Produktionsnotizen zu Verrückt/schön

Die Idee zu Verrückt/schön stammt von den angesehenen Produzenten Mary Jane Ufland und Harry J. Ufland, die im Lauf ihrer Karriere bereits für Filmklassiker wie "Nicht ohne meine Tochter" (1991), "Night and the City" (1991), "Wie ein wilder Stier" (1980), "Blade Runner" (1982), "Taxi Driver" (1976) oder Schnee der auf Zedern fällt (1999) verantwortlich zeichneten.



Mary Jane Ufland erinnert sich: "Wir überlegten eigentlich, eine Teenager-Komödie zu realisieren. Dann schlug uns ein Executive von Touchstone vor, wir sollten uns doch etwas Ernsterem, einer Teenager-Liebesgeschichte, widmen. Die Idee gefiel uns. Wir trafen uns mit den Autoren Phil Hay und Matt Manfredi, mit denen wir schon lange zusammenarbeiten wollten, und unterhielten uns über die Umsetzung einer Geschichte, die ganz ernsthaft und bewegend sein sollte. Gemeinsam erarbeiteten wir ein Szenario mit zwei jungen Menschen, die aus entgegengesetzten Teilen der Gesellschaft kommen - das Ganze versahen wir aber mit einer unerwarteten Wendung."

Regisseur John Stockwell sagt: "Wir erzählen eine besondere Geschichte. In Verrückt/schön ist es ausnahmsweise das hübsche weiße Mädchen aus reichem Haus, Nicole, gespielt von Kirsten Dunst, die rastlos und sprunghaft ist.

Als sie Carlos, einen smarten Latinojungen aus der Inner City, der von Jay Hernandez gespielt wird, kennenlernt und sich in ihn verliebt, droht ihre negative Einstellung, seine gesamte Zukunft zum Einsturz zu bringen. Nicoles Vater ist nicht mit der Beziehung einverstanden, aber nicht, wie man erwarten würde, weil er Sorgen hat, was ein Junge aus armen Verhältnissen mit seiner Tochter anstellen könnte, sondern weil er Angst hat, sie könne der vielversprechenden Zukunft des Jungen einen Strich durch die Rechnung machen."

Produzentin Rachel Pfeffer, die bereits an der Entstehung von Filmen wie Der Pferdeflüsterer (1998), Zivilprozess (1998) oder "Eine Frage der Ehre" (1992) beteiligt war, fügt hinzu: "Ich wollte einen Film für meine Tochter machen, die sich im Teenageralter befindet.

Dieser Film zeigt die außergewöhnliche Bandbreite von Gefühlen, die Jugendliche während der Pubertät durchlaufen: von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. Gerade schmerzhafte Episoden nehmen sie ungemein ernst, und der Film tut es ihnen gleich. Gleichzeitig erweist er Teenagern Respekt. Er zeigt ihre Lust, das Leben in vollen Zügen zu leben, aber hält auch diese wertvollen Momente zwischen Kindheit und der ersten Liebe, die Bemühungen, sich von den Eltern zu lösen und sie gleichzeitig doch noch dringend zu benötigen, fest."

Drehbuchautor Phil Hay meint: "Matt (Manfredi) und ich wollten einen Film machen, der eine große emotionale Spanne abdeckt und sich von dem absetzt, was man normalerweise vorgesetzt bekommt, wenn Hollywood Geschichten über Teenager erzählt. Wir wollten nicht etwas abliefern, was leicht und locker ist. Verrückt/schön nimmt Teenager ernst." Sein Kollege Manfredi sagt: "Ein weiterer Aspekt, der uns gut gefiel, war die Gelegenheit, Figuren im Teenageralter zu schreiben, die ein bisschen anders als gewohnt sind, und ihre Kämpfe und Konflikte genau und mit Integrität zu schildern. Es war uns wichtig, das Thema und die Emotionen der Figuren mit Bedacht zu behandeln."

Die Drehbuchautoren waren darum bemüht, nicht den Fehler zu begehen, die beiden im Film dargestellten Kulturen mit Generalisierungen und Stereotypen zu verwässern. Sie sagen: "Was uns große Freude bereitete, war die Tatsache, dass wir eine Latinofigur schreiben konnten, die kein Schwierigkeiten suchender Troublemaker ist. Carlos ist das Gegenteil. Wir fanden es faszinierend, eine Romanze zwischen zwei Menschen verschiedener ethnischer Herkunft einmal ganz anders zu erzählen. Wir wollten den Widerstand von Carlos' Familie thematisieren, zeigen, wieviel für ihre Zukunft auf dem Spiel steht und warum sie dagegen sind, dass ihr Sohn sich mit einem rebellischen weißen Mädchen trifft. Ihre Ablehnung basiert nicht auf Kultur oder Klassenstatus."

Jungstar und Zufallsentdeckung - Geschichten vom Besetzungsprozess Die Besetzung der weiblichen Hauptfigur entpuppte sich als Kinderspiel für den Regisseur und die Produzenten. Von Anfang an war man der Ansicht, dass Kirsten Dunst die optimale Darstellerin wäre für das reiche weiße und emotional unstabile Mädchen, das Trost in den Armen eines mittellosen Latinojungen findet.

Regisseur John Stockwell erklärt: "Ich hatte von anderen Regisseuren und Produzenten wirklich gute Dinge über Kirsten gehört. Sie ist eine große Schauspielerin, aber ich glaube, dass sie ihr komplettes Talent noch niemals ganz ausspielen mußste. Als es an die Besetzung dieser komplexen Rolle ging, flog ich nach Kanada, wo sie gerade an einem anderen Film arbeitete, und traf mich mit ihr.

Sie war sehr aufgeweckt und vernünftig, also eigentlich das genaue Gegenteil von der Figur, die sie in Verrückt/schön spielen sollte. Sie kommt zudem blendend mit ihren Eltern aus und steht mit beiden Beinen fest im Leben. Sie wirkte so gar nicht wie die Nicole Oakley, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Aber als sie dann am ersten Drehtag am Set auftauchte, erschien sie wie völlig ausgetauscht. Sie hatte sich komplett in das launische Wesen von Nicole vertieft, und das umfasste ihre ganze Körperhaltung und Stimme. Der Crew ging es wie mir: Wir waren absolut fasziniert."

"Sie war so ehrlich und offen und mutig", beschreibt Produzentin Rachel Pfeffer den Einsatz von Kirsten Dunst. "Sie wollte unbedingt die Herausforderung, Nicole zu spielen. Und sie tat alles, um den schwierigen Part perfekt zu bewältigen. Kirsten Dunst hatte beispielsweise vor dem Dreh langes, gerades, sehr schönes Haar. Es machte ihr überhaupt nichts aus, als wir sagten, dass wir es abschneiden wollten. Es machte ihr überhaupt nichts aus, als wir sagten, dass sie nicht viel Make-up tragen würde. Sie sollte etwas abgerissen und ungepflegt aussehen, und damit hatte sie nicht das geringste Problem. In ihren bisherigen Filmen spielte sie immer das Mädchen mit einem Herz aus Gold oder die beste Freundin. Dies war das erste Mal, dass ein Film sich um sie drehen würde, mit ihr im Mittelpunkt. Sie stellte sich dieser Figur und verinnerlichte sie für den Verlauf des Drehs. Es war fantastisch. So etwas sieht man nicht alle Tage."

"Diese Nicole ist das genaue Gegenteil von den Figuren, die ich bisher zu spielen hatte", meint dann auch Kirsten Dunst. "Sie ist so rau und real. Niemand hat mich jemals zuvor so gesehen. Nicole hat keine Ambition im Leben. Sie ist nicht sehr stabil und trägt so viele Probleme mit sich herum. Ich bin ganz anders. Ich bin sehr froh, dass Regisseur John Stockwell und die anderen Filmemacher so viel Vertrauen in mich gesetzt haben."

Für die ebenso wichtige Rolle des Carlos Nunez, des disziplinierten und auf seine akademische Karriere fokussierten Latinojungen aus Boyle Heights, der sich in Nicole verliebt, wählten die Filmemacher den Newcomer Jay Hernandez. "Die Besetzung von Jay war das Ergebnis einer Suche, die uns von Küste zu Küste führte", berichtet Regisseur John Stockwell. "Ironischerweise war Jay einer der ersten Schauspieler, die wir in Los Angeles gesehen hatten. Aber wir hatten ein schlechtes Gewissen, wir könnten doch nicht einfach den allerersten Schauspieler nehmen, der zur Tür reinkommt.

Also heuerten wir Casting-Leute an und besuchten Vorsprechtermine in New York, Chicago, Boston, Mexico City und sogar Spanien, um unseren Carlos zu finden. Aber niemand hatte so viel auf dem Kasten wie Jay. Als er für die Rolle vorsprach, blies er uns förmlich weg." Auch Produzentin Mary Jane Ufland erinnert sich: "Während wir noch an der Entwicklung des Drehbuchs arbeiteten, wurde uns Jay als potenzieller Carlos empfohlen. Als wir mit dem Besetzungsprozess begannen, war er der Erste, der sich vorstellte. Wir ahnten sofort, dass er einen großartigen Carlos abgeben würde. Er sah nicht nur toll aus, es gab auch viele Parallelen zu Carlos in Jays eigenem Leben. Die Tatsache, dass ihm die Figur des Carlos nahe stand, war ein Plus. Er strahlt Selbstvertrauen aus und Charisma und spielt mit einem bestechenden Sinn für Realität."

Die Produzentin Rachel Pfeffer stimmt zu: "Jay ist so etwas wie eine Latino-Ausgabe von Tom Cruise. Er ist absolut locker. Da gibt es nichts, was nach Schauspieler aussieht. Er ist so wunderbar unkompliziert. Es ist interessant, dass wir unseren Carlos nach einer landesweiten Suche ausgerechnet in unserem eigenen Hinterhof fanden."

Carlos ist ein positives Rollenmodell. Er ist intelligent und will mehr vom Leben. "Diesen Aspekt der Latino-Gemeinde sieht man in Filmen nur ganz selten", meint Rachel Pfeffer. "Ich habe nie davon geträumt, ein Filmschauspieler zu sein", gesteht Jay Hernandez und reflektiert über seinen unglaublichen Weg vom Unbekannten zu einem von Hollywoods heißesten neuen Stars. "Die Geschichte über den Beginn meiner Karriere klingt kitschig, ist aber wahr: Meine Eltern und ich waren in einem Fahrstuhl in Hollywood. Als sich die Türen schlossen, fuhr eine Hand in den sich schließenden Türspalt, weil der Typ mit nach unten genommen werden wollte. Als der Aufzug anfuhr, sah er mich an und fragte mich, ob ich jemals für einen Film oder als Model vor einer Kamera gestanden wäre. Ich antwortete ihm: Nein. Er gab mir seine Karte und meinte, ich solle ihn anrufen, wenn ich daran interessiert wäre."

Hernandez fährt fort: "Ein paar Wochen habe ich nicht einmal einen Gedanken an diese Idee verschwendet. Dann fragte mich meine Mutter, ob ich den Mann bereits zurückgerufen hätte. Sie schlug vor, dass ich ihn wenigstens einmal besuchen sollte, um herauszufinden, was er für mich tun könnte.

Es würde Spaß machen, und wer weiß, vielleicht könnte ich sogar ein paar Dollar nebenher verdienen. Also rief ich ihn an. Und ehe ich mich versah, ging ich in die Schauspielschule und hatte einen Agenten." Da Hernandez bislang nur in kleinen Fernseh- und Filmrollen zu sehen war, ist Verrückt/schön so etwas wie sein Debüt als Filmschauspieler. Kirsten Dunst fällt nur ein Wort ein, um ihren Filmpartner zu beschreiben: "Ein Profi! Das ist seine erste große Rolle, und er ging mit allem ganz locker um. Es war toll, mit ihm zu arbeiten, weil er ein wunderbarer Typ ist. Wir hatten viele intime Szenen, und es war ausgesprochen angenehm, sie mit jemandem drehen zu können, in dessen Gegenwart man sich wohl fühlt. Er machte alles viel leichter."

Hernandez gibt das Kompliment gerne an seine Partnerin zurück: "Sie ist lieb und völlig unkompliziert. Sie hat schon viele Filme gedreht und wusste, unter welchem Druck ich stand. Aber gleich am ersten Tag sagte sie zu mir: Wenn es irgendetwas gibt, womit ich dir helfen kann, dann zögere nicht, mich zu fragen. Das war wahnsinnig nett. Von einer Schauspielerin wie Kirsten, die schon so oft vor der Kamera stand, erwartet man das nicht unbedingt. Sie hat geholfen, dass ich mich bald sehr wohl beim Dreh fühlte. Mit ihr zu arbeiten, ist spitze."

Für die entscheidende Rolle von Nicoles fürsorglichen, aber distanziertem Vater, dem Kongressabgeordnete Tom Oakley, wandten sich die Filmemacher an den Oscar-nominierten Vollprofi Bruce Davison. Mary Jane Ufland erzählt: "Für diese Rolle brauchten wir einen Schauspieler, der als Kirstens Vater absolut glaubwürdig war. Nicht einfach jemanden, der das richtige Alter hat, sondern auch aussieht, als könnte er Kirstens Vater sein. Und auf Bruce trifft das zu. Ohne jede Frage ist er auch ein fabelhafter Schauspieler - Harry und ich kennen ihn bereits seit mehr als 30 Jahren. Er kam zu Besuch, um über die Rolle zu sprechen, und war großzügig genug, für die Rolle vorzusprechen. Es war ganz offensichtlich, dass er perfekt für den Part ist."

Regisseur John Stockwell stimmt der Produzentin zu, dass Davison seiner Filmtochter Kirsten Dunst verblüffend ähnlich sieht: "Seine Figur, der Kongressabgeordnete, ist ein irgendwie vom Weg abgekommener Typ, und Bruce gelang es, diesen Charakter auf den Punkt genau zu spielen. Es ist eine schwierige Rolle, und er spielte völlig ehrlich und scheinbar mühelos." "Das Schöne an dem Drehbuch ist, dass es eine fast spürbare Verbindung zu der sehr diffizilen Beziehung zwischen zwei Menschen - Vater und Tochter - herstellt", meint Bruce Davison. "Es ist ein sehr interessantes Drehbuch. Ich nenne es ein L-Skript. Man glaubt, es bewegt sich in eine Richtung, tatsächlich dreht es sich aber in eine ganz andere Ecke. Und genauso ist das Leben. Das Buch ist interessant und gut geschrieben."

"Bruce ist ein intelligenter Mann und ein brillanter Schauspieler", erklärt Produzentin Rachel Pfeffer. "Er hat großen Respekt vor Kirsten, und man nimmt ihm die Rolle des Vaters unbedingt ab. Man glaubt ihm, dass er emotional verschlossen war, als er sie groß zog, und so viele Schwierigkeiten hatte, dass er sie ohne Absicht aus seinem Leben ausschloss. Dann begann er sein Leben noch einmal von vorn, mit einer neuen Frau und einem neuen Kind. Bruce hat es drauf, eine derartige Figur trotz all ihrer Fehler sympathisch darzustellen. Es gibt keinen Moment, an dem man ihn nicht mag. Man kann seine Gefühle und Handlungen völlig nachvollziehen. Ich glaube nicht, dass das viele Schauspieler können. Es ist ein bisschen wie Shakespeare."

Drehbuchautor Matt Manfredi sagt: "Wir hoffen natürlich, dass wir den Zuschauern mit auf den Weg geben können, dass man jemanden, den man liebt, nicht fallen lassen darf. Für mich ist das die größte aller Tugenden. Carlos mußs eine ganz schwierige Entscheidung treffen. Aber egal, wie viele Menschen ihm zureden, Nicole aufzugeben - er tut es nicht. Obwohl er mit dem Gedanken spielt alles hinzuschmeißen, macht er es nicht, weil er weiß, dass sie eine gute Seele hat." "Genau!", stimmt sein Kollege Hay zu. "Ganz einfach gesagt, zeigt der Film, dass man das Leben eines anderen Menschen berühren kann, egal wie weit abgedriftet er oder sie sein mag. Und wenn man nicht mehr macht, als ihm zuzuhören und einfach nur für ihn da zu sein - damit berührt man ihn bereits."

"Unser Ziel war es, einen Film für diese Generation zu machen, der über die Intensität der ersten Liebe erzählt", sagt Produzentin Mary Jane Ufland. "Ich glaube, das ist uns gelungen."

Verschiedene Welten in Los Angeles - Drehorte für Verrückt/schön Verrückt/schön wurde an Drehorten in und um Los Angeles gedreht, die sich vom makellosen Edeldistrikt um die Pacific Palisades zur kulturell gemischten Großstadtgegend Boyle Heights erstrecken.

Harry und Mary Jane Ufland basierten diese gemischt-kulturelle Geschichte auf die feine Oberklassenwelt, die sie als Hollywood-Produzenten aus erster Hand kennen, und ihre Arbeit mit dem Jesuitenpriester Pater Greg Boyle, der sich für sozial benachteiligte Kinder in East L.A. einsetzt. Um der sinnlosen Ganggewalt Einhalt zu gebieten, begann Pater Boyle diverse Integrierungsprogramme wie "Homeboy Industries" und "Jobs for a Future", die jungen Latinos helfen sollen, den Ausstieg aus der Gangszene zu schaffen und einen Neuanfang zu wagen. Indem sie einige der Jungs des Paters für Filmproduktionen anstellen, wann immer sie in Los Angeles drehen - Verrückt/schön bildet keine Ausnahme -, haben die Uflands aus erster Hand erlebt, wie hart diese Jugendlichen arbeiten, um ihre Lebensumstände zu verbessern, wenn man ihnen nur die Möglichkeit gibt.

Die richtigen Locations waren von großer Bedeutung, um den Realitätsanspruch von Verrückt/schön nachhaltig zu unterstreichen. Nicole und Carlos lernen sich an einem der farbenfrohsten und beliebtesten Wahrzeichen von Los Angeles kennen: dem Santa Monica Pier, ein angesagter Treffpunkt für die Teenagerszene. Sie verlieben sich in den Gängen, Klassenzimmern und dem Parkplatz der idyllischen Pacific High School, die nur einen kurzen Spaziergang vom Strand entfernt liegt.

Eine von Panoramafenstern eingefasste Malibu-Villa auf der Anhöhe eines Hügels dient als Nicoles palastartige Residenz in den Palisades. Ein kleines Haus in Chinatown, das Downtown L.A. überblickt, wurde als gemütliche Residenz der Nunez-Familie gewählt, in der stets Freunde und andere Familienangehörige zu Gast sind. Einige Straßen von Boyle Heights wurden für einen Nachtdreh abgesperrt. In diesen Szenen lernt Nicole den Schmelztiegel aus Latinos, Afroamerikanern und Asiaten kennen, den Carlos sein Zuhause nennt und der dem Mädchen aus dem wohlhabenden weißen Viertel unbekannt ist.

Auch andere Aspekte der Geschichte von Verrückt/schön sind unverkennbar in der Realität verankert, wie beispielsweie das Schüleraustauschprogramm, das Schüler von Boyle Heights zur Pacific High School transportiert, oder die Möglichkeit einer Weiterempfehlung an die Annapolis Naval Academy, die Politiker vereinzelten Topschülern aussprechen. Tatsächliche Trainer, Highschoollehrer und sogar Haushälterinnen wurden für den Film besetzt. Fünf Hispano-Schüler der John Marshall High School in Los Feliz erhielten Sprechparts. Diese Schüler besuchen den John Marshall Drama Workshop, der von Kevin Kane unterrichtet wird. Kane begann mit der Schauspielklasse vor sechs Jahren mit elf Schülern.

Mittlerweile sind es 150 und die Warteliste ist endlos lang. "Wir wagen uns an alles, von Shakespeare bis zu Broadway-Klassikern", verrät Kane. "Aber es ist mehr als nur eine Schauspielgruppe. Wir ermutigen die Kids, sich auszutauschen und darüber zu schreiben, was sich in ihrem Leben wirklich abspielt. Die Themen sind alarmierend. Sie erstrecken sich von Gangmorden über Drogenmissbrauch und Teenager-Schwangerschaft zu Polizeigewalt. Der Workshop ist so etwas wie Gruppentherapie, in der Kids ihre Gefühle ausdrücken, Unterstützung finden und ihr Selbstbewusstsein wieder aufbauen können."

Bisweilen erscheint die Welt in Verrückt/schön wie ein Paralleluniversum: wunderbar surreal und doch irgendwie beunruhigend und aus der Balance gebracht. Die Highschoolszenen sind in intensive Blau-Grün-Schattierungen gehüllt, während die Bildanordnung stets irritierend ist und diese Sequenzen mit leicht schrägen Kamerawinkeln gefilmt wurden. "Die Bilder sind immer ein bisschen aus dem Gleichgewicht", erklärt Kameramann Shane Hurlbut. "Wir wollten, dass sich alles beunruhigend anfühlt, weil das Leben von Teenagern beunruhigend ist. Wir haben auch sehr spontan gedreht, um ein Gefühl für die improvisierte Welt der Teenager zu erzeugen - eine Welt, in der sie tun können, was sie wollen und keine Verantwortung haben."

Im Gegensatz dazu wurde das Haus von Nicoles Eltern streng in weißen, antiseptischen und emotional unterkühlten Farben gehalten. Dort hielten die Kameras still: Alles dreht sich hier um Struktur, Strenge und Architektur. Die einzigen warmen Töne finden sich im Inneren von Carlos' Zuhause. In dieser kleinen, zusammen geflickten Bude in einer dunklen, gefährlichen Straße findet sich eine freundliche Welt, in der es Trost, Rückhalt und familiäre Liebe gibt.

Viel Mühe gab man sich auch, die Kostüme in Verrückt/schön authentisch zu gestalten. Die Kostümdesignerin und Straßenstil-Expertin Susan Matheson ging daher mit echten Kids zu ihren Lieblingsboutiquen und Second-Hand-Läden und deckte sich dort mit der Garderobe für den Film ein. Einen besonderen Einfall hatte sie für die Kleidung von Nicole: "Jedes einzelne Stück versah ich mit Rissen oder Schnitten oder Flicken. Manche Teile färbte oder bleichte ich aus. Damit drückt Nicole ihre unterdrückten Gefühle der Wut, Trauer und Entfremdung aus, so dass sich ihr verletztes Inneres nicht nur in ihren Fotos und ihrem Tagebuch, sondern eben auch in ihren Klamotten wiederfindet."

Lektion fürs Leben - Ein Fazit Im Kern ist Verrückt/schön ein Film, der einem zeigt, dass es nicht darum geht, was man im Leben hat, sondern wer man ist. Das ist ein Thema, das die Uflands seit Jahren interessiert. Seit langer Zeit fühlen sie sich zu Filmstoffen hingezogen, die die emotionale Sprengkraft familiärer Beziehungen und das zarte und doch so starke Band zwischen Eltern und Kindern untersuchen.

"Ich finde unbedingt, dass Eltern diesen Film mit ihren Teenagern sehen sollten, denn es gibt so vieles, was zwischen ihnen unausgesprochen bleibt", erklärt die Produzentin Rachel Pfeffer. "Die Botschaft des Film ist klar: Wir Erwachsene müssen gut zuhören, und unsere Teenager müssen sich uns öffnen. Das ist eine wichtige Botschaft für jedermann." Regisseur John Stockwell meint abschließend: "Ich hoffe, dass das Publikum berührt und überrascht sein wird, wie zärtlich und genau Verrückt/schön ist und dass es möglich ist, sich einem Menschen zu nähern, der anfangs völlig unnahbar scheint. Ich würde sagen, man kann sich auf eine wunderbare, kraftvolle, intensive und witzige Reise in Richtung Selbstheilung freuen."

Dirk Jasper FilmLexikon
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