Produktionsnotizen zu Ghost Of Mars

Der Dreh von John Carpenters Ghost Of Mars begann am 8. August 2000 in einer Gipsmine außerhalb von Albuquerque, New Mexico. Die Mine ist eine kleine Parzelle des mehr als 120.000 Hektar umfassenden Zia Pueblo, heiliges Land, das von den Zia-Indianern vor mehr als 800 Jahren besiedelt wurde. Um der Heiligkeit des Landes und den Zia-Traditionen Respekt zu erweisen, fiel einem Stammesälteren und Medizinmann der Zia am Vorabend des Drehbeginns auf ausdrücklichen Wunsch von John Carpenter die Aufgabe zu, die Produktion in einem Ritual zu segnen. Abgehalten in der Sprache der Zia, betete der Medizinmann für den Erfolg der Dreharbeiten, die Sicherheit von Besetzung und Stab und den gegenseitigen Respekt von Zias und der Produktionsfirma. Das gesamte Team lauschte dem Gebet und seiner anschließenden Übersetzung eines Vertreters der Zia ins Englische in andächtigem Schweigen.



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Dem ausgesprochen ungewöhnlichen Beginn der Produktion waren Monate weitaus konventionellerer Vorproduktionsaktivitäten vorausgegangen, die die üblichen Posten Besetzung, Proben, Suche nach den geeigneten Locations für den fünfwöchigen Außendreh und Anmieten von Studiohallen für den ebenfalls fünfwöchigen Innendreh umfassten.

Besetzung und Proben

" Ghost Of Mars ist ein Ensemblefilm", sagt Produzentin Sandy King. "Die Besetzung wurde Rolle um Rolle zusammengesetzt. Der Prozess ist einem ständigen Wandel ausgesetzt, da jeder einzelne Darsteller, der zum Cast stößt, neue Veränderungen bedingt." King und Regiessur John Carpenter greifen bei ihren Arbeiten immer wieder gern auf einen gewissen Kern von Darstellern - darunter Peter Jason und Robert Carradine - zurück, die bei ihren meisten gemeinsamen Filmen zum Einsatz kommen. Sie geben den beiden in Nebenrollen die nötige Grundlage, damit man die richtigen Hauptrollen für ihre Filme versammeln kann. "Nichts ist wichtiger in einem Fantasyfilm als Realität. Der Zuschauer mußs glauben, was er sieht. Das bezieht sich auf alle Aspekte des Films. Die einzelnen Elemente müssen aufeinander aufbauen und ineinander greifen", meint King. "Die Statisten müssen glaubwürdig sein, und, noch wichtiger, die Nebendarsteller müssen grundsolide Arbeit leisten, damit das Publikum den Hauptdarstellern bereitwillig in die nicht so leicht nachvollziehbaren Gefilde der Fantasy folgt."

"Meine Besetzungsmethode hat sich seit meinen Anfängen als Filmregisseur nicht grundlegend geändert", berichtet John Carpenter. "Ich versuche einfach die besten Schauspieler für die Rollen zu finden, die ich geschrieben habe. Dann möchte ich ihnen ein angenehmes Arbeitsklima am Set ermöglichen und damit ein Umfeld schaffen, in dem sie sich sicher fühlen und das Beste aus sich herausholen."

Girls mit Power

Carpenters Drehbuch hatte Hauptrollen für vier sehr starke weibliche Figuren. Carpenter und King waren höchst zufrieden mit den Schauspielerinnen, die sie für die reizvollen Parts gewinnen konnten. "Wir hatten Glück, einige sehr smarte Frauen in unser Cast aufnehmen zu können", erklärt King. "Pam Grier ist eine Ikone des Frauen-Actionfilms, der Prototyp für jede Frau, die seither in einem Film eine Waffe abfeuern oder sich tough geben mußste."

Grier und die nicht minder erfahrene Joanna Cassidy standen den etwas weniger bewanderten Kolleginnen Natasha Henstridge und Clea Duvall, die während der Dreharbeiten ihren gerade einmal 23. Geburtstag feierte, mit Rat und Tat zur Seite.

Die zwei männlichen Hauptdarsteller, Ice Cube und Jason Statham, kommen aus zwei völlig unterschiedlichen Welten: Ice Cube ist ein sensationell erfolgreicher Hiphop-Pionier aus Los Angeles, der sich im Film beständig nach oben gearbeitet hat. Und Statham, der von Regisseur Guy Ritchie für dessen Filme Bube, Dame, König, Gras und Snatch - Schweine und Diamanten entdeckt wurde, verkaufte Schmuck an Londoner Straßenecken.

Die Richtige Mars-Form

Neben der üblichen Probenphase mußste sich die komplette Besetzung, mit Ausnahme von Ice Cube und Natasha Henstridge, einer zweimonatigen Vorbereitung unterziehen, in der die Schauspieler unter der Aufsicht des Carpenter-Veteranen Jeff Imada, einem der besten Stuntkoordinateure der Welt, körperlich auf Vordermann gebracht und in den Grundzügen der Stuntarbeit unterrichtet wurden. "Wir haben viel trainiert. Das war mir völlig neu", erinnert sich Clea Duvall. "Das war harte Arbeit, aber Jeff war absolut spitze und machte Experten aus uns allen."

Joanna Cassidy nahm die körperlichen Erfordernisse ihrer Rolle locker. "Ich habe mich immer schon in Form gehalten und freute mich richtig auf all die Action des Films." Auch Jason Statham benötigte nicht allzu viel Hilfe von Imada: "Ich war vor nicht allzu langer Zeit ein prämierter Tieftaucher in England. Dazu kommt meine regelmäßige Gymnastik, also fiel mir der Fitnessteil echt leicht. Die Stuntkoordination war schon etwas komplizierter."

Ice Cube befand sich mit seinen musikalischen Mitstreitern bis unmittelbar vor Beginn der Produktion auf Tournee und stieß erst zwei Wochen vor der ersten Klappe zum Team. Aber er war bestens vorbereitet. "Ich habe während der Tour intensiv mit Gewichten trainiert", berichtet er. "Sieben Tage die Woche mühte ich mich im Fitness-Studio, um meinen Körper für den Film in die richtige Form zu bringen. Martial Arts habe ich allerdings nicht gemacht. Ich habe in meinen bisherigen Filmen schon so viele Actionszenen hinter mich gebracht, dass ich mittlerweile ohnehin längst ein Profi auf diesem Gebiet bin."

Natasha Henstridge hatte die meisten Schwierigkeiten, sich auf ihre Rolle entsprechend vorzubereiten. "Der Part wurde mir erst ein paar Tage vor Drehstart angeboten. Ich hatte also keine Zeit, mich auf die Anforderungen einzustellen", erzählt die Schauspielerin. "Zum Glück bin ich ziemlich begabt, wenn es um derartige Dinge geht. Jeff Imada zeigte mir ein paar Stuntkniffe und ein paar Tricks für Nahkämpfe. Aber abgesehen davon, ist das, was man im Film von mir zu sehen bekommt, auch das, was ich bereits davor drauf hatte. Die Action machte viel Spaß. Und wann erhält man als Frau schon mal die Chance, richtig Gas zu geben?"

Stuntkkordinator Jeff Imada zeigt sich beeindruckt von seinen Schülern: "Natasha war herausragend. Wenn man bedenkt, wie wenig Zeit sie für die Vorbereitung hatte, war sie phänomenal. Sie machte fast all ihre Stunts selbst und beeindruckte damit selbst die abgebrühtesten Stuntleute am Set. Und Jason war absolut fantastisch. Seine Taucherfahrung hat ihm viel gebracht, weil er die Choreographie-Aspekte mühelos umsetzen konnte." Tatsächlich mußs sich der von Statham gespielte Jericho in der ausgefeiltesten Stuntsequenz des Films gleich mit zwölf gegnerischen Kriegern auf einmal auseinandersetzen. "Jason hat die Szene so gut bewältigt, wie es ein Schauspieler nur kann", lobt Imada.

Mars in New Mexico

Wie verwandelt man eine Gipsmine in Albuquerque in einen Minenposten auf dem Mars? Man beginnt mit einem extrem eng gesteckten Vorproduktionszeitrahmen, der dem Team nur acht Wochen Zeit lässt, die Aufgabe zu erfüllen. Dann bringt man die kooperative State Film Commission und die dort ansässigen Indianer mit an Bord und engagiert einen visionären Ausstatter, der mit dem visionären Regisseur zusammenarbeitet. Man planiert 55 Hektar Gips, baut eine Hauptstraße und zwölf Gebäude in Original-größe und dies bei Temperaturen von beinahe 45-Grad. Man errichtet Außensets und vergisst dabei nicht, in allen von ihnen Blitzableiter einzubauen, um sie gegen die nahezu allnächtlichen Gewitter zu schützen. Dann bemalt man das Ganze mit knapp 500.000 Liter biologisch abbaubarer, roter Lebensmittelfarbe. Ganz einfach also.

"Die Filmkommission von New Mexico hat sich aufopferungsvoll dafür eingesetzt, dass wir den Film bei ihnen drehen", sagt King. "Sie gingen so weit, mir eine Photoshop-Bearbeitung der Gipsmine zu schicken, damit ich sehen könnte, wie sie in Rot aussehen würde." Dieser Einsatz und die verbindliche Zusage der Zia-Indianer, dass die Produkton auf heiligem Land drehen könnte, überzeugten die Produzentin schließlich.

John Carpenter hatte eine genaue Vorstellung, wie sein Mars aussehen sollte: "Ich habe mich über Mars-Kolonisierung und Terra-Forming schlau gemacht. Dann fragte ich mich, in welcher Welt wir wohl leben würden, wenn wir tatsächlich den Mars bevölkern würden. Ich stellte mir vor, der Mars sei so etwas wie die Frontier im Wilden Westen."

Carpenter erkannte, dass nur die stärksten Strukturen und Maschinen des Industriezeitalters in der Lage sein würden, auf dem Planeten zu überdauern. Diese Erkenntnis bildete die Grundlage für den Look der Marssets. Obwohl der Film 200 Jahre in der Zukunft angesiedelt ist, machen die Gebäude und Maschinen einen entschieden unfuturistischen Eindruck.

Um ihre Vision umzusetzen, holten Carpenter und King den Produktionsdesigner Bill Elliott mit dazu. "Ich war mit Bills Arbeit bestens vertraut", sagt John Carpenter. "Er ist ein brillanter Ausstatter, aber dann habe ich gemerkt, dass er noch nie die Gelegenheit gehabt hatte, für einen Science-Fiction-Film zu arbeiten. Wir trafen uns und waren begeistert über die sich bietenden Möglichkeiten. Bill entwarf nicht nur unglaubliche Sets für mich, sondern löste auch das logistische Problem, wie man mit bescheidenem Budget einen ambitionierten Look realisiert."

Die Gebäude selbst sind flache, robust ausehende Bauten, die direkt aus der Mars-Landschaft herauszuwachsen scheinen. Die Designideen entstammen zwar der Imagination von Carpenter und Elliott, aber fußen doch in der Realität des Roten Planeten. "Wir machten uns erst einmal klar, welche Materialien den Menschen auf dem Mars zur Verfügung stehen würde", erläutert King. "Selbst in der Zukunft würde es uns noch schwer fallen, überhaupt zu dem Planeten zu kommen, geschweige denn Materialien dorthin zu transportieren."

Der Look des Sets

Das Umfeld auf dem Mars mußste feindseilig sein und sollte auch entsprechend wirken. Ständige Meteorhagel und starke Winde sollten an der Tagesordnung sein. "Bill Elliott ließ sich von den Pyramiden, der Architektur der Mayas und Lehmsteinunterkünften inspirieren, um das errichten zu können, was wir uns als erste Niederlassungen der Menschen und spätere Städte auf dem Mars vorstellten", sagt King.

"Weil der Mars, wie ihn sich John Carpenter vorstellte, ein Planet mit scharfen Ecken und Kanten sein sollte, entschied ich mich gegen einen ausgesprochenen High-Tech-Look", erinnert sich Ausstatter Bill Elliott. "Ich fand, es wäre viel spannender, Sets aus den Materialien zu errichten, wie man sie auch auf dem Mars vorfinden würde. Mein Leitfaden war es, zur Inspiration zum Maschinenzeitalter zurückzugehen."

Elliott verfolgte diese Idee konsequent, was sich auch bei jenem Zug niederschlägt, der eine ganz wichtige Rolle im Film spielt. Das Ergebnis war ein mächtiges, massives, kugelsicheres Vehikel, wie man es wohl bauen würde, damit es den Anforderungen einer rauhen Umwelt standhält.

Ganz bewusst ließ sich Elliott für seine Arbeit nicht von Büchern, Filmen oder anderen Medien über den Mars beeinflussen: "Ich habe mir ein paar Fotos der Nasa angesehen, um die Farben hinzubekommen. Aber alles andere, was man sieht, entstammt der Fantasie von John und mir. Ich hoffe, dass man so etwas zuvor noch nie gesehen hat und dass man etwas anderes erwartet hat."

Wichtig für die Umsetzung von Elliotts Vision war die enge Zusammenarbeit mit Kameramann Gary B. Kibbe und Kostümdesignerin Robin Bush, die bereits seit vielen Jahren mit John Carpenter arbeiten. "Der Input von Gary und Robin war entscheidend", sagt Elliott. "Wir zogen alle an einem Strang, um Ghost Of Mars zu einem typischen John-Carpenter-Film zu machen. Aber wir waren einer Meinung, dass wir im Rahmen des Möglichen ans Äußerste gehen wollten, um dem Publikum einen Mars zu präsentieren, wie er ihn noch nie gesehen hat."

Kameramann Gary Kibbe fiel die Arbeit mit Elliott nicht schwer. Immerhin waren beide vom ersten Tag an vor Ort, als in New Mexico die Sets gebaut wurden. Mit Regisseur John Carpenter verbindet ihn ohnehin ein fast blindes Verständnis für die Bedürfnisse und Wünsche des Filmemachers. Der hält mit Komplimenten für seinen bevorzugten Kameramann nicht hinterm Berg: "Ich habe mit Gary seit 1986 fast alle meine Arbeiten gemacht. Er bringt ein ungemeines technisches Wissen, Imagination und kompromisslosen Professionalismus zu meinen Projekten."

Kibbe und Elliott hatten jedoch noch nie miteinander gearbeitet. Deshalb war es von großer Hilfe, dass er von Anfang an in dessen Design-Prozess involviert war und so schon lange vor Drehbeginn sein Ausleuchtungskonzept und Kameraeinstellungen auszuarbeiten. "Wenn ich an einem Film arbeite, der fast ausschließlich Nachts gedreht wird, was zu dunklen, tristen Außen- und Innenaufnahmen führt, dann mache ich mir immer Sorgen, wie viel Licht ich brauchen werde, um die Farben separieren zu können", verrät Kibbe. "Die frühe Zusammenarbeit mit Bill gab mir einen gewissen Vorsprung. Weil unser Drehplan eng gesteckt war, mußste ich mir viele Dinge spontan einfallen lassen. Aber grundsätzlich kann man sagen: Wenn etwas gut aussieht, dann filme ich es auch so."

Was ist Schick auf dem Mars?

Für Kostümdesignerin Robin Bush, die bereits an sieben Filmen von Carpenter und Sandy King mitgewirkt hat, lagen die Dinge komplizierter. Sie hatte den Nachteil, sich während der kompletten Vorproduktion in Los Angeles aufzuhalten. "Die Arbeit mit John kenne ich bereits. Das ist immer einfach", erzählt die Kostümdesignerin. "Aber ich bin abhängig vom Input des Ausstatters und des Kameramannes, wenn ich an den Kostümen arbeite, speziell wenn es um die Auswahl der Stoffe und der Farben geht. Weil ich mehr als 1000 Meilen vom Set entfernt war, mußste ich mich auf Zeichnungen und Fotos von Bill und Gary verlassen."

Man darf sich nichts vormachen: Die Aufgabe von Robin Bush war gewaltig. Während sie Elliotts Designs und Farbschemata und Kibbes Ausleuchtungskonzept nicht aus den Augen verlieren durfte, mußste sie die Kostüme für die Mars Police Force, die Minenarbeiter auf dem Mars und der geisterhaften Krieger entwerfen. Und für alle mußsten gewisse Anforderungen erfüllt werden.

"Die Polizeiuniformen sollten glatt und elegant aussehen", erinnert sie sich. "Ich wollte kein Schwarz einsetzen, weil das Probleme bei der Ausleuchtung gegeben hätte. Deshalb entschied ich mich für schimmerndes blaues Leder. Das lässt sich auch in der Nacht gut sehen und hebt sich wunderbar vom Rot des Mars ab. Meine Recherchen halfen mir festzustellen, dass sich die Outfits von Minenarbeitern im Lauf der Zeit nicht wesentlich verändert haben. Shining Canyon ist so eine Art Western-Stadt mit einer entsprechenden Atmosphäre. Daran erinnerte ich mich bei meiner Arbeit und setzte Braun- und Erdtöne und Rost ein."

Die Krieger stellten eine interessante Herausforderung für Bush dar. Sie lassen sich in den Körpern der Minenarbeiter nieder, die sie ermordet haben, und tragen deshalb natürlich deren Kleidung. Aber weil ihre körperliche Erscheinung verändert ist, mit Körperpiercings und Gesichtsbemalungen, erlaubte es sich die Kostümdesignerin, auch kleine Änderungen, an ihren Kostümen vorzunehmen. "Neben Löchern und Rissen in der Kleidung, modifizierte ich auch das Gesamtaussehen der Kostüme, speziell mit stärker akzentuierten Schultern. Die Rosttöne ersetzte ich mit Rot und anderen gruseligeren und stärker betonten Farben."

"Das Kostüm für Desolation Williams fiel mir am leichtesten", erklärt Robin Bush. "Seine roten Camouflage-Hosen passen zur Umgegend. Dazu kommt eine schwarze Lederjacke, die er vermutlich irgendjemand geklaut hat."

Alle Kostüme mußsten binnen sechs Wochen von Grundauf genäht werden. Neben der Garderobe für die Hauptdarsteller mußsten noch 150 Statisten und 35 Stuntleute ausgestattet werden. Alle Kostüme wurden neu angefertigt. Danach mußste man sie einem Alterungsprozess aussetzen, um sie getragen wirken zu lassen. Die gewaltige Aufgabe wurde dank der guten Beziehung zwischen John Carpenter und Robin Bush vereinfacht. "Meine Inspirationen entspringen meinem eigenen verrückten Schädel", gesteht sie. "Aber ich habe immer eine gute Vorstellung davon, was John gefallen könnte. Seine Drehbücher sind so prägnant."

Das Spezialeffekt-Team

Der letzte wichtige Aspekt beim Erschaffen des Looks von Ghost Of Mars war das Spezialeffekte-Makeup von Greg Nicotero. Jeden Tag verbrachten Nicotero und sein Team Stunden damit, Stuntmänner und Statisten aus New Mexico in furchterregende Mars-Krieger zu verwandeln. Mit Kostümdesignerin Robin Bush arbeitete er zudem eng beim Entwurf der Kostüme der Krieger zusammen.

Nicoteros besondere Herausforderung war jedoch die Figur des Krieger-Anführers Big Daddy Mars. Dank seines Einfallsreichtums und seines Könnens könnte dieser Big Daddy Mars, der von Richard Cetrone gespielt wird, eine der legendärsten Filmfiguren in der Ahnengalerie von John Carpenter werden - gleich neben Snake Plissken und Michael Myers.

Nach fünf Wochen Dreh in New Mexico kehrte die Produktion zurück nach Los Angeles, wo weitere fünf Wochen für Innendrehs veranschlagt waren. Während in New Mexico gedreht wurde, verlegte Ausstatter Bill Elliott sein Arbeitsgebiet nach Los Angeles und ganz besonders nach Eagle Rock. Dort schritt er in einem fünfstöckigen Gebäude, das einstmals eines der Hauptkraftwerke von Edison in Südkalifornien war, erneut zur Arbeit. Als der Dreh in New Mexico abgeschlossen war, waren auch die Sets für die Innenszenen in den Gebäuden von Shining Canyon drehbereit. Zu den Sets gehören das Innere des Gefängnisses, wo die Schlacht zwischen den Menschen und den Marskriegern ihr furioses Finale hat, der Pausenraum, in dem die Polizisten die aufgehängten Leichen von 25 abgeschlachteten und geköpften Minnarbeitern finden, der Befragungsraum, in dem Melanie über die Vorgänge in Shining Canyon ausgefragt wird, und ein Hospital.

Bei den Innensets führt Elliott sein Maschinenzeit-Thema fort und verweigert erneut jeglichen Hinweis auf futuristische Elemente. Die große Enge all dieser Drehorte stellte alle Abteilungen vor massive Probleme. Kämpfe zwischen bis zu 20 Kriegern und unseren Helden und die dazugehörigen Feuergefechte und Explosionen wurden mit bis zu drei Kameras festgehalten, was zu manchen Problemen bezüglich der Position der Kameras, der Beleuchtung und nicht zuletzt der Sicherheit führte.

Die Dreharbeiten wurden im späten Oktober abgeschlossen. Monate der visuellen Postproduktion unter der Aufsicht von Lance Wilhoite sollten folgen.

Wie bei all seinen anderen Filmen übernahm John Carpenter auch diesmal die Aufgabe des Komponierens und Einspielens der Filmmusik zu Ghost Of Mars.

Die Arbeit mit dem Meister

"John ist wie der Kapitän eines Schiffs", sagt Natasha Henstridge. "Er ist ruhig, cool, gesammelt und hält immer alle Fäden in den Händen. Mit einem Regisseur wie ihm habe ich noch nie gearbeitet." Dieses Statement könnte auch von allen anderen Schauspielern und Teammitgliedern von Ghost Of Mars stammen. Alle waren voll des Lobes für Carpenters Arbeitsstil und Umgang mit seinen Mitstreitern.

"Es gibt niemanden, der seine beste Leistung unter Stress vollbringt", meint Carpenter. "Der Prozess des Drehs eines Films und das Einhalten des Terminplans ist anstrengend genug. Ich glaube, ich will einfach nur, dass alle eine möglichst gute Zeit beim Dreh verleben."

Was auch immer der Grund sein mag: Die Philosophie des Regisseurs scheint zu funktionieren. Wer Zeit an einem Set von Carpenter verbringt, ist Teil einer kleinen Gesellschaft, in der sich die Mitglieder bei jeder Gelegenheit selbst auf die Schulter klopfen. Beispiel Ice Cube. "John und ich haben viel über Desolation gesprochen, und er hat viele meiner Vorschläge in sein Konzept aufgenommen", erzählt der Schauspieler. "Ihm gefiel es, dass ich Ideen für meine Figur und ihre Motivation mit an den Tisch brachte. Da stand er drauf! Verdammt, dieser Mann lässt sich seinen Namen über die Titel seiner Filme schreiben und hört sich trotzdem an, welche Vorschläge oder Änderungen ich vorschlage. Mehr hätte ich niemals verlangen können."

Was die Schauspieler zusätzlich vereinte, war ihre Begeisterung für das Oeuvre Carpenters. Ohne Ausnahme outeten sich alle als Fans des Genres im Allgemeinen und des Regisseurs im Besonderen. Alle fassten es als große Ehre auf, für ihn vor der Kamera gestanden haben zu dürfen. "Er weiß genau, was er will, aber er ist souverän genug, seine Schauspieler innerhalb der Parameter des Drehbuchs experimentieren zu lassen", sagt Joanna Cassidy. "Er ließ mich kreativ sein und meine Figur der Whitlock mit Herz und Seele erfüllen."

Jason Statham wollte unbedingt die Aufmerksamkeit des Regisseurs erlangen. Als er erfuhr, dass Carpenter sich in Turin aufhält, fuhr er nach Italien und arrangierte ein Treffen. "Ich hatte ihn davor noch nie getroffen", erinnert sich Statham. "Wir tranken ein paar Bier und kamen blendend miteinander aus. Ich war schon immer ein Riesenfan. Als ich erfuhr, dass ich eine Rolle in Ghost Of Mars sicher hatte, konnte ich nicht aufhören zu grinsen. Er ist ein Genie - in diesem Genre gibt es keinen besseren."

Am meisten freute sich Clea Duvall über den lockeren Umgang, den Carpenter mit Schauspielern pflegt. "Er ist einer meiner Lieblingsregisseure, mit denen ich gearbeitet habe", sagt sie. "Er macht die Dinge nicht komplizierter als sie sein müssen."

Ice Cube war aus einem ganz besonderen Grund beeindruckt von der Art und Weise, wie John Carpenter seine Schauspieler dirigiert. Er selbst hat vor, sich künftig mehr und mehr auf das Regiefach zu verlegen und war begeistert, einem wahren Meister bei der Arbeit genau auf die Finger sehen zu können. "Ich lerne viel von ihm, blicke ihm immer über die Schulter, stelle Fragen", erzählt Ice Cube. "Er macht diesen Job so lange, wie ich lebe. Und er nimmt sich immer die Zeit, mich mit Tipps und Wissen zu versorgen."

Aber nicht nur die Schauspieler haben gute Worte für Carpenter übrig. Ausstatter William Elliott sagt: "Ich bin schon lange ein Fan seiner Filme und wollte mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, mit ihm zu arbeiten. Er vertritt eine ausgesprochen starke Meinung, aber lässt seinen Mitstreitern genug Raum ebenfalls kreativ zu sein. Er unterstützt einen, wo er kann. Er vertraut seinen Leuten."

Das größte Kompliment hat allerdings Kameramann Gary Kibbe parat: "Egal, wo ich bin oder was ich gerade mache, wenn John mich anruft, dann komme ich."

Fazit

"Die Ressourcen auf der Erde sind begrenzt. Wenn es die Menschheit lange genug gibt und sie überleben will, dann wird man sich in Richtung andere Welten orientieren müssen", sagt John Carpenter. "Mars ist der nahe liegendste Planet in unserem Sonnnensystem, der für eine Kolonialisierung in Frage kommt."

Will er seinem Publikum mit seinem Film eine Nachricht vermitteln? "Nachrichten hinterlässt man auf Anrufbeantwortern. Filme haben keine Nachrichten, sie haben Themen. Eigentlich will ich nur, dass sich das Publikum Ghost Of Mars ansieht und danach sagt, man habe eine gute Zeit gehabt."

© Fotos: Columbia Tristar © 1994 - 2009 Dirk Jasper