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Wenn Cora Hübsch alias Gruschenka Stevens auf der Leinwand Freud und Leid des Verliebtseins durchlebt, geschieht das mit einer so fesselnden Leichtigkeit, dass man meinen könnte, dieser Film sei einem Gottesgeschenk gleich vom Himmel gefallen. Ganz so wie der Konzertflügel, den Cora in ihrer Fantasie auf eine vermeintliche Nebenbuhlerin herabstürzen lässt.
Andreas Schneppe, Producer bei der Münchner Produktionsfirma Hager Moss Film, war zufällig auf das Buch aufmerksam geworden. "Nachdem ich einmal angefangen hatte, es zu lesen, ging es mir, wie nachher jedem anderen bei uns in der Produktion auch - ich habe es in einem Stück durchgelesen. Und ich fand es klasse. Ich wusste sofort: Das ist ein absoluter Unterhaltungsstoff. Das ist Entertainment pur, eine klassische Liebesgeschichte." Und zwar für jeden. Denn auch wenn "Mondscheintarif" eigentlich ein Frauenroman sein mag, spricht Andreas Schneppe wohl für alle Männer, wenn er sagt: "Da sind Momente drin, wo du auch als Mann ähnliche Muster erkennst. Außerdem ist es interessant, zu sehen, wie Frauen sich ihre eigenen Regeln aufbauen, ihr ganzes Verhalten."
"Es ist auch toll geschrieben", ergänzt Kirsten Hager. "Mit einer Selbstironie, in der man sich selber wieder erkennt. Es ist eigentlich verrückt. Das Thema dreht sich um Fragen, die mich vor langer Zeit beschäftigt haben und die junge Mädels heute immer noch beschäftigen. Es hat absolute Allgemeingültigkeit, egal ob man 17 oder 70 ist. Ich glaube, wenn man verliebt ist, ist es egal, wie alt man ist; man kehrt immer wieder zu den Steinzeitgefühlen zurück. Besonders gereizt hat mich, dass es ein Roman ist, der auf absolut ironische und humorvolle Weise beschreibt, mit welchen Regeln man lebt, welche Regeln man sich selbst auferlegt - und wie schnell man dabei an Grenzen stößt. Er zeigt uns, was alles im Leben passieren kann, wenn man es wagt, diese Regeln hinter sich zu lassen. Das gilt vor allem für die Liebe."
Was lag bei dieser Begeisterung also näher, als der Wunsch, aus dem Stoff einen Film zu machen? "Ich fand die Idee aufregend, die Geschichte genauso außergewöhnlich im Kino zu erzählen wie es der Roman vormachte", sagt Andreas Schneppe noch heute. "In den verschiedenen Zeitebenen herumzuspringen, alles kurz und knapp auf den Punkt zu bringen. Einen Stil für die heutigen Kinobesucher zu schaffen, die mit Videoclipästhetik aufgewachsen sind. Cora ist eine Frau unserer Zeit. Sie mußs sich nicht länger emanzipieren, sie ist über die Emanzipation längst hinweg. Im deutschen Film gab es so einen Charakter wie Cora noch nicht."
So ließ sich auch Benjamin Herrmann, damals Geschäftsführer der ProSieben-Tochter SevenPictures, begeistern, der das Projekt dann im Mai 2000 mit zu seiner neuen Arbeit als Geschäftsführer der Senator Film Produktion nahm. Weitere Unterstützung für die Produktion erhielt man vom FilmFernsehFonds Bayern, dem Filmboard Berlin-Brandenburg und der Filmförderungsanstalt Berlin.
Ralf Huettner selbst war so begeistert, endlich einmal eine Frauengeschichte erzählen zu können, dass er gleich selbst am Drehbuch mitschrieb. Ein nicht ganz leichtes Unterfangen, da die Vorlage mit inneren Monologen nur so gespickt ist, die nun in Filmsprache transformiert werden mußsten. "Die Umsetzung war wirklich sehr schwierig. Im Roman sitzt die Frau eine Nacht lang vor dem Telefon und wartet, dass ihr Liebster anruft", erklärt Schneppe. "Aber in einem Buch hat man die Möglichkeit, parallel zu erzählen. Filmisch ist das nicht so einfach, permanent die Ebene zu wechseln und trotzdem im emotionalen Fluss zu bleiben." "So existiert im Roman zwar auch diese Flashback-Geschichte", führt Hager weiter aus, "aber Coras Visionen sind nur angedeutet. Dafür enthält er viele beschreibend erzählte Situationen. Um unsere Geschichte voranzubringen, mußsten wir diese allgemeinen Dinge ziemlich zurücknehmen und neue Sachen hinzufügen. So ist beispielsweise die Liebesgeschichte, wie wir sie jetzt haben, im Buch gar nicht so ausführlich."
Weitere neu hinzugefügte Elemente finden sich in den Bildern und Szenen, die Coras lebhafte Fantasie verdeutlichen. Da versinkt sie beispielsweise schon mal mit heruntergezogenem Höschen vor Scham im Erdboden oder darf sich von ihrer verstorbenen Oma altbackene Tipps anhören. So nahm die Achterbahnfahrt der weiblichen Gefühle allmählich Gestalt an. Dabei rückte immer stärker eine Frage in den Vordergrund: Wer würde so viel Talent besitzen, diese schauspielerische Tour de Force problemlos zu meistern?
Bis Gruschenka Stevens vorsprach. "Wir merkten, dass sie etwas mitbrachte, was nur wenige haben", erklärt Hager. "Sie hat komödiantisches Talent, ein großartiges Timing und eine entwaffnende Naivität." "Ihr Naturell überhaupt ist für die Rolle richtig", bestätigt Schneppe. "Beim Casting hat sie das Buch nur vorgelesen, und du hast gemerkt, sie ist in der Rolle drin." "Außerdem suchten wir keine vordergründige Schönheit, die polarisiert", fügt Hager hinzu. "Sondern eine, mit der man sich identifizieren kann, und die mit ihren charmanten Neurosen verzaubert." Als Gruschenka Stevens schließlich für die Rolle der Cora Hübsch feststand, war Jasmin Tabatabai als deren beste Freundin Jo die absolute Wunschkandidatin. "Wir haben uns über ihre Zusage sehr gefreut", kommentiert Produzentin Hager. "Gruschenka und Jasmin Tabatabai sind völlige Gegenpole - und gerade deshalb wunderbar, wenn man sie zusammen erlebt. Sie sind wie Schneeweißchen und Rosenrot."
Blieb nur noch die Besetzung von Daniel Hoffmann zu klären, Coras Traummann. Dessen Zusammenspiel mit Stevens sollte genau jenen Funken einer großen Liebe versprühen, den sich die Macher wünschten. "Er mußste eine Projektionsfläche sein", erklärt Schneppe. "Dem Zuschauer mußste klar werden, warum sie sich in ihn verliebt. Bei inneren Werten dauert es schon etwas länger, diese zu erkennen. Bei unserem Hauptdarsteller sollte das erst mal auf der Hand liegen." Einen Schauspieler, der dies alles zu bieten hat und bereits beim ersten Casting mit Stevens überzeugte, war Tim Bergmann. Dazu Schneppe: "Bei den beiden war das klar, das kam sofort rüber." Damit war das Hauptdarsteller-Trio perfekt.
Natürlich bedurfte es dafür auch eines speziellen Kameramannes. Den fand Hager Moss Film in Tommy Wildner, der wie Ralf Huettner durch seine Arbeit an zahlreichen Werbespots fundierte Erfahrung mit dieser neuen Technik garantierte. Aber: "Der Reiz, einen Film zu machen, liegt natürlich nicht in der digitalen Bearbeitung", betont Kirsten Hager. "Der Reiz entsteht, wenn einem ein Stoff gefällt und man an ihn glaubt!" Harmonische Tage in Berlin.
Schließlich fiel nach monatelanger Vorbereitungszeit am 24. September endlich die erste Klappe für Mondscheintarif in Berlin. Dabei stellte sich schnell heraus, wie perfekt das zusammengestellte Team wirklich harmonierte. "Das war einfach ein Geschenk Gottes", schwärmt Gruschenka Stevens. Natürlich gab es eine Menge Arbeit, aber die Dinge hatten eine solche Leichtigkeit, dass sie wie von selbst liefen."
"Die Dreharbeiten standen wirklich unter einem guten Stern", bestätigt auch Tim Bergmann. "Denn wenn die Zusammenarbeit gut funktioniert, merken das nicht nur die Schauspieler und der Regisseur, sondern das gesamte Team. Das beflügelt unbedingt und es macht den Film besser als unter anderen Umständen. Schließlich verbringt man viel Lebenszeit am Set. Und wenn es dort angenehm verläuft, ist es doch schön."
Um schließlich auch noch den Nächten den milden Schimmer verträumten Mondlichts zu verleihen, ließ Tommy Wildner ein spezielles Beleuchtungssystem einsetzen. So trugen letztlich Leuchtballone Scheinwerfer in den Sternenhimmel hinauf, die mit dem echten Mond geradezu um die Wette strahlten.
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| © Fotos: Senator Film © 1994 - 2009 Dirk Jasper |