich amüsieren seine Ungeduld und Nervenzusammenbrüche das Publikum so sehr wie uns beim Drehen -denn Roberts Gedanke war natürlich, sich über einen geldgierigen, zahlenversessenen Investorenspießer lustig zu machen."

Einen weiteren Verbündeten von Floop mimt schließlich mit gehörigem Überraschungspotenzial der Charakterdarsteller Tony Shalhoub ("Big Night"). Als Floops rechte Hand namens Minion ist er laut Eigenauskunft "ein Bösewicht in Gestalt eines Eckenhockers, der sich ins Gegenteil seiner äußeren Erscheinung verwandelt. Das gilt ganz allgemein für Spy Kids, finde ich - fast jede Figur macht eine Veränderung durch und alle erleben persönliche Überraschungen.Wenn ich ein Kind wäre, würde ich mir den Film jedenfalls ein paarmal ansehen wollen, um seinen Ideenreichtum aufzusaugen."

Geheiminformationen Der OSS Über Fooglies, Terrordäumlinge Und Roboterkinder Zu den weiteren Wesen und Fantasiefiguren, die den Cortez-Kids und ihren Eltern das Leben schwer machen, gehören die so genannten Fooglies - vielfarbige Figuren mit gut durchgemischten Gesichtszügen, die aussehen wie einer, der in den genetischen Mixer geraten ist. Diese Fooglies sind Teil von Floops Geheimplan gegen die OSS - so hat er einige ihrer besten Agenten in Fooglies verwandelt. Und zwar, Schreck lass nach, mittels Transmogrifikaktion, was ungefähr genau so gefährlich ist, wie es sich anhört! Noch furchteinflößender sind nur die von Floop eigens entwickelten Daumenwesen - Roboter, die allein aus einem Daumenknäuel bestehen. Dann gibt es noch die Roboter-Kinder, die Floop und Minion erfunden haben, damit diese die Machtzentralen des Globus erobern - eingeschmuggelt in Gestalt von Sprösslingen internationaler Staatsmänner und Weltenlenker.

Diese Figuren überzeugend zum Leben zu erwecken, war höchste Priorität des Spy Kids-Teams und während bei den Roboter-Kids natürliche Athletik und kleine Stunts Genüge taten, wurde bei der Kreation der Fooglies beispielsweise ein Low-Tech-Ansatz mit Masken, Make-up und Kostümen statt komplexen Computerdesigns entwickelt.

"Die Fooglies sahen exakt so aus", erinnert Produzentin Avellan, "wie Robert sie schon seit Jahren gezeichnet hat - zwischen niedlich und furchtbar derangiert." Beim Entwickeln der Terrordäumlinge indes arbeitete die Produktion sowohl mit Schauspielern in Spezialanzügen als auch mit digitalen Effekten, um natürliche Bewegungsabläufe der überdimensionierten Gliedmassen zu garantieren. Special-effects-Mann Greg Nicotero erläutert: "Wir haben viele Entwürfe gebaut und Robert digitale Fotos geschickt, die er per Fotoshop korrigierte. Danach arbeiteten wir mit Skulpturen an korrekten Proportionen der Daumennägel und Knöchel. Nur gelegentlich mußste ich Robert daran erinnern, dass am Ende bitteschön auch der Kopf eines Mannes in die Kostüme zu passen hatte!" Kein Wunder, dass es Rodriguez da so genau nahm - bereits im Alter von zwölf Jahren hatte er die Figuren erfunden und mit einem Bild titels "Thumb Thumbs Playing Eye Ball" den ersten Preis eines Zeichenwettbewerbes gewonnen.

Streng Vertrauliche Informationen: Die Ausrüstung Und Spezialeffekte Der Spy Kids Die meisten der Trickgeräte, mit denen die Kids ihre Gegner überlisten oder aus kniffligen Situationen flüchten, sind einmal mehr der Vorstellungskraft von Robert Rodriguez zu verdanken, der wie ein Daniel Düsentrieb unter den Regisseuren Waffen, Fortbewegungsmittel, Agentenzubehör und andere so genannte Gadgets erfand - ohne die ein Spion wahrlich nichts wert wäre. Zum exotischen Instrumentarium in Spy Kids zählt unter anderem: Die meisten dieser Gadgets existierten erstmals in Rodriguez´ Notizbuch und Produzentin Avellan erinnert zum Beispiel, dass "er an der Form des U-Bootes für Jahre gearbeitet hat, bis es sowohl kind- als auch kinogerecht aussah." Die gesammelten Entwürfe und Zeichnungen übergab Rodriguez seiner Crew, die jeden Trick nutzte und manchen neuen erfand, um die Gadgets zu bauen - in der Realität und im Computer. In jedem Fall wurden Arbeitsmodelle in Originalgröße gebaut, was Nachhilfeunterricht in Physik und Trigonometrie erforderte.

Schwierigkeiten bereitete zum Beispiel die Verfolgungsjagd auf dem Wasser im kreisrunden Spionageboot - dem Spy Pod. Denn zum einen mußsten die Kinder hoch oben sitzen - zum anderen wäre das halsbrecherisch, da das Schwergewichtszentrum des Gefährts zu hoch lag. Also wurde nicht nur die Form des Gefährts geändert, nachdem Rodriguez glücklicherweise ein fast senkrecht stehendes Rettungsboot sah, so verrückt das klingt. Sondern mit Computern und geschickter Kameraarbeit wurden auch etliche an Land gedrehte Szenen in die Hochgeschwindigkeitshatz hineingeschnitten. Das Ergebnis war so kindersicher wie spektakulär anzusehen!

Einige Ideen waren leichter zu realisieren - so hielt Rodriguez für das mysteriöse "Dritte Gehirn" eines Tages eine "Brain Painting Party" am Set ab, bei der die besten Designs Preise bekamen und im Film landeten. Andere wiederum erforderten weit mehr Aufwand - so wurde für die Arbeit an digitalen Effekten ein ausrangierter Flugzeughangar gemietet, in dem eine Wand komplett mit einer Green Screen ausstaffiert war, um dort ausschließlich später in den Film zu kopierende Sequenzen zu drehen.Außerdem bestimmten etliche Stunts den Alltag des Spy Kids-Drehs, die dadurch nicht leichter wurden, dass Kinder sie ausführen sollten.

"Selbstverständlich ist das Drehen von Stunts mit Kindern insbesondere dann Präzisionsarbeit", erläutert der zuständige Koordinator Jeff Dashro, "wenn sie wie hier durch die Räume fliegen, was man in Filmen sonst nie sieht. Um also das Element der Gefahr kategorisch auszuschließen, ist Einfallsreichtum beim Präparieren der Szenen gefragt - was dadurch erleichtert wurde, dass die Kids das Ganze nicht als Mühen, sondern als Spaß ihres Lebens betrachteten." So hatten die beiden Spy Kids zwar Stunt-Doubles (interessanterweise ihrerseits die Kinder von Stunt-Leuten). Doch achtzig Prozent ihrer Szenen drehten Daryl und Alexa selbst.

Geheimer als Pentagon Und Fort Knox Zusammen: Das Schloss von Floop Floops Hauptquartier am anderen Ende der Welt ist eine erstaunliche Kreuzung aus überschäumendem Vergnügungspark und poppiger Kunstgalerie, in dem nichts wirklich ist, was es scheint. Entwickelt von Produktionsdesigner Cary White und Set-Dekorateurin Jeanette Scott nach Vorgaben von Robert Rodriguez entstanden die unendlichen Korridore und Räume voller explodierender Farben und verdrehter Formen durchweg auf Bühnen in Austin,Texas, wobei sich Rodriguez visuell am spanischen Architekten Antoni Gaudi orientierte.

"Ich bin seit dem Schreiben des Skripts von den traumgleichen Qualitäten Gaudis beeinflusst worden", erläutert Rodriguez, "und als ich 1996 mal in Barcelona war, sah ich seine Gebäude, den kreativen Freigeist und seine surrealen Tendenzen. Genau die wollte ich bei Floop haben - das Genie, jedwedes Objekt zu nehmen und es in etwas Irrwitziges zu rekonfigurieren. Darüber hinaus bat ich das Team, sich vom Prinzip aufklappbarer 3D-Bücher inspirieren zu lassen. Nun springen einem auch in Floops Gemächern die Dinge förmlich ins Gesicht - etwa Puzzlefenster, ein Thron in Handform, Lampen auf Mannequin-Beinen, optische Illusionen bei Mauern und Decken. Oder Wandschmuck, bei dem man nie sieht, ob er real ist oder nicht - denn wer weiß, bei Floop könnte ja wirklich ein Wasserfall aus der Wand fließen."

"Obwohl wir gewiss nichts Gewöhnliches kreieren wollten",ergänzt Jeanette Scott, "sollte doch auch nichts zu bizarr wirken. Denn es ist letztlich eine Kinderwelt, die sich Floop ersonnen hat und vom Produktionsteam konnten wir alle unserem Peter Pan-Komplex freien Lauf lassen. Für uns wurde Floop ein Verb. Alles wurde aufgefloopt und hingefloopt - und wer genau hinsieht, wird merken, dass es in Floops Schloss kein Design mit geraden Linien gibt. Alles hat irgendwo Kinken oder Kurven - und so ein Haus müssen Sie mir auf diesem Planeten erst mal zeigen."

Die selbe Sorgfalt wurde beim Entwurf der Kostümkreationen durch Deborah Everton verwendet, die in Kinderbüchern recherchierte, um ihren Teil zur magischen Atmosphäre von Spy Kids beizutragen.Auch hier herrschte nie Stillstand, war alles in Ver änderung begriffen und wechselte jede Figur mehrfach die zweite Haut. Etwa Floop, dessen Kleidung parallel zu seinem Charakter von cartoonhaft über sinister bis hin zu frisch erblüht aussieht. Oder die Kinder, die anfangs ganz normale Klamotten tragen, doch im Agenten-Outfit absolut herausstechen - so trägt Juni einen Smoking mit in Guatemala handgenähten Applikationen und gibt darin souverän den over-the-top-Spion.

OSS Spezialreport: Austin, Texas, Und der Rest Der Welt Obgleich Spy Kids in allen Winkeln der Welt angesiedelt ist, wurde der Film fast vollständig in Rodriguez´ Wohnort Austin,Texas, gedreht, wo er auch schon "The Faculty" inszeniert hatte. Nur für eine Woche verschwand Rodriguez für Außenaufnahmen nach Chile, um Hintergrund-Bilder für die Flugszenen und Floops Schloss zu drehen, während die Unterwasseraufnahmen in den Bahamas komplettiert wurden. Zumeist jedoch trotzte die Crew an 59 Drehtagen der texanischen Hitze und fand dankenswerterweise bei der Arbeit genug Abwechslung. Der beste Tag für alle Beteiligten war wohl der Dreh der Hochzeit der Cortez-Eltern, die den Film eröffnet. Nicht nur wegen der Action, bei der die Tortenstücke fliegen. Sondern auch, weil hier halb Austin für Statistenparts rekrutiert wurde. Darunter der befreundete Regisseur Richard Linklater ("Slackers"), der "Beavis und Butthead"-Erfinder Mike Judge und Spy Kids-Kameramann Guillermo Navarro in einer Szene - als Priester.

"Wir versuchen immer, uns wichtige Menschen in die Produktion zu involvieren", resümiert Produzentin Avellan, "und das gibt dem Set eine genuin familiäre Atmosphäre, so dass es am Ende der Dreharbeiten keiner erwarten kann, sich beim nächsten Projekt wiederzusehen." Allzu lange wird das nicht dauern - so begeistert waren die Produzenten in den USA von Spy Kids, dass bereits vor dem Start des 100-Millionen-Dollar-Hits das grüne Licht für ein nächstes Abenteuer erteilt wurde. Ob dort wohl der geheimnisvolle Chef der Agenten-Organisation OSS eine wichtige Rolle spielen wird, der verblüffend einem gewissen Herrn George Clooney ähnelt ...?!

Dirk Jasper FilmLexikon
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