Produktionsnotizen zu Zickenterror - Der Teufel ist eine Frau
Eines Tages waren Hank Nelken und Greg DePaul auf der Verlobungsparty eines Freundes, als sie blitzartig zu der Einsicht kamen, dass ihr Kumpel im Begriff war, die definitiv falsche Frau zu heiraten.


Dieser Moment war die Inspiration für eine komödiantische Liebesgeschichte, die sich schließlich zu ihrem Kinodebüt als Drehbuchautoren entwickeln würde.

Brad Luff, der ausführende Produzent, erinnert sich noch an die Ursprünge des Projekts: "Ich war schon eine ganze Weile ein Fan der beiden, und wir hatten auch schon an anderen Projekten zusammen gearbeitet. Hank und Greg haben mir schließlich ihre Idee präsentiert, und ich fand das unglaublich komisch. Viele von uns haben ja einen Freund, der mit einer Frau ausgeht, die wir einfach nicht ertragen können ? und diese Situation wird in Zickenterror - Der Teufel ist eine Frau auf die absolute Spitze getrieben."

"Der Unterschied zwischen einer großartigen Idee und einem großartigen Drehbuch liegt in der Umsetzung," sagt Produzent Neal H. Moritz. "Was die Autoren schafften, war, eine Reihe von rasend komischen Situationen zu erfinden, zu denen die Charaktere sie inspirierten. Es ist ein wunderbares Drehbuch mit vielen emotionalen Momenten, aber es ist zugleich eine definitiv haarsträubende Komödie. Sie haben dem anzen einen neuen Blickwinkel und einen einzigartigen Tonfall gegeben, und genau danach sucht man bei jedem Drehbuch, das auf dem Schreibtisch landet. Es ist eine irre witzige Komödie mit tollen Figuren und einem großen Herzen."

Mit einem solchen Drehbuch an der Hand suchten die Produzenten als nächstes nach einem Regisseur, der einen Film von solch komödiantischer Komplexität ebenso bewältigen konnte wie er die eigenartigen Figuren zum Leben erwecken und die haarsträubend absurden Situationen inszenieren konnte. Sie mußsten nicht lange suchen. "Niemand hat ein besseres Timing als Dennis Dugan," sagt Moritz, der mit Dugan schon letztes Jahr bei dem Fernsehpilotfilm "Shasta McNasty" zusammengearbeitet hatte. "Er weiß genau, wie er die Gags hinbekommt. Also war er auch der erste, dem wir das Drehbuch zu lesen gaben."

Dennis Dugan hat als Regisseur bereits etliche Erfolge im Kino und im Fernsehen vorzuweisen, u.a. die Komödienhits Big Daddy und "Happy Gilmore" und Episoden der TV-Serien Chicago Hope und "N.Y.P.D. Blue". "Ich finde, dass Zickenterror - Der Teufel ist eine Frau eine sehr lustige Komödie ist," sagt er. "Sie ist völlig abgedreht, noch bekloppter und schriller geht es kaum. Aber man mußs gleichzeitig hart daran arbeiten, die Figuren lebensecht wirken zu lassen und eine echte Handlung zu erzählen. Deshalb habe ich von Anfang an gesagt, dass ich keine drolligen Autos, komischen Locations oder witzigen Requisiten wollte. Ich wollte eine völlig reale Welt, so dass die Figuren innerhalb dieser Welt so verrückt und abgefahren sein konnten."

Nachdem Dugan an Bord war, begann die Produktion mit der Besetzung. Für die abgedrehten Rollen sicherten die Produzenten sich die Zusagen von einigen der meistbeschäftigten Jungschauspieler Hollywoods. "Wir hatten," sagt Dugan, "großes Glück mit unserer Besetzung. Wir haben alle bekommen, die wir von vorneherein wollten, so sicher waren wir uns, dass die Mischung funktionieren würde."

Jason Biggs spielt die Titelrolle des ungeschickten, hoffnungslos romantischen Darren Silverman. "Ich konnte beim Lesen des Drehbuchs nicht mehr aufhören, zu lachen," sagt er. "Es war wahrscheinlich das Witzigste, was ich seit American Pie in Händen hatte."

Biggs sieht seine Filmfigur als ziemlich durchschnittlichen Typen, der wirklich daran glaubt, dass? die eine und einzige' irgendwo da draußen auf ihn wartet. Insgeheim glaubt Darren, dass diese eine die Cheerleaderin Sandy (gespielt von Amanda Detmer) sein könnte, in die er schon auf der High School verschossen war. Bevor er ihr damals jedoch seine wahren Gefühle offenbaren konnte, ist sie mit ihrer Familie weggezogen, um sich dem elterlichen Zirkus als Trapezakrobatin anzuschließen. "Die Jahre vergehen," erklärt Biggs, "und damit beginnt der Film. Ich glaube immer noch, dass Sandy meine "eine und einzige" war und bin noch nicht über sie hinweg gekommen. Dann aber lerne ich dieses Mädchen namens Judith kennen, und es ist augenblicklich um mich geschehen. Wobei es aber tatsächlich eher so ist, dass sie mich überzeugt, dass es um mich geschehen sei. Sie ist so etwas wie die Puppenspielerin, die an meinen Fäden zieht. Innerhalb weniger Wochen leben wir zusammen und sind verlobt. Sie hat mich überzeugt, dass sie meine "eine und einzige" ist.

Darrens Freund Wayne, gespielt von Steve Zahn, ist wiederum nicht besonders begeistert von dieser Beziehung. Tatsächlich wird er alles in seiner Macht Stehende unternehmen, um seinen Blutsbruder davor zu bewahren, sein Leben und ihre Freundschaft zu ruinieren. "Ich bin so etwas wie der frührer unseres Trios," erklärt Zahn seine Rolle. "Ich bin ein echter Kontrollfreak, aber auf eine gute Art. Ich entscheide, wo wir drei hingehen, wie wir uns anziehen und selbst als wir Judith kidnappen, ist das allein meine Entscheidung. Ich sage, wo's lang geht. Auf der anderen Seite hat Wayne auch eine Menge Schwächen und ist ein liebenswürdiger Typ, was mir an ihm wirklich gefällt."

Einer der Hauptwesenszüge Waynes ist seine "kosmische Verbindung" zu Neil Diamond. Schließlich wurde er 1972 in einer heißen Augustnacht geboren ? mitten während eines Neil-Diamond-Konzerts. Seine fanatische Anbetung des Popstars färbt auch auf Darren und J.D. ab, und die drei gründen die Coverband (Die Rohdiamanten), um ihr Idol zu würdigen.

Jack Black, der zuletzt neben John Cusack in High Fidelity zu sehen war und selbst als Komponist und Leadsänger seiner eigenen Band Tenacious D auf der Bühne steht, spielt J.D., den dritten Amigo im Bunde. erklärt Black. "Er ist ein sehr genügsamer Typ. Wir drei sind wie die drei Musketiere. Wir sind die besten Freunde, und ich schätze, ich bin im Film der Dämlichste von ihnen. Obwohl ? eigentlich sind wir alle ziemlich blöd." Erklärt Black.

Der Grund für Waynes und J.D.s Sorgen kommt in Gestalt von Judith Fessbeggler, gespielt von Amanda Peet. Sie ist eine atemberaubende Brünette, die als Psychotherapeutin erfolgreich ist und in Darren Silvermans Seele wie in einem offenen Buch liest. Entsprechend leicht fällt es ihr, ihn auszunutzen und zu manipulieren. sagt Peet über ihre Rolle. "Die meiste Zeit des Films geht es um ihr Bemühen, an dieser unmöglichen Konstellation festzuhalten. Manchen mag sie böse erscheinen, aber was ihre wahren Motive sind, das müssen die Zuschauer schon selbst herausfinden."

Judiths exaktes Gegenteil ist die engelsgleiche Sandy, gespielt von Amanda Detmer, die mit ihrem Co-Star Biggs zuvor bereits Rob Iscoves Komödie "Boys and Girls" gedreht hatte. "Wir waren zwar beide im gleichen Film," sagt sie, "aber wir hatten keine gemeinsamen Szenen. Dieser Film war für uns deshalb besonders toll, weil wir endlich auch zusammen vor der Kamera stehen konnten." Detmer spricht in den höchsten Tönen von ihren Kollegen: "Die Besetzung in diesem Film besteht quasi aus lauter Fans: Wir alle wussten um das Talent der anderen. Es war ziemlich schwer, da immer ein ernstes Gesicht zu bewahren ? die waren so unglaublich witzig!"

Schließlich ist noch Schauspielveteran R. Lee Ermey zu sehen, der den berüchtigten Coach spielt, der nachhaltigen Einfluss auf Darren und seine Freunde hat. Ermey sagt über diese Rolle: "Er ist das Vorbild der drei. Wann immer sie vor einem Problem stehen, das sie nicht lösen können, fragen sie ihn um Rat. Dummerweise ist der Coach ein total Irrer ? und damit ist er meilenweit von allen Figuren entfernt, die ich bisher gespielt habe. Das hat mir riesigen Spaß gemacht."

Regisseur Dennis Dugan schließlich war es, der vorschlug, Neil Diamond als Schlüsselelement in die Story einzubauen. Er erinnert sich: "Ich habe zu den Autoren gesagt: Wir sollten einen Musikstar in diesem Film haben, aber niemanden aus Waynes, Darrens und J.D.s Generation das war mir nicht abgedreht genug. Und von dem Standpunkt aus gab es natürlich nur einen, der diesen Jungs hip genug war: Neil Diamond. Also haben wir ihn hineingeschrieben, voller Zuneigung natürlich, schließlich sind wir alle große Fans von ihm."

Über Niel Diamond "Meine erste Reaktion," erinnert sich Neil Diamond, war, dass ich eigentlich keinen weiteren Kinofilm machen wollte. Vor Jahren hatte ich ja bereits The Jazz Singer gedreht und bin daraufhin zu der Erkenntnis gekommen, dass die Schauspielerei nicht wirklich etwas für mich ist. Aber das war, bevor ich das Drehbuch gelesen hatte. Und J.D ist ein schlichtes Gemüt mit schlichten Bedürfnissen, "Judiths modus operandi ist es, mit Darren Silverman zusammen zu sein," die sagen mir, ich sei ein wirklich wichtiger Bestandteil der Story. Also habe ich mich hingesetzt und es gelesen und habe von der ersten bis zur letzten Seite nur gelacht. Das war einfach zu witzig, um nicht mitzumachen! Natürlich fühle ich mich auch geschmeichelt und geehrt von der ganzen Sache. Der Film macht Spaß, er ist aufregend, und es steckt auch mehr als ein Körnchen Wahrheit drin.

Es gibt viele solcher Bands, die meine Songs covern.

Eine Menge meiner Fans werden sich in diesem Film wiederfinden, und ich glaube, die werden einen Riesenspaß damit haben.

Die Neil-Diamond-Fans befanden sich ohnehin bereits am Drehort: Biggs, Zahn und Black hatten endlich die Gelegenheit, den legendären Sänger und Songwriter persönlich kennenzulernen. "Die Jungs im Film haben alle ihre regulären Jobs, aber ihre wahre Leidenschaft ist ihre Neil-Diamond-Coverband ?Diamonds in the Rough?, mit der sie an der Promenade stehen und um Geld spielen," sagt Dugan. "Das war deshalb großartig, weil Steve und Jack ja wirklich Musiker sind, und wir dadurch Songs wie "Cherry, Cherry" oder "Holly Holy" aufnehmen und im Film auch verwenden konnten. Zahn und Black waren für mehrere Aufnahme-Sessions in den Blue Wave Studios in Vancouver, wo eines Tages Neil Diamond auf einen Überraschungsbesuch hereinschaute und mit ihnen gemeinsam die Gitarrenriffs für "Cherry, Cherry"? aufnahm.

"Ich liebe die Schauspielerei, das ist etwas wirklich Tolles," sagt Biggs. "Aber es ist noch einmal etwas ganz anderes, mit Neil Diamond auf der Bühne zu stehen und einen Song zum Besten zu geben, während vor einem die Fans kreischen. Das war unvergleichlich, absolut umwerfend!" Auch Jack Black war beeindruckt: "Es war irre cool, mit Neil zu arbeiten. Er ist eine lebende Legende."

Das Konzert, das Biggs damit angesprochen hat, findet in der Schlussszene des Films statt und stellt zugleich die größte und aufwändigste Sequenz von Zickenterror - Der Teufel ist eine Frau dar. Ausgerichtet wurde der Auftritt im Pacific Coliseum in Vancouver, und über 4.000 Statisten strömten zusammen, um Neil Diamond zuzujubeln. Der Co- Produzent und Produktionsleiter Warren Carr spielte eine wichtige Rolle dabei, diese Szene umzusetzen. "Wir sind das angegangen, als würden wir ein normales Konzert organisieren," sagt er. "Dennis hat mich gefragt, wie wir das machen wollten, und ich antwortete, es werde ganz real aussehen, ein echtes Konzert. Die Zuschauer im Kinosaal werden den Unterschied nicht merken, und das war auch unser Ziel. Ich glaube, die Schauspieler waren am Anfang schon ziemlich nervös. Aber dann sind sie voll drauf eingestiegen: Da stehen sie also dort oben auf der Bühne und singen "Holly Holy", während die Mädchen und Ermey im Hintergrund so eine Art Supremes- Tanzshow abziehen. Und alle ? Neil Diamond, unsere Schauspieler, Neils Band, die Crew, die Zuschauer unten im Saal ? alle hatten einen Riesenspaß. Man merkt das auch, es war wirklich großartig."

Dabei waren die Schauspieler für ihre Rollen auch echten Strapazen unterzogen. So mußste Amanda Peet Karate-Training machen, Jason Biggs und Amanda Detmers wurden auf ihre Cheerleader-Schritte gedrillt, und Detmer mußste zusätzlich an ein Trapez hoch oben in der Zirkuskuppel. Neben diesen körperlichen Anstrengungen im Sinne der Komödie gab es noch "Pyrochtechnik, Autounfälle, Kampfszenen und Luftakrobatik", wie Carr sagt.

Die Dreharbeiten für Zickenterror - Der Teufel ist eine Frau fanden im kanadischen Vancouver statt. Zu den wichtigsten Locations des Films gehören das Football-Feld des Vancouver College for the Boys und das Büro des Schultrainers, sowie die Einkaufsmeile von Granville Island, wo die Jungs mit ihrer Band spielen. Der Showdown bei Darrens und Judiths Hochzeit wurde am Stanley Park Dining Pavilion gedreht, und die Lord Byron High School diente als Drehort für die Szenen in der Grundschulmensa und für den Parkplatz der Highschool. Judiths Praxis war in Wirklichkeit ein Büro im Woodsland Hospital, und die Szenen im Gefängnis, sowie die Aussenaufnahmen für die Polizeistation wurden im und am Riverview Hospital Crease Clinic Building gefilmt.

Wenn Dennis Dugan schließlich über die Motive des Films meditiert, kommt er zu der Erkenntnis: "Es geht um die Idee, dass es irgendwo dort draußen den einen und einzigen für jeden von uns gibt. Wenn man hart daran arbeitet und die Hoffnung nicht aufgibt, dann könnte dieser Traum auch wahr werden. Ich selbst glaube absolut an diese Theorie. Ich hatte immer die Hoffnung, dass jemand ganz Besonderes auf mich warten würde ? und diese Hoffnung hat sich schließlich bewahrheitet. Der Moment, als ich das erste Mal meine heutige Frau gesehen habe? oh Mann, das war es! Ich wusste, ich hatte meine eine und einzige gefunden. Das ist die Prämisse des Films. Irgendwie klappt es schließlich, auf eine völlig verquere Art und Weise für jeden im Film. Und dazu gehört auch, dass wir den einen und einzigen Neil Diamond für die Rolle bekommen haben.

Dirk Jasper FilmLexikon
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