|
|
Seit über 25 Jahren ziehen die drei Abrafaxe Abrax, Brabax und Califax auf der Suche nach Abenteuern durch die Welt - jeden Monat neu im "MOSAIK", der auflagenstärksten, in Deutschland gefertigten Comiczeitschrift. Ihre Zeitreisen bringen sie in alle spannenden Epochen der Menschheitsgeschichte. Sie lassen sich von Sokrates belehren, retten der Pharaonin Nofretete das Leben und überzeugen Kaiser Barbarossa von den Nutzlosigkeit des Krieges. Und sie sind natürlich auch seeerprobt, denn sie haben im "MOSAIK" auch schon mit dem Freibeuter Francis Drake die Weltmeere befahren.
Tortuga - das Paradies der Piraten Die Insel Tortuga/Ile de la Tortue gehört heute zu Haiti. Sie liegt vor der nördlichen Halbinsel der Hauptinsel. Sie wurde von Kolumbus entdeckt und wegen ihrer Schildkrötenform Tortuga (frz. "la tortue": die Schildkröte) genannt, ihr Kopf zeigt nach Westen, ihr Schwanz nach Osten. Seit dem 16. Jhd. ist Tortuga Stützpunkt der Flibustiers, der (auch Bukanier genannten) Freibeuter und Seeräuber, die von hier ihre Raubzüge gegen die spanischen Besitzungen unternehmen.
Die Bukanier (frz. "boucan": Räucherhaus) sind ursprünglich Jäger und Häutehändler, die dann u.a. in englischem und französischen Auftrag spanische Küstenorte in Mittel- und Südamerika plündern. 1640 wird die Insel von den Franzosen in Besitz genommen. Ende 17. Jhd. wird Bukanier zum Synonym für alle Piraten der Karibik. Freibeuter sind für die großen Seenationen eine willkommene, billige Alternative zum Ausbau und zur Unterhaltung der eigenen Kriegsmarine. Freibeuter sind bessere Seeräuber - sie haben die Lizenz einer Regierung zum Rauben. Der Kaperbrief erlaubt ihnen, feindliche Handelsschiffe zu plündern. Sie sind Gründer, Stützen und Gegner der kolonialen Handelsmächte in der "neuen Welt".
Später werden die Freibeuter nicht mehr gebraucht. Zwischen 1690 und 1750 entstehen auf den Antillen-Inseln große Zuckerrohrplantagen und immer mehr Siedler aus Frankreich und England lassen sich auf den Inseln nieder. Damit der Zuckerexport nach Europa ungestört abgewickelt werden kann, werden die Freibeuter seit dem frühen 18. Jahrhundert unterdrückt. Aber viele kämpfen äußerst erfolgreich weiter - auf eigene Rechnung, wie der berüchtigte Captain Blackbeard.
Wie ein Kopf in zwei Jahren 100 Pfund schwer wird: Mr. Teach aus Bristol wird Captain Blackbeard - der gefürchtetste Seeräuber aller ZeitenIn der englischen Hafenstadt Bristol, wo er um 1680 als Mr. Edward Teach geboren wird, trifft er zum ersten Mal Seeräuber: Finstere Gesellen, die ihre geraubten Güter zum Kauf anbieten, deren Freiheit ihn fasziniert.
1716 macht Mr. Edward Teach an der Küste vor Havanna seine erste Beute, als er ein spanisches Frachtschiff um 120 Sack Mehl zu erleichtern hilft. Aber schon bald macht sich Mr. Teach selbständig. Er pfeift auf den Gnaden-Erlaß des englischen Königs für alle Kaperfahrer, die ohne staatlichen Kaperbrief weiter ausfahren, und raubt eben auf eigene Rechnung und wird - Pirat. Ein (natürlich geraubtes) französisches Kauffahrerschiff wird sein Flaggschiff, die "Queen Anne`s Revenge", die er mit 40 Kanonen bestückt. Auf seinen Raubfahrten in alle Himmelsrichtungen - er hat mittlerweile seinen "festen Wohnsitz" längst von der Bahamainsel New Providence auf die Insel Ocracoke nahe Kap Hatteras verlegt - setzt er die Besatzung der geenterten Schiffe auf Inseln aus und steckt dann das ausgeraubte Schiff in Brand. Oder er erpreßt erfolgreich Medikamente für Prominente, die er gefangen hat wie z.B. ein Staatsratsmitglied aus Charleston, der Hauptstadt des englisch besiedelten South-Carolina.
Mit dem Raub von vier Schiffen in kürzester Zeit ist sein nom de guerre Captain Blackbeard endgültig in aller Munde. Er liebt es, sich brennende Lunten in seinen schwarzen Bart zu stecken. Vom Anblick seines teuflisch glühenden und qualmenden Bartes erschreckt, heißt es, soll mancher Kapitän sein Schiff freiwillig übergeben haben.
Aber auch seine besten Beziehungen zum Gouverneur von North-Carolina nützen ihm am Ende nichts. (Und natürlich macht der englische Gouverneur mit ihm Geschäfte, aber nur um ihn besser unter Kontrolle zu halten.) Was zu viel ist, ist zu viel - nämlich den Warenverkehr der englischen Siedler und Händler durch Konkurrenz zu stören: Als Captain Blackbeard erlaubt wird die Beutewaren seines frisch gekaperten französischen Handelsschiffs im Hafen zu Höchstpreisen zu verkaufen, wenden diese sich erfolgreich an den Gouverneur des Staates Virginia: Der setzt 100 Pfund Belohnung auf seinen Kopf aus. Captain Blackbeard mißachtet die schriftlich Warnung eines "befreundeten" Richters aus North-Carolina und wird am 22. November 1718 im Kampf mit der englischen Marine, die ihn jagt, erst durch einen Pistolenschuß, dann im Handgemenge durch einen Messerstich in die Kehle verletzt. 16 Verwundungen und 5 Schüsse befördern ihn schließlich ins Jenseits - des ewigen Ruhms: Er überlebt als der gefürchtetste Seeräuber aller Zeiten.
Jung, schön, stark und wild Anne Cormac wird Anne Bonny oder Von der Tochter einer Dienstmagd zur Piratenführerin Das wilde Leben der freiheitsliebenden Frau als berühmteste Piratin der Weltgeschichte beginnt in Irland in Kinsale/Cork Ende des 17. Jahrhunderts. Alles scheint perfekt: Der Vater ist der respektable Rechtsanwalt William Cormac, aber ihre Mutter leider nicht dessen Ehefrau, sondern die Dienstmagd. Die Sache kommt heraus. Die Ehefrau macht die Sache publik. Sein Ruf ist ruiniert. Die Klienten bleiben aus.Aber nun beginnt die Karriere der Anne Bonny alias Cormac. Der Vater wandert mit seiner Geliebten und ihr aus - nach Amerika. Doch das Leben als Tochter eines Plantagenbesitzers in South-Carolina, wo sich ihr Vater niedergelassen hat, ist ihr zu langweilig. In der Hafenstadt Charleston scheint das Leben viel aufregender. Sie verliebt sich in einen armen Schlucker (ein Matrose oder Seeräuber?) namens James Bonny und heiratet ihn überstürzt. Der Vater verjagt sie enttäuscht und enterbt sie.
Anne Bonny flieht mit ihrem Mann nach New Providence auf die Bahamas (nahe dem heutigen Nassau). Die Natur schützt die Insel: Die Korallenriffe und versteckten Klippen sind für die großen Kriegsschiffe des englischen Königs zu gefährlich. New Providence ist ein ideales Piratenparadies. Anne Bonny verliebt sich Hals über Kopf in Calico Jack (der so heißt, weil er auffallend gestreifte und geflickte Hosen trägt) alias Rackham und verlebt ihre Flitterwochen mit ihm (und Mary Read) auf See - als Piratin. Zwei schöne Jahre. Anne Bonny wird schwanger und entbindet ein Kind, das in Rackhams Haus auf Kuba zur Welt kommt und dort zurückgelassen wird. Auf Kuba soll Anne Bonny auch den perfekten Umgang mit Pistole und Kurzsäbel erlernt haben.
Die Berichte über ihr Leben als Piratin sind unterschiedlich. Die Darstellung von Anne Bonny als emanzipierte starke Frau und als die eigentliche Piratenführerin an Bord (die sich auch auf Zeugenaussagen bei ihrer Verurteilung stützen können) sind überzeugend, wenn man sich ihr Ende vergegenwärtigt: 1720 wird Rackhams Schiff von einem Piratenjäger, den der englische Gouverneur der Bahamas angeheuert hat, aufgebracht. In panischer Angst flieht die Mannschaft unter Deck, während Anne Bonny und Mary Read den Piratenjägern heftigen Widerstand leisten.
Vielleicht aber liegen die Männer auch nur unter Deck, um ihren Rausch auszuschlafen? Wie dem auch sei, Calico Jack, Mary Read und Anne Bonny wird am 16. November 1720 in St. Jaga de la Vega auf Jamaica der Prozeß gemacht. Calico Jack alias Rackham wird gehängt, seine Leiche wird in einen eisernen Käfig gesteckt und auf Deadman`s Cay ausgestellt, einer kleinen Insel in Sichtweite von Port Royal (die noch heute Rackham`s Cay heißt).
Anne Bonny und Mary Read aber werden nicht gehängt, sondern begnadigt, weil sie beide erklären, dass sie schwanger sind. Mary Read stirbt 1721 nach der Entbindung im Gefängnis. Das weitere Schicksal von Anne Bonny ist nicht bekannt. Manche vermuten, ihr Vater habe sie freigekauft und nach South-Carolina zurückgeholt.
Anne Bonny gilt als verwegenste Piratin der Geschichte. Ihre letzten Worte zum verurteilten Rackham lauten: "Hättest du gekämpft wie ein Mann, müßtest du jetzt nicht hängen wie ein Hund." Anne Bonny ist eine Rebellin gegen eine Zeit, in der Frauen das Eigentum ihrer Ehemänner sind, weder Geschäfte machen noch eigenen Besitz erwerben dürfen. Ihre Verurteilung wegen Piraterie und Raubes (ihre Beute bestand zumeist aus Tabak, Pfeffer oder den vollen Netzen der Fischer) erfolgt in der Zeit des Sklavenhandels und der Kolonialisierung der "neuen Welt".
Über die Produktion Lange mußsten die Fans der Abrafaxe darauf warten, dass ihre Helden zu Filmstars werden. Der allererste Zeichentrickfilm wurde für das russische Fernsehen produziert, ein kurzer Werbefilm für den Start der Heftreihe "Mosaika" in Russland. Schon hier merkte man, dass es nicht leicht ist, Figuren aus der bisher faszinierenden "Starrheit des Augenblicks" zum Leben zu erwecken. Um nun ein großes Filmprojekt mit den Abrafaxen realisieren zu können, wurde zunächst ein zweiminütiger Pilotfilm gedreht, in dem sich die Abrafaxe schon mal lockerlaufen konnten. Die Abrafaxe - Unter schwarzer Flagge ist der erste Kinofilm mit den dreien, die darin zu Bestform auflaufen.Unter der Regie von Gerhard Hahn und Co-Regisseur Tony Power schrieben Thomas Platt, Julius Grützke und Richard Everett in enger Zusammenarbeit mit den Autoren der Comics das Drehbuch innerhalb von eineinhalb Jahren.
Anfang 1999 konnte mit dem Storyboard begonnen werden.
Um den Film international vermarkten zu können, wurden die Dialoge in Englisch geschrieben und in einem Londoner Tonstudio aufgenommen. Alle Beteiligten waren von den Sprechern derart begeistert, dass man sich zum Ziel setzte, in Deutschland ähnlich gute und populäre Stimmen zu finden.
Jetzt erst konnte mit dem eigentlichen Zeichnen begonnen werden. Um einen ersten Eindruck vom kompletten Film zu erhalten, wurde das Storyboard abgefilmt und mit den Dialogaufnahmen unterlegt. Parallel wurde an den Modelsheets gearbeitet, den Vorlagen für die einzelnen Figuren, die später von vielen verschiedenen Zeichnern gezeichnet wurden.
Endlich, Mitte 1999 wurde mit der eigentlichen Animation begonnen. Die sogenannten "Key frames" entstanden in Berlin, und das ganze Jahr 2000 über zeichneten über 200 Animationszeichner in Saigon die einzelnen Bilder. Dabei wurden über 1,0 Mio Blatt Papier, 2000 Bleistifte und 800 Radiergummis verbraucht. Bis hierhin war alles reine Hand- und natürlich auch viel Kopfarbeit.
Die Phasenzeichnungen wurden eingescannt und am Computer coloriert. Dann mußten Himmel, Hintergrund und Figuren noch zu einem Gesamtbild zusammengefügt werden, das sogenannte Compositing. Natürlich gab es hier, anders als bei einem Realfilm, eine lange Nachbearbeitungsphase von ca. 4 Monaten. Schließlich muß doch alles bis ins kleinste Detail stimmen.
Der gute Ton Seit Anfang 2001 komponierte die Sound Company um Harry Schnitzler die Musikthemen und die Atmosphäre zu den einzelnen Filmszenen. Ein Jahr davor, nämlich Anfang 2000, entstand die Idee, Nena für den Titelsong zu gewinnen. Im Juli besuchte sie die Abrafaxe und war sofort von der Idee begeistert. Sie produzierte den Titelsong zum Film in Deutsch und Englisch. Erst dann entstand die Idee, dass sie auch der Piratin Anne Bonnie ihre Stimme leihen könnte. Optische Ähnlichkeiten sind rein zufällig, aber nicht unwillkommen.|
|
| © Fotos: UIP © 1994 - 2010 Dirk Jasper |
